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Full text of "Epistulae et chartae ad historiam primi belli sacri spectantes quae supersunt aevo aequales ac genvinae. Die Kreuzzugsbriefe aus den Jahren 1088-1100; eine Quellensammlung zur Geschichte des ersten Kreuzzuges. Mit Erläuterungen"

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EPISTVLJ; ET CHAETJ] ^-^ 

AD HISTORIAM PEIMI BELLI SACRI SPECTANTES 
QV^ SVPERSVNT ^VO ^QVALES AC GENVIN^. 



DIE KREUZZUG8BRIEFE 

AUS DEN JAHREN 1088-1100. 

EINE QUELLENSAMMLUNG 

ZDR 

GESCHICHTE DES ERSTEN KREUZZUGES 

MIT ERLAUTERUNGEN HERAUSGEGEBEN 

VON 

DS^ HEINRICH HAGfENMEYER. 



GKDRUCKT MIT UNrERSTtJTZUNG AUS MITTELN DER DR. JOH. FRIED. BOHMER'SCHEN 
NACHLASSADMINISTRATION. 





INNSBRUCK 

VERLAG DER WAGNER'SCHEN UNIVERSITATS-BUCHHANDLUNG. 

1901. 



[6 



rt^S" 



DRUCK DER WAGNER'SCHEN UNIVERSITlTS-BUCHDRUCKEREI. 

Printed in German/ 



Der hohen philosophischen Fakultat 

der 

Universitat Heidelberg 

als Zeichen des Dankes ffir die dem Herausgeber am 
3. Dezember 1898 honoris causa verliehene 

pMlosophische Doktorwilrde 
gewidmet. 



Vorwort. 



I 



Es bedarf wohl nicht einer besonderen Rechtfertigung, dass 
ich es unternommen habe, diese Sammlung von urspriinglichen 
Kreuzzugsbriefen zu veranstalten und der Oeffenthchkeit zu iiber- 
geben. Es diirfte geniigen, wenn ich erwahne, dass eine mog- 
lichst vollstSndige Sammlung aus der Zeit des I. Kreuzzuges stam- 
mender und ihrem Inhalte nach mittelbar oder unmittelbar auf 
diesen sich beziehender Urkunden bisher noch nicht im Drucke 
erschienen war. Nur zerstreut und mitunter auch mangelhaft 
ediert fmdet man einige derselben in den Fohowerken von Martene, 
von Muratori, von d'Achery, Bongars, Duchesne und im Inven- 
taire Riants zum erstenmale gedruckt, oder auch einige derselben 
im Recueil des Historiens des croisades und bei Migne in Patro- 
logia latina wieder abgedruckt. Gerade dieser Umstand diirfte 
von denjenigen, welche sich mit der Quellenforschung zur Kreuz- 
zugsgeschichte schon eingehender beschaftigt haben, jeweils als 
ein sehr missHcher empfunden worden sein und die nunmehr 
ihnen in einem handlichen Format gebotene Gesamtausgabe schon 
darum gerne willkommen geheissen werden, weil ihnen bei Be- 
niitzung derselben die Muhe erspart ist, in den genannten, zu- 
meist schwerfalhgen Foliowerken die einzehien Briefe erst zu- 
sammensuchen zu miissen; nocli mehrauch desshalb, weil dieganze 
Anlage vorliegender Sammlung es ermogUcht, mit leichter Miihe 
das in den Briefen und Urkunden Gebotene fiir die Geschichte 
des I. Kreuzzuges zu verwerten. 

Bei Ausarbeitung dieser Ausgabe habe ich nun besondere 
Sorgfalt darauf verwendet, die noch vorhandenen Handschriften, 
welche meistenteils bisher noch nicht bentitzt waren, beizuziehen 



VI 

iind den Text der Briefe darnach zu gestalten nnd wiederzugeben. 
Das dadurch erzielte Resultat, soviel es auch zu wUnschen tibrig 
lassen mag, darfte immerhin den mOglichst reinen ursprUnglichen 
Text dieser Urkunden bieten, was ja als das Ziel jedweder ge- 
nauen Textausgabe betrachtet werden muss. 

Wie in den andern von mir besorgten Editionen des Hiero- 
solymita Ekkehards von Aura, des Anonymus der Gesta Franco- 
rum und Galters des Kanzlers Bella Antiochena, so habe ich auch 
der vodiegenden eine ausfuhrliche Einleitung und Erlauterungen 
beigegeben und dadurch den Inhalt der Briefe im einzelnen mit 
den tibrigen noch vorhandenen Quellennachrichten in Vergleich 
und Beziehung gesetzt und durch nahere Besprechung desselben 
da und dort zur weiteren Aufhellung der Geschichte des I. Kreuz- 
zuges wohl erwunschte Beitrage geliefert. 

Kritische Vorarbeiten ftir die einzehien Briefe giebt es nur 
wenige. Ceillier und die Herausgeber der Histoire litteraire de 
la France, und nach diesen auch Mailly und Michaud haben 
den einen und den andern Brief blos ihrem Inhalte nach, und 
von Sybel in seiner Geschichte des I. Kreuzzuges eine Anzahl (8) 
derselben nach Inhalt und Wert in Ktirze besprochen ; die Haupt- 
arbeit aber hat schon vor mir Graf Riant in seinem Inventaire 
critique des lettres historiques des croisades I. II. (Paris 1880) 
geUefert, in welchem er nicht nur den Inhalt jedes einzelnen 
Briefes in kurzem Auszuge wiedergegeben, sondern sie auch auf 
ihre Echtheit und Unechtheit hin geprtift und dazu jeweils die 
noch vorhandenen Manuscripte, sodann auch die schon existieren- 
den Druckausgaben und etvvaigen Uebersetzungen derselben ver- 
zeichnet hat. Ohne diese Vorarbeit Riants, in welcher vornehm- 
lich das von ihm erzielte Resultat seiner umfangreichen Nach- 
forschungen auf den meisten grosseren Bibliotheken Westeuropas 
verwertet ist, hatte ich den Text in der vorliegenden Gestalt nicht 
lieffcrn konnen, da mir weitaus der grossere Teil der von diesem 
Gelehrten aufgefundenen und verzeichneten Handschriften unbe- 
kannt geblieben ware. Ohne seine Bemtihungen wtirden wolil 
auch die von ihm im Inventaire erstmals edierten 4 Briefe (in 
unserer Sammlung II, VI, VIII, XVII) noch in den betreffenden 
Bibliotheken verborgen liegen und eines spateren gltickhchen Ent- 
deckers harren. 

So habe ich denn auch den vom Grafen Riant mehrmals 
edierten Text der Epist. I, ebenfalls die von ihm erstmals auf 
Grund von je 2, bezw. je einer Handschrift herausgegebenen Briefe 



VII 

II, VIII, XVII und XXI ufiserer Ausgabe mit nur wenigen von 
mir vorgenommenen Aenderungen fast worllich nach Riants Aus- 
gabe wiedergegeben, sodann aus anderweitigen schon vorhan- 
denen Druckausgaben die Urkunden VII, XIII, XIV, die Alexios- 
briefe V und XI, und den Papstbrief XXIII, ohne von einigen noch 
vorhandenen Handschriften derselben Einsicht zu nehmen, auf 
Grund des Textes dieser Ausgaben in die meinige aufgenommen. 
Zu den iibrigen aber, u. zvv. zu III, IV, VI, IX, X, XII, XV, XVI, 
XVIII, XIX, XX und XXII lag es mir ob, die Collationen aus der 
von Riant im Inventaire verzeichneten nicht kleinen Zahl der 
weitzerstreuten Handschriften teils selbst zu fertigen, teils durch 
anderer Beihilfe mir fertigen zu lassen, was mir anfangs eine fast 
nicht zu bewaltigende Arbeit zu sein schien, aber durch das gii- 
tige Entgegenkommen der von mir darum Ersuchten mir wesent- 

1^ ^ lich erleichtert und zu einem guten Ende geftthrt worden ist. 
^p Darum fQhle ich mich verpflichtet auch hier allen denen zu 
danken, die mir durch Rat und That ihre Beihilfe gewahrt haben, 
so vornehmlich dem Herrn J. Delaville le Roulx in Paris, den 
Herren Bibliothekaren Ch. Kohler in Paris, Henri Michel in 
Amiens, Dr. Fr. Ebrard in Frankfuit a. M., Dr. G. v. Laubmann 

IW in Munchen, Dr. J. W^ille in Heidelberg, Dr. E. Rostagno in 
H Florenz, den beiden Herren Sekretaien Dr. W. F r i e d e n s b u r g und 
Dr. K. Schellhass am kgl. preussischen Institut zu Rom, den 
Herren Professoren Dr. E. Mtthlbacher in W^ien und Dr. Frz. 
Riihl in Konigsberg, ebenfalis dem Hrn. Stadtvikar 0. Herrigel 
in Karlsruhe, welcher mich bei der Korrektur unterstutzt hat. 

Wiederum waren es die Administratoren und Testaments- 
exekutoren der Dr. Joh. Friedr. BOhmerschen Stiftung in Frank- 
furt a. M., Herr Juslizrath Dr. Adolph von Harnier und Herr 
Dr. Friedrich Schmidt-Polex, welche in hochherziger Weise 
die Kosten fiir die Herstellung des Buches aus der genannten 
Stiftung bewilligt haben, denen ich auch hiemit den schuldigen 
Dank ausspreche. 

Zu meinem Bedauern war es mir nicht mehr moglich, die erst 
wahrend des Druckes dieser Ausgabe erschienenen interessanten 
Biicher von F. Chalandon, Essai sur le regne d'Alexis l"" Com- 
ene 1081—1118 (Paris 1900), und von R. ROhricht, Geschichte 
es I. Kreuzzuges (Innsbruck 1901) in derselben noch zu beruck- 
sichtigen und mich mit ihnen des Naheren zu beschaftigen, wozu 
mir in den Erlauterungen ofters Veranlassung geboten gewesen 
ware. Chalandon kommt in betreff der Epistula Alexii ad Ro- 



VIII 

bertum Flandrensem zu dem Riantschen Resultat, dass dieses 
Schreiben (Epist. I unserer Ausgabe) gegen 1098 — 1099, um als 
Excitatorium zu dienen, verfasst worden sei; ein echter Brief des 
Kaisers an Robert, sowie Klagen der syrischen Christen und ein 
Rehquienkatalog hiltten dem Falscher zur Grundlage gedient, der 
den Anschein erwecken wollte, als sei das Schreiben im J. 1091 
verfasst worden. Die GrQnde, welche gegen diese Annahme einer 
so spiiten Abfassung sprechen, hat schon G. Paris uberzeugend 
dargelegt; ich habe sie auf S. 27 vorhegender Ausgabe aufge- 
fiihrt; sie sind durch Chalandons Darstellung keineswegs wider- 
legt; doch hoffe ich noch anderwarts auf sie zuruckzukommen. 
Rohricht hat fast alle echten Kreuzzugsbriefe in seinem Buche 
vorteilhaft verwertet und eben damit mancherlei in den Bereich 
seiner Erzahlung aufgenommen, was in den bisherigen Darstel- 
lungen noch keine Stelle gefunden hatte. 

Mein Absehen bei der Ausarbeitung und Herausgabe dieses 
mit einem reichen Kommentare versehenen Buches war nicht nur, 
die in demselben gebotenen Schriftstucke den Historikern zugiing- 
licher zu machen, sondern zielte wie bei den frQher von mir be- 
sorgten Quellenausgaben auch darauf ab, vornehmlich Studieren- 
den, die sich in die Litteratur und Geschichte des I. Kreuzzuges 
einarbeiten wollen, hiezu ein w^eiteres Hilfsmittel zu bieten. M5ge 
das Buch auch hienach beurteilt und ihm eine diesem Zweck ent- 
sprechende Beachtung zu teil werden. 

Ziegelhausen bei Heidelberg im August 1901. 



Pfarrer Dr. H. Hagenmeyer. 



Inhaltsverzeichnis. 



I 



Seite 

Vorwort V 

Inhaltsverzelchnis IX 

Einleitung 1-126 

Epistulae et Chartae ad historiam primi belti sacri spectantes quae super- 

sunt aeuo aequales ac genuinae 127—181 

I. Epistula Alexii I Komneni imperatoris ad Robertum I 

comitem tlandrensem 129 

II. Epistula Vrbani II papae ad omnes fideles in Flandria 

commorantes 136 

III, E{)istula Vrbani II papne ad Bononienses ... 137 

IV. Epistula 1 Stephani comitis Carnotensis ad Adelam uxorem 138 
V. Epistula I Alexii I Komneni ad Oderisium I de Marsis 

abbatem Casinensem 140 

VI. Epistula Simeonis patriarchae Hierosolymitani et Hade- 
mari de Podio S. Mariae episcopi ad fideles partium 
Septentrionis ......... 141 

VII. Charta Clementiae comitissae Flandriae .... 142 

VIII. Epistula I Anselmi de Ribodimonte ad Manassem archi- 

episcopum Remorum 144 

IX. Epistula Patriarchae Hiero?olymitani et aliorum epis- 

coporum ad Occidentales 146 

X. PJpistula II Stephani comitis Carnotensis ad Adelam 

uxorem ... 149 

XI. Epistula II Alexii I Komneni ad Oderisium I de Marsis 

abbatem Casinensem 152 

XII. Epistula Boemundi, Roberti Guiscardi filii, Raimundi co- 
mitis S. Aegidii, Godefridi ducis et Hugonis Magni ad 
uniuersos Christi fideles 153 

XIII. Charta Boemundi . 155 

XIV. Pactum Genuensium 156 

XV. Epistula II Anselmi de Ribodimonte ad Manassem archi- 

episcopum Remorum . . . . . . . 156 

XVI. Epistula Boemundi, Raimundi comitis' S. Aegidii, Gode- 
fridi ducis Lotharingiae, Roberti comitis Normanniae, 
Roberti comitis Flandrensis, Eustachii comitis Boloniae 

ad Vrbanum II papam 161 

XVII. Epistula cleri et populi Lucensis ad omnes fideles . 165 

XVIII. Epistula (Dagoberti) Pisani archiepiscopi et Godefridi 
ducis et Raimundi de S. Aegidii et uniuersi exercitus in 
terra Israel ad papam et omnes Christi fideles . . 167 



Seito 
XIX. Epistula Paschalis II ad archiepigcopos papac et epis- 

copos et abbates Galliae 174 

XX. Epistula Manasses Reu:orniTi archiepiscopi ad Lambertum 

Atrebatensem episcopum 175 

XXI. Epistula Ddgoberti patriarchae Hierosolymitani ad omnes 

Teatonicae regionis catholicos 176 

XXII. Epistula Paschalis II papae ad omnes crucesignatos in 

Asia triumphantes 178 

XXIII. Epistula Paschalis II papae ad consulcs Pisanos . . 179 

Erlauterungen zu den Epistulae et Chartae 183-432 

Register . . . . 433-487 

I. Bibliographisches Regiater 435 

II. Chronologisches Register 447 

III. Iridex rerum et Glossarium 435 

Nachlese ^ 487 



Einleitung. 



Es ist eine verlialtnismassig geringe Anzahl von Briefen und Ur- 

'kunden, welche in dem vorliegenden Buche ediert sind. Sie beziehen 

sich auf die Geschichte des ersten Kreuzzuges im weitesten Sinne und 

sind mit Ausnahme des ersten Stuckes alle in der Zeit zwischen den 

Jahren 1096 bis 1100 von am Zuge selbst Interessierten oder dabei 

Beteiligten verfasst worden. Sie stehen deshalb an Wert den von Teil- 

nehmern am Zuge verfassten grOsseren Erzahlungen vollkommen gleich, 

ja sie bilden iiberhaupt die altesten schriftlichen Aufzeichnungen, welche 

jWir uber den ersten Kreuzzug besitzen. Wir haben sie ediert, wie sie 

ihrem vollen Wortlaute nach bis auf unsere Zeit uns erhalten worden 

Isind. Dass ihre Zahl nur 23 Niunmern umfasst, ruhrt daher, dass wir 

lle jene zahlreichen von den Kreuzzugsschriftstellern teils nur erwahnten, 

jils in ihre Erzahlungen eingefugten, aber nach Inhalt und Form ge- 

iderten Briefe, nicht minder auch jene, die in spaterer Zeit fabriziert 

Iworden sind, von der Aufnahme ausgeschlossen haben : hatten wir alle 

liese auch aufgenommen, so wurde eine Zahl von wenigstens 130 Num- 

lern zu verzeichnen gewesen sein, wozu wir uns um so weniger zu ent- 

;hliessen vermochten, weil alle diese Stiicke teils von gar keinem^ 

iils von nur sekundarem Werte sind, und, soviel ihrer noch vorhanden, 

selbstandige gleichzeitige Quellenurkunden nicht betrachtet wer- 

len konnen, indem sie erst nach der Zeit des ersten Kreuzzuges von 

Iritten verfasst und als deren eigenste Erzeugnisse in ihre Erzahlungen 

[eingeschaltet worden sind. — Ehe wir nun auf die in vorliegender 

Lusgabe edierten Stiicke im einzelnen naher eingehen, ist es nOtig 

iber diese von unserer Sammlung ausgeschlossenen Briefe einiges vor- 

fauszuschicken. 

Was zunachst die in gleichzeitigen sowie in spateren 
[Erzahlungen des ersten Kreuzzuges einfach und kurz er- 
twahnten Briefe anlangt, so kOnnen sie darum nicht ediert wwden, 
jeil sie eben ihrem ursprunglichen Wortlaute nach nicht mehr vor- 
'handen sind; und wenn die eine und andere Bemerkung in den ur- 
spriinglichen Kreuzzugserzahlungen, dass unter gewissen Verhaltnissen 
Briefe gewechselt worden seien, etwa den Wilhelm v. Tyrus veranlasst 
haben, den vollen Wortlaut eines solchen von einem fruheren Erzahler 

Hagcnmeycr, Epistulae ot Cbartae. 1 



2 Einleitung. 

nur oberflachlich benannten Briefes in seiner Historia transmarina mit- 
zuteilen, so ist es ausser allem Zweifel, dass Wilhelm nach eigenem 
Ermessen den Wortlaut selbst fabriziert hat und den Briefschreiber also 
reden lasst, wie er es aus dem Zusammenhang seiner Vorlage zu fol- 
gern fiir passend hielt. So erwahnt z. B. Raimund de Ag. im Re- 
cueil, Hist. occid. III, 236 H einen Brief des Kaisers Alexios 
mit den Worten: „habuimus obuiam litteras imperatoris de pace, de fra- 
ternitate et ut ita dicam de filiatione: haec autem uerbotenus". Mehr 
sagt Raimund iiber diesen Brief nicht: dies wenige aber war dem 
Wilh. V. Tyrus nicht genug. Er berichtet in seiner Historia transmarina 
lib. II, 18, dass die Gesandten des grichischen Kaisers dem Grafen 
Raimund folgendes Schreiben uberreicht hatten: „Jam dudum, comes di- 
lectissime, tuae prudentiae opinio celebris et probitatis late diflfusa 
fragrantia ad nostri peruenit aures imperii, et, meritis exigentibus, nos 
ad tui dilectionem inuitauit, propositum habentes personam tuam amare 
et honorare propensius. unde et tuum aduentum cum multo desiderio 
exspectauimus, multa de publicis negotiis cum tua nobihtate, imperio 
nostro carissima, tractare cupientes. unde monemus attentius, ut sine 
tumultu et scandalis terras nostras pertransiens ad nos festinus accedas, 
securus de gratia nostra et honore multiplici, quo te proposuimus prae- 
nenire. praesentium autem laboribus dedimus in mandatis, ut rerum 
uenalium copiam et iuge commercium populo tuo bonis conditionibus 
faciant exhiberi". Man wurde sich nun sehr irren, wenn man annehmen 
wollte, dass Wilhelm das Original oder eine Kopie des Briefes ge- 
kannt habe: dem ist nicht also. Der ursprungliche Wortlaut des Briefes 
ist , verloren. Wilhelms einzige Vorlage waren die Erzahlungen Rai- 
munds, Fulchers und Alberts von Aachen. Der kurze Inhalt des kaiser- 
lichen Briefes, wie ihn Raim. de Ag. uberliefert, hat ihm nicht geniigt, 
darum hat er nach eigenem Ermessen diesen Alexios-Brief fabriziert und 
darin erwahnt, was im Hinblick auf die von den Chronisten gegebene 
Nachricht nach seiner (Wilhelms) Meinung der griechische Kaiser etwa 
geschrieben haben konnte. Dasselbe gilt von allen andern von Wilhelm 
noch erwahnten und ihrem Inhalte nach mitgeteilten Briefen, soweit sie 
sich auf die Zeit von 1096 — 1099 beziehen, auf welche wir nachher 
noch zurilckkommen w^erden ^). 

Im Jahre 1880 hatGrafRiant sein Inventaire critique des lettres 
historiques des croisades I und II (768—1100) veroffenthcht, welches zu- 
gleich die erste Arbeit bildet der auch von Riant redigierten Archives de 
r Orient latin, publiees sous le patronage de la societe de Y Orient latin. 
In diesem Inventaire hat er die historischen Briefe, welche sowohl vor dem 
J. 1095 verfasst wurden und den ersten Kreuzzug vorbereiten halfen, als 
auch die, welche wahrend dieses Zuges in den Jahren 1096—1100 ge- 
schrieben worden sind, einer kritischen Besprechung unterzogen, aber auch 
diejenigen aufgefiihrt, welche nicht in ihrem Wortlaute, sondern nur von 



») Derselben Ansicht ist auch Prutz, Studien iiber Wilhehn v. Tyrus in 
Neu. Arcliiv d. Gesellsch. f. alt. d. Geschichtskunde, VIII (1883) p. 130 : »Die im 
ersten Teile von Wilhelms Werk enthaltenen Briefe sind nicht echt, sondem 
rhetorische oder stilistische Musterstiicke, das Werk zu schmiicken bestimmt<. 



I 



I 



Einleitung. 3 



den Kreuzzugsschriftstellern in ihren Erzahlungen gelegentlich er- 
wahnt werden. Soviel ich sehe, sind es der letzteren gegen 50 Stuck, 
von denen auch Rohricht in Regesta regni Hierosolymitani (1893) nach 
dem Vorgange Riants einen grOsseren Teil verzeichnet hat. Sie sollen 
von folgenden Verfassern herriihren: 9 vom Kaiser Alexios (s. Riant, 
Inv. no. 35, 51, 61, 62, 79, 86, 105, 121, 122; Rohricht, Reg. n^. 8, 
18); 5 von Gottfried von Bouillon (s. Riant, Inv. n^. 115, 137, 138, 
141, 152; RReg. n^. 25, 26, 27); 5 von den Kreuzzugsfursten insgesamt 
(s. Inv. no. 75, 76, 85, 102, 125; RReg. no. 20); 5 von den belagerten 
Jerusalemiten (s. Inv. n^. 131 — 135; RReg. n^ 23); 3 von Oderisius 
von Montecassino (s. Inv. n^ 94, 111, 112); je 2 vom Papst Urban II 
(s. Inv. no. 54, 67), vom Papst Paschahs II (s. Inv. 148, 153), von 
Balduin von Burg (s. Inv. 118, 157; RReg. n^. 11), vom Sultan Kilidj 
Arslan (s. Inv. n^. 78, 81), vom griechischen Feldherrn Butumites (s. 
Inv. n^. 80, 84), und von den Einwohnern Nicaeas (s. Inv. 82, 83); je 
ein Schreiben vom Patriarchen Simeon von Jerusalem (s. Inv. n^^ 33), 
von Stephan von Blois (s. Inv. n^. 74), von Robert von Flandern (s. Inv. 
n<^. 108), von Graf Raimund von S. Gilles (s. Inv. n^. 124, RReg. n». 19), 
von dem Venetianer Heinrich Contarini (s. Inv. n^ 145), von Arnulfvon 
Rohes (s. Inv. n^ 139; RReg. n^ 26), vom Emir Alafdal (s. Inv. n» 127; 
RReg. n*^ 21), vom Emir von Caesarea (s. Inv. n^. 123; RReg. n^. 17), 
von Hugo de Romans (s. Inv. n^. 15 J), von dem Fiirsten Tiioros von 
Edessa (s. luv. n». 95; RReg. n». 3), von Yagi Sian (s. Inv. n^. 98; 
RReg. n^. 6) und von den Juden in Frankreich (s. Inv. n^. 46). Man 
wtirde ohne Zweifel eine noch grOssere Zahl ausfindig zu machen ver- 
mOgen, wenn man jeweils auf die Mitteilungen der Kreuzsugserzahler 
hin, in welchen diese den gegenseitigen Verkehr einzelner Personen be- 
tonen, den Vermutungen freien Lauf lassen woUte: denn sicher ist es, 
dass die Angaben der Chronisten, in welchen hervorgehoben w^ird, dass 
l^hder jeweihge Verkehr ein schriftlicher gewesen sei, nur von einem 
■■ Bruchteile der uberhaupt in Angelegenheit des ersten Kreuzzuges ge- 
schriebenen Briefe Nachricht geben. Aber ebenso sicher ist es auch, 
ass, wenn man alle Mitteilungen spaterer Kreuzzugschronisten iiber 
esandtschaften als sichere Beweise annehmen wollte, dass jeweils 
mer Briefe und schriftliche Auftrage iibermittelt worden seien, man 
icht immer das richtige trefifen wurde. So ist z. B. sehr zweifelhaft 
b, als nach der Vertreibung Kerbogas Hugo d. Gr. im JuH 1098 zu 
lexios gesendet wurde, notwendig ein schriftlicher Auftrag, bezw. e i n 
rief von seiten der Kreuzfahrer diesem mitgegeben worden 
t: weder die Gesten noch deren Kopisten reden ausdrucklich von 
inem Briefe, wenn auch Baldrich v. Dol, Rec. IV, 79, in seiner Art 
en Auftrag wOrtlich in seiner Erziihlung, aber ohne Zweifel nach 
eigenem Gutdunken gefertigt, mitteilt — von einem Briefe oder schrift- 
hch gegebenen Auftrag redet jedoch auch er nicht — , es ist deshalb 
eine sichere Annahme von einem Briefe der Kreuzfahrer an Alexios als 
durch Hugo iibermittelt keineswegs begrundet, wenn auch Riant, Inv. 
no 109 und Rohricht, Reg. n^ 13 einen solchen notirt haben. Aehnlich 
verhalt es sich ubrigens auch mit dem angeblichen Briefe des Fursten 
von Hasard an Gottfried und dessen Antwort, welchen Riant, Inv. sub 



4 Einleitiing. 

n?;113 iind 115, sowie Rohricht^ Reg. np 15 verzeichnen, und mit man- 
cJiep: anderii der soeben aufgefiihrten Nummern, 

'•^•In tihnlicher Lage befinden wir uns jenen Briefen gegeniiber, 
welche nicht blos in denDarstellungen des erstenKreuz- 
?uges erwahnt, sondern auch ihrem Inhalte nach, sei es 
im Auszug und in abgekiirzter Form, sei es angeblich 
Yollstandig vpii den Erzahlern mitgeteilt werden. Wir 
fuhren zu dieser Kategorie gehOrig folgende Schriftstucke an: 1. Ein 
Brief Kolomans, des KOnigs von Ungarn, an Gottschalk und 
seine Leute, worin- er (jottschalk zum Niederlegen seiner WafFen auf- 
fprdert, bei Wilh. Tyr. I, 28 (vgl. Riant, Invent. n^ 52 p. 117). 

2. Ein Schreiben, worin Hugo der Grosse dem Kaiser 

Alexios seine Ankunft auf griechischem Boden anzeigt, bei Anna Komn. 
Alex. L X, 7, ed. Bonn II, 37 (vgL Riant, Invent n^ 56 p. 120). — 3. Ein 
Schreiben, worin Gottfried von Bouillon Rechenschaft von 
Konig Koloman verlangt iiber seine den ersten Kreuzfahrern zu teil 
gewordene Behandlung, bei Alb. Aqu. II, 2 (ebenda n^ 58 p. 122). — 
4. Antvv^ort Kolomans an Gottfried, worin jener seine friedliche Ge- 
sinnung gegen die Kreuzfahrer bezeugt und Gottfried nach Cyperon zu 
kommen einladet: wird sowohl von Alb. II, 3 als von Wilh. Tyr II, 2, 
jedocli in verschiedener Recension, mitgeteilt (vgL Riant, Inv. n^ 59 
p. 122). — 5. Ein Brief des Kaisers Alexios an Gottfried 
V. Bouillon, in welchem er bittet, die Gegenden des Reiches, durch 
welche Gottfried mit seinen Leuten ziehe, nicht zu plundern, und fur 
der Kreuzfahrer Unterhalt zu sorgen verspricht, bei Alb. II, 7 (vgL 
Riant, Inv. n^ 63 p. 124). — 6. Ein Brief Boemunds an Gott- 
fried v. Bouillon, worin er ihn vor der List des Alexios warnt und 
ihm rat, sich mit ihm (Boemund) zu verbunden, bei Wilh. Tyr II, 10 
(vgl. Riant, Inv. n^ 65 p. 127). — 7. Die Antwort Gottfrieds an 
Boemund, worin jener diesen versichert, dass er der Griechen Ver- 
schlagenheit wohl kenne und Boemunds Ankunft aufs sehnlichste er- 
warte, ebenda (vgL Riant, Inv. n<^ 66 p. 128). — 8, Ein Brief des 
Alexios an Raimund. Inhalt wie in n^ 5; bei Radulph. Cadom. c. IX 
und bei Wilh. Tyr. II, 14 (vgl. Riant, Inv. n'^ 72 p. 141). - 9. Ein 
Brief des Alexios an Raimund von S. Gilles. Inhalt wie n^ 5; 
erwahnt bei Raim. 236 H und mitgeteilt von Wilh. Tyr. II, 18 (vgL 
Riant, Inv. no 73 p. 141). — 10. Ein Brief Alafdals von Egyp- 
ten, worin er den Kreuzfahrern seine Freundschaft bezeugt und seine 
Gesandten bevollmachtigt, mit denselben ein Biindnis einzugehen, bei 
Alb. III, 59, (vgL RianL Inv. n^ 96 p. 162). — 11. Ein Brief Ker- 
bogas, des Fursten von Mosul, an den Chalifen von Egypten 
und an den Sultan Barkiarok von Persien, mit welchem er Watfen der 
Franken iibersendet, welche er diesen abgenommen hat, imi zu iiber- 
zeugen, wie leicht er wohl die Franken besiegen werde, in Gesta Franc, 
Rec. 143 (c. XXI, 7); Tudeb. X, 4, Rec. p, 62; HisL belli sacri c. 67; in 
veranderter Form bei RoberL mon. p. 811 ; Baldric. p. 63; Guibert p. 91 ; 
Chans. d'Antioche VII, 7, ed. Faris II, 144, 145; (vgl. RianL Inv. n^ 104 
p. 172; RohrichL Reg. n^ 7 p. 1). — 12. Schreiben des Emirs 
von Acco an den Emir von Caesarea, worin letzterer von der An- 



I 



Einleitiing. 



I 



4{;unft der Kreuzfahrer benachrichtigt wird, bei Raini. 291 und Thomas 
Tuscus in Mon. Germ. SS. XXII, 502 (vgL Riant,.Inv. n« 130 p. 19,^, 

Rohricht, Reg. n» 22 p. 3). IS. Ein Brief der Floriner der 

fabelhaften Schwester Kerbogas, an Gottfried vou Bouillonj' Woriu sie 
diesem die Auslieferung Haleps anbietet, im Roman de Godefroid de 
Bouillon, vers 18420— 18440, ed. Reiffenbe%, Monum. 11,; 526 (vgl. 
Riant, Inveni n^ 136 p. 197; R^hticht, Reg. n? 24 p. 3). — Unter 
-diesen 13 Briefen ist nicht ein einzig^r, der in der Form^-wie er in 
■den Erzahlungen Raimunds de Ag., Alberts, der Gesta Francori,uB 4md 
deren Kopisten, Wilhelms v. Tyrus und des Thoma& Tuscus iiiitgeteilt 
-vvird, als echt, bezw. als wortgetreu uberliefert anzuseheii ware. Ab- 
gesehen von den gewiss unechten und offenbSr erdichteten, . wie n^- 1 1 
-und 13 — iiber ersteren habe ich in Gesta Frainc. p. 320 ausfiilirlich 
gehandelt und dessen Unechtheit erwieseii; in betreff des andern ist 
eine gegenteih'ge Annahme gar nicht zulassig, da ja Floriiie, die an^ 
gebliche Sclireiberin, selbst eine erdichtete Person ist — sind auch die 
von Albert und Wilheliii v. Tyrus in ihren Erzahlungen uns mitgeteilten 
Schreiben Kolomans (n^ 1 und 4), Gottfrieds (n^ 3 und 7), Boemunds 
(no 6), des Kaisers Alexios (n^ 5, 8, ,9) und Alafdals (n^ 10) samt- 
lich von den genannten Erzahlern fabriziert worden. Riant meint zwar 
im Inventaire p. 118, die Verbindungen der Kreuzfahrer mit den freund- 
Hch oder feindlich gesinnten Regierungen des.J^andes, durch welche sie 
gezogen sind, hatten derartige Schriftstucke, ^Otig gemacht, von denen 
eine Anzahl entweder im Original oder iii! Abschrift erhalten geblieben 
waren; doch sei es gewiss, dass weder Albert noch Wllhelm v. Tyrus 
den authentischen Text, sondern nur den Hauptinhalt uns iiberliefert 
hatten, was daraus gefolgert werden miisse, weil beide in yerschiedener 
Form ihn uberlieferten , Albert „sous la forme oratoire" j Wilhelm 
V. Tyrus „sous la forme epistolaire" ^). Wir gehen aber einen Schritt 
weiter und behaupten: allein aus den gegenseitigen Gesandtschaften 
folgerten die genannten Schriftsteller, dass Briefe gew^echselt wurdenj 
und gaben dann in ihrer W^eise den etwa zwischen den Kreuzfahrern 
und den Gesandten in der ihnen geeignet scheinenden Form den Gegen- 
stand der Verhandlungeu zum besten, und zwar in Ermangelung der 
Briefe, sonst ware nicht der geringste Grund vorhanden, wesshalb sie 
nicht auch die etwaige Originalform sollten beibehalten haben. — Bei- 
spielshalber w^ollen wir hier die 2 Recensionen der sub 4 aufgeftihrten 
Antwort KOnig Kolomans an Gottfried nebeneinander mitteilen : 

Alb. Aqu. lib. II, c. 3: Wilh. Tyr. lib. II, c. 2: 

„Rex Kolomanus duci. „Rex Hungariae duci etprincipibus 

Godefrido et omnibus Cliri- in haec uerba rescripsit: Audiuimus et 
stianis salutem et dilectio- faiiia referente iamdudum cognouimus, quod 
nem sine simulatione. Au- p rinceps magnus, illustris et egregius me- 
diuimus de te, quia uir rito apud tuos habearis et quod fidei tuae 
potens et princeps tua sis sinceritatem et' commendabilem animi 



') Was jedoch nicht imraer richtig ist, demi auch Albert hat die »forme 
.epistolaire.< einigemale gebraiicht. . 



Q Einleitung. 

in terra et fidelis inuen- constantiam etiam longe positi uiri pruden- 

tus ab uniuersis qui te tes admirentur. Nos quoque nominis tui bono 

nouerunt. idcirco te sem- odore et operum tracti flagrantia, te, licet 

per diligens ex sola bona absentem, colere proposuimus et propensius 

fama, nunc te uidere et ag- lionorare. sed et uiros nobiles, qui tecum 

noscere optaui et exinde sunt, zelo fidei Christianae accensos, credi- 

consilium accepi, ut de- mus pium habere propositum, unde et ea 

scendas ad nos in castel- merita, quibus solent amici comparari, no- 

lum Cyperon sine opinione lumus in nobis otiosa torpescere, sed om- 

alicuius periculi et utraque nibus debitam impendere caritatem et fra- 

ripa paludis residentes tu- ternae dilectionis erga eos operibus abun- 

tum colloquium teneamus dare parati sumus. unde, quoniam ita se 

de omnjbus quae a nobis oJBfert occasio, rogamus, ut ad castrum 

requiris et quorum nos reos nostrum, Ciperon nomine, praesens 

arbitraris." adesse uelis, ut tecum possimus optata 

diu miscere colloquia et tuis deside- 
riis congruum adhibere consensum." 

Wilh. V. Tyrus hat, wie bekannt, seiner Historia transmarina nel)en 
Raimund de Aguilers und Fulcher v. Chartres auch Alberts von Aachen 
Chron. Hieros. zu Grunde gelegt. Das soeben aus letzterem mitge- 
teilte Schreiben ist sicher von Albert erdichtet; dem Wilh. v. Tyrus 
aber genugte die in seiner Vorlage mitgeteilte Relation Alberts nicht, 
er vrusste dem Gerippe mehr Fleisch und Biut zu geben und hat, wie 
dies deutlich ersichtlich ist, den Brief umgearbeitet und erweitert ^). — 
Noch drastischer tritt Wilhelms Art und Weise seiner Schriftstellerei 
hervor in dem oben Seite 2 mitgeteilten angeblichen Briefe des 
griechischen Kaisers in lib. II, 18. Er lasst den Kaiser darin 
ungefahr fast dasselbe sagen, was auch Alexios an Gottfried {n^ 5) und 
an Boemund (n^ 8) geschrieben haben soll: von fraternitas und fitiatio, 
welche Worte in dem kaiserhchen Briefe gebraucht worden sind, den 
Raim. de Ag., der Kaplan des Grafen Raimund, gelesen haben wird, 
enthalt die Wilhelmsche Version nichts — ohne Zweifel vermochte 
Wilh. nicht einzusehen, dass Alexios den Grafen Raimund sollte in 
zartlicheren Ausdriicken willkommen geheissen haben, als die iibrigen 
Anfuhrer^). — Das vorhin sub 2 erwahnte Schreiben Hugos des 
Grossen anAlexios, das Anna Komn. a. a. 0. mitteilt, soll also ge- 
lautet haben: ''laO»!, w jSacJiXei), (hq iyio 6 jSaaiXeuq tcov |3ac5iXecov xal 
6 |ieiXcov TTcxvrcov robv vn oupctvov, xai xara\a|Uj3cxvovTcx |ue i\br\ ev- 
bexeTai i&JTavTnc5ai Te xai bE^add^ai jueYaXojTpeJiwc xai d^icoq Ti^q 
tnf\q euYeveiaq. Es ist aber kaum glaubhch, dass Hugo also an Alexios 
geschrieben haben kann. Anua hat offenbar aus Missverstandnis und 



') Prutz, Studien liber Willi. v. Tyrus a. a. : »Der angebliche Brief des 
Konigs Koloman an Gottfried ist nur eine breite Paraphrase der Antwort des 
Konigs auf die Gesandtschift Gottfrieds, die Albertus Aquensis, welclien Wil- 
helm hier ganz ausschreibt, II, 3 mitgeteilt hat.« — ^) Prutz a. a. 0. p. 130: 
»Die Antwort Gottfrieds von Bouillon auf das aus Albertus Aquensis zureclit- 
gemachte Schreiben Boemunds (II, 10) und die Briefe des Kaisers Alexios an 
Raimund v. Toulouse 11, 18 und an Boemund II, 14 sind erfundene Schreiben, 
die den historischen Verhaltnissen im Stile der Kanzlei ungefahr angepasst sind^. 



I 



Einleitung. 7 

ubler Laune den Brief so, wie sie gethan, der Nachwelt zu uberliefern 
fiir natig erachtet; so kann er auch nach dem ursprunglichen Texte 
nicht gelautet haben; Riant Inv. p. 121 halt es fur wahrscheinlich, dass 
Anna vielleicht Worte wie „Hugo, filius et frater regum Franciae" also 
missverstanden habe. Soviel ist sicher, dass wir die ursprunglichen 
Worte Hugos auch nicht vor uns haben; ebensowenig wie dies bei dem 
sub n^ 12 benannten von Raim. de Ag. p. 291 uns uberlieferten kurzen 
Schreiben des Emirs von Acco der Fall ist, denn letzteres war 
ursprunghch arabisch abgefasst. Raim. erzahlt a. a. 0. der Bischof 
von Atta habe dasselbe bei einer von einem Habicht verfolgten und 
von den Kreuzfahrern gefangenen Taube entdeckt, es habe also gelautet : 
„Rex Achon duci Caesareae. Generatio canina per me transiuit, gens 
stulta atque contentiosa sine regimine, quibus per te et per alios, quan- 
tum tuam legem diligis, nocere desidera; quod si uis, facile poteris. hoc 
idem et ad alias ciuitates et castra mandabis." Am andern Morgen 
nach Auffindung des Briefes sei derselbe dem Fursten und allem Volke 
zur Kenntnis gebracht worden ; man habe alsdann Gott gedankt, dass 
selbst VOgel den Kreuzfahrern zum Dienste gesendet wurden. Von 
allen Briefen aber, welche in die ursprunglichen Erzahlungen einge- 
flochten und nur auf diese Weise iiberliefert sind, ist es dieser, der 
die wenigsten Anzeichen dafiir bietet, dass er etwa kOnnte erdichtet sein. 

IEine dritte Kategorie von Briefen, die wir unberiicksichtigt lassen 
•miissen, enthalt dievonSpateren, zumeistvondemVeroneser 
-Arzte Donzellini ^) im XVI. Jahrh. verfassten und als selbst- 
standige Stiicke getrennt von den Geschichtsdarstel- 
lungen gedruckten Schriftstucke, die angeblich von Theilnehmern 
am 1. Kreuzzuge verfasst, nichts weiter als plumpe Falschungen sind 
und selbstverstandlich in eine Sammlung von urspriinglichen Quellen 
Rjiicht gehOren. Bekannt sind deren folgende: 1. ein Brief des Patri- 
^^Barchen Simeon an das Abendland, in welchem Simeon die Ent- 
l^pweihung schildert, welche die Unglaubigen an den heil. Orten veriibten, 
und die Schmach. w^elche die Pilger zu erdulden hatten, welches Schrei- 
ben zwar von Vielen erwahnt, aber in der Form, in welcher wir es 
l^jvorfinden, erst spater durch Emil von Verona angefertigt und in dessen 
■^Werk De rebus gestis Francorum IV p. Ixxi im J. 1517 edirt wor- 
den ist. Seine Unechtheit hat Riant im Invent. p. 92 ff. nachgewiesen. 
— 2. Ein BriefUrbans U an Kaiser Alexios, worin der Papst 
vom Wegzug der Kreuzzugsschaaren aus dem Abendland Nachricht 
giebt und unter Angabe der Starke dieser Schaaren fur deren Unter- 
._ stutzung nachsucht. Weil dieser Brief vor dem J. 1880 allgemein fur 
ip. 

') Donzellini war ein Falscher. Er hat im J. 1574 eine Sammlung von 
Briefen herausgegeben, in welclien er historische Personlichkeiten aller Zeiten 
uncl Lander zu Wort kommen lasst, z. B. Alexander den Grossen, Darius, De- 
mosthenes, Caesar, Augustus, verschiedene Papste, (xottfried von Bouillon, Boe- 
mund, Tankred, Balduin II u. a. Diese in der latein. Sprache des XVI. Jahrhs. 
geschriebene Sammlung ist nach unserer heutigen Bezeichnung eine Art «Brief- 
steller« und ist erstmals anonym im J. 1574 zu Venedig bei Jordan Ziletti er- 
schienen. Eine zweite Aufl. hat Lazanis Zetzner in Strassburg im J. 1593 be- 
sorgt (s. den vollen Titel im Index bibliogr.). Ueber Donzellini vgl. a. Biogr. 
universale, Venez. 1824, t. XVI p. 208, und Riant, Invent. p. 126. 



g •Emleitung. 

echt gehalten w urde iind ih den meisten ausftthrlicheren Darstellungen des 
I. Kreuzzuges der letzten 2 Jahrhunderte als Quelle beigezogen worden 
ist und dadurch eine gewisse Beruhmtlieit erlangt liat, sodann um eine 
Probe Donzellinischer Schriftstellerei zu geben, lasse ich ausnahms- 
weise deh sehoii oft gedruckteh Brief hier wOrtlich folgen: „Urbanus II, 
Homanus Pontifex, Alexio, ConstantinopoHtano imperatori. Cum sta- 
tutum fuisset ad Clarum montem Aluerniae ut communibus auspiciis bel- 
lum aduersus Saracenos ger6retur, tanta hominum multitudo cruce sig- 
nata est, ut ad CCC hominum miba censa fuerint. ducum autem for- 
tissimorum tahtus ardor, ut de recuperanda Hierosolyma multum sperare 
debeamus. primus omnium Petrus eremita innumerabilibus se ducem 
praebuit, cui Godefredus, Eustachius et Balduinus fratres, Bolionii co- 
mites, se addiderunt, maiores etiam copias parauerunt. hinc Podiensis 
episcopus, belH dux, et Raimundus S. Aegidii comes, inde Hugo Magnus, 
Phihppi Francorum regis frater, et Robertus Normanniae et alter Ro- 
bertus Flandriae, et Stephanus Corneli comites. quid dicam de Boa- 
mundo ipso, qui ingenti animi magnitudine iis se comitem adiunxit 
eum VII milibus delectae iuuentutis Italicae, relicta fratri rerum omnium 
'cura, quocum diu bello contenderat. ad hos belli maximos apparatus 
unum illud imprimis est necessarium, ut tuo praesidio commeatuque 
tantae cdpiae iuuentur. quare abs te peto maiorem in modum , ut 
quibuscunque rebus poteris iustissimo bello gloriosoque faueas. illud 
autem, tametsi non dubitem abs te curatum iri, uolui tamen te per litte- 
Tas nostras scire id mihi et uniuersae Christianae reipublicae incundissi- 
mum fore. uale. Romae." Gedruckt ist er in Epistolae principum (Venet., J. 
Ziletti, 1574), pp. 118 — 119; in Epistolae regumetprincipum (Argent.,Laz. 
Zetznerus) 1593 p. 114; bei Reusnerus, Epistolae Turcicae, Frcf. 1598, I, 
p. 9; bei Baronius, Annal. ad anti. 1097, n^ 142; ed. Mansi XVIII p. 80; bei 
Labbe, Concilia X, 4.38; b6i Mansi, Conciba XX, 660; in Principum et iU. 
uirorum epistolae (Amst., Lud. Elzev. 1644) p. 141; inRecueil des hist. de 
la FranceXIV,724; bei Migne, Patrol. lat. CLI, 485; bei Watterich, Pontif. 
Roman. uitae I, 605 und bei Cregut, Le concil de Clermont p. 273. Dieser 
BriiBf ist, seitdem Baronius ihn als echt in seine Annal. ad ann. 1099 
aufgenommen hatte, bis in die neueste Zeit ofter, wie aus den soeben 
gemachten Angaben ersichtlich, abgedruckt und auch von allen Kreuz- 
zugsschriftstellern fiir echt gehalten w^orden. Erst Riant, Invent. 124 if. 
hat mit trifftigeh - Grunden nachgewiesen, dass er eine plumpe Falsch- 
ung Donzellinis sei, welcher ihn fabriziert habe nach den Worten Ac- 
lcolti's! ih De bello a christianis contra barbaros gesto I, c. v. (Rec, Hist. 
occ. V, 539 H): „scripserat pontifex (Urbanus) Byzantio principi, signi- 
ficans ei decretum bellum, exhortansque illum, ne communi causae 
€hristianorum deesset, ac uenientes exercitus commeatu hospitioque iu- 
uaret, sibi egregie opem laturos ad uim hostium propulsandam". Sybel 
hat denselben deshalb in der 2. Aufl. seiner Gesch. des I. Kreuzzuges 
mit Recht unberiicksichtigt gelassen, wahrend er ihn in der ersten Aufl. 
noch unter die echten gezahlt hatte ^). — 3. Der Brief des Sultans 



')• Obwohl icli bisher an der Richtigkeit cler Riaiifsclien Beweisfiihrung 
zweifclte, weil uierkwiirdigerweise Adeniar, der BisGhof vou.Puv, im Biief als 



I 



f 



m 



Einleitung. 9 

Pasaides (?) an Urbaii II. Der Sultan beklagt sicli beim Papst 
iiber den Zug der Kreuzfahrer und bittet unter Drohungen, denselben 
Einhalt zu tliun; gedruckt bei Nicol.Bertrandus, Opus de Tholosanorum 
gestis, Toulouse 1515, p. XXV; vgl. Riant, Inventaire n^ 69 p. 135. — 
4. Der Brief des Bischofs Lorenz von Milko in der Moldau, 
worin den Zecklerpriestern Kezdo, Orbai und Sepsi angezeigt wird, dass 
sich in Folge der Aufforderung Urbans II und Kolomans von Ungarn 
eine grosse Anzahl Ritter mit ihren Leuten zum Kreuzzuge riisten, bei 
BenkO, Milkovia (1781) I, 55; bei Katona, Hist. crit. regum Hungariae 
V, 530 und bei Fejer, Cod. diplom. Hungariae II, 16 — 18; vgl. Riant, 
Inv.*^^ n" 68 p. 131. — 5. Boemunds Brief an seinen Bruder 
Roger Bursa, worin er ihm den Sieg bei Dorylaeum meldet. Dieser 
Brief ist fabriziert von Donzellini und findet sich in Epist. Princip. 
p. 119; Epist. regum p. 115 und bei Reusnerus, Epist. Turc. I, p. 11, 
fibenfalls bei Baronius, Annal. ad aun. 1098 n^ 15, I. ed. XI, 717; ed. 
Mansi XVIII, 90; s. uber denselben Riant, Inv. n^ 83 p. 151 ; Rohricht, 
Reg. n^ 2 p. 1. — 6. Ein Brief, worin Boemund seinem Bruder 
Roger die Umlagerung. Antiochiens meldet, fabriziert von Donzellini, 
in Epist. princ. p. 123; Epist. reg. p. 120 und bei Reusnerus I, 12; 
s. Riant, Inv. n^ 93 p. 160. — 7. Ein Brief Boemunds an seinen 
Bruder Roger, worin er ihm die Einnahme Antiochiens meldet, eben- 
falls von Donzellini fabriziert; abgedruckt in Epist. princ. p. 125; Epist. 
reg. p. 121 und bei Reusnerus 1, 13; vgL Riant, Inv. n*^ 103 p. 172. 
— 8. Ein Brief Tankreds an Roger Bursa, worin er ihm die 
^iederlage Kerbogas mitteilt; fabriziert von Donzellini und gedruckt in 
Epist. princ. p. 126; Epist. reg. p. 122 und bei Reusnerus I, 14; s. Riant, 
Inv. no 106 p. 175; Rohricht Reg, n» p. 1. — 9. Ein Brief Gott- 
frieds an Boemund, worin er ihm die Einnahme Jerusalems und 
seine KOnigswahl anzeigt; fabriziert vDn Donzellini, gedruckt in EpisL 
princ. p. 126, 127; EpisL reg. p. 123 und bei Reusnerus I, 14; s. Riant, 
Inv. nM37 p. 197 ; RReg. n^ 25 p. 3. — 10. Ein Brief Tankreds 
an Roger Bursa, worin er diesem den Sieg bei Askalon anzeigt, 



I 



der dux belli bezeichnet wird und nicht Gottfried von Bouillon, welchen letz- 
teren man ira Zeitalter Donzellinis (XVI. Jalirh.) allgemein fiir den Fiihrer des 
Zuges gelialten hat, — welclien Grund meines Zweifels ich auch in Byzant. 
Zeitschr. VII S. 435 bei Besprechung der neuesten Ausgabe Accoltis erwahnen 
^u miissen glaubte, — so muss ich jetzt doch nach eingehender Priifung der 
Riantschen Ausfiihrung beistimmen, da ja fiir einen Briefsteller wie Donzellini 
einer war, wenn er auch nur die Historien des Monches Robert und des Wilh. 
-^on Tyrus gelesen gehabt hatte, es nahe lag, diese Bezeichnung Ademars eben 
diesen Darstellungen zu entnehmen. Abgesehen aber voii dem Fehlen jeglicher 
Handschrift und von der ungewonnlichen Form des Briefes, welche derjenigen 
der iibrigen Bullen Urbans H durchaus widerspricht, ist vornemlich auch die 
Lobeserhebung, welche der Papst fiir Boemund dem Alexios gegeniiber hat, ein 
"triflftiger Grund dafiir, dass der Brief von Urban nicht herriihren kann. Denn 
Urbanwusste, was zwischen Boemund und dem griechischen Kaiser in friiheren 
Jahren schon vorgegangen war, und kOnnte den Normannenfiirsten in solcher 
Weise unter den Kreuzzugsteihiehmern nicht anfiihren ; auch fragt Riant mit 
Recht, ob es wohl angebracht gewesen sei, dass der Papst den Kaiser Alexios, 
von dem er wusste, dass er den Kreuzzug mit veranlasst hatte, erst noch zur 
Unterstiitzung der Kreuzfahrer werde au%efordert haben ?- 



iO Einleitung. 

wo von dem 150000 Mann starken egyptischen Heere 100000 getotet 
worden seien; el)enfalls von Donzellini fabriziert und abgedruckt in 
Epist. princ. p. 128; Epist. reg. p. 124 und bei Reusnerus I, 15; vgl. 
a. Riant, Inv. n^ 143 p. 200; Rohricht, Reg. n» 28 p. 3. 

In einem ganz anderen Wertverhaltnis zur Geschichte des I. Kreuz- 
zuges stehen offenbar die echtenvonlnteressenten oder Teil- 
nehmern am I. Kreuzzug selbst wahrend der Zeit desselben 
verfassten Briefe: sie sind mit den Erzahlungen der Augenzeugen 
eines Anonymus der Gesta Francorum, Raimunds de Aguilers und Ful- 
chers von Chartres gleichwertig und bilden mit diesen die ursprung- 
liclien Quellen. Diese von uns im vorliegenden Buche edierten Briefe 
und Urkunden — im ganzen 23 Stiicke — verteilen sich ihrer Zahl 
nach auf folgende Verfasser: 3 Briefe des Kaisers Alexios (I. V. XI.); 
2 Briefe des Papstes Urban II (II. III.); 3 des Papstes Paschalis 11 
(XIX. XXII. XXIII.); 2 vom Patriarchen Simeon (VI. IX.); 2 vom 
Grafen Stephan v. Chartres (IV. X.) ; 2 von Anselm de Ripemont (VIIL 
XV.) ; einer vom Klerus und Volk in Lucca (XVII.) ; 3 von den Kreuz- 
zugsfiirsten insgesamt (XII. XVI. XVIII.) ; einer vom Erzbischof Ma- 
nasse von Reims (XX.); einer vom Patriarchen Dagobert (XXL); je eine 
Urkunde von der Grafin Clementia von Flandern (VII.), von Boemund (XIII.) 
und von den Genuesen (XIV.). Wir haben diese Schriftstiicke in chrono- 
logischer Ordnung ediert und es ist iiber jedes einzelne derselben fol- 
gendes dem Texte vorauszuschicken : 



I. 

Epistula Alexii I Komneni imperatoris ad Robertum I 
comitem Flandrensem. 

(Geschrieben im Jahr 1088).. 

Obwohl dieses unter obigem Titel bekannte Schreiben an und fur 
sich den ersten Kreuzzug direkt nicht beriihrt, so ist es doch von alters- 
her mit diesem Unternehmen in die engste Bezielmng gebracht und 
mit Recht stets zur Erklarung beigezogen worden, wenn es sich um 
die Frage handelte, welchen Anteil der griechische Kaiser an dem Zu- 
standekommen des ersten Zuges der Franken nach dem Morgenlande 
gehabt habe; 'weshalb ich es auch in der Reihe der zu edierenden 
Schriftstiicke obenan zu setzen fiir nOtig erachte, wenn auch dessen 
Abfassungszeit eine Anzahl von Jahren vor den Beginn des I. Kreuz- 
zuges zuriickverlegt werden muss. — Es ist uns in zwei Redaktioneu 
uberliefert worden: in derjenigen wie es Guibert in seinen Gesta Dei 
per Francos ^) im Auszuge dem Hauptinhalte nach w^iedergegeben hat, 
und in derjenigen des MOnches Robert von Reims, dessen 
Historia Hierosolymitana ^) es entweder vorgesetzt oder am Schlusse 

*) Im Recueil des Historiens des croisades, Historiens occidentaux t. IV, 
p. 131 ff. — ^) Die Ausgabe der Historia Hierosolymitana des Monches Robert 
im Rec, Hist. occid. t. III enthalt die Epistula Alexii nicht, dagegen ist der 



I. — Epistula Alexii I Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. {l 



l 

^fcderselben beigefiigt ist. Die letztere Redaktion ist auch dem Hugo 
^■▼on Fleury bei Abfassung seines Liber de modernis regibus Francorum % 
^" sowie dem Anonymus Rhenanus, dem Verfasser der Historia et Gesta 
Godefridi vorgelegen ^), welche einige Satze in ihre Darstellungen wOrt- 
lich aus demselben aufgenommen haben. — Diese beiden Redaktionen 
wurden nun schon fiir zwei verschiedene Briefe erklart, so von Peyre ^) 
und de Smet**). Man hat gesagt, die Version Guiberts biete den all- 
gemeinen Inhalt eines an Robert den Friesen gerichteten kaiserlichen 
Schreibens und sei in die Zeit von 1086 — 1093 zu setzen, die Ro- 
bertsche Version sei gegen das Jahr 1095 an Robert II von Flandern^ 
den Sohn Roberts des Friesen, gesendet worden. Nun ist es ja keines- 
wegs ausgeschlossen, dass Alexios zwei- oder mehreremal in der nam- 
lichen Angelegenheit sich nach Flandern gewandt hat, wie denn auch 
Ekkehard, Hierosol. V, 2 — 3 von haufigen Gesandtschaften und Briefen 
redet, die von diesem Kaiser ans Abendland gerichtet worden seien, 
damit dieses dem Morgenlande zu Hulfe eile, allein dass sich dies auch 
betreffs der genannten 2 Versionen also verhalte, ist trotz deren scliein- 
barer Verschiedenheit nicht zu erweisen, viehnehr gerade das Gegenteil 
richtig. Beide Versionen gebeu zumeist denselben Inhalt wieder und 
behandeln dasselbe Thema, sei es dass die Guibertsche Version von 
der Robertschen abhangt, was wir fiir das walirscheinhchere halten, und 
nicht die letztere von der ersteren, sei es dass beide selbstandig nach 
einem vorhegenden griechischen Originale gefertigt worden sind. Was 
die von Guibert iiberliefert e Version anlangt, so sei zunachst 
erwahnt, wie Guibert da, wo er in seinen Gesta Dei per Francos auf die 
Einfalle der Turken ins griechische Reich zu sprechen kommt, es fur 
l^fcbesonders erwahnenswert erachtet hat, dass Aiexios durch die Tiirken- 
IVund Petschenegennot in grosse Bedrangnis geraten sei und sich ver- 
anlasst gesehen habe, an den ihm pers5nlich bekannten Robert den 

PAeltern von Flandern, mit dem Beinamen Friso (s. Anm. 14), eine Bot- 
schaft zu senden und in einem Briefe ihm darzulegen: „multas causas, 
quibus excitari eius posset animus ad defendendam periclitantem Grae- 
ciam". Der Kaiser habe dabei nicht die Absicht verfolgt, dass Robert, 
er sehr reich gewesen sei, selbst und allein ihm zu Hulfe komme, 
ondern weil ihm wohlbekannt war, dass, wenn ein so maditiger Mann, 
ie dieser, einen Hilfszug in Aussicht stelle, eine sehr zahlreiche Menge 
es abendlandischen Volkes (nosti-ae gentis) der Neuheit wegen ihm 
ich anschliessen wiirde. Auch sei ja Robert fruher einmal nach Je- 
salem gepilgert und iiber Constantinopel gekommen, habe damals 
it dem Kaiser selbst personlich verkehrt, welcher ihm 



Brief der Editio princeps dieser Historia Hierosol. (Colon. c. 1470) vorgedruckt 
und in den am Sclilxisse unserer Einleitung verzeichneten Robertcodices ent- 
halten. — •) Herausg. von Waitz in Mon. Germ. SS. IX, 392 ff. Der in dieser 
Schrift enthaltene Bericht iiber den 1. Kreuzzug ist besonders ediert im Rec, 
Hist. occid. t. V. p. 363-367 unter demTitel: Hugonis de S. Maria, Floriacensis 
monachi, itineris Hierosolymitani compendium. — ^) Anonymi Rhenani, Historia 
et Gesta ducis Gotefridi, im Rec, Hist. occid. V, 437—524. Vgl. a. uber diese 
Erzahlung Byzant. Zeitschr. VII, 433 f — ^) Peyre, Histoire de la Iie croisade, 
Paris 1859, t. II p. 461. — -*) De Smet, Memoire sur Robert de Jerusalem, 
comte de Flandre, a la premiere eroisade p. 6. 



12-' Einleitung. 

Vertraneii zugewendet iind sich auch veranlasst gesehen habe, ihn um 
•Hilfe anzurufen. Den Brief nuii in seinem ganzen Umfange seiner Dar- 
stellung einzufugen, missbehage ihm, dagegen woUe er einiges aus dem- 
selben mitteilen, „uerbis tamen uestita meis", d. h. nicht wOrUich, son- 
dern nach seiner (Guiberts) Manier umschreiben, was er denn auch 
gethan hat, um alsdann darauf hinzuweisen, dass eben dieser griechische 
Kaiser, welcher durch die Tiirkennot dazu getrieben w^orden war, die 
Franken herbeizurufen, nachher, als diese in der That in Cojistantinopel 
tinlangten, sie mit grossem Misstrauen behandelt habe. Hierauf teilt 
Guibert im Auszuge Einzelheiten aus dem Briefe mit. Da wir unten 
uur die Robertsche Version zum Abdrucke bringen, weil sie uns den 
vollstandigen zur Zeit des I. Kreuzzuges vorhandenen Text bietet, so 
wollen \\\r hier behufs ErmOgliclmng einer naheren Priifung unserer 
obigen Behauptung, dass beide Recensionen nur ein und denselben Brief 
wiedergeben, auch die G u i b e r t s c h e V e r s i o n in extenso folgen lassen, 
wobei w^ir nebenan auf die dem Inhalte nach tibereinstimmenden Satze 
•der Robertschen Version sowie der nacliher zu besprechenden Rai- 
mund'schen Mitteilung in dessen Hist. Francorum, Rec. Hist. occ. IH, 
288 verweisen. Die Guibertsche Version lautet: 

Rec, Hist. [Ipsam autem epistolam inserere opusculo 

^Tsi F '^^^ omnino piguit, quaedam ibidem dictorum, 
uerbis tamen uestita meis, proferre collibuit:] 
„De ecclesiis querimonia est, quas siqui- I, 13 n. 45; 
dem gentihtas, euersa Christianitate, tenebat, 
1^1 F in quibus equorum ac mulorum ceterorumque 
animalium catabula construebat. quod in tan- 
tum uerum fuit, ut etiam fana sua, quae Ma- < 

chomarias uocant, inibi instituerent, et infinitae Raim. de Ag> 
quoque turpitudinis commercia exercerent, ut . -88 C 
. non iam basihcae, sed meritoria et scenae fi- 

- erent. porro de Cathohcorum necibus frustra I, 6 n. 21 
agerem, cum mortuis Jn fide uitae aeternahs 
131 G uideretur instare concambium, superstites sub 
miseri iugo famulatus uitam gererent, ipsis, ut 
arbitror, mortibus aeriorem. uirgines enim fi- • I, 9 
delium deprehensae publicum fieri praecipie?' 
bantur scortum, cum nusquam pudori deferre- • 
tur ac honestati coniugum. matres correptae in Raim. de Ag. 
conspectu filiarum, multipliciter repetitis diuerr. 288 E 
sorum coitibus uexabantur, cum filiae adsisten- 
tes carmina praecinere saltando nefaria inter I, lo 
131 H huiusmodi cogerentur. eadem statim passio, 
quod dici quidem et dolor et pudor est, re- 
uohiebatur ad fihas, quae etiam foeditas ob- 
scenis infelicium matrum cantionibus ornaba- Raim. de Ag. 
tur. totius denique nominis reuerentia Christiani " 
prostibulo. tradebatur. cumque sexui femineo I, 12 
non parcitur, quod tamen excusari poterit pro 



I 



I. Epistula Alexii I Komneni at,! Robertum I comitem Flandrensem. t^ 

Jlec. Hist. eompetenti natura, in masculiuum, pecualitate 
' ^^^"j^; ^^' transgressa, sdlutis humanitatum legibus itur. . 
quemdam eos abusione Sodomitica interemisse < 
ii'r episcopum" [dicit. cum ergo de Constantinopolitana, ^k}^:^^ 
;; quam potissimum uerebatur et quae, transito S. 

.^^ Georgii Brachio, inminebat, obsidiohe, multa que- 

. 132 ' .rela tractaret, inter cetera intulit] „quod videlicet, ^j 18 
si non alia subueniendi sibi uideretur nobis 
occasio, saltem propter senos, quorum corpora 
ibidem tumulata habentur apostolos, ne ab im- 
piis aut uicendio conflagrentur aut in uoragines 
demergantur, celeberrimam perhibet ciuitatem 

132 1) omnimoda opitulatione dignissimam". [sequitur 

demum post apostolorum inlationeni et dicit:] 
„apud se beati Joannis baptistae caput haberi, I» l^ 
^ quod, [quamuis falso dicat], hodieque ac si uiuen- ■ 

' 133 A tis, capillis et cute uideatur insigniri". [praeterea 

adiicit: ut] „si non tanti cohibitio mali, si noh ^' -^ 
praefatorum sanctorum ad hoc ipsum eos ani- 

133 B maret amor, saltem auri argentiqUe, quorum 

innumerabiles illic habentur copiae, cupiditas 

inliceref*. [infert denique et quiddam bonorum ui- 

rorum frugalitati incompetens, ut uidehcet : prae- !> 22 n. 104^ 

ter haec uniuersa, pulcherriraarum feminarum uo- 

luptate trahuntur quasi Graecarum muHerum spe- 

cies tanta esset, ut Gallicis modo quoHbet j)rae- 

ferrentur, solaque eorum causa Francorum exerci- 

tus in Thraciam ageretur.] 

Der Inhalt des Schreibens, wie es uns in eiuer grOsseren 
Anzahl Codices der Hist. Hierosolym. desMOnches Robert 
sowie in 3 selbstandigen Exemplaren uberliefert wird ^), ist folgender: 
Der griechische Kaiser (dessen Namen iibrigens im ganzen Briefe nicht 
genannt wird) entbietet dem Grafen Robert v. Flandern sowie den 
ubrigen geistlichen und weltlichen Bewohnern der flandrischen Herr- 
schaft seiuen Gruss (Abs. 5) und schildert zunachst die unsagliche Not- 
lage, in welche sein Reich durch die Bedrangnis der Petschenegen und 
Tiirlien versetzt sei: Mord und Todschlag und schreckliche Leiden seien 
an der Tagesordnung, von den vielen Noten wolle er nur weniges her- 
vorheben (Abs. 6) : Knaben und JiingUnge wiirden an den Taufsteinen 
beschnitten und der Name des dreieinigen Gottes entheiligt (Abs. 7); 
wer sich weigere wiirde getSdtet (Abs. 8). Keusche Frauen und Mad- 
chen wurden entehrt und wahrend der Entehrung der einen miissten 
die andern Zotenlieder singen (Abs. 9 und 10), wodurch der Jammer 
grOsser sei als der Rahels, welche den Tod ihrer Kinder beklagte 
(Abs. 11); nicht nur an Leuten jeglichen Alters und Standes, sondern 
sogar an einem Bischofe hatten sie die sodomitische Sunde veriibt 
(Abs. 12). Sie wurden die heiligen Orte auf unsaglige Weise schanden. 
Ihre Macht sei ausgebreitet iiber ganz Griechenland von Jerusalem an, 
so dass die Hauptstadt Constantinopel von ihnen bedroht sei und weg- 

*) Siehe Naheres dariiber unten S. 42 — 44. 



14 Einleitung. 

genommen werden wurde, wenn nicht Gott und die lateinische Christen- 
heit den Griechen zu Hiilfe k9me (Abs. 13). Schon hatten sie dre 
Propontis mit 200 SchifFen angegriffen (Abs. 13). Dies wenige habe 
er von den Schlechtigkeiten, die das gottlose Geschlecht ausgeubt habe, 
mitteilen wollen (Abs. 15). Er bitte nun alle Christglaubigen, ihm und 
seinen Griechen zu Hulfe zu kommen ; er befinde sich zur Zeit auf der 
Flucht vor den Turken und Petschenegen ; doch w^oUe er lieber unter 
der Botmassigkeit der Lateiner als unter der Willkuhrherrschaft der 
Heiden leben (Abs. 16); auch sei es besser, wenn Constantinopel in 
der Lateiner Gewalt sich befinde: seien doch in dieser Stadt wertvolle 
Rehquien des Herrn und vieler Heiligen aufbewahrt, deren Besitz fur 
die Christen von hOchstem Werte sei (Abs. 17 — 19). Wenn sie aber 
darum zu kampfen nicht bereit seien und das Geld hoher achteten, so 
mache er sie auf den ungeheuern Reichtum in Constantinopel aufmerk- 
sam und die dort von altersher aufgehauften unzahligen Schatze, wie 
ja allgemein bekannt sei (Abs. 20, 21); wurden dieselben in der Tiirken 
und Petschenegen Hande fallen, so miisste dies ihnen zu grossem Nach- 
teile gereichen (Abs. 22). Sie mochten darum aufs schnellste Hilfe 
bringen, so lange es noch mOglich sei, damit die christliche Herrschaft 
im Morgenlande, und was wichtiger sei, das Grab des Herrn der 
Christenheit verbleibe und dadurch ihnen der Himmelslohn zu teil werde 
<Abs. 23). 

Wenn man den Inhalt der beiden Versionen mitein- 
ander vergleicht, so erkennt man leicht ueben dem Unter- 
schied in der Form die Identitat der Gedanken: in 
beiden liest man iiber die schmahliche Behandlung der Christen von- 
seiten der Tiirken, wie deren TOcliter und Frauen offentlich vergewaltigt 
und dieselben im Beisein ilirer Mutter zum Singen von Schand- und 
Zotenliedern gezwungen wurden, w^ie selbst die Siinde der Sodomiten 
an einem Bischofe veriibt worden sei; sodann in beiden von den heil. 
KOrpern und Reliquien, und indem Guibert den Inhalt des Briefes in 
den Worten zusammenfasst : „si non tanti cohibitio mah, si non prae- 
fatorum sanctorum ad hoc ipsum eos animaret amor, saltem auri ar- 
gentique, quorum innumerabiles iUic habentur copiae, cupiditas inliceret", 
so haben wir darin in Kiirze auch den Inhalt der Robertschen Version, 
welche zunachst von der grossen Not, dann von den Reichtumern Con- 
stantinopels handelt und im Anfang des Abs. 20 fast denselben Ueber- 
gang enthalt. Gewiss aber wiirde man nie daran gezweifelt haben, 
dass Guibert denselben Text, welcher uns in Verbindung mit der 
Historia Roberts iiberhefert ist, zur Vorlage gehabt habe, wenn nicht 
Guibert zweiMitteilungen als im Briefe enthalten anfuhrte, w e 1 c h e 
in der Robertschen Version nicht gelesen werden: ein- 
mal, dass die christlichen Kirch engebaude von den Turken 
zu Viehstallen umgewandelt wiirden, und sodann, dass der Briefschreiber 
die schOnen griechischen Frauen den Abendlandern empfohlen 
habe, um welcher willen diese seiner Einladung Folge leisten mOchten. 
Dennoch aber wird man bei naherer kritischer Priifung die etwaige 
Annahme, dass noch ein anderer Text des Briefes existiert habe, welcher 
Guibert zur Grundlage seiner Darstellung gedient, als der uns in den 



E 



I. — Epistula Alexii I Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. 15 



Codd. von Roberts Historia iiberlieferte, keineswegs als richtig ansehen 
konnen. Die Berechtigung zur ersten Mitteilung hat Guibert offenbar 
aus den Worten des Briefes entnommen, wo nach Robertscher Ver- 
sion der Verfasser schreibt: „loca uero sancta innumerabilibus modis 
contaminant et destruunt et peiora eis minantur". Ohne Zweifel hatte 
er von anderwarts her noch vernommen und war Avohl bei Beginn und 
im Verlauf des ersten Kreuzzuges davon die Rede, dass mit den Ge- 
bauden, welche zum christhchen Gottesdienste bestimmt waren, auf die 
genannte Weise verfahren worden sei. 

Wahrscheinlich lag ihm auch der Bericht Raimunds de Aguilers 
vor, wo dieser p. 288 B folgendes iiber die von seiten der Tiirken 
gegeniiber den Surianen ausgeiibten Bedriickungen mitteilt, welchen 
Bericht wir voUstandig hier wiedergeben, weil es uns sicher zu sein 
scheint, dass auch Raimund unseren Brief gekannt und aus demselben 
eiuige Angaben in seine Erzahlung eingeflochten hat: „Insurgentibus per 
Dei iudicium Saracenis atque Turcis, in tanta oppressione seruitutis 
isti Suriani fuerunt per CCCC et eo amplius annos, ut multi eorum 
compellerentur patriam et Christianam deserere legem. si qui autem 
per gratiam Dei contempsissent , cogebantur tradere pulchros 
paruulos suos ad circumcidendum uel ad turcandum, siue ra- 
piebantur a sinibus matrum, interfecto patre et inlusa parente. quippe 
in tantam malitiam exarserant illa hominum genera, ut ecclesias 
Dei euerterent et sanctorum eius uel imagines delerent, 
et quas non poterant delere per moram, ocalos earum eruebant et sagit- 
tabant. altaria uero omnia sufl^odiebant. in ecclesiis autem ma- 
gnis mahumarias faciebant. quod si aliquis de iUis angustiatis 
Christianis imaginem Dei uel alicuius sancti domi suae habere uolebat, 
uel redimebat eam per singulos menses uel annos, aut conculcata in 
stercore coram ocuhs ipsius comminuebatur. quodque adhuc relatu 
nimis durum est, ponebant iuuenes in prostibulis, commu- 
tantes sorores eorum pro uino, ut nequius agerent. et ne- 
que his neque aliis tristibus inlacrimari palam etiam 
matres audebant. et quid de his multa narramus? conjurauerat 
certe gens illa contra sanctum sanctorum et eius hereditatem " . Dass 
dieser Raimundsche Bericht einen Teil der Nachrichten, welche unser 
Alexiosbrief bietet, wiedergibt, ist wohl nicht zu laugnen: Die Erzwin- 
gung der Beschneidung der Kinder, die ZerstOrung der Kirchen und 
Bilder, die Notigung der Jugend zur Unsittlichkeit beim Anblick der 
Miitter sprechen allzudeutlich fiir die Annahme, dass Raimund denselben 
wohlgekannt und in seiner Historia Franc. a. a. 0. einige Reminiscenzen 
aus demselben wiedergegeben hat. Allerdings die nahere Mitteilung 
iiber die Art des Verfahrens vonseiten der Tiirken mit den Kirchen 
und Bildern ist wohl eine selbstandige Angabe Raimunds, darauf be- 
ruhend, dass Raimund selbst als Teilnehmer am ersten Krcuzzuge mit 
eigenen Augen wahrgenommen hatte, wie so manche christliche Kirche 
dem muhamedanischen Kulte zum Opfer gefallen war; daher die Notiz: 
„in ecclesiis autem magnis bafumarias faciebant", woher Guibert die sei- 
nige entnommen hat, da er schreibt: „quod in tantum uerum fuit, ut 
etiam fana sua, quae Machumarias uocant, inibi (in ecclesiis) insti- 



15 Einleitung. 

tuerent" etc. — welclie Notiz sicher im urspruiiglichen Texte des Briefes, 
bezw. in der Robertschen Version nicht zu lesen war, da der Name 
„Machumaria" oder ^Bafumaria" eigentlich erst mit deniKreuzzuge selbst 
den Abendlilndern gelaufig geworden ist. Guibert machte sonacii seine 
Bemerkung iiber das. Verfahren mit den Kirchen auf Grund des Briefes 
sowie der Nachricht Raim.'s de Aguilers. Sein Verfahren ist umsomehr 
erklarlich, als er ja in seiner Darstellung das vom Briefschreiber Mit- 
geteilte in eigener Weise (uerbis meis uestita) mitzuteilen sich vorge- 
nommen hatte, so dass man in den Worten Guiberts mehr eine Um- 
schreibung mid erlauternde Darstellung des Briefinhaltes wahrnimmt 
und keineswegs zu folgern genotigt ist, es habe ihm eine andere Re^ 
cension, bezw. ein anderer Brief, als der, w^elclien die Robertsche Ver-. 
sion bietet, vorgelegen ^). Dasselbe gilt auch von der Bemerkung 
Guiberts tiber die schOnen Frauen. Diesen Zusatz hat, er wohl 
darum hinzugefiigt, weil er damit als naheliegend bezeichnen woUte, 
wie der Briefsteller in den Worten des Briefes iiber die unermesslichen 
Schatze Constantinopels, welche von jederman begehrt wiirden und 
alle Reichtiimer. der Welt tiberragten, gewiss auch die schOnen Frauen 
der Griechen mitinbegriffen habe. Diese Worte dienen als Erlauterung, 
welche Guibert iiber die thesauri zu geben fiir nOtig fand: „infert de- 
niqne et quiddam" etc: „er nimmt in Folge dessen auch Bezug", bezw. 
er dachte bei jenen Worten auch an etwas, was der Enthaltsamkeit 
braver Manner nicht entspricht , dass namlich ausser all' diesem das 
Gefallen an schOnen Frauen sie anziehen mochte. Das ist wohl die 
nachstliegende Erklarung: denn mit Michaud in Bibliographie des 
crois. I, 395 zu behaupten, Martene habe in seiner Ausgabe der Ro- 
bertschen Version des Briefes den Absatz tiber die Frauen unterdruckt, 
ist unannehmbar, da ja nicht nur die iibrigen Druckausgaben, sondern alle 
Codices ihn auch nicht aufweisen ^), weshalb Riant in Alexii epist. p. XLV, 
der ja iiberzeugt ist, dass der Guibertsche und Robertsche Text, beide 
eine einzige Redaktion zur Grundlage liaben, wenn auch die Version 
Guiberts Angaben enthalte, welche im Robertschen fehlen, es fur mog- 
licli halt, dass vielleicht Guibert ein Exemplar des Briefes vor Augen 
gehabt habe, in welcliem nach der Aufzahlung der Reichtumer Con- 
stantinopels eine kurze, von einem dritten herriihrende Bemerkung be- 
ziiglich der griechischen Frauen gemacht war, denn es erscheine ihm 



') In welclier Weise iibrigens Guibert die Worte anderer wiedergibt, das 
mag man aus seinen Gesta Dei per Francos ersehen, welche bekanntlich zumeist 
eine Umarbeitung der Gesta Francorum sind. Wo man aufschlagt und Guiberts 
Darstellung mit derjenigen seiner Vorlage der Gesta vergleicht, findet man eine 
durchaus ahnliche Manier, wie wir sie auch in Betreif unseres Briefes bei ihm 
angewendet sehen. Er meidet durchgangig die wortliche Kopie und giebt die 
Gedanken der Erzahlung in einer ihm gelaufigeren und mehr urbanen Darstel- 
luncr wieder. — ^) Auch Gaston Paris in Revue critique 1879, Nr. 47 p. 382 und 
in Revue de 1' Orient latin V, 256 ist der Meinung, dass Robert oder sonst ein 
Ueberarbeiter des Briefes, um nicht Anstoss zu erregen, den Passus iiber die 
Frauen weggelassen habe, und glaubt, dass auch das Manuscript a, welches den 
Brief isoliert und nicht als Einleitung oder Anhangsel zur Historia Roberti 
monachi enthalte, weil es am Schlusse verstiimmelt sei, den Satz iiber die griech. 
Frauen enthalten haben konne, — was eben auch nur eine Vtrmutung ist. — 



I 



I. — Epistula Alexii I Koraneni ad Robertura 1 comitem Flandrensem. 17 



(Riant) doch als ein Ausbund von Unverfrorenheit, v^enn Guibert (iber 
eine von ihm selbst erfundene Phrase sich derart aufgehalten haben 
sollte, wie dies Guibert bei seiner Mitteihing gethan habe. Allein 
warum soUte Guibert, auch ohne eine dahingehende ausdruckliche Be- 
merkung vor Augen gehabt zu haben, gerade in Bezug auf die Schatze, 
welche der Briefsteller als in Constantinopel vorhanden hervorhebt, 
sich nicht auch unter denselben Frauen haben vorstellen konnen, um 
derentwegen der griech. Kaiser im Abendlande Propaganda habe machen 
Avollen? Doch vermOgen wir auch einen weiteren Grund beizubringen, 
welcher Guibert zu dieser Bemerkung veranlasst haben durfte : in der 
Robertschen Version sagt der Verfasser des Briefes Abs. 22: „timeo 
ne per illum thesaurum paulatim nostros seducant cupidos mihtes, quem- 
admodum Juhus Caesar olim fecit, qui regnum Francorum cupiditate 
inuasit et quomodo Antichristus capturus totum mundum in fine mundi 
est acturus". Diese „cupiditas Caesaris" bezog sich auch auf Caesars 
Umgang mit den Frauen, woruber uns Suetonius, wie wir unten in 
n. 103 zeigen werden, Naheres mitteilt, dessen Schilderung auch dem 
Guibert wohlbekannt war und diesen mitveranlasst haben diirfte, dem 
Schreiber des Briefes den Gedanken an die schOnen Frauen Constan- 
tinopels zu unterstellen, um welcher willen ja die Franken, wie Caesar 

|_einst nach Galhen gezogen ist, auch nach Constantinopel kommen kOnnten. 
^feei dem iibrigens wie ihm wolle, die beiden Bemerkungen Guiberts 
kOnnen die Annahme von der Identitat des Inhaltes der Guibertschen 
und Robertschen Version keineswegs entkraften, einesteils weil Guibert 
den Inlialt nicht w5rthch aus seiner Vorlage herubergenommen, sondern 
in freier Weise wiedergegeben hat, andernteils weil ja die Punkte, 
welche beide erwahnen, ebenfalls nur auf Identitat schliessen lassen. 
— Wir mOchten darum auch annehmen, dass Guibert aus der 
ersion, wie sie uns in denRobertcodices iiberliefert ist, 
eine Excerpte geschOpft hat. Dass wenigstens die Robert- 
he Version nicht aus der Guibertschen erst gefertigt worden ist, hat 
uch Gaston Paris zugestanden, indem er mit Recht hervorhebt, dass 
as Fehlen des Satzes iiber die Profanierung der Kirchengebaude be- 
eise, dass der Brief nicht erst auf Grund der Guibertschen Excerpte 
efertigt worden sein konne; denn in diesem Falle hatte der Ver- 
sser den genannten Satz nicht weggelassen; auch enthalte die Epi- 
tula bestimmte Angaben, w^elche nicht erst spater auf Grund der 
uibertschen Excerpte gemacht oder erdichtet worden sein konnten ^). 
erade diese Voraussetzung spricht aber fiir unsere Annahme, Guibert 
habe die Mitteilung uber die Profanierung der Kirchen auf eigenes Gut- 
diinken hin seinen Excerpten beigefiigt, was auch Gaston Paris fiir 



') Gaston Paris in Revue critique, 1879, Nr. 47 p. 382 : »1' absence, dans 
r Epistola, dii trait relatif aux eglises ]3rolanees me parait suffisamment prouver 
que r Epistola n' est point faite d' apres 1' abrege de Guibert : on n' aurait pas 
supprime cette circonstance ; cette. hypothese est d" ailleurs depourvue de toute 
vraisemblance, car 1' Epistola contient des faits precis et dates qu' on ne trouve 
pas dans 1" abrege de Guibert, et que personne n' aurait pu connaitre ou in- 
venter vingt ans apres la composition de la lettre.« 

Hagenmcycr, Epistuluc et Cliartae. 2 



|g Einleitung. 

wahrscheinlich erklart ^). Da er aber der Meinung ist, dass der Al)satz 
tiber die griechischen Frauen irn ursprunglichen Briefe enthalten ge- 
wesen und von Robert oder sonst einem Ueberarbeiter, weil anstoss- 
erregend, weggelassen worden sei und also in allen Handschriften der 
sogenannten Robertversion fehle, so sei als der urspriinghche Text 
derjenige anzusehen, den wir in der Robertversion besitzen, der aber 
am Schlusse auch den Passus tiber die griechischen Frauen enthalten 
habe. Diesen Text hatte sonach der Verfasser der sog. Robertversion 
kopiert, indem er den Satz iiber die griechischen Frauen wegliess, und 
ihm hatte Guibert seine Excerpte entnommen. Immerhin aber geht 
auch hieraus hervor, dass wir es bei beiden Versionen mit ein und 
demselben Briefe zu thun haben, dessen Inhalt in der Robertschen 
Version am vollstandigsten wiedergegeben ist. 

Nicht minder ist die Sachlage die namliche auch bei der Annahme, 
dass dem uns in lateinischer Version iiberlieferten Texte des Briefes 
ein griechisches Original zur Grundlage gedient habe, sei es dass 
der Verfasser des Robertschen Textes dasselbe allein beniitzt und 
spater Guibert aus diesem wieder seinen Auszug gefertigt, sei es dass 
beide Verfasser selbstandig und unabhangig von einander das griechi- 
sche Original vor sich gehabt imd den Inhalt desselben nach Belieben 
in ihrer Art wiedergegeben haben ^) — es ist ein und derselbe Brief, 
dessen Inhalt in der von uns edierten sogenannten Robertschen Ver- 
sion am authentischsten uns entgegentritt : Die Annahme Peyres und 
de Smets ^), dass von Constantinopel aus 2 an Robert von Flandern 
gerichtete Schreiben gesendet worden seien, deren Inhalt in den beiden 
Versionen, der von Robert und von Guibert iiberlieferten, wiedergegeben 
sei, ist nach dem bisherigen unannehmbar und kann nicht erwiesen 
werden. 

Auf eine Abhangigkeit von der sog. Robertschen Version weisen 
auch ausser der vorhin angefiihrten Stelle aus Raim. de Ag. einige uns 
von Hugo von Fleury iiberlieferten Satze in seinem L i b e r d e 
modernis regibus Francorum'*) iiber das Concil zu Clermont: 
„Eodem etiam anno (1095) Urbanus papa uenit in Galliam et magnum 
apud Clarum montem concilium mense Nouembri celebrauit; imperium 
enim orientale a Turcis [6] et Pincenatis grauiter infesta- 
batur etiam[13] Cappadocia minor et maior etPhrygia maior 
etminor, etBithynia simul et Asia, Galacia quoque et Libya 
et P a m p h y 1 i a et I s a u r i a et L y c i a et i n s u 1 a e p r i n c i p a 1 e s il- 



1) G. Paris in Rev. crit. 1879, II, p. 381 : »cette opinion me parait tout a 
fait vraiseniblable«. Doch behauptet auch G. Paris p. 387, dass Guibert seinen 
Text nicht direkt aus der Robertschen Version gemacht haben konne. S. An- 
merk. 85. — ^) Dies anzunehmen hielt ich fiir das Nachstliegende in meiner 
Ausgabe von Ekkehard's Hierosolymita (Tiibingen 1877) S. 345. Auch Ya- 
siljevski hat dies in seinem Aufsatze : Byzanz und die Petsclienegen, .Tournal 
des Ministeriums der Volksaufklaning 1872, Band 164, S. 325 ff. (russisch), zu 
erweisen gesucht. Vgl. a. Riant, Invent. p. 82, und Gaston Paris in Revue crit. 
1879 Nr. 47 p. 380. — s) S. oben S. 11. — ^) In Monum. Germ. SS. t. IX, 
392 — 393, in Inventaire des lettres hist. des croisades, ed. Riant in Arch. de 
r Orient lat. I, 85 ff., und als Hugonis de S. Maria Floriacensis monachi itineris 
Hieros. compendium im Rec, Hist. occ. Y, 363 ff. ediert. 



I. — Epistula Alexii 1 Komneni ad Robei-tum I comitem Flanclrensera. 19 

larum regionuni, Chio videlicet et Mytilena ab eis captae tenebantur; 
[6] et fiebant cotidie diuersae caedes Christianorum et 
derisiones in Christum dominum et in religionem nostram. unde 
papa in memorato concilio exhortatus est Gallorum gentem, quam no- 
uerat belhcosissimam, ut uiriliter oppressis fratribus succurrerent, ne 
eorum temporibus christianismus in orientis partibus penitus deperiret. 
[17] adserebatque gloriosam et ineffabilem mercedem in 

; caelo adsecuturos esse omnes (vgl. Abs. 17 und 23), qui cruce Do- 
mini insigniti, propter hoc negotium exsequendum peterent S. Sepulc- 
rum. [17] monebat etiam ut, antequam barbari Constantinopo- 
litanam urbem sibi subiicerent, eo festinarent, in qua est statua, 
ubi Christus fuitligatus et flagellatus, et chlamys coccinea, 
qua fuit indutus, et spinea corona, qua fuit coronatus, et 
flagellum, quo fuit flagellatus, et arundo, quam pro scep- 
tro tenuit, et uestimenta, quibus, antequam crucifigeretur, exspoliatus 
fuit, et quaedam portio crucis, in qua confixus pependit, et 
claui, quibus adfixus fuit, et aliae simul sanctae reliquiae, quae 
magnum omnibus Christianis generarent [19] detrimentum, si amit- 
terentur". Auf diese Abhangigkeit hat zum erstenmale Vasiljevski 
hingewiesen ^), Riant aber hat dieselbe insoweit beanstandet, als er 
es fur wahrscheinlich halt, weil Hugo dabei weder den Kaiser Alexios 
Boch Robert von Flandern erwahne, ja seine angeblich aus dem Briefe 
entnommenen Satze dem Papst Urban II als in Clermont 1095 ge- 
sprochen in den Mund legt, dass Hugo diese Satze einem Rehquien- 

[ Kataloge und einer vum Papste gehaltenen Rede, deren Text verloren 
gegangen sei, entnommen habe, obwohl er andererseits die MOglichkeit 
nicht bestreiten wolle, dass Hugo den Text der Robertschen Version 
vor Augen gehabt habe. Allerdings nach Riants Meinung habe ja der 
Briefsteller selbbt Reliquien-Kataloge, sowie Reden Urbans zur Grund- 
lage seines Briefes genommen. Doch ist ein strikter Beweis fur diese 
Annahme von Riant keineswegs gegeben worden, weshalb die Wahr- 
scheinlichkeitsannahme Riants eben auch nur Vermutung bleibt, der 
gegeniiber der Wortlaut zu deuthch fiir die Identitat der Worte Hugos 
mit denen des Briefstellers spricht, welche mit Grunden nicht gelaugnet 
werden kann. 

Ein weiteres Fragment dieses Briefes, welches offenbar der Ro- 
bertschen Version sehr nahekommt, jedoch einige hervortrctende Ab- 
weichungen von derselben bietet, findet sich in die Clermonter Con- 
cilsrede Urbans II verwoben, in dem Manuscript der Bibliothek zu 

i Hamburg Nr. 4 (aus dem XV. Jahrh.), welches die Historia de obsi- 

[ dione Terrae sanctae a. 1096 enthalt und von Riant undKohler in Recueil, 
Hist. occ. t. V, 436 — 524 als Anonymi Rhenani Historia et Gesta 
ducis Gotefridi seu Historia de obsidione Terrae sanctae ediert ist; 
ebenfalls ist, wie ich selie, dieses Fragment nicht als in die Concils- 
rede verwoben, sondern am Schlusse der genannten Hist. de obsid. 
Terrae sanctae im Mainzer Codex IV, 151 fol. 54^ in fast wOrtlicher 
Uebereinstimmung mit der Version des Hamburger Codex angefiigt. 



•) Vergl. Yasiljevski, Byzanz und clie Petsclienegen a. a. 0. 



20 Einleitung. 

Wir geben dasselbe ebenfalls liier wortlich wieder, da es der Ab- 
weiclmngen zu viele sind, welche wir den Variantennoten nicht haben 
anfiigen wollen; eslauteti): „quantunique [cod. Mog. inter cetera] que- 
nilosa et lugubria nerba, quae imperator Graeciae scripsit Roberto, 
comiti Flandrensium, de insultu perfidorum homicidarum, sciHcet Tur- 
corum [cod. Mog. add. seu Teucrorum] et aliorum infidebum, regiones 
Christianorum deuastantium, sic inquit: [16] „Igitur pro aniore 
Dei et pro fide et pietate omnium Christianorum flagitamus 
et obsecramus in Domino, ut, quoscunque Christi [om. Christi] 
fideles bellatores in terra tua adquirere poteris, ad 
auxilium meum [mei] et Graecorum Christianorum huc te- 
cum adducere digneris, ut ob salutem animarumsuarum, reg- 
num Graecorum defendere temptent. ego enim tamquam pro- 
fuffus factus sum et cotidie a facie Turcorum et Pincinatorum 
angustior et fugio, quia exercitum eorum fortem sentio. malo igi- 
tur subiectus esse Conchristianis Latinis quam perfidorum in- 
festari delubriis. [17] ergo antequam obsidione uallet [uallent] et 
prosternat [prosternent] reuerendam metropolim Graeciae, suadeo [sua- 
dere] dicas [debes] utique militaribus tuis, ut saltem pretiosas reliquias, 
quae in ea sunt, aufteras et habeas atque colere facias in augmen- 
tum omnium Christianorum fidem et [om. fidem et] salutem. Notum 
sit igitur nobihtati tuae, quia inter ceteros thesauros aerarii mei mecum 
habeo maiorem partem pretiosae statuae omni deuotione dig- 
nam, in qua flagellatus fuit mundi saluator Jesus Christus. [17] est 
ibi etiam flagellum, quo [quo ipse] flagellatus fuit; chlamys 
coccinea, qua erat indutus; harundo, quam uice sceptri 
[quam in sceptro] in manu tenuit; tunica eius inconsutifis; pars maxima 
ligni sanctae [om. sanctae] crucis; lintheamina post resurrec- 
tionem eius inuenta; Xllcophini fragmentorum; maior pars 
capitis S. Johannis [18] baptistae; corpuscula multorum 
Innocentium et aliorum martyrum, Georgii, Mauritii, Demetrii, Ni- 
colai, Egidii, Johannis Damasceni, Johannis Ciirysosthomi, Gregorii Na- 
zianzeni [om. Nicolai usque ad Nazianzeni], Cyrilli, Pelagii et aliorum 
confessorum et uirginum multarum. ob reuerentiam igitur omnium ha- 
rum honorabilium reliquiaruni, suadeo et tuam exhortor nobiUtatem, ut 
sis saluatus cum [in] gente [22] tua et tuis totis uiribus certes, 
ne talis thesaurus in manus perueniat impiorum. scias igitur 
[insuper] quia soli thesauri ecclesiarum Constantinopolis 
in auro et [oni. et] argento, gemmis et lapidibus pretiosis, 
sericis pannis, palliis et tapetiis sufficere possunt omnibus 
mundi ecclesiis. hos tamen thesauros omnes thesaurus 
ecclesiae S. Sophiae superat et exceUit et sine dubio the- 
sauris templi Salomonis coaequari potest. [23] satage 
ergo, dum tempus habes, ne Christianorum regnum et, quod 
maius est, Dominicum Sepulcrum perdas. quod si facere 
non distuleris, scias te, post hanc uictoriam consequi coronam perennem". 



») Im Recueil a, a. 0. p. 441. Die Varianten des Mainzer Codex, welche 
im Recueil niclit abgedruckt sind, setzen wir dem Texte in Klammern bei. 



f 



1. — Epistula Alexii I Komneni ad Robertum I comitemllandrensein. <2i 

Die Historia Godefridi ist im Reciieil iiach 3 Manuscripten ediert, iiam- 
lich nach einem aus Colmar, einem aus Mainz und dem aus Hamburg, 
welche zwei letzteren das Fragment der Epistula Alexii, wie vorhin 
erwahnt, enthalten. Da die Erzahlung aber erst aus der zweiten Halfte 
des XV. Jahrhts. stammt ^) und ganz auf Grund der Darstelhnigen des 
Bartolfus de Nangeio und des Robertus Monachus gefertigt worden ist, 
auch es oflfensichthch ist, dass der obige Text der Epistula mit der 
sogen. Robertversion wortlich gleichlautende Satze enthalt, so ist man 
genOtigt anzunehmen, dass der Verf. der Historia den Text der Worte 
des Briefes auf Grund eines Robertcodex' also wiedergegeben, bezw. 
zum Teil umschrieben und mit dem Zusatze der Aufzahlung der Martyrer 
vermehrt hat. Die etwaige Annahme, dass eine dritte Version des 
Afexiosbriefes zur Zeit des I. Kreuzzuges im Abendlande verbreitet 
war und das vorliegende Fragment diese Version biete, ist unwahr- 
scheinhch und bleibt nur Vermutung, da ein sicherer Beweis hiefur in 
keiner Weise zu erbringen ist — immerhin aber zeigt auch das Vor- 
handensein dieses Fragmentes, dass es sich um ein und denselben 
Brief handelt, dessen Inhalt die sog. Robertsche Version am voU- 
standigsten wiedergibt^). Diesen Nachweis von der relat. Identitat 
der noch vorhandenen Version, bezw. davon, dass der ursprungliche 
Text, aus dem die Verfasser derselben geschOpft haben, kein wesent- 
lich anderer gewesen sein kann als derjenige, welcher uns in der Ro- 
^m bertschen Version vorliegt, mussten wir vorausschicken, um nunmehr 

[^p 1) Das Manuscript zti Colmar [Nr. 248) stammt aas dem J. 1459, das zu 

Mainz (Nr. J51) aus dem J. 1452 und das von HamlDurg (Nr. 4) aus der Zeit 
nach dem J. 1470. Das Mainzer Manuscript ist darum das alteste. Vgl. Rec, 

IHist. occ. V. pref. p. CXXIX und Byzant. Zeitschr. VII p. 433. — ') Sicher 
aus der Robertschen Version und nicht aus einer Concilsrede Urbans entnommen, 
worauf KoMer im Rec, Hist. occ V, pref. p. cv schon hingewiesen hat, ist das 
• Fragment, welches im Recueil, Hist. occ t. V p. 380 f. in dem wahrscheinlich 
von Hugo von Lerchenfeld innerhalb der Jahre 1170 — 1216 verfassten 
' Breviarium passagii in Terram sanctam enthalten ist. Dieses Breviarium ist ein 
Auszug aus der Historia des Monches Robert. Der Ueberarbeiter Roberts hat zu 
der Papstrede, die er Urban in Clermont halten lasst, den grossten Teil unseres 

1^^ Briefes von Abs. 6 — 19, aber in folgender geandeiter Anordnung wortlich ver- 
^fc wendet : Abs. 13 von »nam paene tota terra« an bis >:nobis subueniret;<, dann Abs. 17 
■» von xin ea habentur« bis Abs. 19 »si perdiderint <, hierauf Abs. 6 von >;pendentia<< bis 
»derisiones«, und Abs. 7 bis »ipsa sua nefaria« Abs. 9 ; dann Abs. 10 bis »res ornant 
planctum«, Abs. 12 bis »minantur< in Abs. 13, und nach einem Einschiebsel aus 
Robert die Worte des Abs. 13 : > et ad haec quis non plangit .... quis non orat« ? 
Dieses Fragment wortUch hier in seinem ganzen Umfange anzufuhren, ist darum 
1^^ iiberflussig, weil es fast j^anz identisch ist mit dem Text, den wir unter den 
I^P' Varianten mit Ve notirt haben. Kohler bemerkt im Rec, Hist. occ t. V pref. 
~ cv betrefls dieses Fragments : >si 1" on se rappiUe que la lettre d' Alexis se trouve, 
comme celle du patriarche de Jerusalem, transcrite dans un grand nombre des 
raanuscrits de Robert le Moine, on jugera vraisemblable que le chanoine de Ratis- 
bonne 1" a rencontree dans le nrscr. meme du chroniqueur qui lui servait de 
guide pf que c' est dans cette lettre qu' il aura ete ch* rcher les details dont il 
a enrichi le texte assez maigre cu senxon d'Urban II rapporte par Robert le 
Moine. En un seul point, dans les passages communs h son discours et a la 
Ifcttre, il difl:ere un peu de celle-ci. 11 fait dire au pape qu'il y a »40 ?ns en- 
viron« (circiter 40 annos) que ks Infideles se sont empares du S. Sepulcre, de- 
tail chronologique que ne fcurnit aucun des manuscrits de la kttre parvenus 



22 Einleitung. 

der Haiiptfrage nach der Echtheit des Briefes naher treten zu 
kOnnen. 

Die meisten, weiche in neuerer Zeit uber den Alexiosbrief Unter- 
sucliungen angestelit haben, sprechen demselben die Echtheit ab, was zwar 
auch schon in frfiherer Zeit geschehen ist, wie von Reiske '), Wilken '-^), 
Raumer ^), SchrOkh ^) und Damberger "'), ohne dass die Genannten ihre 
Meinung naher begriindet hatten. Dagegen ist es in neuerer Zeit kein 
geringerer als Riant, der in seiner im Jahre 1879 erschienenen treff- 
lichen Ausgabe des Briefes ^'), in welcher er dessen Inhalt einer ein- 
gehenden Priifung unterstellt hat, den Verfasser als einen absichtiichen 
Falscher ansieht, welcher den Brief in der Zeit zwischen Juli 1098 
und Juli 1099 im Lager der Kreuzfahrer gesciirieben habe, um die 
Nachzugler des ersten Kreuzzuges aus dem Abendlande, von wo sie 
sehnstichtig im Lager der Kreuzfahrer erwartet wurden, zur Eile anzu- 
treiben. Dieses von Riant behauptete Resultat , mit welchem auch 



jusqu' a nous. Mais on pourra toujours supposer qu" il eu aura eu sous les yeux 
un exemplaire aujourd' hui perdu, ou cette indication se rcncontrait«. In letzterer 
Beziehung jedocli halten wir dafiir, dass Hugo diese' Anmerkung iiber die 40 Jahre 
nicht in seinem Briefexemplar vorgefunden, sondern aus Wilh. v. Tyrus 1. I, c. b" 
entnommen hat, der am Schlusse dieses Kapitels mitteilt, dass ciie Tiirken vor 
Peters Auftreten Jerusalem 38 Jahre lang beherrscht hatten, nachdem vor ihnen 
die Stadt unter der milderen Herrschaft der Aegypter und Perser gewesen sei. 

— ') Reiske, Notae ad Constant. Porphyrog. ed, I^onn p. 242. — ^) Wilken, 
Geschichte der Kreuzziige I, 73 : »Doch scheint mir der Brief, wie er sich hier 
(bei Martene) befindet, die Uebung eines Monches zu sein, welche durch den 
Auszug bei Guibert veranlasst wurde. Folgender Ausdriicke wiirde schwerhch 
ein griech. Kaiser sich bedient haben : »melius subiectus esse uestris Latinis cupio, 
quam paganorum delubriisx (Abs. 16), und weiter unten : xmelius est ut uos ha- 
beatis ConstantinopoHm quam pagani« (Abs. 17), und in Rerum ab Alexio gestarum 
sagt Wilken p. 301 : »Suspicor, monachum quendam aut fraude aut exercitii causa 
araplificasse ea uerba, quae a Guiberto imperator Roberto scripsisse perhibetur«. 

— •') Raumer, Gesch. d. Hohenstaufen, (1. Aufl. 1828) I, 41 : >Die andern Quellen, 
besonders Guibert, nach dem unechten Briefe Alexios I an den Grafen von Flan- 
dern, s. du Fresne ad Ann. Komn. p. 73. sind verfiilscht und untaug]ich.« — 
4) Schrokh, Christliche. Kirchengesch. XXV, 47: >nicht zu gedenken, dass die 
Urschrift dieses Schreibens nicht mehr vorhanden ist, dass auch in Guiberts 
Auszuge einiges vorkommt, was sich in der voUstandigen Ausgabe nicht findet: 
so gibt es darinnen noch mehrere einfaltige, fiir den Kaiser ungeziemende Stellen, 
oder sonst gar nicht glaubliche Nachrichten. Es hat also beinahe das Ansehen, 
dass dieses Schreiben, welches sich ohnedem mit der Erzahlung der Prinzessin 
Anna nicht vollig vereinigen lasst, bei Gelegenheit der Riickkehr des Grafen 
von Flandern aus den Morgenlandern und seiner Bekanntschaft mit dem Kaiser 
von einem abendlandischen Geistlichen verfertigt worden sei, um den sich seit 
einiger Zeit regenden Trieb zu einem Zuge nach Palastina noch mehr anzu- 
feuern.« — ^) Damberger, Synchronist. Gesch. d. Kirche und Welt im Mittel- 
alter (1854) Bd. VII, Kritik S. 6 : »Graf Robert II von Flandern pilgerte nach 
Jerusalem 1085—86 und kehrte heim 1089 (Meyer) und da soll Alexios das Bitt- 
schreiben an ihn gerichtet haben (Pagi a. 1092 XI). Abt Guibert lib. I, 4 er- 
wahnt es, eine Ueberarbeitung steht Martene, Thes. anecd. I, 267. Sybel S. 223 
redet davon obenhin, halt aber doch das Schreiben fiir durcliaus beglaubigt I 
Weder Form noch Inhalt ist so beschaffen, dass man denken konnte, es liege 
uns unverfalscht das urspriinghche kaiserliche Schreiben vor Augen«. — ") Alexii I 
Komneni Romanorum imperatoris ad Robertum I Flandr. com. epistola spuria^ 
Genev. 1879. 



I 



I. — Epistula Alexii I Komneni ad Roljertum I comitem Handrensem. 23 



Kiigler ^), Tliurot =^) iind in neuester Zeit aucli Koliler und Mas Latrie^), 
die Herausgeber des Recueil, Hist. occid. t. V, und Potthast^) ttber- 
einstimmen, veranlasste Gaston Paris zum Widerspruch ^), und ob- 
gleich dieser den Verfasser des Briefes ebenfalls fur einen Falscher 
hielt, suchte er im Gegensatz zu Riant zu erweisen, dass der Brief 
hochst wahrscheinlich im Jahre 1090 geschrieben worden sei als eine 
rhetorische Uebung uber ein Thema, welches dem Schreiber gerade 
gefallen habe, wo dieser einiges aufnahm, was mit dem Geschmacke 
der Zeit in Uebereinstimmung gewesen sei. „Dass dieser lacherliche 
Brief falsch ist, sagt G. Paris p. 380, das springt einem jeden, der 
ihn liest, sofort in die Augen". Doch hat er neuerdings diese seine 
Ansicht dahin geandert, dass er es fur wahrscheinlich erklart, der 
Falscher werde den echten Brief gekannt haben und sei das Schrift- 
stuck nicht blos als eine rhetorische Stilubung anzusehen ^'). Ebenfalls 
hat Paparrigopulo die Unechtheit desselben behauptet in seiner im 
Jahre 1878 erschienenen Schrift Histoire de la civilisation hellenique 
und spater bei Besprechung der Ausgabe Riants ^) diesem in fast allen 
seinen Ausfuhrungen beigestimmt: erwahnt er doch mit Befriedigung, 
Riant habe diesem Briefe gleichsam den Gnadenstoss gegeben. Gerade 
der entgegengesetzten Annahme huldigt in neuerer Zeit Vasiljevski ^), 
welcher den Brief fiir echt erklart, nachdem auch altere Schriftsteller 

Iihn fur echt angesehen haben, ohne freibch diese ihre Annahme mit 



li 



•) Kugler, Gescla. d. Kreuzziige. 1880. S. 434: yDieser Brief ist von den 
'orscliern bald lur eclit bald fiir unecht gehalten worden. Gral Riant hat nun 
iunachst in einem eigenen Buche (Alexii I Komneni ad Robert. Flandr. I epist. 
^Bpuria) und sodann wiederholt in dem erwahnten Inventaire den Beweis der 
Uneclitheit dieses Briefes zu fuliren gesucht. Ich habe den Brief in meiner obigen 
DarsteHung gar nicht beriihrt, weil ich ihn ebenfalls fiir unecht halte und mich 
insoweit in voUkommener Uebereinstimmung mit Riant befinde«. — ^) Thurot 
^im Rec, Hist. occ. IV, pref. p. xix: »Cette lettre est 1" oeuvre d' un faussaire, 
icomme Fa demontre M. le comte Riant«. — ^) Rec, Hist. occ V, pref. cv. 
cxxxii, 380, 441: »la fausse lettre d' Alexis I Komneni au comte de Flandre : 
oder »Pseudo-Alexii Komneni epistola.« — ^) Potthast, Biblioth. histor. medii 
aevi (2 ed.) I, 331: »Dieser Brief, datiert von 1093, ist 1098 oder 1099 ge- 

|schrieben<. — ^) Gaston Paris in Revue crit. 1879 Nr. 47 p. 379—388. — «) G. 
Paris in Revue de TOrient latin t. V. p. 255, wo er den in Byz. Zeitschr. VI, 
1 — 32 erschienenen Aufsatz des Hrsgbrs iiber den Brief des Kaisers Alexios I 
an Robert v. Flandern einer Besprechung unterzogen hat. Paris sagt p. 255 : 
»Je repete sans hesitation : que cette lettre, censee ecrite par V empereur d' Orient 
au comte de Flandre, oii il se represente comme incapable de lutter contre les 
Turcs et les Petchenegues et fuyant tou;ours devant eux, oii il invite les Fran- 
^aits a venir prendre Constantinople qu' il ne peut plus defendre, leur vantant, 
pour les attirer, les reliques, les tresors et meme les belles femmes de sa capi- 
tale, que cette lettre ridicule soit fausse, c' est ce qui saute aux yeux de tout 
lecteur . . . mais, d' autre part, les renseignements tres exacts donnes dans 
r P^pistola sur quelques faits survenus en Orient, qui m' ont permit d' en fixer la 
date, et qu' on ne pouvait guere savoir en Occident, rendent tres vraisemblable 
la connaissance par le faussaire de la vraie lettre d' Alexis a Robert et je suis 
porte a conceder que 1" Epistola peut n' avoir pas ete un simple exercice de rhe- 
torique, mais avoir eu pour but et avoir pour effet de decider des chevaliers 
fran^ais a se porter au secours de 1' empereur grec<. — ') In Bulletin de cor- 
respondance hellenique IV (1880) p. 24 — 29. — ^) Im Journal des Ministeriums 
der Volksaufklarung. 1880, Band 207 S. 223—261 (russ.). 



24 Einleitung. 

Griinden untersttitzt zii haben. Ich nenne de Breqnigny ^), die Verfasser 
der Histoire litteraire de la France ^), Lebeau ^), Mailly *). Brunet de 
Presle^), Le Glay ^), Darras '), Michaud«), Heller«), Hakenio), Rehrn^O. 
Lochner ^^), Schlosser ^^), Rohrbacher i^), Mortier ^•), van den Velden ^% 
Kervyn de Lettenhove ^ ^), van Kampen ^^), Peyre ^^) und de Smet^o). 
Schon vor dem Erscheinen der Riantschen Ausgabe hat Vasil- 
jevski^^) die Ansicht von der Echtheit des Briefes vertreten; er 
w^urde auch spater durch Riants Grunde nicht von der Unrichtigkeit 
derselben uberzeugt, er behauptet vielmehr: der Brief entspreche dureh- 
aus der Lage, in w^elcher das byzantinische Reich im J. 1091 oder Ende 
des J. 1090 sich befunden und welche Anna Komnena beschrieben habe. 
Eben dieser Umstand ist es, der mich nach wiederholter Untersuchung 
uberzeugt hat, an meiner fruher ausgesprochenen Ansicht festzuhalten^*), 

J) De Brequigny, Table des Diplomes t. II (1775) p. 277. — ^) Hist. litt. 
de la France tome X (1756) p. 329. — ») Lebeau, Hist. du Bas Empire t. XVIII, 
186. — ■*) Mailly, Esprit des croisades (1780) I, Ixviii und III, 89 (deutsche 
Uebers. I, 67 f. II, 61 tf.) — ») Brunet de Presle, La Grece depuis la conquete 
romaine p. 221. — ^) Le Glay, Hist. de comtes de Flandre I, 206. — ') Darras, 
Hist. de TEgHse XXIII, 241,' 243; XXIV, 241. — ^) Michaud, Bibliotheque des 
crois. I, 125, 395; Bibliographie des crois. I, 34; Hist. des crois. (Brux. 1841) I, 
57 : :^M. Heeren, dans son savant commentaire latin sur les historiens grecs, re- 
voque en doute son authenticite. La principale raison qu' il donne de son opinion, 
est qvie cette lettre est trop opposee au caractere connu des empereurs grecs. Cette 
raison ne me parait pas suffisante ; on sait bien, il est vrai, que des empereurs de 
Constple affectaient ordinairement une grande bauteur dans leur correspondance, 
mais on sait qu' ils n' epargnaient pas les prieres lorsqu'ils etaient dans quelque 
danger et qu' ils avaient besoin de secours : rien ne s' allie mieux avec la vanite 
que la bassesse. Quelques critiques n' ont pu croire qu" Alexis ait parle dans ses 
lettres des belles femmes de la Grece ; la chose peut cependant paraitre tres 
vraisemblable, quand on se rapelle que les Turcs, qui attaquaient 1" empire de 
Byzance, recherchaient les femmes grecs avec ardeur<. — '") Heller, Gesch. der 
Kreuzz. I (1784), 64. — »o) Haken, Gemalde der Kreuzz. I (1808), 79: »Auch 
Alexios selbst, der Despot von Byzanz, hatte mit Hintansetzung seines gewohnten 
Stolzes in den riihrendsten Schilderungen der in seinen Staaten von den Sara- 
zenen veriibten Greuel den papstlichen Stulil und die Fiirsten der Abendwelt 
zur Unterstiitzung seines wankenden Kaiserthrons angefleht.< — ") Rehm, 
Handb. d. Gesch. des Mittelalters (1831) Band III, I, 67: Peter aus Amiens . . . 
entzlindete besonders unter seinen siidlichen Landsleuten und in llandern, wo 
Herzog Robert eben ein ihn um bewafinete Hilfe gegen die Tiirken ersuchen- 
des Schreiben des griech. Kaisers bekannt gemacht hatte, gliihenden Enthusias- 
mus« etc. — 12) Lochner, Gesch. d. Mittelalt. (1839) I, 178. — >») Schlosser, 
Weltgesch. 2. Aufl. 1873, V, 268. — '^) Rohrbacher, Hist. de FEglise Xlt, 632. 
i^) Mortier, Quam partem habuerunt Belgae in Bellis sacris. Gand 1826. p. 8. 
*^) Van den Velten, Quam partem habuerunt Belgae in BeUis sacris, Gand 1826, 
p. 16. — i^) Kervyn de Lettenhove, Hist. de Flandre I, 308. — >8) Van 
Kampen, Geschiedenis der Kruistogten (1824) I. 66. — '^) Peyre, Hist. de la 
I crois. (1859) I, 51, II, 462. S. oben S. 11. -- '^») De Smet, Robert de Jeru- 
salem, in Mem. de 1' acad. des sciences de Belgique t. XXXII (1861), p. 4, 6. 
2*) Vasiljevski, Byzanz und die Petschenegen, im Journ. des Ministeriums der 
Volksaufklarung (1872) Bd. 164 S. 325—328 (russ.). — ^^) Vergl. meine 
Ausgabe von Ekkehards Hierosolymita. Tiib. 1877, p. 341—351, wo der Brief 
auf Grund des Cod. Vratisl. N. 191 ediert und demselben eine kurze Einleitung 
uber dessen Verhaltnis zum Hierosolymita beige^eben ist; ebenfalls vgl. man Arch. 
de r Orient latin. I. p. SO, wo meine Ansicht iiber das Resultat Riants von mir 
ausgesprochen ist. Neucrdings habe ich in einem Aufsatze der Byzant. Zeitschr. 
VI, 1 — 32 ausfiihrlich iiber den Brief gehandelt nnd dessen Echtheit zu ver- 
teidigen gesucht, welcher Aufsatz grosstenteils hier wortlich wiedergegeben 



I 



T. — Epistiila Alexii I Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. 25 



dasfe namlich der Inhalt des Briefes als echt anziisehen ist, sei es, dass 
der Brief auf Grund eines griechischen Originals, sei es, dass er nach 
Eintreffen einer griechischen Gesandschaft in Flandern auf Betreiben 
des Grafen Robert selbst, wahrscheinlich durch einen Abendlander als 
Aufruf zum Beitritt zu einer nach Constantinopel zu sendenden Kriegs- 
mannschaft gefertigt worden ist. 

G r ii n d e, d e n B r i e f a 1 s u n e c h t a n s e h e n z u m ti s s e n, findet 
Riant zunachst in der Schreibweise des Verfassers ^) : unerhort sei 
die Begrtissung „in eodem Domino" (Abs. 5), vage die Bezeichnung „om- 
nibus regni principibus" (ibid.), einzig die Weglassung des Datums am 
Schhisse des Briefes (Abs. 23), ganz dem sonstigen Stil in den Alexios- 
briefen entgegen die Unterlassung der gewOhnlichen Selbstbezeichnung 
des Kaisers mit „imperium meum", oder des sonst im Abendlande ge- 
brauchlichen pluralis majestaticus, wahrend der Verf. die erste Person 
im Singularis gebrauche (Abs. 6, 16, 21). Diese Art der Schreibweise 
sowie der Gebrauch der Worte „pagani" fiir Turken (Abs. 16, 17, 19), 
„Propontis qui auidus dicitur" (Abs. 14), die Benennung der Provinzen Klein- 
asiens (Abs. 13) verboten anzunehmen, dass der Brief aus einem grie- 
chischen Originale iibersetzt worden sei. Auch kOnne der Brief im 
Vergleich zu den uns noch erhaltenen anderweitigen von Alexios ver- 
fassten Schriftstiicken, deren Stil ein durchaus von unserem Briefe ver- 
schiedener sei, unmOghch aus der Kanzlei des Alexios hervorgegangen 
sein, da dieser Kaiser niemals sich Ausdriicke von derart niedriger und 
feiger Gesinnung (Abs. 16) bedient haben kOnne ^). Aber auch die Lage, 
wie sie der Brief voraussetze, sei fiir Alexios niemals eingetreten, um 
einen Hilferuf an den Grafen von Flandern ergehen zu lassen ^), und 
schwerlich kSnne man annehmen, dass Alexios die Adressaten aufge- 
fordert haben sollte, die Offenthchen Schatze in Constantinopel in's Auge 
zu fassen und eine ziigellose Begierde darnach zu erwecken, welches 
Verfahren der sonstigen Charakteristik dieses Kaisers durchaus wider- 
sprache ^). Riant glaubt auch die Quellen, welche dem Schreiben zu 



ist. Eine Bespreclaung desselben von Gaston Paris findet sich in Revue de 
r Orient latin V, 255, s. S. 23. — ') Vergl. Riant, Alexii Komn. epist. p. xiv f. : 
»nous avons de ce prince (Alexis) des documents nombreux et authentiques, des 
actes, des lettres olficielles, des epitres familieres, ni les uns ni les autres n' ont 
le moindre rapport avec la piece que nous avons a etudier. L' intitule, la date, 
les formules meme sont tous differents : 1" intitule ne contient, en general, que 
le nom et les titres de T empereur, rarement et toujours en second lieu celui du 
destinataire, qui n" est jamais indique, comme dans notre lettre, par des termes va- 
gues comme »omnibus regni principibus«, si vagues qu' on se demande quel est ce 
»regnum«, la France ou 1" empire germanique ? Point de salutation »inDomino< et 
surtout »in eodem Domino«, formule incomprehensible dans notre texte«. — ^) Ibid. 
p. xviii: >Jamais Alexis n' eiit employe, a T egard d' un simple feudataire fran- 
9ais, des termes d' une aussi basse couardise, que ceux dont notre lettre V a fait 
se servir. Jamais, en tout cas, les scribes imperiaux, meme s' adressant a un 
petit prince latin, ne se fussent abaisses aux descriptions triviales et meme or- 
durieres qu' offre notre lettre«. — s) Ibid. p. xx tf. — *) Ibid. p. xxxi : »En- 
fin, quelle que fut 1' ostentation des Cesars a faire parade du luxe de Constan- 
tinople, il est difficile d" admettre qu' Alexis eut spontanement ofiert en pature, 
aux convoitises de 1" Occident, d" une part, les tresors pieux que les empereurs 
consideraient comme les joyaux les plus precieux de leur couronne, de Y autre 



26 lunleitung. 

Griinde liegen, gefnnden zu liaben: Nachricliten , vvelche der Brief- 
schreiber in Flandern anfgetrieben, Reliquienkataloge ans Constantinopel 
und Klagen syrischer Christen iiber die Bedriickungen von seiten 
der Tiirken, sovvie Klagen der MOnche, welche das intolerante Ver- 
fahren der Araber auf ihrer Pilgerfahrt kennen gelernt hatten, eben- 
falls Reden Urbans H *). Riant komnit zu der Folgerung, dass der 
Fiilscher den Brief zwar vor den Anfang des Jahres 1093 zuriickdatiert 
habe ^), allein dies hiudere nicht anzunehnien, dass der Brief zwischen 
dem 20. Juni 1098 und dem 10. April 1099 im Lager der Kreuzfahrer 
durch einen Reimser Kleriker in der Umgebung Roberts II vou Flan- 
dern geschrieben worden sei ^), von welcher Umgebung auch die im 
Dokument enthaltenen Andeutungen, w^elche auf flamischen Ursprung 
liinweisen, herriihren diirften, und wenn man die Annahme der Ge- 
lehrten des letzten Jahrh's. in Betracht ziehe, welche in dem MOnche 
Robert einen Augenzeugen des ersten Kreuzzuges erbltckten, so hin- 
dere ebenfalls nichts anzunehmen, dass dieser Abt von S. Remi unsern 
Brief im Orient fabriziert und ihn mit dem Briefe des griechischen 
Patriarchen von Jerusalem ^) nach Reims geschickt habe und dass in 
Reims 2 Stiicke, der Brief des Alexios und des Patriarchen, als Ex- 
citatorien ausgearbeitet und in Anbetracht ihrer Beriihmtheit spater der 
Historia Hierosolymitana Roberts angefiigt worden seien. Diese Herab- 
datierung der Abfassung des Briefes aber in die genannte Zeit wahrend 
des I. Kreuzzuges glaubt Riant desshalb annehmen zu miissen, w^eil in 
dem sogenannten Reliquienkataloge, welchen der Brief biete, die Er- 
w^ahnung der h. Lanze wohl absichtlich vom Verfasser unterlassen wor- 
den sei; denn nachdem man ja am 14. Juni 1098 in Antiochien diese 
Reliquie gefunden hatte, musste der Verfasser in dem Verzeichnis der 
Reliquien von Constantinopel, in welchem auch die heil. Lanze genannt 
war, diese aus demselben streichen, bezw. in dem von ihm zu ver- 
fassenden w^eglassen, da er ja die in Antiochien gefundene fiir echt ansah 
und auch im Abendlande die Auflindung dieser Reliquie durch einen 
dahin gesendeten Brief der Kreuzfahrer vom 11. September 1098^) 
nicht mehr unbekannt gewesen sein konnte. Zu all' diesen Behaup- 
tungen fehlen allerdings die ausreichenden Beweise. Behufs Wider- 



le pillage des ricTiesses publiques ou iDrivees efc des tresors caclies de la ville im- 
periale, enfin jusqu* a V honneur des femmes grecques«. — ') Ibid. -p. xxxiv 
— xxxix. — 2) ibi(j^ p^ i^ — . s) j|)i(j_ p_ j^ii- «gi^ en effet, la lettre a ete 
redigee au camp des croises, soit par Robert, soit par quelque clerc anonyme 
remois, nous placerons la date en juin 1098 — avril 1099. Si, au contraire, elle 
a ete ecrite en France, une fois connue la rupture entre Alexis et les croises, 
nous ajouterons le temps necessaire a V arrivee en Europe de cette nouvelle, et 
nous reporterons entre le mois de novembre 1098, temps oii la prise d' Antioclie 
fut connue en Europe, et le mois rle juillet 1099, date oii put s' j repandre le 
bruit de la rupture d' Alexis, 1" epoque de la redaction. Dans 1" un comme dans 
r autre cas, nous lui donnerons jDOur limites extremes: Juin 1098 — Juillet 1099 <. 

— *) Die von uns unten sub Nr. IX edierte Epistula Patriarcliae Hierosol. ad occi- 
dentales, welches Scliriftstiick aber schon im Janner 1098 abgefasst worden sein 
muss, ja nacli Riants Annahme schon Mitte October 1097 in Cilicien redigiert 
worden sei. Docli s. dariiber unten den Schluss der Einl. zu diesem Briefe. 

— o) Yergl. Riant, Epist. Alexii p. Ivi f. Dieser Brief ist von uns unten sub 
Nr. XVI ediert als Epistula Boamundi ad Urbanum II papam. 



I 



I. — Epistula Alexii I Koraneui ad Robertum I comitem Flandrensem. 27 



legiing zunachst der aus der Schreibweise des Verfassers entnoinmenen 

und soeben angefuhrten Grunde verweise ich auf die ErUiuterungen 

15, 16'S 23, 47, 55, 68, 69, 70 und 107, und bei eingehender Unter- 

suchung durfte gerade die letzte von Riant behauptete Datierung des 

Briefes in das Jahr 1098/99 als durchaus unannehnibar erscheinen,. 

wenn man in Betracht zieht, dass ja der Inhalt des Briefes mit dem, 

was man in deniselben nach Lage der in der genannten Zeit hervor- 

tretenden Verhaltnisse erwarten musste, auch gar nicht sich verehiigen 

lasst. Darum hat auch Gaston Paris bei Besprechung der Riant- 

schen Schrift ^), obwohl er mit Riant insofern harmoniert, dass er wie 

dieser den Brief einem Falscher zuschreibt, dennoch Widerspruch er- 

hoben gegen die ganze Ausfuhruug Riants, welche diese Herabdatier- 

ung in die Zeit des I. Kreuzzuges beweisen soll. Nach G. Paris liabe 

der Brief mit dem I. Kreuzzuge gar nichts zu thun: um im J. 1098|99 

ein Excitatorium abzufassen, damit die damals verspateten Kreuzzugler 

ihre Pilgerfahrt beschleunigten, musste ini Briefe auf den Zustand des 

heil. Landes, auf die bisherigen Siege der Kreuzfahrer und auf die Not- 

wendigkeit der Verstarkungen hingewiesen worden sein, anstatt den 

Leuten von den Gewaltthaten der Tiirken und Petschenegen, sowie von 

den Reichtumern Constantinopels und der SchOnheit der Frauen zu er- 

zahlen. Und mit Recht hebt G. Paris p. 389 noch hervor, wie es 

wohl mOglich sei zu glauben, dass ein Falscher gewusst habe, dass in 

der Epoche, in welcher er den Brief verfasst sein lasse, Cliios und 

Mitylene soeben von den Turken erobert worden (Abs. 13) und zugleich 

nicht soUte gewusst haben, dass diese Inseln von Alexios wieder zu- 

riickerobert worden waren. Sodann habe man im Abendlande sicher- 

ich schon zur Geniige davon Kenntnis gehabt, in welcher Weise der 

riechische Kaiser die ersten Kreuzfahrer aufgenommen und welche 

dnterlistige Behandlung diese von ihm erfahren hatten, ohne dass irgend 

jemand (vom Kreuzheere) in Versuchung kommen konnte, den Alexios 

an Robert von Flandern schreiben zu lassen : „melius esse subiectus 

uestris Latinis cupio quam paganorum ludibriis (Abs. 16)". Gewiss hat 

tdarin G. Paris vollkommen Recht, denn es ist doch eine hOchst auf- 

fallende Erscheinung, dass die Abendlander, wenn man den Brief als 

Jahre 1098/99 im Lager der Kreuzfahrer verfasst ansehen wollte, 

de Riant thut, von dem was bisher das Kreuzheer geleistet, auch gar 

lichts im Briefe haben hOren durfen — das ist sicher ein triftiger Be- 

reis dafiir, dass das Schreiben zu einer friiheren Zeit abgefasst wor- 

len ist. Ein Falscher vom Jahre 1098/99 hatte gewiss seine Freude 

iber den Fortgang des Kreuzzugsunternehmens nicht verschwiegen, noch 

jdie Notlage von Constantinopel, welche damals gar nicht vorhanden war^ 

fin dieser klaglichen Weise schildern kOnnen, ohne bei seinen Lands- 

leuten in Verdacht zu kommen, Unwahres berichtet zu haben. Im 

Jahre 1098 war die Stimmung der Kreuzfahrer gegen Alexios eine 

solche, dass sie ihn verfluchten, da sie nach ihrem Empfinden ihn als 

einen treulosen Menschen kennen gelernt hatten ^), und ohne Zw-eifel 



1) In Revue critique 1879 t. H, p. 379— 3S8. — 2) Vergl. Raim. cle Aguilers 
im Rec, Hist. occid. III, 340 A : > Alexius accepta Nicaea tantam gratiarum ac- 



28 P^inleitung. 

wiisste aucli das Abendland von diesem Verhaltnis. Dass darum ein 
Sclireiben von dem griechischen Kaiser auf guten Boden iallen wurde, 
liess sich wohl niemand im Kreuzheere traumen. So hiilt auch Gaston 
Paris dafiir, dass der Brief viel friiher und zwar im Jahre 1090 ge- 
schrieben worden sein mtlsse und vor jenem Jahre, in welchem nach 
Anna Komnena ^) in der That dem Kaiser Alexios von Robert Friso 
eine Anzahl von 500 Rittern gesendet wm-de, wofur der Kaiser sehr 
voll Dankes war. Dieselben nahmen alsdann im Jahre 1091 teil an 
den Kampfen in Kleinasien und kehrten in der Folge wieder nach 
Flandern zuruck. „Es scheint mir, sagt G. Paris p. 385, dass zwi- 
schen dieser Absendung und dem falschen Briefe des Alexios ein 
deutlicher Zusammenhang besteht. Robert hatte im Jahre 1083 das 
hl. Grab besucht ^) und auf seiner Riickkehr im Jahre 1084 iiber Con- 
stantinopel ^) dem Alexios die bestimmte Zusicherung gegeben, ihm ein 
Hilfskorps zu senden. Robert eilt mit der Ausfuhrung seines Ver- 
sprechens nicht so sehr, und Alexios musste ihm ohne Zweifel ein 
Erinnerungsschreiben senden, ja man darf auf Grund der Guibertschen 
Nachricht glauben, dass er Gesandte an ihn abgeschickt hat (misit in 
Franciam scribens Rotberto, Guib. Rec. p. 131 C). Der Brief ist unter 
dem Eindrucke dieses Vorkommnisses geschrieben. Er sollte ange- 
sehen werden als die Aufforderung, auf welche Graf Robert mit der 
Sendung seiner 500 Ritter geantwortet hat" ^). „Man konnte nun 
glauben", sagt G. Paris p. 386 weiter, „dass der Graf von Flandern 
selbst diesen Aufruf zum Freiwilligendienst fiir den Kaiser Alexios 
habe abfassen lassen, wenn das Datum des Briefes in Bezug auf die 
Erwahnung der Einnahme von Chios und Mitylene nicht mtisste verlegt 
werden in eine Zeit, wo diese Ritter schon abgereist, w^enn nicht schon 
in Constantinopel waren, und wenn man andererseits darin nicht jeg- 
liche specielle Beziehung auf die flandrische Grafschaft vermisste. Der- 
jenige, welcher den vorliegenden Brief verfasst hat, hat eine rhetorische 
Uebung tiber ein Thema angefertigt, welches ihm gerade passend schien, 
wobei er einiges, w^as wirklich dem Geschmacke der Zeit entsprochen 
hat, verwendete. Man erinnere sich in der That an den Ruhm, der 
damals iiberall den siegreichen franzosischen Waffen folgte: Robert 
Guiscard bemachtigte sich Siciliens, Wilhelm von Montreuil komman- 
dierte die Truppen des Papstes, Franzosen entrissen den Musehuanen 
ihre Stadte in Catalonien und Aragonien, andere kampften in Portugal, 
Wilhelm von der Normandie fiihrte sein erstaunhches Abenteuer gliick- 
lich aus, und dies alles innerhalb einer Zeit von 40 Jahren. Die Idee, 
«das griechische Reich aus der Tiirken Handen zu befreien. und der 



tionem exereitui dedit, ut quamcliu uixerit, populus semper ei maledicat et pro- 
clamet tum proditorem«. — ») Anna Komn. Alex. 1. VII, 8. ed. Bonn. I, 360. 
Docli ist der Brief wahrscheinlicli imJalirel088 geschrieben worden. S. a. Byz. 
Zeitschr. VI, 22. — *) Auch dieses Datum ist nicht richtig, woriiber nacliher 
noch Naheres zu sagen ist; vgl. a. Erlaut. 14. — ^) Die Begegnung Roberts 
des Friesen mit Alexios I hat auch nicht in Constantinopel, sondern in Beroea 
stattgefunden, woriiber Naheres Byz. Zeitschr. VI, 19 fF. und unten Erlaut. 14. 
^) G. Paris in Rev. crit. 1879 t. II, 386: > 1' epistola est ecrite, a mon avis, sous 
rimpression de cet evenement qui dut frapper les esprits : elle est censee con- 
tenir la demande a laquelle Robert repondit par Y envoi de ses 500 chevaliers«. 



r 



I. — Epistula Alexii I Komneni ad Robertnm I comitem Flandrensem. 29 



Gedanke, sicli desselben sei es ganz oder teilweise zu bemachtigen^ 
mochte manchem auf der Ruckkehr von Jerusalem begriffenen Pilger,. 
der, wenn er Constantinopel passierte, daselbst die unvergleichlichen 
Rehquien, die wunderbaren Schatze und die schOnen Frauen zu be- 
wundern Gelegenheit hatte, aufsteigen, und wenn man wusste, dass der 
griechische Kaiser einen Hilferuf an die Franken hatte ergehen lassen^ 
so liegt es nahe anzunehmen, dass irgend ein verwegener Monch mit 
verworrener Kenntnis und gluhender Einbildungskraft den Brief des 
Alexios an Robert von Flandern geschrieben hat — doch nicht kam 
er aus der Feder eines solchen, der mit Robert von Flandern in naherem 
Verkehr gestanden war, denn er scheint die Verbindlichkeiten und Be-^ 
ziehungen zwischen Robert und Alexios gar nicht naher gekannt zu 
haben und beschreibt die Rehquien und Schatze in Constantinopel, wie 
wenn er an jemand sich wendete, der noch niemals dort gewesen war. 
Auch biete sich keine einzige Wahrscheinlichkeit, dass der Brief, wie 
Riant behauptet, von Robert dem MOnche verfasst sei." Offenbar hat 
Gaston Paris in Betreff der Abfassungszeit des Schreibens annahernd 
richtiger geurteilt als Riant, denn der Inhalt des Briefes, so fiihrt G. 
Paris aus ^), entspreche ganz und gar der thatsachhchen Lage des 
griechischen Reiches vom J. 1090—1092; G. Paris hat nachgewiesen, 
dass die Erfolge der Christen in Gahcien in dem der Abfassungszeit 
vorangehenden Jahre (anno praeterito) % dann die Einnahme von Chios 
und Mitylene durch die Tilrken und endlich das Eindringen der Flotte 
der letzteren in die Dardanellen, welche Nachrichten nach Riant sich 
nicht mit einander vereinigen lassen, gerade auf die beregte Zeit passen. 
Ehe wir auf die Bestimmung der Abfassungszeit des Briefes und 
die Beweisfuhrung Riants und Paris' zuruckkommen, sei noch die An- 
sicht eines weiteren oben sclion genannten Gegners, des Paparrigo- 
pulo^), mit einigen Worten gedacht. Dieser lasst sich auf die Ein- 
zelheiten des Briefes nicht naher ein; er glaubt denselben deshalb als 
unecht erklaren zu miissen, weil Alexios nie und nimmer ins Abend- 
land Gesandte geschickt habe, welche Hilfe begehrt hatten, da er ja 
niemals in die Lage gekommen sei, solcher zu bediirfen. Alexios habe 
seinen Thron bestiegen inmitten der grOssten Schwierigkeiten, er war 
wenig vorbereitet, um gegen Robert den Normannen und Boemund deii 
Krieg zn fuhren; er fiihrte ihn tapfer zu Ende, denn die anfangs ver- 
lorenen Pliitze habe er wiedergewonnen und im Verlauf der Zeit seine 
Stellung vielmehr befestigt als geschwacht. Nachdem er die Normannen 
zuruckgeworfen gehabt habe, eroberte er wieder Sinope, Nikomediea 
und einige andere Platze Kleinasiens, vernichtete die Petschenegen, be- 
siegte die Rumanen und unterdriickte melirere Aufstande im Innern seines 
Reiches; er sei im Jahre 1095 machtiger als im Jahre 1085 und durch 
keine einzige ernstliche Gefahr bedroht gewesen: warum sollte er im 
Innern seiner Staaten dieselben Rauber, welche er mit so grosser Miihe 
und Gefahr aus dem griechischen Gebiete vertrieben gehabt, Avieder 
zurQckgerufen haben ? Wenn er sie jetzt rief, warum sollte er sie be- 



») Ibid. p. 384 f. — 2) Epist. Alexii, Abs. 16. — ^) Paparrigopulo, Hist. 
de la civilisation Hellenique, Paris 1878, p. 337. 



30 Einleitung. 

kriegt, iiiid nachdem er gegen sie sein Reich verteidigt gehabt, warum 
hid er sie ein, sich desselben zu bemachtigen ? ^) Wenn allerdings, vvie 
Paparrigopiilo annimmt, der Fiilscher des Briefes denselben als im 
Jahre 1095 verfasst gehalten wissen wollte, dami waren Paparrigopulos 
Grunde annehmbar; allein die Datumsangaben bei Martene, Thes. anec- 
dot. I 267, nach welcher der Brief wahrscheinlich 1095, und der l)ei 
Martene, Vet. SS. ampl. coll. p. 572, nach der er im Jahre 1100 ge- 
schrieben worden sein soll, welcher ersteren Paparrigopulo folgt, sind 
willkiirliche, weil unerwiesene und durch nichts indizierte Annahmen. 
Sodann abgesehen davon, dass es eine in der Luft schwebende Be- 
hauptung ohne Untergrund ist, Alexios sei niemals in der Lage ge- 
w^esen, Gesandte ins Abendland zu senden, was Paparrigopulo vorher 
hatte beweisen sollen, ist damit, dass im Jahre 1081 beim Regierungs- 
antritt des Alexios die Lage des Reiches eine sehr traurige und im 
Jahre 1095 eine durchaus bessere gewesen ist, nicht widerlegt, dass im 
Verlauf dieser Zeit fur das Reich nicht doch eine ahnliche, noch viel 
schlimmere Lage als im Jahre 1081, eingetreten ist, und zwar eine 
solche, wie sie eben unser Brief schildert. Dass eine solche viel schlim- 
mere Lage in der That eingetreten war, darilber belehrt uns Anna 
Komnena. Nicht nur dass sie in der Alexias ^) berichtet, unter Suleiman 
von Nicaa hatten die Turken in Kleinasien entsetzliche Verwtistungen 
angerichtet und taglich ihre rauberischen Einfalle in den Regionen 
Bithyniens und Thyniens ausgefiihrt und seien bis zum Bosporus 
vorgedrungen, wobei die Byzantiner sich vor Besttirzung gar nicht zu 
raten gewusst hatten — es w^ar dies im Jahre 1081 — , sondern auch 
spilter, im Jahre 1087, befand sich nach Annas Erzahlung ^) der Kaiser 
Alexios in einer iiberaus traurigen Lage: bei Drisdra (Sihstria) erlitt er 
im Spatjahr 1087 ^) gegen die Scythen bezw. Petschenegen eine schwere 
Niederlage; es war eine Schlacht, die vom friihen Morgen bis zum 
Abend wahrte, in welcher eine Unzahl Leute getOdtet wurden; eine am 
Abend eingetroffene Verstarkung, welche die Scythen erhielten, gab den 
Ausschlag. Kaum konnte Alexios, von den FeindeJi verfolgt, das eigene 
Leben retten ; er entkam mit einigen Getreuen nach Beroea ^). Mit 



•) Ibid, ]p. 337 : xponrquoi aurait-il introduit au sein de ses etats ces memes 
envahisseurs qu' il ayait expulses en personne avec tant de peines et de dangers, 
des pays helleniques ? 8"il les appelait maintenant, pourquoi venait-il de leur faire 
la guerre ? et apres avoir defendu contre eux son empire, pourquoi les invitait-il 
a s' en emparer« ? — '^) Anna Komu. Alexiad. 1. III c. 10 (ed. Bonn.) I p. 178. 
3) Ibid. lib. VII, c. 6, ed. Bonn. I. p. 86*7. — ^) Mit guten Griinden hat Dieter 
in Byz. Z. III 388 den Beweis gefiilirt, dass dieser Petschenegenkrieg im J. 1087 
stattgefunden hat. Denn die von Anna Komn. Alex. VII c. ;-••, p. 338 f. er- 
wabnte Sonnenfinsternis fand am 1. Aug. 1087 statt, wahrend welclier Zeit 
xilexios gegen die Scythen zu Felde lag, um bald darauf bei Drisdra vollig aufs 
Haupt geschlagen zu werden. Uniichtig ist darum die Angabe bei Muralt, Essai 
de Chronogr. byzant. II p. 62, welclier irrtiiralich diese Sonnenfinsternis als am 
20. Juli 1088 stattgefunden verzeiclinet, demnach auch die Schlacht bei Drisdra 
ins Jahr 1088 verlegt hat; am 20. Juh 1(;8S stellte sich allerdings auch eine 
Sonnenfinsternis ein, welche aber nur im Nordosten Asiens wahrgenommen wer- 
den konnte und die von Anna erwahnte nicht gewesen sein kann, wahrend die, 
am 1. Aug. 1087 in ganz Europa, Afrika und Asien zu sehen war. — ^) AnnaJ 
Komn., Alexiad. VII 3, (ed. Bonn ) I, p. 350. 



I 



I. — Ex^istula Alexii I Komneni ad Robertam I comitem Flandrensem. 31 



dieser Niederlage der Griechen war den Petschenegen Thor und Thiire 
geOffnet, iim ihre Raiib- und Pliinderungszuge inimer weiter auszu- 
dehnen und den Kaiser aufs Husserste zu bedrohen. In der unmittel- 
baren Folge waren es allerdings die Kumanen, welche wegen Beute- 
teilung, die die Petschenegen verweigerten, mit diesen in Streit ge- 
rieten und sie bis zum Ozonsee zuriicktrieben ^), nichtsdestoweniger 
haben sie aber im Jahre 1088 von neuem ihre Einfalle wiederholt. 
Alexios hatte inzwischen in Beroea ein neues Heer gesammelt, es kam 
jedoch zunachst zu einem Vertrage, welchen der Kaiser mit den Scythen 
abschloss, behufs AbsteHung aller Feindseligkeiten ^) ; allein diese fingen 
von neuem an, Verheerungen anzurichten, drangen bis Phihppopolis ^) 
und von da mit unbeschreiblicher SchnelHgkeit immer weiter bis in 
die Nahe Constantinopels vor. Alexios aber war nicht imstande, ihrem 
Vorrucken Einhalt zu thun ; er befand sich bei Kypsella in einer derart 
traurigen Lage, dass er rat- und mittellos ihnen gegeniiberstand ^) und 
keinen andern Ausweg mehr fand, als mit denselben einen Waffenstill- 
stand zu vereinbaren. Damals war es, als er auch in die umHegenden 
Lander den Migidenos abgesendet hat, damit dieser ihm Hilfstruppen 
herbeifiihre ^). Aber auch die Ttirken fiigten den Griechen ungeheueren 
Schaden zu. Nachdem sie, wie wir soeben gehOrt, schon im Jahre 1081 
fast ganz Kleinasien erobert hatten und bis zum Bosporus vorgedrungen 
waren, hat spater zur namlichen Zeit, als die Petschenegen in den 
Jahren 1087 — 1089 durch ihre Einfalle und Verheerungen das griechische 
Reich bedriingten, die Flotte des turkischen Seeraubers Tzachas den 
Kampf mit den Griechen aufgenommen. Es wurden von diesem da- 
mals die ionischen Stadte Klazomena und Phocaea, sowie die Insehi 
Mitylene und Chios, welche letztere auch der Briefschreiber anfiihrt, 
den Griechen entrissen und die Flotte derselben zuni Teil vernichtet ^). 
Diese von Anna Komnena geschilderte Lage ist nun ganz dieselbe, wie 
sie uns aus den Worten des Briefes entgegentritt. Wenn die Kaisers- 



1) Ebenda VII 5 p. 353. — ^) Ebenda VII 6 p. 356. — ^) Ebenda 
VII G p. 357. — ■*) Ebenda : Y^vcuaxtuv 6 a?)ToxpdTcop xb ^IoxivyjTov (den sclinellen 
Vormarscli) Tdiv SxuS-wv xal opdiv a^Tou^ "yjSir] xai a^TTjv tyjv ^aotXiSa xaTaXaixpdvovTas 
Tuiv jioXeouv c,w tayt'. tcoaXco, ev ot|jLTjxav(a tjv. Man vgl. hierzu die Worte des Briefes 
p. 16: xquamuis imperator, nullum tamen mihi remedium neque idoneum con- 
silium scio inuenire;, und p. 15: »minantur tam per terram quam Propontidem 
Constantinopolim uelociter capere«. — -) Ebenda p. 358: 7rsfj.TrsTai toivdv 6 Miy^- 
Stjvoc, (oaTs TCavTjYopc'.? l^cc^f.v ex toiv uapaxstasvcov jyipGiV. Unter uavTjYopsti; versteht 
hier Anna offenbar Hilfstruppen. Dieter in Byz. Z. III 388 entnimmt aus den 
Worten der Anna Komn. ,,t6 ix irfi Tcoaf]? 7rpo(;6o>to6a£vov ixtoO-o-fopixov", dass wohl 
alle byzantin. Hilfegesuche des Alexios, welche dieser ins Ausland gericlitet hat, 
nur Geldunterstiitzungen zum Zwecke gehabt hatten, welche Annahme aber mit 
den Worten der Anna Komn. in obiger Stelle keineswegs harmoniert. — ^) Anna 
Komn. Alexiad. VII 8 p. 361 ff. Dieter hat, wie schon S. 30 Anm. 4 erwahnt, 
es sichergestellt, dass die Schlacht bei Diisdra im J. 1087, nicht erst 1089 statt- 
gefunden hat. Eben darum ist auch der Kriegszug des Tzachas in eine friihere 
Zeit als das Jahr 1(>90, welches man bisher annahm (s. Muralt, Essai chronogr. It 
p, 6b). zuriickzuverlegen. Denn die Kampfe der Tijrkenflotte des Tzachas und 
derjenigen der Griechen haben zur selben Zeit stattgefunden, als die oben ge- 
schilderten Vorgange zwischen den Petschenegen imd Griechen sich abgewickelt 
haben. — Ueber die Gewaltthaten der Tiirken und vornehmlich (iber diejenigen 
des Tzachas vgl. Neumann, Die byzant. Marine S. 15 ff". 



32 Einleitung. 

locbter selbst ilireii Vater danials bei der Petschenegengefabr als ^v 
djur^xavia, das ist in Rat- und Mittellosigkeit befindiicb scbildert und 
der Briefscbreiber sicb (Abs. 16) in Bezug auf dieselbe Gefahr des 
Ausdrucks bedient: „nullum mihi remedium neque idoneum consilium 
scio inuenire", wenn wir bei Anna lesen, dass die Petscbenegen bis in 
die Nabe Constantinopels vorgedrungen seien, als der Kaiser sicb in 
Kypsella befand, und der Briefscbreiber (Abs. 14) berichtet: „minantur 
Constantinopobm uelociter capere", wird man da nocb behaupten kOnnen, 
dass der Kaiser nie in die vom Briefschreiber geschilderte Lage ge- 
kommen sei? Fur uns ist es eine erwiesene Sache, dass die im Briefe 
gescbilderte Lage identisch ist mit der von Anna gescbilderten, und diese 
Ueberzeugung nOtigt uns auch zu der Folgerung, dass eben damals, 
als Alexios in dieser Notlage sich befand, das uns vorliegende Scbreiben 
auch veranlasst und abgefasst worden ist. Wenn nun nicht nur von Pa- 
parrigopulo, wie wir vorhin gesehen haben, die Notlage des griecbischen 
Reiches, wie sie der Briefschreiber schildert, als in der That nicht vor- 
handen gewesen behauptet wird, sondern aucb von Riant die Ansicht 
ausgesprocben wurde, dass die Einfalle der Petschenegen und Tiirken 
zwar eine stete Getahr fur Constantinopel, aber dennoch von keiner 
solchen Bedeutung gewesen seien, dass Alexios deshalb in der vom 
Briefe angegebenen Weise sich an die Lateiner babe wenden miissen, 
so beweist dies eben, dass die von Anna Komnena uberlieferten Nach- 
richten nicht genau beachtet worden sind, andernfalls die Identitat der 
im Briefe und in der von Alexios geschilderten Notlage nicht batte ge- 
laugnet werden kOnnen. 

Doch sind es auch noch weitere Umstande, welche unserer An- 
sicht zur Bestatigung dienen. Wie wir S. 1 1 schon gesehen , ist es 
Guibert, der in seiner Historia HierosoL, bevor er den Inhalt des 
Briefes des Alexios nach seiner Art angiebt, mitteilt, dass ja Robert 
von Flandern, der Aeltere, seiner Zeit — 12 Jahre vor dem Beginne 
des grossen Kreuzzugsunternehmens — eine Wallfahrt nach Jerusalem 
gemacbt habe und auf dieser vom Kaiser um Hilfstruppen sei ange- 
gangen worden ^). Auch im Vorworte zu unserem Briefe redet der 
Kopist desselben davon: der Graf babe ehemals auf seiner Riickkehr 
vom heil. Grabe den griechischen Kaiser besucht und beide hatten in 
leutseliger und liebenswiirdiger Weise mit einander verkehrt ^). Ganz 
dasselbe teilt uns Anna Komnena mit. Diese berichtet namlich, 
dass damals, als die Kumanen die Scythen bei Ozolimne eingescblossen 
und langere Zeit umlagert hatten und Alexios in Beroea, wohin er in- 
folge der verlorenen Schlacht bei Drisdra geflohen war, sich aufhielt, 
um dort ein neues Heer zu sammeln, Robert von Flandern, auf seiner 



') Guil). Hist. Hierosol. in Rec, Hist. occid. IV 131 D : »Is (Robertus senior, Flan- 
drensis comes) Iherosolimam orationis gratia aliquando profectus, forsitan Con- 
stantinopolim peruiam habens, cum ipso est imperatore locutus, unde et apud 
eum sumpta maiore fiducia, de adiutoriis est expetendis appulsus<, und ebenda 
p. 24G C : »Ante duodecennium enim ferme quam proceres nostri Ilierosolimitanum 
adgrederentur iter, Robertus Flandrensium senior comes, de quo in primo huiuSj 
operis egimus libro, cum multis opibus Iherusalem orationis gratia est profectus 
2) S. Epist. I, 2: »adfabile atque amicabile conloquium ad inuicem liabuerant> 



I 



I. — Epistula Alexii I Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. 33 



Riickkehr von Jerusalem begriffen, bei Alexios eingetroffen sei ^). Graf 
Robert habe dem Kaiser eidlich zugesagt, wenn er nach Hause zuruck- 
gekehrt sein wurde, ihm 500 Ritter zur Hilfe schicken zu woUen, und 
diese Zusage habe Robert auch gehalten, denn nach einiger Zeit, wahr- 
scheinhch innerhalb Jahresfrist, kamen die flandrischen Hilfstruppen in 
Starke von 500 Mann an nebst 150 Pferden, welche der Graf als Ge- 
schenk an den Kaiser iibersendet hat ^). Die Schlacht bei Drisdra nun 
fand, wie wir oben gesehen haben, im Sommer des Jalires 1087 statt, 
aller Wahrscheinlichkeit nach Mitte August dieses Jahres ; dei- Aufent- 
halt des Alexios in Reroea, wohin derselbe mit dem geringen Rest 
seiner Leute geflolien war, muss sonach in der zweiten Halfte des 
August begonnen haben; wie lange derselbe wahrte, mag dahingestellt 
bleiben; jedenfalls aber durfen wir mit Recht annehmen, dass er nicht 
unter 2 Monaten sich ausgedehnt hat: denn wahrend der Kaiser da- 
selbst weilte, kommt es zwischen den Kumanen uud den Petschenegen 
zum Kampfe, welche letzteren von ersteren geschlagen, zuriickgedrangt 
und langere Zeit am Ozonsee eingeschlossen gehalten wurden, bis die 
Kumanen, durch Lebensmittelnot veranlasst, von der weiteren Redrang- 
nis ablassen mussten ^). Alexios war wahrend seines Aufenthaltes in 
Deroea bemuht, ein neues Heer zu sammehi und vornehmUch die von 
den Scythen gefangen gehaltenen Griechen mit grossen Summen Geldes 
loszukaufen ^) — dies alles kann nicht in nur wenigen Tagen stattge- 
funden haben. Wir gehen darum nicht fehl, allerwenigstens die Monate 
September und Oktober als die Zeit des Aufenthaltes des Kaisers in 
Reroea anzunehmen. In diese Zeit, in das Spatjahr 1087, fallt denn 
auch die Ankunft Roberts I von Flandern bei Kaiser Alexios in Reroea^). 
Man vergegenwartige sich des letzteren Lage: bei Drisdra geschlagen, 
ohne die nOtigen Mittel, den Kampf gegen die Petschenegen fortsetzen 
zu kOnnen, ist er darauf bedacht, wieder ein Heer zu sammeln, und 
es ist erklarhch, dass er den von Jerusalem nach seiner Heimat zu- 
rilckkehrenden Grafen um Reistand angeht und dieser ihm auch die 
Zusage der Hilfeleistung gemacht hat. Die traurige Lage, in welcher 
sich damals der Kaiser befand, hatte Robert selbst vor Augen, und er 
hat dann auch, in der Heimat angelangt, sei es sofort oder eine langere 
Zeit spater, es nicht unterlassen, das MOghchste dazu beizutragen, um 
seinem gegebenen Versprechen auch nachzukommen. In welcher Weise 



Ifc ') Anna Komn., Alex. 1. VII 6, ed. Bonn. I p. 355 : oom-^Bia'. iv to) i),sxat,b 
m^aoiKsbc. x£'l;j.evo^ slq li?,ooY^v, s^oTzXi^ti xobq al/|j.aXu)too; v.al xb Xgitcov aTiav QKKixiY,iv. 
|«)T£ xal 6 ^^Actvrpas v.vvjg, i^ '^hpozohuij.viv eTcav3p^6|J.£vo<;, ey.eloe y.aTaXa]J.pdv3i tov 
»Tov.pdTopa y.al Tov covTj^T] rol^ Aattvot;; ditociiooDOiv opy.ov, 6-oq}(6 xevoc djxa Ttp td 
01x01 y.aTa/^a^siv Govidyoo^ CiKOoxBlkai ol Inndq TcevTay.octoo;. cpcXoTt[j.YjodfJLevO(; toivov 
Tov ToiouTov 6 (^aoiAeuc, Kpbq td cxetepa Jjacpovta Tzpokr.Bivhv. — ^) Anna Komn. 1. 
VII 8, ed. Bonn. I p. 360 : t: to Ivtsui^-sv ; xaTa/vafJ.pdvouoiv 01 Tiapd tou <l>Advtpa 
airooTaXsvTe; i-TCel? £y.y.p:TOc oics: TtevTccy.ooto:, )(dpio[J.a y.ojj.tCovTe? toutoj Ikkooi; £y.7cplT6u<; 
Tov dp'.0vj.6v ey.aTov Kpbq zobq JrjvtVjxovTa. — ^) S. Anna Komn. 1. VII 5, ed. 
Bonn. I 353. — ") S. Anna Komn. 1. VII 4, ed. Bonn. I 352 : 6 8e ^aodeu; ets 
BepoTjv It'. £v5'.aTp'ipojv, tyji; ^aoihloo^; twv Tto/.etov ypr|p.aTa txavd ji£Tay.o}J.'laa<;, eTipiaTO 
Tou<; 8opuaX(uTouc, u. 1. VH 6, ed. Bonn. I 355: Suvd-(£Ta'. ev tw jx£Ta^'j 6 ^aoi/.eu; 
X£ifj.£voc; 6'.c BepoYiV, £^o-AiC=^ to'j<; alyjj.a/.o')Tou<; y.al t6 "aoittov Slkuv oTt/vtTcxov. -- ^) Ueber 
diese Begegnung Robei-ts des Fnesen in Beroea mit Alexios s. unten Abs. 3 zu 
Anm. 14. 

Hagonraoyer, Epistiilac et Cbait-.ie. 3 



34 Einleitung. 

6r dies gethan liat, ist iiun freilich mit absoluter Bestimmtheit nicht 
zu sagen : aber dass er einen Aufruf an seine Leute hat ergehen lassen, 
ist, wenn nicht alles triigt, so naheliegend und selbstverstandlich, dass 
wir nur dann von dieser Voraussetzung Abstand nehmen kOnnten, wenn 
i)ns das Gegenteil derselben bewiesen werden wiirde. 

Hinreichend begrQndet ist es nun aber, dass in der Thatauch 
von Alexios ein Schreiben an Robert den Friesen ge- 
richtet worden ist. Es ist Guibert, der nicht nur jenesmal von 
einem solchen Schreiben des griechischen Kaisers redet, da er, wie wir 
oben S. 12 gesehen haben, die nahere Mitteilung uber dessen Inhalt 
macht, sondern auch ein zweites Mal, als er tiber Robert R, den Sohn 
Roberts des Friesen. nahere Angaben verzeichnet, wobei er ausdruck- 
Hch beizufugen ftir n5tig erachtet: „Rol)ertus iunior, senioris ad quem 
imperatoris missa est epistula filius" ^). 

Guibert stand in naheren Beziehungen zum flandrischen Hofe ^), 
ebenfalls mit solchen, welche den Pilgerzug Roberts des Friesen in der 
genannten Zeit mitgemacht hatten ^). Mit Recht sagt darum auch 
Sybel *) : „bei Guiberts Beziehungen, in welchen er zu dem Grafen von 
Flandern stand, sowie bei seiner litterarischen Stellung halte ich es fur 
hOchst unwahrscheinlich, dass er ein Schreiben an den Grafen entweder 
selbst erdichtet oder ein erdichtetes sich hatte aufbinden lassen. 
Guiberts Zeugnis kurzerhand zu beseitigen, dazu sind wir nicht be- 
rechtigt". Nun giebtGuibert auch an ''), in welcherWeise dieses Schreiben 
des Kaisers an Robert gelangt ist. Er sagt: „Hi (Turci), dum Constan- 
tinopolitanum urgerent imperium et eidem urbi paene obsidendae uide- 
rentur inrumpere, imperator Graecorum, minis eorum frequentibus et 
assiduis incursionibus tremefactus misit in Franciam, scribens Ro- 
berto seniori, Flandrensium comiti, epistulam, multiplices ei obiectans 
causas, quibus excitari eius posset animus ad defendendam periclitan- 
tem Graeciam". Diese Worte besagen, dass Alexios eine besondere 
Gesandtschaft nach Frankreich geschickt habe, lassen es aber nicht zu, 
anzunehmen, dass dem flandrischen Grafen damals schon, als er in 
Beroea mit Alexios persOnlich verkehrt hat, dieser Brief eingehandigt 
worden sei, da der Kaiser ja miindlich dem Grafen sein Anliegen mit- 
geteilt und nicht durch einen Brief erst die Leiden der Christen im 
Morgenlande und die iibrigen Ursachen, weshalb er Hilfe brauche, zur 
Kenntnis zu bringen n5tig gehabt hat. 

Anders aber stellt sich die Sache, w^enn wir uns erinnern, dass 
nicht lange nach der Begegnung Roberts mit Alexios dieser wiederholt 
in der traurigen Lage sich befunden hat, ohne auswartige Hilfstruppen 
den Petschenegen nicht widerstehen zu konnen und deshalb den Migi- 
denos in die umliegenden Lander sandte, damit er solche herbeifiihre ^). 
Damals und ohne Zw^eifel nicht lange nach dem Besuche beim Kaiser 
in Beroea — hSchstwahrscheinlich im Friihjahr 1088 — mag auch an 



*) Guib., Hist. Hierosol. im Rec, Hist. occ. IV p. 148 G. — ^) ibidem IV 
p. 226 G. — ^) Ibid. p. 246 D : ut ab lais didici, qui familiarem inibi comiti 
praestiterant comitatum. — -») Sybel, Gesch. d. 1. Kreuzz., 2. Aufl. S. 8. 
— 6) Guibert a. a. 0. p. 131 C. — «) Vgl. S. 31. 



I. — Epistiila Alexii I Komneni ad Robertmn I comitem Flandrensem. 35 

den Grafeii Robert eine Gesandtschaft abgeordnet worden sein, durch 
welche der Kaiser wiederholt das Ersiichen an denselben gestellt hat, 
ihm Hilfstruppen zu senden, und ihn daran erinnerte, sein Versprechen 
einzulosen. Oflfenbar hat die Gesandtschaft die Beglaubigung ihrer 
Sendung und ihres Auftrages durch einen Brief des Kaisers erweisen 
gekonnt. In welcher Sprache derselbe abgefasst war, ob griechisch, 
was allerdings am wahrscheinlichsten ist, oder ob lateinisch, ist nicht 
mit Bestimmtheit zu sagen. Allein um den Wunsch des Kaisers Alexios 
in dem Bereiche der iiandrischen Herrschaft zur Kenntnis zu bringen, 
war es nOtig, dass ein im Namen des Kaisers abgefasstes Schriftstiick 
ausgegeben wurde, in welchem die ausschlaggebenden Grtinde hervor- 
gehoben werden mussten, welche einem solchen Aufrufe zu statteu 
kamen. Da liegt es denn nahe anzunehmen, dass Robert selbst die 
Veranlassung dazu gegeben hat, um sein dem Kaiser gegebenes Ver- 
sprechen einzulOsen, und ein Excitatorium ausgehen liess, zu welchem 
der durch die Gesandtschaft ilberreichte kaiserliche Brief die Grund- 
lage gebildet hat und welches an die in Flandem wohnenden Unter- 
thanen des Grafen gerichtel worden ist, sei es nun, dass schon in Con- 
stantinopel die lateinische Redaktion des Schreibens besorgt worden war, 
sei es, dass erst im Abendlande der Gesandte selbst die Abfassung 
durch einen Abendlander, der vielleicht schon in Constantinopel sich 
aufgehalten hatte und damals nach Flandern gekommen war — gab es 
doch damals Normannen, Englander und Skandinavier, welche bei dem 
griechischen Kaiser Soldnerdienste leisteten ^) — , besorgen liess, sei es, 
dass ein MOnch, der noch nie aus seiner Heimat sich entfernt gehabt 
hatte, den Brief geschrieben bezw. die Uebersetzung geferligt hat, wie 
wir iiui jetzt vor uns haben, oder wer immer die Abfassung bewerk- 
stelligt haben mag — : das, was er schrieb, bekundet eine genaue Kennt- 
nis sowohl der Kampfe, die dem damaligen griechischen Reiche zum 
Nachteile gereicht hatten, als auch der in Constantinopel selbst kon- 
stant gewordenen Verhaltnisse, so dass entweder die Augenzeugenschaft 
oder die genaue Berichterstattung, sei es auf HOrensagen, sei es auf 
Grund eir.es Schriftstuckes und zwar des vom Kaiser selbst der Ge- 
sandtschaft eingehandigten Briefes, dem Verfasser der lateinischen Ver- 
sion des Briefes zuzugestehen ist. Wenn wir darum auch nicht be- 
haupten kOnnen noch wollen, dass der Brief in der Form, in welcher 
er uns vorliegt, aus der Feder des Alexios geflossen ist — mOgen 
immerhin dagegen die Grunde, die gegen des Kaisers Autorschaft ins 
Feld gefuhrt werden, ihre Berechtigung haben — , so viel ist nach 
unserem Dafiirhalten gewiss : der W^nnsch des Kaisers, den dieser miind- 
lich und spater auch schrifthch und wahrscheinlich in weniger naiven 
Worten dem Robert von Flandern vorgetragen hat, dass man ihm in 
seiner Notlage Hilfe senden mOge, sowie die ungunstige Lage des 
Reiches, wie sie in den Jahren 1087 — 1091 in der That vorhanden 
war, kommen im Schreiben in einer Weise zum Ausdruck, d a s s d a s- 
selbe seinem Inhalte nach nur aus den damaligen Ver- 



1) Vergl. Hopf, Griech. Gesch. in Allgem. Encyclop. v. Erscli u. Gruber, 
Thl. 85 S. 149, und Hagenmeyer, Ekkeh. Hierosolymita p. 72. 



•gg Kinloitung. 

haltnissen selbst seine Erklarung findet und sicher auch 
in der Zeitgeschriebenworden ist, in welcher diese Ver- 
haltnisse eingetreten waren, eine spatere Abfassung 
aber, sei es im Jahre 1095, wie Paparrigopulo voraus- 
setzt, oder gar im Jahre 1098/99, wie Riant will, dem auch 
Potthast gefolgt ist'), der WidersprOche und UnmOglich- 
keiten zu viele bietet, um als thatsiichlich angenommen 
werden zu kOnnen. 

Hier ist der Ort, auf einige von G. Paris oben S. 23 beruhrte 
Einwande zuruckzukommen, welche derselbe jedoch zum Teil in seinem 
neuesten Aulsatze uber den Brief^) nicht mehr vertritt, die aber doch 
wert sind, besprochen zu werden. Die fr uhere Annahme G. Paris' 
gieng dahin, dass ein Falscher nur um einer ihm zusagenden Stilubung 
willen dieses Schreiben im Jahre 1090/91 verfasst habe. Wollte man 
dieser Annahme zustimmen, so bleibt es immerhin unerklarlich, wie ein 
derartig obskures Schriftstiick von den Geschichtsschreibern jener Zeit, 
von einem Hugo von Fleury, einem Abte Guibert und von Robert solch 
eine Bedeutung erhalteu haben und in einer Weise aufgebauscht wer- 
deii konnte, wie es der FaU sein musste, wenn man geneigt ware, diese 
Art der Entstehung anzunehmen. Sodann ist es eine sichere weil gut 
bezeugte Tliatsache, dass nach der Ruckkehr Roberts des Friesen von 
seiner Pilgerfahrt aus dessen Landen eine Schaar von 500 Kriegern 
nach dem griechischen Reiche sich begeben hat. Diese Leute sind 
nun gewiss nicht im Geheinien angeworben, sondern ofFenbar durch 
aussergew5hnUche Mittel zu ihrem Entschlusse gebracht worden ; da 
liegt es denn gewiss nahe, auch wenn der Brief nicht mehr vorhanden 
wiire, anzunehmen, dass ein Excitatorium im Lande hin und wieder 
bekannt wurde, das den Leulen in eindringlicher und drastischer Weise 
die damalige Lage der morgenlandiscben Ciiristen geschildert und den 
grossen Gewinn in Aussicht gestellt hat, der denen zu teil werde, 
welche dem Aufrufe Folge leisten wurden. Warum nun unserem Briefe, 
der so reclit seinem Inhalte nach fiir die damalige Gesinnung der Leute 
passt und geeignet erscheint, eine Anzahl von ihnen fur die Rettung 
des Morgenlandes aus der Tilrkengefahr mobil zu machen, als den ein- 
zigen Zweck desselben eine Stiliibung vindizieren? Allerdings G. Paris 
glaubte zu der Annahme, dass das Schreiben thatsachlich einen Auf- 
ruf zum FreiwiUigendienste fiir den griechischen Kaiser nicht gewesen 
sein k5nne, darin einen Grund gefunden zu haben, weil man genotigt 
sei, das Datum der Abfassung in eine Zeit zu verlegen, in welcher die 
aus Flandern zu Alexios gezogenen 500 Ritter schon unterwegs, viel- 
leicht schon bei diesem eingetroffen waren — sodann einen andern 
Grund darin, dass im Briefe selbst gar keine Beziehungen auf die 
flandrische Herrschaft genommen seien. Was nun den ersten Grund 
anlangt, so beruht derselbe auf einem Irrtum, denn wenn auch Anna 
Komn. lib. VII, c. 7, ed. Bonn. I, 360 die Nachricht von der Sendung 
der 500 Ritter und eines Geschenkes von 150 Pferden an Alexios vor 
der Eroberung Mitylenes' und Chios' durch den Turken Tzachas im lib. 



1) S. oben S. 23 n. 4. — 2) In Revue de 1' Orient latin t. V p. 254—256. 



I. — Epistola Alexii 1 Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem 37 



I 

^B VII, c. 8, ed. Bonii. I, 362 f. niitteilt, so ist damit keineswegs auch die 
^P gleiche Zeitfolge vindiziert, vielmelir ist aus der Erzahlung der Anna 
deutlich ersichtUch, dass sie, nachdem sie von den Scythenkampfen ge- 
sprochen und die Lage geschildert, in welcher Alexios damals sich be- 
funden hat, in der er nicht mehr imstande war, den Feinden eine hin- 
langliche Armee entgegenzustellen, und am Schlusse von der einge- 
troffejien Sendung der 500 Mann aus Flandern redet, jetzt auch auf 
die turkischen Kampfe in Kleinasien zu sprechen kommt und dal)ei in 
eine friihere Zeit zuruckgreift, als die war, in welcher die 
Flanderer eingetroffen sind. Es hat deshalb auch Muralt, Essai de 
Chronogr. l)yzant. p. 65, in richtiger Beurteilung der Reihenfolge der 
von Anna gegebenen Mitteilungen mit Recht die durch den Piraten 
Tzachas erzieite Erorberung Mitylenes und Chios' ') in eine friihere Zeit 
verlegt als die Ankunft der genannten Ritter in Constantinopel '), wenn 
er auch mit den bestimmten Daten je um 1 oder 2 Jahre sich geirrt 
haben durfte: die Eroberung von Mitylene und Chios setzt er zwischen 
1. Juli und 12. Aug. 1090, die Ankunft der flandrischen Ritter in Con- 
stantinopel zwischen 10. Februar und 20. April 1191, und die Wieder- 
eroberung von Mitylene in den Fruhhng 1 092 ^). Wenn nun, wie wir 
vorhin gesehen haben, der Besuch Roberts bei Kaiser Alexios im Spat- 
jahr 1087 stattgefunden hat und ungefahr ^/4 Jahr spater die kaiser- 
liche Gesandtschaft nach Flandern gereist ist, so wird die Eroberung 
Mitylenes ins Friihjahr 1088 und die Ankunft der flandrischen Ritter 
ins Frtihjahr 1089 zu setzen sein. Der Brief, wie er uns vorliegt, 
wurde sonach im Jahre 1088 geschrieben und als Aufruf an die fland- 
rischen Einwohuer ausgegeben worden sein. Zu einer NOtigung, die 
Abfassungszeit in die Tage zu verlegen, in welchen die 500 Ritter schon 
aus der Heimat weggezogen oder gar schon in Constantinopel ange- 
kommen waren, kann nicht die Rede sein, es miisste denn mit Vasil- 
jevski angenommen werden, dass jener Passus im Abs. 16: „sicut Gali- 
ciam et cetera occidentalium regna anno praeterito a iugo paganorum 
aliquantulum liberauerunt", auf die Kampfe bezogen wurde, welche jene 
von Robert gesendeten 500 Franken mit den Turken und Petschenegen 
in Bithynien gefuhrt haben; dann allerdings ware es mOglich, dass ira 
Briefe selbst von jenen Franken die Rede ware, w^elche Robert dem 
Alexios gesendet hat, und musste der Brief in ein spateres Jahr zu 
setzen sein, etwa in dasjenige, welches als das vierte vor dem Be- 
ginne des Kreuzzuges in dem Vorwort zu der Roberlschen Version 
bezeichnet wird. Allein die Deutung der genannten Stelle auf Galatien 
in Verbindung mit den «Occidentalium regna" ist kaum denkbar, ohne 
einen sehr bedeutenden Verstoss des Uebersetzers des Briefes zu sta- 
tuieren^). Naher liegt es, dass sich der Schreiber des Vorworls in 
der Bestimnumg des Jahres geirrt habe; doch wir halten an unserer 
Datierung fest, sofern nicht durch triftigere Grunde das Gegenteil 
bewiesen werden kann. 



') Anna Komnena Alex. YI[, 8, ed. Bonn. I p. 362. — ') Ibid. Vlt, 8, 
. Bonn. I p. 360. — 3) Ibid. VII, 8, p. 369. — ') Vergl. unten AIjs. 16, 
65, 66. 



38 Einlcituug 

Ebeiisovvenig ist der zweite soeben erwahnte Einwurf G. Paris' 
von irgend vvelchem Belange : es seien ja ini Briefe gar keine Bezieh- 
ungen auf die flandrische Herrschaft geltend gemacht. deshalh kOnne 
ja auch das Schreiben nicht von Robert von Flandern veraniasst sein. 
Wir wiissten aber auch nicht, was er Qber sein Land den Briefschreiber 
im Namen des griechischen Kaisers hatte sagen lassen kOmien, und 
lassen es selbstverstandiich auch dahingestellt, ob Robert selbst oder 
der Gesandte die Veranlassung dazu gegeben hat; nur so viel halten 
wir nach dem Obigen als gesichert fest, dass es aufmittelbare 
Veranlassung desgriechischenKaisers, bezw. vondessen 
Gesandten im Einyerstandnis mit dem Grafen von Flan- 
dern oder auf dessen Mitveranlassung in dessen Lande 
ausgegeben worden ist und als Excitatorium wohl auch 
seine guten Dienste gethan hat. Als echt ist darum der 
Kern des brieflichen Inhaltes anzusehen, der unmissversteh- 
bar und in drastischer Weise den Wunsch des Kaisers dargelegt und 
die Beweggrunde, welche fiir einen damaligen abendliindischen Ritter 
ausschlaggebend sein mussten, wemi auch in der naivsten Weise, den 
Lesern vorgefiihrt hat. 

In der Hauptsache muss man darum auch Vasiljevski zustimmen, 
der zu dem Resultate gelangt ist, dass das Schreiben als echt zu be- 
trachten sei. Docli halten vvir sein Resultat nur fiir eine der M()glicli- 
keiten, unter welchen wir uns die Abfassung des Briefes vorstellen 
konnen. Nach Vasiljevski namlich ist der Brief urspriinglich von Kaiser 
Alexios in griechischer Sprache geschrieben und der Inlialt von einem 
sehr ungeschickten Uebersetzer ins Lateinische iibertragen worden. Diese 
Ungeschicklichkeit des Uebersetzers zeigt Vasiljevski in einigen auffal- 
lenden VerstOssen, welche derselbe sich habe zu Schulden kommen 
lassen und welche allerdings von den Gegnern der Echtheit zum Er- 
weise angefiihrt vverden, dass der Brief nur von einem Fiilscher her- 
ruhren kOnne: so ist nach Vasiljevski der Gebrauch von ^Abydos" ') fiir 
die Propontis durch die lateinische Uebersetzung des griechischen Ori- 
ginals veranlai-st worden; das Wort „Sepulcrum Domini" '") am Ende des 
Briefes konne irrtiimlich vom Uebersetzer anstatt „rehquiae'* gebraucht 
worden sein; ^Galicia" ^) sei das Galatia Kleinasiens, und der Ausdruck 
im lateinischen Texte et „cetera Occidentalium regna" erklare sich eben- 
falls durch den griechischen Originaltext, von dem Vasiljevski mehrere 
Lesarten beibringt, wobei der griechische Schreiber von westlichen 
und Ostlichen Provinzen des griechischen Reiches rede, und eine dieser 
Provinzen sei eben Galatien. Wenn wir auch die zuletzt erwahnten 
Worte des lateinischen Textes keineswegs, wie wir vorhin schon her- 
vorgehoben haben, als einen Fehler des Schreibers anzusehen vermogen, 
auch an dem „Sepulcrum Domini" am Ende des Briefes nicht den gering- 



') S. Abs. 14 : «nam et Propontidem, qui et Auidus dicitur, et ex Ponto 
iuxta eandem Constantinopolim in mare magnum decurrit>. — ^) Ibid. Abs. 
23: «Agite, dum tempus habetis, ne Christianorum regnum et, quod maius est, Do- 
mini perdatis Sepulcrum». — ^) Ibid. Abs. I, 16: <et sicut Galiciam et cetera 
Occidentalium regna anno praeterito a iugo paganorum aliquantulum libera- 
verunt>. 



I 



1. — Epistula Akxii I Koinneni ad Robertum I comitem Flandrensem. 39 



sten Anstoss nehmen kOnnen ^), so sind selbstversliindlich diese ver- 
meintlichen oder wirklichen VerstOsse ^) in der Schreibweise keines- 
wegs ein Hindernis, uni nicht auch der Ansicht, welche wir betreffs 
der Abfassung des lateinischen Schreibens ftir die wahrscheinlichste 
halten, die gleiche Berechtigung zuzuerkennen, dass namlich im Abend- 
lande infolge eines durch eine kaiserliclie Gesandtschaft iiberbrachten 
Briefes des Alexios, der moglicherweise noch anderweitige Mitteilungen 
enthalten hat als die von Guibert und in der Robertschen Version ge- 
botenen, unter dem Einflusse des flandrischen Grafen dieses lateinische 
Schreiben in freier Weise redigiert und dann als Excitatorium in die 
Oeffentlichkeit gebracht vvorden ist. Wenn dadurch auch die Echtheit 
des Briefes einigermassen alteriert erscheint, so ist dabei dennoch ein 
bedeutender Unterschied zwischen einem derart zustande gekommenen 
Schriftstiicke und einem absichtlich gefiilschten, das, wie G. Paris frtther 
annahm, als Stilubung oder, wie Riant meint, wiihrend des ersten Kreuz- 
zuges abgefasst worden sein soll, nicht zu verkennen. Der Haupt- 
grund aber, welcher auch Vasiljevski zui* Annahme der Echtheit notigte, 
ist genau derselbe, den auch wir in Obigem darzulegen versucht haben : 
die im Briefe geschilderte Lage des griechischen Kaisers deckt sich 
mit dem, was Anna Komn. daruber mitteilt, sowohl in Bezug auf die 
mit den Turken verbundeteu Petschenogen, vvelche letzteren die lateini- 
sclien Kreuzzugsschriftsteller nur noch als Verteidiger, nicht als Feinde 
des griechischen Reiches kennen ^), als auch in Bezug auf die Flotte 
der Seldjuken Kleinasiens und auf die den Griechen von seiten der 
Franken im Jahre 1089 wirklich zugesendete Hilfe. Wenn besonders 
gegen die Echtheit des Briefes die gar zu bescheidene Art und der 
beinahe unterthanige Ton des kaiserlichen Schriftstellers ins Feld ge- 
fuhrt wird ^), welche eines griechischen Kaisers in jeder Beziehung un- 
wurdig ersclieine, so entgeguet Vasiljevski mit Recht, dieser unter- 
thanige Ton erkliire sich durch die kritische Lage, in welcher sich das 
griechische Reich im Jalu*e 1091 (nach unserer obigen Ausfuhrung ia 
den Jahren 1087/91) befunden habe, und, setzen wir hinzu, er erklart 
sich bei eiuem Schreiber l)ezw. Umarbeiter des Briefes um so leichter,. 
der die wohl im Originaltexte nicht so „unverfroren" hervortretende 
und in feinerem Gewande mitgeteilte Gesinnung des Kaisers in einer 
plumper hervortretenden Form wiedergegeben hat ^). Der Annahme, als 
sei der Brief durch irgend eineu Falscher, sei es im Abendlande, sei 
es im byzautinischeu Reiche, fabriziert worden, hiilt Vasiljevski ent- 
gegen, man kOnne keinen rechten Zweck eines solchen Fabrikats er- 
l^kennen, zudem ja die im Briefe erwahnte Lage der Wirklichkeit durch^ 

I^B ') S. dariiber zu Abs. 23, n. 106. — 2) g. z^ Abs. 14, n. 55. — •'') S. zu 

l^^bs. 6, n. 19. — *) Zu den Worten Abs. 16, 17 : >ego, quamuis imperator < otc etc. 
■^bemerkt Riant in Alexii Komn. epist. p. XVIII: jamais, a uue epoque oii les 
r Grecs se souciaient fort peu du S. Sepulcre, un empereur d' Orient n eut place 
la deUvrance des Lieux Saints avant le salut de 1" empire : »ne Christianorum 
regnum et, quod maius est, Domini perdatis Sepulcrum« ; jamais, du reste, il 
n" eut consenti a soumettre Constantinople aux Latins; les souverains grecs du 
XV*^ siecle, a la veille de la ruine definitive de 1' empire, ne sont pas descendus 
jusque la . — ») Man vergl. das zu I, 16 Anm. 70 u. XI, 2 Anm. 7 Bemerkte. 



40 Einleitung. 

aus entsprocheii hal)e. Die Auslassiing der Erwahnung der hl. F.anze, 
worauf Riant als eine absichlliche, wie wir oben gesehen iiaben, grosses 
Gewicht legt, sei nur eine zufallige. Wir sind auch in diesen Punkten 
mit Vasiljevslii vollig einverstanden und verweisen noch auf das oben 
S. 26 Gesagte. 

Mit Recht hat denn auch v. Sybel in der 2. Aufl. seiner Gesch. 
des ersten Kreuzzuges S. 7 if. trotz Riants eingehender Abhandlung, 
worin der Inhalt als von einem Fiilscher herriihrend nachzuw^eisen ver- 
sucht wird, den Brief unter die sogenannten Kreuzzugsquellen aufge- 
nomnien und seinem Inhalte nach f(lr echt erklart, wenn er auch die 
vorhegende Robertsche Version nicht besonders verteidigen gewollt 
hat, ja in betreff derselben auf Seiten der Gegner der Echtheit sich 
stellt ^), wahrend er die Guibertschen Mitteilungen keinesw^egs aufzu- 
geben gewillt ist. Eine eingehendere Untersuchung des beiderseitigen 
Verhaltnisses hatte ihn ohne Zweifel auch die Identitat beider erkennen 
lassen, und er wiirde dann folgerichtig auch den Inhalt der Robert- 
schen Version in gleicher VV^eise gewertet haben. 

Neuerdings hat auch Gaston Paris, wie wir oben S. 28 schon 
erwahnt haben, wenigstens einen Teil des vorliegenden Briefes als aus 
einem von Alexios an Robert von Flandern gesandten Originalbrief ent- 
nommen, anerkannt. G. Paris unterscheidet namhch im Briefe zweierlei 
Arten von Mitteilungen, solche, w^elche Alexios nie und nimmer in einem 
Schreiben kundgethan haben kOnne, und solche, welche die Annahme 
nahe legen, dass der Verfasser des Briefes das echte Schreiben des 
Kaisers gekannt habe — im Vergleich zu seiner fruheren Ansicht, dass 
das Schreiben nur eine Stiliibung sei, ein Zugestandnis, mit welchem 
Paris den namlichen Standpunkt einnimmt, auf dem auch wir uns be- 
finden, wenn wir annehmen, dass der Kern des Inhaltes mit demjenigen 
des Originalbriefes identisch ist, bezw. den Intentionen und Willens- 
ausserungen des griechischen Kaisers entsprochen hat, wenn auch un- 
serer Meinung nach Mitteilungen, welche von G. Paris als uicht von 
Alexios herriihrend bezeichnet werden, wie z. B. jene Worte, die eine 
dem Kaiser nicht sich ziemende unterwiirfige Gesinnung bekunden, als 
recht wohl von Alexios in seiner Notlage gebraucht worden sein 
kOnnen ^). Immerhin aber scheint durch die jiingste Stellungnahme G. 
Paris', der mit seinen friiheren scharfsinnigen Deduktionen ^) den un- 
widersprechlichen Bew^eis von der Abfassung des Briefes vor dem ersten 
Kreuzzug erbracht hat, die ganze Frage zu Gunsten der relativen Echt- 
heit zu einem vorliiufigen Abschluss gekommen zu sein; es miisste 
denn der Fall eintreten, dass von anderer Seite die Kontroverse wieder 
aufgenommen und das gegenteihge Resultat zu erzielen gesucht werden 
wiirde. Wahrscheinlich hatte aber auch Riant sich weniger veranlasst 



*) Gescli. d. ersten Kreuzz., 2. Aufl. S. 8: »Die Echtlieit des bei Mai-tene 
und sonst gedruckten Schreibens zu verteidigen, bin icli weit entfernt. Das 
Gegenteil ist so schreiend, dass mir der Streit, ob es 1090 oder 1098 fabriziert 
worden, von sehr geringer Bedeutung zu sein scheint. Um so weniger aber 
halte icli uns fiir bereclitigt, Guibtrts Zeugnis kurzerhand zu beseitigen.< — 

') S. S. 39 und unten Abs. 16. 17, n. 70. — ^) In der Revue crit. 
1879, N. 107, t. II, p. 377—388. 



I^r^. 



I. — Epistnla Alexii I Komneni acl Robertum I comitem Flandrensem 41 



^esehen, deii Brief eiiiem iiotorischeii Fiilscher zuzuschreiben, wenn er 
nicht in der Voraussetznng befangen gewesen ware, dass von Alexios I 
in den Jahren 1087—1095 iiberhaupt keine Hilferufe ins Abendland 
gerichtet worden sein kOnnen in deni Sinne, wie ihn der Brief enthalte. 
Alexios habe allerdings unniittelbar vor dem ersten Kreuzzuge ins 
Abendland Boten gesendet, nicht um von diesem Hilfe gegen die an- 
dringenden Seldjuken und Petschenegen zu erhalten, vielmehr um eine 
rein kirchliche Angelegenheit in Ordnung zu bringen und die Wieder- 
vereinigung der abendlandischen und morgenlandischen Kirche zu er- 
zielen. Er gesteht zwar zu, dass unter dem Pontifikate Gregors VII 
sich Alexios auch um Hilfe gegen die Seldjuken beworben, auch sei 
es sicher, dass er sich im Jahre 1081 um Hilfe gegen die Normannen 
an Heinrich IV und andere Fursten gewendet habe, aber diese Hilfe- 
gesuche bewiesen nicht, dass auch in den Jahren, welche dem ersten 
Kreuzzuge unmittelbar vorangegangen sind, also wohl in den Jahren 
1087/95, mit solcher unterthaniger Gesinnung und solchem Nachdruck 
von Alexios ein Bittgesuch ans Abendland gerichtet worden sei, um 
damit die grosse Bewegung des Jahres 1096 zu veranlassen '). Sind 
nun keine Hilfsgesuche in der genannten Zeit ins Abendland gesendet 
worden, so ist eben damit dem sogenannten Brief des Alexios an 
Robert den Friesen sein Schicksal schon zum Voraus bestimmt, allein 
abgesehen von unserem Briefe und den das Gegenteil bestatigenden 
Mitteilungen der Anna Komnena ^), ist die Nachriclit, dass solche Hilfe 
thatsachlich vom griechischen Kaiser begehrt worden ist, von den durch- 
aus unverdachtigen gleichzeitigen Gewahrsmannern, einem Bernold^) und 

IEkkehard v. Aura^) so sicher verburgt, dass dieselbe unanfechtbar 
Hterscheint und nicht bezweifelt werden kann, weshalb diese an und fur 
^sich gegenstandslose Voraussetzung von dem vermeintHchen Nichtvor- 
handensein der Hilfegesuche vonseiten des griechischen Kaisers unmog- 

K^ch einen Grund zu der Annahme abgeben kann, dass der Brief un- 
echt sei. im Gegenteil, es sind ja diese Hilfegesuche unzweifelhaft ein 
nicht unwesentHcher Faktor beim Zustandekommen des ersten Kreuz- 



I 



') Riant widmet der Daiiegung dieser seiner Meinung einen langen Ab- 
ctnitt in Alexii Komn. epist. ad Rob. Flandr. spuria p. xx — xxxii. — -) S. oben 
33, — ^) Bernoldus, in Mon. Germ. SS. V p. 461 : >Hem legatio Constan- 
iinopoHtani imperatorie ad hanc synodum peruenit, qui dominum papam omnes- 
que Christi fideles suppHciter implorauit, ut aHquod auxilium sibi contra pa^ 
ganos pro defensione S. ecclesiae conferrent, quam pagani iam paene in illis par- 
tibus deleuerant, qui partes illas usque ad muros ConstantinopoHtanae ciuitatis 
obtinuerant. ad hoc ergo auxilium dominus papa multos incitauit, ut etiam 
iureiurando promitterent, se illuc Deo annuente ituros et eidem imperatori contra 
paganos pro posse suo fidelissimum adiutorium conlaturos<. S. daruber Naheres 
in meinem Auisatze Etude sur la chron. de Zimmern in Arch. de V Or. lat. H, 
p. 60. — ••) Ekk. Hierosolym. ed. Hagenmeyer V 3; VI 1: »Praedictu8 etiam 
Alexius, imperator Constantinopolitanus, super eisdem "barbaris praedonibus, per 
maiorem iam regni sui partem difi^usis, non paucas epistulas Lrbano papae di- 
rexit, quibus in defensionem orientalium ecclesiarum se non sufficere deplorauit, 
obtestans totum, si fieri posset, Occidentem . . . sibi in adiutorium aduocari, pro- 
mittens per se cuncta necessaria proeliaturis terra marique ministrari«. Naheres 
fiber diese Ekkehardschen Worte habe ich in der genannten Ausgabe p. 81—83 
gesagt. 



42 Einleitimg. 

zuges gewesen und sicher hat dabei unser Alexioshrief in erster Reihe 
gestanden — das l)ezeugen, wie wir oben gesehen haben, die Gleich- 
zeitigen, welche denselben in ihren Schriften verwertet haben, insbe- 
sondere ein Guibert, Hugo von Heury, Raimund de Agiles und Robert 
von Reims. Die Wichtigkeit des Briefes kann deshalb nicht geleugnet 
werden, und daruni hat auch v. Sybel recht daran gethan, dass er den- 
selben bei Besprechung der Quellen zur Gesch. des ersten Kreuzzuges^) 
nicht als „spuria" bezeichnet, sondern demselben gleichsam als Ein- 
leitung zu den Quellen die richtige Stelle eingeraumt hat. 

Folgende Handschriften des Briefes, deren Benennung wir 
jeweils die Buchstabenbezeichnung voransetzen, welche wir in den 
Variantennoten fiir dieselbe gebraucht haben, sind zur Zeit bekannt, 
auf Grund derselben auch unsere vorliegende Ausgabe nach Riants Vor- 
gang gefertigt ist: 

I. Manuscripte, welclie den Brief isohrt und nicht als Einleitung 
oder Anhiingsel zur Historia Hierosolymitana des Monches Robert ent- 
halten : 

a. Angers, n^ 163 (ehemals S. Albini), membr. saec. XII, f. 272-). 
— j3. B r u s s e 1, n^ 5460 (ehemals S. Petri Gemblacensis), membr. saec. 
XII. f. 1. — :r. Paris, Nationalbiblioth., lat. n^ 5356, membr. saec. 
XII., f. iU\ 

II. Manuscripte, welche jeweils entweder am Anfange oder am 
Schlusse der Historia Hierosolymitaua des MOnches Robert den Brief 
enthalten : 

B. Bern, n^ 111, membr. saec. XII, ff. 22 — 24 ^). — C. Kloster- 
neuburg, n^ 722, membr. saec. XIV, ff. 210 — 211. — D. Ein ver- 
lorengegaugenes Manuscript, nach welchem die Ausgaben von Du Cange 
gefertigt worden sind. — (j. Giessen, Univers. Bibl., n^ 158 (ehe- 
mals Spanheim), membr. saec. XIII, ff. 2 — 6. Vgl. Adrian, Catalogus Cod^ 
manuscr. bibl. acad. Gissensis (1840) p. 54. — Oa. Wolfenbii ttel,. 
herzogl. Bibl., Aug. 14, membr. saec. XII, f. 107. — (jll. Wolfenbuttel^ 
Helmst. 208., membr. saec. XII, f. 186. Vgl. Heinemann, Hdschr. zu 
Wolfenbuttel, Abt. I. I n^ 237. — G^h'. Wolfenbuttel, herzogl. Bibl., 
Helmst. 354, chart. saec. XV, f. 208. Vgl. Heinemann, ebenda, Abt. I 
Seite 287, n^ 389, f. 208. ~ Hb. Hamburg, offentl. BiWiothek,. 
Gm 31^ membr. saec. XIV, f. 1. — II. Kopenhagen, konigl. Biblioth.,. 
no 2159 = G 245, membr. saec. XII, f. 59—61. Vgl. Wetzel, die Reste 
der Bordesholmer Bibliothek in Kopenhagen in Zeitschr. d. Gesellschaft 
fiir Schleswig-Holstein Bd. XIV (1884) p. 79. - L. Linz, Offentl. Bib- 
liothek, Cc IV 10, membr. saec. XII. - L'. Linz, 5ffentl. Biblioth., Cc 
V 5, membr. saec. XIV. — Lll. Luxemburg, Grossherzogl. Biblioth.,. 
n^ 42 (84), ehemals AureaevalHs, membr. saec. XII. f. 9 — 11. — 3L Eine-j 
verlorengegangene Handschrift von S. Evroul, aus welcher Martene in. 



') S. Sybel, Gesch. d. ersten Kreuzzuges S. 7 u, 3i, und Hagenmeyer, Der 
Brief dea Kaisers Alexios an Robert von Flandern in Byzant Zeitsclir VI, 32. 
2) Nacli Riant, Epist. praef. p. Ixvi giebt dieses Manuscr. den urspriinglichen Text 
wieder, wie er aus der Hand des ersten Verfassers hervorgegangen ist. Er 
schliesst mit dem Citat : omnibus mundi ecclesiis (Abs. 20). ^) S. Hagen, 

Catal. Cod, Bernensium (1074) Nr. 32. 



1. — Epistula Alexii 1 Komneni ad Robertuni I comitem Flandrensem. 43. 

Tliesaiir. Aiiecdot. I, 267 deii Text entnonimen, der wieder von Migne 
in Patrol. Lat. CLV, 466 abgedruckt worden ist. -- M^ Eine verloren- 
gegangene Handschrift des Klosters S. Jacques zu Lutticli, aus welclier 
Martene in Ampliss. Collectio (1724) I, 572 den Text entnommen liat. 

— Mo. Munclien, kOnigL Bibliothek, lat. n^ 5374 (ehemals Cliiemsee 
74), chart. saec. XV, f. 115. — MoS Munchen, kOnigl. BibUoth., laL 
n» 18624 (ehemals Tegernsee 624), chart saec. XV, f. 76. — Pe. Paris, 
NationalbibUoth., lat. n*^ 5508 (ehemals Colbert 3837), membr. saec. 
XII, f. 6. Vgl. Rec, HisL occid. III, praef. p. xlvin sub Lit. F, wo er dem 

XIV. Jahrh. zugeschrieben wird. — Pd. Paris, Nat.-Bibl., lat. 5130 (ehe- 
malsDelamare 197), membr. saec. XV, f. 1. Vgl. Rec, Hist. occid. III, praeL 
p. xlviii sulj lit. I, wo er dem XVI. Jahrh. zugeschrieben wird. — 
Pg*. Paris, Bibl. de S. Genevieve, LI I, membr. saec XIII, f. 1. — 
Pm. Paris, Nationalbiblioth., Moreau 841, chart. saec XVII, f. 126. — 
R. Rom, Bibl. Vaticana, n^ 1795, membr. saec XIII, p. 120. Vgl. Rec 
Hist. occid. III, praef. p. xlviii sub lit. L, wo es dem XII. Jahrh. zuge- 
schrieben wird. — H'. Rom, Bibl. Vaticana, n^ 3901, chart. saec XVI, 
f. 1. Vgl. Rec, Histor. occid. III, praef. p. xlix sub Ut. P. - Rp. Rom, 
Bibl. Vaticana, Palat. 962, membr. saec XIV, f. 62, — nach Rec, Hist. 
occid. III, praef. p. xUx sub S soll es aus dem XV. Jahrh. stammen. 

— Sa. Salzburg, Bibl. S. Petri Salisburgensis IX, 28, chart. saec. 

XV, f. 124. — Sc. Schaffhausen, Ministerial-Biblioth. n» 74, membr. 
saec XIII, f. 109. — 8^*. S. Gallen, Stadt-BibUoth., n^ 547, membr. 
saec XII, p. 470. - T. Trier, Offentl. Bibl., n^ 1203 (ehemals LXIII) 
membr. saec XIII, f. 1. — T^ Trier, Kapitelbibl., n" 76, membr. 
saec XV f. 1. — V. Wien, kaiserl. Hofbibliotli., lat. 427 (H. praef. 
338), membr. saec XII, ff. 30—41. — Y^ Wien, kaiserL HofbibUoth,. 
lat. 480 (Eugen, F. 12), membr. saec XIII, f. 14. - \". Wien, kaiserl. 
HofbibUothek, lai 9779 (H. eccl. 42). chart saec XVII, ff. 116-118, 

— Yc. Versailles, Biblioth. J. P. A. Madden, XV. Jahrh. - Vr. Bres-. 
lau, konigl. und Universitatsbibl., aus dem Heinrichsauer Cisterzienser- 
kloster herstammend, IV, f. 191, membr. saec XIV, f. 83. Vgl. Hagen- 
meyer, Ekkeh. Hierosolymit. p. 342. — W. Wernigerode, grafl. Bibl., 
Za 8, membr. saec XIV, f. 1. — X. Die verlorengegangene Handschrift, 
aus welcher die editio princeps der Historia Hierosol. des MOnches 
Robert gefertigt worden ist. — Z. Zwettl, Klosterbibliothek, n^ 345, 
membr. saec XV, ff. 67—69. 

VoIIstandige Ausgaben des Alexiosbriefes giel)t es ebenfalls 
eine grOssere Zahl, namlich: 

1. Zu Anfang der ersten Druckausgabe der Historia Hierosolymi- 
tana des Monches Robert. Colon., Ter Hoernen, ca. 1470, in 4^, fol. 1, 
(vgl. Codex X u. Rec, Hist. occid. t III, praef. p. li). — 2. Du 
Cange, Notae ad Alexiadem, ed. Paris. 1670, pp. 336, 337 (vgl. Co- 
dex D). — 3. Martene, Thesaurus Anecdotorum (1717) I, 267. Dieser 
Ausgabe liegt zu Grunde der verlorengegangene Codex von S. Evroul, 
s. Cod. M. — 4. Martene, Amplissima CoIIectio (1724), I, 572. Diese 
Ausgabe ist gefertigt nach Cod. M'. — 5. Du Cange, Notae ad Alexiadem, 
ad calcem Annae Komnenae (ed. Venet 1779) pp. 72 — 73: sie ist ein 
Abdruck der sub 2 genannten Ausgabe Du Cange's. — 6. Migne, Patro- 



44 Einleitung. 

iogia latina t. CLV, 466; ein Abdruck der sul) 3 genannten Ausgabe 
Martenes. — 7. Du Cange, Notae ad Alexiadem, ed. Migne, Patrol. 
Graeca t. CXXXI, .564-568, ein Abdruck von Nr. 2. — 8. Hagen- 
Bieyer, Ekkehardi Hierosolymita (1877) in S^ pp. 346 — 3.51; ediert 
nach Cod. V^ und den sub 1, 2, 3 verzeichneten Ausgaben. — 9. Du 
Cange, Notae ad Alexiadem, ad calcem Annae Komnenae, ed. Bonn 1878, 
11, p. 573 — .578, Abdruck von Nr. 2. — . 10. Miller, Notae ad Alexiadem, 
im Recueil, Hist. Grecs II, pp. 52 — 54, Abdruck von Nr. 2. — 11. Riant, 
Alexii Komneni ad Robertum epist, Geneuae 1877, 12 pp. in 8^ beruht auf 
den Codd. |3, B, C, G, Hb, H, L, L'. Lu, Mo, M'o, Pc, Pd, Pm, V, Vr und 
den Ausgaben 1, 2, 3, 4. — 12. Riant, Exuuiae sacrae Constantinopo- 
litanae, Geneuae 1878, II, pp. 203 — 210, Abdruck von Nr. 11. — 
13. Riant, Epistulae II, Roberti Monachi Remensis Historiae Hierosoly- 
mitanae annexae, Geneuae 1878, in 4^, pp. 3 — 6, Abdruck von Nr. 11. 

— 14. Riant, Alexii I Komneni Romanorum imperatoris ad Robertum I 
Flandriae comitem, epistula spuria, Geneuae 1879, ist auf Grund aller 
soeben genannten Codd. u. Ausgaben gefertigt. — 15. Cregut, Le con- 
cile de Clermont en 1095 et la I. croisade , Clermont Fer. 1895, 
S. 245 tf. , ist ein Abdruck der Marteneschen Ausgabe im Thesaur. 
Anecd. (Nj-. 3). 

Eine bis jetzt noch unedierte altdeutsche Uebersetzung 
des Briefes findet sich im Cod. I der fiirstHch Lowenstein - Rosen- 
bergischen Hof bibliothek zu Heubach f. 7 5. Zwei andere altdeutsche 
Uebersetzungen, die eine im allemannischen , die andere ]m 
bayrischen Dialekte hat Riant in der zuletzt genannten latein. Aus- 
gabe des Briefes auf Grund zweier Munchener und einer Londoner 
Handschr. ediert; eine freie deutsche Uebersetzung des Briefes 
entiialt auch die deutsche Ausgabe von Mailly, Gesch. d. Kreuzz. II,* 
61 ff. — Franzosisch iibersetzt ist der Brief bei Michaud, Biblioth. 
des crois. l 395; Rohrbacher, Hist. de 1' eghse XII, 632; Peyre, Hist 
de la I crois. II, 462, und Darras, Hist. de 1' eglise XXIII, 241—243. 
Eine englische Uebersetzung giebt Palgrave, Normandy and Eng- 
land IV, 509-514. 

Als Er lauterun gschriften nenne ich ausser den oben, vor- 
iiehmhch S. 22 bis 24 genannten noch: Gibbon, Hist. of the decline, 
tr. Buchon II, 635 — 647. — Stenzel, Gesch. Deutschlands I, 556. — 
Sybel, Gesch. d. L Kreuzz. 8, 34, 223 (8, 33, 182). — Mills, Hist. of 
the crus. I, 42. — Finlay, Hist. of tlie byz. empire p. 118. — Hagen- 
meyer, Ekkeh. Hieros. pp! 29, 69, 83, 343 — 345. — Robinson, HisL 
of the christ. church, IV, 383. — Riant, Exuuiae sacrae Constant. I, 
ccii— ccv. — Literarisches Centralblatt 1879, 832—834. — Biblioth. 
de l'Ecole des Chartes, 1879, XL, 466. — G. Paris in Revue critique 

1879, II, 379-388, und in Revue de 1' Orient lat. 1897, V, 254— 256. 

— Paparrigopulo , 'Em Tf\c emCToXfiq 'AXeEioD A' (nap\'ac5c56!;) IV, 

1880, pp. 89 — 96. — Derselbe, Lettre d'Alexis Komnene in Bull. de 
corresp. hellenique IV, 1880 pp. 24—29. — Riant, Invent. 71—89. — 
Potthast, Bibl. hist. med. aevi I, 331. — Pirenne, Gesch. Belgiens I, 115. 



II. — Epistula Urbani II ad omnes fic^eles Flandriae. 45 



II. 

Epistula Urbani II papae ad omnes fideles in Flandria 

commorantes. 

(Gesclirleben Ende December 1095). 

Diesen Brief hatte seinen.eit Ruinart vor sich, als er in der Vita 
Frbani II c. 240 schrieb: „Ad principes et ceteros Flandriae fideles lit- 
teras scripsit Urbanus tunc temporis (Andegaui), ut eos de decreta in 
concilio Claromontano sacra expeditione indulgentiisque iis qui illam 
susciperent concessis, faceret certiores; unde uniuersos monet, ut si 
qui ad illud uerbum proficisci uoluerint, parati sint omnino ad proximara 
B. Mariae Assumptionis festiuitatem, quo tempore Ademarus, episcopus 
Aniciensis, uicarius pontificis in illa expeditione institutus, iter cum 
aliis crucesignatis adgressurus esset'". Doch ist der Brief seitdem bis 
in die neueste Zeit unbeachtet und unbekannt geblieben. Erst A. de 
Barthelmy hatte das Gliick, ein Exemplar desselben auf der Pariser 
Nationalbibliothek unter den Papieren des Dom Coustant aufzufinden,. 
welches die Bemerkung enthalt: „ex cod. mscr. ecclesiae Atrebatensis"» 
Gleichfalls besitzt die Bibliothek zu Arras 2 Exemplare desselben, 
worauf jedoch erst Riant, Invent. 113 aufmerksam gemacht, wo er 
Naheres dariiber mitteilt, und p. 220 den Brief selbst erstmals ediert hat. 

Riant ist der Meinung, dass dieser Papstbrief in seiner vorliegen- 
den Gestalt nicht die offizielle Bulle der Proklamation des I. Kreuz- 
zuges gew.esen sein kOnne, denn er sei zu kurz und zeige nicht die 
Lange und feierliche Einleitung, welche diese Art von Dokumenten cha- 
rakterisieren, habe vielmehr Aehnlichkeit mit einem Cirkulare, welches 
die Beteiligten iiber die Hauptpunkte des Unternehmens verstandigen 
soUte. Wenn Riant aber daraufhin und weil der Brief die (ibrigen 
Beschliisse des Concils zu Clermont iibergehe, w^elche in Bezug auf das 
Kreuzzugsunternehmen gefasst worden waren, annimmt, dass eine aus- 
fuhrliche Encyklika dem unserigen vorangegangen sei, so ist wenigstens 
auf Grund unseres Briefes diese Annahme, als hatten die Fiirsten und 
Glaubigen Flanderns eine solche friiher schon erhalten, nicht zu erweisen, 
ja es muss nach Abs. 1 eher das Gegenteil gefolgert werden; s. n. 4. 

Das Datum der Abfassung des Schreibens, 6. — 12. Februar 1096,. 
gibt Ruinart a. a. 0. an. Riant vermutet, weil die in Paris und Arras 
vorhandenen Manuscripte ein Datum nicht haben, Ruinart habe viel- 
leicht das Original des Briefes in Handen gehabt; doch ist dies nicht 
ganz sicher, und mOghcherweise liegt seiner Angabe eine andere Vor- 
aussetzung zu Grunde, welche wir nicht kennen, die aber obiges Datum 
als auf blosser Vermutung beruhend, erscheinen liesse. Jaffe-LOwen- 
feld verzeichnet den Brief sub Nr. 5608 Ende des .Jahres 1095, dem 
auch wir in HChr. n^ 15 gefolgt sind. 

Die Wichtigkeit desselben fur die Geschichte des ersten Kreuz- 
/uges kennzeichnet sich vornehmlich in der darin urkundlich bezeugten 



4() Einleitunt^. 

Ernennung Ademars zum Stellvertreter des Papstes wahrend des 
Zuges, sovvie durch das sonst nirgends iiberlieferte Datum vom Auf- 
bruohtermin der Kreuzfahrer (15. August 1099) nach dem Morgen- 
lande. 

An der Echtheit des Schriftstilckes zu zweifeln liegt ein Grund 
iiiclit vor. Wie ich in den Erliiuterungen hervorgehol)en hal)e, ist das- 
selbe auch von Robertus Monachus in seiner Historia Hierosoloym. be- 
nutzt und in dessen Bericht tiber die Papstrede zu Clermont verarbeitet 
worden, in w^elchem Betreffe ich auf nn. 6, 8, 9, 14, 15, 17, 20 ver- 
weise. Nach Kohler ^) ist os wahrscheinlich, dass der Verfasser der 
Gesta Adamari diesen Brief ebenfalls gekannt und in seiner Darstellung 
benutzt habe. 

Unsere vorliegende Ausgabe des Briefes ist ein genauer Abdruck 
derjenigen Riants im Invent. p. 220; sie beruht auf folgenden noch 
vorhandenen H a n d s c h r i f t e n : 

A. Arras, Stadtbibhothek. n^ 140. membr. saec. XVII, in fol., 
^nthalt eine mit grosser Sorgfalt und prachtig ausgestattete Kopie des 
Liber Lamberti Atrebatensis, w^elches zum teil seinerzeit von Baluze in 
seinen Miscellaneen V, 237 — 377 ediert worden ist. Die Epistula Ur- 
l)ani findet sich auf fol. 55-56. — B. Arras, Stadtbibliothek, n^ 222, 
chart. saec. XVII, in fol., enthalt ebenfalls eine sehr schOne Kopie des 
Liber Lamberti Atrebatensis und auf Seite 24 imd 25 unsern Brief. — 
€. Paris, Nationalbibliothek, Fonds lat. IV, 15990 in fol., chart. saec 
XVIII, f. 70, tragt am Kopfe die Notiz : „ex codice mscr. ecclesiae At- 
rebatensis'* und war ehemals im Besitz des Dom Coustant. Vgl. Riant, 
Invent. sommaire des mscr. in AOL II, I p. 144. 

Wie schon erwahnt, ist der Brief erst neuerdings (1881) auf Grunc 
dieser Codd. von Riant in dessen Invent. des lettres p. 220 erstmals 
ediert worden. Eine andere Ausgabe desselben existiert nicht. Riant 
hat ebenda p. 113 f. iiber denselben eine genaue Untersuchung ange- 
stellt, daraufhin ist er auch in die 2. Aufi. der Regesta Pontif. Rom. 
von Jaffe-LOwenfeld sub n^ 5608 eingereiht worden, w^o dessen Inhalt; 
in Regestenform mitgeteilt ist ^). Man vgl. a. HChr. n^ 15 und 65 ii 
ROL VI, 225. 

III. 

Epistula Urbani II papae ad Bononienses. 
(Geschrieben am 19. September 1096 zu Pavia.) 

1. Urban II war auf der Riickreise aus Frankreich Mitte Sommei 
1096 in Oberitalien angekommeii und uber Asti, wo er sich am 9. Sej 
tember aufgehalten, und iiber Mortara, woselbst er am 14. Sept. dj 



^) In der Preface zu den Gesta Aclemari, im Rec. Hist. occid. t. V, p. xi 
sagtKohler: > dans la fa^on dont il s' exprime au su et de la nomination d' Ad^ 
mar comme representant du pape aupres des croises, on pourrait signaler ui 
lointaine ressemblance, d" une part avec le texte de la lettre par laquelle Ur^ 
bain II notifia cette nomination aux princes de Flandre, et, d' autre part, avf 
le passage de Robert le Moine relatif au meme fait«. — ^) Jaffe-Lowenfeld Ij 



I 



[II. — Epistula Urbani II ad BononienBes. 47 



Fest der KreuzerhOhung gefeiert hatte, nach Pavia gelangt. Von letz- 
terem Orte aus hat er am 19. Sept. vorliegenden Brief an den ihm 
treugebliehenen Teil des Klerus und des Volkes in Bologna geschrieben, 
der seinem Inhalte nach ganz und gar die damahge Lage des Papstes 
wiederspiegelt und derselben, soweit sie auch von anderwarts her l)e- 
kannt ist, zu einer weiteren Illustration dient. Ueberall in Oberitahen 
war Urbans Ansehen gestiegen, auch in Bologna hatte der Papst eine 
grOssere Anzald Getreuer, von denen einige bisher unentwegt zu ihm 
gehalten, andere aber, nachdem sie eine Zeitlang von ihm abgefallen 
waren, aufs Neue ihm ihre Anhanghchkeit bekundet hatten, und gerade 
in Bologna war seine Partei derart erstarkt, dass er es fur zeitgemass 
hielt, sie zum Gehorsam gegen den von ihm consekrierten Bischof Bern- 
hard als ihren wahren Hirten zu ermahnen. 01) allerdings dieser 
Bischof Bernhard m5glicherweise friiher schon in Bologna sein Bischofs- 
amt verwaltet hatte und sodann seinen Sitz wieder verlassen musste, 
um einem Anhanger des Gegenpapstes zu weichen, oder ob er erst 
vor Kurzem zum Bischof dieser Stadt eingesetzt worden war, lasst 
sich nicht mehr feststellen. Auch waren in Bologna eine Anzahl solcher, 
die sich dem Kreuzzugsunternehmen anschliessen wollten ; Urban driickt 
denselben im Schreiben seine besondere Freude uber diesen Entschhiss 
aus, halt ihnen jedoch auch die Bedingungen vor, unter welchen allein 
die einzehien je nach ihrer socialen Stellung hiezu die Erlaubnis er- 
halten sollten. So findet man ausser in unserem Briefe nirgends eine 
Bestimmung daruber, dass die verheirateten jungen Manner nur mit 
Zustimmung ihrer Gattinnen sich dabei beteihgen durften. Dass der 
Papst gerade diese Bestimmung den Bolognesen gegeniiber besonders 
betont, mag durch besondere Verhaltnisse in Bologna, welche ihm l)e- 
kannt waren, veranlasst worden sein, wenn auch ohne Zweifel die 
namliche Bestimmung fiir jeden jungen Ehemann Geltung hatte und 
sicher auch anderwarts als papstliche Regel gegolten hat, obwohl wir 
dieselbe sonst nirgends erwahnt finden. Ebenfalls dienen die andern 
im Briefe genannten Bestimmungen , an w^elche sich die Pilger zu 
halten hatten, zur Illustration der auf dem Concil zu Clermont stipu- 
lierten Beschliisse, so dass gerade in Bezug auf die Vorbereitung des 
Kreuzzugsunternehmens dieses papstliche Schreiben von wesentlicher 
Bedeutung ist, durch welches auch anderweitige Nachrichten controliert 
werden kOnnen. Auf dasselbe hat Kiant zum erstenmale aufmerksam 
gemacht und im Invent. 122 ein kurzes Resume gegeben^). Irgend ein 
Grund, die Echtheit desselber; zu bezweifeln, liegt nicht vor. 



p. 683: »5608 Universis fidelibus, tam principibus quam subditis, in Flandria 
commorantibus nuntiat, sese in Avernensi concilio principes populumque Galliae 
ad ecclesias orientales Hberandas commonuisse Ademarumque, episcopum Podien- 
sem, »vice sua ducem constituisse. qui belli societatem inire uoluerint. eum in 
b. Mariae assumptione (15. Aug.) iter adrepturura esse sciant. Arcliives de V Or. 
lat. I. 220, cf. ibid. p. 113.. — ') Riant, Inv. p. 122: »Cette lettre, dans la- 
quelle Urbain II recommande aux Bolonais, qui lui etaient restes fideles, Bernard, 
leur nouvel eveque, est restee inconnue a tous les historiens des croisades. EUe 
n' est point cependant sans importance; car elle contient comme un commentaire 
des decrets du concile de Clermont, relatifs a V expedition, et des indulgences 



48 Einleitung. 

Ein Manuscript dieses Briefes ist aiif der Universitatsl)ibliothek 
zu Bologna vorhanden und zw. in der Sammlung von Absehriften, welche 
seinerzeit Benedict XIV aus dem vaticanischen Archive hat fertigen 
lassen und sub Nr. 317 den Titel fiihrt: Monumenta ecclesiae Bolo- 
niensis. In dieser Sammlung ist die einem vatican. Codex entnommene 
Kopie unseres Briefes in Band 27, Nr. 16 untergebracht. Die Signatur 
fiir die in Rom vorhandene Originalhandschrift vermochte ich nicht zu 
erbringen. 

Von der Bologneser Kopie hat Savioli in Annali Bolognesi (Bas- 
sano 1784, 2 vol. 4°) t. I, p. II, p. 137 einen Abdruck genommen. Ein 
Wiederabdruck dieser Ausgabe findet sich bei Migne, Patrol. lat. t. CLI 
p. 483. Einen Teil des Briefes hat auch Riant im Inv. p. 115 wieder- 
gegeben. Unsere Ausgabe ist ebenfalls nach derjenigen Saviolis ge- 
fertigt. Besprochen ist der Brief, wie soeben bemerkt, von Riant 
Inv. p. 122. Bei Jaffe-LOwenstein ist er eingereiht sub Nr. 5670 (4245) ^). 
Vgl. a. HChr. n^ 72 in ROL VI p. 251. 



IV. 

Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam 
uxorem suam. 

(Geschrieben vor Nicaea gegen den 24. Juni 1097.) 

Von den vom Grafen Stephan von Chartres und Blois an seine 
Gemahlin Adele auf seiner ersten Kreuzfahrt geschriebenen Briefen be- 
sitzen wir noch zwei, welche in unserer Sammlung sub IV und X ab- 
gedruckt und erlautert sind. Ehe ich auf dieselben naher eingehe, muss 
ich iiber die Person ihres Verfassers folgendes vorausschicken, wobei 
ich zugleich auf das iiber ihn in Ekkehardi Hierosolymita 253 und im 
Anon. Gesta Franc. 185 f. Gesagte verweise. 

Stephan, mit dem weiteren Vornamen Heinrich, war der Sohn 
Theobalds III, des Grafen von Champagne, Brie, Blois und Chartres, 
und dessen erster Frau Gersende, der Tochter des Grafen Herbert voq 
Maine ^). Er war der alteste unter 4 Briidern und soll eine vorzug- 



qui etaient attacliees a celle-ci, et donne des instructions detaillees sur les reglea 
a suivre iDOur T accomplissement des voeux de croisade^. — ') > 1006. Sept. 19. 
Pauia. 5670 (4245) Bononiensium fidem laudat. B(ernardum) episcopum com- 
mendat. omnibus , qui bello Hierosolymitano interfuerint, peccatorum ueniamj 
proponit; sed clericos monacliosque iniussu episcoporum et abl^atum, nouosquel 
maritos inuitis uxoribus inire belli societatem uetat«. — ^) Vgl. Bernier, Hist.i 
de Blois 291 ; Ceillier XXI, 229 ; Hist. lit. de la France IX, 265 fF. Bernier 291J 
sagt von Stephans Vater Theobald : > il avait epouse en premieres uoces Ger-f 
sende fiUe de Herbert comte du Mans, qu' il repudia pour cause de parente, et 
dont il n" eut point d' enfans ; et ensuite Alix de Crespy ou de Valois, fille de 
Raoul comte de Valois II du nom, de laquelle il eut 4 fils : 1. Henri-Etienne, , 
2. Eudes, 3. Philippes, qui fut evesque de Chalons, 4. et Hugues, qui fut comte de- fl | 
Troyes et de Bar - sur - Aube , apres son frere Eudes qui mourut sans enfans«. 1 
Dazu bemerkt die Hist. litt. IX, 266: »Bernier, Historiographe de Biois, dit 
qu" Etienne eut pour mere Alix, seconde femme de Thibaut. Mais c" est une 



IV. — E]3istula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelatn. 49 

liche Erziehung erhalteii uiid sogar einen Platz unter den Diehtern seiner 
Zeit eingenommen haben. Seinem Vater folgte er in der Grafschaft 
im J. 1088. Seit 1081 war er verheiratet mit Adele, der Tochter 
Wilhelms des Eroberers von England, auf welchen er auch in seinem 
1. Briefe, Abs. 4, Bezug nimmt, daher auch sein grosser Reichtum, den 
die Gleichzeitigen ruhmen, vornehmlich hergekommen zu sein scheint: 
soU er doch nach Guibert p. 148 soviele Burgen besessen haben, als 
das Jahr Tage zahlt. Bald nach seinem Regierungsantritt machte er 
eine Stiftung fur das Kloster S. Jean in Blois ^), ebenfalls eine solche 
fur die Abtei Marmoutier ^). Im Jahre 1096 nahm er das Kreuz und 
zog mit seinem Schwager Robert von der Normandie im September 

1096 aus Frankreich weg ^). Ob er auf dem Concil zu Clermont an- 
wesend gewesen war und dort zum Kreuzzuge sich entschlossen hatte, 
ist urkundlich nicht mehr zu erweisen. Sein Weg ging durch Siid- 
frankreich und Oberitalien iiber Lucca, die erste Station, welche uns 
von Fulcher genannt wird *), wo er auch mit Papst Urban eine Unter- 
redung hatte und dessen Segen empfing, nach Rom und nach Bari, wo 
er uberwinterte ^). Am 5. April 1097 schiffte er sich in Brundusium 
ein und landete am 9. April in Durazzo ^). Ueber seine und seiner Ge- 
nossen Reise durch Bulgarien iiber Thessalonich, Seres nach Rodosto und 

i^^onstantinopel gibt Fulcher a. a. 0. ebenfalls einige Angaben ^). Kampfe 
^wie sie Boemund und Raimund wahrend ihres Durchzuges durch Bul- 
garien zu bestelien gehabt, hatten Stephan und Robert von der Nor- 
mandie nicht zu bestehen, dagegen mussten sie erleben wie am 5. April 

1097 bei ihrer Einschiffung bei Brundusium vor ihren Augen ein Schiff 
versank, auf welchem 400 Kreuzfahrer beiderlei Geschlechts sich be- 
fanden und umgekommen sind ^), sodann wie beim Ueberschreiten des 
Dewolflusses in Bulgarien mehrere, die denselben zu durchwaten suchten, 
vom reissenden Strome fortgerissen wurden und ertrunken sind, da es 
unmOghch war, ihnen zur Hilfe zu kommen ^). Im ubrigen scheint 
die ganze Strecke von ihnen ohne weitere Beschwernis und Unfalle 



erreur visible ; et Etiene la nomme lui meme gandree dans un acte public, ou 
ce nom se sera glisse pour Gersende, ou Garsende < . Diese zu Gunsten des Klosters 
S, Jean les Blois ausgestellte Urkunde ist vom November 1089 bei Bernier a. a. 
0. p. 13 u. 14 abgedruckt. Vgl. auch Martene, Amp]. Coll. I, 621. — ^) Die 
Urkunde bei Bernier, preuves p. XIII. — ^) In Mabillon, Annales t. V, ap- 
pend. p. 656. — ^) Fulch. 328 A. — *) Fulch. 329 A. - ^) Fulch. 329 D. 
Nach einer spateren aus dem XIII. Jahrh. stammenden altfranzosischen Darstel- 
lung Li Estoire de Jerus. et d* Antioche, deren Hauptinhalt Fulchers Gesta Fran- 
corum Jerus. expugnantium in abgekiirzter Form, jedoch mit sonst nirgends sich 
wiederfindenden Zusatzen bildet, wird p. 627 erzahlt, dass Stepban nach seiner 
Ankunft in Calabrien in Folge eines gemeinsauien Beschlusses der normannischen 
Barone mit dem Grafen von Bretagne und dem von Boulogne nach Constantinopel 
geschickt worden sei, um von Alexios die Erlaubnis zu erbitten, dass er Boe- 
mund und Tankred > que li amperieres Aleis de Constantinople haoit«, die Eiiaub- 
nis zu einer Reise nach dem hl. Grabe gestatten moge, welche Erlaubnis der 
anfangs sich weigernde Kaiser (>il jura son dahe (damnation) s'il le faisoit. >;il me 
guerroierent, dist il, o Robert Guichart, et me desconfirent devant Duraz, et me 
firent grant honte et granz domaiges<<) auch gegeben habe, worauf sie wieder 
nach Apuhen zuriickgereist seien. Diese Nachricht ist allem nach eine pure 
Dichtung. — ") Fulch. 330 E, u. HChr. n" 133. — ') Fulch. 331 A, u. Knapp, 
Reisen S. 39 ff. — ^) Fulch. 330 B. — «) Fulch. 330 F, u. HChr. n« 135. 

Hagenmoyer, Epishilae et Chartae. 4 



50 Einleitung. 

zuruckgelegt wordeii zu sein. Stephan gehOrte zu den Kreuzzugsfiirsten, 
welche als die letzten vor Constantinopel Mitte Mai 1007 eingetroffen 
sind '). Von dem gi-iechischen Kaiser wurde er aufs freundlichste aufge- 
nommen. 10 Tage lang war er dessen Ga.st; ca. 29. Mai verlasst er Con- 
stantinopel wieder ^) und zieht mit seinem Gefolge tiber Nikomedien nach 
Nicaea ^), hier trifft er ein, nachdem der von Soliman gegen die Belagerer 
erfolgte Angriff schon abgeschlagen war ^). Er ist Augenzeuge der letzten 
Kampfe und Anstrengungen vor Nicaea sowie der Uebergabe dieser 
Stadt an den Kaiser, er blieb aber mit dem Grafen Raimund de S. Gilles 
im frankischen Lager vor der Stadt zuriick, als in den Tageii nach der 
Einnahme die ubrigen Fursten bei Alexios eine Audienz hatten ^). Er 
ist beim Kampfe gegen die Tiirken bei Dorylaeum beteiligt ^). Walirend 
des Zuges durch Kleinasien wurde er zum Anfuhrer des ganzen Heeres 
ernannt ^), machte als solcher die Belagerung Antiochiens mit, die so 
manche Wechselfalle im Gefolge hatte, bis er sich eines Tages vor der 
Einnahme dieser Stadt vom Belagerungsheere entfernte und wieder, da 
ibm ohne Zweifel geniigend Mittel zur Verfiigung standen, nach dem 
Abendlande zuriickkehrte ^). Bei Philomelium, dem heutigen Akschehr ^), 
begegnete er dem Alexios, der im Begriffe stand, den Franken vor 
Antiochien zur Hilfe zu kommen. Auf Stephans Mitteilungen hin stand 
der Kaiser von seinem weiteren Marsche ab. Im Jahre 1101 hat 
Stephan zum zweitenmal das Kreuz genommen, da er die Schande und 
Verachtung, welche er sich durch sein heimliches Entweichen aus dem 
Belagerungsheere vor Antiochien zugezogen hatte, nicht langer ertragen 
und wom5glich wieder gut machen woUte. Insbesondere war es auch 
seine Frau Adele, welche ihn zu einer zweiten Filgerung aufgefordert 
hat ^^). Er zog mit Stephan von Burgund, Wilh. von Poitou, Engeh'ad 
von Laon und andern w^ieder nach dem Morgenland ^ ^). In Constantinopel 
schloss er sich den Longobarden an, doch da dieses Heer in Romanien 
von den Tiirken geschlagen und aufgerieben worden ist und Stephan sicli 
mit andern nach Constantinopel gerettet hat, ist er von hier aus im Friih- 
jahr 1102 wahrscheinlich zu Wasser zunachst nach Antiocliien und dann 
nach Jerusalem gezogen ^^). Nach Ostern 1102 beabsiclitigte er wieder 
ins Abendland zurilckzukehren und hatte sich schon dem Meere anver- 
traut, da w^urde sein Schiff an die syrische Kiiste zuriickversclilagen. 
Um Pfingsten 1102 zogen die Sarazenen von Egypten herauf und be- 
drohten Jerusalem. Er nahm am Kampfe gegen dieselben teii und fand 
dabei seinen Tod ^^), sei es dass er bei der am 27. Mai bei Rama ge- 
sclilagenen Schlacht oder bei der Verteidigung des Castells von Rama, 



») HClir. no 149. — '^ HChr n^ 153. — ^) g. lY, 6. — *) S. zu IV, 7. 
6) S. zu IV, 12. — c) Fiilcli. 335 F. — ') S. z X, 3. — ' ^) Gesta 149 
(XXVII. 2); Fulch. 342, 398 und unten zu XVII, 7, n. 33. — «) Nach Rad. 
Cadom. c. 72 bei Cuthai, dem Cotyaeum der Alten, dem heutigen Kiuthahia, 
50 Kilom. siidHch von Dorylaeum gelegen, s. HG 356. — ^^) Ord. Vit. ed. le 
Prevost IV; 118. — •') HE 242, 253—254. Rohricht, Gesch. des Konigreichs 
Jerusalem 30. — ^^) J^ach Rohricht a. a. 0. S. 32 hahe er sich nach An- 
tiochien gefliichtet. — i^) HE 324: Riant in Revue de questions hist. 1886 
t. XXXIV, 229 f.; Rohricht a. a. 0. 37 n. 4. — Die Quellennachrichteu bei 
Fulch. 402 C; Lisiard. Turon. 563 A: Bartolf 534 H; Ekk. Hieros. XXVI, 3: 
Alh. IX, 2. 6; Gesta dominorum Amhaziensiura ed. Marchegay I, 198. 



lY. — Epistula I Stepliani comitis Carnotensis acl Adelam suam. 5i 

gefallen, oder dass er iiach Askalon gefangen abgefuhrt und dort in 
der Gefangenschaft getotet worden ist. 

Seine Zeitgenossen sind nber seine Charaktereigenschaften des 
Lobes voll. Sein verstandiger Siini, seine Ehrbarkeit, uberhaupt sein 
Ansehen riihmt Robert der Monch ^); seine Freigebigkeit, seinen Mut 
hebt Radulf Cadoni. hervor, nichts habe ihm gefehlt zu einem Anfuhrer 
und strammen Ritter '^). Dasselbe Lob eines entschlossenen Kriegers 
und in jeder Beziehung gewissenhaften Mannes gibt ihm auch Clarius ^). 
Baldrich von Dol riihmt seine Beredsamkeit und einzigartige Gelehr- 
samkeit '^), Guibert von Nogent seine Freigebigkeit, sein anmutiges per- 
sOnliches Auftreten, seine Urteilsreife und Ritterlichkeit, weshalb man 
ihm auch das Amt eines Befehlshabers und Leiters beim Heere iiber- 
tragen habe ^). Doch wirft allerdings einen Schatten auf seine Person- 
Uchkeit sein heimliches Entweichen vor Antiochien. Denn dass er der 
Sache des Kreuzzuges stets begeistert ergeben war, wird im Hinblick 
auf diese Handlungsweise nicht behauptet werden kOnnen, welche ihm 
auch kein Lob eingetragen hat ^'). Sodann ist bei den Gleichzeitigen 
uirgends davon die Rede, dass er sich als der Hauptanfuhrer des Heeres 
sonderlich hervorgethan, vielleicht durch sein angebUches Feldherrn- 
talent Plane geschaffen und Anordnungen ausgefiihrt hatte, welche dem 
Gesammtheere zu besonderem Vorteile gereicht warcn. Die Pradikate, 
welche seine Tapferkeit hervorheben sollen ''), sind deshalb auch im 
Hinblick auf ^sein schmaliliches Zuriickweichen keineswegs in ihrem 
jollen Umfange als richtig zu betrachten. Der grosse Einfluss, den er 
jsass, scheint vor allem durch seinen Reichtum verursacht worden zu 
jin, Avorauf er sich auch nicht wenig einbildete, iiber den er sogar 



') Rob. Mon. 815 E: > Steplianus Carnotensis, qui inter alios principes uide- 

itur magnus, in consilio prouidus et morum honestate praeclarus«. — ^) Rad. 

Dadom. 616 E, (c. 15): »Stephanus nomine et ipse regum proximus, quippe GpI- 

)rum pronepos et gener Anglicorum : cuius si largitatem hilaritas, si audaciam 

i^ruor, quanti dehuerant, illustrassent, nihil ei deerat ad ducem, nihil ad stre- 

iuissimum militem < . — ^) Clarius, Chron. S. Petri Viui ad a. 1120, p. 484: ^ui- 

im in rebus belUcis strenuum, omni religione praeditum«. — *) Baldric. Dol. 

■1 B : »Stephanus, comes Blesensis, quem omnes maiores natu elegerant, debere 

raeesse consiHis et pubHcis agendis, homo facundus et singularis scientiae« etc. 

)och nennt ihn Baldr. 72 mit Bezug auf Stephans Bericht uber die Lage der 

mken vor Ant. vor dem Kaiser Alexios >;rumigerulus«. — ^) Guib. Novig. 

1:8 E: »Stephanus, cuius dum hic ageret, admodum excellens liberalitas fuit, grata 

itis personalitas , consihorum uero undecunque librata maturitas; in rerum 

[questrium industria tanta nobiUtas praeminuit, ut eum tota illa sancta militia, 

"imin procinctu contra Turcos exsisteret, dictatorem sibi ac magistrum effecerit«. 

Jeine Stellung im Heere bezeichnen die Kreuzzugsschriftsteller verschieden. Nach 

leiner eigenen Mitteilung wurde er nach Beschluss der Fiirsten zum »dominus 

jxercitus atque omnium suorum actuum prouisor atque gubernator< ernannt 

X, 3) ; nach Gesta 148 (XXVII, 1) zum «ductor», nach Raim. 258 F zum «dictator», 

^fLch Guib. 199Gzum «praeceptor», nach Alb. II, 23 zum »caput et primus con- 

io in omni exercitu<. — ^) Fulch. 342 A. : »quod factum fuit ei ad opprobrium, 

nam non prodest aUcui bonum initium, nisi fuerit bene consummatum«. Gesta 

.149 (XXVII, 3) nennen ihn einen >infelix comes« und seine Flucht ein schandUches 

TJnternehmen (turpiter fugiens) ; sowie 149 (XXVII 6), einen xmiles imprudens«, 

darum dieHist. b. sacri c. 77 ihn als »imprudens et abominabilis < charakterisiert. 

.') Vgl. die soeben angegebene Stelle bei Rad. Cad. Das Praedikat > fortissimus < 

wird ihm in Gesta triumphalia Pisanorum 369 C beigelegt. 

4* 



52 Kinleitung. 

von Kleinasien aus seiner Frau Mitteilung zu maclien fur nOtig gefunden 
hat: fuhite er sich doch durch die ihm von Alexios zugewendeten Ge- 
schenke doppelt so reich als bei dem Antritt seiner Pilgerung ^), und 
ist er geriihrt daruber, dass der Kaiser alle Fursten aus seinen kaiser- 
lichcu Schatzen zu bereichern nicht nur beschlossen, sondern auch aus- 
gefLilu*t habe ^). Auch kann er nicht umliin, am Schlusse seines zweiten 
Briefes seine Frau zu ermahnen, der Verwaltung seines Landes in ganz 
besonderer Weise obzuliegen. Allerdings in starkem Kontraste gegen- 
iiber seinen von Haus aus so gunstigen Verhrdtnissen zeigte sich ihm 
die traurige Lage, in welcher die Franken im Winter und Friihjahr 
1098 vor Antiochien sich befanden: Die Selbstverlaugnung, die wohl 
eine zeithmg von ihm ausgeubt wurde, hielt nicht weiter Stand, da alle 
Aussicht auf Erfolg zu schwinden anfing; das Heimweh nach Weib 
und Kind und das Verlangen nach Befreiung aus der Not trat in sein 
Recht, — und daraus ist sein Entrinnen aus dem Lager vor Antiochien 
zu erklaren. Denn dass er ernstlich erkrankt war, ist nicht zu glauben, 
da ihm eine schwere Krankheit eine Ruckreise iiberhaupt nicht ermOg- 
liclit haben wiirde ^). Es ist wahrscheinlich, dass schon Ende Marz 
1098, als er seinen zweiten Brief abfasste, der Entscliluss in ihm zur 
Reife gekommen war, bei der nachsten besten Gelegenheit seine Ruck- 
reise anzutreten: ,,quam citius potero, me certe uidebis" schreibt er X, 17 
seiner Frau, doch erst 2 Monate spater vermochte er seinen Plan aus- 
zufiihren. 

In seinen beiden Briefen begegnet er uns als zartlicher Gatte und 
Vater^), ebenfalls als ein freigebiger Herr, der einesteils dem Zuge 
der Zeit folgend, Klostern von seinem Reichtume zuw^endete, als auch 
auf seiner Pilgerfahrt der Not der Armen gegeniiber eine freigebige 
Gesinnung bethatigte *). In seinem ersten Briefe giebt er sich vornehm- 
lich auch als einen begeisterten Verehrer des Kaisers Alexios zu er- 
kennen, den er offenbar zum erstenmale auf seiner Kreuzfahrt gesehen 
hat, der ihni durch seine Personlichkeit und durch den Glanz, mit dem 
er umgeben war, so sehr imponierte, dass er, im Gegensatze zu allen 
andern gleichzeitigen Kreuzzugsschriftstellern, denselben nicht genug 
loben kann. Man vgl. nur die Worte seines Briefes IV, 4 und 13. Er 
scheidet von ihm, wie ein Sohn von seinem Vater ^). Auf des Kaisers 
Wunsch hin scheint er nicht wenig Lust gehabt zu haben, ihm einen 
seiner S5hne an den kaiserlichen Hof zur Erziehung zu iibergeben 
(IV, 3). In naiver Weise glaubte er sogar, dass Alexios ihn vor allen 
andern Kreuzzugsfuhrern in sein Herz eingeschlossen und bevorzugt 
habe ^). 



1) S. zu X. 3. — 2) s. zu lY^ 3, ]2. — «) Folgende Quellennacliricliten] 
melden als Grand seines Wegganges fingierte Kranklieit : Gesta 148 (XXVII, l):i 
»maxima se finxit deprimi infirmitate<< ; Alb. IV, 13: >infirmitate occupari se pluri- 
mum testatus est, nec se posse ultra moram facere in obsidione < : ebenfalls die 
Kopisten der Gesten : Tudeb. 74; Hist. 6. sacri c. 7^; Baldr. 55 E: Guib. 199 G. 
nur Rob. mon. 815 E und li Estoire 634 F nehmen seine Krankheit als wirklicli 
vorhanden gewesen an. — *) Vgl. IV. 1, 2, 3, 14. X. 1, 2. 15, 17. — ^) Vgl. 
IV, 3, 4. — ") Vgl. IV, 5 ; ebenfalls das in n. 22 Bemerkte. — '') Vgl. IV, 
5. Sybel, Gescii. d. ersten Kreuzz. 10 : > Stephan ist voU von der Eitelkeit einer 



IV. — Epistula I Stepliani comitis Carnotensis ad Adelam suam. 53 

Aus einzeliieii Aeusserungen in seinen Briefen spricht Sinn fiir 
<lie Natur und deren Schonheiten. Gross war seine Freude, als 
er Constantinopels ansichtig wurde (IV, 3), er hat den angenehmsten 
Eindruck voni Marmarameere, das ihm keineswegs so stiirmisch und 
gefahrhch vorkam, wic er von andern gehort hatte, gefahrlicher ware 
eine Fahrt auf der Seine und Marne, den Fliissen seiner Heimat (IV, 5). 
Gewaltig war der Eindruck, den er von der Befestigung Nicaeas, das 
von „mirificis muris" eingeschlossen war, erhalten hat (IV, 6), ebenfalls 
von Antiochien (X, 7). Den Orontes bei Antiochien kennzeichnet er als 
einen grossen Fluss (X, 14), ebenso den Euphrat (X, 5). Steil sind die 
Berge bei Nicaea und ihm unbekannt (IV, 7); auf einem hohen Felsen 
liegt in Romanien ein sehr festes Scldoss, wohin sich die Tiirken ge- 
fliichtet hiitten (X, 4). Er findet, dass es eine irrige Behauptung ist, 
wenn einige sagen: man konne in Syrien die Sonnenhitze kaum er- 
tragen, denn der Winter sei demjenigen im Abendlande ganz gleich (X, 8). 
In dem vorUegenden e r s t e n d e r u n s n o c h e r h a 1 1 e n e n B r i e f e 
meldet Stephan seiner Gemahhn Adele seine gliickUche Ankunft in Con- 
stantinopel (Abs. 3), seine sehr ehrenvoUe Aufnahme daselbst bei Kaiser 
Alexios, der ihn sowie die iibrigen Fiirsten reichhch beschenkt und die 
Armen gespeist habe, gegen dessen Reichtum der von Adeles Vater 
nichts sei (Abs. 4). Nach 10 tagigem Aufenthalte seien sie iiber Niko- 
medien nach Nicaea gezogen, vor welcher Stadt das iibrige Kreuzheer 
schon 4 Wochen lang gelegen ware und einen siegreichen Kampf mit 
dem Tiirkenfursten Sohman bestanden gehabt hatte (Abs. 5, 6, 7). Nach 
grosser Anstrengung von seiten der Franken sei die Uebergabe Nicaeas 
an den Kaiser erfolgt (Abs. 8, 9): auf einer Insel im Marmarameere 
hatte dieser die Fursten zur Audienz empfangen, doch seien er (Stephan) 
I und Raimund von S. Gilles im Lager vor Nicaea zuruckgebHeben (Abs. 10, 
! 11). Die Beute sei vom Kaiser unter die Ritter (mihtes), die Lebens- 
mittel unter die Armen (pedites) verteilt worden (Abs. 12). Das aus 

1^^ der Vaterzeit durch eine Synode beriihmt gewordene Nicaea sei aus 
H einer Lehrerin des Irrtums jetzt eine Scliulerin der Wahrheit geworden 
(Abs. 13). Stephan hofft, dass der Weg von Nicaea nach Jerusalem in 

Ii 5 Wochen zuruckgelegt werden wiirde, w^enn nicht Antiochien AVider- 
fc stand leisten sollte (Abs. 14). 
^" Bemerkenswert im Einzehien ist die Mitteilung Stephans von der 

Botensendung und Briefl)efOrderung ins Abendland, sowie von der Sen- 
dung eines Briefes, der wie es scheint verloren gegangen ist (Abs. 2); 
sodann dass Stephan und Raimund de S. Gilles nach Uebergabe Nicaeas 

Iim Lager der Franken zuriickgebheben waren, wahrend die iibrigen 
Fursten dem Alexios ihre Aufwartung gemacht haben (Abs. 11); die 
Voreingenommenheit fiir Alexios, dessen Gast er 10 Tage lang ge- 
wesen ist (Abs. 3, 5) ; dass Stephan und sein Gefolge erst vor Nicaea 
^ingetroffen sind, nachdem das Kreuzheer schon 4 Wochen lang vor 



schwachliclien Natur, clie sich an unbedeutenden Dingen hoch ergotzt und in 
angenommeuer Bescheidenheit sich am deuthchsten verrat: welch" ein Mann ist 
der Kaiser, welche Schatze besitzt er, rair ist er wie ein Yater < etc. — Ygl. a. 
Hammer, Examen critique in Fundgruhen Y, p. 400, 



5 4 Einleitung. 

der Stadt gelegeii wai* (Abs. 6); dass auch tiirkische Grossen bei der 
Belageriing gefallen seien (Abs. 8), sowie die richtige Angabe des Da- 
tums der Uebergabe Nicaeas als der 19. Juni 1097, welche Mitteilungen 
insgesamt anderwarts nirgends gemacht w^erden. Irrig aber ist die 
Angabe im Briefe, dass die Tiirken in Nicaea direkt mit Alexios wegen 
Uebergabe der Stadt verhandelt hatten (Abs. 6), ebenfalls, dass die 
Belagerer alle in kindlicher Weise fdr den Kaiser eingenommen ge- 
wesen seien und ihn wie einen Vater verelirt haben sollen (Abs. 10). 

Ein triftiger Grund diesen Brief fur unecht zu halten ist durch 
nichts indiziert. Wenn Bernier p. 293 sagt: „quoique au sentiment des 
Savants cette lettre soit fausse quant au stile", so ware dies erst noch 
zu beweisen, denn aus der Schreibweise allein lasst sich beim vorlie- 
genden Brief ein Ruckschluss auf etwaige Unechtheit desselben nicht 
machen, im Gegenteil, es ist durchaus derselbe Stil, der auch im zweiten 
Briefe (X) sich findet, dessen Echtheit noch von niemand angefochten 
worden ist noch angefochten werden kann ^). Dazu ist der Ton des 
Briefes so eigenartig und die darin bekundete Darstelluug so naiv und 
der Inhalt der wirklichen Lage entsprechend, dass wir die Echtheit 
desselben als ganz feststehend anzunehmen berechtigt sind, wenn auch 
die gewunschte Korrektheit und Eleganz der Ausdrucksweise und die 
Feinheit der Form sowohl in dem einen wie im andern Briefe ver- 
misst wird. 

Der Brief ist unmittelbar nach der Einnahme Nicaeas und vor 
dem Wegzug gegen Dorylaeum, also ca. 24. Juni 1097 vom Lager 
der Kreuzfahrer aus verfasst worden'^). Es war nicht der 
erste, den Stephan wahrend seiner Kreuzfahrt an seine Frau abgesendet 
hat. In Abs. 2 spricht er die Befiirchtung aus, dass ein anderer von 
Constantinopel aus abgeschickter Brief, in welchem er die bis dahin 
zurtickgelegte Reise beschrieben hatte, moglicherweise nicht an seinen 
Ort gelangt sein diirfte^), weshalb er wiederholt an sie schreibe. 



M In beiden Briefen finden sich jeweils ganz die namlichen Ausdriicke in 
dem einen, wie im andern, z. B. dulcissima amica, coniunx IV, 1, X, 1; Dei 
gratia IV, 3, X, 1, 2, 5, 8; has littgras scribera, rescribare IV, 2: X, II, 16; con- 
flictum habere IV, 6; conflictiones habere X, 6; inde IV, 4, 6; X, 10, 12; omni 
corporea sospitate IV, 2, und omni prosperitate X, 2; plusquam IV, 5, 6 ; X, 7, 
10, 12; principes IV, 3, 9, 11, 12; X, 3, 4. 12, 13; praedictus IV, 6, 13; X, 4, 
6. 13; pro Christo pati IIE, 6; X. 8; tibi dico IV, 3, 14; X, 15; dilectio tua; 
mi dilecta : IV, 3, 4, 6, 14 ; X, 3, 15 etc. etc — ') S. HChr. n» 162. — s) Ein Frag- 
ment dieses von Stephan in seinem vorliegenden Brief (IV, 2) erwahnten ersten 
Briefes, in welchem der Zug des Kreuzheeres von Frankreich nach Constantinopel 
erzahlt worden ist, wiU Riant aus einer Bemerkung bei Belleforest entdeckt 
haben. Belleforest nsnne naralich in seinem wenigstens 2000 Bl. umfassenden, 
1579 zu Paris erschienenen Werke : Grandes annales et hist. generale de France 
f. 448^ unter seinen Quellen auch einen Brief eines gewissen Alexanders, aus 
welchem Briefe er eine SteUe wortHch anfiihre — es sind jene auch von Bald. 
17 G (praedicti niri . . . .) bis 18 C (exercitum sustinebant) mitgeteilten Worte, 
die BeUeforest einleitete : »et de cette grande et diverse assemblee (la croisade), 
voicy comme parle Alexandre, cy dessus allegue en son Epistre de voyage de la 
Terre sainte.<< Da Stephan von Blois einen Kaplan namens Alexander mit sich 
fuhrte, der laut seiner Epist. H (s. X 16) in Stephans Auftrag die Briefe des- 
selben geschrieben hat, so ist es immerhin nicht unwahrscheinlich, dass der von 



I 



IV. — Epistula I Stepliani coniitis Carnotensis acl Aclelam suam. 55 

Ob ihn sein Kaplan Alexander nach Stephans Diktat abge- 
fasst hat, oder ob dieser keinen Anteil an der Abfassung gehabt, lilsst 
sich nicht genau feststellen, da Alexanders Namen in diesem nicht ge- 
nannt wird (X, 16). 

Das einzige noch vorhandene bezw. bekannte Manuscript des 
Briefes findet sich in Rom in der Vaticanischen Bibliothek Regina 
Ciiristina sub no 1283 (481) aus dem XII. Jahrli. auf fol. 73. Auf 
fol. 73^^ oben steht von anderer Hand der Schluss einer Abhandlung: 
„unde ut uos omnes deus emendatos liberet, qui uiuit et regnat in sae- 
cula saeculorum amen", sonst ist fol. 73^ leer, auf 73^ folgt oben unser 
vorhegender Brief, nach demselben unten von einer dritten Hand die 
sub XII von uns edierte Epistula Boemundi, Raimundi, Godefredi ad 
uniuersos CiuMsti fideles. Das Blatt 73 gehOrte urspriinglich zu andern 
Blattern, welche sich im Codex nicht finden. 

Der Brief ist in 3 Ausgaben vorhanden: 1. Bei Bernier, Histoire 
de Blois, Paris 1682, preuves p. XXIV, welche Ausgabe auf einem zur 
Zeit verloren gegangenen Codex der Bil)]iothek in Chartres beruht, den 
Bernier von Du Chesne prhalten hatte ^). Doch ist diese Version 
fast durchgangig identisch mit derjenigen des genannten Manuscripts 
der Vaticana reg. Christinae. 2. Bei Mabillon, Museum Itahcum, Paris 
1687, tom. I, pars II, pp. 232 — 239. Mabillon hat diese Ausgabe eben- 
falls auf Grund eines Manuscripts der Vatic. reg. Christ. besorgt '^) und 
es ist wohl zweifellos, dass seine Vorlage der auch von uns benutzte 
Codex gewesen ist, wenn auch aulfallenderweise eine vielfach ver- 
schiedene Version als die unsrige uns entgegentritt; allein die Varianten 
bei Mabillon beruhen allermeist offenbar auf unrichtiger Entzifferung 
seines Manuscripts. 3. Im Recueil des historiens des croisades, Hist. 
occid. t. III (Paris 1866) pp. 885 — 887. Diese Ausgabe ist nach der- 
jenigen Berniers und Mabillons gefertigt ^). 

Die unsrige beruht auf dem genannten Vaticanischen Manuscript, 
wozu uns Dr. Schellhass in Roni eine von ihm ausserst sorgfaltig ge- 
fertigte Collation der Epistula mitgeteilt hat. Die Variantennoten aus 



.Belleforest erwahnte Brief Alexanders mit dem Briefe identisch ist, welchen 
f^tephan von Constantinopel aus durch diesen seinen Kaplan hat schicken lassen, 
und jene von Baldrich erwahnte Stelle, wenn auch nicht ganz, vielleicht nur 
his > occuluerunt:< (18 B) enthalten habe, in welchem Falle ebendamit auch sein Vor- 
handensein , wenigstens gegen Encle des XVI. Jahrh 's erwiesen ware. Vgl. 
dariiber Naheres bei Riant, Invent. 142 — 145 und das unten zu n. 6 hemerkte. 
— >) Bernier, a. a. 0. p. 292: >rune (des deux lettres) est imprimee dans le 
t. IV du Spicilege et c' est pourquoy eUe ne se trouvera pas dans mes preuves. 
L' autre a este tiree d" un Chartulaire de Nostre-Dame de Chartres par feu M. du 
Chesne, et m" a este communiquee par M. du Chesne son fils avocat en Parle- 
ment et au Conseil«. — ^) Mabillon a. a. 0. p. 131: >liuic historiae (belli sacri) 
ex bibliotheca Christinae reginae subiicimus Stephani comitis Carnotensis epistu- 
lam eiusdem argumenti ad Adelam uxorem suam«, u. p. 237 : >hissuccedet primo 
loco Stepliani com. Carn. epistula ad Adelam uxorem suam, superius (p. 131) a 
nobis promissa ex codice Christinaereginae<. — ^) Rec, Hist. occid. Itl, praef. 
p. Ivii: >;cinq annees plus tard, Mabillon donnait de la lettre publiee par Ber- 
nier une autre edition, d' apres un manuscrit de la reine Christine. Xous avons 
suivi le texte de Mabillon, tout en inserant les variantes que presentait la le^on 
adoptee par Bernier < . 



5^ Einleitung, 

diesem Mscr. trageii das Signum A, mit B sind die Varianten bei Ber- 
nier, mit M die bei Mabillon und mit K die im Kecueil bezeichnet. 

Ins FranzOsische ist der Brief ubersetzt von Michaud, in 
Biblioth. des crois. II, 461 — 463; von Roger, in La noblesse de France 
aux croisades pp. 132 — 133; bei Peyre, Hist. de la I. crois. II, 471 — 
474; bei Darras, Hist. de 1'Eglise XXIII, 442. 

Als Erlauterungsschriften sind anzufuhren: Hist. litt. de la 
FrancelX, 271 ; Ceillier, Hist. gen.XXI, 219; Mailly, L' esprit des crois. I, 
Ixii; Michaud, Bibliogr. I, 357; Sybel, Gesch. d. ersten Kreuzz. 9 — 1 1 ; 
Peyre, a. a. 0. ; Rec, Hist. occ. III, praef. Iv — Ivii ; Riant, Invent. 
p. 150; Potthast, BibL hisL II, p. 1031; HG 186 und HChr. n^ 162. 



V. 

Epistula I Alexii I Komneni ad Oderisium I de Marsis 
abbatem Casinensem. 

(Geschrieben zii Constantinopel im August 1097.) 

Kaiser Alexios hatte durch die Kreuzfahrer, welche den Weg 
durch Italien genommen und Monte Casino besucht hatten, die besten 
Nachrichten iiber Oderisius, den Abt von Monte Casino, und uber dessen 
Genossenschaft erhalten. Die Kreuzfahrer hatten begeistert von des 
Abtes Thatigkeit und Verhalten gegen sie dem Kaiser berichtet. Letz- 
terem war auch aus ihrem Munde bestatigt worden, in welch' bedeu- 
tendem Ansehen der Abt damals gestanden. In freudiger Stimmung 
teilt er dies im Briefe dem Abte mit und hebt besonders hervor, wie 
er aufs Innigste mit Oderisius, trotzdem er ihn noch nicht peisonlich 
gesehen habe, sowie mit seiner Genossenschaft in steter geistiger Ge- 
meinschaft sich verbunden wisse, und wie auch Oderisius selbst ofter 
schon briefhch iiber sich und sein Kloster und die sonstigen Verhalt- 
nisse in Italien ihm Nachricht habe zukommen lassen. Dies letztere 
ervvahnt Alexios deshalb, weil dadurch diese geistige Verbindung von 
seiten des Oderisius anerkannt sei und ebenfalls gepflegt werde. Der 
eigenthche Zweckdes Schreibens geht aber erst aus dem Schlusse 
desselben hervor: dass namlich die Ueberbringer (nuntii) desselben dem 
Abte niiheren Aufschkiss iiber den guten Fortgang des Kreuzzugsunter- 
nehmens geben werden, woruber, wie Alexios voraussetzt, viele andere 
ihm (dem Oderisius) schon berichtet haben werden. WahrscheinUch hat 
der Kaiser mit Recht geargwohnt oder auch bestimmt in Erfahrung 
gebracht (nouit meum imperium), dass andere iiber sein gegen die 
Kreuzfahrer eingehaltenes Verfahren unrichtige, vielleiclit auch gehassige 
und des Kaisers Ansehen schadigende Mitteilungen gemaclit hatten; 
diesen entgegenzutreten hielt er iur seine Pflicht, umsomehr als ihm 
immerhin daran gelegen sein musste, dass sein politisches Handeln 
richtig beurteilt werde, vornehmKch auch von solchen, die eine bessere 
Meinung von ihm liatten, als jene, welche sein Verfahren weder richtig 
beurteilen konnten, noch auch, wenn sie es gekonnt hatten, richtig be- 



V. — Epistula I Alexii I Komneni ad Oderisiiim aljbatem Casinensem. 57 

urteilen gewollt haben, deren es unter den Krenzfahrern eine nicht ge- 
ringe Anzahl gegeben hat ^). Wir erachten darum als den Hauptzweck 
des Briefes bezw. jener von Alexios an Oderisius gesendeten Gesandt- 
schaft, den Oderisius, dessen Einfluss in Italien gross und dem Kaiser 
viel wert war, von seinem Verhalten gegen die Kreuzfahrer zu unter- 
richten und iiber dasselbe aufzuklaren. Der uberreichte Brief sollte 
zugleich den Gesandten zu ihrer Empfehlung dienen. Auch ist anzu- 
nehmen, dass die nach Monte Casino entsendete Gesandtschaft sich in 
ItaHen noch anderweitiger Auftrage zu entledigen gehabt hat, wenn 
auch nirgendwo sonst dariiber Nilheres mitgeteilt wird. 

Der Brief wurde im August 1097 geschrieben, sei es dass 
das am Ende des Briefes beigefugte Datum sich auf den Abgang von 
Constantinopel oder auf die Ankunft in Monte Casino beziehen sollte ^). 

Er ist uns in lateinischer Version in der von Petrus Diaconus zu 
seinem Registrum sub n^ 147 gefertigten und im Kloster Monte Casino 
noch vorhandenen Abschrift erhalten, und es ist an der Echtheit des 
Inhaltes nicht zu zweifeln. Allerdings ob derselbe ursprunghch griechisch 
verfasst und ins Lateinische iibertragen oder lateinisch in Constantinopel 
geschrieben worden ist, liisst sich nicht mehr entscheiden. Riants An- 
sicht ^) in betreff der Abfassung aller 4 in Monte Casino noch auf- 
bewahrten Alexiosbriefe *) ist die, dass wahrscheinHch die Uebertragung 



« 



) Vgl. das zu IV n. 65 Bemerkte. — 2) S. a. HClir. 180. — 3) Epistula 
lexii Komneni ad Robertum Flandr. p. Ixxiii. — •*) Ausser den 2 von uns 
sub V und XI edierten. sind noch 2 andere Briefe des Alexios, welclie dieser 
an den Abt von Monte Casino geschrieben hat, im Registrum Peiri Diaconi 
daselbst vorhanden, von welchen der eine das imgenaue Datum tragt : > Missa est 
mense iunio, indictione V'^, a ConstantinopoH < und u. a. folgende Mitteihing ent- 
halt: .... )imperium meum debebat in hac praesenti acstate descendere apud 
Durachium ad uidendum comites qui in Laggobardia sunt, et pactum ponere 
cum eis de his quae scripserunt imperio meo, atque mandauere ipsi uero atque 
Romani ; sed accidit imperio meo infirmitas maxima. idcirco prolongatum est ad 
aptum tempus, et ad praesens dimisit descendere apud Durachium. si dederit 
Deus incolomitatem imperio meo, ibit in aHo tempore in principio aestatis, Deo 
prosperante<. Die ; indictio Va< faUt nun 3mal in die Zeit der HeiTschait des 
Kaisers Alexios : in's J. 1082, 1097 und 111".'. Tosti und Trinchera nehmen an, 
dass der Brief an Oderisius, welcher vom 14. Sept. 1087 — 2. December 1105 in 
Monte Casino Abt war, gerichtet worden sei, sonach wiirde mit »indictio \^ das 
Jahr 1097 bezeichnet sein. Dass der Brief im Juni 1097 geschrieben wurde, ist 
immerhin moglich. aber dass die «comites in Laggobardia» Kreuzzuggsfursten 
gewesen sein sollen, ist unannehmbar, denn um die genannte Zeit, Juni 1097, 
waren alle Kreuzzugsfursten vor Nicaea schon eingetroffen, so dass von einer 
Reise des Kaisers, der sich damals auch nicht in Constantinopel, sondern in 
Pelekanum aufgehalten hat, nach Dyrrachium, um mit den Kreuzzugsfursten einen 
Friedensvertrag abzuschliessen, nicht die Rede sein konnte. Riant hat darum 
auch im Invent. p. 136 als die Abfassungszeit den Monat Januar statt Juni an- 
nehmen zu miissen geglaubt, (il y aurait donc la a supposer que Pierre Diacre, 
en registrant le chrysobuUe, en a mal \n la date de mois. et qu' il a traduit 
»iunio< pour >januario<. Ksant par .ixemple "iouv. pour^Iav,). Doch spricht gegen 
diese Annahme nur aUzu deutlich — • was Riant iibersehen hat — die Inhalts- 
angabe selbst. wonach es iu der That Sommerszeit war, als Alexios das Schreiben 
nach Monte Casino richtete (in hac praesenti aestate). Dass aber auch die im 
Brief genannten >comites. qui in Laggobardia sunt« keine Kreuzzugsfiirsten ge- 
wesen sind, die etwa auf ihrer Reise in Longobardia, d. i. Unteritalien, ange- 
langt waren, um erst dann weiterzuziehen, wenn sie mit Alexios einen Vcrtrag 



58 Einleitung. 

ins Lateinische ein Casinenser MOnch nicht gefertigt habe, er mOchte viel- 
niehr dafiir halten, dass diese Briefe nur den abgekijrzten Text von Origi- 
nalbnllen wiedergeben. Die lateinische Version sei wohl in Constantinopel 
selbst uurch einen mit der lateinisclien Sprache wenig vertrauten Schreiber 
gefertigt und auf dem Umschlag der Chrysobullen als Inhaltsangal)e 
vorgemerkt worden. Petrus Diaconus habe seiner Sammlung griechische 
Stucke nicht beigeben gewoUt und sich damit begnugt, die lateinischen 
Auszuge zu kopieren, wobei er die in Constantinopel gemachten Stilfehler 
nicht ausgemerzt habe, — Fehler, welche sicher ein suditalienischer Ueber- 
setzer gemieden haben wiirde. Sei dem iibrigens wie ihm woUe, so- 
viel bemerkt man sofort, dass der Stil ein ungewOhnlich roher ist und 
die Construktion sehr viel zu wunschen iibrig lasst, so dass es zuweilen 
schwer ist, den richtigen Sinn einzelner Satze mit Sicherheit zu er- 
fassen ^). Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass der lateinische Text 
aus einer griechischen Vorlage iibersetzt und durch einen in der la- 
teinischen Sprache wenig bewanderten Uebersetzer geschrieben worden 
ist; auch liegt es nahe, dass der Anfang unsers vorliegenden Schreibens, 
sei es nun ein lateinischer Auszug oder die vvOrthche Uebersetzung 
einer Chrysobulle, in verstiimmelter V\^eise auf uns gekommen ist ^). 
Nichtsdestoweniger ist es wichtig genug, um von den Darstellern der 
Gesch. d. ersten Kreuzzugs fernerhin nicht mehr ubersehen zu werden. 
Die einzige Handschrift des Briefes, die wir mit A be- 
zeichnen, befindet sicli in dem Pergamcntbande des Klosters Monte 
Casino, Nr. 902, welche das Registrum Petri Diaconi enthalt, auf 
fol. %1^ n^ 147, nach w^elcher Handschrift die Druckausgaben gefer- 
tigt sind ^). Ausser der unsrigen gibt es deren 5: namlich 1. die vom 



abgesclilossen, geht aucli daraus liervor, dass der Kaiser seine Ankunft auf den 
naclisten Sommer, also Sommer iibers Jahr zugesagt hat, solch' ein Verhalten 
er aber Kreuzzugsfursten gegeniiber nie bethiitigt haben wiirde : diese hatte 
er vielmehr, da er damals nicht nach Dyrrachium zu reisen vermocht hat. nach Con- 
stantinopel zu kommen eingeladen. Der Brief kann aber auch im J. 1082 oder 
1112 verfasst worden sein, zudem in demselben der Name des Abtes nicht ge- 
nannt wird und ebensogut der Vorganger oder Nachfolger des Abtes Oderisias 
der Empfanger gewesen sein kann. Da im Briefe auch sonst mit keiner Silbe 
eine Beziehung auf den ersten Kreuzzug ausgedriickt ist, so haben wir ihn selbst- 
verstandlich in die Reihe unserer Kreuzzugsbriefe nicht aufnehmen konnen, 
ebensowenig wie den im Jahre 1112 verfassten Alexiosbrief, den seinerzeit Abt 
Girard von Monte Casino erhalten hat, worin Alexios iiber die dem Papste Pa- 
schalis zu teil gewordene schlechte Behandlung von seiten des Kaisers Heinrich V 
sein Befremden ausdriickt. AUe 4 Alexiosbriefe hat Riant in Epist. Alexii ad 
Rob. Flandr. p. 41 — 46 auf Grund der Handschrift zu Monte Casino herausgegeben. 
— 1) Vgl. Abs. 2. — 2) Vgl. n. 1, 4 und 13. — s) Trinchera, Syllabus 
graec. membr. p. xviii 2 schreibt iiber das Regestum Petri Diaconi : >est hoc Re- 
gestum uolumen merabranaceum in folio minori inter Mss. Codices archiui Ca- 
sinensis signatum n'^ 902 characteribus Longobardicis minuscuhs saeculi XH, ut- 
pote procul dubio exscriptum sub ocuHs ipsius coUectoris ; in quo tamen non 
paucas postea adiectiones intulerunt qui Petrum in officio sunt subsecuti. Totum 
opus diuiditur in VI decisiones: in priuilegia, in praecepta, in oblationes, in li- 
bellos, in renuntiationes, in sacramenta. exorditur insigne hoc Casinense charta- 
rium ob huius sacri coenobii primordiis ea tantum monumenta complectens, omni 
ueritate et diligentia exemplata, cjuae auctoris aetate ob uetustatem temporum- 
que iacturas ruinam proximumque interitum pro certo minitabantur. porro his 



VI. — Epistnla Simeonis patr. Hieros. ad fideles partium septentrionis. 59 

Jahre 1733 bei Gattula, Hist. abbat. Casinensis, pars II, 924 (0). 
— 2. Bei Miiratori, Antiqiiitates Italicae medii aevi t. V (Mediol. 
1741) p. 389 (>I). — 3. Die Ausgabe des Briefes bei Tosti, Storia 
di Monte Casino II (1842) p. 94 (T). - 4. Bei Trinch era, Syllabus 
membranarum Graecarum (Neap. 1865) n^ 62 p. 79 (Tr). — 5. Die 
Ausgabe von R i a n t, in Alexii I Komneni ad Robertum I Flandr. com., 
epistula spuria (Genev. 1879) p. 43 (R). Diese letztere beruht auf 
der ganz genauen Collation der Casinenser Handschrift und verdient 
den Vorzug vor allen andern ^). Unsere Ausgabe ist ein Wiederabdruck 
der Riantschen mit unwesentlichen Aenderungen, welche in den Varianten- 
noten mitgeteilt sind, wo wir auch die Varianten der ubrigen Druck- 
ausgaben mitverzeichnet haben. 

Eine italienische Uebersetzung des Briefes findet sich bei 
Tosti a. a. 0. II, p. 19. 

Erliluterungsschriften sind: Riant, Epist. Alexii ad Rob. 
Flandr. p. Ixxiv, und desselben Invent. p. 151; Sybel, Gesch. d. ersten 
Kreuzz. 2. Aufl. S. 12, und HCHr. n^ 180. 



VI. 

Epistula Simeonis patriarchae Hierosolymitani et Hademari 
de Podio S. Mariae episcopi ad fideles partium septentrionis. 



I 



(Geschrieben vor Antiochien gegen den 18. October 1097). 



Dieser Brief ist erstmals durch W. Arndt im NADG 1877, Bd. I, 
27 als in der Stadtbil)liothek zu Reims unter der Bezeichung K 585/95 
Mscr. saec. XII f. 209^ vorhanden erwahnt worden, vvorauf Graf Riant 
durch den Archivar Demaison in Reims eine genaue Kopie sich be- 
sorgen liess, w^elche er dann im Arch. de 1' Orient lat. I, 221 verOifent- 
licht hat. Dass der Brief wahrend der Zeit des ersten Kreuzzuges 
geschrieben w^orden sein muss, daruber lasst das Alter der Handschrift 
gar keinen Zweifel zu. Auch der Inhalt desselben weist auf die Zeit,. 
als das Kreuzheer von Nicaea durch Romanien gen Antiochien gezogen 
ist und schon ein gut Teil dieses Weges zuriickgelegt liatte. Trotz 
der irrigen Lesart D zu Anfang des Briefes fiir S in der Riantschen 
Ausgabe hat das Richtige in der Deutung des Signum D Riant ge- 
trolfen, welcher annimmt, dass es „dominus" bedeute und dann untor 



omnibus exemplis seu apographis, quam maximam ficlem augent diplomata non 
pauca. quae liodie dum in suis originalibus membranis supersunt, quaeque cum 
exemplis a Petro in suo Regesto exaratis ad litteram conueniant». 

') Riant a. a. 0. praef. p. Ixxiv: »Le texte de ces lettres a ete revi avec 
soin pour moi par le R. P. Dom Cesar Quandel, archiviste de Mont-Casin, qui 
a bien voulu corriger les fautes et combler les lacunes qu'olFraient les editiona 
precedentes. Sauf pour la ponctuation, j" ai reproduit servilement le manuscrit ; 
je n' ai pas cru devoir, cependant, donner en tete des lettres certaines rubriques, 
dont le manuscrit les fait preceder, et qu" ont publiees Tosti et Trinchera. Elles- 
sont d" une main plus recente et maladroitement entrepolees, ainsi que je le mon- 
trerai ailleurs<. 



«60 Einleitung. 

dem „Patriarcha Hierosolymitanus" nicht Daimbert, sondern Simeon zu 
verstehen sei. Nacbtriiglich hat nun Archivar Demaison in einem Briefe 
an Delaville le Roulx den Anfangsbuchstaben richtig gestellt ^), der nicht 
D sondern ein S darstellt, und offenbar Simeon bedeute ^). Dieser 
Simeon hat sich nach Alb. IV, 9 zur Zeit, als die Franken vor Antiochien 
lagerten, auf der Insel Cypern aufgehalten, und es ist naheliegend an- 
zunehmen, dass er mit diesen l)ei ihrer Ankunft vor Marasch oder vor 
Antiochien in Verbindung getreten ist. Wenn auch sein Name zuniichst 
nur als Reprasentant der morgenlandischen Christen genannt erscheint, 
da sonst wohl in Abs. 4 weder in der dritten Person, noch von ihm 
als dem „sanctissimus patriarcha" geredet worden sein wurde, so kann 
gegen die Annahme, dass Ademar das Schreiben abgesandt habe, sei 
•es, dass es von ihm selbst oder in seinem Auftrage abgefasst wurde, 
ein triftiger Grund nicht geltend gemacht werden, wenn es sich auch 
nicht genau bestimmen lasst, von wo aus es in Romanien nach dem 
Abendlande versandt worden ist. Riant halt dafur, dass der Ort der 
Abfassung Marasch gewesen sei, von wo aus das Heer nur noch eine 
verhaltnissmassig kurze Strecke bis nach Antiochien zuruckzulegen hatte: 
in Marasch war es gegen den 13. October 1097 angelangt -^). Wir 
glauben jedoch, was wir auch unten in n. 15 zu erweisen gesucht 
haben, dass das Kreuzheer zur Zeit der Absendung des Briefes Marasch 
schon passiert hatte und in der Nahe Antiochiens angelangt w^ar, auch 
an der Eisenbrucke ein Kampf mit den Tiirken schon stattgefunden 
hatte und beschlossen worden war, Antiochien zu belagern — es war 
dies gegen Ende October 1097*) — andernfalls man anzunehmen 
genotig sein wiirde, dass unter der 3. Schlacht, welche Abs. 3 erwahnt 
wird, nicht die an der Eisenbrticke, sondern die bei Dorylaum zu ver- 
stehen w^are und als die erste und zweite Schlacht die Kampfe bei 
Civitot und vor Nicaea verstanden werden miissten, wogegen freilich 
iiur eingewendet werden kann, dass der Provenzale Ademar wohl nur 
die Kampfe meinen kann, denen er selbst mit seinen Leuten beige- 
wohnt hat. Wir haben uns deshalb veranlasst gesehen, den Kampf 
an der Eisenbriicke fur die 3. Schlacht, und denjenigen bei Heraklea 
als niclit in betracht kommend anzusehen. Sei dem iibrigens wie ihm 
w^olle, eine Verbindung des Kreuzheeres mit S. Simeonshafen, wo abend- 
landische Schiffe lagen ''), wurde sofort hergestellt, als das Heer in die 
Antiochiaebene gelangte , wodurcli diesem Gelegenheit geboten war, 
mich Nachrichten iiber seine Lage ins Abendland senden zu konnen, 
was ihm oflfenbar sonst wahrend des Durchzuges durch das Innere 
Romaniens kaum einmal gestattet gewesen sein wird. 



M In einem Briefe vom 17. Marz 1897, welelien Hr. Delaville le Rouh: mir 
giitigbt zur Verfiigung gestellt "hat, schreibt Demaison : ■<. . . si vous utilisez 
aussi ce clocument, je dois vous prevenir que j' ai laisse ecliapper une erreur : 
j"ai lu «D. patriarchaHierosolymitanus», la lettre initiale etant partiellement ef- 
facee dans le ms. Cette lecture a cause quelque embarras a M. Riant, mais il 
faut la tenir pour non avenue. En n:e reportant au m.s., j"ai constate qu" il ya 
tres nettement S., c* est a dire S(imeon), ce qui supprime toute difficulte, le 
patriarche de Jerusalem etant bien Simeon en 10.97, epoque oii la lettre a ete 
ecrite«. — '^) S. a. n. 1. - •") S. HG 237 u. HChr. n" 194. — ■•) Vgl. HChr. 
ji» 203—205. — ^) Vgl. in den ErK^ut. n. 9. 



I 



Vn. — Charta Clementiae comitissae Flandriae. (3{ 



Der Brief ist an die Bewohner des Nordens gerichtet, womit nicht 
etAva die Nordfranzosen, sondern zanachst die Englander und Skandi- 
navier gemeint sind. Zwar war das Kreuzzugsunternehmen gewiss auch 
in England und Skandinavien schon bekannt, aber der Zuzug scheint 
von da sehr gering gewesen zu sein. Englische und normanische 
SchifFe, welche damals vor S. Simeonshafen ankerten, mOgen den Auf- 
ruf ins Abendland vermittelt haben. 

Die Bedeutung des Briefes ist eine minderwertige. 
Dennoch ist es auffallend, dass Sybel in der 2. Ausgabe der Gesch. 
d. ersten Kreuzzuges denselben unter den Kreuzfahrerbriefen mit keiner 
Silbe erwahnt hat. Der Brief bestatigt indirekt die Beziehungen der 
Franken zu dem Patriarchen Simeon von Jerusalem und die schon im 
Spiitjahr 1097 fiihlbar gewordene hilfsbedurftige Lage der Kreuzfahrer, 
welche bekannthch wahrend der Belagerung Antiochiens allmahhg sich 
zur wahren Kalamitat gesteigert hat. Endlich ist es die MitteiUmg 
iiber die dem Patriarchen zu teil gewordene Vision, welche allerdings 
einigen Stoff zur ErOrterung der Frage bietet, wo man wohl die Ent- 
stehung der Legende der angebhchen Peterschen Vision zu Jerusalem 
zu suchen habe ^). 

Vorliegende Ausgabe in der Reihenfolge unserer Kreuzfalirer- 
briefe ist ein genauer Abdruck derjenigen Riants im Inventaire p. 221 
niit der einzigen Aenderung des irrtumhchen Initialen D in den dem 
Mnscr. entsprechenden S, sonach des „Dominus'* in „Simeon". Auf 
S. 152 — 155 des hiventairs hat Riant ausfiihrlich iiber unsern Brief 
gehandelt; ebenfalls verweise ich auf HChf. n^ 205. 



VII. 

Charta Clementiae comitissae Flandriae. 
(Verfasst im October 1097 zu Watten.) 

Die Urkunde, welche Clementia, die Grafin von Flandern, 
durch den Bischof Lambert von Arras am 8. October 1097 hat be- 
statigen lassen, ist nicht ohne Wert fur die Geschichte der Kreuzfahrt 
ihres Gemahles, des Grafen Roberts II von Flandern. In derselben 
teilt Clementia mit, dass Robert auf seinem Zuge nach dem Morgen- 
lande bei seiner Ankunft in ApuHen (Spatjahr 1096) von seinem Schwager, 
dem Herzog Roger von ApuHen, welcher mit Roberts Schwester, der 
nachgelassenen Witwe des KOnigs Knut von Danemark, verheiratet war, 
sehr wertvolle ReHquien u. zw. Haare der Jungfrau Maria und Gebeine 
des hl. Matthaus und Nikolaus erhalten habe, welche er ihr durch be- 
sondere Boten mit dem dringenden Auftrage habe iibersenden lassen, 
dieselben in die der hl. Jungfrau zu weihende Kirche zu Watten nieder- 
zulegen. Clementia ersuchte nun, da die Kirche von Terouanne damals 



') Vgl. iiber diese Frage mit Bezug auf unsern Brief, Riant im Invent. 9^ 
und 154. 



^2 Eiuleitung. 

vervvaist war, den Erzbiscliof Maiiasse voii Reims, dass er zur Eiii- 
weilmiig der Wattener Kirclie den Bischof Lambert von Arras senden 
mOge, welcher alsdann auch am 8. October 1097 diesellie geweiht hat. 
Zugleich machte Ciementia an diese Kirche eine nicht geringe Schenk- 
ung, welche von Lambert in Gegenwart der Angeseheneren ilires Landes 
sowie der Heiligen Othmar, Maxim und Folquin, deren Leiber man nach 
Watten gebracht hatte, auf ihren Wunsch bestatigt worden ist. 

Aus dieser Charta erhalt man einen Einbhck in die Beziehungen, 
welche Robert von Flandern wahrend des Kreuzzuges mit seiner Ge- 
mahlin unterhalten hat, sodaun auch die Bestiitigung von der bei den 
ubrigen Kreuzzugsschriftstellern gleichfalls gekennzeichneten Vorliebe 
des Grafen fur ReUquien, w^elche ihm vor Anderen begehrenswert er- 
schienen sind. 

Wenn auch zunachst nur eine einfache Urkunde iiber ein Yer- 
maclitnis des Grafen und der Grafin von Flandern, so ist sie doch 
w ert, um dieser ihrer historischen Beziehungen wegen in die Reihe der 
Schriftstiicke unserer Sammhuig aufgenommen zu werden. Riant hat 
sie ebenfalls im Invent. p. 159 besprochen. Ihre Echtheit ist unan- 
fechtbar, wenn auch das Original bezw. die ursprungliche Urkunde 
nicht mehr vorhanden ist und aus der Art, wie die Worte der von 
Coussemaker seinem Drucke zu Grunde gelegten Kopie lauten, hervor- 
geht, dass in der Originalurkunde mehr Zeugen aufgefiihrt gewesen 
sein miissen, als dies in der noch vorhandenen Kopie der Fall ist. 

Das Dokument findet sich in Abschrift im Chartularium Watinense, 
<ier Nr. 852 der Stadtbibliothek von S. Omer (Depart. du Nord), einem 
Quartbande mit 436 Seiten mit den Schriftztigen des XV. oder XVI. 
Jahrh.'s, welclier aus der Zeit von 1072 — 1530 311 Nummern Urkunden 
enthalt. Eine zweite Kopie unserer vorhegenden Charta findet sich 
auf der namlichen Bibliothek in den Annales ecclesiae Watinensis, einem 
Quartbande aus dem XVI. Jahrh., welche der Schreiber aus dem ge- 
uannten Chartularium entnommen liat. Bis zur Mitte unseres Jahrh.'s 
ist die Existenz sowohl des Chartulars als der Annalen unbekannt ge- 
blieben. Erst Courtois, der Secretar- Adjunct der Societe des Anti- 
quaires de la Morinie zu S. Omer, hat erstmals in dem BuUetin dieser 
Gesellschaft, Band I (1852), auf die Wichtigkeit dieser Sammlung hin- 
gewiesen und Coussemaker hat in Annales du Comite flamand de France 
t. V. (Lille 1860) p. 297 und 360 unter dem Titel: Documents relatifs 
a la Flandre maritime. Extraits du Cliartulaire de TAbbaje de Watten, 
nebst andern Urkunden, p. 359 f. die Charta Clementiae erstmals ediert, 
aus welcher Edition auch der Text unserer Ausgabe entnommen ist. 
Wir bemerken noch, dass bei Coussemaker a. a. 0. irrtiimlich „inuio- 
latores" und „et iam" (Abs. 7) gelesen wird, die richtige Lesart aber 
„in uiolatores" und „etiam" ist. 

Als E r 1 a u t e r u n g s s c li r i f t e n sind zu nennen : Bulletin de la 
Societe des Antiquaires de la Morinie, t. I, (1852) p. 26; Coussemaker, 
Documents relatifs a la Flandre maritime, Lille 1860, pp. 65 f. in An- 
nales du comite flamand de France, t. V (1860) p. 359 ff.; Riant, In- 
ventaire p. 159 f. und Rec, Hist. Occid. V, 248 note; Hagenmeyer, 
Byz. Zeitsclirift VII, p. 442; HChr. n^ 103 in ROL VI, 253. 



Vir[. — Epistula I Anselmi de Ribodiui. ad Manassem archiep, Remorum. (^3 



TIII. 

Epistula I Anselmi de Ribodimonte ad Manassem 
archiepiscopum Remorum. 

reschrieben Ende November 1097 aus dera Lager vor Antiochien.) 



I 

t^m Aiiselm von Ribemont, (dessen Namen von den Krenzzugs- 
'™fehriftsteliern verschieden gesclirieben wird, so bei Raim. 276 E: de 
Riberi monte und Ripamundi; von der Hisi belh sacri c. 97: Rilo- 
mundo; von Tudeb. 100: de Risl)emundo; von Raldric. 98 G: de Raba- 
monte; von Alb. II, 22, V, 36 und Wilh. Tyr. VI, 17: Riburgismonte ; 
von Henr. Huntend. 375 F: Ribemunt), der Verfasser der 2 von uns 
edierten Rriefe an Manasse, Erzbischof von Reims, war eine angesehene 
Personlichkeit beim ersten Kreuzzuge. Seine ganze Haltung, welche er 
zunachst in den 2 von ihm herruhrenden uns noch erhaltenen Kreuz- 
zugsbriefen und in den Aeusserungen der gleichzeitigen Kreuzzugsschrift- 
stellern einnimmt, verrat eine hOhere Stellung. Mit dem Erzbischofe 
Manasse von Reims steht er auf sozusagen intimem Fusse, die Mah- 
nungen in der Art, wie er sie an diesen richtet, waren sonst nicht mog- 
lich gewesen, am allerwenigsten, wenn Anselm in ganz untergeordneter 
Stellung sich befunden haben wurde ^). Auch ftthren in der Reihenfolge 
der vor Constantinopel Angekommenen die Robertcodd. R, E, M neben dem 
Bischof Ademar, Grafen Raimund, den beiden Roberten sowie Stephan 
V. Blois auch die nobiles uiri Balduin von Mons und Anselm di Ri- 
bodimonte auf, welche letztere der MOnch Robert oder ein Kopist seiner 
Histor. Hieros. nicht in die Liste aufgenommen haben wurden, wenn 
Anselm ihnen nicht als eine gewichtige und hervorragende Personlich- 
keit erschienen ware ^). Im Chronicon Laetiense 497, 10 wird er ein 
sehr vortrefflicher und reichbeguterter Mann, in der Hist. monast. Aqui- 
cinctini 585, 5 ein „uir nobilissimus" genannt. Guibert, der ihn wahr- 
scheinlich personhch gekannt hat, sagt 218 H uber ihn: „eius castri et 
aliarum magnarum opum dominus exstiterat, uir liberalis, omnino muni- 
ficus et in regenda militia mire industrius". Auch die Charakteristik 
Anselms, welche Rad. Cad. c. 106 gibt, ist beachtenswert : „erat in exer- 
citu nostro heros nobilis, cui magnum nomen contulerant hinc probitas, 
inde genus, tertia honestas, quartus Ribot-Mons, hereditas propria, mili- 
tiae fetura praeclarae notissimus. uocabulum illius uiri Ansellus, regis 
Franciae, immo ternae Galhae curias celebre personabat". Allerdings, 
soviel ich sehe, wird ihm zwar von keinem der Gleichzeitigen, dagegen 
fast von allen Spateren der Titel „Graf" gegeben ^). Er war Herr von 



^) S. zn n. 7. — ') Rob. inon. 857 A sagt von ihm : »An8elmTis, uir per 
multa laudabilis et in suo militari ordine praecipuus, qui, dum in mundo luit, 
multa digna relatu peregit«. Gilo 7S8 v. 392 nennt ihn : »uir uiribus Hector, uir 
Cato consilio. uir primus in agmine rectorx. — ^) Ceillier XXI, 121 u. Rec, 
Hist. occid. IIl, LVIII : »Anselme comte de Ribemont« ; Sybel 11 (12) : ;>Anselm, 
einer der ausgezeichnetsten lotbringischen Barone im Kreuzlieere ■< ; Riant, Inv. 



54 Einleitung, 

Ostrevant und Valenciennes (im Arrond. de Quintin, Aisne). Eine 
Tochter Anselms war Agnes, welche spiiter Gozwin de Oisy (bei Cam- 
brai) geheiratet liat ^). Wie auch aus seinen Briefen liervorgeht, war 
er der Kirche sehr zugethan -)» welche er verschiedenemale reichlich 
und in freigebigster Weise beschenkt hat-^). Im Jahre 1083 grttndete 
er auf seinem Besitztume das Kloster von Ribemont und liess diese 
Stiftung im Jahre 1084 durch Konig Phihpp bestatigen *). Wahrend 
seiner Kreuzfahrt hatte er einen eigenen Kaplan namens Roger zum Be- 
gleiter, der die Wiirde eines Abtes bekleidete, jedoch im Sommer 1097 
wahrend des Durchzugs durch Kleinasien ihm durch den Tod entrissen 
wurde ^). Bei seinem Wegzuge nach dem Morgenlande hat er sich an 
Gottfried angeschlossen ^) ; nach seinen eigenen Worten war er unter 
jenen, welche als die ersten am 6. Mai 1097 vor Nicaea sich eingefunden 
haben, also damals im Gefolge Gottfrieds und Roberts von Flandern '). 
Als Nicaea genommen war und die Fursten schon wieder von ihrer 
Audienz, die sie bei Alexios gehabt hatten, zuruckgekehrt waren, wurde 
er von diesen wegen einer Angelegenheit, die er nicht naher bezeichnet, 
zu Alexios gesendet und kam von da erst nach dem 1. Juli wieder im 
Lager der Kreuzfahrer an. Er hat somit der an diesem Tage ge- 
schlagenen Schlacht gegen Soliman nicht beigewohnt ^). Ohne Zweifel 
zog er mit dem Gros des Heeres durch Romanien und Armenien. Von 
Ikonium bis nach Erkle befand er sich bei der Vorhut '-^), zog mit dem 
Heere durch die armenischen Gebiete ^^) und war an der Belagerung 
Antiochiens vom Anfang bis zu Ende derselben beteiligt, aller Wahr- 
scheinlichkeit nach auch am Kampfe bei der Eisenbrucke am 20. October 

1097 ^i). Nicht lange nach Beginn der Belagerung schrieb er dort 
seinen ersten an Manasse von Reims gerichteten Brief^-). An dem 
Bau des Kastells dem Bruckenthore gegenuber hat er sich ebenfalls be- 
teiligt ^^), die Not vor und in Antiochien mitertragen, sich damals eben- 
falls mit Pferde- und Eselsfleisch zufrieden gegeben ^^) und wahrend 
der Belagerung der Stadt durch die Tttrken in den Kampfen vom 8. 
bis 11. Juni mitgefochten ^^). Die Auffindung der hl. Lanze am 14. Juni 

1098 war auch ihm ein Ereignis, das ihm in den schweren Noten und 
Kampfen jener Tage als eine miichtige Gotteshilfe zum Trost gereiciite^^). 
Beim Kampfe gegen Kerboga, am 28. Juni 1098, war er in der ersten 



164: >Anselme de Ribemont, comte d' Ostrevant et de Valenciennes^. In der 
Chanson d' Antioclie ch. VIII, v. 128 wird er ausdriickHch xle baron « bezeiclinet, 
jedoch in der in der 2. Halfte des XII. Jahrh. verfassten Hist. monast. Aqui- 
cinctini p. 586, 3, wird er als >come8< aufgefiilirt. 

') Chronicon Laetiense a. a. 0. : > habuit autem Gozwinus uxorem nobilissi- 
mam Agnetem nomine, quae filia fuit praecellentissimi uiri Anselmi de Ribodi- 
monte, qui omnibus terrenis suis possessionibus ualde magnis amore diuiuo re- 
lictis, uiam Iherosoljmitanam cum duce Godefrido est adgressus, ubi, dum in 
adsultu Archos uiriliter instaret. ictu petrariae percussus. diem clausit extremum ^ . 
'') S. zu VIII, 2. n. 7. — 3) Rec, Hist. occid. HI, Iviii. — *) Miraeus, Do- 
nationum Belgicarum lib. II, ' 1629, p. 55, 59. — ^) S. zu VIII, 12, n. 68. 
^) Chronicon Laetiense a. a. 0. — "^) S. unten zu VIII. 4, n. 16. — ^) S. 
unten zu VIII, 8 n. 41. — '•») Eb^nda n. 46. — 'o) Ebenda n. 44. — i') Ebenda 
Vni, 9. — »5^) S. ebenda VIII n. 57 u. HChr. n'> 213. — '-^) S. zu XV, 11. 
n. 60. -- '*) S. zu XV, 15. — »5) g. zu XV, 16. — »") S. XV, 18. 



YIIL — Epistula I Anselmi de Ribodimonte ad Manassem arcliiep. Remorum. ()5 

acies, welche Hugo der Grosse aufuhrte, wobei er tapferen Mut ge 
zeigt hat ^). Im Verlaufe des Juli 1098 schrieb er von dort aus einen 
zweiten Brief an Manasse, den wir unten sub XV ediert haben. Ueber 
seinen weiteren Aufenthalt beim Kreuzheere im Sommer 1098 bis zu 
seinem ca. 23. Februar 1099 erfolgten Tode sind wir ohne Nachricht. 
Diesen hat er bei Irka auf tragische Weise gefunden ^), nachdem er 
noch am namlichen Tage, denselben vorausahnend, uber ein ihm ge- 
wordenes Gesicht mehreren Mitteilung gemacht hatte. Mit Sarazenen, 
welche heimlich das Kastell verlassen hatten und bis zu den Zelten 
der Kreuzfahrer vordringen wollten, kam es zum Kampfe, wobei Anselm 
beteiligt war und durch einen Stein aus einer Schleudermaschine ge- 
troffen und getOtet worden ist. Sein Tod verursachte im Heere grosse 
Besturzung und Trauer: soll ja durch Anselms Tod Graf Raimund ver- 
anlasst worden sein, die andern Kreuzzugsfiirsten instandig zu bitten, 
die Belagerung Irkas nicht aufzugeben, bis es erobert sei. Doch sind 
dieselben darauf nicht eingegangen ^). 

Es war Anselms treue Anhanglichkeit an den Erz- 
bischof Manasse von Reims, welche ihm die Verpflichtung auf- 
erlegt hat, demselben von Zeit zu Zeit Nachricht iiber den Fortgang 
des Zuges zukommen zu lassen. Zweimal wenigsteus ist er dieser 
Pflicht nachgekommen ; seine 2 Briefe, welche wir noch besitzen, 
nehmen unter den Quellenschriften des ersten Kreuzzuges keine unbe- 
deutende Stelle ein. Beide verzeichnen in einfacher und pragnanter 
Darstellung die Hauptvorfaile wahrend des Zuges durch Kleinasien und 
der Belagerung Antiochiens. Wir haben es hier zunachst mit dem 
e r s t e n derselben zu thun *). 

Der Brief beginnt mit einer Einleitung, worin Ansehn sich iiber 
sein Verhaltnis zu Manasse ausspricht und diesen ermahnt, seiner DiQ- 
cese wohl vorzustehen, auch ihn und alle Kanoniker der DiOcese Reims 
bittet, derer, welche die Pilgerfahrt mitmachten und die auf derselben 
schon gestorben seien, zu gedenken (Abs. 2, 3). Er berichtet sodann 
uber die Belagerung und Einnahme Nicaeas, wohin sie von Nikomedien 
aus gezogen seien (Abs. 4—6), ilber die Schlacht gegen die Tiirken am 
1. Ju]i 1097, welcher er selbst nicht beigewohnt habe ^), und liber den 
Weitermarsch durch Romanien und Armenien bis zu ihrer Ankunft vor 
Antiochien (Abs. 8), wobei er des Kampfes mit den Turken, nachdem 
sie Ikonium passiert, und desjenigen an der Eisenbrucke, bevor sie sich 
vor Antiochien gelagert hatten, in kurzen Worten Erwahnung thut. 
Mit dem Berichte iiber jenen ersten gluckhchen Streifzug gegen die 
Tiirken des Kastells Aregh schliesst er die Reihenfolge der wichtigsten 



i) S. ebenda XV, 18, n. 110. Henr. Huntind. 375 F sagt in Bezug auf 
Ansehns Tapferkeit : .<gladius Anselmi quasiflamma diuidua». — ^) Raim. de Ag- 
276: Rad. Cadom. c. 106; Hist. b. sacri c. 104; Gesta 158 (xxxv, 3); Fulcli. 353 B; 
Guib. 218 H; 219 A; Alb. V, 31; Wnii. Tyr. VII, 17; Gilo 788 v. 392; Henr- 
Huntend. 379 A ; Hist. Gotefr, 489 G ; ebenfalls zur Kritik der von Raim. de Ag.» 
von Rad. Cad. und der Hist. b. sacri a. a. 0. erzahlten, demAnsehu seinen Tod 
anzeigenden Vision : Klein 45 f. ; in betreff des Datums seines Todes HChr. n» 355. — 
3) Alb. V, 36. — 4) XJeber den zweiten Brief Anselms s. Naheres zu XV auf 
^^. 88—93 dieser Einleitung. -- ^) S. VHI, n. 41. 

H a g n ni y c r, Kpistulae ct Cbaitae. 5 



(5g Einleitung. 

Ereignisse des Zuges, welche bis Mitte November 1097 eingetreten 
waren (Abs. 10), um noeh die wiihrend des Zuges im Kampfe mit den 
Feinden und an einer Krankheit Gestorbenen seiner Bekannten nament- 
lich aufzufuhren und Manasse sowie die iibrigen Leser des Briefes zur 
Fiirbitte fur dieselben aufzufordern (Abs. 11). Er erwahnt noch, dass 
bis jetzt 200 Stadte und Burgen in der Kreuzfahrer Gewalt seien und 
man sich iiber einen solchen gunstigen Erfolg nur freuen kOnne. Zum 
Schlusse bestatigt er Manasse den Empfang eines Teppichs, welchen 
dieser an Anselm durch Raimund de Castello gesendet babe (Abs. 12). 

Wenn auch das Meiste, was Anselm in diesem Briefe mitteilt, in 
den iibrigen Quellen ebenfalls und ausfuhrlicher berichtet wird, so dienen 
doch seine Nachrichten einesteils zur Kontrole, andernteils diejenigen, 
welche die andern Quellen nicht enthalten, zu ihrer Erganzung, wie wir 
dies auch in den Erliiuterungen naher dargelegt haben. Von beson- 
derem Interesse sind die genauen Daten iiber einzelne Ereignisse, so- 
wie, abgesehen von den die Personlichkeit Anselms selbst betreffenden 
Angaben, das Verzeichnis der Toten, von denen auch die meisten ander- 
warts nicht mehr erwahnt werden ^). 

Ueber die Sprache Anselms, die einfach und ungeziert ist, haben 
wir uns unten in der Einleitung zum zweiten Briefe S. 91 des Naheren 
ausgesprochen. 

Nach Riant, Invent. 164 soll der Brief gegen den 10. Februar 
1098 verfasst worden sein. Riant geht bei dieser Annahme von der 
Voraussetzung aus, dass die Nachricht in Abs. 10: es seien 400 Turken 
getotet und andere in einen Fluss gestiirzt und einige ins Lager ge- 
fuhrt worden, identisch sei mit dem am 9. Febr. am Antiochiasee statt- 
gehabten Kampfe gegen die Tiirken. Diese Voraussetzung ist aber eine 
irrige, weil es sonst unverstandhch wiire, weshalb Anselm die grosse, 
am Ende des Jahres 1097 und in den ersten Monaten des Jahres 1098 
im Belagerungsheere vorhandene Hungersnot mit keiner Silbe erwahnt 
hat, vielmehr im Gegenteil von einem Ueberflusse an Lebensmitteln 
redet, in Folge deren die Kreuzfahrer in freudigster Stimmung sich 
befanden. Dieser Ueberfluss an Lebensmittehi im Belagerungsheere 
hat aber nur wahrend der 3 — 5 ersten Wochen stattgefunden, dann 
trat allmahlig die bitterste Not und ein derartiger Umschwung in der 
Stimmung der Belagerer ein, dass ein Brief mit solch' freudiger Unter- 
lage des W^ohlbefindens nicht mehr geschrieben werden konnte. Der 
Brief ist darum nur in der Zeit, solange die Not noch nicht 
verspiirbar war, geschrieben worden. Dazu kommt, dass der 
von AnsehB in Abs. 10 erwahnte Kriegszug nur identisch sein kann mit 
dem von den Gesta 133 (XII, 5) erwahnt-en, der innerhalb der zweiten 
Halfte Novembers 1097 ausgefuhrt worden ist. In diese Zeit ist auch 
die Abfassung des Briefes zu setzen und aus dieser Zeit heraus ist 



*) Die im Briefe gegeloenen bestimmten Daten sind folgende : 1097 6. Mai, 
Ankunft des Kreuzheeres vor Nicaea (VIII, 4 n. 16); 16. Mai, Mederlage So- 
limans (Abs. 5 n. 19); 19. Juni, Einnahme Nicaeas (Abs. 6 n. 28); 28. Juni, 
Wegzug von Mcaea (Abs. 7 n. 33); 1. Juli, Kampf gegen die Tiirken (Abs. 7 
n. 33); 21. October, Ankunft des Kreuzheeres vor Antiochien (Abs. 8 n. 47). 






VIII. — Epistula r Anselmi de Ribodinionte ad Manassem archiep. Remorum. 67 

aucli allein die freudige Stimmung erklarlich, in welcher derselbe ge- 
schrieben worden ist ^). 

Bis in die neueste Zeit hat er fur verloren gegolten, und es war 
nur der zweite, der unten sub XV von uns edierte, bisher seinem wOrt- 
lichen Inhalte nacli bekannt, in welchem Anselm eines ersten an Ma- 
nasse gescliriebenen ausdrucklich Erwahnung thut. Dass dieser erste 
seinerzeit ebenfalls nach dem Abendlahde gelangt und daselbst bekannt 
geworden war, bestatigt auch Guibert 219, wo er im Anschlusse an 
die Mitteilung von Ansehns Tode folgende Bemerkung beifiigt: „An- 
selmus, cum in Dominica militia fidehssime et inretractabihter se ageret, 
inter cetera suae sagacitatis fideique potentis insignia illud praeclarum 
et omnibus amantissimum litteratis exhibuit, quod cuncta quae in ob- 
sidione Nicaeae et quae Romaniam Armeniamque peragrando, quae 
denique Antiochiam adgrediendo, captam defensando nostri egere, qua- 
liter per idem tempus contra Galapiae regem, contra Damascenum, le- 
rosolymitanum quoque, quem et adulterum uocitat, conflixere, ad Manas- 
sem, Remorum archiepiscopum, piae memoriae uirum, qui ante hoc 
decessit ferme biennium, semel ac secundo directis apicibus, 
clarissime patefecit". Freilich ob dem Guibert unser Brief selbst auch 
vorgelegen hat, ist immerhin fraghch, da der soeben angefiihrte Passus 
aus dessen Historia Hierosolymitana es nicht zweifelhaft lasst, dass er 
seine Mitteilung zunachst fast wOrthch aus dem zweiten Anselmschen 
riefe ^) entnommen hat. Sei dem jedoch wie ihm woUe, der von An- 
elm im Lager vor Antiochien im November 1097 an Manasse abge- 
gangene und ohne Zweifel auch ins Abendland gelangte erste Brief ist 
seit der Zeit Guiberts das ganze Mittelalter hindurch seinem Wortlaute 
nach unbekannt gebheben. Durch einen gliickhchen Zufall hat ihn 
Graf Riant im Jahre 1877 in der Bibhothek Mazarin in Paris wieder 
aufgefunden und im Appendix seines Inventaire p. 221 — 223 erst- 
mals ediert"^). 

Der Codex der Bibliothek Mazarin, olim S. Martin des 
Ghamps 98, fiihrt jetzt die Nummer 1710, fruher H 1345; er besteht 
aus 81 Blattern, welche von 2 Manuscripten herriihren, von denen das 
eine aus dem XI., das andere aus dem XII. Jahrh. stammt. Riant 
halt fiir wahrscheinUch, dass dieser schlecht gebundene Codex auch 
noch andere Kreuzzugsbriefe enthalten habe ausser demjenigen Anselms: 
man sehe noch die Falzen von 3 andern Blattern, w^elche ausgerissen 
worden seien und wahrscheinlich nebst dem Schlusse des zweiten Briefes 
noch andere Dokumente von der gleichen Kategorie enhalten haben. Mo- 
Hnier im Catalogue des Manuscr. de ]a Bibboth. Mazarine t. II, 180 be- 
merkt: „quelques lettres de couleur, dont plusieurs ornees d'argent", und 
zahlt im Ganzen 26 einzelne Stucke auf, die in diesem Codex ent- 
halten sind. 

Besprochen wird dieser erste Brief Anselms von Riant im In- 
ventaire a. a. 0. sowie von Sybel in seiner 2. Aufl. der Gesch. d. ersten 
Kreuzzuges S. 12, jedoch nur mit den Worten erwahnt: „der erste ist 



') Vgl. XV, Als. 3 in HClir. no 213. ') Vgl. XV, 3. ^) Vgl. Eiant, 

Inventaire p. 178 ff. und Archives de 1' Orient lat. I, p. 178 ff. 



gg Einleitung. 

vor Antiochien am 10. Februar geschrieben iind gibt kurze aber genaue 
und wichtige Notizen ilber die Kampfe vor Nicaea und Dorylaum". Ueber 
diese unrichtige Annahme der Abfassungszeit, w^obei Sybel Riant ge- 
folgt ist, haben wir uns soeben ausgesprochen. Weiteres in Betreflf 
des Briefes findet sich auch in HChr. n» 165, 166, 200, 203, 211 und 
213. Erwahnt wird er auch bei Potthast, Bibl. hist. I, p. 112. Die 
Wiedergabe desselben in unserer Sammlung ist ein wOrtlicher Al)druck 
des Riantschen Textes im Inventaire p. 221 — 223. 



IX. 

Epistula Patriarchae Hierosolymitani et aliorum episcoporum 

ad occidentales. 

(Geschrieben im Januar 1098 aus dem Lager vor Antiochien). 

Dieser Brief ist in mehreren Recensionen vorhanden. Die erste 
bietet kaum die Halfte des hihaltes und scliliesst mit den Worten in 
Abs. 3: „uere nos committimus". Sie ist ofFenbar ein Fragment des 
Briefes und keineswegs ein selbstandiges Ganzes, das als solches 
etwa ins Abendland gesendet und dem erst spater der weitere Inhalt 
angehangt worden ware: es fehlt namlich der passende Schluss und 
es ist nicht denkbar, dass die im Briefe genannten Absender nicht 
sollten irgend ein Anliegen angefiigt haben, vielmehr ist von denselben 
ebenso wie in dem an die Nordlander gerichteten Schreiben (VI) 
gewiss nicht minder den ilbrigen Abendlandern gegenuber die Bitte 
geaussert worden, sie m5chten sich doch zahlreich nach dem Morgen- 
lande aufmachen und die erforderliche und sehnlichst gewunschte Hilfe 
bringen; das geht schon aus den Sclilussworten in Abs. 2 hervor» 
Anzunehmen, die Leser des Briefes hatten ja an der Angabe der ver- 
haltnismassig geringen Zahl Franken gegeniiber der grossen Menge 
muliammedanischer Feinde diesen Wunsch schon lierauszulesen vermocht, 
ist, wenn man die Sachlage genau ins Auge fasst, kaum wahrschein- 
lich, da ein derart zum Bewusstsein gekommener Mangel an Hilfskraften 
ein offenes Wort, hier eine dringende Bitte, diesem Mangel abzuhelfen, 
bei Anfertigung eines Schreibens an solche, von welchen man allein 
Hilfe erwarten konnte, zur Folge gehabt haben musste. Ware uns 
demnach auch dei* ganze Brief nicht erhalten, wie wir denselben in der 
zweiten Recension und in unserer Ausgabe vor uns haben, so miisste 
man auch ohnedies die Unvollstandigkeit der ersten Recension sofort 
erkennen. Offenbar ist dieses Fragment bezw. die erste Halfte des 
Briefes abgeschrieben worden und durch Zufall unvollendet gebheben 
und in dieser verkiirzteii Gestalt auch von andern wieder kopiert wor- 
den, wie dies eine grOssere Zahl Robertcodices beweisen, welche dieses 
Fragment entweder am Anfange oder am Schlusse der Historia Hiero- 
solymitana des Robertus monachus enthalten. Aus einem Robertcodex 
entnommen, in dem aucli die Epistula Alexii ad Robertum Flandrensem 



IX. — Epistula Pc-,triarchae Hierosolymitani ad occidentales. ()9 

enthalten war, wurde das Stiick auch von Hugo von Lerchenfeld seinem 
in dem Mtinchener Codex lat. 14733 enthaltenen und im XIII. Jahrh. 
verfassten Breuiarium passagii in Terram S. (s. oben S. 21) ange- 
schlossen , und in den Annales Corbeienses findet es sich als selb- 
standiges Stiick, das offenbar auch aus einem Robertcodex entnommen 
worden ist. Dass es ein unvollstandiges Stiick sei, haben auch die 
Schreiber der Codd. y und X wahrgenommen, welche nach „comittimus" 
die Worte „et cetera" beigefugt haben. 

Unsere im Texte gegebene Version enthalt den Brief voUstandig, 
dessen kurzer Inhalt folgender ist: Nach dem Grusse des Patriarchen 
von Jerusalem, der syrischen und lateinischen BischOfe, sowie des ganzen 
Kriegsheeres des Herrn an die abendlandische Kirche (Abs. 1), be- 
richten diese iiber den gliicklichen Fortgang des Kreuzzugsunternehmens : 
Schon 40 Hauptstadte und 200 Kastelle in Romanien und Syrien seien 
in ihrem Besitze und 100000 Mann stark sei das Heer, allerdings 
gegeniiber dem Feinde eine sehr geringe Zahl (Abs. 2); sie setzten ihr 
Vertrauen aber auf die hl. Georg, Tlieodor, Demetrius und Blasius, 
mit deren Hilfe sie schon 5 Feldschlachten geschlagen hatten (Abs. 3), 
dringend baten sie, dass man dahin kommen solle, wo Christus fiir uns 
gehtten habe (Al)s. 4) ; das Schwerste sei zwar gethan, allein dadurch, 
dass die Stadte und Kastelle l)esetzt gehalten werden miissten, sei das 
|Heer vermindert worden (Abs. 5) ; doch sollen nur die Manner kommen, 
he Frauen aber vorerst zu Hause bleiben. Diejenigen, welche das 
[^reuzzugsgeliibde eingegangen hatten, aber es nicht vollfilhrten, solien 
jxkommuniziert werden und kein kirchliches Begrabnis erhalten (Abs. 6). 

Dass diese Recension die ursprungliche ist, ersieht man eines- 
[.eils daraus, dass eben der bei der ersttn fehlende Teil, welcher offen- 
mr ganz nach der Intention der Absender die Aufforderung zur Hilfe- 
iistung enthalten musste, hier sich findet, auch der ganze Ton des 
Jchreibens demjenigen des ersten Briefes des Patriarchen (VI) ent- 
jpricht. 

Auf die unverkennbare Aehnlichkeit unseres Briefes mit 

ben demjenigen des Patriarchen Simeon an die Nordlander, 

^elcher sub VI von uns ediert ist, hat Riant, Invent. 157 f. schon hin- 

jewiesen. Es ist in demselben der namhche Gedankengang eingehalten 

de in jenem und wird zumeist nur mit andern Worten wiedergegeben, 

ras in jenem gleichfalls gesagt ist: ich verweise auf die nn. 5, 7, 

1, 23, 26, 28. Dass demnach eine gewisse Abhangigkeit des ehien 

rom andern hervortritt, ist umsoweniger auffallend, als ja auch in bei- 

len dieselben Personen als Absender genannt werden : in VI, 1 : Patri- 

rcha Hierosolymitanus et Hademarus de Podio, im vorliegenden Briefe 

Abs. 1 : episcopi tam graeci quam latini uniuersaque militia Domini, und 

Abs. 6: patriarcha et apostolicus et episcopi. Unter dem patriarcha 

Hierosol. ist in beiden der Patriarch Simeon von Jerusalem 

gemeint: auf diese Identitat weist teils die Aehnlichkeit des Inhaltes 

beider Briefe, andernteils ist auch die besondere und an erster Stelle 

angefuhrte Nennung der syrischen BischOfe eine indirekte Bestatigung 

dieser Annahme (s. n. 1). 



70 Kinleitung. 

Allerdings diese Folgeruiigen diirften vvii* nicht zielien, wenn es 

naciigevviesen werden kOnnte, dass unser vorliegender Brief von Jeru- 

salem aus geschrieben worden sei: Aus Abs. 4 nambch, w^o die Abend- 

lander aufgefordert werden, an den Ort zu kommen, wo der Herr selbst 

gektimpft und fiir uns gelitten hat, d. i. nach Jerusalem, liat Peyre ') 

gefolgert: der Inhalt dieses Briefes scheine zu beweisen, dass er in 

Jerusalem verfasst worden sei, er erwahne ja auch die Triumphe, 

welche das Kreuzheer in Syrien gehabt habe; die Zeit der Abfassung 

sei wohl zwischen den 15. Juli 1099, den Tag der Eroberung Jeru- 

salems, und den 12. August 1099, den Tag der Sctdacht J)ei Askalon, 

zu setzen, da der Emir Al Afdal von Egypten betrachtliche Streit- 

krafte um Jerusalem wieder zu erol)ern, gesammelt habe. Trotz der 

lebhaften Befurchtungen habe deshalb auch der Klerus das Bild der 

Streitkrafte, aus welchen damals das Kreuzheer bestanden habe, ver- 

grOssert, damit nicht die Leute im Abendlande entmutigt wiirden und 

moglicherweise versucht sein kOnnten, den dringenden Einladungen keine 

Folge zu geben. Dagegen ist zu sagen: es ist nicht eine notwendige 

Voraussetzung, dass die Einladenden, vvelche die Abendlander baten nach 

Jerusalem zu kommen, auch selbst schon in Jerusalem gewesen sein 

mussten, denn auch auf dem Zuge dahin und, wie wir sehen werden, 

von Antiochien aus, von wo der Brief abgesendet worden ist, konnten 

sie nicht nach Antiochien oder sonst wohin einladen, vveil sie mit Recht 

annehmen durften, dass bis zur etwaigen Ankunft des gewiinschten 

Hilfszuges im Morgenlande sie langst in Jerusalem wiirden angehiugt 

sein (s. n. 17). Sodann besagt in Abs. 2 die Erwahnung Syriens als 

des Landes, in welchem das Kreuzheer Eroberungen gemacht habe, 

ebenfalls nicht, dass diese Eroberungen sich schon bis Jerusalem aus- 

gedehnt hatten, thatsachlich hat es in den drei ersten Monaten der Be- 

lagerung Antiochiens auch manches nordsyrische Kastell in Besitz ge- 

nommen, und ferner ware es eine bewusste Liige von seiten des das 

Abendland auffordernden Patriarchen und Klerus gewesen, wenn sie 

eine so hohe Zahl von 100000 Rittern und P\issgangern, von welchen 

vor Jerusalem kaum der 5. Teil noch vorhanden war, angegeben hatten, 

als das Kreuzheer Jerusalems sich bemachtigt hatte; eine derartige 

Spiegelfechterei den Absendern des Briefes zuzutrauen ohne triftigen 

Grund doch niclit angangig ist; dazu kommt, dass die von Peyre be- 

hauptete Abfassungszeit es nOtig machen wiirde, unter dem patriarcha 

Hierosolymitanus den provisorisch gewahlten Arnulf zu halten : was aber 

wurde der apostolicus gewesen sein, wenn man der Lesart (Abs. 4, 6) 

den Vorzug geben wollte, dass apostohcus und patriarcha zwei ver- 

schiedene Personen sind? Jedenfalls Arnulf nicht, denn dieser vvar 

weder vom Papst gesendet, noch von diesem im Jahre 1095 approbiert 

worden ; Ademar aber w^ar damals schon ein Jahr iang tot -) und 

Daimbert noch nicht in Jerusalem angekommen ^). Sodann kftnnte der 

Brief, wenn er die jerusalemischen Verhaltnisse im JuH und August 

1099 wiedergeben soll, von Augenzeugen nicht geschrieben vvorden sein. 



') Peyre, Hist. de la I crois. 11, 491. — 2) S. zu XVI. 12. — ^) S. zu 
XVni, 1 n. 3. 



I 



IX. — Epistula Patriarcliae Hierosolymitani ad occidentales. 71 



6] 

t 



da die Schilderung diesen Verhaltnissen diametral widerspricht , es 
musste denn der Brief selbst fiir unecht gehalten werden, was auch 
Jaffe behauptet hat ^), doch ohne fur seine Behauptung Griinde beizu- 
bringen. 

Unserer Meinung nach ist der Brief ein echtes S chriftstuck, 

dessen einzehie Angaben sich alle historisch begriinden lassen, was w^ir 

auch in den Anmerkungen nachgewiesen zu haben glauben ^). Der In- 

halt desselben nOtigt uns, ihn als im Januar 1 098 abgefasst anzusehen : 

denn ist der erste Brief des Jerusalemischen Patriarchen (VI) wahr- 

scheinlich gegen Ende October 1097 abgefasst worden ^), so muss der 

vorHegende einige Zeit spater geschrieben worden sein; beide ver- 

zeichnen dieselbe Heeresstarke ; wahrend aber der vorliegende von Er- 

oberungen, welche in Syrien gemacht worden sind, und von 5 stattge- 

habten Feldschlachten redet, ist im ersten (VI) nur von 3 Schlachteu 

die Rede, und es wird darin neben Romanien Syrien noch nicht ge- 

nannt. Nach dem vorliegenden hat demnach das Kreuzheer seine Er- 

oberungen iiber ein grOsseres Gebiet ausgebreitet und 2 Schlachteti; 

mehr verzeichnet als im ersten angegeben sind, weshalb auch die Ab- 

fassungszeit spater anzusetzen ist, als die des ersten. Unter den zwei 

weiteren Feklschlachten sind die })ei Harenc, sowie die am 31. Dezember 

097 im Halepinischen geschlagene gemeint ^), und bald nacli der letz- 

eren Schlacht, wohl noch im Janner 1098, wird dies Schreiben iiber 

S. Simeonshafen nach dem Al)endlande abgeschickt worden sein, zu 

einer Zeit da die engere Verbindung mit den Griechen und Syrern noch 

eine ungetriibte ^), aber auch die Zahl der bei dem Kreuzheere damals 

beteiligten 100000 Mann (Abs. 2) noch annahernd dieselbe gewesen 

ist wie die beim Beginne der Belagerung im ersten Briefe (VI) ge- 

nannte. Dass Ademar im vorliegenden Briefe in der Adresse nicht 

namentlich aufgefiihrt wird, aber im Falle die Lesart Abs. 6: „patri' 

cha et apostolicus" (Codd. A, B, C) vorgezogen werden wollte, unter 

dem apostolicus gemeint ist, wird wohl daraus zu erklaren sein, dass 

er eben bei Abfassung des Schreibens nicht persOnlich beteiligt war, 

och ist unserer Meinung nach von Ademar im Briefe iiberhaupt nicht 

ie Rede, weil «apostolicus" mit „patriarcha" zu verbinden ist, vvorunter 

ur der Patriarch Simeon verstanden werden kaini. Zudem ist eine 

besondere Beeinflussung vonseiten des griechisclien Klerus im Schreiben 

nicht zu verkennen u. zw. aus der Nennung der episcopi graeci vor 

den episcopis latinis in Abs. 1, sowie aus der Aufzahlung der griechi- 

schen Heiligen in Abs. 3. Wir folgern eben hieraus auch, dass die 

ersion, wie sie in den Codd. M, V, Z sich vorfindet, welche iii Abs. 6 

usdriicklich die Bezeichnung „omnis ordo orthodoxorum" enthalten, als 

ie urspriingliche angesehen werden muss. Die Weglassung dieser Be- 

eichnung in den Codd. A, B, C, N, X, Y beruht offenbar auf spaterer 

)sichtlicher Korrektur ^). 



^) Jaffe, Monum. Bamb, p, 181 : ' commenticiam esse lianc epistulam, minime 
ifficile intellectu est». — *^) S. nu. 8, 12, 19, 2^", 30. — ^) S. oben S. 60. 
*) S. HChr. no 223 u. unten zu IX n. 10. — ^) S. HChr. n'» 228 u. unten 
IX 2. — 6) S. zu IX n. 30. 



72 Einleituns^. 

In BetrefF der Bedeutung und desWertes diesesBriefes 
fur die Geschichte des Kreuzzuges gilt dasselbe, was oben am Schluss 
der Einleitung zum ersten Brief des Patriarchen gesagt ist ^). Ein ge- 
wisses Licht auf die damahgen Verhiiltnisse im Frankenlieere wirtt die 
Bitte der Briefschreiber : die Frauen vorerst von der Pilgerfahrt nach 
dem Morgenlande zuriickzuhalten. 

Die Schreibweise ist eine sehr holperige, aber ganz im Genre 
des ersten Briefes des Patriarchen (VI) sowie desjenigen des Kaisers 
Alexios an Robert von Flandern (I), welche ebenfalls das schlechte 
MOnchslatein des Mittelalters repriisentieren, weshalb auch Riant ^) zu 
der Ansicht hinneigt, dass der Brief vom Lager des Kreuzheeres aus 
mit dem nach Riants Annahme unechten Rrief des Alexios an Robert 
von Flandern nach Reims gesendet worden sei, — doch hat Riant, 
der unsern vorhegenden Brief schon im October 1097 abgesendet wer- 
den lasst und den Alexiosbrief in die Zeit vom 28. Juni 1098 bis 
JuU 1099 verlegt, ubersehen, dass schon diese Daten, ganz abgesehen 
von den andern Griinden, welche eine viel friihere Abfassungszeit des 
Alexiosbriefes bedingen, seiner Annahme direkt entgegenstehen. 

Die verhaltnismassig zahlreichen Handschriften dieses Briefes 
sind folgende: 

I. Handschriften, welche den ganzen Brief enthalten: 

A. Paris, Nationalbibliothek, fonds lat. 5356, membr. saec. XII, 
inii, f. 136. — B. Paris, Nationalbibl., fonds latin. 13345, membr. 
saec. XII, f. 716. — C. Eine verlorene Handschrift von S. Evroul, 
welche Martene und Durand ihrer Edition des Briefes in Thes. anecdot. 
t. I, 271 zu Grunde gelegt haben. ~ 31. Eine Handschrift der konigl. 
Hof- und Staatsbibhothek zu Munchen, Clm 4594 (ehemals n^ 94 der 
Klosterbibl. zu Benedictbeuern), membr. saec. XII, fol. 36^ welche der 
Ausg. des Briefes bei Eccard. Corp. hist. med. aevi II n^ 236 p. 256 f. 
zu Grunde gelegt worden ist und Jaffe in Mon. Bamberg. n^ 92 p. 181 
benutzt hat. — N. Miinchen, konigl. Hof- und Staatsbibl., latin. 18624, 
chart. saec. XV, fol. 76. — R. Rom, Vatikanische Bibliothek, n^ 3901, 
chart. saec. XV, (2. Halfte) fol. 43^ ^. Der Brief findet sich am Schlusse 
der Hist. Hierosol. des MOnches Robert. Unter dem Stuck liest man 
von derselben Hand die Worte : „et sic est finis. sit laus Deo in cehs. 
amen. (benedictus) est nomen eius". Die nachstfolgenden Blatter im 
Codex sind leer. — V. Wien, kaiseil. Hofbibhothek, no 398 (ius can. 45), 
membr. saec. XII, fol. 105. Diese Handschrift hat auch Jatfe in Mon. 
Bamb. ^«92 p. 181 benutzt - X. Wien, kaiserl. Hofbibl., ^«3497, chart. 
saec. XV, fol. 59. — Y. Wien, ebenda n^ 3993, membr. saec. XV. 
fol. 253. — Z. Zwettl, Klosterbibliothek, n« 283, membr. saec. XIV 



1) S. oben S. 61. — '') Riant. Epist. Alexii I ad Robert. Flandr. p. Ixii : 
«rien n' enipeclie de supposer que F abbe de S. Remi ait fabrique en Orient notre, 
Epistula (Alexii I) et V ait envoye a Reims avec la pretendue lettre du patri. 
arche grec de Jerusalem : que de Reims ces 2 pieces aient ete repandues comme 
■excitatoria, et en definitive, en raison de leur celebrite, annexees plus tard a 
mistoria Hierosolymitana». AehnHcli aucli im Invent. des lettres hist. p. 20 
und 159. 



m 



IX. — Epistula Patriarcliae Hierosolyniitani ad occidentales . 73 

f. 69 . welche Handschrift ebenfalls von Jaffe in Monumenta Bam- 
bergensia n^ 92 p. 181 benutzt worden ist. 

II. Handschriften, welche mit Ausnahme der sub n verzeichneten 
entweder zu Anfang oder am Schlusse der Historia Hierosolymitana des 
Monches Robert nur Abs. 1 — 3 des Briefes enthalten: 

a. Giessen, Universitatsbibhothek, n^ 158 (olim Spanheim), membr, 
saec. XIII, fol. 173. — p. Linz, Oeffentl. Bibl. Cc IV, 10, membr. saec. 
XIII, fol. 265. — Y. Munchen, kOnigl. Hof- und Staatsbibl., M. 5374, 
chart. saec. XIV, fol. 163. — b. Munchen, ebenda 17034, membr. 
saec. XII, fol. 64. — s. Paris, Nationalbibl., fonds latin. 5508, membr. 
saec. XIV, fol. 69. — ^. Rom, Bibl. Vaticana, n*^ 1795, cop. membr. 
saec. Xn, fol. 119-129^ Der Codex zahlt 121 Blatter. Am Schlusse 
der Hist. Hieros. Roberts folgt der Brief, auf diesen derjenige des 
Kaisers Alexios an Robert von Flandern. (S. oben S. 43 cod. R.) — 
ri. Hamburg, Stadtbibliothek, hist. 31^ chart. saec. XV, f. 33 ^), ist 
von Pertz, Archiv VI, 631 beniitzt worden. — \>. Zwettl, Stiftsbib- 
liothek, n« 345, meml^r. saec. XII, fol. 67—67'^). Der Brief folgt im 
Codex unmittelbar auf die Hist. Hieros. Roberts; erst eine Hand um 
1380, w^elche uberliaupt die einzehien Teile der ganzen Historie ab- 
teilte, schrieb an den Rand: „epistula patriarchae". Nach dem Brief folgt 
der Alexiosbrief an Robert von Flandern und auf dieseu fol. 69' — 70' 
leoninische Verse: „Francorum Gesta qui uult cognoscere cuncta". — 
i. Kopenhagen, kOnigl. Bibliothek, alte kOnigl. Sammlung 2159 = 
G 245, membr. saec. XII, fol. 59. Beschrieben ist diese Handschrift 
bei Wetzel, Die Reste der Bordesholmer Bibiiothek in Kopenhagen, in 
Zeitschrift fur Schleswig-Holstein-Lauenburgische Geschichte, Bd. XIV, 
(Kiel 1884) p. 77. — x. Klosterneuburg, Stiftsbibliotliek 722, 
embr. saec. XV, f. 265. — X. Rom, BibHoth. Vaticana 3901, cop. 
art. saec. XV, 2. Halfte, fol. 1, oben uber steht in roter Tinte: «in- 
ipit Hist. Hieros". Auf den Brief folgt sofort der des Alexios an 
Robert von Fiandern (s. oben S. 43 Cod. R'). — X'. Luxemburg, 
Oeffentliche Bibhothek, n^ 42, ehemals 84^), membr. saee. XIII, fol. 114. 
— |u. Wien, kaiserl. Hof bibliothek, n^ 3497, membr. saec. XIII, fol. 1. — 
V. Wien, ebenda, n^ 3993, membr. saec. XV, fol. 96 (s. sub Y). — 
71. Miinster, Archiv, I B, 243, membr. saec. XII, welche Handschrift 
Pertz in Mon. Germ. SS. III, 14 und Jaffe in Mon. Corb. p. 65 beniitzt 
haben. — o. Wolfenbuttel, herzogl. Bibhothek 14, 15, Aug. 4, 
membr. saec. XII, im gedruckten Katalog 3053. fol. J06'. — p. Wolfen- 
buttel, ebenda, Helmst. 206 (bei Heinemann, Handschriften zu Wolfen- 
Mttel I, 1 no 239), membr. saec. XII, fbl. 186. — c5. Salzburg, Bib- 
liothek von S. Peter G IX 28, cliart. saec. XV, fol. 123^'. - &. Schaff- 
hausen, Ministerialbibhotliek, n^ 74-*), membr. saec. XIII, fol. 138, 1. — 



') Die von Riant, Invent. l.*5 gegebene Signatur dieses Cpdex : »Hambiirg 
Gm 31b membr. saec. XIV < ist unrichtig. — '^ Nicht >saec. XIV fol. 69 < wie 
'Eiant, Invent. 155 angiebt. — ») Die Angabe Riants, Inv. 155, >86<< ist irrig. 
— ; ^) Niclit >73», wie Riant, Inv. 155 angiebt. Doch war der Codex friiher 
mit dieser Nummer bezeichnet. 



74 Einleitung. 

T. Trier,Stadtbibliothek,no 1203, membr. saec.XIl, fol. 117— 117^ ^). — 
(p. Breslau, kftnigl. imd Univers. Bibliothek, Steinwehr II, Fol. 3, chart. 
saec. XVI (1508), fol. 139^-140^ — co. Breslau, ebenda, IV, 191, 
membr. saec. XIV, am Ende des Bandes fol. 140. 

Alle diese bisher genannten Handschriften sind von uns zur Edi- 
tion des Briefes J)enutzt worden. Bekannt sind noch folgende, welche 
nur das Fragment des Briefes enthalten und zur Edition nicht beige- 
zogen worden sind: Eine Handschrift von Mailand, Bibl. Brera AE Xll, 
chart. saec. XV, f. 43; eine in Versailles, Bibl. Madden , chart. 
saec. XII; zwei in Wien, kaiserl. Hofbibliothek, n^^^^^O, chart. saec. XV, 
f. 1 und no 9779, chart. saec. XVII, f. 79. 

Gedruckt ist der ganze Brief bei Martene und Durand, The- 
saur. anecdot. I, 272 nach einem verloren gegangenen Manuscript von 
S. Evroul; sodann bei Eccardus, Corpus hist. med. aeui II n'^ 236, 
pp. 256 — 257, und bei Jaffe, Monum. Bamberg. n^ 92, p. 181 f. Die 
zwei zuletzt genannten Ausgaben bieten die Version des Codex Udal- 
rici Babenbergensis. Die bei Martene und Durand in Thesaur. anecd. 
gebotene Version haben wir in den Variantennoten sub C verzeichnet; 
die von Eccard gegebene ist diejenige des Cod. 31, und die von Jaffe 
ist identisch mit den Codd. 31. Y und Z. 

Das Fragment des Briefes ist gedruckt in der Editio prin- 
ceps der Hist- Hierosol. des MOnches Robert (Koln, Ter-Hoeruen ca. 
an. 1470) aus einem jetzt verloren gegangeiien Codex; dann bei Martene 
in Ampliss. Coll. V, 535 auf Grund eines ebenfalls verloren gegangenen 
Codex von Himmerode; sodann von Pertz im Archiv AT p. 631 nach 
dem oben sul) n genannten Codex der Hamburger Stadtbibliothek ; von 
Jaffe in Monum. Corbeiensia p. 65 nach dem olDen erwahnten Codex tt; 
endlich im Rec, Hist. occid. V, 382 als Schluss des Breuiarium Pas- 
sagii in Terram Sanctam des Hugo von Lerchenfeld. 

Die sub M. V. Z verzeichneten Varianten haben wir aus Jaffe,. 
Mon. Bamb. p. 188 ff'. und die sub jt verzeichneten aus Jaffe, Mon. 
Corbei. p. 65 entnommen. 

Uebersetzungen des Briefes sind vorhanden: ins FranzO- 
sische: bei Michaud, Hist. de crois. I. (ed. I) pp. 545 — 547, in ed. 
Bruxelles 1841 t. II, 193; l)ei Roger, La noblesse de France aux crois. 
141 — 142; bei Yanoski et David, La Syrie p. 279; bei Peyre II, 492 
— 493. — Ins Italienische: Michaud, Storia della crociate, trad. L. 
Rossi (Milano 1811) II, 229; idem, trad. Ambrosoli (Milano 1831) I, 
554. — Eine altdeutsche Uebersetzung der Absatze 1 — 3 des 
Briefes findet sich im Codex der Universitatsbibliothek zu Breslau IV, 
f. 105, chart. saec. XV, fol. 145 von Peter Eschenloer; eine andere 
von einem unbekannten Verfasser in der Handschrift der Miinchener 
Hof- und Staatsbibliothek Cgm 224, fol. 144-145. 

Erlauterungsschriften sind: Mailly, L' esprit des crois. I, 
LXIX (deutsche Uebersetzung I, 69); Sybel, Gesch. des ersten Kreuz- 
zuges, 1. Aufl. S. 14; Peyre, II, 415, 491; Riant, Epistula Alexii 



Nicht fol. 2, wie Riant, Inv. 155, verzeiclmet. 



X. — Epistula 11 Stephani comitis Carnotensis al Adelam suam. 75 

Komn. praef. p. lix; Riant, Inventaire p. 156 — 159; Pottliast, Biblioth. 
hist. med. aevi I, 411; Jaffe, Monumenta Bambergensia, p. 182; Koliler 
in Recueil, Hist. occid. V p. civ.; HCIir. n« 228. 



X. 

Epistula II Stephani comitis Carnotensis ad Adelam 
uxorem suam. 

(Geschrieben am 29. Miirz 1098 aus dem Lager vor Antiochien). 

Dieser zweite noch vorhandene Brief des Grafen Stephan von Blois^) 
ist amTage nachOstern, den 29. Marz 1098, von Stephans Kapian Alexan- 
der ^) geschrieben worden, welcher den Inhalt entweder selbstandig auf 
blosses Geheiss seines Herrn hin oder, was wahrsclieinlicher ist, auf dessen 
Diktat zu Papier gebracht hat. Allem nach sind Abs. 16 und 17 vom 
Grafen selbst noch angefugt worden. An seiner Echtheit ist nicht zu 
zweifeln, welche auch noch nie unseres Wissens angefochten worden ist. 

Stephan wiinscht den Seinigen in der Heimat Gnade und Segen 
(Abs. 1) und wendet sich an seine Frau, der er mitteilt, wie er bei 
guter Gesundheit sich befinde und schon 23 Wochen mit dem Kreuz- 
heere vor Antiochien liege (Abs. 2). Er versichert sie, dass er jetzt 
doppelt soviel besitze, als er bei seiner Abreise von Hause aus b6- 
sessen liabe, sowie dass die Fiirsten ihn zum Verwalter und Leiter 
des Heeres ernannt liatten (Abs. 3); er erinnert sie daran, dass das 
Kreuzheer nach der Einnahme Nicaeas in einem schweren Kampfe die 
urken besiegt habe, dann durch Romanien und Kappadocien gezogen 

in welch' letzterem Lande der Tijrkenfurst Assam bekriegt und 
u dessen fernerer Bekampfung einer der Kreuzzugsfiirsten zurtickge- 
lassen worden sei (Abs. 4). Beim Durchzug durch Armenien habe 
man die Turken bis zum Euphrat verfolgt, die verwegeneren derselben 
seien nach Antiochien geeilt (Abs. 5). Vor Antiochien hatten die Kreuz- 
fahrer 7 mal mit denselben gekampft und sie besiegt, wobei allerdings 
sehr viele der Mitbruder umgekommen seien (Abs. 6). Nach Antiochien 
seien 5000 Tiirken und eine unzahhge Menge aus allerlei andern Volkern 
zusammengestromt (Ass. 7). Viele Muhe und unzahlige Leiden hatten 
sie bei dieser Belagerung schon erduldet (Abs. 8), den Belagerten seien 
5 Emire mit 12000 auserlesener turkischer Mannschaft zur Hilfe geeilt 
(Abs. 9), welche jedoch mit Gottes Hilfe in der Ebene der Eisenbrucke 
glanzend besiegt wurden (Abs. 10). Der Kaiser von Babylon (Kairo) 
habe durch eine Gesandtschaft einen Freundschaftsvertrag mit den 
Kreuzfahrern abgeschlossen (Abs. 11). Behufs eines auf Beschluss der 
Fursten zu errichtenden Kastells vor dem Briickenthore seien Boemund 
, mid Raimund nach dem Meere gezogen, um hiezu Seeleute zu holen,. 



^. 



^) Ueber die Person Stephans s. Einleitung S. 48 f, — ^) Ueber den Kaplan 
Alexander s. zu X n. 91. 



76 Piinleitung. 

aber auf ihrer Ruckkehr nach dem Lager von den Tilrken bei einem 
Verkiste von 500 Mann in die Flucht geschlagen worden (Abs. 12), 
doch hatten die als Sieger zuriickkehrenden Turken durch die aus dem 
Lager herausgekommenen Kreuzfahrer beim Briickenthore eine voUstan- 
dige Niederlage erlitten, wobei 1230 auf Seiten der Turken und nur 
einer auf Seiten der Kreuzfahrer gefallen seien (Abs. 13—15). Ein 
weiterer siegreicher Kampf mit den Turken habe am Tage nacb dem 
Osterfeste, d. i. am 29. Marz 1098 stattgefunden (Abs. 16). Zum 
Schlusse mahnt Stephan seine Gemahlin, im Hinblick auf die ihr ob- 
liegenden Pflichten eine fursorgliche Thiitigkeit zu entfalten und stellt 
seine baldige Ruckkehr in Aussicht (Abs. 17). 

Die Angaben in diesem Briefe sind fur die Geschichte des 
Kreuzzuges von besonderem Werte und dienen in mancher 
Beziehung nicht nur zur Beglaubigung einiger auch von audern Schrift- 
stellern erzahlten Thatsachen, sondern bieten auch in einigen Punkten 
durchaus Neues, woriiber uns anderwiirts nichts berichtet wird. Zu 
den letzteren gehOren: Die Erwahnung einer am Ende Marz 1098 von 
Stephan bewerkstelligten Botensendung an seine Gemahlin, sowie dass 
Stephan sich stets einer gulen Gesundheit zu erfreuen gehabt habe 
(Abs. 2), der Kampf gegen den Ftirsten Assan in Kappodocien (Abs. 4), 
sodann dass bis zum 29. Marz 1098 vor Antiochien schon 7 Schlachten 
geschlagen worden seien (Abs. 6), die Angabe der Zahl der Tiirken in 
Antiochien, als das Kreuzbeer vor dieser Stadt aufmarschierte (Abs. 6), 
die Zahl der von den Kreuzfahrern bis zum 31. Marz 1098 eroberten 
syrischen Stadte und Burgen (Abs. 1 0), der siegreiche Kampf der Kreuz- 
fahrer vor Antiocbien am Osterfeste 1098 (Abs. 16), und die Bemerk- 
iing, dass Alexander, der Hofkaplan Stephans, diesen Brief geschrieben 
habe (Abs. 16). 

Wir glauben nicbt zu irren, wenn wir annehmen, dass dem Ano- 
nymus der Gesta Francorum unser Brief wohlbekannt gewesen ist, denn 
Abs. 14 desselben und Gesta XVIII, 5 weisen so auffallende Aehnlich- 
keit auf, dass eine Beniitzung des Briefes vonseiten des Anonymus sehr 
nahe liegt, wodurch ebenfalls unmittelbar das Alter des Briefes mitbe- 
statigt ist ^). 

Von diesem Schreiben existiert noch ein Manuscript aus dem 
XII. Jahrh. auf der Pariser Nationalbibhothek, lat. 14192 in 8« fol. 23 
— 26, w^elches in den bisherigen Druckausgaben noch nicht benutzt ist, 
<3essen Collation zu der vorliegenden Ausgabe mir Herr Ch. Kohler 
in Paris gtitigst besorgt hat und dessen Varianten am Fusse des Textes 
sub sign. A aufgefiihrt sind. 

Gedruckt ist der Brief in d'Achery, Spicilegium (I. ed.) t. IV, 
227 auf Grund eines ehemals dem Adrianus Valesius geh5rigen, jetzt 
verloren gegangenen Manuscripts. Die Varianten dieser Ausgabe sind 
in der unsrigen sub D verzeichnet. Identisch mit der Edition des 
Briefes in der 1. Ausgabe des Spicilegiums ist auch der Abdruck in 
der zweiten t. III, 430, sowie derjenige im Recueil des Hist. des crois., 



•) Vgl. a. n. 82—84. 



X[. — Epistula II Alexii I Komneni ad Oderiaium abb.item Casinensem. 77 

Hist. occ. III, 888 — 890; wir haben die Varianten der letzgenannten 
Ausgabe in der unsrigen sub sig. R aufgefiihrt. 

Uebersetzt ist der Brief ins Franz5sische bei Prat, Pierre 
1'Hermite p. 223—225 und bei Peyre, Hist. de la I. crois. II, 475—479. 

Als Erlauterungsschriften sind anzufuhren: Hist. litt. de la 
France IX, 265 — 273; Mailly, L'esprit des crois. I, Ixii— Ixiii (deutsche 
Uebersetzung I, 61 f.); Michaud, Hist. des crois. I ed. t. VI (Bibhogr. 
des crois.) p. 345 — 347, und in Bibliotheque des crois. t. I, 445; Sybel^ 
Gesch. des ersten Kreuzzuges S. 10 — 11; Rec, Hist. occ. III, Ivii — 
Iviii; Riant, Invent. 168 ff.; HG 353; Potthast, Bibl. hist. medii aevi II^ 
1031 und HChr. n^ 253. 



XI. 

Epistula II Alexii I Komneni ad Oderisium I de Marsis 
abbatem Casinensem. 



(Geschrieben im Jiini 1098 aus Constantinopel). 



m^ Alexios hatte von Oderisius ein Schreiben erhalten (Abs. 1, n. 2)^ 
welches eine Anfrage enthielt, die der Kaiser nicht unbeantwortet lassen 
konnte. Die Anfrage bezog sich auf die Verpflegung der Kreuzfahrer 
(Abs. 3). Dass Oderisius eine dahingehende Anfrage uberhaupt an den 
Alexios gerichtet hat, durfte wiederum wie bei dem sub V von uns edierten 
seinen Grund darin haben, dass solche, die vom Kreuzheer wieder zu- 
riickgekehrt waren, sicher ihre Riickkehr auch damit zu entschuldigen 
suchten, dass sie uber die Griechen nichts Gunstiges ausserten und 
dem im J. 1097 vornehmlich zur Geltung gekommenen Hasse im Kreuz- 
zugsheere auch Anklagen folgen liessen, welche dem mit Alexios in 
freundschaftlichem Verkehre stehenden Abte von Monte Casino das 
Begehren nach Aufschluss uber die von dem griechischen Kaiser ver- 
sprochene Hilfeleistung nahe legten. Der Kaiser erwiderte ihm, dass 
er (Alexios), dem ein so hohes Amt anvertraut sei und der die unzah- 
ligen Wohltaten, die Gott ihm und seinen Unterthanen erwiesen habe, 
wohl erkenne, nicht frei sei von Siinden, ja selbst sich als den gr5ssten 
Siinder wisse, das aber von Oderisius ihm dennoch gespendete Lob 
gereiche ihm zur Selbsverurteilung. Offenbar liegt in diesem Sell)st- 
bekenntnis des Kaisers ein Zugestandnis, dass er auch in dem, was ihm 
zum Vorwurf gemacht werde, als hal)e er giinstigstenfalls nicht alles 
gethan, was den Kreuzfahrern gegeniiber seine Pflicht gewesen sei — 
die Hauptanklage gegen ihn zielte ja dahin ab, dass er den Kreuz- 
fahrern durchaus feindselig gesinnt gewesen sei und sie zu Wasser 
und zu Land zu verfolgen getrachtet habe, s. zu IV, 12 n. 65 — sich 
einigermassen als schuldig erkenne, allein, sagt er im Briefe weiter^ 
was er in betreff der Unterstiitzung der Kreuzfahrer, um welcher willen 
Oderisius eine Anfrage an ihn gerichtet, habe thun konnen, das habe 
er gethan: ihnen Hilfe und Rat nach bestem Vermogen gewahrt und 



78 p]inleitung. 

wie eiii Vater fur sie gesorgt, wobei er iiiclit unerwahnt lasst (Abs. 3), 
welch' grosse Unkosten ihm dadurch verursacht worden seien. Den- 
noch wiirde er ein zweites Mal wieder also handehi, zudem ja die Kreuz- 
fahrer ausser von Gott von Niemand anderem als ihm Hilfe zu ge- 
w^artigen hatten. Auch sei denselben bisher das Gluck gunstig gewesen, 
wenn auch eine grosse Zahl derselben das Leben verloren hatte, welclie 
w^ohl jetzt die ewige Seh'gkeit besassen, da sie in guter Absicht in den 
Tod gegangen seien. 

Gegen die Echtheit des Inhaltes unseres Briefes lasst sich 
nichts vorbringen. Der Schreiber bezw. Uebersetzer ist offenbar ein 
und dieselbe Person , welche auch den sub V edierten verfasst 
bezw. aus dem Griechischen ins Lateinische ilbersetzt hat: bei beiden 
der namliche holperige Stil und dieselben stereotypen Ausdrucke: ich 
verweise auf die in beiden vorkommenden gleichen Worte: imperium 
meum fiir ego, opus habere, operari, circa in der Bedeutung von „was 
betrifft", usque praesens, usque hodie, sanctissima urbs Constantinopolis. 

Die Abfassungszeit ergiebt sich aus dem zu nn. 14, 19, 20 
Gesagten. Tatigios hat sich Ende Januar 1098 vom Lager vor Anti- 
ochien entfernt, er ist wohl Anfangs Marz wieder bei Alexios einge- 
troffen oder hat zu dieser Zeit ihn von seinem Wegzuge benachrichtigt 
gehabt. Von da an dachte der Kaiser an einen neuen Hilfezug (Abs. 4). 
Das Sclireiben ist jedenfalls vor des Kaisers Zurustung zu diesem neuen 
Hilfezug, also hOchst wahrscheinlich noch zu Anfang Miirz 1098 ge- 
schrieben worden und wurde durch den Kuropalaten Johannes ^) dem 
Oderisius nach Monte Casino iiberbracht. Petrus Diaconus im Chron. 
Casin. p. 770 berichtet dariiber folgendes: „Alexius imperator Constan- 
tinopolitanus per Johannem, choropalagium suum, transmisit beato Bene- 
<licto uestem de dorso suo oxide auratam, quem profecto legatum prae- 
dictus abbas honorifice satis suscepit, eundemque imperatorem particem 
bonorum quae in Casino operantur, interpretum manere constituit, le- 
gatumque suum cum litteris ad eum direxit, per quas Christianos, qui 
ad expugnandam paganorum perfidiam Jerosolymam perrexerant, illi 
commendare curauit ac praelationem et curam domus peregrinorum, 
quae in Casino est, ad remissionem omnium peccatorum ei gerendam 
iniunxit, pari etiam modo litteras Goffrido, regi Jerosolymitano, ac Boe- 
mundo, principi Antiocheno, ne imperatorem debellarent, transmittere 
studuit". Es versteht sich nun von selbst, dass der Palastbeamte Jo- 
hannes an den Abt von Monte Casino von seinem Herrn auch mund- 
liche Auftrage zu bestellen gehabt und sich des Naheren ttber die Lage 
des Kreuzheeres auszusprechen gewusst hat, sodann entnehmen wir aus 
den Worten des Petrus Diaconus, dass auch Oderisius ein Schreiben 
an den griechischen Kaiser gesendet hat, worin er diesem seinen Segen 
mitgeteilt, ihm ohne Zweifel fiir das empfangene golddurchwirkte Ge- 
wand gedankt und ihm fur das Wohl der Kreuzfahrer zu sorgen ans 
Herz gelegt hat. Wenn er aber zu gleicher Zeit auch Briefe an den 
Konig Gottfried von Jerusalem und an Boemund, den Fiirsten von 
Antiochien, mitgegeben haben soU, so sind jedenfalls die Titel, welche 



S. zu Gesta V, n. 3 und Anna Komn. ecl. Bonn. II. G14. 



XI. — Epistula Boemundi ad uniuersos Christi fideles. 79 

Petrus deii beiden Fursten beilegt, ein Beweis, dass diese Mitteilung 
aus spaterer Zeit herriihrt. Doch scheint auch von dem Chronisten 
mit seiner Schlussbemerkung nichts weiter gemeint zu sein, als: Ode- 
risius habe auch spater in ahnlicher Weise wie an Alexios so an Boe- 
mund und Gottfried geschrieben, sodass durch diese Bemerkung unsere 
Annahme von der im Marz oder April 1098 stattgefundenen Absendung 
des vorliegenden Briefes und dessen Ankunft im Juni 1098 in Monte Ca- 
sino keineswegs alteriert wird. 

Das einzige noch vorhandene Manuscript des Briefes 
ist im Codex Casinensis, Registr. Petri Diaconi n^ 146 f. 67 '^ (A), 
nach welchem auch die Druckausgaben gefertigt sind, namUch: bei Gat- 
tula, Hist. abb. Casin. II, 923 (Gf); bei Muratori, Antiq. Ital. V, 388 (M), 
und als w^ortlicher Abdruck von dieser Ausgabe im Rec. des Hist. de 
la France XIV, 725; sodann bei Tosti, Storia di Monte Casino II, 93 (T); 
Trinchera, Syllabus n^ 66 p. 83 (Tr) und Riant, Epist. Alexii ad Robert. 
Flandr. p. 44 (R). Vgl. a. oben S. 59. 

Als Erlauterungsschriften sind anzufiihren ausser Gattula I, 
158 und Muratori V, 388: die beiden Schriften Riants: Epist. Alexii 
praef. Ixxii— Ixxiv und Invent. p. 167 — 171, sowie HClir. n^ 293. 

I 

^P Als Absender dieses Schreibens w^erden Boemund und Raimund, 
sodann Gottfried und Hugo der Grosse, als die Empfanger „die hohen 
und niederen Christen des ganzen Erdreichs" genannt (Abs. 1). Ein 
Abgesandter vonseiten der Absender solle, so wird im Schreiben her- 
vorgehoben, miindlich Bericht erstatten iiber den zwischen den Kreuz- 
fahrern und dem griechischen Kaiser geschlossenen Friedensvertrag und 
uber die Ereignisse, welche inzwischen seit der Ankunft des Kreuzheeres 
im Lande der Sarazenen vorgekommen seien. Der Kaiser habe den 
Kreuzfahrern seinen Neffen und Schwiegersohn als Geiseln ubergeben und 
versprochen, dass fernerhin kein Pilger mehr belastigt werden solle, 
zu dem Behufe er auch seine Protopatronen nach Durazzo gesendet 
habe (Abs. 2, 3). Was bei ihnen gewiss grosse Freude hervorruten 
werde, sei die Nachricht von der Ende Mai (bezw. 16. Mai) stattge- 
fundenen siegreichen Schlacht und der Einnahme Nicaeas, sowie des 
siegreichen Kampfes bei Antiochien (Abs. 4, 5). Auf das Allerheihgen- 
fest habe der Perserkiinig eine weitere Schlacht in Aussicht gestellt; 
wenn er dieselbe verlieren wiirde, so wiirde er mitsamt seinen Ver- 
bundeten das Christentum annehmen, weshalb sie, besonders aber am 
^9. October, wo sie die Schlacht schlagen wollen, durch Fasten, AI- 



XII. 

Epistula Boemundi, Roberti Guiscardi filii, Raimundi 
Aegidii, Godefridi ducis et Hugonis Magni ad uniuersos 
Christi fideles. 

toeschrieben im April oder Anfangs Juli 1098 aiis Antiocbien). 



80 Einleitung. 

mosenspenden und Gebete ihre Unterstiitzung ihnen zuteil werden lassen 
sollen (Abs. 7). Dieses Schreiben hat der Bischof von Grenoble em- 
pfangen, welcher es an den Erzbischof und die Geistlichen der DiOcese 
von Tours iibersendete , damit diese den Inhalt desselben bekannt 
machten und dem Kreuzheere durch Wort und That die nOtige Unter- 
sttttzung zuwendeten (Abs. 8). 

Nach den Worten Abs. 2 diente das Schreiben als Legitimation 
fiir den Trager und Ueberbringer desselben; nach Absatz 7 und 8 ist 
es dem Bischof Hugo von Grenoble jedenfalls vor dem 29. October 
1098 tibersendet worden, denn jener „tertius dies ante festum, qui est 
dies Veneris'* ist sicher Freitag, 29. October 1098 — nicht etwa 1097 
oder 1099. Es ist hieraus zu folgern, dass einige Zeit vorher, wahr- 
scheinlich gegen Mitte Octobers, allerwenigstens im Spatsommer 1098, 
dasselbe von Grenoble nach Tours abgesendet worden ist. 

Im engsten Zusammenhange mit der Zeit seines friihesten Bekannt- 
gewordenseins im Abendlande steht die Frage nach der Zeit seiner 
Abfassung. Nach SybeP) und Riant ^) ist es Anfangs Juli 1098, 
nach der gegen Kerboga vor Antiochien gelieferten siegreichen Schlacht 
und vor der Absendung Hugos des Grossen aus Antiochien nach Con- 
stantinopel von den genannten Kreuzzugsfiirsten abgefertigt worden, da 
ja Hugo der Grosse unter deii Absendern des Briefes genannt werde. 
Diese Annahme ist allerdings insofern richtig, wenn man unter dem 
Abs. 5 genannten „magnum bellum apud Antiochiam" die gegen Kerboga 
am 28. Juni 1098 geschlagene Schlacht zu verstehen hatte. Uns scheint 
aber, wie wir dies auch in n. 27 ausgefiihrt haben, mit dieser Bezeich- 
nung nicht eine- einzelne Sclilacht, sondern der ganze lange Belagerungs- 
krieg zwischen den Kreuzfahrern und den Turken vor Antiochien ange- 
geben zu sein, und zwar bis zu der Zeit, als das Gerucht im Franken- 
lager umlief, dass man vonseiten der Perser friiher oder spater einen 
AngrifT zu erwarten habe, welchen man damals, 5 — 6 Wochen vor der 
Einnahme Antiochiens — es war wohl Ende April 1098 — bis tief ins 
Spatjahr hinein verlegte. Daher ist es auch erktarlich, dass im Briefe 
der Eroberung Antiochiens mit keiner Silbe, dagegen derjenigen Nicaeas 
als eines ganz hervorragenden Ereignisses gedacht wird. Denn es begt 
doch nalie, dass der Briefschreiber die Einnahme der syrischen Haupt- 



Sybel, Gescli. d. ersten Kreuzz. 13 (14): »Martene, der den Brief zuerst 
herausgegeben, setzt ihn zu 1097, docli ist er offenbar aus dem Monat Juli 1098 
zu datieren«. S. 446 (376): »Die Fiirsten waren unterdess (seit dem 28. Juni 
1098 und der Sendung Hugos nacb Constantinopel) ubereingekommen, den Som- 
mer verstreichen zu lassen, ehe sie die erschopften Truppen neuen Anstrengungen 
aussetzten. Sie machten bekannt, es moge ein jeder sich nacb Kraften verpflegen 
und riisten (?), erst am Allerbeiligentage werde man sicb wieder in Bewegung 
setzen. Gleicbzeitig meldeten sie in einem Scbreiben an alle Gbaubigen des 
Abendlandes, auf den genannten Tag babe der Cbalif, der Konig der Perser, wie 
sie sagen, ibnen einen neuenKrieg angekundigt< und nun erzablt aucb Sybel, wie 
der eine der Fiirsten dabin, der andere dortbin zog: die einzelnen Fiibrer lebten 
auf den Besitzungen in der Nabe Antiocbiens. Konnten sie aber also verfabren, 
wann sie in der Tbat einen neuen Kampf am 1. November zu besteben batten? 
— -) Riant, Inv. 176: »1' epistola a du etre ecrite entre le 28 juin, date de la 
defaite de Kerbogba et le milieu de juillet, epoque du depart pour Constan- 
tinople de Huguea-le-Maine. 



XII. — Epistiila Boemundi ad uniuersos Cliristi fideles. 81 

stadt zu erwahneii nicht unterlassen haben wiirde, wenn sie damals 
thatsachlich schon erfolgt gewesen ware. Sodann tritt uns ein unlOs- 
barer Widerspruch entgegen zwischen der hOchst befremdenden Nach- 
richt des Schreibens, dass am 1. November 1098 ein Kampf mit den 
Persern und Babyloniern stattfinden w^erde, und der Thatsache, dass im 
Frankenheere zu Antiochien nach der Schlacht am 28. Juni 1098 Nie- 
mand etwas davon weiss und kein einziger gleichzeitiger Scliriftsteller 
eine dahinzielende Bemerkung gemacht hat. Denn gerade in der Zeit 
zwischen dem 28. Juni und 1. November 1098, dem Tage des beab- 
sichtigten Wegzuges der Kreuzfahrer von Antiochien, waren die Fursten 
derart sorglos und fuhlten sich vor ihren Feinden so sicher, dass Raim. 
262 D schreiben konnte: „etenim eo tempore ita territae atque confectae 
timore Saracenorum ciuitates in fuga Turcorum fuerunt, ut, si tunc 
equitassent nostri Franci, non esset usque in Jerusalem ciuitas, quae 
lapidem, ut nos credimus, eis remitteret". Im April und Mai 1098 
konnte man noch im Lager der Franken in der Befiirchtung leben, dass 
ein schwerer Kampf gegen die Ferser bevorstehe, nicht aber im Juli 
1098, nachdem Kerboga geschlagen und von den Kreuzfahrern der 
grosse Sieg am 28. Juni errungen war. Einen weiteren Grund, dass 
der Brief wohl vor Mai 1098 verfasst worden ist, mag man auch darin 
finden, dass der Verfasser den Kampf bei Nicaea in den Monat Mai 
verlegt — und zwar Mai 1097, der nachstfolgende Mai 1098 konnte 
wohl noch nicht verflossen gewesen sein, als er den Brief geschrieben 
hat, ansonst seine Leser in die Irre gefuhrt worden waren und mOg- 
licherweise jenen Kampf als im Monat Mai 1098 vorgekommen hatten 
annehmen kOnnen, w^as offenbar in der Intention des Briefschreibers 
nicht gelegen war. Nichtsdestoweniger aber ist es, wenn man auf das 
Fehlen der Nachricht von der Eroberung Antiochiens sowie auf die 
Mitteilung, dass der Kampf bei Nicaea Ende Mai stattgehabt habe, kein 
besonderes Gewicht legen, dagegen die Worte Abs. 5: „quis tale gau- 
dium uidit" besonders betonen und darin die Bezugnahme auf ein be- 
sonderes vor andern hervorragendes Vorkommnis finden will, immer- 
hin mOghch, dass unter „magnum bellum apud Antiochiam" auch der 
Kampf gegen Kerboga als mit inbegriffen zu erklaren ist: der Brief 
wurde in diesem Falle spatestens Anfangs Juli 1098 verfasst worden 
sein. Wir vermOgen darum auch dieser Annahme, welche von Sybel 
und Riant befiirwortet ist, ihre Berechtigung nicht abzusprechen, wenn 
wir auch nicht umhin kOnnen, derjenigen, welche die Abfassung des 
Briefes in den April 1098 setzt, den Vorzug einzuraumen. 

Der Brief war nebst dem, dass er seinen Ueberbringer legitimieren 
sollte, einExcitatorium — wenigstens wurde er als solches voni 
Bischof Hugo von Grenoble verwendet, denn nicht ohne bestimmte Ab- 
sicht wird in demselben hervorgehoben, dass die Pilger den Weg durch 
das griechische Reich jetzt ungehindert zuriicklegen kOnnen, welche 
Mitteilnng fiir die, welche die Reise zu machen gedachten, immerhin 
beruhigend gewirkt haben muss, zudem es auch im Abendlande nicht 
unbekannt geblieben war, wie die Schaaren der Kreuzfahrer auf ilirem 
Zuge nach Constantinopel gar mancherlei Belastigung und offener An- 
feindung vonseiten der Griechen ausgesetzt gewesen seien, auch nOtigt 

HageQineyer, Epistulae et Chartae. Q 



82 Einleitung. 

die Bemerkung im Briefe Abs. 2, dass ein Legate vonseiten der Fursten 
der Ueberbringer des Briefes sein werde, der Nilheres iiber den Ver- 
lauf des Zuges zu berichten habe, anzunehmen, dass dessen weitere 
Aufgabe nur die sein konnte, auch fiir die Kreuzzugssache zu werben. 
Wer nun dieser Legate gewesen und ob er selbst auch nach Gre- 
noble gekommen ist und den Brief dem Bischof Hugo uberbracht hat, ist 
nicht mehr zu bestimmen. Die Beantwortung dieser Frage durfte aber 
mit der Frage nach der Verfasserschaft desselben immerhin sehr 
enge verwoben sein. Aus dem Eingang des Briefes muss zunachst ge- 
folgert werden, dass die dort genannten Heerfuhrer, wenn auch nicht 
die Verfasser selbst, so doch die Auftraggeber zur Abfassung desselben 
gewesen sind, so dass entweder einer derselben oder ein durch sie be- 
rufener Schreiber den Inhalt niedergeschrieben habe. AUein gerade der 
Inhalt ist keineswegs dazu angethan, dass wir ohne Weiteres denselben 
als von den genannten Fiirsten herruhrend annehmen kOnnen, vielmehr 
geneigt sind, den ursprunglichen Verfasser unter jenen zu suchen, welche . 
dem Kreuzheere den Riicken gekehrt und die Heimat wieder aufgesucht 
haben, der im vorUegenden Falle unter Vorgabe eines vonseiten der 
Heerfiihrer ihm gewordenen Auftrages damit das UngehOrige und An- 
stossige seiner Riickkehr zu verdecken gesucht hat. Dafiir sprechen 
wenigstens die teils vagen, teils unwahren Angaben, welche dem Leser 
mit Recht als hOchst auffallend und wenig Vertrauen erweckend er- 
scheinen miissen: so vornehmlich die irrige Datumsangabe einer Ende 
Mai geschlagenen grossen Schlacht, in der auf Seiten der Feinde 30000 
und auf Seiten der Franken 3000 gefallen seien und nach welcher mau 
jenen eine ungeheure Menge Gold, Silber und wertvolle Gewander so- 
wie Waffen abgenommen und alle Kreuzfahrer mit bedacht habe (Abs. 4) ; 
ferner dass ein „magnum bellum" bei Antiochien geschlagen wurde, 
wobei auf Seiten der Feinde 70000 und auf Seiten der Franken 10000 
gefallen seien ~ sofern unter „magnum bellum" ilberhaupt eine einzige^ 
Schlacht verstanden werden soll (Abs. 5) ; sodann die angeblich be- 
stimmte Anzeige des rex Persarum, dass er mit dem rex Babyloniae 
den Kreuzfahrern auf Allerheihgen eine Schlacht zu liefern gedenke und i 
dabei versprochen habe mit seinen Verbiindeten das Christentum an- 
nehmen zu wollen, im Falle er die Schlacht verheren soUte (Abs. 6) 
endlich dass der 29. October von den Kreuzzugsfursten zu einem Schlachti 
tag gewahlt worden sei, von welchem Vorhaben aber in den iibrigen' 
Quellen nirgends je einmal die Rede ist (Abs. 7): Alle diese An-. 
gaben, welche mit den thatsachlichen Verhaltnissen in direktem Wider^ 
spruche stehen, was wir auch in den Erlauterungen nachgewiesen zi 
haben glauben, sind keineswegs dazu angethan, die Abfassung des Briefes 
bezw. dessen Absendung als von den Fursten ausgegangen zu betrachtei 
und es liegt nahe, einen Falscher als den ursprunglichen Verfasser an-^ 
zusehen, der aus eigener Machtvollkommenheit sich den Legatenberi 
angedichtet und damit seiner vorzeitigen Ruckkehr von seiner Pilgei 
reise den Mantel der Ehrbarkeit und Pflicht umzuhangen verstandei 
hat. Ja es ist die Annahme nicht ausgeschlossen, dass der Inhalt diesei 
Epistula auf Grund von blossem HOrensagen, vielleicht mit Wissen des 
Bischofs von Grenoble, eines hervorragenden und eifrigen Kreuzzugsi 



I 



XII. — Epistula. Boemundi ad uniuersos Cliristi fideles. 83 

predigers (s. ii. 39) im Abendlaiid fabriziert worden sei, dem es ja ganz 
besonders darauf ankam, dass das Unternehmen auch fernerhin seine 
Unterstiitzung erhalte, und der selbst von dem einen oder andern soge- 
nannten „Stricklaufer" Kunde iiber einzebie Vorfalle wahrend des Kreuz- 
zuges erhalten hat. 

Wenn wir es demnach fur hOchst unwahrscheinlich halten, dass 
der Inhalt des Briefes auf Veranlassung der Fursten zuruckzufuhren ist 
und es hochst zweifelhaft ist, dass sie zur Abfassung den Auftrag ge- 
geben haben, vielmehr ein unbekannter Kreuzfahrer sich veranlasst ge- 
sehen hat, das Schriftstuck zu verfassen und demselben den Namen 
der Kreuzzugsfuhrer voranzusetzen, um seinem Schreiben und seiner 
vorzeitigen Riickkehr ein besonderes Gewicht zu geben, ja es auch 
zweifelhaft ist, ob der Schreiber den ganzen Zug bis zum Fruhjahr 1098 
mitgemacht habe oder vielleicht erst mit jenen im November 1097 in 
S. Simeonshafen eingetroffenen genuesischen Scbiffen ^) nach dem Morgen- 
lande gekommen war, so dass ein gewisser Zusammenhang zwischen 
dem in Genua im Jahre 1096 anwesenden Kreuzprediger Bischof Hugo 
von Grenoble und dem Verfasser bezw. Ueberbringer des Briefes be- 
standen hat — so viel ist als sichere Annahme zu verzeichnen, dass 
der Brief im Spatjahr 1098 vom Bischof Hugo von Grenoble an den 
Erzbischof Rudolph II. von Tours und dessen Klerus gesendet worden 
und demnach als ein mit den darin geschilderten Verhaltnissen anna- 
hernd gleichzeitiges Schriftstiick anzusehen ist, das fiir uns insofern 
ganz besonderen Wert hat, als man darin die Art und Weise kennen 
lernt, wie es vielfach mit den sogenannten Excitatorien damals betreffs 
ilirer Abfassung und Verbreitung gehalten worden ist. Ganz besonders 
wirft das interessante Postscriptum (Abs. 8) ein Licht darauf, wie man 
im Abendlande dem Kreuzzugsunternehmen nachzuhelfen gesucht hat. 
Welchen Erfolg Bischof Hugo damals erzielte, daruber sind wir nicht 
unterrichtet. 

Dies Excitatorium scheint Albert von Aachen gekannt und in seiner 
Historia Hierosolymitana verwertet zu haben. S. n. 18. Sicher ist, 
dass es seinerzeit vom Verfasser jenes Briefes benutzt wurde, w^elcher 
spater einen ahnlichen Aufruf ins Abendland gesendet hat, der auf Grund 
des in Abs. 6 gegebenen Gedankens in fast gleichen Worten gefertigt, 
im Codex Udalrici Babenbergensis uns erhalten und von Eccard in 
Corpus Hist. med. aevi t. II, p. 237 sowie von Jaffe in Monum. Bam- 
berg. p. 317 unter der Ueberschrift: „Patriarcha et Balduinus I, rex 
Hierosolymitanus, omnes Christianos opem rogant" ediert worden ist. 
S. a. das zu XII n. 34 Bemerkte. 

Handschriften dieses Briefes sind noch 3 vorhanden und in 
unserer Ausgabe benutzt: 

A. Ein Manuscript auf der B i b I i o t h e k S. A u b i n zu Angers, n^ 1 63, 
membr., aus dem XI. Jahrh., fol. 150. Der Brief endigt mit den Worten 
Abs. 7 „adiuuetis, ualete". Die Nachschrift des Bischofs von Grenoble 
ist demselben nicht beigefugt. — B. Ein Manuscript auf der Reimser 
Stadtbibliothek K 785/795, welches aus dem Ende des XI. Jahrh 



') S. das zu XIII n. 4 Bemerkte. 



84 Einleitung. 

stammt mid iiach S. Thierry gehOrte. Gegen 1100 oder 1110 hat 
ein Kopist den Kreuzfahrerbrief auf die vorher unbeschrieben gebliebene 
Seite 64^ eingetragen. Der Brief enthalt die Nachschrift des Bischofs 
von Grenoble, welche in den andern Manuscripten fehlt. — C. Ein 
Manuscript zu Rom in der Bibliotheca Vaticana Reginae Chri- 
stinae n» 1283 fol. 73^ Pergamenthandschrift aus dem XII. Jahrh. Der 
Brief ist nur ein Fragment und enthalt Abs. 6 — 8 nicht mehr. Am 
Kopfe desselben sind ungefahr 22 Buchstaben ausradiert; wahrschein- 
lich stand da eine Ueberschrift von spaterer Hand. Das erste Wort 
der Rasur scheint ein Eigennamen gewesen zu sein. Dem Briefe voran 
steht auf fol. 73^ die Epist. I Stephani ad Adelam. S. Einleit. S. 55. 
Es ist wahrscheinlich, dass die Version dieses Manuscripts die ursprung- 
lichere ist. 

Herausgegeben haben den Brief: Martene in Thesaurus anec- 
dot. I, 272 und zwar nach dem Manuscript zu Angers; sowie in Am- 
pliss. Collectio I, 568 nach dem Manuscript von Reims. Eine weitere 
Ausgabe hat Dumont besorgt in Corp. univ. diplomatique I, 369 ; diese 
ist ein wOrtlicher Abdruck aus Martene Thes. anecd. Eine weitere 
Ausgabe findet sich in Migne, Patrologia latina t. 155 p. 390—391, 
welche ein wOrthcher Abdruck aus Martenes Ampliss. CoIIectio ist. Wir 
haben in unserer Ausgabe auch die Varianten der beiden Marteneschen 
Drucke in den Textnoten sub M und M' verzeichnet. 

Je eine Uebersetzung ins FranzOsische findet sich bei 
Michaud, Hist. des crois. I, 1« ed. p. 548 f.; ed. Bruxelles 1841 t. II, 194; 
bei Roger, La noblesse de France aux crois. 141 — 142; bei David, La 
Sj^rie moderne p. 280; bei Peyre II, 479 — 481; bei Darras, Hist. de 
rEglise XXIII, 363—364. 

AIs Erlauterungsschriften sind zu verzeichnen : Hist. litt. de 
la France, VIII, 619 und XI, 155; Mailly, L'esprit des crois. I, Ixx. ; 
Sybel, Gesch. des ersten Kreuzzuges 13 (14); Peyre a. a. 0.: David 
a. a. 0., Riant, Invent. 175 f., und HChr. n^ 319^. 



XIII. XIV. 

Charta Boemundi. Pactum Genuensium. 
(Geschrieben am 14. Juli 1098 in Antiochien). 

Diese beiden Schriftstiicke sind ganz besonders fur das Auftreten 
Boemunds in Antiochien von grosser Wichtigkeit, so dass wir sie unter 
den von uns edierten Briefen und Urkunden niclit vermissen mOchten. 
Nach der Charta Boemundi betrachtete sich Boemund am 14. Juli 
1098, an welchem Tage diese Urkunde ausgestellt worden ist, als Herr 
von der am 3. Juni 1098 durch die Kreuzfahrer eroberten und der am 
28. Juni 1098 von Kerbogas Drangen befreiten Stadt, und wurde auch, 
wenigstens von den Genuesen, welche an der Belagerung der Stadt teil- 






XIII. XIV. — Charta Boemundi. Pactum Genuensiura. g5 

genommen hatten ^), als solcher anerkannt, andernfalls ja diese Schenk- 
ung gar nicht denkbar gewesen ware. Die Stadt war mit dem gegen 
Kerboga am 28. Juni 1098 beendigten Kampfe thatsachhch in den vor- 
erst unangefochtenen Besitz der Franken tibergegangen. Die Griechen 
hatten nur eine Zeit lang an der Belagerung sich beteiligt, deren An- 
fuhrer Tatigios Ende Januars mit seinen Leuten aus dem Lager von 
Antiochien weggezogen und mit einem versprochenen Hilfsheere nicht 
mehr zuruckgekommen war ^). Eine Besitznahme der Stadt durch die 
Griechen, wie etwa jene Nicaeas, war demnach ausgeschlossen, umso- 
mehr als Alexios seiner Zusage, dem Kreuzheere die nOtige Hilfe zu 
gewahren, seit Monaten nicht mehr nachgekommen war. Letzterer Um- 
stand war fur Boemund Grund genug, seine Anspruche auf den Besitz 
der Stadt mit Energie geltend zu machen und seinen langst gehegten 
Plan zu verwirkHchen. Es war nun allgemein bekannt, so dass es der 
anonyme normannische Chronist der Gesta, ein zu Boemunds Leuten ge- 
hOriger Ritter, als eine feststehende Thatsache bezeichnen konnte, Alexios 
habe Boemund das Versprechen gegeben, ihn mit der Stadt Antiochien 
und einem 15 Tagereisen langen und 8 Tagereisen breiten dazugehorigen 
Gebiete zu belehnen -^) AUer Wahrscheinhchkeit nach hatte Alexios 
diese Zusage niemals gemacht, da er spater den Besitz Antiochiens 
durch Boemund selbst als einen unrechtmassigen angesehen, auch Boe- 
mund selbst sich niemals auf dieses angebUche Versprechen berufen 
hat. Dennoch aber hatte letzterer schon in Constantinopel seinen Nor- 
mannen den Besitz der Stadt auf Grund eines angebHchen kaiserhchen 
Versprechens in Aussicht gestellt: er musste dies thun, um bei seinen 
Leuten sich eine festere Anhanglichkeit zu verschaffen und den iibrigen 
Anfuhrern gegenuber zum Voraus sich einen Anteil zu sichern, an den 
sich keiner derselben wagen solle. Seine Absicht auf den Besitz der 
Stadt bewog ihn, auch wahrend der Belagerung der thatigste von allen 
Kreuzzugsfursten zu sein, wie denn auch seine Bemiihungen keineswegs 
vergeblich gewesen sind, denn in den letzten Tagen vor der Eroberung 
Antiochiens hatte Boemund in einer Furstenversammlung den Antrag 
gestellt, man solle demjenigen die Stadt zum Besitztum iiberlassen, 
welchem es gehngen wiirde, dieselbe durch List zu gewinnen, welcher 
Antrag jedoch energisch al)gewiesen wurde. Als man aber bald nach- 
her das Gerucht vom Heranmarsch Kerbogas vernahm, berieten sich 
die Fiirsten wiederum — es war am 29. Mai 1098^) — und man kam 
dahin iiberein, dass Boemund Antiochien iiberlassen werden soUe, wenn 
er imstande sein wurde, diese Stadt entweder durch sich oder durch 
andere zu erlangen, nur wenn Alexios sein gegebenes Versprechen ein- 
losen sollte, miisse sie letzterem iiberlassen bleiben ^). 

Nun hat Boemund bekannthch durch seine geheime Unterhandlung 
mit dem Verrater Pirus fast allein es dahin gebracht, dass Antiochien 
in der Franken Hande gekommen ist ; und da der Kaiser seine Zusage, 
den Pilgern zu Wasser und zu Land mit einem Heere hilfreich zurseite 



Vgl. das zu XIII n. 4 Benierkte. — ^) Vgl. Gesta XVI, 1, n. 12. — 
') Vgl. ibid. VI, 3, n. 20. — 4) s. HChr. n« 262. — ^) S. Gesta XX, 3 und 
Raim. 246 B. 



86 Einleitung 

zu stehen, niclit gehalten hat, so war es Boemund und sein Anliang, 
der alle Verl)indHchkeit als erloschen l)etrachtete und aucli alshald nach 
Kerl)Ogas Vertreihung seine Anspruche auf den Besitz Antiochiens er- 
hoben hat. Leider stiess er auf heftigen Widerspruch vonseiten Rai- 
munds de S. Gilles, so dass es noch mancher Verhandlung und eine 
langere Zeit des Zuwartens bedurfte, bis die Gelegenheit sich bot, mit 
Gewalt sich zu nehmen, was man ihm gutwillig nicht verabfolgen wollte. 
Nur dem unter den Kreuzfahrern vorhandenen Einfiusse Raimunds war 
es zu danken, dass man Hugo Magnus zu Alexios sandte, damit dieser 
Antiochien in Besitz nehme. Dass hiezu auch Boemund seine Zu- 
stimmung gegeben habe, ist schwer zu glauben ^). Die Sendung blieb 
erfolglos und taglich fbrderte dann Boemund im Spatjahr 1098 die 
Ausfuhrung des vor der Eroberung ihm gegebenen Versprechens und 
hielt den Fiirsten u. a. vor, welche Anstrengungen und welchen Auf- 
wand es ihn bisher gekostet habe. In der S. Peterskirche war man 
des 5ftern deshalb versammelt, um sich zu beraten, doch Boemund 
w^ar nicht zum Nachgeben zu bewegen. Man einigte sich endUch da- 
hin — es war im November 1098 — dass Boemund das Antiochia- 
kastell undRaimund das Palatium Cassiani und den Bruckenthorturm be- 
setzt halten und diese Platze mit Proviant versehen durften -). Als 
Raimund spater nach der Eroberung Marras weiterzog, aber Boemund 
von Marra wieder nach Antiochien zuriickgekehrt war, hat letzterer 
die Leute Raimunds aus ihren Stellungen in Antiochien mit Gewalt ver- 
trieben und sich dadurch zum Alleinherrscher iiber diese Stadt ge- 
macht^). Es war dies im Januar 1099. 

Unter denen nun, die alsbald von Anfang an nach der Vertreibung 
Kerbogas fiir Boemunds Anspriiche eingetreten sind und sich auf seine 
Seite gestellt haben, zahlten die Genuesen. Sie hat Boemund da- 
durch sich verbindlich gemacht, dass er ihnen am 14. Juli 1098, ob- 
wohl iiber den Besitz Antiochiens noch nicht definitiv entschieden war, die 
Johnnneskirche nebst dem Marktplatze und dazu 30 Hauser schenkte. 
Er war ihnen damit erkenntlich fur die ihm erzeigte Hilfeleistung, sicherte 
aber durch das ihnen in der Charta gegebene Versprechen seine Stel- 
lung in Antiochien derart, dass er in Gemeinschaft mit ihnen jedem 
Trotz zu bieten vermochte, der es wagen wollte, ihn wieder aus seiner 
Stellung zu verdrangen, und wenn es selbst der griechische Kaiser ge- 
wesen ware. 

Wie sehr aber auch die Genuesen sich Boemund gegenuber ver- 
pflichtet fuhlten, ersieht man aus dem Pactum Genuensium, in 
welchem diese versprechen, gegen jeden Feind sich auf Boemunds 
Seite zu stellen und dessen Anspruche zu verteidigen — mit Ausnahme 
gegen Raimund. Die Charta dokumentierte in Verbindung mit dem 
Pactum ein Schutz- und Trutzbundnis zwischen den Genuesen und 
Boemand, welches gegen jeden, der sich an den Besitz Antiochiens 
wagen wurde, wohl auch nachdruckHchst zur praktischen Anwendung 
gebracht worden ware. Dass die Genuesen nur Raimund gegeniiber, 
sofern er dem Boemund den Besitz Antiochiens streitig machen sollte. 



») Vgl. HG 383. — 2) s. Gesta XXI, 5. — ^) HG 413. 



I 



XIII. XIV. — Charta Boemundi. Pactum Genuensium. g7 

iieutral sich zu verhalten und zwischen beiden die Vermittler machen 
wollten, zeigt, dass sie auch dem Raimund sich verpflichtet wussten, 
sowie dass iiberhaupt die Angelegenheit zwischen den beiden Kreuz- 
zugsfiirsten noch nicht zum endgiltigen Austrage gekommen war. Wir 
haben darum, obwohl das Datum fiir das Pactum in der Urkunde 
selbst nicht angegeben ist, dasselbe Datum wie das der Charta ange- 
nommen, weil wohl diese Gegenleistung der Genuesen sofort auch sti- 
puliert worden sein wird, ja anzunehmen ist, dass Boemund sich zu 
seiner Zuwendung an die Genuesen gar nicht verstanden haben wurde, 
wenn nicht diese ihm in der im Pactum ausgedriickten Beziehung will- 
fahrig gewesen waren. 

BeideStiicke sind gewiss echt. Die in der Charta Boe- 
munds genannten Zeugen sind zumeist auch in den Gesten im Gefolge 
Boemunds namentlich aufgefiihrt. Der Inhalt beider Stiicke entspricht 
durchaus der damaligen auch von Raimund de Aguilers und dem Ano- 
nymus der Gesta geschilderten Lage. 

Dem Cafaro waren dieselben wohlbekannt. Er fand sie vor im 

Registrum^). Negri hat sie im Archiv der Kathedrale zu Genua 

gelesen und darnach kopiert, ebenda auch Ughelli, in deren beider 

erke sie auch abgedruckt sind, namlich I)ei Negri, Prima crociata 

. 99 und bei Ughelli-Coleti, Itaha Sacra, t. IV, 846. Aus Negri haben 

[wir den in unserer Ausgabe gegebenen Text entnommen. 

Als Erlauterungsschriften fiihre ich an: ausser den soeben 
^genannten Werken Negris und UghelHs : Liinig, Codex diplom. Italiae II, 
12082; Ansaldo, Cronaca 63 — 64; Belgrano, Ann. Gen. I, 109; Ferrari, 
[La Liguria trionfonte p. 25; Serra, La storia della antica Liguria IV, 
148 f.; Riant, in Rec. Hist. occ. V, 56; Rohricht, Reg. p. 2 n» 12 
und 16; Rey, Hist. des Princes d'Antioche in ROL IV, 236; Kuhne, 
Fiirstentum Antiochien p. 4, und HChr. n^ 300. 



1) Cafari Liberatio p. 56 B und 59 B, bei Belgrano I, 109: «Boimundus 

'uero concessit eis (Genuensibus) priuilegium in Antiochia, ut continetur in Re- 

gistro anno dom. M*^LXXXXoVIII'^ mense iulii». Wenn Riant in der Ausgabe 

►von Cafari Liberatio in Rec, Hist. occ. V, 56 auf die Urkunde im Liber Jurium 

:I, 30 verweist mit den Worten: »in libro scil. Jurium (I, 30), 1098, 14. Jul <<, 

fso ist dies nicM ganz richtig. Im Lib. Jur. a. a. 0. ist weder das Datum »1098 

^Juli 14«, noch die Urkunde selbst mitgeteilt, vielmehr findet sich daselbst nur 

die Urkunde Boemunds II. de dato 1127, Dezember, in welcher dieser Fiirst 

die Schenkungen seines Vaters an die Genuesen denselben bestatigt hat, und 

worin es heisst: «ego Boamundus magni Boamundi filius, Dei gratia princeps 

■ Antiochenus, dono et concedo uobis Januensibus ea, quae pater meus Boamun- 

dus uobis donauit et iure iurando confirmauit habenda et iure perpetuo possi- 

denda salua iustitia beati Petri ubique uidelicet ea, quae uos tenetis in Anti- 

ochia .... rugam unam quae est inter 2 aquas ex utraque parte uiae sicut 

primum adsignata est, et fondicium». Nocheinmal hat Boemund III. im Jahre 

1169 dieses genuesische Besitztum bestatigt, in welcher Urkunde nach Lib. Jur. 

I, 240 dasselbe also bezeicnnet wird : «in Antiochia ruga una cum ecclesia S. Jo- 

hannis, quae est inter 2 aquas et uia est ex utraque parte». Nichtsdestoweniger 

aber hat Cafaro unsere Urkunde vom 14. Juli 1098 wohlgekannt, was aus der 

genauen Mitteilung in seiner Lib. Orientis in Rec, Hist. occ. V, p. 56 unzweifel- 

haft hervorgeht. 



88 Einleitung. 



XV. 

Epistula II Anselmi de Ribodimonte ad Manassem 
archiepiscopum Remorum. 

(Geschrieben im Juli 1098 aus Antiochien). 

Dieser Brief Anselms von Ribemont ist seinem Inhalte nach eine 
Fortsetzung des ersten sub Nr. VIII besprochenen, wo auch Naheres 
tiber die Person des Verfassers mitgeteilt ist ^). Er beginnt mit dem 
tibhchen Grusse an den Empfanger, den Erzbischof Manasse von Reims, 
dem gegenuber sich Anselm ebenfalls wie im ersten als seinen getreuen 
Diener bezeichnet (Abs. 1), Als seinen verehrungswurdigen Vater und 
Herrn bitte er ihn sowie die Sohne der heil. Mutterkirche zu Reims 
taghch um Hilfe und als dem, der auf ganz Frankreich den grOssten 
Einfluss durch seinen Rat besitze, wolle er auch einige gliickliche und 
ungiiickliche Begebnisse mitteilen, wovon er (Manasse) auch andern Mit- 
teilung machen mOchte (Abs. 2). Er habe ihm schon uber die Be- 
lagerung Nicaeas und vom Durchmarsche des Kreuzheeres durch Ro- 
manien und Armenien geschrieben, jetzt wolle er ihm Einiges iiber die 
Kampfe um Antiochien berichten (Abs. 3). Mit aller Kiihnheit sei die 
Belagerung Antiochiens unternommen worden, unerh5rt seien die Kampfe, 
welche sie dort bestanden hatten, gewesen. Zunachst habe man das 
Ostthor belagert und daselbst ein Kastell befestigt und die Bewachung 
desselben dem Boemund iibertragen (Abs. 4). Wegen Mangels an 
Futter und vor Kalte seien die Pferde fast alle umgekommen, wahrend 
die Tiirken daran Ueberfluss gehabt und das Christenlager taglich um- 
schwarmt hatten (Abs. 5). Die Tiirken, die aus dem benachbarten 
Kastell (Aregh) das Christenlager taglich beunruhigten, habe man mit 
GottesHilfe siegreich zuriickgejagt (Abs. 6). Ebenso sei es demHerrscher 
von Damaskus, welcher dem Befehlshaber von Antiochien zur Hilfe ge* 
kommen war, ergangen; ihn hatten Raimund und der Graf von Fiandern 
in die Flucht geschlagen (Abs. 7); dasselbe Schicksal habe auch den 
KOnig von Haleb betroffen, welcher mit seinem 15000 Tiirken von nur 
700 frankischen Rittern und weuigen Fussgangern in die Flucht ge- 
schlagen worden sei, wobei die Kreuzfahrer eine ansehnliche Beute an 
Pferden gemacht hatten (Abs. 8). Als Boemund und Raimund behufs 
der Belagerung des Westthores Holz und Futter von S. Simeonshafen 
beizuschaffen im Begriffe waren, sei den im Lager Zuriickgebhebenen 
vor dem genannten Thore von den Belagerten eine tuchtige Schlappe 
zugefugt worden (Abs. 9), ebenso sei es den nach 3 Tagen (von S. Simeons- 
hafen) Zuriickkehrenden ergangen, doch hatten am namlichen Tage die 
im Lager Zuruckgebliebenen den Turken eine grosse Niederlage und 
einen Verlust von 1400 Mann beigebracht (Abs. 10). Unter grosser 



S. Einleitung S'. 63. 



XV. — Epist. II Anselmi de Ribodimonte ad Manassem, archiep. Remorum. 89 

Gefahr uiid Muhe habe man das Kastell (am Bruckenthore) errichtet und 
in dasselbe zur Bewachung Schleuderer und Armbrustschtitzen aus Rai- 
munds Heer gelegt (Abs. 11). Hunger, schlechte Witterung, Flucht 
furchtsamer Ritter, Tauscherei vonseiten der Belagerten (Abs. 12), der 
Tod des Stallmeisters Walo und mehrerer Kreuzfahrer durch einen von 
den Tiirken gelegten Hinterhalt habe sie schwer geschadigt, doch seien 
sie nicht mutlos geworden (Abs. 13). Spater habe man von Kerbogas 
Anmarsch Nachricht erhalten, welcher allen Kreuzfahrern den Tod ge- 
schworen hatte, doch sei ihnen durch Gottes Barmherzigkeit am 5. Jimi 
Antiochien iibergeben worden, wo man alle Tiirken bis auf die im An- 
tiochia-Kastelle umgebracht habe (Abs. 14). Am folgenden Tage sei 
Kerboga vor der Stadt eingetroffen. Die Eingeschlossenen hatten sich 
von Pferde- und Eselsfleisch ernahrt. Oefter sei zwischen Belagerern 
und Belagerten gekampft worden. Bei einem solchen Kampfe sei Roger 
de Betheniville gefallen. Doch da Kerboga durch diese Kampfe nichts 
erreicht, habe er sich entschlossen die Kreuzfahrer auszuhungern (Abs. 
15, 16). In solcher Not habe ihnen Gott zur Aufrichtung aller die 
heil. Lanze, das kostbare Kleinod, geschenkt. Am 28. Juni seien nach 
einem Fiirstenbeschluss Gesandte an Kerboga geschickt worden, welche 
ihn aufforderten abzuziehen, wenn er nicht geschlagen werden wolle, 
er aber hal)e das Schwert gezogen und bei seinem Reiche und Throne 
geschworen, nicht eher zu weichen, bis die Kreuzfahrer Antiochien auf- 
geben und Mohammedaner werden wurden (Abs. 17). Nach der Ge- 
sandten Riickkunft seien die Abteilungen der Franken aus der Stadt 
den Turken entgegengezogen und hatten diese in die Flucht geschlagen 
und unzahhge derselben getOtet (Abs. 18). Am namlichen Tage sei 
ihnen auch das (Antiochia-) Kastell iibergeben worden, nachdem der 
Sohn des antiochenischen KOnigs mit Kerboga geflohen und der An- 
tiochiakOnig selbst schon am Tage der Eroberung der Stadt auf der 
Flucht ermordet worden war (Abs. 19). Anselm schliesst sein Schreiben 
damit, dass er Manasse auffordert, sich iiber das zur Befreiung der 
Christen und der antiochenischen Kirclie Geschehene zu freuen und fur 
die Kreuzfahrer zu beten, sowie die Kirchen in der Heimat und die 
Armen von ihren Bedruckern befreien zu helfen, auch die falschen 
Pilger zum Unternehmen einer zweiten Pilgerfahrt zu veranlassen oder 
zu exkommunizieren (Abs. 20). Dem Frankenheere stehe die Welt 
offen. Zu den gliickverheissenden Begebnissen gehOre auch, dass der 
Konig von Babylon (Cairo) sich den Kreuzfahrern willfahrig erklart habe. 
In einer Nachschrift wunscht Anselm, dass alle etwaigen Leser des 
Briefes fur die Kreuzfahrer und fur die wahrend des Kreuzzuges Ver- 
storbenen beten mOchten (Abs. 21). 

Das meiste in diesem Briefe Erzahlte iiber die den Kreuzfahrern 
vor und in Antiochien widerfahrenen Begegnisse ist uns von den an- 
dern gleichzeitigen Berichterstattern und Augenzeugen des ersten Kreuz- 
zuges w^eit ausfiihrhcher iiberliefert, dem gegentiber auch Anselms Mil- 
teilungen allermeist in Uebereinstimmung sich befinden. Doch bietet 
der Brief auch manche Einzelheiten, w^elche uns darum sehr 
wertvoll sind, w^eil durch sie die anderw^eitigen Berichte zum Teil 
erganzt, zum Teil bestatigt oder aucli berichtigt werden konnen, weim 



90 Einleitung. 

auch zuweilen in den Datumsangaben Anselms Irrtumer mit unterge- 
laufen sind: so setzt er Abs. 4 die Ankunft des Kreuzheeres vor An- 
tiochien im Gegensatz zu seiner Angabe im ersten Briefe auf den 
20. October 1097, und im Abs. 14 die Einnahme Antiochiens anstatt 
auf den 3., auf den 5. Juni^); wahrscheinlich unrichtig ist aucli in 
Abs. 10 die Angabe des Tages der Riickkehr Boemunds und Raimunds 
von S. Simeonshafen ^) ; irrig endhch ist hi Abs. 17 die Mitteilung, dass 
die Gesandtschaft an Kerboga und die vonseiten der Kreuzfalirer gegen 
ihn geheferte Schlacht am namlichen Tage, den 28. Juni, stattgefunden 
habe ^) ; ungenau sind die Tagesbestimmungen der Kampfe zu Anfang 
der Belagerung Antiochiens durch die Tiirken in Abs. 15 und 16, welche 
nur im Vergleich mit den Nachrichten der Gesta und Raimunds richtig 
gestellt werden konnen^). Als Angaben, die Anselm allein hat 
oder fiir welche auch bei andern Anselms Brief als Quelle angesehen 
werden muss, haben wir folgende zu verzeichnen: Walirend Boemund 
und Raimund nach S. Simeonshafen gezogen waren, habe Stolz und 
Aufgeblasenheit die in Antiochien zuriickgebliebenen Kreuzfahrer zum 
Kampfe gegen die Tiirken am Bruckenthore veranlasst (Abs. 9), welcher 
Angriff auf die Turken nachmittags stattgefunden habe ^) ; ferner die 
Angabe, dass der einzige Gegner der Franken des in Abs. 7 erzahlten 
Kampfes der Emir von Damaskus gewesen sei; sodann dass nach 
Abs. 10 Boemund Boten voraiisgeschickt habe, welche die Fiirsten zur 
Belagerung des Briickenthores aufgefordert hatten ^), ferner die ebenda 
verzeichnete Nachricht von dem (Anfangs Marz 1098) ungewOhnhch 
grossen Wasserstand des Orontes, welcher durch den Winterregen ver- 
ursacht worden sei ''), sowie von dem Handlangerdienst, den nach Abs. 1 1 
die Fursten bei Errichtung des Walles vor dem Briickenthorkastell ge- 
leistet haben ^). Sodann hat Anselm Abs. 12 allein die Nachricht, dass 
die Turken die Franken mit einem Antrag auf einen Waffenstillstand 
getauscht hatten, was zwar auch Guibert, Robert und Gilo berichten, 
jedoch ihre Angaben entstammen selbsl wieder derjenigen Anselms ^). 
Anselm hat Abs. 13 allein die Nachricht von dem Tode Walos und 
einiger Franken infolge dieses Waflfenstillstandes ^^). Nur bei Anselm 
findet sich die Mitteilung vom Tode Rogers de Insula und Rogers de 
Betheniville in den Kampfen wahrend der Belagerung Antiochiens 
durch die Turken^i) und dass nach Abs. 16 die Tiirken im Antiochia- 
kastell und die Franken vor demselben einen Tag und eine Nacht 
lang auf Bogenschussweite einander gegeniibergestanden seien ^^). Bei 
Anselm Abs. 17 allein unter den Augenzeugen findet sich die Angabe, 
dass Kerboga wahrend der Audienz der frankischen Gesandten das 
Schwert gezogen habe ^^) und nach Abs. 19, der Sohn Yagi Siians am 
28. Juni mit Kerboga gefliohen sei ^^). Von entscheidendem Werte ist 
alsdann die Mitteilung Abs. 4, dass gleich zu Anfang der Belagerung 
Antiochiens durch die Kreuzfahrer in der Nahe des Boemundschen 



1) S. XV n 15 u. 75. — 2) S. n. 46. — ^) S. n. 102. — *) S. n. 78, 86 
u. 91. — ^) S. n. 45. — ") S. n. 47. — ^) S. n. 52. — ») S. n. 60. — 
») S. n. 66. — '0) S. n. 68. — 1«) S. n. 87. 95. — 12) s. n. 91. — 
13) S. n. 105. — 1«) S. n. 122. 



r 



XV. — Epist. II Anselm cle Ribodimonte acl Manassem, archiep. Remorum. 9 j[ 

Lagers, also auf der Ostseite der Stadt, ein Kastell errichtet wordeii 
sei ^), ebenfalls jene, wornach Boemund von S. Simeonshafen Boten 
vorausgesendet habe, damit die im Lager Zuruckgebliebenen ihm seinen 
Ruckweg sichern mOchten, welche aber zu spat vor Antiochien ange- 
kommen seien ^). „Es sind dies zwar nur Kleinigkeiten, aber sie dienen 
vortrefflich, die Qualitat seiner Darstellung und ihr Verhaltnis zu an- 
dern Berichten anschaulich zu machen", Sybel 12 (13). 

AnseJms Sprache ist einfach und ungeziert; sie alwielt dem Stile 
der Gesta Francorum. Dass die beiden Briefe auch von ein und dem- 
selben Verfasser herriihren, ist aus dem in beiden gleichen Stile, so- 
wie aus den in beiden gleichen Ausdrucken zu entnehmen, aber auch 
aus den in beiden uns begegnenden gleichen Gedanken, soweit sie An- 
selms religiose Gesinnung und dessen Ergebenheit gegen Manasse be- 
treffen. Ich verweise auf die Ausdriicke: his peractis VIII, 6 und XV, 
11; mirabiliter succurrere, prosilire VIII, 12 und XV, 4; impetum fa- 
cere VIII, 5 und XV, 16; adgredi VIII, 5, 7 und XV, 11, 15; homo 
et fidebs seruus VIII, 1 und XV, 1; mater ecclesiae VIII, 3, 12 und 
XV, 2, 30; ualete VIII, 12 und XV, 21; paternitas uestra VIII, 2 und 
XV, 2, 20; pars exercitus VIII, 7 und XV, 4, 7, 11; notificare VIII, 
2 und XV, 2; pro nobis et pro defunctis (mortuis) nostris Deum ex- 
orare VIII, 11 und XV, 20, 21; scire pro certo, quia VIII, 10, 12 und 
XV, 2, 21; fugare VIII, 5, 6, 7, 9 und XV, 7, 9, 10, 16, 17; se ha- 
bere VIII, 2 und XV, 3; obuios habere VIII, 8 und XV, 7; ad quos 
haec epistula peruenerit VIII, 1 1 und XV, 2 1 ; ianuae terrae VIII, 4 
und XV, 21; maxime pendet VIII, 2 und XV, 2; obsidere VIII, 6, 8, 9, 
und XV, 3, 4, 10, 15, 16; endlich die in beiden Briefen gleichlautenden 
Eingange. Seiner religiOsen Gesinnung giebt er zu verschiedenen 
Malen in seinen Briefen Ausdruck: er ist sich bewusst, dass er und 
die iibrigen Kreuzfahrer im Dienste Gottes stehen und in demselben 
seine Krafte verzehren VIII, 3; es ist das Heer des Herrn, zu dem sie 
gehOren VIII, 2, 3; XV, 4, 17; sie sind Gottes Volk VIII, 5; Gott ist 
es, welcher jeglichen Sohn zuchtigt, den er lieb hat XV, 5, und der 
die auf ihn Hoffenden nicht verlasst XV, 14, der zum Siege verhilft^ 
wenn es gilt die Feinde zu schlagen XV, 6, 7, 8, der den Kreuzfahrern 
Antiochien uberliefert hat XV, 14; dass sie sehr ins Leiden hinein ge- 
fuhrt wlirden, sei nur Strafe Gottes fur ihren Hochmut XV, 5, sie rufen 
darum Gott an, bevor und wahrend sie in den Kampf ziehen XV, 16, 
und empfangen vorher das heil. Abendmahl VIII, 4; XV, 18, eben 
darum soll auch Manasse nicht versaumen, fur sie, die im Kriege weilen,. 
Gott um Hilfe anzurufen VIII, 11; XV, 20, 21, sowie fur die auf dem 
Kreuzzuge Umgekommenen zu bitten, ibid. Auf des Erzbischofs Fiir- 
bitte setzt Anselm ein grosses Vertrauen XV, 20, und hofft von ihm, 
dass er auch sein Augenmerk darauf richte, dass die Grossen unter 
sich eintriichtig seien und als Diener Christi die Geringen schutzen, auf 
dass diese ein ruhiges und stilles Leben fuhren konnten VIII, 2, sowie 
dass die Kirchen und die Armen aus den Handen der Tyrannen be- 
freit wttrden XV, 20 ; die falschen Pilger soUen dahin gebracht werden^ 



S. XY n. 20. — 2) s. n. 47. 



92 Einleitung. 

dass sie ihr abgelegtes GelObnis voUfuhren, indem sie Busse thun und 
-das Kreuz des Herrn auf sich nehmen und die Reise des Herrn aus- 
fiihren, oder sollen sie exkommuniziert werden. Anselm gehOrte nicht 
etwa zu den Zweiflern an der Echtheit der Lanze, denn die Auffindung 
ist auch nach ihm auf Grund einer g5ttlichen Otfenbarung geschehen; 
■er nennt darum auch diese ReUquie Abs. 17 eine „pretiosa margarita", 
ein kostbares Kleinod. 

Wahrend man beim ersten Briefe keine deutlichen Ankliinge an 
anderweitige Kreuzzugsberichte merkt, ist es gewiss, dass dieser 
zweite Brief Anselms von einer grOsserenAnzahl gleich- 
zeitiger Schriftsteller beniitzt worden ist, was voraussetzt, 
■dass er auch allgemeiner bekannt und verbreitet war. Es ist zweifel- 
los, dass ihn gleichzeitige Schriftsteller benutzt haben, was auch in 
den Erlauterungen nachgewiesen ist, namUch Raimund de Aguilers ^), 
Tudebod^), Robert mon. ^), Guibert^), Bartolf'') und der Verfasser 
der Narratio Floriacensis ^). Eine eingehende Untersuchung wiirde viel- 
leicht Spuren des Briefes auch noch in anderen gleichzeitigen Schrift- 
werken entdecken. 

Die Abfassung unseres zweiten Briefes ist in die Zeit zwischen 
den 28. Juni 1098, den Tag des Sieges der Franken iiber Kerboga, 
und vor den 1. August 1098 zu setzen. Wenn er spater als am 
31. JuU 1098 geschrieben worden ware, so wiirde sicher Anselm auch 
den Tod Ademars nicht unerwahnt gelassen haben, dessen Hinscheiden 
ja damals von den Kreuzfahrern als eine Kalamitat ersten Ranges em- 
pfunden worden ist und mit StiUschweigen nicht leicht iibergangen 
werden konnte, zudem dasselbe das anerneueste Ereignis gewesen ware, 
welches er hatte berichten kOnnen. Wenn Peyre II, 486 die Abfassung 
des Briefes ins Jahr 1099 setzen zu miissen glaubte, weil die Ueber- 
schrift bei d'Achery laute: „Epistula quam transmiserunt sancti pere- 
grini, qui amore Dei perrexerunt Hierusalem anno ab incarn. Dom. 
1099, tempore Vrbani papae, indict. septima", so hat er sich geirrt, da 
diese hier angegebene Jahreszahl sich nur auf den Kreuzzug iiberhaupt 
und nicht zunachst auf die Abfassung unseres Briefes bezieht, worauf 
schon Riant, Invent. p. 179 mit Recht hingewiesen hat. Der Ort der 
Abfassung ist offenbar Antiochien gewesen. 

Von den Manuscripten ist nur noch eines vorhanden (A) und 
^war auf der Pariser Bibliotheque Mazarine, jetzt n^ 1710, 
fruher 1345, aus dem XII. Jahrh. stammend, in 4^ ff. 73^ — 75% welches 
zudem den Brief unvoUstandig enthalt, da das letzte Viertel des In- 
halts fehlt, aber mehrere bessere Lesarten bietet gegeniiber der in den 
Druckausgaben vorhandenen Version. Ein anderes Manuscript, das zur 
Zeit als verloren zu betrachten ist, nach w^elchem ehemals d'Acher}^ 
im Spicilegium, 1. ed. VII, 191 und in 2. ed. III, 431 seine Ausgabe 
des Briefes hergestellt hat, stammte von Baluze und trug die soeben 
angegebene Ueberschrift. Baluze aber hat dasselbe nach dem Codex 



') S. zu XV, 17, n. 106. — ^) S. zii XV, 11, n. 55. — ^) S. zu XV, 
13, n. 68 und 132. — *) S. zu XV, 12. n. 66. — ^) S. zu XV, 17, n. 103. 
— «) S. zu XV, 18, n. 118. 



XV. — Epist. II Anselmi de Ribodimonte ad Manassem archiep. Remomm. 9S 

39 der Benediktinerabtei Ripoll (bei Barcelona) kopiert, was 
aus dem Cod. mscr. n^ 372 des Fonds Baluze in der Pariser National- 
bibliothek ersichtlich ist, wo der Katalog dieser Abtei aufgefuhrt und 
sub n^ 39 als Notiz Abs. 1 — 3 der Brief Anselms enthalten ist, die,. 
verghchen mit der Ausgabe des Briefes bei d'Achery, keinen Zweifel 
mehr lasst, dass Baluze eine Abschrift dieses Manuscripts von RipoU 
besessen und d' Achery uberlassen hat. Dies ist neuerdings von Kohler 
auf eine Notiz Riants in AOL L 715 hin in ROL VI, 334 f. nachge- 
wiesen worden, in welch' letzterem Bande sich auch der Anfang des 
Briefes, soweit er in n^ 372 der Nationalbiblioth., fonds Baluze, ent- 
halten ist, wSrtlich abgedruckt findet. Die Varianten dieses Abdrucks 
haben wir in den Textnoten sub B verzeichnet. Auf der Ausgabe 
d'Acherys (D) beruhen dann die beiden spateren von Migne, Patrologia 
latina CLV, 472 — 475 (M), und im Recueil des Hist. des crois., Hist. 
occ. III, 890 — 893 (R.). Unserer vorliegenden Ausgabe des Briefes 
liegen die Handschrift der Biblioth. Mazarine (A), sowie die genannten 
Druckausgaben B, D, M und B zu Grunde. 

FranzOsische Uebersetzungen desselben finden sich bei 
Michaud, Bibliotheque des croisades, V'^^ partie p. 446 — 448; Peyre, 
Hist. de la I. crois. II, 485—490; Darras, Hist. de rEghse XXIII, 565. 

Erlauterungsschriften sind: Guibert in Gesta Dei per Fran- 
cos, Recueil, Hist. occ. IV, p. 218 f.; Ceillier, Hist. gen. I ed. XXI, 
121 (2 ed. XIII, 512); Hist. litL de la France VIII, 500; Michaud a. 
a. 0. 446; derselbe in Bibliogr. des crois. I, 348; Mailly, L'esprit des 
crois. I, LXV; Sybel, Gesch. des ersten Kreuzz. 11-12 (12 — 14); 
Peyre, a. a. 0.; Rec, Hist. occ. IIL p. LVIII; Reiffenberg, Le chev. au 
Cygne, II, cxxxviii; HG 435; Riant, Invent. 178 f.; Potthast, Bibl. hist. 
I, 112; Kohler, in Revue de I' Orient latin VI, 334 f. u. HChr. n^ 297. 



I 



XVI. 



Epistula Boemundi et aliorum principum crucesignatorum 
ad Urbanum papam. 

R(Geschrieben am 11. September 1098 in Antiochien). 
Der Brief ist datiert vom 11. September 1098, aus der Zeit, 
— welcher die Kreuzfahrer sich nach dem iiber Kerboga erkampften 
Siege der Ruhe hingeben konnten und in einer verhaltnismiissig gliick- 
lichen Lage sich befanden. Ohne Zweifel hatte Ademar, der Stellver- 
treter des Papstes, vielleicht im Namen aller Fiirsten einen oder meh- 
rere Briefe friiher schon ebenfalls an Urban gerichtet gehabt, deren 
Inhalt wir nicht kennen, worauf aber die Worte Abs. 3 „sicut audistis", 
sowie Abs. 14 „mandamus et remandamus" bezogen werden miissen ^). 
Das Datum unseres Briefes (Abs. 17) lasst es auch als gewiss er- 



^) Naheres dariiber s. zu XVI n. 15. 



-94 Einleitung. 

scheinen, dass am genaimten Tage die Fttrsten des Kreuzzuges, soviel 
derer am Kopfe des Briefes verzeichnet sind, sich in Antiochien auf- 
gehalten haben, niimHch: Boemund, Raimund, Gottfried, die beiden 
Roberte und Eustach. Nicht genannt sind Hugo Magnus, welcher ohne 
Zweifel schon nach Constantinopel abgereist (s. XII, n. 4), und Ademar 
von Puy, der am 1. August 1098, funf Wochen vor Abfassung unseres 
Schreibens, verstorben war (Abs. 12). Die Absender bezweckten 
mit diesem Briefe, den Papst Urban iiber die Hauptvorgange wahrend 
der Kreuzfahrer Aufenthalt vor und in Antiochien in Kenntnis zu setzen 
(Abs. 2). Nur im engsten Rahmen und kurz w^ird der Zug des Heeres 
durch Kleinasien erwahnt, dabei der Schlacht im Thale „Dorotilla" und 
der Ankmift vor Antiochien gedacht, welche Stadt sie unter viel Un- 
gemach belagerten und wo sie selbst von den Tiirken l)elagert worden 
seien (Abs. 3). Am 3. Juni sei in Folge der Uebereinkunft Boemunds 
mit einem Tiirken die Stadt eingenommen worden (Abs. 4), die Turken 
aber hatten das asylum Antiochenum besetzt gehalten, in welches 
^m 3. Tage mehr als 100 Feinde eingedrungen seien, in der Absicht, 
Ton da aus die Kreuzfahrer zu uberfallen (Abs. 5); auf einem dem 
asylum Antiochenum gegeniiber liegenden Berge hatte man Antiochien 
vor dem Einfalle der Tiirken geschiitzt und diese in ihr Lager zuruck- 
getrieben (Abs. 6), hierauf sei die Stadt von den Turken von allen 
Seiten eingeschlossen worden, wodurch die Kreuzfahrer in grosse Not 
geraten (Abs. 7), jedoch durch die Auffindung der heil. Lanze und durch 
andere gOttliche Offenbarungen wieder aufgerichtet und desto mutiger 
gemacht worden seien (Abs. 8). Am 28. Juni sei das Heer aus An- 
tiochien ausgezogen (Abs. 8) und habe die Turken aus ihrer ersten 
Stellung zuruckgedrangt, und trotz ihrer Schlauheit seien dieselben mit 
Gottes Hilfe von den an Zahl sehr geringen Kreuzfahrern in die Flucht 
geschlagen worden, wobei sie ihr ganzes Lager zuruckgelassen hatten 
(Abs. 10). Auch die Antiochiaburg (asylum Antiochenum) habe sich an 
Boemund ubergeben und der Kommandant derselben sei ein Christ ge- 
worden (Abs. 11). Am 1. August sei zu ihrem Leidwesen der Bischof 
von Puy gestorben (Abs. 12). Da sie jetzt verwaist seien, so fordern 
sie den Papst als ihren geistlichen Vater auf, zu ihnen zu kommen, 
seinen Sitz in Antiochien, der Hauptstadt des christlichen Namens, wo 
der Stuhl Petri noch zu sehen sei, einzunehmen und den Krieg zu 
Ende zu fuhren (Abs. 13). Sie hatten die Tiirken und Heiden bekampft, 
die Haretiker nicht; er moge zu ihnen kommen und mit ihnen alle 
Haresieen ausrotten, das heil. Grab befreien und den christUchen 
Namen iiber alle Namen erhOhen; wenn er kame, wiirde ihm die ganze 
Welt unterthan sein (Abs. 14). In einer Nachschrift erwahnt alsdann 
Boemund noch, er liabe mit grosser Verwunderung vernommen, dass 
der Papst Kreuzfahrern die Erlaubnis gegeben habe, unter Christen 
wohnen zu diirfen, ohne dass sie ihr Geliibde eingelost hatten. Er soll 
doch dadurch das angefangene gute Werk nicht wieder zu nichte machen, 
sondern jene zur Erfiillung ihres Geliibdes anhalten und mit allen wackeren 
Mannern kommen, um sie zu starken (Abs. 15); er sei nacli Gott ihnen 
<ier nachste Helfer, er soUe sie auch losmachen von dem ungerechten 
Kaiser, der den Kreuzfahrern bisher nur BOses zugefiigt habe (Abs. 16). 



XVI. — Epistula Boamundi et aliorum principum ad Vrbanum papam. 95 

Der Brief enthalt nur Weniges, was wir nicht auch in den andern 
Berichten wiederfinden : so die Mitteilung, dass man die Weiber, Kinder 
und Dienstboten bei der Einnahme Antiochiens geschont und zuruck- 
l)ehalten und nur die turkischen Soldaten getotet habe (Abs. 4), so- 
dann dass die Kreuzfahrer am folgenden Tage nach Einnahme der Stadt, 
also am 4. Juni, die Antiochiaburg anzugreifen im Begriffe gestanden 
seien, welches Vorhaben aber durch den Anmarsch einer unzahligen 
Menge Turken vereitelt worden sei (Abs. 5); ferner dass am 28. Juni 
der Ausmarsch des Frankenheeres aus Antiochien gegen Kerboga nicht 
etwa durch das Bruckenthor allein, sondern auch durch andere Thore 
erfolgt sei (Abs. 9), sowie dass damals die Franken „paucissimi" waren 
(ibid.). Sonst nirgends gebraucht ist das Wort „asylum" fur Antiochia- 
burg, als in unserem Briefe (Abs. 5), und sonst nirgends gehOrt, dass 
Antiochien, weil Petrus zuerst dort Bischof gewesen, die Hauptstadt 
des christlichen Namens sei (Abs. 13). Nur in diesem Briefe lesen 
wir sodann die Nachricht, dass die Kreuzfahrer den Papst im Sommer 
1098 eingeladen haben, selbst nach dem Morgenlande zu kommen, um 
dort die Filhrung des Heeres zu ubernehmen und seinen ferneren Wohn- 
sitz in Antiochien aufzuschlagen (Abs. 15, 16). Einzig in seiner Art 
ist auch der von Boemund dem Papste gemachte Vorwurf, dass er die 
Kreuzzugssache lassig behandle, indem er das von ihm (dem Papste) 
angefangene Werk durch Duldung derer, welche das Gelobnis der Pilger- 
fahrt zwar eingegangen hatten, aber nicht zur Ausfiihrung zu bringen be- 
absichtigten, wieder zu nichte mache. Offenbar hat dieser Brief sein Echo 
gefunden auf dem im October 1098 von Urban zu Bari abge- 
haltenen Concile^), auf dem man die Kreuzzugsangelegenheit be- 
handelt und die Frage auf der Tagesordnung gestanden hat, ob der 
Papst in eigener Person nach Jerusalem sich begeben solle. Ohne 
Zweifel ist dieselbe durch unsern Brief bezw. durch die in demselben 
an Urban gerichtete dringende Einladung veranlasst worden. Leider 
hat man ilber diese Synode, soweit auf derselben die Kreuzzugssache 
verhandelt worden ist, keine naheren Nachrichten als was uns die 
Epistula Luccensis am Schlusse mit nur wenigen Worten mitteilt, und 
wir erfahren nicht, weshalb der Papst der Bitte der Kreuzfahrer nicht 
entsprochen hat. Doch ist die Bitte ein Beweis dafiir, dass man den 
Schwerpunkt des ganzen Unternehmens in dem Verhalten des Papstes 
erblickte, als dessen eigenstes Werk ja der Kreuzzug angesehen wurde, 
ja von dessen Mitwirkung Boemund auch die Auflosung des zwischen 
dem griechischen Kaiser und den Kreuzfahrern geschlossenen Vertrags- 
verhaltnisses erhofft hat (Abs. 16). Gerade mit Bezug auf dieses Ver- 
Jialtnis halten wir den Brief fur ein sehr wichtiges Schriftstiick. 
B Wenn es Riant ^) auffallend erschienen ist, dass der Brief eine 
■^eite Verbreitung nicht gefunden habe, so libersieht er, dass er an den 
B*apst gerichtet war imd eine Aufforderung an diesen enthalt, nach 
^v^elcher, wenn dem Wunsche der Kreuzfahrer nicht stattgegeben werden 
HKonnte, er auch nicht geeignet schien, veroffentlicht bezw. allgemein 



1) Ueber das Concil zu Bari s. unten zu XVH. 12, n. 61. — ^) Riant, 
Inventaire p. 182. 



96 Einleitung. 

verbreitet zu werdeii. Doch kOnuen es ja immerhin sehr zufilUige 
Grunde gewesen sein, welche die geringe Zald der Kopieexemplare 
verursacht haben, was ja bei sehr vielen anderweitigen wichtigen Schrift- 
stucken des Mittelalters nicht minder der Fall ist. Ntiher Hegt es fur 
uns zuzusehen, wer wohl derVerfasser des Schriftstiickes gewesen 
sein mag und in welchem Zusammenhange der vorhegende Brief mit 
etwaigeii anderweitigen Schriftstucken sich befindet. Dass Boemund 
zuerst genannt wird, weist auf dessen bedeutenden Einfluss hin, den 
dieser Mann damals ausgeiibt, sowie auf dessen hervorragende Stellung, 
die er damals eingenommen hat, welche auch leicht erkiarbar ist, wenn 
man seine rastlose Thiitigkeit vor Eroberung der Stadt und bei deren 
Einnalime in Betracht zieht ^). So ist der Brief auch vornehmlich 
unter Boemunds Einfluss geschrieben worden, wie denn auch 
nur von Boemund die dem Briefe angehangte Nachschrift herruhren 
kann. Wer aber der Sekretiir gewesen, ist schwer zu sagen. Bekannt- 
licli hatte Stephan seinen eigenen Schreiber, einen gewissen Alexander ^). 
Auch ist es hOchst walirscheinlich, dass der Kaplan des Grafen Rai- 
mund mit Namen Raimund de Aguilers jenen vonseiten der Fursten 
von Laodicea aus an den Papst abgesandten Brief verfasst hat ^), 
ebenso durfen wir annehmen, dass aucli der vorhegende am 11. Sept. 
1098 von Antiochien abgesendete nicht von einem der als Absender 
genannten Fiirsten, sondern von einem Untergebenen derselben nieder- 
geschrieben worden ist. Der Boemundsche Einfluss tritt in demselben 
unwiderleglijch hervor und ist nicht zu liiugnen*). Da liegt es denn 
auch nahe, auf jenen Mann im Gefolge Boemunds, der die Gesia Fran- 
corum et aliorum Hierosolymitanorum abgefasst hat, unser Augenmerk 
zu ricliten, umsomeiir, als im Briefe selbst uns gegriindete Veranlas- 
sung dazu geboten wird: es begegnet uns namlich zu Anfang von 
Abs. 13 eine auff^allende Aehnhchkeit mit cap. I der Gesta Francorum, 
die nicht etwa nur dem blossen Zufall zuzusclireiben ist, sondern irgend 
welclie Abhangigkeit des einen vom andern deutlich verrat. Es diene 
zum Erweis hiefiir die Nebeneinanderstellung folgender Satze: 

Epist. Boem. Gesta Franc. p. 121 (I, 1, 2). 

(13) Nunc igitur filii I .... lesus in euangebo dicens: „si quis 

tui commisso patre or- vult post me uenire, abneget semetipsum 

bati, tibi spirituali et tollat crucem suam et sequatur 

p a t r i nostro mandamus me". facta est igitur motio ualida per uniuersas 

ut qui hanc uiam Galliarum regiones: ut si aliquis Dominum stu- 

incepisti et ser- diose puroque corde et mente sequi desi- 

monibus tuis nos deraret atque post ipsum crucem fideliter 

omnes et terras nostras baiulare uellet, non pigritaretur Sancti Sepulcri 

et quicquid in terris uiam celerius adripere. Apostolicus namque 

erat relinquere fe- Romanae sedis Vrbanus ultra montanas partes 

cisti et cruces baiu- quantocius profectus est . . . cepitque subtiliter 



1) Vgl. Einleitung zu XIII und XIV. — ^) Vgl. Epistula II Stephani, 
X, 16. — 0) Den Nachweis habe ich zu erbringen gesucht in Forschungen 
zur deutsch. Gesch. XIII p. 400—412. — ^) S. XVI n. 83. 



XVI. — Epistula Boemundi ad Urbanum papam. 97 

lando Christum se- sermocinari et praedicare dicens : „ut si quis ani- 

qui etChristianum mam suam saluam facere uellet, non dubitaret 

nomen exaltare com- humiliter uiam incipere Domini; ac si de- 

monuisticomplendoquae nariorum ei deesset copia, diuina ei satis daret 

hortatus es . . . . misericordia". 

(14) nos Turcos et c. XXXIII, 4 : presbyteri obsecrantes Deum, 

paganos expugnauimus ut suum defenderet populum et christiani- 

tatem exaltaret ac paganismum deponeret. 

Es ist nun wohl moglich, dass der dem Boemund ergebene Ano- 
nymus, der Verfasser der Gesta Francorum, der Briefschreiber gewesen 
ist, und daran wenigstens zweifeln wir nicht, dass, wenn er es nicht ge- 
wesen sein soltte, der Schreiber, wer es auch immer gewesen sein 
mag, das I. Kap. der Gesta Franc. gekannt hat, das, wie wir in unserer 
Gesta-Ausgabe zu erweisen gesucht haben, im Fruhjahr 1097 schon 
niedergeschrieben worden ist. 

In Betreff der Nachricht der Abs. 15 und 16 verweise ich auf das 
zu n. 83 Gesagte. Hinzugefugt mag werden, dass auch durch Boe- 
mund die Absendung bezw. die Uebergabe an den Boten stattgefunden 
haben diirfte und eme etwa zuruckgelassene Abschrift des Briefes mit 
Abs. 14 geschlossen hat, in welcher Form der Brief auch durch Fulcher 
in dessen Historia eingefugt wurde. Wenn aber die Verfasser der 
Hist. de la France VIII, 619 behaupten, dass der von Fulcher tiber- 
lieferte Brief vollstandiger, bezw. unversehrter sei als der von Baluze 
tiberHeferte, so mussen wir dies bestreiten : denn der einfache Vergleich 
belehrt uns vom Gegentheil, indem wir eben in der Fulcherschen Re- 
cension gerade Abs. 15 und 16 vermissen. Das von Fulcher tiber- 
heferte Schreiben ist auf Grund eines Manuscripts gefertigt, das wohl 
auch einen officiellen Charakter an sich trug und von dem eine Kopie 
ohne Zweifel im Morgenlande zuruckgeblieben war, das von Baluzius 
tiberlieferte mit seinem interessanten Postscriptum (Abs. 15, 16) auf 
Grund des Manuscripts, das dem Papste zugesendet wurde. Beide sind 
denn auch in dieser Form bekannt geworden ^). 

Das Datum der Abfassung des Briefes ist der 1 1. September 
1098. In Betreff desselben verweise ich auf das in n. 92 Gesagte. 
Der Brief ist namlich von Fulcher wOrtlich in dessen Historia Hiero- 
solymitana aufgenommen worden und sonach in mehreren vollstandigen 
Handschriften dieser Historia enthalten ^), jedoch durchgangig ohne das 
Postscriptum des Abs. 15 u. 16. Dieser Handschriften sind es folgende: 

1. in Clermont-Ferrand, Stadtbibl. H n^ 199, membr. saec. 
XrV; — 2. in London, British Museum, fonds des KOnigs, n^ 5 B. 
XV, saec. XII, beschrieben im Recueil, Hist. occ. III p. xxxv; — 
3. in Paris, Bibl. nat., fonds S. Victor, membr. saec. XII, n» 205 fol., 
beschrieben im Recueil, ebenda p. xxv u. xxxi, und in Galterii Bella 
Ant. ed. Hagenmeyer p. 53; — 4. in Paris, Bibl. nat., fonds S. Victor, 



Vgl. a. zu XX n. 13. — ^) Von den 12 im Recueil benutzten Fulcher- 
handschriften enthalten nur 6 die Briefe Boemunds. Auch in dem von Pott- 
hast I, 476 unter den Fulcherhandschriften aufgefuhrten Codex aus Montpellier 
n^' 139, welcher nur Fulchers Historia im Auszug enthalt, fehlt der Brief. 

Hagenmeyer, Epistolae et Chartae. 7 



98 Eiiileitung. 

11° 893, 40 membr. saec. XII; — 5. in Paris, Bibl. nat., fonds latin, 
membr. saec. XII, n<^ 5131, beschrieben im Recueil, elienda p. xxvi 
u. xxxiii; — 6. in Paris, Arsenalbibliothek, membr. saec. Xlll, H. 103, 
beschrieben ebenda p. xxvi u. xxxiii. 

Auf Grund dieser soeben verzeichneten Handschriften ist die Historia 
Hierosolymitana Fulchers im Recueil, Hist. occid. des crois. HI, pp. 315 
— 485 und ebendarin auch pp. 350 — 351 unser Brief in der angegebenen 
Form ohne das Postscriptum ediert, auf welche Ausgabe wir hiemit 
verweisen, deren Varianten wir auch sub li in unsere Briefausgabe 
aufgenommen haben, ohne die genannten Fulchercodices selbst einer 
nochmaligen Durchsicht unterzogen zu haben. 

Ausser diesen Fulchercodices , in welchen der Brief als integrie- 
render Teil der Historia Hierosolymitana Fulchers aufgenommen wurde, 
sind aber noch 3 andere Codices bekannt, in welchen die Epistula als 
selbstandiges Stuck aufgefuhrt ist, namlich: 

7. auf der Laurentius Bibliothek zu Florenz, Cod. membr. saec. 
Xn. ineuntis Plut. LXV n^ 35 f. 3^. Der Codex entstammt wahrscheinbch 
dem Kloster Monte Casino, war ehemals im Besitze des Florentiners 
Nicolo Nicoli, kam dann in die S. Marcusbibliothek zu Florenz und von 
da in die Laurentiana. Die Schrift ist die der ersten Halfte des 
XII. Jahrhunderts. Der Brief selbst hat in demselben weder besondere 
Ueberschrift noch Titel ^), auch fehlt bei ihm das Postscriptum (Abs. 
15 und 16), endigt jedoch mit der Angabe des Datums. Die Varianten 
sind in unserer Ausgabe sub A verzeichnet; — 8. in Paris, Bibl. nat, 
fonds lat. 2827, membr. saec. XII ineuntis, f. 129^ nach welchem 
Manuscripte die Ausgabe des Briefes bei Baluze gefertigt worden ist. 
Dieser Codex, den wir mit E bezeichnen, enthalt die Epistula mit 
dem Postscriptum. — 9. zu Rom, Bibl. Vaticana Reg. Christinae 
547, membr. saec. XII, deren Varianten wir in unserer Ausgabe mit 
B bezeichnet haben. Die Epistula ist aus einem Fulcher-Codex ent- 
nommen und bildet ein Stiick des Articulus 92 der im genannten 
Codex enthaitenen „secunda particula in speciali de tercia recupera- 
tione terrae sanctae". Dieser „secunda particula" geht vorher die 107 
Artikel umfassende „secunda pars principalis libri bellorum Domini pro 
tempore nouae legis, quae est de belHs Domini gestis in terra sancta et 
pro illa recuperanda uel tuenda iri generali" : diesem zweiten Teile wird 
hinzugefugt die „secunda particula in speciali". Der Codex beginnt mit 
der secunda pars; pars I fehlt. — Articulus 92 beginnt mit den Worten: 
„nonagesimus secundus articulus secundum Fulcherium de Epistula, quam 
principes nostri Romae Urbano papae direxerunt, habet V conclusiones" 
(nun folgt, fast eine Spalte lang, Inhaltsangabe der V conclusiones). fol. 
189^ und 190^ steht ilber dem Texte: „92 articulus de epistula quam 
principes nostri papae direxerunt secundum Fulcherium". Beschrieben 
wird dieser Codex auch in Archives de TOr. lat. I, 289 — 322. 



') Teber das Alter der Handscliriffc schrieb mir Hr. Prof Dr. Enrico Ro- 
stagno, dera ich die CoUation des Briefes verdanke : «mancano argomenti si- 
curi pr stabilirne con esatteza ponendone — per argomenti paleografici — 
r eta verso la prima meta del secolo XII». 



XVI. — Epistula Boemundi ad Urbanum papam, 99 

Von der Epistula Boamundi ad Urbanum papam sind folgende 
Druckausgaben vorhanden : 

I. Ausgaben, in vvelchen die Historia Hierosolymitana Fulchers u. 
zw. der Brief als integrierender Teil dieser Historia abge- 
druckt ist: 

I. Bongarsius, Gesta Dei per Francos, Han. 1611, t. I p. 394 
bis 395. Bongars hat seinen Fulchertext aus 2 Handschriften ent- 
nommen, vs^elche aber nicht mehr zu existieren scheinen: die eine w^ar 
Eigentum Massons, die andere Roussets, letztere Handschrift stammte 
aus Clermont-Ferrand. — 2. Duchesne, Historiae Francorum Scrip- 
tores coaetanei, Paris 1641, tome IV p. 830. Da dieser Herausgeber 
den Text der 31 ersten Kapp. des lib. I w5rtlich aus Bongars, Gesta 
Dei per Francos abgedruckt hat, so ist der Brief Boemunds, welcher 
das XV. Kap. bildet, durchaus mit der Bongarschen Version identisch. 
- 3. Migne, Patrologia latina t. CLV p. 847—849 (Paris 1854), 
ist ein wOrtlicher Abdruck der Ausgabe Duchesne's. — 4. Recueil des 
Hist. des crois., Hist. occid. t. III p. 350, 351, welche Ausgabe 
auf den vorhin genannten Manuscripten 1 — 6 beruht. 

Die in den Ausgaben von Bongars, Duchesne and Migne hervor- 
[tretenden Varianten, weil die Ausgaben nur ein und dieselbe Version 
bieten, haben wir in unserer Ausgabe mit Gr bezeichnet; diejenigen im 
[Recueil mit R. 

II. Ausgaben , in welchen die Epistula Boemundi ad Urbanum 
[selbstandig, ohne mit Fulchers Historia Hierosolymitana in Verbin- 

lung gebracht zu sein, enthalten ist, und welche die Epistula mit dem 

*ostscriptum wiedergeben : 

1. Baluzii, Miscellaneorum libri VII, seu collectio vet. monum. 

*aris 1678, t. I, 415 — 419. Ein Wiederabdruck des Briefes in der 

Ton Mansi besorgten zweiten Ausgabe der Miscellanea, Paris 1763, 
III, 60. Der Text dieser Ausgabe ist entnommen aus dem sub n° 8 

)enannten Pariser Manuscripte fonds lat. n^ 2827. — 2. Reuber, Ve- 

teres Scriptores, 3® ed., cur. Joannis, Francof. 1726, p. 399 f. In den 

r2 alteren Ausgaben vom Jahre 1584 und 1619 ist die Epistula nicht 

[enthalten. Wenn auch Joannis nicht erwahnt, woher er den Text der- 

5elben entnommen hat, so ist doch sofort erkennbar, dass er voUstandig 
identisch mit dem Baluze'schen Texte und ein w^Ortlicher Abdruck des- 
[selben ist. Eine Handschrift hat Joannis, wie Riant, Inv. 182 vermutet, 

iicher niclit benutzt. — 3. Ein weiterer Abdruck der Epistula aus Ba- 
luze findet sich bei Migne, Patrologia latina CLI ^), p. 551—555 
(Paris 1853). 

Der Text unserer vorliegenden Ausgabe beruht auf den sub 7 und 9 
verzeichneten Manuscripten aus Florenz (A) und aus Rom (l>), der ge- 
nannten nach dem Pariser Manuscript der Nationalbibl. fonds latin 2827 
veranstalteten Ausgabe des Baluzius und deren identischen Abdrucken 



') Nicht t. CL wie Riant, Invent. 182 angiebt. EbenfaUs ist die Angabe 
Riants a a. 0., dass ein Abrruck auch bei Bouquet, Recueil des hist. de la 
irance XIV, 733 geboten sei, unrichtig, da bei Bouquet ebenso wie bei Migne, 
Patrol. lat. CLXXXV, 390 rnir die Titelangabe der Lpistula abgednickt ist. 



100 Einleitung. 

bei Joannis und Migne (E), auf den ebenfalls identischen Ausgaben bei 
Bongars, Duchesne und Migne (Gr), sowie des Recueil (li), auch habe 
ich die von Barth bei Ludewig, Reliquiae manuscr. (Lips. 1620) t. III, 315 
angegebenen wenigen Varianten unter die Variantennoten aufgenom- 
men (L). 

Als Erlauterungsschriften sind zu nennen: Histoire litt. de 
la France, VIII, 617. — Mailly, L'esprit des croisades IV, 305. — 
SchrOckh, Christl. Kirchengesch. B. XXV, 77. — Wilken, I, 230. — 
Sybel, Gesch. d. ersten Kreuzzuges 13 (14). — Peyre, Hist. de la I. 
crois. II, 201 f. und 481 ff. — Damberger, Synchron. Gesch. d. Kirche 
und Welt VII, 376. — Riant, Inventaire 181 ff. — Potthast, Bibl. hist. 
I, 161. — De Mely, Reliques de Constantinople p. 120. — Kiihne, Zur 
Gesch. d. Fiirstentums Antiochien 5. — HChr. n^ 314. 

Ins FranzOsische ilbersetzt ist der Brief bei Peyre a. a. 0.; 
bei Guizot, Collect. des mem. relat. a 1' hist. de la France. tome XXIV, 
56, 57, und bei Darras, Hist. de T eglise XXIII, 559. 560. 



XTII. 

Epistula cleri et populi Luccensis ad omnes fideles. 
(Geschrieben im October 1098 aus Lucca). 

Dieser Brief ist ausgegeben worden von dem Klerus und dem 
Volke von Lucca, w^elche sich berufen fuhlten, das was sie uber die 
morgenlandische Kreuzzugsangelegenheit vernommen hatten, auch ander- 
weitig bekannt zu geben und zur Pilgerung nach Palastina einzuladen. 
Es ist ein Excitatorium, das an die weltlichen und geistlichen Grossen 
sowie alle Christglaubigen gerichtet ist, welche Kenntnis erhalten soUten 
von dem gliicklichen Fortgange der Dinge in Syrien (Abs. 1, 2). Die 
Absender berichten zunachst, dass ein gewisser Biirger Luccas na- 
mens Bruno vor Jahresfrist auf einem englischen Schiffe nach An- 
tiochien gefahren sei, wo er im Heere der Kreuzfahrer an der Belage- 
rung der Stadt sowie an der Einnahme derselben und am Siege gegen 
Kerboga personlich sich beteihgt habe und nach dem letzteren noch 
3 Wochen, d. i. bis zum 19. Juli, geblieben war, um alsdann wieder 
in seine Heiniat zuriickzukehren. Was dieser Bruno seinen Mitburgern 
erzahlt habe, wollen sie, die Absender, zur Ehre des Heilandes in 
wahrheitsgetreuer Weise weiter erzahlen (Abs. 3). Brunos Ankunft 
(in S. Simeonshafen) habe am 4. Marz 1098 stattgefunden, am 4. Marz 
sei von den Belagerern ein Kastell in der Nahe des Westthores zu er- 
richten beschlossen worden, und am namlichen Tage hatten bei einem 
Angriff der Turken 2055 Kreuzfahrer und 800 Feinde den Tod ge- 
funden. Von diesem Tage an bis zum 3. Juni hatten sie viel Not mit 
Standhaftigkeit ertragen (Abs. 4, 5). Es folgt hierauf der Bericht 
Brunos uber Antiochiens Einnahme (Abs. 6) und daruber, wie die Franken 
von einem unzahlig grossen Heere der Turken eingeschlossen wurden; 
Hunger und Furcht, weil man wahnte, dass alles verloren sei, habe den 



I 



XVII. — Epistula cleri et populi Luccensis ad omnes fideles. 101 

Grafen Stephan und Wilhelrn, einen Verwandten Boemunds, und sehr 
viele andere veranlasst, aus Antiochien zu entfliehen (Abs, 7); doch 
durch Gottes Barmherzigkeit sei zur Freude der Belagerten die heil. 
Lanze aufgefunden worden (Abs. 8), worauf sie nach Stagigem Fasten 
und Frocessionen am Tage vor Peter und Paul (28. Juni) gegen die 
Tiirken aus der Stadt gezogen seien und vereint mit einem auf wunder- 
bare Weise ihnen zur Hilfe geeilten Reiterheere sowie eines Staub- 
windes dieselben in die Flucht gejagt (Abs. 9) und eine ungeheuer 
grosse Beute erlangt hatten; auch die Burg der Stadt sei jetzt in ihre 
Hande gefallen (Abs. 10). Damit schliesst die Erzahlung Brunos. Die 
Luccenser kniipfen daran noch die Bitte, dass, wer immer in der Lage sei, 
mit Ausnahme der Armen und der Frauen, ins Morgenland ziehen, 
die Briider besuchen und fiir die Pilger Fiirbitte zu einer gliicklichen 
Pilgerreise einlegen soUe (Abs. 11). Noch bemerken die Absender des 
Briefes, dass Papst Urban II. zur Zeit in Bari ein Concil abzuhalten 
im Begriffe stehe und berate, wie er selbst mit vielen Herren der Erde 
nach Jerusalem ziehen werde (Abs. 12). 

Bruno, iiber welchen weiter nichts bekannt ist, als was uber 
dessen PersOnliclikeit im Briefe selbst erwahnt wird (s. zu n. 6), schil- 
derte offenbar den Luccensern ausfulirlicher, wohl auch viel mehr Selbst- 
erlebtes, als im Briefe mitgeteilt wird. Wir miissen deshalb annehmen, 
dass die Mitteilung im vorliegenden Schreiben mehr einen Ueberblick 
iiber die hauptsachHchsten Begebenheiten enthalt, weshalb auch das 
allermeiste mit anderwarts Bekanntem identisch ist. Wiirde darum 
dieses hier gebotene Referat die Erzahlung Brunos in allen ihren Ein- 
zelnheiten wiedergeben, so wiirde ohne Zweifel auch die PersOn- 
lichkeit Brunos mehr in individuellen Ziigen hervortreten und uns viel 
mehr Neues und sonst weniger Bekanntes mitgeteilt worden sein. 
Bruno, der vom 5. Marz an bis zum 19. Juli 1098 im Lager der Kreuz- 
fahrer sich aufgehalten hatte, ist in der seinen Mitburgern in Offent- 
licher Versammlung (s. Abs. 4 n. 13) gegebenen Erzahlung nicht so 
kurz nur iiber die Vorgange und Erlebnisse in der genannten Zeit hin- 
weggegangen, wie die Luccenser Abs. 5 (Schluss) dariiber berichten; 
auch iiber den am 28. Juni stattgehabten Angriff auf Kerbogas Heer 
wird er gewiss ausfuhrlicher berichtet haben. Die Luccenser heben 
eben daraus das ihnen am wichtigsten Erschienene hervor (Abs. 9). 
Nichtsdestoweniger aber ist das, was der Brief bietet, eine willkom- 
mene Gabe, denn wir begegnen in demselben einigem, das nicht nur 
ein helleres Licht auf anderweitig Mitgeteiltes wirft, sondern auch An- 
gaben enthalt, die wir sonst nirgends finden: zu den letzteren 
gehOrt die bestimmte Datumsangabe , dass am 5. Marz 1098 von den 
Kreuzfahrern die Errichtung des Kastells dem Briickenthor gegeniiber 
beschlossen worden sei und dieses Kastell den Namen der Jungfrau 
Maria erhalten habe (Abs. 5) ; ferner dass beim Beginne des Kampfes 
gegen Kerboga ein starker Wind, welcher eine ungeheure Staubmenge 
aufgewirbelt, den Erfolg der Franken mitverursacht habe (Abs. 7); 
ferner die Nachricht, dass englische Schiffe auch italienische Pilger, wie 
den Bruno und seine Gefahrten (denn dass er nicht allein dahin ge- 
pilgert, geht aus Abs. 4 klar hervor), im Winter 1097/98 nach An- 



102 Einltfitung. 

tiochien bezw. nach S. Simeonshafen iibergefuhrt haben (Abs. 4). 
Wie es sich mit der allein von Bruno gemachten Angabe verhiilt, w^o- 
nach die Einnahme Antiochiens von 4 Brudern aus dem antiochenischen 
Adel (Abs. 6 : quatuor gerniani uiri nobiles de Antiochia) dem Boemund 
und den beiden Roberten die Uebergabe der Stadt versprociien hatten, 
daruber vgl. n. 26. Von besonderer Wichtigkeit aber ist die nur von 
den Luccensern im Briefe gemachte Mitteilung, dass auf dem im October 
1098 zu Bari abgehaltenen Concil der Papst Urban daruber 
verhandelt habe, ob er selbst nach dem Morgenlande zum Kreuzheer 
sich begeben soUe (Abs. 12), woriiber wir Naheres in n. 61 gesagt 
haben. Diese Nachricht ist deshalb so beachtenswert, weil darin die 
in Epistula Boemundi, XVI, 4 an den Papst gerichtete Aufforderung, 
nach Palastina zu kommen, eine sichere Bestatigung erhalt, wie denn 
aucli wohl die Schlussbemerkung unseres Briefes schwerhch hatte ge- 
macht werden kOnnen, wenn nicht eine Aufforderung an den Papst 
thatsachhch erfolgt gewesen und daruber auch in der Oeffenthchkeit 
schon gesprochen worden ware. 

Dass vielleicht die Luccenser in ihrem Berichte die Worte Brunos 
nicht immer ganz richtig wiedergegeben haben, so dass beim Leser 
eine etwas andere Vorstellung bewirkt wird, als sie von Bruno beab- 
sichtigt war, wie z. B. in Abs. 5, wo am 5. Miirz die Zahl der Toten 
als an diesem Tage gefallen hOchst wahrscheinhch zu hoch taxiert ist, 
wahrend Bruno dort auch von den Kampfen der nachstfolgenden Tage 
geredet haben wird, sodann in Abs. 9 die Darstellung des Angriffes 
der Kreuzfahrer gegen Kerboga, wo auffallenderweise nur der Bischof 
Ademar von Puy als Anfuhrer und nichts iiber die Beteihgung der 
Fursten erwahnt wird, — dies.legt uns die Frage nahe, in wie weit 
etwa Bruno selbst bei Abfassung des Briefes beteiligt 
gewesen ist, ob nur das von ihm Erzalilte einfach in zusammen- 
hangender Weise von irgend einem Schreibkundigen Luccas nieder- 
geschrieben worden und sonach bei Wiedergabe des GehOrten dieser 
Schreiber allein fur den Inhalt verantwortlich zu machen ist, oder ob 
Bruno selbst insoweit mitbeteihgt war, dass er selbst das Ganze re- 
digiert hat? Letzteres nimmt Riant, Inv. 185 an: es sei die Erzah- 
lung niedergeschrieben worden, „sous la dictee meme du personnage 
dont le dire s'y trouve recueilh, et ou ce personnage s'exprime tou- 
jours a la premiere personne" : allein sichere Anhaltspunkte hiefur sind 
keine vorhanden und es bleibt die eine oder die andere Annahme eben 
nur eine Vermutung, wenn wir auch geneigt waren, gerade um der an- 
gegebenen ungenauen Mitteilungen willen anzunehmen, dass Bruno bei 
Abfassung des Briefes als Schreiber bezw. Korrektor des Briefes nichtj 
fungiert tiabe. 

Lasst sich demnach der Verfasser des Briefes nicht strikte nach-^ 
weisen, so gehen wir desto sicherer bei Feststeliung der Abfassungs- 
zeit. Diese lasst sich annahernd bestimmen durch die am Schlusse 
der Epistula beigefugte Mitteilung Abs. 12, dass Urban im Begriffe stehe, 
zu Bari ein Concil abzuhalten. Wurde etwa das Concil schon beendigtl 
gewesen sein, als der Brief geschrieben wurde, oder liatte dasselbe erst^ 
noch abgehalten werden miissen, so wiirde anstatt des Praesens ent- 



XVII. — Epistula cleri et populi Luccensis ad omnes fideles. 103 

weder das Perfect oder Futurum gebraucht worden sein. Die Zeit der 
Abhaltung des Concils fallt nun in den October 1098. Urban II. hatte 
sich den Sommer hindurch in Salerno aufgehalten, war im September 
1098 zu Benevent gewesen, von wo aus er sich nach Bari begeben 
hat und dort am 3. October 1098 eingetrotfen ist ^). Ob nun sofort 
nach dem Eintretfen des Papstes oder erst einige Tage spater die Ab- 
haltung des 8 Tage wahrenden Concils begonnen hat, vielleicht in der 
zweiten Halfte des genannten Monats, ist nicht bestimmt zu sagen ^). 
Die Abfassungszeit des Schreibens fallt somit in den 
October 1098. Leider ist im Manuscript das Datum selbst nicht ver- 
zeichnet. 

Der Brief ist von Riant in dem oben Einleitung zur Epistula II 
Anselmi S. 92 beschriebenen Codex der Bibliothek Mazarin n^ 1710 
(1345) entdeckt und von ihm auch erstmals im Invent. 223 ediert wor- 
den. Im Katalog der genannten Bibliothek ist demselben die Bezeich- 
nung als „Epistula cleri Luccensis de uictoria mirabili contra Turcos" 
gegeben, jedocli mit dem irrigen Beisatze: „scripta anno 1197, quo obiit 
Urbanus papa IIP, doch findet sich dieser Irrtum im Katalog bei Mo- 
linier nicht mehr. Von Riant ist im Invent. 184 tf. Naheres iiber den 
Brief mitgeteilt. Benutzt wurde er von Jaffe in Reg. Pont. Rom. I, 
p. 694, von Sybel in Gesch. d. ersten Kreuzz., 2. Aufl. S. 15, in meiner 
Ausgabe der Gesta Franc. p. 287, 301, 368, 370, 374, 379 und in 
meiner Ciu-onol. de la F^ croisade sub n» 240, 243, 248, 264, 265, 
284, 289, 291, sowie von de Meiy in Reliques de Constantinople p. 120. 



XVIII. 

Epistula (Dagoberti) Pisani archiepiscopi et Godefridi ducis 

et Raimundi de S. Egidii et uniuersi exercitus in terra Israel 

ad papam et omnes Christi fideles. 

(Geschrieben im September 1099 aus Laodicea). 

Dieses Schreiben ist an den Papst, an die BischOfe sowie an alle 
Christen — wobei zunachst nach Abs, 17 die „tota gens latina" gemeint 
ist — gerichtet (Abs. 1). Es kennzeichnet sich demnach als eine En- 
cyklika wie I, II, VI, IX, X, XII und XVII, in welchen uber den 
Kreuzzug das fiir die Gesamtheit Wissenswerteste mitgeteilt wird, 
um dadurch das Interesse am Unternehmen zu fOrdern und fur das- 



») S. u. 61. — 2) Woher Riant den 21. October 1098 als den Tag der 
Ahfassnng entnommen hat, weiss ich nicht, zudem er S 185 das Concil auf 3, 
bis 11. October notiert hat Ware in der That der 21. October das richtige 
Datum — doch scheint die Zahl 21 ein Druckfehler zu sein — so kann gar 
kein Zweifel obwalten dariiber, dass auch der von Boemund am 1 1. September 
an Urban abgeschickte Brief in dessen Hande schon gelangt war bevor das 
Concil seinen Anfang genommen hatte, denn innerhalb 5 Wochen ist die Fahrt 
eines Schitfes vom Simeonshafen nach Bari leicht zuriickzulegen gewesen. 



104 Einleitung. 

selbe neue AnhSnger zu gewinnen (s. Abs. 17). In praegnanter Schil- 
derung werden darin die hauptsachlichsten Tiiaten und Erlebnisse der 
Kreuzfahrer erziihlt von Nicaeas Eroberung, also von Sommer 1097 an, 
bis September 1099 bezw. bis zum Aufenthalte der auf der Heimkehr 
ins Abendland begriffenenen Pilger. Nach der Adresse (Abs. 1) folgt 
die Aufforderung zum Frohlocken iiber die Barmherzigkeit Gottes, welcher 
in Erfullung habe gehen lassen, was er in alter Zeit verheissen (Abs. 2) ; 
denn er habe nach der Einnahme Nicaeas das melir als 300000 Be- 
w^affnete zahlende Heer glucklich durch Romanien gefiihrt, ihm reich- 
lichen Unterhalt gewahrt und demselben gegen die sich auflehnenden 
Sarazenenfiirsten den Sieg verliehen (Abs. 3), woruber die Pilger uber- 
mutig geworden seien, weshalb sie Gott durch eine 9 monathche Be- 
lagerung Antiochiens gedemijtigt habe,. bis er sie in seiner Barmherzig- 
keit in diese Stadt einfiihrte (Abs. 4). Da man aber dafur Gott nicht 
wiirdig dankte, habe ein grosses Sarazenenheer die Stadt umlagert und 
Gott ihnen eine Hungersnot auferlegt (Abs. 5), bis er sich ihrer "wieder 
durch das Geschenk der heil. Lanze erbarmte und dadurch ihnen neuen 
Mut einflOsste (Abs. 6). Nach dem Sieg iiber ihre Feinde hiitten sie 
Barra und Marra, 2 Stadte Syriens erobert, allein durch den langeren 
Aufenthalt an letzterem Orte habe die Hungersnot im Heere derart iiber- 
hand genommen, dass sogar Leichname gefallener Sarazenen von ihnen 
verzehrt wurden (Abs. 7). Hierauf seien sie auf gottlichen Wink nach 
Hispanien gezogen und, obwohl das Heer immer mehr sich minderte, 
nach Jerusalem geeilt, wobei wahrend des Zuges dahin die Befehls- 
haber der Stadte Syriens ihnen sich tributpflichtig erklart (Abs. 8) und 
sich bei Tyrus auch die in Antiochien Zuriickgebliebenen angeschlossen 
hatten (Abs. 9). Nach einer muhevollen Belagerung und einer Pro- 
cession um die Stadt habe Gott am Fest der Apostelaussendung Jeru- 
salem in ihre Hand gegeben, wobei es vorgekommen sei, dass in der 
Saulenhalle Salomos und in dessen Tempel das Sarazenenblut bis an 
die Kniee der Pferde gereicht habe (Abs. 10). Nach Einsetzung des 
Regenten habe man das Gerucht vernommen, dass der Konig von 
Babylon (Cairo) nach Askalon ziehe (Abs. 11); man zog ihm entgegen. 
Beim Anblick der Feinde habe man Gott um Hulfe angefleht (Abs. 12). 
Dieser war ihnen nahe und fiihrte sie, die viel geringer an Zahl als 
ihre Feinde waren, zum Sieg. Auf einen einzigen Angriff hin flohen 
diese und verloren alle ihre Waffen (Abs. 13). Die Beute, sowie die 
Zahl der Gefallenen war unbeschreiblich gross, mehr als 100000 Mauren 
seien umgekommen und nur wenige waren am Leben geblieben, wenn 
die Franken sich nicht durch die Begier nach Beute von weiterer Ver- 
folgung hatten abhalten lassen (Abs. 14). Am Tage vor der Schlacht 
habe das Heer viele tausende Kameele, Ochsen und Schaafe erbeutet, 
welche am Tage der Schlacht wunderbarerweise ebenfalls mit den Vor- 
dringenden gegen die Feinde vorgegangen seien (Abs. 15). Die Kreuz- 
fahrer seien nach Jerusalem zuriickgekehrt, Gottfried aber daselbst ge- 
blieben, wahrend Graf Raimund und die beiden Roberte nach Laodicea 
zogen, wo sie Boemund und die Flotte der Pisaner antrafen. Der Erzbischof 
von Pisa habe Boemund mit den Fursten ausgesOhnt und Raimund sei 
entschlossen gewesen wieder nach Jerusalem zuriickzukehren (Abs. 16). 



XVIII. — Epistula Dagoberti Pisani archiepiscopi ad papam. 105 

Der Schluss des Schreibens enthalt an die Kirche Christi und das ganze 
lateinische Volk eine Aufforderung zum Frohlocken und den Wunsch, 
dass Gott alle Kleriker und Laien einst zu seiner Rechten stellen moge 
(Abs. 17). Dem Briefe angehangt sind noch 2 Zusatze, von denen der 
zweite (Abs. 19) nur in den Handschriften A B' und B" sich findet 
und eine Reihe sich auf den Zug beziehenden Datumsangaben enthalt, 
von vi^elchen der erste (Abs. 18), der in den Handschr. G M^ V V"^ Z 
nicht beigesetzt ist, die instandige Bitte an die Glaubigen enthalt, den 
heimkehrenden Brudern wohlzuthun und denselben ihre Schulden zu 
bezahlen, damit Gott auch ihnen (den Glaubigen) vergeben konne. 

Wahrend die Hauptthaten und Erlebnisse der Kreuzfahrer von der 
Eroberung Nicaeas bis zu derjenigen Jerusalems sehr kurz und mehr 
nur in ubersichtlicher Form mitgeteilt werden, ist im Verhaltnis zu dieser 
Kurze die Schlacht bei Askalon ausfiihrlicher erzahlt, offenbar 
als das dem Verfasser in der Erinnerung zunachst riickwarts liegende 
Ereignis, das er der Erwahnung fur wert hielt, um dabei die wunder- 
bare Hilfe Gottes, welche dem Kreuzheere zu teil geworden sei, von 
seinem (des Verfassers) Standpunkt aus den Lesern zur Kenntnis zu 
bringen: denn wunderbar ist nacii ihm alles, was an jenem denkwur- 
digen Tage dazu beigetragen hat, dass das verhaltnismassig kleine 
Christenheer iiber das ungeheuere Sarazenenheer den Sieg davongetragen 
hat (Abs. 14. 15). Dass er nun das allermeiste iiber die Vorkomm- 
nisse beim Kreuzzuge nur sehr kurz behandelt, mag wohl einesteils 
darin seinen Grund haben, dass er die Kenntnis der betreffenden Be- 
gebenheiten voraussetzt, da ja fruher schon an den Papst und die 
abendliindische Kirche Briefe vom Kreuzheere abgesendet worden waren, 
andernteils aber durfte der Zweck und der mehr allgemeine Charakter 
des Schreibens die Veranlassung zu dieser Kiirze abgegeben haben : 
glaubt er doch in Abs. 15, wo er iiber die erbeuteten Tiere Naheres 
berichtet, dies nur deshalb thun zu sollen, weil diese Erzahlung nicht 
iibergangen werden diirfe, trotzdem sie lang sei , jedoch thatsachlich 
nur einige Zeilen erforderte ; zu lang ware es auch, wie er Abs. 5 sagt, 
wenn er das Elend in Antiochien wahrend der Belagerung dieser Stadt 
durch die Tiirken erzahlen wollte. Wenn nun auch die Erzahlungen 
Raimunds de Ag., des Anonymus der Gesta, Tudebods und Fulchers 
iiber das allermeiste, was der Brief enthalt, besser und eingehender 
den Leser unterrichten, so ist doch nicht nur die ausfiihrliche Darstel- 
lung der Begebenheiten bei Askalon, sondern vornehmlich auch der 
Bericht uber die Heimkehr der Fursten und deren Auf- 
enthalt in Laodicea von ganz besonderem Werte, denn letzterer 
Absatz giebt, da wir sonstiger Nachrichten von Augenzeugen daruber 
entbehren, weun auch in ganz kurzen Zugen uns eine feste und sichere 
Handhabe, um die spateren mehr oder weniger unzuverlassigen und 
sonst unkontrolierbaren Angaben eines Alb. VI, 55 — 60 und derjenigen 
Orderichs Vit. IV, 72 f. besser wiirdigen zu kOnnen. 

Trotzdem ist sein Bericht nichl fehlerfrei: zu deutlich treten 
uns einige derart iiberschwengliche Angaben entgegen, dass wir wohl 
in denselben die Veranlassung finden mOgen, weshalb Wilken II, 10, 
und diesem folgend Jaffe in Monumenta Bambergensia p. 176 die Un- 



106 Einleitung. 

echtheit des Briefes annehmen zu mussen glaubten: in dieser Bezieh- 
ung verweise ich auf Abs. 3, wo der Briefschreiber erwiihnt : die Menge 
der Kreuzfahrer sei so gross gewesen, dass sie ganz Romanien be- 
setzen, die FlQsse austrinken und an einem Tage alle Saaten hatten 
abweiden kOnnen; oder auf Abs. 10, wo er bemerkt, dass walirend der 
Einnahme Jerusalems die Ritter im Siiulengange Salomos und in dessen 
Tempel im Blute der Sarazenen bis an die Kniee der Pferde geritten 
seien. Hieher geh5rt auch die Angabe Abs. 14, dass 100000 Mauren 
in der Schlacht bei Askalon gefallen seien — eine Zahl, die nur der 
Phantasie iin*e Entstehung verdankt, in Wirkhchkeit aber wohl aller- 
hOclistens den 25. Teil betragen haben wird. 

Dennoch aber sind die Griinde, welche die Echtheit des 
Briefes bezeugen, unwiderleglich, wogegen die soeben genannten 
durch die allzustarke Phantasie des Briefschreibers veranlassten Fehler 
nicht in Betracht kommen konnen, um so weniger, als dieselben ja immer- 
hin sich erklaren lassen bei einem, der in der gehobenen Stimmung, in 
welcher er schrieb, sich wohl auch solche Extravaganzen seiner Phan- 
tasie gestatten durfte, um bei den Lesern den Eindruck des Gross- 
artigen, fast uber die Grenze des MOglichen Hinausgehenden zu wecken. 

Der Verfasser schrieb unter dem Eindruck des Sieges, welchen 
das Kreuzheer iiber die Sarazenen bei Askalon davongetragen hatte, 
u. zw. in der ersten Person Pluralis und schliesst sich als Teilnehmer 
mit ein, wenn er Abs. 12 und 13 von dem Abmarsche nach dem 
Schlachtfeld und von dem Kampfe daselbst redet. Auch ist die Er- 
wahnung von des Grafen Raimund beabsichtigter Ruckkehr nach Jeru- 
salem (Abs. 16), welche bekannthch nicht mehr ausgefuhrt worden ist, 
Beweis genug dafur, dass ein mit den damaligen Verhaltnissen genau 
Vertrauter diesen Brief geschrieben haben muss, — wie hatte auch ein 
Fiilscher es fur notwendig erachten sollen, eine blosse Absicht des 
Grafen anzufuhren und damit seinen historischen Bericht zu schliessen, 
und tiberhaupt iiber die Vorgange in Laodicea etwas zu schreiben ver- 
mocht? Zudem stimmen alle seine (ibrigen Angaben, soweit sie sich 
mit den Erzahlungen der iibrigen Augenzeugen kontrolieren lassen, mit 
diesen genau iiberein. Dazu kommt, dass auch die Zeit, in welcher 
das Schreiben abgefasst worden sein muss, eine gewichtige Instanz 
bildet, um die Echtheit desselben zu bestatigen: Zunachst ist es die 
Adrei^se, welche uns in dieser Beziehung einen Anhaltspunkt bietet: 
da nennt sich Dagobert noch „archiepiscopus Pisanus". Bekanntlich ist 
Dagobert zu Weihnachten 1099, nachdem er mit Boemund und Balduin 
nacli Jerusalem gekommen war, an Stelle des provisorisch gewiihlten 
Arnulf auf den dortigen Patriarchenstuhl erhoben worden; ware der 
Brief etwa erst nach Weihnachten 1099 verfasst worden, so hatte 
Dagobert indemselben gewiss als „patriarchaHierosoIymitaiiaeeccIesiae" 
figuriert. Ferner ist der Anfang der Adresse „domino papae Romanae 
ecclesiae" ein indirekter Beweis fiir die Abfassung desselben im Sep- 
tember 1099. Am 29. Juli 1099 ist Urban II gestorben; die Nach- 
richt von seinem Tode mag gegen Ende September in Laodicea be- 
kannt geworden sein, aber keineswegs wusste man schon von der am 



XVIII. — Epistula Dagoberti Pisani arcliiepiscopi ad papam. 1Q7 

13. August 1099 stattgehabten Wahl Paschalis 11.^); im ersteren Falle 
konnte der Verfasser anstatt «domino papae" nicht „Urbano papae" 
sclireiben, im letzteren nicht „Paschali papae", da man doch diese Namen 
in der Adresse, wie sonst ublich, erwarten durfte, sofern der Verfasscr 
den Namen des jeweiligen Papstes gewusst iiatte. Die Annales S. Disi- 
bodi '^) haben freiUch „Paschaii papae", und sicher ist auch Papst Pa- 
schalis II der Empfanger des Briefes gewesen. Allein dieser Name in 
der Adresse ist ein spaterer Zusatz vonseiten des Verfassers der Annales 
Disibodi, der deu felilenden Namen des vermeintlichen Adressaten er- 
ganzen wollte. Nicht minder deuten auch die W^orte der Adresse: 
„Godefridus nunc advocatus" auf die fruhe Abfassung des Briefes hin, 
woriiber Naheres in n. 4 gesagt ist. Ein weiterer Grund, um die Ab- 
fassungszeit des Schreibens bestimmen zu kOnnen, ist der Umstand, 
dass der Brief in der bisher dem Ekkehard von Aura zugeschriebenen 
Recension A seines Clironicons, welche mit dem Jahre 1101 endigt, 
aber thatsachlich von Frutold, einem im Jalire 1103 gestorbenen MSnche 
von Michelsberg bei Bamberg, herruhrt ^), fast voUstandig wortiich auf- 
genommen ist. Demnach ist der Brief spatestens im Jalire 1101 im 
S. Michaelskloster zu Bamberg vorhanden gewesen und, wie wir wissen, 
auch in den Codex Udalrici aufgenommen worden ^), so dass wir als 
wichtige Instanz fur dessen Echtheit die sehr friihe Benutzung des- 
selben anzusehen haben. Dazu kommt noch, dass Ekkehard in seinem 
im Jahre 1106 verfassten Clironicon sowie in seinem Hierosolymita die 
Mitteilung macht: dieser Brief sei seinerzeit von Robert von Flandern 
— denn nur dieser, nicht Robert von der Normandie, kann gemeint 
sein ^) — ins Abendland tiberbracht worden : Graf Robert von Flandern 
ist im September 1099 mit Robert dem Normannen von Laodicea aus 
ins Abendland zuriickgekelirt und zu Anfang des Jaiires 1100 in seiner 
fiandrischen Heimat wieder angelangt, nachdem er Itaben und Frank- 
reich durchzogen liatte und iiberall mit hohen Ehren aufgenommen 
worden war*). Dieser hat ohne Zweifel auf seiner Ruckreise durch 
Italien den Papst besucht, da. er dem papstlichen Stuhle sehr ergeben 
gewesen und deshalb von diesem auch sehr begiinstigt worden ist ^). 



') S. n. 1 und Gigalski, Bruno v. Segni S. 49. — ^) In Mon Germ. 
SS. XVII. 17. — ^) Dies hat in iiberzeugender Weise neuerdings Bresslau in 
seinen Bambe^-ger Studien in NADG XXI, 298 ff. nachgewiesen. — ^) Ueber 
den Codex epistularis Udahici Babenbergensis, welchen Jaffe in Bibl. rer. Germ. 
t. V (Mon. Bamberg.) p. 17—469 ediert hat, vergl. ebenda d. Einl., sowie Watten- 
bach, Deutschrs. Geschichtsquellen. • . Aufl. 11 (1894) p. 184 f. und Potthast Bibl. 
hist. II, 1078. Unser Brief findet sich in der Jaffe'schen Aasgabe auf S. 176 
bis 180. — ^) Ekkehardi Hierosolymita XIY, . : «ut epistula docet a Ruo- 
perto comite delata» — ") Vgl. ouquet, Reciieil des Hist. des Gaules XHI, 
469. — 7) Vgl. das Schreiben Paschals II an Robert von Handern de dat. 
21. Jan. 1102, bei Jaffe-Lowen'eld 5889 (4432) und in dessen Monum. Baraberg. 
p. 202, ebenfalls bei Bouqutt, Recueil XV, 25 und bei Mausi XX, 586. worin es 
u. a. heisst: «benedictus Dominus Deus Israel, qui in te uirtutis efficaciam ope- 
ratur : qui reuersus Jerusalem Syri e in caelestem Jerusalem iustae mihtiae ope- 
ribus ire contendis. hoc est legitimi miUtis, ut sui regis hostes instantius per- 
sequatur. gratias < rgo pnidentiae tuae agimus, quod praeceptum nostrum in 
Cameracensi parochia executus es ... nullum profecto gratius Deo sacrificium 
ofterre poteris, quam si eum [Henricum imperat.] impugnes, qui se contra Deum 



108 Einleitung. 

Er hat dem Papste Paschalis II den Brief uberbracht und wolil auch 
zur Verbreitung des Briefes im Abendlande beigetragen. Dies war dem 
Ekkehard wohlbekannt, ansonst er die Bemerkung, Robert habe den Brief 
uberbracht, gewiss nicht begefugt haben wilrde ^). Die Abfassung 
ist deshalb sicher in den September 1099 zu setzen, u. zw. in die 
Tage als die Pilger sich anschickten, von Laodicea aus in die Heimat 
zuriickzukehren. 

Es eriibrigt uns nun noch, auch die Frage nach dem Verfasser 
des Schreibens des naheren zu erOrtern, welche mit derjenigen nach 
der Echtheit im engsten Zusammenhang steht. In Forschungen zur 
deutschen Gesch. XIII, 400 f. habe ich seinerzeit zu erweisen gesucht, 
dass niemand anders der Verfasser sein kOnne als Raimund de Aguilers, 
der Kaplan des Grafen Raimund von S. Gilles, welcher mit seinem 
Herrn im Spatsommer 1099 in Laodicea anwesend war. Die Epistula 
beginnt zwar Abs. 1 mit den Worten „Pisanus archiepiscopus et alii 
episcopi" etc, hieraus darf aber keineswegs gefolgert werden, weil Da- 
gobert zuerst genannt ist und im Falle auch das „ego" vor „Pisanus 
archiep." authentisch sein soUte, weil er sich in dieser Weise einfuhrt, 
dass er auch der Briefschreiber gewesen sei, denn er wSre wohl nicht 
im Stande gewesen, da er ja nicht Augenzeuge des darin Berichteten 
und erst gegen September 1099 nach Palastina gekommen war, einen 
so zutreffenden Bericht zu erstatten; dagegen miissen wir, weil das 
Schreiben die auffallendste Aehnlichkeit nach Inhalt, Darstellung und 
Tendenz mit der Historia Francorum des Raimund de Aguiiers aufweist 
und die Stellungnahme des Verfassers gegeniiber den Ereignissen und 
dessen religiOse Anschauung ^) identisch mit derjenigen Raimunds ist, 
folgern, dass au^h der Verfasser der Historia der Verfasser unseres Briefes 
ist: es ist die gleiche Sprachweise bei dem einen wie beim andern, der 
gleicheStilnichtnurjeweils bei ein und derselben Mitteilung, sondern auch 
bei Mitteilungen von ganz verschiedenem Inhalte, stereotype Ausdriicke ^), 
die der eine vom andern Verfasser nicht wohl abgelernt haben kann, viel- 



erexit, qui ecclesiae Dei regnum auferre conatur, qui in loco sancto Sinionis 
idolum statuit, qui a principibus Dei sanctis apostolis eorumque uicariis de ec- 
clesiae domo S. Spiritus iudicio expulsus est. hoc tibi ac militibus tuis in pecca- 
torum remissionem et apostolicae sedis familiaritatem praecipimus, ut bis laboribus 
ac triumphis ad caelestem Hierusalem, Domino praestante, peruenias«. 

') bybel, Gesch. d. erst. Kreuzzugs. S. 15 (2. Aufl.) : «Dass im Abendlande 
hier und da abweicliende Abschriften des Briefes cirkuliert haben, ist oben er- 
wahnt : in der Hauptsache aber ist mir von jeher die Authenticitat desselben un- 
bedingt verbiirgt erschienen durch das Zeugnis Ekkehards, welcher. indem er 
auf einen durch den Graten Robert iiberbrachten Brief Bezug nimmt, inhalt- 
reiche Stiicke unseres Dokumentes wortlich in seine Darstellung einreiht». — 
2) In dieser Beziehung verweise ich auf Abs. 4, n. 16; Abs. 5, n. 21; Abs. S, 
n. 2«, 27, 30; Abs. 8, n. 39; Abs. 10, n. 50; Abs. 16, n. 83. — s) Man vgl. 
den nur in unserem Briefe und bei Raimund gebrauchten Ausdnick Hispania 
(Abs 8) fur Sarazenenland. Eine Eigentiimlichkeit, die im Briefe und in der 
flistoria sich findet, ist die oftere Anwendung der Con^unction cum. Wahrend 
dieselbe in den iibrigen von uns edierten Briefen zusammen nur 14mal sich 
findet, ist sie im vorhegenden 15 mal gebraucht und unzahligemale ia der Historia. 
Mehrfach kommen auch die Worte tribulatio, fame et taedio deficere, Bara, 
castellani, armati, circinare u. a. bei beiden vor, die auf den namlichen Ver- 
fasser hinweisen. 



XVII [. — Epistula Dagoberti Pisani archiepiscopi ad papam. 109 

mehr nur auf einen und denselben Verfasser hinweisen. In den Er- 
lauterungen zum vorliegenden Briefe habe ich jedesmal auch die be- 
treffende Stelle aus Raimund wortlich angefuhrt % ebenfalls in dem er- 
wahnten Aufsatz zusammengestellt ^). Was die Historia Francorum 
Raimunds anlangt, so ist sie unangefochten und durcliaus echt ^), jede 
Seite weist sich aus als von einem Augenzeugen geschrieben. Ihr Ver- 
fasser hat den Kreuzzug von Anfang bis zum Ende mitgemacht und 
seine Erlebnisse in anschaulicher Weise teils wahrend des Zuges teils 
nach demselben aufgezeichnet. Dass beinahe die ganze zweite Halfte 
derselben erst nach der Schlacht bei Askalon verfasst worden ist, geht 
daraus hervor, weil schon nach der Mitte der im Recueil des Hist. des 
crois., t. III p. 235 — 305 abgedruckten 70 Folioseiten umfassenden 
Schrift auf p. 277 E gelegentlich auch die Schlacht bei Askalon er- 
wahnt wird — da wo er in seiner Darstellung erst bis zur Darstel- 
lung der Belagerung von Irka gelangt war ^) : die gelegentliche Er- 
wahnung dieser Schlacht schon in der Mitte des Buches beweist, dass 
die zweite kleinere Halfte nach dieser Schlacht geschrieben worden 
sein muss, aber keineswegs in so kurzer Zeit geschrieben worden sein 
kann, als angenommen werden musste, wenn man das Raimundsche 
Buch als vor der Abreise der von Laodicea aus heimkehrenden Pilger 
bezw. als vor unserem Briefe abgefasst und voUendet ansehen wollte. 
Daraus folgt, dass Raimunds Historia zum grossen Teile wenigstens 
nach unserem Briefe verfasst und letzterer bei Abfassung desselben be- 
nutzt worden ist. 

Raimund de Aguilers, ein Provenzale mit Leib und Seele, der stets 
die Partei seines Herrn, des Grafen Raimund von Toulouse, ergreift, 
war ein abgesagter Feind des am 1. August 1099 provisorisch zum 
Patriarchen von Jerusalem gewahlten Arnulf, er ist deshalb auch nach 
der Schlacht bei Askalon mit seinem Grafen ebenfalls nach Laodicea 
gezogen und nicht in Jerusalem zuriickgeblieben, um nicht mit den ge- 
hassten Gegnern desselben den Konflikt fortsetzen zu mussen, der 
zwischen den Anhangern Raimunds und Gottfrieds wegen des Besitzes 
des Davidsturmes entbrannt war und bedeutenden Boden gewonnen 
hatte ^). Bedenkt man nun, dass in unserm Briefe Graf Raimund vor 
den andern erwahnt und bevorzugt ist und neben Gottfried genannt 
wird, aber Boemunds, Tankreds und Balduins, die doch auch in Pa- 
lastina zuruckgeblieben waren, gar keiner Erwahnung geschieht, auch 
am Schlusse des historischen Teiles Raimunds Namen vor denen der 
beiden Roberten steht und noch sein in der Folge gar nicht zur Aus- 
fiihrung gekommener Plan, nach Jerusalem zuriickkehren zu wollen, re- 



4) S. n. 9, 16, 18, 21, 23, 25, 26, 27—30, 32, 33, 37 — 39, 42, 43 — 52, 54, 
58, 63, 74, 76, 79. — 2) in Forsch. z. deutsch. Gesch. XIII, 405 ff. — ^) Vgl. 
Sybel, Gesch. d. erst. Kreuzz. S. 15 ff. ; und Klein, Raim. de Aguilers, S. 29 ff. 
*) An dieser Stelle sagt Raim. : »Sciebat (rex Babylonius) de nobis quia pauci era- 
mus, sciebat quod imperator Alexius usque ad mortem nobis inimicabatur : unde 
nos litteras imperatoris Alexii de nobis factas inuenimus, confecto bello cum rege 
Babyloniorum apud Ascilonem, in tentoriis eiusdem regis — ^) Ueber diesen 
Konflikt vgl. m. Alb. VI, 51 ; Orderic. III, 620 f. ; Radulph Cadom. c. 138 ; Hist. 
b. sacri c. 132, 137. Ebenfalls Kugler, Alb. v. Aachen S. 235 und HG 501. 



110 Einleitung. 

gistriert wird, also der Verfasser des Briefes niit deii Intentionen des 
Grafen wohl bekannt war, und die Tendenz eines Anhangers des Grafen 
aufs deutlichste verrat; nimmt man hinzu die vorhin gekennzeichnete 
durchgangige Aehnlichkeit der Schreibweise der Epistula und der Historia, 
sowie die Abhangigkeit der letzteren von der ersteren, so durfte der 
Schluss vollkommen gerechtfertigt sein, dass nur der mit seinem Grafen 
in Laodicea anwesende Kaplan Raimund de Aguilers auch un- 
sern Brief verfasst und die in demselben gegebene kurze und 
wahrheitsgetreue Darstellung uber den Verlauf des ersten Kreuzzuges 
in der Folgezeit als Grandlage zur weiteren Ausarbeitung seines grOs- 
seren Buches, der Historia Francorum qui Jerusalem ceperunt, benutzt 
habe: uns ist diese Annahme so sicher, als es sicher ist, dass Raim. 
de Ag. der Verfasser der letzterwahnten Schrift ist ^). Der einzige 
Widerspruch, welcher sich zwischen beiden Schriftstucken geltend macht, 
ist keineswegs von irgend welcliem Belange: er betrifft die in beiden 
Schriftstucken verschiedenen Angaben iiber die Grosse der beiden Heere 
und lOst sich leicht dadurch, wie ich in n. 64 naher nachgewiesen habe, 
dass eben Raimund bei der spateren Abfassung dieses Passus seiner 
Historia sich iiber die Zalilenstarke der einzelnen Abteilungen genauer 
unterrichtet gehabt hat. 

Dieses Schreiben ist nun nicht nur von Raimund de Aguilers in 
seiner Historia Francorum verwertet worden, sondern wurde auch in 
der Folge von andern Schriftstellern, welche tiber den ersten Kreuzzug 
geschrieben haben, benutzt, so von Albert von Aachen, Sigebert v. 
Gembloux, und von des letzteren Kopisten, dem Anon. Florinensis, von Fru- 
told, dem Abte Ekkehard von Aura und dem sachsischen Annalisten. 
In betreff Alberts verweise ich auf nn. 69, 71, 76. Sigebert von Gem- 
bloux hat bei Ausarbeitung seiner Chronographia die Version des Briefes 
als Quelle benutzt, welche im Cod. Ambianensis (A) enthalten ist: ich 
verweise auf die nn. 9, 11, 18, 19, 38, 39, 64, 69, 88; von Sigebert 
hat die Kreuzzugserzahlung dann wOrtlich abgeschrieben der Anon. 
Florinensis. Ebenfalls hat der MOnch Frutold auf dem Michelsberg bei 
Bamberg ^) den Brief fast wOrtlich seinem Chronicon einverleibt u. zw. 
von den Worten „Nicaea capta" (Abs. 3) an bis zu „Regimunt dispo- 
suit" (Abs. 16), ebenfalls Ekkehard von Aura von den Worten „praeterea 
etsi principes" (Abs. 3) an bis .zu den Worten „Boemundum cum suis 
inuenerunt" (Abs. 16), welche Abschnitte zum Teil auch vom sachsischen 
Annalisten (Mon. Germ. SS. VI, 730 f.) aufgenommen worden sind. In 
Betretf des Verhaltnisses des Briefes zum Hierosolymita Ekkehards 
verweise ich auf meinen Aufsatz in FDG. XIII, 400 fF. sowie auf meine 
Ausgabe des Hierosolymita p. 28 und 146 ff. Der Inhalt des Briefes, 
soweit ihn Frutold benutzt hat, ist wiedergegeben ebenda p. 331, wo 
die Kreuzzugsnachrichten in Ekkehards Chronikausgabe A, die eben 
neuerdings als die Chronik Frutolds erkaunt worden ist, abgedruckt sind. 



^) Heermann , Gefechtsfuhning S. 49 bezweifelt diese Annahme , doch 
ohne einen Grund dafiir anzugeben. — ^) Bresslau, Bamberger Studien, in 
NADG. XXI, 139—234 und oben S. 107. 



XVIII. — Epistula Dagoberti Pisani arcliiepiscopi ad papam. m 

Die weiteste Verbreitung hat der Brief im Abendlande ge- 
funden. Wie schon erwahnt, ist das Exemplar, welches direkt an den 
Papst gesendet wurde, von Robert von Flandern diesem auf seiner 
Ruckreise uberbracht worden. Woher Ekkehard, der diese Nachricht 
uberHefert, sie erhalten hat, ist nicht meiir zu sagen, aber dass man 
auch anderwarts davon wusste, muss aus den oben S. 107 angefuhrten 
Worten Ekkehards gefolgert werden. Der Brief war im Jalire 1100 
schon in Bamberg bekannt, wo er in den sog. Codex Udalrici einge- 
tragen und von Frutold in seiner bis zum Jahre 1100 reichenden Clironik, 
sowie spater von Ekkehard benutzt worden ist. 

Der Brief ist uns in 3 Hauptrecensionen iiberliefert: das an 
den Papst gesendete urspriinghche Exemplar hat die Zusatze Abs. 18 
und 19 nicht gehabt. Diese beiden Zusatze sind wahrscheinlich erst 
im Abenlande und ofFenbar von solchen beigefiigt worden, denen es 
daran gelegen war, das Schreiben als Excitatorium mOglichst weit im 
Abendlande zu verbreiten. Die urspriingliche Version ist dem- 
nach diejenige, welche mit Abs. 17 scliliesst. Zu ihr gehoren die nach- 
her zu nennenden Codd. G M^ V V^ V* Z und die Druckausgabe i. 
Die zweite Version ist diejenige mit Zusatz 18; zu ihr gehoren 
die Codd. BCFF^MPV^V^ sowie alle Druckausgaben, ausgenommen 
derjenigen von Eccard und Jaffe. Die dritte Version ist diejenige 
mit den 2 Zusatzen 18 und 19; diese hat ein Kopist gefertigt, welcher 
es als Mangel empfand, dass im Briefe selbst die einzelnen Gescheh- 
nisse oime Angabe des Datums aufgefQhrt sind; um diesem Mangel ab- 
zuhelfen, hat er Abs. 19 beigefiigt. Zu ilir gehOren die Codd. A B^ B^. 

Zu unserer vorhegenden Ausgabe sind folgende Handschriften 
benutzt worden: 

A. Amiens, Bibhotheque Communale, Lescalopier 5174, membr. 
saec. XII, f. 1. Diese Handschrift besteht nur aus einem Pergament- 
blatt, vielleicht dem ursprunghchen Brieforiginale, und 2 Papierblattern, 
welcli' letztere den Text in modernen Sctiriftzugen wiedergeben, und 
bietet den Text des Briefes nach der dritten Recension, doch so, dass 
die Worte des Abs. 19 unserer Edition dem Abs. 18 vorangesetzt 
sind. — B. Brussel, Bibliotheque royale 5652, membr. saec XIII, 
f. 8, 9. (2. Recens.). — B^ Brussel, Bibliotheque royale, 2699, 
membr. saec. XIV, f. il^—iS^ (3. Recens.). — B^. Brussel, Biblio- 
tlieque royale, 4801, membr. saec. XIV, f. 161^—164^ (3. Recens.). — 
C. Mailand, Bibliotheca nazionale di Brera AE XII, 40, chart. saec. 
XV, f. 40 sqq. (2. Recension), — F. Frankfurt a. M., Oeffentliche 
Bibhothek, S. Barthol. 41, membr. saec. XII, fol. 246 und 247 (2. Re- 
cension). - F^ Frankfurt a. M., Oeffentliche Bililiothek, 104, 
membr. saec. XIV, f. 105^- 106^ Dieser 116Blatter starkeCodex enthalt 
die Annales S. Disibodi, in welche vom Verfasser derselben ad ann. 
1100 unser Brief in der 2. Recension aufgenommen worden ist. Dem 
Codex entnommen ist auch die von Herold 1559 gefertigte erstmalige 
jedoch hochst mangelhafte Ausgabe dieser Annalen unter dem Titel 
„Mariani Scoti Clironica cum Dodechini continuatione" und eben damit 
die erstmalige Ausgabe unseres Briefes, aus welcher Ausgabe dann der- 
selbe in den Magdeburger Centurien (1567 u. 1624), und spater von 



412 Einleitung. 

Pistorius (1583), Baronius (1593), Reusner (1599) und von Struve 
(1726) abgedruckt v^rorden ist. Den Brief hat dann im Jahre 1861 
Waitz korrekt auf Grund dieses Frankfurter Codex aufs neue ediert. 

— Gr. Wolfenbuttel, herzogliche BibHothek, n^ 1024, membr. saec. 
XII. Dieser Codex enthillt auf Fol. 53 — 55^ unsern Brief nach der 
ersten Recension und wurde von Jaffe zu seiner Ausgabe benutzt. — 
11. Miinchen, kOnigl. Hof- und Staatsbibliothek, latin. 14330, membr. 
saec. XII, fol. 178^^—179^ enthalt die zweite Recension. — ^P. Mun- 
chen, kOnigl. Hof- und Staatsbibliothek , latin. 4594, ehemals dem 
Kloster Benedictbeuern gehOrig, membr. saec. XII, enthalt auf fol. 36 
bis 36^ die erste Recension. Ihn haben Eccard und Jaffe zu ihren 
Ausgaben benutzt. — P. Paris, Bibiioth. nationale, Fond latin. 5507, 
ehemals Eigeiitum des Klosters Signi, membr. saec. XII, enthalt auf 
fol. 107 — 110 die zweite Recension unseres Briefes und wurde seiner- 
zeit von Martene seiner Ausgabe zu Grunde gelegt. — V. Wien, 
kaiserl. Hofbibliothek 398 (ius can. 45), ehemals Eigentum des Cister- 
zienserklosters Heiligen - Kreuz bei Wien, membr. saec. XII. Dieser 
Codex enthalt die Sammlung des Klerikers Udalrich von Bamberg und 
auf fol. 104—105 unsern Brief in der ersten Recension; ihn haben 
Eccard und Jaffe ihren Ausgaben zu Grunde gelegt. — Y^ Wien, 
kaiserl. Hofbibliothek 427 , membr. saec. XII, fol. 1 (erste Recension). 
Derselbe Codex enthalt auch die Historia Hierosolymitana des MOnches 
Robert sowie den Brief des Kaisers Alexios an Robert von Flandera, 
s. oben S. 43). — Y^. Wien, kaiserl. Hofbibliothek 701, membr. 
saec. XII, fol. 148^"^ (zweite Recension). — V^. Wien, kaiserl. Hof- 
bibliothek 2373, membr. saec. XIV, fol. 160^'— 161^ (zweite Recension). 

— V^ Wien, kaiserl. Hofbibhothek, 9779, chart. saec. XVI, fol. 1 
ist eine Kopie von 427 (erste Recension). — Z. Zwettl, Stiftsbiblio- 
thek, 283, membr. saec. XII. Dieser Codex enthalt ebenfalls die Samm*! 
lung Udalrichs von Bamberg und wurde von Jaffe beniitzt. Unser Brief 
findet sich p. 225 — 228 wie in G M^ V V^ V* in der ersten Recension. 

Der Brief ist schon in zahlreichen Werken im Druck erschienen. 
Es sind deren folgende: 

1. Die Editio princeps bei Herold, Mariani Scoti Chronica cum Do- 
dechini continuatione, Basil. 1559, p. 457 — 460. Hier bildet der Brief 
einen Bestandteil der genannten Chronik. Der Herausgeber hat den 
Text dem Cod. F ^ entnommen, aber unkorrekt und mangelhaft ediert ^). 



1) Vgl. Gercken, Reisen durcli Schwaben, Baiern etc. in den Jahren 1779 
bis 1787 (Worms 1788) Bd. IV S. 181 : «von diesem Frankfurter Codice hat Herold 
das Chronicon zuerst in Basel 1569 in foho drucken lassen, nach welchem Ab- 
druck hernach Pistorius 1613 seine Ausgabe ebenfalls besorgt hat, mithin sind 
beide Abdriicke einerlei, auch die neucste Ausgabe von Pistorius von Struve ist 
unverandert, da er selbst in der Vorrede gestehet, dass er die Frankfurter Hand- 
schrift nicht habe brauchen konnen. Man muss sich allerdings wundern, dass, 
da der Abdruck einzig und allein von dieser Handschrift herriihrt derselbe so 
sehr fehler- und mangelhaft ist, dass man ohnmoglich glauben konnte, dass er 
daraus worthch genommen sei, wenn die Herausgeber es nicht selbst versicherten 

ich habe gefunden, dass der Abdruck so elend und mangelhaft, dass er 

der Handschrift gar nicht gleich sieht. Fast keine Zeile ist fehlerfrei» ^^ — dem 
ist iibrigens soweit es unsem Brief anlangt, nicht ganz also — was aus den 



XVIII. — Epistula Dagoberti Pisani archiepiscopi ad papam. 1^3 

Diese Ausgabe enthait die zweite Recension. Alle ubrigen Ausgaben 
des Briefes mit Ausnahme der sub 7 — 11 angefuhrten sind unmittelbar 
oder mittelbar auf Grund dieser Heroldschen Editio princeps ohne Mit- 
l)enutzung irgend einer Handschrift gefertigt worden. — 2. Die Cen- 
tnriae ecclesiasticae Historiae, centur. XI, c. 1, 6, ed. I Basil. 1567, 
p. 763—766; ed. II 1624, III, p. 425—426. Wenn Riant, Invent. 201, 
alle die folgenden sub 3—6 genannten Ausgaben des Briefes aus den 
Magdeburger Centurien entnommen sein lasst, so ist er im Irrtum, denn 
diese letzteren erwahnen selbst ausdrucknch als ihreQuelle deuAppendix 
des Marianus Scotus bei Herold. - 3. Die verschiedenen Ausgaben 
von Baronius Annales ecclesiastici ad annum 1100, n^ VIII — XIII. Als 
Einleitung zum Briefe bemerkt Baronius tom. XII (Aug. Vindel. 1740) 
p. 14: „scatent litterae mendis, sed ut nobile antiquitatis monimentum 
annahbus dignas duximus, quas ex V^illelmo Tyrio, quantum fas fuit, 
mendis purgauimus" : so anderte er Zahlenangaben in Absatz 13, die 
ihm otfenbar zu hoch schienen, und fiigt auch einmal nach Absatz 1 
eine Bemerkung iiber die Abfassungszeit in den Text ein. — 4. Pisto- 
rius, IUust. uet. Scriptorum, qui rerum a Germanis per multas aetates 
gestarum historias uel annales posteris reliquerunt, 1. Aufl., Francof. 
1583, und 2. Aufl., Hannov. 1613, I, 463. — 5. Die von Struve 
besorgte 3. Auflage des Pistorius mit dem Titel : Rerum Germanicarum 
Scriptores aliquot insignes cur. Struuio, t. I (Ratisbonae 1726) p. 17. 
— 6. Reusnerus, Epistulae Turcicae, Francof. 1598, I, 19 — 21. — 
7. Martene, Thesaurus anecdot. t. I (Paris 1717) p. 281. Der Text 
dieser Ausgabe des Briefes ist dem Codex P entnommen und enthalt 
ebenfalls wie alle bisher genannten Ausgaben die zweite Recension. — 
S. Eccardus, Corpus historicum medii aeui (Lips. 1723) t, II p. 253 bis 
256, enthalt die erste Recension des Briefes nach Cod. M^ — 9. Dal 
Borgo, Raccolta di scelti diplomi Pisani (1765) p. 80 — 81, ein Abdruck 
aus Baronius, Annal. eccles. t. XVIII u*^ 8. — 10. Migne, Patrologiae 
latinae cursus t. J63 (Paris 1854) p. 448-451, ist ein wOrthcher Ab- 
druck der Ausgabe des Briefes bei Martene. — 11. Waitz, Annales 
S. Disibodi in Monumenta Germania SS. XVII (Hannover 1861), enthalt 
p. 17 f. den Text des Briefes nach Cod. FK — 12. Jaffe, Codex Udal- 
rici in Monumenta Bambergensia (Berhn 1869) p. 176—180. Diese 
Ausgabe ist gefertigt auf Grund der Codd. G M^ V und Z, welche die 
erste Recension in der Form wie der Brief dem Papste tibersendet 
worden ist, enthalten. 

Aus diesem Editionenverzeichnis erhellt, dass der Brief in der 
dritten Recension bisher noch nicht verOffentlicht wurde. Wahrend in 
den genannten Ausgal)en nur die Codd. F^ von Ilerold und Waitz, M^ 
von Eccard und Jaffe, 6f V Z von Jaffe, P von Martene benutzt wor- 
den sind, war es uns mOghch, auch die Codd. A B B^ B=^ C und F erst- 
mals zur Feststellung eines annahernd dem ursprunghchen analogen 
Textes zu verwenden. Dazu haben wir, obwohl sich in den bisherigen 
Editionen keine etwa seit deren Erscheinen verloren gegangene Hand- 



unserer Ausgabe heigefiigten Variantennoten der Editio princeps (a) ersehen 
werden kann). 

Hagenraejer, Epistulae et Chartae. g 



114 Einleitung. 

schriften Ijenutzt flnden, an deren Stellc wir dic den Text hetreffendc 
Ausgabe hiitten dem unsrigen zu Grunde legen miissen, dennoch die 
Abweichungen der Editio princcps (a) sowie die der zwei ncuesten 
und besten Ausgal)en von Waitz (|li) und von Jaffc (i), in dic Varianten- 
noten aufgenommen, um damit den Unterschied zwischen der unsrigen 
und diesen mehr hervortreten zu lassen. 

U e b e r s e t z t ist der Brief ins Franzosische bei Michaud, Hist. 
des crois., F« ed. I, 550—555, ed. de Bruxelles 1841, IIl, 203— 2UG; 
bei Peyre, Hist. de la I. crois. II, 494 — 498; ins Deutsche von Peter 
Eschenloer in dem Manuscript der Breslauer Universitatsbil)Hothek IV 
F 105, chart. saec. XV, fol. 143 — 145, und soweit Ekkehard den Brief 
in seine Chronik und in seinen Hierosolymita aufgenommen hat, von 
Pfluger, Die Chronik des Ekkehard v. Aura S. 55 — 57, 58 — 60; ins 
Italienische von den Uebersetzern des Michaudschen Werkes : von 
Rossi II, 233 — 238 und von Ambrosoli I, 558. 

Als Erlauterungsschriften sind zu erwahnen: Baronius, Annal. 
eccles. tom. XII (ed. Baluz. et Pagi 1740) p. 13; Histoire litteraire de la 
France t. VIII (1747) p. 620; Ceillier, Hist. gen. des auteurs sacres 
t. XXI (1757) p. 150, 494; Gercken, Reisen IV (1788) 383 f.; Wilken, 
Gesch. d. Kreuzz. II, 10; Sybel, Gesch. d. ersten Kreuzzuges 14, 65 
(15); Peyre, Hist. de la I crois. II, 494; Kugler, Boemund und Tankred 
S. 61; Jaffe, Monumenta Bambergensia p. 176; Hagenmeyer in Forsch. 
zur deutschen Gesch. XIII, 400 — 412; Hagenmeyer, Ekkeh. Hierosoly- 
mita S. 28, 146 und desselben Chronologie de la F^'' crois. n^ 429; 
Kohl, Geschichte des Mittelalters (1881) S. 31; Riant, Inventaire 201 
bis 204; Rohricht, Reg. Hieros. p. 3 n^ 29; Rohricht, Geschichte des 
Konigreichs Jerusalem p. 29. 



XIX. 

Epistula Paschalis II papae ad archiepiscopos et episcopos 
et abbates Galliae. 

(Geschrieben im December 1099 aus Rom.) 

Dieses papstliche Schreiben, das erste der uns noch erhaltenen 
von Paschalis 11 in der Kreuzzugsangelegenheit veroffentlichten Schrift- 
stucke, ist gerichtet an die Erzbischofe, Bischofe und Aebte Galliens 
(Abs. 1). Diese werden darin aufgefordert, den in Palastina zuruck- 
gebliebenen Kreuzfahrern , nachdem Gott dem Kreuzheere den Sieg 
verliehen, wirksame Hilfe zu leisten (Abs. 2)., Demgemass sollten sie 
in Frankreich zu weiterer Pilgerung auffordern uud vornehmlich die 
dazu mahnen, welche schon das Kreuzzugsgelubde abgelegt hatten, so- 
dann aber auch die, welche feige bei der Belagerung Antiochiens ge- 
flohen waren, welche sonst exkommuniziert wurden (Abs. 3); endlich 



XIX. — Epistula Paschalis II ad archiepiscopos et episcopos Galliae. 115 

soUten sie auch gemilss eines unter Urban II erzielten Synodal- 
])eschlusses fiir die Pilger, welche aus dem Morgenlande wieder zu- 
ruckkamen, sorgen und deren Giiter ihnen wieder zuruckerstatten 
(Abs. 4). 

Es ist nun wahrscheinlich, dass dieses Breve als ein Begleitschreiben 
eines vom Morgenlande dem Papste ubermittelten Briefes, vielleicht 
der Epistula Dagoberti (XVIII) abgesendet worden ist : denn in der Art 
der Angabe von dem Sieg des Kreuzheeres uber die Tttrken liegt 
offenbar die Voraussetzung des Papstes ausgedruckt, dass die Adres- 
saten entweder schon von dem im Morgenlande errungenen Siege Aus- 
ftthrbcheres gehort hatten, oder jetzt in dem von dorther erhaltenen 
und mitgesendeten Schreiben nahere Nachricht empfangen werden 
(s. n. 5). Gewiss hatte sonst der Papst in ausfuhrlicherer Weise 
dariiber Mitteilung gemacht. Dass er aber etwa von Arnulf oder Gott- 
fried erhaltene Briefe in unserem Schreiben ausdruckhch erwahne, wie 
Rohricht, Reg. p. 3 u^ 25 bemerkt, ist unrichtig. 

Wir entnehmen aus diesem papstHchen Schreiben, welche Stel- 
lung zu dem Kreuzzugsunternehmen der Nachfolger des 
Papstes Urban II eingenommen hat. Es war dieselbe wie bei 
Urban: ganz in dessen Geist und unter den namlichen Voraussetzungen 
und denselben Zusagen wirbt Paschalis fur die Kreuzzugssache, die 
jetzt einen bedeutenden Ruckgang zu gewartigen gehabt hatte, wenn 
sie nicht energisch von ihm befurwortet worden ware. Auch wurde 
jener im Jahre 1101 unternommene und so tragisch zu Ende gekom- 
mene Zug nimmermehr zustande gekommen sein, wenn nicht Paschalis, 
wie wir dies nach dem vorliegenden Briefe deutlich erkennen, die An- 
gelegenheit in die Hand genommen und betrieben haben wurde. Inter- 
essant ist im Briefe vornehmlich die auf einem Synodalbeschluss aus 
Urbans Pontifikat beruhende Angabe uber die Fursorge der vom Kreuz- 
zuge zuruckgekehrten Pilger (s. n. 14), von besonderem Werte aber 
auch die papstliche Willenserklarung in Betreff derer, welche aus 
dem Kreuzheere schmahlich entflohen und auf halbem Wege wieder 
zuruckgekehrt waren. Diese beiden Punkte erm(jglichen es uns, auch 
die Zeit der Abfassung des Briefes annahernd zu bestimmen: „reuer- 
tentur" (Abs. 4) weist darauf hin, dass zur Zeit, als Paschalis II dieses 
Breve erliess, die Ruckkehr der Kreuzzugler, die sich in Laodicea 
eingeschifft hatten, stattgefunden hat und ohne Zweifel solche heim- 
kehrende Pilger auch mit dem Ueberbringen des Breves nach Frank- 
reich vom Papste beauftragt word^n sind — es war im Spatjahr 
1099, zu welcher Zeit auch der Brief Dagoberts (XVIII) beim Papste 
eingetroffen ist. Die Rtickkehrenden hatten ihm selbstverstandlich 
auch Naheres iiber die aus dem Kreuzheere wahrend der Belagerung 
Antiochiens heimlich Entwichenen mitgeteilt, woruber Paschalis seine 
Missbilligung sofort auch deutlich zu erkennen gegeben hat, zudem 
ihm nicht unbekannt gebheben sein konnte, dass sich eine grOssere 
Anzahl solcher „Stricklaufer" in Frankreich damals aufgehalten hat. 
Wir werden darum nicht fehl gehen, wenn wir mit Riant den Monat 
December als die Zeit der Abfassung dieses Schreibens 
annehmen, welcher Termin dadurch seine Bestatigung findet, dass ofiFen- 



116 Einleitung. 

har dasselbe auch deni Erzhischof Manasse von Reims zu Gesicht ^e- 
kommen war, als dieser seinen Brief an Lamhert von Arras schrieh. 
wo er von „litteraepapae Paschahs", welche an ihn gelangt waren, redet. 
dessen Ahfassung ehenfalls ins Spatjahr 1099 gesetzt werden muss. 
worauf schoii Riant im Invent. 205 mit Recht auch hingewiesen hat. 

Manuscripte sind zwei hekannt, namlich eines (A) in der Pa- 
riser Nationalhihliothek n^ 1944 aus dem XII. Jahrh. f. 1 (s. Invent. 
des manuscr. in AOL II, I p. 134) und ebenda (B) Baluze, Arm. 11 p. 5 
n^ 2 vol. 57 aus dem XVII. Jahrh. p. 424 (s. Invent. des manuscr. in 
AOL II, I p. 158). 

Nach dem Codex A findet sich eine Ausgabe bei Bouquet, Recueil 
des Hist. de la France t. XV p. 20, und ein Abdruck dieser Ausgal)e 
bei Migne, Patrol. lat. CLXIII p. 48 f. 

Die von uns gefertigte Ausgabe beruht auf den CoUationen der 
beiden genannten Manuscripte A und B, welche fiir mich Herr Biblio- 
thekar Ch. Kohler in Paris ])esorgt hat. Beigefugt sind die Varianten 
der beiden Editionen. 

Ueber den Brief vergl. m. auch Ord. Vit. ed. Le Prevost IV, 118; 
Riant, Inventaire p. 205 und Jaffe, Reg. Pont. Rom. no 5812 (4364); 
R5hricht, Beitrage z. Gesch. d. Kreuzziige 11, 53 und HChr. n^ 434. 



XX. 

Epistula Manasses Remorum archiepiscopi ad Lambertum 
Atrebatensem episcopum. 

(Geschrieben im November oder December 1099 aus Reims.) 

Der Erzbischof Manasse von Reims wurde zu diesem Schreiben 
an den Bischof von Arras, dessen Bischofssitz seiner DiOcese einge- 
gliedert war, veranlasst durchBriefe, welche er vomPapst 
Paschalis II, von Gottfried von Bouillon und dem Patri- 
archen Arnulf erhalten hatte, worin er benachrichtigt worden 
war, dass Jerusalem von den Kreuzfahrern erobert und von der sehr 
grausamen Knechtschaft der Heiden befreit worden sei. Manasse 
fordert deshalb Lambert zur Freude auf und beauftragt ihn, in den 
Kirchen seines Sprengels Fasten, Almosen und Gebete anzuordnen, 
damit der Herr dem Konige von Jerusalem den Sieg (iber die Feinde 
und dem Patriarchen die rechte Weisheit im Verhalten gegen die 
Haretiker verleihen mOge (Abs. 3). Er tragt ihm ferner auf, strenge 
darauf hinzuwirken, dass diejenigen, welche das Pilgergeliibde schon 
eingegangen haben, sofern sie gesund seien und zur Pilgerung die 
Mittel hatten, dasselbe auch voUfuhren, und die ubrigen aufzufordern. 
dem Volke Gottes zu Hilfe zu kommen. Endlich empfiehlt er fiir die 
BischOfe Ademar von Puy und Wilhelm von Orailge, sowie fiir Anselni 
von Ribemont und die Uebrigen wahrend des Zuges Gestorbenen Fiir- 
bitte einzulegen. 



• 



XX. — Epistula Manasses Remoruin archiep. ad Lambertum Atreb. ex^isc. 117 

Das Schreiben bringt zuni Ausdruck den Wiederhall des 
A u f r u f e s f ii r d i e K r e u z z u g s s a c h e, den auch die sub XIX edierte 
Epistula Paschahs II enthalt, welche Manasse vorher erhalten gehal)t 
hatte, und lasst erkennen, in welch' dringlicher Art die fernerhin 
dem Morgenlande zu bringende Hilfeleistung damals geplant worden 
ist, sowie dass nach ihrer Wahl und wahrscheinlich noch vor dem 
12. August 1099, dem Tage der Schlacht bei Askalon, sowohl Arnulf 
als Gottfried ins Abendland Briefe abgesendet hatten, in welchen sie 
um weiteren Zuzug baten, damit die mit grosser Anstrengung gegrun- 
dete frankische Herrschaft in Palastina auch in Zukunft erhalten bleibe. 
In diesen Briefen Arnulfs und Gottfrieds, welche leider nicht mehr 
vorhanden sind ^), war Bezug genommen auf die Wahl des KOnigs und 
des Patriarchen, da sonst Manasse nicht so bestimmt hieriiber hatte 
schreiben kOnnen (s. n. 14). Diese hieriiber von Manasse gemachten 
Angaben im vorliegenden Briefe ermOglichen es, auch annahernd den 
Zeitpunkt anzugeben, wann dieselben geschrieben wwden sind: be- 
kanntlich ist Gottfried am 22. Juli 1099 zum Beschiitzer des heiligen 
Grabes (s. zu XVIII n. 4) und Arnulf am 1. August 1099 (s. n. 15) 
zum Patriarchen gewahlt worden. Letzterer hatte diese Wurde inne 
bis zum 2t). December 1099, an welchem Tage Dagobert von Pisa an 
seiner Stelle auf den Patriarchenstuhl erhoben worden ist (s. n. 15): 
sonach kann das im Briefe von Manasse erwahnte Schreiben Arnulfs 
nur zwischen dem 1. August und 25. Dezember 1099 abgefasst worden 
sein. Allein es ist auch als sicher anzunehmen, dass die Briefe Gott- 
frieds und Arnulfs nicht lange nach deren Wahl abgefertigt worden 
sind, zu einer Zeit, als Dagobert noch nicht im gelobten Lan le ange- 
kommen und Arnulfs Stellung diesem noch nicht streitig gemacht 
worden war, also vor September 1099 (s. zu XVIII n. 3). Arnulf 
selbst war allem nach der Meinung, dass seine Stellung eine gesicherte 
sei, andernfalls wohl sein Brief auch bei Manasse den Eindruck des 
Provisorischen hatte machen miissen, was aber offenbar nicht der Fall 
gewesen ist. Wir nehmen daher mit Riant, Inv. 207 an, dass diese 
Schreiben zu Anfang August 1099 verfasst und wohl spatestens Anfang 
Novembers in Reims eingetroffen sind, wahrscheinlich zugleich mit dem 
Schreiben Paschalis II (XIX). Der Brief Manasses an Lambert ist 
ohne Zw^eifel unter dem frischen Eindrucke, den die Mitteilungen in 
den genannten Briefen auf ihn gemacht hatten, geschrieben worden, 
und deshalb ^vird dessen Abfassung in die Monate November 
oder December 1099 gesetzt werden mussen^). 

In Ekkehardi Hierosolymita p. 352 habe ich diesen Brief als von 
Ekkehard gekannt und benutzt aufgefiihrt und daraufhin auch seinen 
Wortlaut a. a. 0. ediert. Doch hat gegen diese Abhangigkeit Riant, 
Inv. 206, Einsprache erhoben: „Ies rapprochements qu'il indique n'ont 
rien de litteral et sont de ces rencontres fortuites, comme en pre- 
sentent tous les passages homiletiques des textes contemporains" : ich 
tiberlasse es dem Leser sich zu entscheiden, wenn ich folgende iihn- 
lich lautende Stellen und gleichen Ausdriicke neben einander setze: 



S. Riant, Invent. p. 198 und oben S. 115. — -') Vgl. HChr. n" 44(». 



118 Einleitung. 

Epistula Manasses Ekkeh. Hierosolyni ita 

Abs. 2. c. I. 1. 

rumorem in aures nostras nouiter per- causa expeditionis non tam 
uenisse, quam non ab humana po- humanitus quam diuini- 
testate, immo a diuina maiestatetusordinata est. 
credimus descendisse. 

Abs. 3 . . . . quem (Godefridum) ex- 
ercitus Christi diuina ordinationein 
regem sublimauit. 

Abs. 2 C. XXXIV, 2: 

Jerusalem scilicet stare in excelso cum nostris in temporilius 

gaudioetiucunditate, quam nostris tem- respexit Dominus Sion et ui- 

poribus a Deo suo tam gloriose debitur ibi in sua gloria. 
susceperit. 

ibid. c. IV, 1. 

Jerusalem, urbs nostrae redem- terra repromissionis , mater 

ptionis et gloria, gaudio gaudet in- nostrae redemptionis. 
opinabih. ^ XXXIV, 2. 

gaudete gaudio omnes qui 
lugebatis super eam.^ 

Abs. 4. c. XXII, 3. 

commonemus, quatenus omnes, qui uouen- mox profectio populosa sul)- 
tes iter signum crucis super se fecerunt, sequitur, quae post auditas 
adproficiscendum Jerusalemsubueniendum ultra spem res Hierosolymae 
fratribus suis comminando constringatis, prospere gestas, a r e s i d ii i s 
si uigentcorporeetunde iterper- totius occidentis genti- 
ficere possint habuerint. ceteros bus, maxime abhis,quorum 
autem per praedicationes uestras monere. prius uotis timor uel dif- 

fidentia, inopia uel im- 
becillitas obstiterant. 
denuo parabatur. 

Wie die Epistula, Abs. 4, den Ausdruck „populus Dei" als Be- 
zeichnung des Kreuzheeres gebraucht, so hat Ekkehard im Hieroso- 
lymita den namlichen Ausdruck in der gleichen Bedeutung c. XIII, 2: 
XX, 2; XXV, 9; XXVI, 2. Dazu kommt, dass der Brief als eine 
Encyklika weite Verbreitung gefunden haben und wohl auch den 
MOnchen in Deutschland nicht unbekannt gebheben sein wird. 

Handschriften dieses Briefes sind zur Zeit nur noch zwei be- 
kannt, beide aus der StadtbibHothek zu Arras: n^ 140, ein Pergament- 
band aus dem XVII. Jahrhundert (A), und n^ 222, eine Papierhandschrift 
aus dem XVIII. Jahrhundert (A^), dieselben Handschriften, in welchen 
auch der von uns sub II edierte Brief Urbans II sich findet (s. Einl. S. 46). 
Nach Riants Angabe, Invent. 206, soll der Codex, aus dem Baluze 
den Text zu seiner Ausgabe entnommen hat, verloren gegangen sein, 
doch weichen die noch vorhandenen fast gar nicht vom Baluzeschen 



XXI. — p]pistula Dagoberti ad omnes Teutonicae regionis catliolicos, 1^9 

Texte ab, und es hat h5chst wahrscheinlich auch Baluze seinen Text dem 
Cod. Atreb. 140 entnommen, was Riant selbst im Invent. p. 114, wo 
er von der Epistula Urbani II handelt, in Betreff dieses letzteren 
Brieles, der derselben Reihe angehOrt wie der unserige, angenommen 
hat. Hat Baluze diesen letzteren Brief aus Cod. 140 ediert, warum 
nicht auch den Brief des Manasse an Lambert? 

Im D r u c k ist der Brief zuerst erschienen : In Baluzii Miscellanea, 
I ed. t. V pp. 316—317, sowie in II ed. t. II p. 144. WOrtlich ab- 
gedruckt aus der Baluzeschen Ausgabe ist er im Recueil des Hist. de 
la France t. XV (1808) p. 189; bei Gousset, Actes II (1843) p. 145—146; 
bei Migne, Patrologia lat. t. CLXII (1854) p. 668 f. und bei Hagen- 
meyer, Ekkehardi Hierosol. p. 352 f. 

Unsere vorliegende Ausgabe beruht auf dem Baluzeschen Texte (a) 
sowie auf dem der genannten beiden Codices von Arras. 



XXI. 

Epistula Dagoberti patriarchae Hierosolymitani ad omnes 
Teutonicae regionis catholicos. 



(Geschrieben im April 1100 aus Jerusalem.) 



IEs war ein giitiges Geschick, welches im Jahre 1883 zur Kenntnis 
es Vorliandenseins dieses Briefes gefuhrt hat. BibKothekar Haupt in 
Wurzburg entdeckte denselben in dera auf der dortigen Universitats- 
bibliothek aus dem XII. Jahrhundert stammenden Pergamentcodex 
M. p. th. 9. 17 auf Fol. 92 ^~^ welcher Codex ehemals im Besiti>e des 
Benedictinerklosters zum heil. Stephan in Wurzburg gewesen war. 
Haupt teiite denselben Prof. Rohricht in Berlin mit, durch welchen er 
im Marz 1884 zur Kenntnis Riants gelangte. Riant hat ihu alsdann 
durch Scheffer in der Sitzung vom 9. April 1884 der franzosischen 
Akademie vorlegen lassen, durch welche er erstmals mit der von Riant 
dazu gefertigten Einleitung in den Comptes-rendus des seances de 
Tannee 1884 p. 211 — 214 unter dem Titel: „Une lettre historique de 
la premiere croisade" verOffenthcht wurde. 

Dieser Brief ist vom Patriarchen Dagobert abge- 
sendet worden und sollte von einem gewissen Kleriker Arnulf 
nach Deutschland uberbracht werden. An der Echtheit des- 
selben zu zweifeln liegt nicht der geringste Grund vor, wie denn auch 
der Inhalt durchaus den damaligen Verhaltnissen entspricht, welche 
darin treffend geschildert sind. 

Nach der iiblichen Adresse, in welcher Dagobert als der Entsender 
und die Erzbischofe, BischOfe, Fiirsten und alle Katholiken Deutschlands 
als die Empfanger genannt sind, welchen Dagobert seinen Gruss ent- 
bietet (Abs. 1), sagt der Verfasser, dass er vieles tiber den Kreuzzug 
schreiben konnte, allein ein Augenzeuge, der Ueberbringer des Briefes, 
namens Arnulf, werde ihnen alles miindhch erzahlen (Abs. 2); er ver- 



120 Einleitung. 

traue auf ihre bewahrte Freigebigkeit und auf ihr mehr und mehr 
wachsendes Interesse fur Jerusalem, wenn sie von dessen Notlage 
horen (Abs. 3). Nachdem Jerusalem erobert und viele alsbahl nachher 
und die iil)rigen nach Ostern auf pisanischen und englischen Scliiffen 
in die Heimat zuruckgekehrt seien (Abs. 4), habe man nur durch be- 
trachtliche LOhnung und Geschenke es vermocht, die nOtige Anzahl 
zum Schutze Jerusalems, Bethlehems, Joppes, Tiberias, Samarias, Ramas, 
Hebrons und anderer Befestigungen zuriickzuhalten (Al)s. 5), weshalb 
man von ihnen, die Gott vor allen Volkern reich gemacht habe, erwarte. 
dass sie eibgst Hilfe schickten, ohne welche es unmOghch sei, den 
Verpflichtungen nachzukommen. Die Beitrage sollten sie durch zuver- 
lassige Leute mit beglaubigtem Ausweise iibersenden (Abs. 6). 

Von ganz besonderem Interesse ist es, aus dem Briefe zu ent- 
nehmen, wie gross nicht nur der Mangel an Leuten, sondern auch an 
Lebensmitteln, besonders an Geld, womit die in Palastina zuruckge- 
bhebenen Ritter besoldet werden soUten, gewesen ist. Nicht minder 
ist von Interesse die Art und Weise, mit welcher Dagobert das 
deutsche Volk fur die heilige Sache einzunehmen gesucht hat, indem 
er den Adressaten erklarte, wie es Gott vor allen anderen Volkern mit 
V^ohlstand begliickt habe und ihm vor allen anderen Volkern die 
Frommigkeit und Gewissenhaftigkeit von Natur inne wohne, wenn es 
gelte, den Bedrangten zur Hilfe zu kommen. 

Das Schreiben kennzeichnet sich als ein Excitatorium, wie auch 
no VI, IX, XII, XVI, XVII, XVni und XIX. Die darin geschilderle 
Lage des jungen Reiches trifft genau mit den Schilderungen eines 
Fulcher, Ekkehard und Albert iiberein, worauf wir in n. 19 auch hin- 
gewiesen haben. Die Abfassung desselben fallt noch in die Re- 
gierungszeit Gottfrieds von Bouillon, und zwar in die Zeit zwischen 
Ostern und dem 18. Juli 1100, dem Todestage Gottfrieds, hochst 
wahrscheinlich in die Mitte des Monats April 1100. Dies geht aus 
folgenden Griinden hervor : 1. Die Wegfahrt zu Schiff der bis Ostern 
1100 in Palastina zuriickgebliebenen Pilger war erfolgt ; ebendadurch 
war die Zalil derer, welche die wenigen Stadte und Kastelle besetzt 
halten sollten, sehr gemindert worden. Diese Lage machte es erfor- 
derhch, aufs schnellste den notigen Nachschub aus dem Abendlande zu 
erhalten, umsomehr als nur mit Aufwand von bedeutenden Opfern an 
Geld und Gaben es moglich war, eine Anzahl Leute zuriickzuhalten. 
Sofort als dieser Mangel fiihlbar wurde — und dies war unmittelbar 
nach Ostern 1100 der Fall — musste dagegen auch Remedur ge- 
schaffen werden. So ist es denn auch der Eindruck, welchen der Lesei 
des Briefes erhalt, dass unm5glich ein langerer Zeitraum zwischen dei 
letztgenannten Riickkehr der Kreuzfahrer unmittelbar nach Ostern 110( 
und der Zeit des Briefschreibens stattgefunden haben kOnne. 2. Di( 
Orte Chaifa und Arsuf, welche beide erst nach Gottfrieds Tode erobei 
worden sind, Chaifa noch im Sommer 1100, Arsuf im Fruhjahre llOlj 
waren noch nicht erobert. Gewiss hatte Dagobert diese Orte in dei 
Reihe der iibrigen Abs. 5 verzeichneten auch aufgefiihrt. wenn si< 
schon in der Franken Besitz iibergegangen gewesen waren und voi 
ihnen hatten verteidigt werden miissen. 3. Der Kleriker Arnulf, dei 



XXI. — Epistula Dagoloerti ad omnes Teutonicae regionis catliolicos. 121 

Ueberbringer des Schreibens nach Deutschland, sollte ja den Adressaten 
vom Kreuzzug und von der Eroberung Jerusalems bezw. von den bis- 
her dem Kreuzheere erwiesenen wunderbaren Wohlthaten, welche die 
gOttliche Giite demselben gewahrt habe, erzahlen: hieraus muss ge- 
folgert werden, dass Gottfried noch am Leben war, denn ware dessen 
Tod bei Abfassung des Schreibens sclion eingetreten gewesen, so wiirde 
dies von Dagobert nicht verschwiegen und im Briefe selbst eine ge- 
wisse Trauer darob zum Ausdruck gebracht worden sein. Wir miissen 
darum die Aljfassung als in der Zeit unmittelbaf nach Ostern erfolgt 
annehmen; um diese Zeit war auch das sehr geringe frankische Heer 
auf die Verteidigung der wenigen im Briefe genannten Platze beschrankt, 
welche genau dieselben sind, die uns auch die sonstigen Quellen ver- 
zeichnen (s. nn. 19 — 28); man wagte damals nicht, zu einer neuen 
Unternehmung zu schreiten, bevor man nicht im Abendlande Hilfe nach- 
gesucht und erhalten haben wiirde. 

Dass dieses Schreiben eine weitere Verbreitung nicht gefunden hat, 
mag aus dem Fehlen jeder weiteren Handschrift ausser der soeben 
erwahnten gefolgert werden, doch ist dies noch kein sicherer Beweis, 
dass es nicht auch an verschiedenen anderen Orten sollte bekannt und 
dessen Bekanntwerden von glinstigem Erfolge fiir die morgenlandische 
Sache begleitet gewesen sein. Ueberhaupt entzieht sich ja die Vor- 
bereitung zum Kreuzzuge des Jahres 1101 insofern unserer genaueren 
Kenntnis. als wir el)en nur die Thatsache zu verzeichnen haben, dass 
aucli aus Germanien, vornehmHch aus Bayern, eine stattliche Anzahl 
Kreuzfahrer die Pilgerfahrt nach Jerusalem angetreten habe, wie und 
wo aber insbesondere dafiir gewirkt worden ist, dariiber besitzen wir 
eben keine Nachricht. Dass nun gerade das vorhegende Schreil)en 
diesem Kreuzzuge Vorschub geleistet hat, braucht nicht bezweifelt zu 
werden; dasselbe lasst uns aber einigermassen vermuten, dass der als 
Ueberbringer genannte, sonst vollig unbekannte Kleriker Arnulf 
durch sein personliches Auftreten sein Moglichstes gethan haben wird, 
um sowohl Leute als Geld zu Gunsten der Sache Jerusalems zusammen- 
zubringen, dass er vielleicht Siiddeutschland durchzogen und Begei- 
sterung fiir die neue Pilgerfahrt zu wecken gesucht haben wird, wenn 
uns sonst auch nirgends dariiber Naheres mitgeteilt ist. 

Unsere Ausgabe dieses Briefes beruht auf einer Kopie desselben 
aus dem oben genannten Codex der Wiirzburger Universitatsbibl. (A) 
und auf der nach diesem Codex gefertigten Ausg. Riants (R), dessen 
an den ladierten Stellen angebrachte Emendationen wir ebenfalls auf- 
genommen haben, weil uns dieselben als richtig erschienen sind, mit 
Ausnahme der in n. 21 erwahnten. 

Ausser den von Riant zu unserem Briefe gegebenen Erlauterungen 
in Comptes-rendus des seances de FAcademie de Tannee 1884, t. XIL 
p. 211 f. sind noch als Erlauterungsschriften zu nennen: Kiihn, Gesch. 
der erst lat. Patr. S. 25 f.^); Kugler, Albert von Aachen S. 257: 
Rohricht, Gesch. d. Konigreichs Jerusalem S. 1 und desselben Gesch. 
d. Kreuzziige im Umriss S. 55; ebenfalls HChr. n^ 457. 



') Kiihn schreibt iiber den Brief Dagoberts a. a. 0. folgendes : ^Uns ist aus 



122 Einleitung. 



XXII. 

Epistula Paschalis II papae ad omnes crucesignatos in 
Asia triumphantes. 

(Geschrieben am 28. April 1100 aus Rom.) 

Diese vom 28. April 1100, nach den bisherigen Druck-Ausgaben 
vom 4. Mai 1100 datierte^), von dem Kardinaldiakon Johannes verfasste 
BuUe des Papstes Paschahs II ist gerichtet an den Klerus und das ge- 
samte damals in Palastina zu dessen Verteidigung weilende Kriegsvolk und^l 
ist ihrem Inhalte nach ein fiir die Genannten bestimmtes Schreiben be-^^l 
hufs Aufmunterung derselben, bei der einmal begonnenen 
und'fur die Kreuzfahrer so herrlich zum Siege gelangten 
Kreuzzugssache auch fernerhin auszuharren. Nach der Adresse 
(Abs. 1) weist der Papst darauf hin, dass jetzt die alten Verheissungen 
in wunderbarer Weise in ErfiiUung gegangen seien, indem der Herr 
die Mauern der feindlichen Stadte ihnen geotfnet und vornehmHch die 
heil. Lanze und einen Teil vom lebenspendenden Kreuze ihnen einge- 
• handigt habe, wofur man dem ErlOser nicht genug Dank sagen soUte 
(Abs. i2, 3). Die Bedrucker der Christen seien aus ihren bislierigen 
Besitzungen verjagt und die orientahsche Kirche von denselben befreit 
worden; sie sollten daher Gott loben und mit Wachen und Beten an- ^ 
halten, damit er sie in ihrer FrOmmigkeit bis ans Ende bewahre (Abs. 4), t 
und wie sie bisher alles aus Liebe zum Herrn auf sich genommen 
hatten, so sollten sie jetzt nach Hoherem streben und den ewigen 
Frieden vom Herrn zu erlangen suchen (Abs. 5). Er, der Papst, sende 
ihnen Mauritius, den Bischof von Porto, als seinen Stellvertreter, der 
sie reichlich trOsten werde und dem sie in allen Stiicken gehorchen 
sollen (Abs. 6); ihni sei der Auftrag geworden, auf die Einrichtungen 
der Kirche im Morgenlande ein wachsames Auge zu haben, damit er 
das, was mit den kanonischen Regeln nicht tibereinstimme, zum bes- 
seren andere (Abs. 7). Der Allmachtige moge ihnen zum Wollen auch 
das Vollbringen geben, sie von allem BOsen erlosen und ihnen an Stelle 
ihrer Verbannung das ewige Leben schenken (Abs 8). Am Schhisse 
liest man noch die Datumsangabe mit der Unterschrift des papstlicheu 
Sekretars, des Diakon Johannes. 



dieser Zeit (Ostern 1100) ein Rundsclireiben Dagoberts an tlie Deutscben er 
halten, in welchem er klagt, er habe das kleine noch in Palastina verbliebenc 
Heer nur durch Soldversprechungen gewinnen konnen. Er fordert die frommen 
Deutschen auf, an ihn ihre Spenden zu senden, damit er seinen Verpflichtungen 
nachkommen konne. Herzog Gottfried wird mit keiner Silbe erwahnt. Der 
Brief beweist uns die traurige Lage der Christen im heiL Lande, zugleich aber 
wirft er ein scharfes Schlaglicht auf die Stellung, welche der Patriarch dem 
Herzog gegeniiber einnahm. Dagobert steht an der Spitze der Jerusalemiten, 
der Patriarch fuhlt sich verantwortlich fiir die Unterhaltung der christlichen 
Streitkrafte, der Herzog Gottfried tritt als sein Vasall in den Hintergrundx. 
S. a. n. 1. — 1) S. in den Erlauterungen n. 26. 



XXII. — Epistula Paschalis II ad crucesignatos in Asia triumphantes. 12B 

Diese Bulle liefert zunachst den Beweis, dass Paschalis II von 
Vorgangen wahrend des Kreuzzuges wohl unterrichtet war, wenn er 
auch nach derselben die Lage der Lateiner in einem allzu rosigen 
Lichte gesehen hat. Offenbar hatte er auch Nachrichten erhalten von 
der vollzogenen Besetzung des Patriarchats in Jerusalem mit dem im 
Jahre 1099 nach dem Morgenlande gekommenen papstlichen Legaten 
Dagobert von Pisa, sowie von den im Winter 1099/1100 in der jeru- 
salemischen Kirche obwaltenden Verhaltnissen, welche Mitteilungen 
sicher die Veranlassung w^aren, dass der Papst einen weiteren Ge- 
sandten, den in der Bulle genannten BischofMauritius vonPorto- 
nach Palastina gesendet hat mit dem bestimmten Auftrage, den dort mOg, 
licherweise zur Ausfuhrung gebrachten antikanonischen Anordnungen 
entgegenzutreten und bessere an deren Stelle zu setzen. Riant, Inv. 211, 
dem auch Rohricht, Reg. n^ 29 gefolgt ist, glaubt deshalb annehmen 
zu miissen, dass die Bulle das Antwortschreiben des Papstes auf den 
sub XVin von uns edierten Brief Dagoberts und der Kreuzzugsfursten 
sei, welchen diese von Laodicea aus vor der Abfahrt der riickkehrenden 
Kreuzfahrer nach dem Abendlande an den Papst gerichtet haben, sowie 
die Antwort auf ein von Dagobert an den Papst gesendetes weiteres 
Schreiben, worin ersterer diesem seine Einsetzung zum Patriarchen an- 
gezeigt habe, welches Schreiben aber verloren gegangen sei. Dass 
diese Annahme aus dem Inhalte dieses Briefes gefolgert werden darf, 
liegt ja nahe. Wenn man aber bedenkt, wie im Spatjahr 1099 und 
im Winter 1099/1100 die meisten Teilnehmer am ersten Kreuzzuge, die 
denselben iiberlebt hatten, wieder in ihre Heimat zuruckgekehrt sind 
und jedenfalls nicht wenige derselben bei ihrem Durchzuge durch Italien 
auch bei Paschalis II Audienz gehabt und diesem weitlaufig iiber ihre 
Begegnisse und die Lage des palastinensischen neuen Frankenstaates 
Bericht erstattet haben werden, so ist die Annahme, dass gerade 
Dagobert einen Brief an Paschalis betreffs seiner Inthronisierung ilber- 
sendet haben musse, eben nicht strikte zu beweisen, da ja ebenso ein 
Schreiben Arnulfs oder Gottfrieds oder gar nur die mundUch dem 
Papste iiberbrachten Mitteilungen unsere BuUe bezw. die Sendung des 
Mauritius nach dem Morgenlande veranlasst haben kOnnen. Sei dem 
nun wie ihm wolle, diese Bulle dient jedenfalls zur Bestatigung der 
von Cafaro und Albert iiber Mauritius sonst noch iiberlieferten, wenn 
I auch sparlichen Nachrichten : ferner ist sie das erste von Pascha- 
1 lis II noch vorhandene Schreiben, das dieser in Betreff 
1 der Kreuzzugsangelegenheit an die morgenlandische 
lateinische Kirche gesendet hat, aus welchem wir des Papstes 
voUe Uebereinstimmung mit dem erkennen, was sein Vorgiinger in 
derselben Angelegenheit gethan und zuwege gebracht hat, wie er sich 
denn auch auf diesen beruft, der ja zum ganzen Unternehmen den be- 
wegenden Antrieb gegeben habe — und hierin ist wohl auch der 
I Hauptwert des Briefes zu suchen. 

Von dieser BuUe ist nur noch ein Manuscript (A) vorhanden 
und zwar in der VaticanazuRom, n^ 3832 f. 199^ cop. membr. 
saec. XII. Der Brief bildet das letzte Stiick im Codex, der laut Katalog 
insbesondere eine „colIectio canonum et decretorum ex epistolis sum- 



124 Einleitung. 

morum pontificum et dictis sanctorum patrum in libros duos diuisa 
de primatu ecclesiae" enthalt. Gegen den Schluss des Briefes ist die 
Schrift sehr verlOsclit; auch weist das Perganient LOcher auf. 

Gedruckt ist die BuUe in folgenden Werken: 1. bei Baronius, 
Annales ecclesiastici, ad annum 1100, n^ 28, 1. Ausg. Band XII p. 12. 
Diese, wie alle folgenden Ausgaben, welche den von Baronius gebotenen 
Text wieder abgedruckt haben, beruhen auf einem verloren gegangenen 
(^odex des Antonius Augustinus; 2. bei Baronius, Ann. eccles. cur. 
Mansi t. XVIII p. 124; 3. bei Labbe, Sacrosancta conciba, t. X, 622; 

4. bei Mansi, Sacr. conciliorum nova et ampliss. coUectio t. XX, 979; 

5. Cozza a S. Laurentio, Hist. polem. de Graecorum schismate, t. XX, 
230; 6. Migne, Patrologia latina t. CLXIII, 42 f.; Watterich, Vitae 
pontif. Rom. II, 18 — 19: 8. Unsere vorliegende Ausgabe beruht auf 
dem soeben angegebenen Manuscripte der Vaticana n*^ 3832 (A) und 
den seitherigen Druckausgaben (£dd.), welche letzteren alle mit der- 
jenigen in den Annalen des Baronius identisch sind. 

Erlauterungsschriften sind: Hist. litt. de la France t. X, 227 : 
Ceillier. Hist. gen. t. XXI, 484; Hist. des papes t. II, 548 ff.; Monta- 
lambert, Les moines d'occident. VII, 265; Riant, Invent. 211; Pflugk- 
Hartung, Iter Ita]icum 125; HE 218,219; Ktihn, Gesch d. 1. latein. Patr. 
35; Jaffe-LOwenfeld 5835 (4363); Rohricht, Beitr. z. Gesch. d. Kreuzz. 
II, 53: desselben Regesta n^ 29, und Gesch. d. Kgrs. Jerusalem 10. n. 4: 
HChr. no 458. 



XXIII. 

Epistula Paschalis II papae ad Consules Pisanos. 
(Geschrieben zwischen dem 14. und 25. August 1100 aus Rom.) 

Dieser Brief des Papstes Paschahs II ist von Rom aus in der 
zweiten Halfte des Monats August 1100, und zwar zwischen dem 14. 
und 25. dieses Monats an die Consuln zu Pisa geschrieben worden, 
was wir in n. 37 nachgewiesen zu haben glauben. Dje Flotte der 
Pisaner war im Friihjahr 1100 aus dem Morgenlande wieder zuruck- 
gekehrt und mit ihr eine Menge Kreuzfahrer, welche iiber Ostern 
(1. April 1100) noch in Jerusalem zuriickgeblieben waren, um dieses 
Fest an heiliger Statte zu feiern, die aber nach diesem Feste ihre 
Heimreise angetreten hatten ^). Spalestens im Juli 1100 diirfte die 
pisanische Flotte an der Miirdung des Arno wieder eingetroffen ^) und 
auch bald nach deren Ankunft von Pisa aus eine Gesandtschaft an den 
Papst gesendet worden sein. Diese von den Consuln der Stadt an 
Paschalis abgesendeten „oratores" — aus ihnen bestand die Gesandt- 
schaft — hatten dem Papste nahere Mitteilung gemacht iiber den 
Erfolg der pisanischen Flottenexpedition nach dem Morgenlande und 
ohne Zweifel wohl auch speciell, sei es mittelbar oder unmittelbar, im 

') S. zu XXI, 16 n. 18 und HChr. no 456. — ^) g. HChr. no <t77. 



XX[[[. — Epistula Paschalis H papae ad Consules Pisanos. 125 

Auftrage des damaligen Patriarcheu voii Jerusalem, Dagoberts, naheren 
Aufschluss iiber die Verhaltnisse der morgenlandischen Kirche und 
iiber die Streitigkeiten, welche damals zwischen Dagobert und dem 
fruheren Patriarchen Arnulf akut geworden waren. Den nun nach Pisa 
von Rom zuruckkehrenden Gesandten der Consuhi hat Paschahs vor- 
hegendes Sclireiben an die letzteren mitgegeben, nachdem er eben diesen 
Gesandten aber auch seine Meinung iiber die palastinensischen Ver- 
haltnisse miindlich mit dem Auftrage dargelegt hatte, den Consuln in 
Pisa hieriiber genauen miindUchen Bericht zu erstatten. In dem Schreibeii 
spricht der Papst seine grosse Freude daruber aus, dass Gott seines 
Volkes sich erbarmt und demselben ermoglicht habe, das heibge Land 
und die heilige Stadt von der Tyrannei der Barbaren zu befreien und 
den alten christhchen Kultus daselbst wieder herzustellen, woruber 
der ganze Erdkreis frohiocke und von da an alle Klagen verstummen 
werden (Abs. 1 — 3). Niclit minder aber sei es eine bleibende Freude, 
dass die Pisaner nach Vermogen dem Kreuzzugsunternehmen ihre hilf- 
reiclie Hand gereicht und da, wo Christus geHtten, unvergangHche Be- 
weise ihres Glaubens hinterlassen hatten, darum sie auch bei Gott und 
Menschen ausgezeichnetes Lob verdient und sich des heiL Stuhles 
Schutzes wurdig gemacht hatten (Abs. 4, 5). Sie konnten durch ihre 
Gesandten genau erfahren, wie er, der Papst, in Sachen Dagoberts, des 
jerusalemischen Patriarchen, gegen den Simonisten Arnulf gesinnt sei 
und wie er bisher stets die grossen Verdienste des ersteren um den 
heil. Stuhl und die kathohsche Rehgion nie ausser Acht gelassen habe. 
Auch woUe er nach Moglichkeit den Patriarchen l)ei Gottfried und den 
nocli in Syrien weilenden christUchen Fiirsten in Empfehlung bringen 
(Abs. 8). In Betreff der von den Pisanern und Dagobert wieder her- 
gestellten Kirchen des Orients werden die zuruckkehrenden Gesandteu 
ebenfalls seine, des Papstes, Meinung iibermitteln, doch mOchten die 
Pisaner dem begonnenen Werke auch fernerhin ihre Mithilfe widmen 
(Abs. 9). Mit der Bitte, seine Legaten, die auf ihrem Wege nach 
Genua und Sardinien vielleicht auch nach Pisa kommen werden, zu 
unterstiitzen, und mit der Anwiinschung des papstlichen Segens schliesst 
PaschaHs sein Schreiben (Abs. 10). 

Es ist eine l)eachtenswerte Urkunde, weil sie iiber des Papstes 
Stellung, welche er damals in dem Streite zwischen Dagobert und 
Arnulf eingenommen hat, erwiinschtes Licht gibt. Offenbar hatte Dago- 
bert selbst den Leitern der pisanischen Flotte, welche nach Ostern 1100 
von Palastina wieder nach dem Abendlande weggefahren waren, Auftrag 
gegeben, seine Sache dem Papste vorzutragen und fur ihn ein gutes 
Wort einzulegen. Paschalis hat daraufhin seine Meinung iiber Dago- 
berts Angelegenheit ausgesprochen, nachdem ihm jedenfalls von anderer 
Seite (s. Abs. 7) ebenfalls iiber jene Streitsache schon Ofter Nachricht 
zugekommen war. Dass er sich aber damals dem Dagobert geneigt ge- 
zeigt, ist offenbar dem Einfluss der p'sanischen Consuln und deren 
Berichterstattung zuzuschreiben. Das Schreiben ist vornehmlich aber 
auch darum von Interesse, weil wir aus demselben einerseits die frohe 
Stimmung erkennen, welche die Eroberung Palastinas durch die Franken 
beim papstlichen Stuhle bewirkt hat, und andrerseits erfahren, welch' 



126 Einleitung. 

hohen Wert der Papst auf die Teihiahme der Pisaner am Kreuzzuge 
gelegt hat, denen gegeniiber er nicht umhin kann, seinen Dank dafur 
in x\usdrucken h5chster Anerkennung zu bezeugen: nicht aber weil er 
die Streitsache Dagoberts und Arnulfs beriihrt und wir daraus die da- 
malige Stellungnahme des Papstes in dieser Sache zu I)eurteilen ver- 
mOgen — denn diese Angelegenheit gehOrt nicht mehr in den Rahmen 
des ersten Kreuzzuges — , sondern weil es ein papstliches Danksagungs- 
schreiben ist fiir solche, die am ersten Kreuzzuge teilgenommen hatten, 
ebendeshalb haben wir es in unsere Sammlung aufgenommen. 

Riant hat in demselben, wie es uns noch vorhegt, Lticken ver- 
mutet. Wenn solche in der That vorhanden sind, so ist es der Fall 
zwischen Abs. 8 und 9, worauf wir auch in n. 33 hingewiesen haben. 
Wenn man bedenkt, dass es mehr ein Begleitschreiben war fui* die 
von Rom nach Pisa zuruckkehrenden Abgesandten der Pisaner und 
diese von Paschahs noch besondere Auftrage zu mundlicher, ausfuhr- 
licher Berichterstattung erhalten hatten, so ist es immerhin auch er- 
klarlich, dass der Papst in den von ihm beruhrten Angelegenheiten, 
wie in der Dagobertschen Streitsache und der Wiedererrichtung der 
Kirchen sich allgemeiner und kurzer gefasst hat, als er wohl gethan 
haben wurde. wenn ihm damals die Gesandten nicht als Vermittler 
seiner Ansicht und seines Willens zu Gebote gestanden wiiren. 

Eine Handschrift dieses papstlichen Sclireibens ist zur Zeit nicht 
mehr bekannt. Martinius hat dasselbe „ex magna bibliotheca mscr. 
Galliae regis" entnommen und in seinem Theatrum basil. Pisan. 
Romae 1723, append. p. 141 zum Abdruck gebracht. Dieses Manuscr. 
ist aber bis jetzt niclit wieder aufgefunden worden. Einen der genannteu 
Ausgabe conformen Wiederabdruck hat Dal Borgo in Raccolta di scelti 
Diplomi Pisani (Pisa 1765) p. 83 — 84 besorgt, aus welchem auch der 
Text unserer Ausgabe entnommen ist. 

Als Erlauterungsschriften sind zu nennen: Dal Borgo a. a. 
O. p. 83; Migne, Patrologia latina 163 p. 44; Riant, Invent. 218; Jaffe, 
Reg. pontif. ed. II p. 207 n» 5857 i); ROhricht, Beitrage z. Gesch. d. 
Kreuzz. II, 53 ; Kugler, Albert v. Aachen 285 ; Kuhn, Gesch. d. lat. 
Patr. 28; Hampel, Untersuchungen uber das lat. Patriarchat zu Jeru- 
salem 12; HChr. n^ 494. 



1) Bei Migne und JafFe wird der Inhalt des Briefes folgendermassen an- 
gegeben: Ad Consules Pisanos. lUis laudes impertit quod «anno praeterito» 
Hierosolymae expugnandae operam nauarint. Promittit Daibertum, eorum epis- 
eopum, nunc ciuitatis Jerusalem Patriarcham «contra Arnulfum, eiusdem sedis 
inuasorem, a sese defensum et nobili strenuoque uiro Godefrido aliisque prin- 
cipibus Christianis adhuc in Syria et transmarinis partibus commorantibus» 
commendatum iri legatos suos ^primo Januam . deinde in Sardiniam profec- 
turos> commendat. 



Epistulae et Cliartae 

ad historiam primi belli sacri spectantes quae supersunt 
aeuo aequales ac genuinae. 



I 



Epistula Alexii I Komneni imperatoris ad Robertum I 
comitem Flandrensem. 

(circa annuin 1088). 

a = Cod. maimscr. bibl. Andegauensis, n» 163 (olim S. Albini), merabr. 
saec. XII ineunt, f. 272. — j3 = Cod. mscr. bibl. Bruxellensis, n^ 5460 (olim 
S. Petri Gemblacensis), membr. saec. XII, f. 1. — n = Cod. mscr. bibl. nat. 
Parisiensis, lat. n» 5856, membr. saec. XII ineunt., f. 134 ^\ — B = Cod. mscr. 
bibl. Bernensis, n*» 111, membr. saec. XII ineunt., ff. 22—24. — C = Cod. 
mscr. bibl. Claustroneoburgensis, n" 722, membr. saec. XIV, ft*. 210—211. — 
D = Cod. mscr. deperditus, quo usus est Du Cange. — O = Cod. mscr. bibl. 
acad. (iissensis, n*» 158 (olim Spanhem.), membr. saec. XIII, ff. 2 — 6. — Ga 
= Cod. mscr. bibl. duc. Guelpherbytanae, Aug. 14, membr. saec. XII, f. 107. 

— Gh = Cod. mscr. bibl. duc. Guelpherbytanae, Helrast. 206, raembr. saec. 
XII, f. L-6. — Gh^ = Cod. mscr. bibl. duc. Guelpherbytanae, Helmst. 354, 
chart. saec. XV, f. 208. — Hb = Cod. mscr. bibl. publ. Haraburgensis, Gra 31^, 
merabr. saec. XIV, f. 1. — H — Cod. rascr. bibl. reg. Hauniensis, n» 2159, 
inembr. saec. XII, f. 59. — L = Cod. rascr. bibl. publ. Lincianae, Cc IV 10, 
membr. saec. XII. — L^ = Cod. rascr. bibl. publ. Lincianae, Cc V 5, raembr. saec. 
XIV. — Lu = Cod. mscr. bibl. magni duc. Luxemburgensis, n^» 42 (84), (olim 
Aureae-Vallis), raembr. saec. XII, flf. 9—11. — M = Cod. deperditus S. Ebrulfi, 
quo usus est Martenius. — M^ = Cod. deperditus lacobi Leodiensis, quo usus 
est Martenius. — Mo = Cod. mscr. bibl. reg. Monacensis, lat n» 5374 (olim 
Chiems. 74), chart. saec. XV, f. 115. — Mo^ = Cod. rascr. bibl. reg. Mona- 
censis, lat. n" 18624 (olira Tegerns. 624), chart. saec. XV, f. 76. — Pc - Cod. 
mscr. bibl. nat, Parisiensis, lat. iv^ 5508 (olira Colbert 3837), raerabr. saec. XII, 
f. 6. — Pd = Cod. rascr. bibl. nat. Parisiensis, lat. no 5130 (olira Delaraare 
197), merabr. saec. XV, f. 1. — Pg = Cod. rascr. bibl. S. Genofeuae Pari- 
siensis, LI 1, raerabr. saec. XIII, f. 1. — Pm = Cod. mscr. bibl. nat. Pari- 
siensis, Moreau, 841, chart. saec. XVII, f. 126. — R* = Cod. mscr. bibl. Vati- 
canae, n'» 1795, membr. saec. XIII, p. 120. — R^ = Cod. rascr. bibl. Vaticanae, 
n<' 3901, chart. saec. XVI, f. 1. — Rp = Cod. rascr. bibl. Vaticanae, Palat. 962, 
merabr. saec. XIV, f. 62. — Sa = Cod. mscr. bibl. S. Petri Salisburgensis, IX, 28, 
chart. saec. XV, f. 124. — Sc = Cod. rascr. bibl. Sc aphusianae, n^ 74, membr. 
saec. XIII, f. 109. — Sg = Cod. mscr. bibl. Sangallensis, n« 547, merabr. 
saec. XII, p. 470. — T = Cod. rascr. bibl. publ. Treuirensis, n« 1203 (olira 
LXIII), merabr. saec. XIII, f. 1. — T* = Cod. rascr. bibl. capituli Treuirensis, 
n« 76, merabr. saec. XV, f. 1. — Y = Cod. rascr. bibl. caes Vindobonensis, 
lat. no 427 (H. prof. .338), membr. saec. XII, ff. 40—41. — Y^ = Cod. rascr. 
bibl. caes. Vindobonensis, lat. no 480 (Eugen. F. 12), membr. saec. XIII, f. 14. 

— V" = Cod. mscr. bibl. caes. Vindobonensis, lat. n^ 9779 (H. eccl. 42), chart. 

Hagenmoyer, Epistnlae ot CLartae. 9 



130 !• — Epistula Alexii 1 Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. 

saec. XVII, ff. 116—118. — Ye ^ Cod. mscr. bibl. J. P. A. Madden Versaliir.. 
chart. saec. XV. — Vr = Cod. mscr. bibl. Vralislauensis (olim Heinrichsaiii. 
IV f. 191, membr. saec. XIV, f. 83. — W = Cod. mscr. l)ibl. comit. Wernig.-- 
rodensis Za 8, membr. saec. XIV, f. 1. — X = Cod. mscr. deperditus, i[iuf 
cum confecta est editio Coloniensis (Ter Hoernen c. 1470). — Z = Cod. mscr 
bibl. monasterii Clarauallensis Zwettlensis, n" 345, membr. saec. XV, if. 67 
— 69. — Ri = Editio comitis Riant (Alexii I Komn. ad Robertum I Flandr. 
com. epistula spuria, Geneu. 1879). 

Argumentam', 

Hoc exemplar epistulae IV^ aiino ante gloriosum Hierosoly- 
mitanum iter ^ a Constantinopolitano imperatore ^ omnibus Occi- 
dentalibus " ecclesiis* directum est, praecipue tamen Flandrensi 
comiti Rotberto ^ ipse autem' comes iam redierat a Sepulcro 
Domini in baculo et pera ^, in quo itinere se uiderant et adfabile 
atque amicabile conloquium ad inuicem' habuerant" '. idem uero 
imperator, ut ipse in eisdem' conqueritur litteris"^, nimis op- 
pressus fuerat a nefanda gente"' paganorum, quorum principatum 
tenebat Solimannus' ueteranus^^, pater Solimanni iunioris='io 
quem nostri postea, ut liber iste '' '^ ^ meminit, bellicoso conflictu ' 
deuicerunt eumque fugere turpiter'' compulerunt ^^ uii^je non pa- 
rum' miramur"", cur" saepedictus" imperator tam' uenenosum 
animum contra'' nostros semper' habuerit et reddere malo pro 
bonis non formidauerit ^^. — Explicit argumentum' ; incipit epistula' : 

Domino et" glorioso' comiti Flandrensium " Rotberto"'^^ et 
omnibus totius regni principibus ^'\ Christianae fidei amatoribus, 
tam laicis quam clericis^ imperator Constantinopolitanus ^^, salu- 
tem et pacem'^ in eodem' Domino ^^' nostro lesu Christo'* et Patre 
eius ac"" Spiritu sancto". 

inclitissime "'' comes' et maxime Christianae*' fidei'" conso- 
lator"'!^! notificare prudentiae uestrae'' uolo, quantum" sanctissi- 



* occidentalibus d. in T'. — ^ enim Pm R T' V' X. — ' ad invicem d. in R. 

— ^ hahuerunt D Pg Pm T; hahehant X. — ^ eis R. — ^' littcris conqueritur L' 
V' Vr. — ^" gente nefanda B. — ^ soldanus' T'. — ^ uterinus V'. — ^ iunioris 
SolimanniD. — '' ille B. — ' beUico conductu V'. — "" turpiter d. in Pd Pm T; 
turpiter fugere V'. — ^ non parum d. in R. — "" miretur D. — " cum. V'. — 
" dictus D. — p tam d. in R. — *> erga R. — "^ semper d. in Hb Pg V Vr. X. 

— ' argumentum epistule Pm; explicit argumentum d. in D. — * explicit . . . ejjistula 
d. in G R V' Vr X; argumentum lotum d. in a [3 ti C Ga Gh Gh' H L Lu M 
M' Mo Pc R' Rp Sa Sc Sg V V' Ve W Z, pro quo autem T ponit: incipit 
episiula imperatoris Constantinopolitani, quam ipse direxit 1 V^ anno ante Hiercsiihf- 
mttanum iter omnibus OccidenUdibus ecclesiis, praecipue tamen Boberto, comiti Flan- 
drensi, qui iam redierat a Sepulcro Domini in baculo et pcra, in quo itinere se 
uiderant et affabile et amabile colloquium ad invicem hahuerant. — " et d. in Ve. 

— " gloriosissimo P ; et glorioso d. in T. — ^" Flandrensium cotniti D M R ; Flan- 
drensi Ve. — ^'^' Ruotherto, Rodherto, Roberto var. Codd. — ^- tam monachis quam 
clericis ac laiois [3; tam clericis quam laicis L' Vr. -— ^ et ^Jacem d. in V'. — 
" eodem d. in Vr. — ^'•' nostro lesu Christo d. in T. — ^^ et a Lu. — " Patre 
. . . . Sancto d. in p. — '*'' inuictissime Gh; clementissime Sc; inclite Z. — "" comes 
d. in Mo. — ^ christianae d. in ti M. — ^' fidei christmne Gh Pd V. — ~ amator 
et consolator Ve. — ''^' prudencie tue (3 ; prudencie uestre huc uolo Gh' L. — '" quam 
L Vr; quam foHiter L'. 



[. — Epistula Alexii I Komneni ad Robertam I comitem Flandrensem. 131 

mum imperium' Christianorum Graecorum' ^^ angustiatur' fortiter** 
a Pincinatis" ^-^ et' Turcis'^^ et ' cottidie depraedatur' et adquiritur 
sine intermissione, et fiunt ibi'' caedes' diuersae" et inenarrabiles 
Christianorum " interfectiones " et derisiones^^i. sed quia sunt multa 
mala, quae'^ agunt'^-, et, ut' diximus, inenarrabilia\ de multis' 
dicamus" pauca, quae tamen sunt auditu' horribilia et" conturbant 
etiam^ ipsum' aerem^^. nam' pueros et iuuenes Christianorum * 
circumcidunt'" super" baptisteria"" "^* Christianorum '"' et" circum- 
cisionis sanguinem in despectum *' Christi fundunt in eisdem'' bap- 
tisteriis et desuper'" eos" mingere'''' compellunt^^ et" deinceps in 
circuitu ecclesiae"' eos uiolenter deducunt-^ et nomen et fidem 
sanctae Trinitatis' '" blasphemare ^^ compellunt '. illos"" uero no- 
lentes ea'" diuersis poenis adfligunt et''" ad ultimum eos" inter- 
ficiunt^^ nobilesuero" matronas ac earum filias depraedatas"^^ 
inuicem"" succedendo " '' ^^ ^ii" animalia adulterando "" ^^ delu- 
dunt""'. ahi uero corrumpendo turpiter"" uirgines statuunt-' ante 
facies earura matres", compellentes eas^^ nefarias et""' luxuriosas 
decantare cantilenas'"'^^ donec compleant ipsa sua nefaria'"'^*. 
sic enim"" legimus actum et""'' in Dei populo""" antiquitus^^ qui- 
ms impii" Babylonii post diuersa"' delubria-' •^" deridendo dice- 



" imperium d. in Lu R ; imperiiim, sancHssimum Z. — " grecorum christia- 
jrum L' ; greccyrum rcgnum Lu. — " a^igustatur Gh' H Lu M' Pm Sg T V" Ve. 
'* fortiter d. in L'. — * Fincinatis d. in D Pm. — ^ et i\. in V". — ^ et a 
Traciis a. - '' et add. B ; cotidie ei a H Lu M M' Rp Sa Sc V" W. — ' de- 
^'aedatur d. in D Pm ; jyredatur Pd ; et predattir Pg. — ^ ihi add. Hb L L' Pd. 
^ caedes d. in Pd. — '" diuersae fiunt cedes Ga ; uniuerse Pd. — " Christianorum 

in V' Vr. — '" interfectiones christianorum Hb. — ° irrisiones Z ; et fiunt 

irisiones d. in D Pm. — ^ quod R. — ' aguntur C V". — ' et d. in D Pm. — 

enarrahilia C : inenumerabilia V'. — * de mnltis d. in Gh H L R' Sa V. — 

dicemus a D Hb L R' Sg T ; dicam Pd ; dicamus et eis Z ; dicamus et pauca Sa. 

" auditu sunt |3 Mo R' ; audita M W ; auditui Sa. — "^ et quae a. — " con- 

trbant itiam d. in D Pm ; etiam d. in L' Pd Pg Ve V' Vr. — ^ multum T*. 

nam ipsi R' ; nam ita Sa. — '^ christianos D ; christianorum d. in M'. — 

circumdant V*' ; circumcidunt christianorum Lu R. — " et super Z. — ^* bop- 

tisma a. — ^'^' super baptisteria Christianorum desunt in (3. — "' et om. Z. — 

^ despectu M' Sc ; defectum R'. — ^^ hisdem a ; eisdem d. in j3. — ''"' super R' V" 

W ; deinsuper M'. — " eos desuper |3 ; eos om, a. — '''' mingere d. in D Pm. — 

" ct d. in C V". — "' eos in circuitu ecclesiae p Gh R' Rp Sa Z. — '"'" ciuitatis 

D Pm. — "" et deinceps compellunt d. in R. — '"' alios Z; illa Vr. — 

''p ista facere M' ; ea uero nolentes facere V ; om. ea |3 D Ga Pd V" ; e^r B M Pc 
Pm R' ; illos uero qui nolunt diuersis Ve ; ita facere Lu M' R T' W ; ita uero 
facere nolentes diucrsis L'. — '^'^ et d. in Lu. — " eos d. in a D Pd Pg Pm Ve. 
— '' autem G Hb L' Pd T T' Vr. — " temptatas Mo ; depredantes V. — "" in 
inuicem a ; in uice T. — ""' Ve add. sibi. — " uelut L' Vr ; et Mo R'. — '"' adul- 
terando d. in D Hb Pm. — ""' deludunt adulterando L' Vr. — "" turpiter cor- 
rumpendo Gh H Hb L R' Sa T' V Ve Z ; corrumpendo turpiter d. in Ga ; cor- 
rumpendo rapiunt D Pm. — '•' faciunt Mo. — " matrum Lu ; ante facies earum 
statuunt matres Vr. — "'''* nefarias et d. in L' Vr ; et cogunt R'. — ""'''^ cantilenas 
decantare Z. — ^^^' sua stupra nefaria :i T' Z ; sua opera nefaria, om. ipsa V 
Ve ; ipsi sua compleant opet^a nefaria L' Vr ; luxuriusas .... nefaria d. in R. — 
"' sicut Gh ; enim d. in a. — •^'^" ut D Pg Pm ; et d. in a Lu M. — ''''^' populo 
Dei a Lu. — "" imperii D. — ^^ diuersa d. in D Pm. — '^°° ludihria M M' R Ri 
X ; diludibria n ; delubria omnes ceteri codices. 

9' 



132 !• — Epistula Alexii I Konineni ad Robeiium l comitera Flandrensem. 

10 bant: ,hyminim cantate nobis de canticis Sion'''. sic 
et' in' stnpro filiainm matres compellimtnr' nnnc ' cantare can- 
tilenas" netarias, qnarum" noces non' cantnm, sed magis% nt cre- 
dimns, plns' resonant planctum', sicut scriptum*^ est in morte' 
innocentimn" 3^: nox in Rama audita est, ploratns et 
nlnlatus mnltns", Rachel plorans filios snos et noluit 

11 consolari, qnia non snnt"'*'-^. sed" licet matres innocentium, 
qnae' per Rachel figurantur, non nahierint" consolari pro niorte 
filiorvmi, nahiernnt" tamen' consolari" pro sahite' animarum, iste 
tamen' nullatenus, quod peius est ", consolari ualent", quia et" 

12 in corporibus et in aniraabus pereunt^'\ sed quid adhnc'"? neni- 
amus ad deteriora: totius aetatis et ordinis uiros'°^\ id est pueros, 
adolescentes, iuuenes, senes, nobiles, seruos et"^, quod peius et im- 
pudentius est'% clericos et monachos, et heu! pro dolorl et"'. quod 
ab imtio" non dictum neque auditum est, episcopos Sodomitico*^"^ 
peccato^2 (jeiudunt et" etiam unum"'" episcopum"" sub hoc nefario 

13 peccato iam" crepuerunt'''^^^ loca uero'' sancta"^^ innnmerabili- 
bus" modis" contaminant"" et destruunt et peiora eis" minantur*'. 
et ad haec quis"" non plangit"? quis non compatitur? quis non hor- 
ret"? quis non orat"? nampaene tota terraab"' lerusaiem usque''' 
Graeciam, et tota Graecia""^^' cum suis"^' regionibus" superiori- 
bus^^ quae sunt Cappadocia minor"*, alia-' maior'''', Phrygia, Bi- 
thynia, minor"' Phrygia, id est '''''' Troia*^ Pontus, Galatia, Ly- 
dia"'^^ Pamphyha, Isauria, Lycia~ et insulae principales Chios^"' 
et Mitylena''"-''^ ^i multae aliae"' regiones et insulae"'^ quas' 

" e^ d. in a; sed et Sg; sed Sc. — ^ in d. in D. — ' compellunt M. — 
^ nunc d. in Ve. — ^' cantilenas cantare V". — " quantum R. — ^ non tamen Hb. 

— = planctmn magis X. — '' plus d. in D R' Vr. — ' luctum a; planctum d. iii 
X. — ^ scriptum d. in C Gh Gh' H Pc R' Rp Sc Sg V V" Z. — ' matre D. — 
•" dicencitim R. — " multus d. in M' Sa Ve Vr ; uox .... mulius d. in V'. — 
° suos d. in C. — '' ploratus .... sunt d. in a Sa; Rachel .... sunt d. in Ga. 

— " sic D Pm. — ' quae d. in Hb. — ' ualuerunt |3 B D Pg M' T' Ve. — * sic 
a n Mo Pd Pm V; in mortem R; in morte ceteri codd. — " ualuerint C Gh' 
W X; uoluerunt Pd Vr. — ' ttcni a tt B G H V. — " morte .... consolari d. 
in p L' M. — '■ per salutem D Pm ; in salute V". — - ille D Pm. — ^ uero L' 
Vr Z ; autem R'. — "'^ quod peius est nuUatenus a. — '''' ualuerunt V : hymnum .... 
ualent d. in Mo. — " et d. in Sa. — ''' quid ad hoc M' ; quid ad hec quod C : 
quod adhuc est D Pm ; sed ad hec quod V". — '" uiros d. in |3. — " et d. in Pd. 

— *5s egi ^i impudencius a (3 C Mo V"; est d. in Gh'. — '''' et d. in a |3 G Ga 
M M' Mo Pm R R' Rp Sc Sg V V'. — " ah inicio mundi Z. — '''' somitico Ri. 

— " et d. in V. — """ unum d. in B. — "" episcopum add. a |3 :t D Hb L M Pc 
Pd Pg T T' V W. — "" iam d. in X. — ''" cremauerunt T'; sed quid .... 
crepuerunt d. in L' V' Vr. — '^'^ uero d. in V' Vr. — " sancta d. in D Pd Pg 
Pni T'. — *" inhumanibilibus Pm. — " malis D ; modis innumerabilibus Vr. — 
"" certaminant R. — '" hiis V Vr : eis adhuc Z. — '''"' et quis ad hec Rp ; quis oh 
hoc V". — "^"^ plangitur T'. — " horretur C R' ; abhorret Z. — ^^ oratur C: ex- 
citatur V. — ""'' in D Pd Pg. — "'"' usque ad Mo ; usque in Pm. — '" Graecia 
d. in |3; et tota Gracia d. in a. — '^'^'^ cum suis d. in Rp. — "^" regioriihus d. in a; 
superiorihus reglonibus L' Vr. — ^^ maior a ; Capadocia, minor Asia V". — *='=' minor 
et maior R' Vr. — '''''' minor a. — '" sic ti Ga Gh Gh' M; maior cet. codd. — 
^^^ idem Rp ; id est d. in Gh. — "' sic recte L L' T' Ga; Libia cet codd. — 
mmm ji^igifj^ g^ Trota, Fontum, Galacia, Libia, Isauria, Licia a. — """ Thyro Rp ; 
Clio Sa. — ""'' sic recte a L L' T'; Melitona p; Milteria :i; Militeria C Sg V" ; 
MUitena cet. codd. — ppp aliae d. in Lu ; alie multe Z. — '''^"» que D. 



I. — Epistula Alexii I Komneni ad Robei-tum 1 comitem Flandrensem. 133 

noii ualemus' modo' enumerare% usque' Thracias'^- ab eis' 
iam' inuasae sunt", et fere' iam nihir^ remansit nisi Constanti- 
nopolis ' \ quam ipsi minantur citissime' nobis auferre", nisi 
auxihum Dei et fideHum"" Christianorum Latinorum uelociter" nobis" 
subuenerit' '^. nam et ' Propontidem, qui et' auidus*^'' dicitur et 14 
ex Ponto ^*^ iuxta eandem ' Constantinopohm' in Mare Magnum '^^ 
decurrit, cum" CC^^ nauibus inuaserunt', quas Graeci ab eis' prae- 
dati' fabricauerant ', et remigiis*", uehnt nolint ', deducunt et mi- 
nantur ^^^ tam" per terram quam per eandem Propontidem" Con- 
stantinopohm", ut diximus'- '^^, uelociter capere. haec pauca'"' de 15 
innumerabihbus'' malis, quae haec imphssima'''' gens agit, diximus*'^ 

et" scripsimus' tibi, comes Flandrensium ! Christianae fidei ama- 

tor^M cetera uero ob fastidium legentium ' ' dimittamus""<^'-. igi- 16 
tur pro Dei amore" et pro"' omnium'"' Graecorum " Christianorum'' 
pietate""^ rogamus, ut quoscumque"" fideles" Christi bellatores "", 
tam maiores quam minores cum mediocribus "^ in terra'' tua'' 
adquirere" poteris ", ad auxihum mei et Graecorum Christianorum 
huc deducas ", et sicut Gahciam'"^^ et cetera Occidentahum"" 
regna^'' anno praeterito"" a iugo paganorum^' ahquantulum hbe- 
rauerunt*"''^, ita et nunc"' ob salutem animarum suarum reg- 
num"'' Graecorum hberare temptent", cum '''''' ego, quamuis'" im- 
perator, nulhim tamen ""' mihi remedium"""" neque"'' idoneum"" 
<:onsihum scio" " inuenire, sed semper a facie Turcorum'" et Pin- 



' uaJuimus a, — '' modo d. in Pc Sa Z. — ' computare D Pd Pg Pm; 
numerare a. — ' imo usque Sa. — " Troiam D. — ' que ab eis 1) Pm. — *=' iam 
d. in a. — '' inuasa sunt D G L' Lu M' Pg R' Rp T Vr W Z ; in aserunt V". — 
' icere Vr. — '' nichil iam Gh R ; nobis non a. — ' rectissime Pc — '" auferre 

Inobis citissime Mo ; citissime nobis auferre minantur a ; nobis citissime auferre Z. — 
S" fidelium d. in V'. — ■' celeriter G Sg. — " nobis add. |3 L' Pm Rp Vr. — 
I subuenit D Pm ; superuenerit V'. — ^ ^« d. in D G Lu Pc Pg Sc. — " Per- 
hontidem a C G Gh Gh* M Mo R' Rp X; Perpontium Lu M M' W. — ' et d. in 
B ; que et Ve. — ' Abidus |3 ; Aridus M ; amelus M' ; ardus R. — " eandem d. in 
V' Vr. — ' Constantinopolim d. in i3. — " magnum mare L. — " eum C ; et cum 
Sc. — '^ inuaserunt d. in Z. — • ab eis om. Gh H R' Sa V Ve Z. — ' dppre- 

dati D ; predate Mo. — "" quas fabricauerant d. in a ; fabricauerunt B D 

Pm Lu Mo Pc Pd V' V. — '''' remigii V. — " uelimus nolimus a. — '^" tam d. 
in R. — "" Perpontidem a Lu M'. — "^ Constantinopolim d. in R. — == ut diximus 
d. in L' Ve Vr. — ''^" plura D Pm; perpauca Sc ; he pauca V" ; nec pauca V'. — 
" inhumanilibus Pm. — '^'^ impia a ; piissiima R. — " ut Sc. — """ ut diximus, 
scripsimus |3. — """' legeucium fastidium D. — "" dimittimus |3 B M' V' Z ; dimittemus a ; 
dimisimus Vr. — "" amore Dei T' V'; Dei nomine a ti M. — ^'^' pro d. in Hb T. 

— '*'* omnium d. in M' X. — " Graecorum d. in B Pd. — '' Christianorum d. 
in D R' ; Christianorum Grecorum Pm. — " pietate Christianorum B C G Ga Gh 
Gh' Lu M' Rg Rp Sc V V V W X. — "" quosque D Pm. — " fideles d. in 
T'. — ''" amatores a. — '''' intra tua D Pm. — '^ sua Z. — "- querere a. — 
•""' 2^ossis Ve ; poterilis Z. — ^'"' deducatis Z. — "" sic :x Gh' H M Pc R Sa V ; 
Galatiam cet. codd. ; Christianorum .... Galiciam d. in (3. — '''^^ orientalium V. 

— ""^ anno d. in V ; praeterito anno Gh' V". — "'' a iugo liberauerunt 

d. in a. — ^-ss ^^^^g ^ iu ^». y _ iu.h ^.g^,^^ j^_ — iii certmt a. — ''' " sic |3 R' Ri 
Rp ; quomodo Gh' ; quoniam cet. codd. — "' licet Pc ; quamuis ego a. — '"""" tamen 
d. in Vr; nullum ego tamen a; nullum tantum V'. — """ remedium michi Vr; 
mdlum remedium Ve. — °'"' atque D. — "''^' idoneum d. in a. — ""'' scio consilium 
Sc; seiicio T'. — "" Tracorum a. 



134 !• — Epistula Alexii I Konineni ad Robertum T comitem Flandrensem. 

cinatorum' fugio" et tamdiu in singula ciuitate' maneo, donec 
aduentum eorum'' prope' sentio^^, et melius esse subiectus 

17 nestris Latinis' cupio', quam paganorum delubriis ' ^^. ergo, ante- 
quam capiatur ab eis' Constantinopobs", certare totis uiribus ma- 
xime" debetis\ ut gloriosam et ineffabilem mercedem" in caelo 
gaudentes" recipiatis". nam melius est, ut' uos habeatis Constan- 
tinopolim quam pagani" ^\ quia in ea habentur pretiosissimae re- 
liquiae' Domini^^^ id' est: statua ^'^ ad quam fuit ligatus'; flagel- 
lum^^ a quo" fuit' flagellatus; chlamys ^^ coccinea, qua fuit in- 
dutus"; corona spinea"'''', qua fuit' coronatus; harundo ^^ quani 
uice scpptri in' manibus tulit'; uestimenta" '^ quibus ante cruceni 
exspohatus ' '' fuit, pars maxima hgni crucis" ^«, in qua''' cruci- 
fixus fuit"; claui''^'^ quibus adfixus fuit"; hnteamina ^o pQg^ 
resurrectionem eius"" inuenta in sepulcro"; XII cophini ^^ fragmen- 
torum ex"" V panibus et duobus piscibus; caput cum capillis in- 

18 tegrum" et barba S."" lohannis Baptistae^^; reliquiae uel"" cor- 
pora multorum"" innocentium "^^ quorundam prophetarum «^ ac " 
apostolorum ^^ martyrum" '^^ et maxime" S. Stephani protomar- 
tyris"' et" confessorum ac " uirginum, quae ob nimium incremen- 

19 tum^^ singulariter" scribere"" intermisimus" '^^ quae tamen" 
omnia praedicta"^^ Christiani magis"' quam pagani habere de- 
bent'"^ et""" munimen magnum erit omnibus Christianis ''''"', si 
haec omnia habuerint, detrimentum"' uero et iudicium"', si per- 



" Pincinatorum d. in D Pra. — ^ fugio et Pincinatorum R. — * urbe L' V'. 
Vr; singulis ciuitatibus a Sc Sg. — "' eoriim aduentum B. — '^ prope esse Z. — 
* subiectus esse C G Ga Gh H M R' Rp Sg V V" Z ; melius uolo esse a ; subiretur 
esse D. — ^ literis R' ; uestris Latinis subiecttis esse R T ; nostris Latinis D. — 
s cupio d. in a. — '' diludibriis n; delubriis j3 B C G Gh M M' Mo Pd R Sc Sg 
T V V* W X; ludibriis cet. codd. et Ri. — ' ab eis d. in V*; ab eis capiatur 
D. — '' Constantinopolis ab eis capiatur a. — ^ maxime d. in D T' Vr. — ' de- 
betis maxime R. ; debebitis L'. - '" misericordiam D Pm. — " gaudentes d. in (3 
L' V Vr. — ° melius esse suhiectus .... recipiatis d. in Lu. — ^ ut d. in D M, 
— '^ paganos D. — ' reliquie preciosissime ti Hb L L' Pc Sa T' Ve W; pretiose 
reliquie a ; preciosissime reliquie habentur p. — ' hoc Ve. — * ligatus fuit Vr ; 
est ligatus V' Ve : fuit saluator ligatus a. — " unde :i p D M V ; quo Ve Vr. — 
" flagellatus fuit C V' ; est Ve. — ^' flagellum .... indutus d. in a ; est indutus 
Ve. — "^' sjnnea corona Z. — "^ fuit d. in Vr; est Ve. — •" m d. in tt M. — 
" tulit in manibus Z ; tenuit iii manu sua R. — "" uestes C M R' Rp Sc Sg V* V" 
Ve Vr Z; uestimenta d. in Ga (Jii Sa. — ^^ fuit exspoliatus Lu M' W Z; spoliatus 
M Vr ; est sjmliatus Ve. — " sancte crncis Vr ; crucis Christi a. — '^'^ qiio Hb L 
L' Lu R Sc T T' Ve W Z. - "" fuit crucifixus p D Pg Pm R Z ; crucifixus esf 
Ve. — " quibus ante crucem .... claui d. in (3. — ^s claui .... fuit d. in M; af- 
fixus est Ve; erat R' ; in cruce fuit affixus Z. — '"'' eius d. in ti M Sa. — " in 
sepidchro inuenta a :7i M V'. — ^'^ de a ^ M. — " integrum et barba d. in a; in- 
tegrum cum capiUis |3 Z ; integrum d. in V. — """ sancti d. in M'. — "" et D ; ue- 
lut Pni. — "" multorum d. in D Gh Pg Pm R'. — •'' sanctorum innocentium D 
Pm R' T Vr W. — •»"» et Lu U: ac d. in a H R Rp Sa Z. — '^'^ martirum ac 
apostolorum Hb. — '' maxime d. in Gli Pd. — ''' maxime p)yotomartiris Stephani 
Z. — " ^^ d. in V' Z. — "" et M Vr. — '"^ singulariter d. in C. — '""^ scribere 
d. in P; scribere singulariter D Hb Pc. — "'^ intermisimiis d. in D Pm ; ohmisimu^ 
Ve Vr. — "' tamen d. in L' V' Ve Vr. — " predicta omnia B R V ; supradicta p 
Pc; predicta d. in a D V'. — "' magis christiani V Z. — ""'' habere debent d, 
in C. — '""" et d. in R'. — *'"''' christianis omnihus Z. — "' erit eis si L' Vr. — 
^^^ decremenlum V". — •" iudicium d. in D Pm. 



l. — Kpistula Alexii [ Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. 135 

dideriut -'^^ quod-'^ si ob hoc certare noluerint ' et aurum" magis 20 
amauerint , in ea plus inuenient'' quam in toto mundo; nam soli' 
thesauri-^'^ ecclesiarum' Constantinopohs abundant^ in argento, 
auro", gemmis' et lapidibus pretiosis et pannis sericis, id esf" pal- 
his', quae" sufficere possint" omnibus mundi" ecclesiis''^^ quos 
tamen" omnes thesauros inaestimabihs ' thesaurus matris' ecclesiae, 
scihcet* S. Sopliiae^^, id est" Dei Sapientiae, superat et absque 
dubio thesauris' templi" Salomonis^^ coaequari possit'. quid ite- 21 
rum' de infinito nobihum ''^' thesauro^' dicam, cum thesaurum' 
negotiatorum rusticorum nemo aestimare possit" ^^? quid"' inueni- 
tur in praeteritorum '" imperatorum thesauris? pro certo" dico"", 
non erit hngua, quae illum recitare'" ualeat"', quoniam" non so- 
lum Constantinopohtanorum imperatorum ibi thesaurus habetur, 
sed" omnium'" antiquorum Romanorum" imperatorum thesaurus 
ibi est translatus '"' et in palaths" absconditus^s. quid amphus di- 
cam? quod certe"'" patet oculis"'"' hominum ' niliil est, quantum'" 
ad iliud'" absconditum'"'^^. currite ergo cum" tota gente uestra 22 
et^' ex omnibus" uiribus uestris"" certate^^"! ne talis thesaurus in 
manus"' Turcorum et Pincinatorum"" cadat, quia, dum'"' sint in- 
finiti s adhuc'^ LX^''^ miha""' exspectantur"""' cottidie^" loi, et timeo''', 
ne per illum" thesaurum paulatim nostros""' seducanf" cupidos''^ 



' nam si hoc . . . noluerint D Fm ; ohcertare uoluerint V'. — " aurum et ar- 
(jentum T; aurum d. in Mo Pc Prl. — " elegerint V. — ^ inueniunt R' ; inuenient 
aurum tt M. — " soli d. in Ve. — ' ecclesiarum d. in V'. — ^ habundant add. |3 
Hb L L' Ri Rp P. — " auro argento, p C Gh' Hb L L' Mo Pg Pm Rp Sa Sc T 
T' Ve ; argento et auro Z ; auro et argento a. — ' et gemmis a. — ^ et a ^ Hb 
L L' Sc T' ; idem H. — ^ et ceteris paliis D. — '" que add. p Hb L L' Rp T. — 
" possent Ga Gh V' Z ; possunt a Lu M' Sg W. — " mundi d. in [3 Lu M' R W^. — 
^ hic a finem habet. — ' cum [3 D Pm. — "^ inestimabiliter D M'. — ' magis Rp; 
matris d. in W; matris ecclesiae d. in M'. — * scilicet add. n H Hb L L' M R' Ri 
Rp Sa Sg T' Ve. — " idem. Gh R' ; id est d. in Gh'. — ^ thesauro [3 ti M Pd. — 
" id est . . . templi d. in Ga. — ^ possit n Ga Gh Hb L L' Pc I*m R' T Ve; 
potest cet. codd. ; hic thesauris ponunt V' Vr, et D quandam indicat lacunam 
qua nostri non laborant codices. — ^ interim V ; quid iterum d. in D Pm. — 
•' thesauro nobiUum B D Pg Pm. — ' thesauros R'. — ^^ posse D. — ^^' quod Pm; 
quid tamen Vr; iterum . . . quid d. in Pc Vr. — ^'^ pretorium Pc; in prelorio de 
p. — " certe X. — ^^ dico d. in Gh' Mo R. — '" reticere Mo. — '"' ualeat reci- 
tare p. — *" quem X; quia V' Vr; quum C. — ^s ^ed d. in B; sed etiam :t M. — 
^*'' omnium etiam B. — " Romanorum d. in M' Vc. — ^" ibi est thesaurus B C G 
Gh Gh' H Hb Lu M M' Mo Sc W X; thesaurus et translatus D R' Rp ; thesau- 

rus habetur thesaurus d. in [3 Pg; illuc translatus est thesaurus Vr. — 

" in palatiis eorum Z. — ■""' certe quod j3. — "'"" oculis patet |3. — "" omnium Gh 
Gh' Mo V". — "" quantum d. in L' Ve Vr. — "^ ad id Gh' ; quod non sit illic D 

Pm. — **'• quid absconditum d. in V'. — " ergo ad eam R'. — ^' et d. 

in Sc. — " ex omnibus d. in D M Pc Pd Pm ; ex d. in ^rt C Ga H Lu M Rp 
Sa Sg V' W Z. — ''" uestris uiribus D M; uest7'is d. in Sc Sg V' Vr; totis uiri- 
bus R'. — "■" manibus D M V'. — ""'' Pincinatorum d. in D Pm. — '"' cum B M; 
dum sint d. in D Pra. — ^-^ sunt infinita C Gh H Lu M' R' Rp Sg T T' V" Ve 
W Z. — "'' quorum milia sunt infinita et adhuc G L' V' Vr; adhuc d. iji C. -- 
"" XL H L' Pc ; quadraginta aut sexaginta V". — '''"' milia Turcorum V'. — 
*''''" exspectantur LX milia Z. — "*" cotidie d. in j3 ; cotidie exspectantur Vr. — 
^^^ tmde timemus L' Vr. — "' ne dictum |3. — """' nostros paulatim D Pd X ; se- 
ducant paidatim itostros T. — ^'^ inuadant V\ — '-^ cupidi V' Vr ; cupidos d. in 
Lu M' R W. 



13() tl- ~ Epistula Urbani U ad omnes fideles Flandriae. 

milites i<^-, quemadmodum lulius Caesar olim' fecit, (jui regnum' 
Francorum cupiditate inuasit ^0:$^ et quomodo' Anticlu-istus, cap- 
23 turus" totum mundum, in fme' mundi' est acturus' ^^^. agite 
ergo, dum tempus habetis', ne Cliristianorum regnum" ^^-^ et, quod 
maius' est, Domini' perdatis Sepulcrum' ^o", et inde ' non iudicium, 
sed mercedem' habeatis"' in caelura". amen' i^? 

Explicit epistula '. 



II. 

Epistula Urbani II papae ad omnes fideles in Flandria 

commorantes. 

(Data anno 1095, mense Decembri exeunte.) 

A — Cod. mscr. bibl. Atrebatensis 140, merabr. saec. XVII. f. 55. ~ B 
= Cod. mscr. bibl. Atrebatensis 222, chart. saec. XVII, f. 24. ~ C = Cod. 
mscr. bibl. nat. Parisiensis, lat. 16990, f. 70. — quibus codd. usus est comes 
Riant (Arch. de 1' Or. lat. I, 220). 

Urbanus episcopus \ seruus seruorum Dei ^, uniuersis fidelibus. 
tam principibus quam subditis, in Flandria -^ commorantibus, sa- 
lutem et gratiam et apostolicam benedictionem. 

Fraternitatem uestram iam pridem multorum relatione^ di- 
dicisse credimus barbaricam ' rabiem ■' ecclesias Dei in Orientis 
partibus'^ miserabili infestatione ^ deuastasse, insuper etiam sanc- 
tam ciuitatem Christi ^, passione et resurrectione inhistratam, suae 
intolerabili seruituti cum suis ecclesiis, quod dici nefas est, man- 
cipasse •'. cui calamitati pio contuitu ^^^ condolentes GaUicanas 
partes uisitauimus i^ eiusque terrae principes et subditos ad hber- 
ationem Orientalivmi ecclesiarum ^^ ex magna parte sollicitauimus 
et huiusmodi procinctum ^^ pro remissione omnium peccatorum 
suorum ^^ in Aruernensi concilio i'' celebriter eis iniunximus et 
carissimum filium Ademarum ^*', Podiensem episcopum, huius 
itineris ^^ ac laboris ducem, uice nostra constituimus, ut quibus 
hanc uiam forte suscipere placuerit, eius iussionibus tamquam 



1 



" olim d. in R M' Sg. — ^ regnum sgilicet V'. — * quoniam C D Pm. — 
'^ capturus d. in |3; capturus est Z; capere V. — ■" finem 13 B D G Pc Pd Pm X. 

— ^ seculi |3. — ^ acturus est Mo V". — '' est V". — ^' regnum Christianorunthu. 

— ' maius quod Lu ; quod magis 13 C D G Ga H Mo Pd Pm R' Rp Sa Sc Sg 
V V" Ve X; quod magis adhuc Z. — ^ Domini nostri Z. — * Doniini sepulchrum 
a uohis auferatur jS; Domini sepulchrum pt^rdatis Lu. — '" in die Ga Rp. — " ut 
de subumtione mercedem L' Vr. — "' hahealis mercedem Gh' Mo. — " in caelo L 
Ri T V' Vr Z ; in celis Gh Ve ; in celis in perpetuum C Ga H L' R' Rp Sa ^ 
V". — ^ amen d. in B D Pd Pg Pm V' Vr; add. Z: amen dico uohis: qui p><^^'- 
seuerauerit usque in finem, hic saluus erit. — ^» Expilicit epistula add. B G Ga Gh 
Gh' H L L' Pd Pm Ri T T' Ve Vr. — ' Barhariam C. 



TIl. — Epistula Urbani II ad Bononienses. 137 

iiostris pareant atque eius solutionibus seu ligationibus, quantum 
ad hoc negotium ^^ pertinere uidebitur, omnino subiaceant ^^. si 
quibus autem uestrum Deus hoc uotum inspirauerit"'^ sciant eum 
in beatae Mariae Adsumptione ^^ cum Dei adiutorio profecturum 
eiusque comitatui' tunc se adhaerere posse. 



III. 

Epistula Urbani II papae ad Bononienses. 
(Data Papiae anno 1096, die 19. mensis Septembris). 

Cod. mscr. bibl. Uniuers. Bononiensis317 (Monuin. eccles. Bonon.), chart. 

Isaec. XVIII, tom. 27 n. 16, a Sauioli (Annali Bolognesi, Bassano 1784, t. I, II 
p. 137) et Migne (Patrol. lat. CLI p. 483) edita. 
L 
ba 
i 



Urbanus^ episcopus, seruus seruorum Dei, dilectis filiis ca- 
lolicis in clero populoque Bononiensi ^^ salutem et apostolicam 
>enedictionem. 

Bonitati ^ uestrae gratias agimus, quod inter schismaticos et 

laereticos constituti * quidam semper in fide catholica permansistis, 

[uidam uero per Dei gratiam ueritate comperta et eiTorum deuia 

limisistis et iam quae catholicae fidei sunt sapitis. hortamur ergo, 

[n Domino dilectissimi, ut in ueritatis uia uiriliter incedatis et 

bonis initiis meliores euentus ' addere procuretis : non enim qui 

^oeperit sed qui perseuerauerit usque infinem, hic sal- 

us erit^. uenerabilem fratrem nostrum et coepiscopum B[ernar- 

lum] ' ', quem pastorem uobis per manus nostras diuina proui- 

lentia conferre^ dignata est, caritati uestrae attentius commen- 

lamus, ut si Deum dihgitis, in eius uicario ostendatis '^. ipse enim 

le huiusmodi dixit: qui uos audit, me audit^^. nonnullos 

uestros in Hierusalem eundi desiderium concepisse audiuimus^^ 

quod nobis plurimum complacere noueritis. sciatis autem eis 

omnibus, qui ilhic non terreni commodi ' cupiditate sed pro 

sola animae suae salute et ecclesiae liberatione^- profecti fuerint, 

paenitentiam totam peccatorum ^^, de quibus ueram et perfectam 

confessionem fecerint, per omnipotentis Dei misericordiam et 

ecclesiae catholicae preces tam nostra quam omnium paene 

archiepiscoporum et episcoporum qui in Galliis ^^ sunt auctoritate 

dimittimus, quoniam res et personas suas pro Dei et proximi 

caritate exposuerunt i\ neque clericis uero, neque monachis sine 

episcoporum uel abbatum licentia illuc eundi concedimus facul- 



"■ si quibns .... inspirauerit om. A B. — '* comitatus B. — " B. Sau. 
* comodi Sau. 



138 l^- — Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam nxorcm. 

tateiii 1". porro episcopis cura sit, ne parochianos siios sine cleri- 
corum consilio et prouisione dimittant ^ \ iuuenibus etiam coniugatis 
prouidendum est, iie temere tantum iter sine conniuentia uxorum 
6 suarum adgrediantur ^^. omnipotens Deus in suo uos timore et 
amore corroboret et ab uniuersis peccatis et erroribus absolutos 
ad summae caritatis et uerae pietatis perducat intuitum ' •'. 
Data Papiae XIII Kalendas Octobris. '^^ 



IV. 



Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam 
uxorem suam. 

(Scripta e castris prope Nicaeam a. 1097, ca. 24. diem meiisis lunii). 

A ~ Cod. mscr. bibl. Vatic. Reg. Christ. 1283, cop. membr. saec. XII, 
f. 73. — B = Editio dom. Bernier (Hist. de Blois, Paris 1682, preuves p. xxiv) 
e codice Carnotensi nunc deperdito desumpta. — M — Editio dom. Mabillon 
(Museum Italicum t I, II, 237—239) e codice bibl. Vatic. Reg. Christ. (1283?) 
desumpta. — R — Editio Parisiensis acad. 1866 (Recueil des hist. de crois., 
Hist. occ. III, 885-887). 

Stephanus ^ comes Adelae'^ comitissae, dulcissimae amicae ^, 
uxori suae, quicquid mens sua melius aut benignius excogitare'' 
potest. 

Notum sit dilectioni tuae % Romaniam ' ^ me cum omni honore •' 
omnique corporea sospitate" iter beatum tenere. uitae meae ac 
peregrinationis seriem a Constantinopoli litteratorie * *^ tibi mandare - 
curaui, sed ne legato ilK aliquod' infqrtunium contigerit, tibi has M. 
rescrii3o'' litteras ^. ad urbem Constantinopolim ^ cum ingenti 
gaudio, Dei gratia, perueni ^. imperator^^ uero digne et honeste' 
et quasi filium^^ suum me dihgentissime'' suscepit et amplissimis 
ac pretiosissimis donis ditauit' ^^, et in toto Dei exercitu et nostro ' 
non est dux neque comes neque ahqua potens persona, cui 
magis credat uel faueat quam mihi ^^ uere, mi" dilecta, eius impe- 
rialis dignitas persaepe monuit et monet, ut unum ex filiis nostris 
ei commendemus ^^ : ipse uero" tantum tamque praeclarum hono- 
rem se ei attributurum" promisit, quod nostro minime inuidebiti\ 
in ueritate tibi dico, hodie talis uiuens homo non est sub caelo. 
ipse enim omnes principes nostros largissime ditat, milites cunctos 
donis releuat, pauperes omnes dapibus recreat ^^. prope Nicaeam 
ciuitatem i^ est castrum, nomine Ciuitot ^^ iuxta quod maris 
currit brachium i^ per quod naues propriae pii" imperatoris die 
noctuque usque Constantinopolim currunt, quae inde pauperum 



^ Adae B. — " cogitare M R. — " uestrae M R. — ^ Romam M R; Bona 
A; carisslmae, om. BomaniamB. — ^ hospitate B. — — Hitteratore A. — ^ aliqd 
A ; aliquol B. — '' scribo B. — ' honestissime M R. — ^ dilectissime B. — ' do- 
tauit M R. — "" et nostro om. M R. — " mihi M R. — '^ ei add. M R. — ' ad- 
tributurum A B. — '' om. pii M R. 



IV. — Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam uxorera. 139 

cibos ad' castrum ferunt, qui eis innumeris -'^ cottidie distribu- 
untur^^. nostris quoque temporibus, ut nobis uidetur, non fuit 
princeps uniuersa moruni honestate^^ adeo" praeclarus, pater, mi 
dilecta, tuus^^ multa et magna dedit^-S sed ad hunc' paene nihil 
fuit^\ haec parua de eo tibi scribere dilexi, ut pauiukmi quis 
esset cognosceres. post dies uero X ^^', per quos me secum uene- 
rabilissime habuit, ab eo quasi a patre discessi. ipse uero mihi 
naues praecepit praeparari, per quas tranquillum maris brachium, 
quod eandem circumdat urbem, citissime transiui'^^. quidam illud 
Constantinopolitanum maris brachium saeuum ac periculosum 
dicebant, quod falsum est-*^: nam in eo phis quam in Marna uel" 
Sequana'-^ minime dubitandum est. inde ad aliud, quod Sancti 
Georgii Brachium"''^ dicitur, uenimus'. illudquidem, quianauium co- 
piam reperire'' minime potuimus, adscensu superauimus ^i. ad Nico- 
mediam'^^ urbem desolatam a Turcis, in qua beatus martyr 
Pantaleon ^^ pro Christo passus est, ubi praedictum maris brachium 
caput et fmem habet, iter nostrimi direximus. deinde ad maximam 

BrbemNicaeam-^^ Deura benedicentes, cucurrimus. Nicaeam autem, 
li dilecta, plus quam CCC altae turres cum muris mirificis clau- 
unt'' '^■\ Turcos in ea audaces pugnatores' inuenimus: ubi infmitum 
>ei exercitum iam" per IV septimanas cum Nicaenis mortiferum 
Qnflictum habere repperimus"-^^'. Solimannus^-^S Turcorum princeps, 
paulo antequam^^^ nos ad exercitum uenissemus", cum magno 
xercitu ^•* in nostros, paratus ad bellum, subito inruerat, aesti- 
ans se quodam impetu posse inrumpere inurbem *^ ut subueniret 
is*i: quae praua intentio aliter quam putauit Dei misericordia 
«enit. nostri autem uelocissime parati, Turcos animis ferocibus 
ceperunt: qui statim uertentes terga se in fugam omnes dede- 
nt^-. nostri eos acerrime insequentes, multos de eis interfece- 
nt" et per magnum spatium terrae uulnerando, occidendo *^ 
os fugarunt; et nisi essent ardui montes nostris innoti ^S eadem 
die^"^ in magnum et in immedicabile" damnum' corruissent. de 
nostris omnibus nemo tunc' periit ^*% sed postea^^ noster communis 
magnus exercitus multos acerrimosque congressus exercens' ^^ 
cum balhstis et arcubus nmltos ex Turcis et" de maioribus inter- 
fecit'^'^ de nostris quidam occisi sunt, sed uere non multi^^o; 
nominatiuus miles nullus, nisi Flandrensis Balduinus, comes de 
Ganz^^. uidentes igitur Deo digni principes nostri Nicaeam adeo, 
ut praediximus"^^ turrigeratam^^, armis ^^ tantum non posse 
superari, ligneas altissimas turres^^^ cum propugnaculis et diuersis 
instrumentis grandi labore construxere. quod Turci adspicientes, 
timore subacti, urbem imperatori per nuntios reddidere'^<' ea con- 



* usque ad MR. — ^ a Deo B. — ' tradidit M R. — '^ sed adhiic B. — " ct 
M R. — ^ sigana A. — = uenimus om. M R. — '' repperire A. — ' Nichomediam A. 
■ — ^ claudt A. — ^ propugnatores M R. — '" om. iam M R. — " reperimus B M 
R. — " ante S 2 litterae erasae videntur A. — '' ueniremus M R. — '^ interfecev 
A. — "^' et imimmedicdbile B. — ^ dampnum A. — ^ tamen M R. — * exercentes, 
„te" erasum videtur A; exereuit M R. — '' etiam M R. — " interfecerunt corr. 
interfecit A. — ^ diximus M R. — ' reddidej-unt M R. 



140 ^^ ' — Epistula I Stephani comiti.s Carnotensis ad Adelam iixoreni. 

dicione, ut nudos de ciuitate eis' liceret per condnctum exire 

10 et uiiii in iniperatoris uinculis haberentur '''. quod audiens uene- 
rabilis'"^ iiuperator, ad nos usque prope'"*'-^ peruenit: in suani autem 
Nicaeam intrare mininie audens, ne eum infinita populorum turba , 
quem tanquam patrem pium uenerabatur, exsultando comprimeret'^^. 

11 in raarina quadani insula sua' prope nos secessit^^: ad queni 
onmes principes nostri praeter me et comitera' S. Aegidii cucur- 
rerunt', ut cum eo de tanta uictoria congratularentur, quos 
omnes niniio, ut debuit, adfectu recepit"-. et quia ne casu super- 
ueniret ' ciuitati et exercitui nostro inimicissiraa "^ Turcorura turba, 
me remansisse ad ' urbem audiuit", gauisus est ualde: altius uero 
atque laetius", quod tunc remansi, ipse recepit quasi aureum 

12 monteni ei dedissem"<'^ in eadeni qua manebat insula raagnus 
iraperator de spoliis*'^ Nicaeae uibis sic ordinauit pretiosiora, ut' 
scilicet aurura, geranias, argentum, pallia, equos et huiuscemodi' 
milites habeant; omnia uero uictualia peditibus distribuantur; 
principes cunctos depropriis thesauris suis se ditaturos' disposuit^-'. 

13 sicut praediximus' '"', Deo triumphante, reddita est maxiraa Nicaea 
XIII Kal. lulii^''. legitur in priraitiua ecclesia^" sanctos patres 
apud Nicaeam sanctam Synodum celebrasse et, ibi Ariana haeresi 
destructa, sanctae Trinitatis fidem Spiritu sancto docente' eos 
confirmasse*''\ et quae ^^ peccatis postea" exigentibus, facta fuerat 
magistra erroris'S nunc, Deo propitiante, per peccatores seruos' 

14 suos facta est discipula ueritatis ^"^. dico tibi, rai dilecta, quia de 
saepedicta Nicaea usque Hierusalem" V septimanas peruenieraus, 
nisi Antiochia obstiterit nobis^-^ uale\ 



y. 

Epistula I Alexii I Komneni ad Oderisium I de Marsis 
abbatem Casinensem. 

(Missa mense Augusto a. 1097 ab urbe Constantinopoli.) 

A — Cod. mscr. bibl. Casinensis n» 902 Registri Petri Diaconi, raembr. saec. 
XII, f. 67 n'> 147. — i^ =- Editio dom. Gattula (Hist. abbat. Casin. II. 924). 

— M = Editio dom. Muratori (Antiqu. Ital. med. aeu. V, 3b9). — T = Editio 
dora. Tosti (Storia della Badia di monte Casino II, 94). — Tr ^ Editio dom. 
Trinchera (Syliabus Graec. raembranarum, n" 62 p. 79). — R = Editio comitis 
Riant (Alexii I Komn. ad Robertum I Flandr. epistula spuria p. 43). 

1 Et^ ab omnibus, qui de ipsis partibus ueniunt-, nobilibus ac 

uirilissirais coraitibus atque ducibus ^, irarao et ab ipsis hono- 

' ante eis quaedam erasa uidentur A. — ^ prope M R; ^P^ A: propn-re 
B. ~ " turha i)opulorum M R. — '^ opprimeret M R. — ' om. sua M R. — 
^ quam M R. — ^ comite A. — '" cumrrer A. — ' superuenirent corr. superueiiirif 
A. — ^ inimicorum B. — * apud M R. — '" om. audiuit M R. — " leuius M R. 

— " pro ei dedissem leguntur m W ^ ex praedis factis. — "^ ait A B. — " eiu^- 
modi B ; huiusmodi M R. — ■" ditaturum M R. — ' disposuit^ sicut praediximus. 
JDeo B. — ' ducente M R. — " pastorum M R. — ' seruo^ post o' duae litterae 
erasae sunt A. — ^ iherlm A. — "^ ualete M R. 



V, — Epistula I Alexii I Komneni ad Oderisinm abbatem Casinensem. 141 

randis'' praesulibiis, certificatiini est imperinm meum^ serue Dei 
propinque^! prudentissime ac sapientissime abbas de Monte Ca- 
sino '' ! de uestris raaximis uirtutibus "' et qualiter semper indesinenter 
opus habes operari^ omnia, quae Deo acceptabilia sunt; et non soluni 
uester labor talis est, sed disciplinae" atque admonitiones '-^ uestrae 
circa omnes" tales sunt, acceptabiles Deo et homines inluminantes. 
et quamuis minime te specialiter ^^ adspexit imperium meum et ^^ 
satiatum est de uestris sanctis orationibus, sed" ita dispositum ' 
circa uestram uenerabilitatem ^-, quasi uos propriis oculis adspexisset 
cottidie, et loqueretur uobiscum indefinite •. et uult, quatinus ad memo- 
riam eius ueniam, cum'i-^ uestras sanctas atque uenerabiles ora- 
tiones funditis' ad Deum. et per uestras honorabiles litteras saepius 
scribite nobis, declarantes de uestris actibus et de his, qui sub uobis 
sunt, atque de ipsis partibus ^^. de his auteni, quae de peregrinis ^^ 
dicendum est, qualiter Deus prospere se habuit circa nos et circa 
illos usque ad praesens"^^ nouit imperium meum, quod audistis 
a plurimis ^': audietis' autem apertius ^^ et ab istis nuntiis 
lostris ^-^ 

Missa est mense Augusto, indictione V^, a sanctissima urbe 
^nstantinopoli ^^. 



VI. 



Cpistula Simeonis patriarchae Hierosolymitani et Hademari 
fe Podio S. Mariae episcopi ad fideles partium Septentrionis. 

(Scripta e castris crucesignatorum prope Aiitiochiarn a. 1097, 
ca. 18. diem mensis Octohris). 

Cod. mscr. bibl. Remeiisis K 785/795, raembr. saec. XII, f. 209^, quo usus 
>t comes Riant (Inventaire des lettres hist. in Archives de 1' Or. lat. I, 1221). 

S[imeon] "^ patriarcha Hierosolymitanus ^ et H[ademarus] ' 1 
de Podio S. Mariae episcopus ^ et ille praecipue, qui ^ ab Urbano 
papa suscepit curam Christiani exercitus ^, gratia uobis et pax 
salusque aeterna a Deo nostro et Domino lesu Christo. '' 

Communi consilio ^' mittimus ad uos, tam clerici cum epispopis 2 
ac monachi quam duces et comites ceterique boni laici^, orantes 
ualde pro uestrarum animarum salute ^, ut omnes uos, qui habi- 
tatis uersus Aquilonem in partibus Septentrionis -^ ad nos uenire 
non differatis ^^ oranes monemus; sed de omnibus ueniant ilU, 



* onerandis M. — ^ disciplina M. — ^' eos Tr. — * <?s< R. — ^ dispositum 
est G M Tr. — ' indifinite A G M. — ^ ueniam cum om. T. — '^ fundatis T. — 
^' usque adpraesens om. M. — ' audiens A G Tr; audies M. — ^" «S'. cod. ; D[ominus] 
Riant. — ^ H. cod.; H[ademarus] Riant. 



1 42 ^^ t. — Epistula Simeonis patr. Hieros. ad fidelea partium Septentrionis. 

qiii pro sua salute uoluerint uenire et qui corporis habent sospi- 
tatein aut ueniendi uiaticam facultatem. cum paucis siquidem ad 
nos potestis uenire, sed deinceps de uestro Deus omnipotens pro- 

3 uidebit uiuere ^ ^ in Romania^^ fratres dilectissimi, sumus nos 
Christiani; Nicaeam magnam ciuitatemi^ licet cum magna diffi- 
cultate, tamen deuicimus et nostrae dicioni subegimus ^K tria 
bella fecimus ^'\ de Nicaea uersus Antiochiam motum fecit noster 
exercitus, pluresque urbes ahas et Turcorum castella expugnaui- 
mus i^. centum milia equestris militae et loricatorum habemus i': sed 
quid hoc? pauci enim sumus ad comparationem paganorum. uerum 

4 et uere pro nobis pugnat Deus i^. ad hoc ^^^ quoque, fratres, mi- 
raculum audite, quod idem patriacha sanctissimus mandat Christi- 
anis omnibus: quomodo ei apparuerit in uisu ipse Dominus^^ et 
promiserit in hac expeditione laborantibus, quod ante se in tremenda 

5 et extrema iudicii die quisque procedet coronatus ^ K uos igitur, 
quia bene scitis, quod uere sint excommunicati, quicumque fuerint 
sancta cruce signati et remanserint apostatae facti^-, per eandem 
crucem sanctam et Sepulcrum Domini monemus, obsecramus, 
quatinus eos omnes anathematis gladio percutiatis''^^ nisi nos se- 
quantur et festinent, ut, ubi nos sumus in Romania, sint et illi 

6 in futurum et proximum Pascha"-*. ualete, et qui sumus in labore 
nocte et die''^^ nostri mementote, pro nobis orate. 



VII. 

Charta Clementiae comitissae Flandriae. 

(Confirmata a. 1097, post 8. diem mensis Octobris). 

Codiccs mscr. bibl. S. Audomarensis : Chartularium Watinense n^ 852. 
charl. saec. XV, et Annal. eccles. Watinensis n» 851, chart. saec. XVI, t. I, e 
quibus chartae textum deprompsit Coussemaker (Extraits du Cartulaire de Tab- 
baye de Watten, in Annales du comite flamand de France V, 359). 

In nomine sanctae et indiuiduae Trinitatis, Patris et Filii et 
Spiritus sancti, amen. 

Ego Clementia \ per manum Dei Flandrensium comitissa, 
omnibus in Christo fidelibus salutem^ et per| etuam pacem. Tem- 
pore, quo indignatio Christianorum exarsit contra perfidiam ^ Persa- 
rum, qui fastu * superbiae suae Hierosolymorum inuaserant eccle- 
siam^ et circumcirca longe lateque Christianam demohti sunt re- 
ligionem ^, inflammauit" gratia Spiritus sancti cor domini et sponsi 
mei Roberti Handrensium con itis ^ ut copiosa manuarmata^ ad 
reprimendam Persarum perfidiam expeditionem adriperet^. cum 



* Pasca Riant. — " inflamauit codd. Couss. 



Vl[. — Chai-ta Clementiae comitissae Flandriae. 143 

iiero agens iter fines Apuliae ^^ intraret, accurrit ei dux Apuliae ^S 

qui sororem eius, quondam .Danorum reginam, sibi duxerat uxorem, 

postulans, ut ab eo aurum, argentum, ornamenta pretiosa acciperet. 

ipse uero, utpote diues et harum rerum non egens ^^ tioc solum 

ab eo exegit, ut ei quam pretiosissimas conferret reliquias, quas 

milii transmittere disposuerat ^^. contuliti* itaque ei de capillis bea- 

tissimae Dei genetricis et semper uirginis Mariae ^^, quos apud se 

digno uenerabatur honore. praeterea de corporibus sanctorum 

Matthaei apostoli et euangehstae et pretiosissimi confessoris Christi, 

Nicolai, quorum corpora non dubium est in Apuha contineri ^^. 

hasdemque mihi pretiosissimas reliquias per lideles nuntios delegauit, 

praecipiens et obtestans^^ ut eas in ecclesia Watinensi ^^ recon- 

derem digno honore et eandem ecclesiam in honore et nomine 

eiusdem beatissimae uirginis facere consecrare. sed quia eodem 

tempore Terruanensis ecclesia pastorali cura erat desolata ^^ 

dominum Manassem, Remensem archiepiscopum '^^, per nuntios 

conueni, ut ad consecrationem eiusdem ecclesiae dominum Lam- 

>ertum, Atrebatensem ^ episcopum '^ \ uirum rehgiosum, dirigeret, 

[uod ipse implere non distulit, sed ei uices suas benigne commisit. 

5go uero omnia secundum praeceptum domini mei adimplere curaui 

jt eandem ecclesiam cum magna gloria-^ VIII Id. Octobris-^ in 

lonore beatissimae Mariae uirginis consecrari feci. contuli etiam 

jidem ecclesiae sub nomine dotis-^in uilla, quae dicitur Santinis^^ 

^otam terram, quae uulgo dicitur Vluodes hernesse''^^, cum 

irenariis sahnarum -' usque ad ipsum mare pertingentium cum 

>mnibus, quae ad easdem terras pertinere possint, ita libere^» 

icut ab initio comites Flandriae eas possederunt. hanc itaque 

lostram largitionem in optimaturn terrae nostrae praesentia 

factam dominus Lambertus Atrebatensis episcopus ^^ in praesen- 

ia sanctorum confessorum Audomari, Maximi, Folquini ^^ quorum 

►rpora ibidem -^ ^ conlata fuerant, me postulante, confirmauit et in 

liolatores'^ non solum huius nostrae dationis uerum' etiam omnium 

leneficiorum eiusdem ecclesiae gladium anathematis ^^' in perpe- 

tuum exseruit". 

Factum est hoc anno incarnationis dominicae MXCVII, indic- 
tione V^^^. praesentibus idoneis testibus^^: signum domini Lam- 
berti episcopi; archidiaconorum eius lohannis-^^ et Clarbaldi^^; 
S. Odonis praepositi ^^; lohannis, abbatis de monte S. Eligii^^ cum 
phiribus ahis expresse nominatis ^^. 



' attrebatentem codd. Couss. — ^ inuiolatores codd. Couss. — * et iam 
eodd. Couss. — '^ exeruit Couss. 



144 Vin. — Epietula 1 Anselmi de Rihodim. ad M.nna.ssoin arcliiep. Remorum. 



VIII. 

Epistula I Anselmi de Ribodimonte ad Manassem 
archiepiscopum Remorum. 

[Scripta e castris prope Antiochiani a. 1097, Novembri exeunte]. 

Cod. mscr. Parisiensis bibl. Mazarinae. H VW), olim S. Martin des Cliainps 
98, niembr. saec. XII, f. i21'> — 22i^>, ex quo comes Riant (Inventaire des lettres 
hist. p. 221—2128) epistulae texlum deprompsit. 

« 

Reuerendo domino suo M[anassi] S Dei gratia Remoruni archi- 
episcopo, A[nselmus] de Ribodimonte -, suus homo et humilis 
seruus -^ in Dominum, salutem. 

Quia dominus noster es et quia tothis Franciae regnum tua 
maxime ex cura pendet^ paternitati tuae notificamus nostros 
euentus, qualiter uidelicet exercitus Domini -^ se habeat. in primis 
tamen non licet ignoremus, quia non est discipulus super 
magistrum nec seruus super dominum suum ^^, monemus 
et obsecramus ^ in Domino lesu, ut uideatis, quid sitis, quid sit 
etiam sacerdotale atque pontificale onus: prouidere igitur terrae 
nostrae, ut et magnates ^ inter se concordiam habeant, minores in 
eo, quod suum est, cum securitate laborent, ministri Christi, {{uietam 
et tranquillam uitam agentes^, Domino uacent ^^'. precor etiam uos 
et canonicos sanctae matris ecclesiae Remensis, patres et domi- 
nos meos, ut memores nostri sitis, nec solummodo mei uel eorum, 
qui in seruitio Dei adhuc desudant, sed et illorum, qui de exercitu 
Domini armis corruerunti^ aut in pace quieuerunt. his autem 
omissis ad promissa^- redeamus. postquam igitur apud Nico- 
mediam ^-^ exercitus peruenit, in ianuis terrae Turcorum positi, tam 
maiores quam minores per confessionem mundati ^^ perceptione 
corporis et sanguinis Domini nos ipsos muniuimus ^^ et inde castra 
mouentes Nicaeam II Nonas Maii obsedimus ^^. cum uero per 
aliquot dies^^ ciuitatem multis machinis atque uariis bellicis 
instrumentis adgressi fuissemus, calliditas Turcorum, sicut saepe 
fecerafi^, multum nos fefellit nam una die ^^ qua se reddituros 
spoponderant ^^ Solimannus-^ et onmes Turci, ex uicinis et lon- 
ginquis regionibus coadunati, ex improuiso cash'a nostra -- in- 
uadere cupientes, nos obuios habuerunt. comes autem S. Aegidii -^ 
cum aliquibus Francorum impetum faciens in eos, innumeros 
illorum occidit, ceteri omnes confusi fugati sunt. nostri autem. cum 
uictoria regressi ^^ et multa capita palis et hastis infixa portantes -\ 
XVII Kalendas lunii -« laetum in populo Dei-' spectaculum red- 
diderunt. obsessi autem diurno atque nocturno impetu fugati. 
uellent nollent, cinitatem XIII Kalendas lulii reddiderunt - ^. tunc-' 
per muros cum crucibus et signis imperialibus Christiani incedentes, 
ciuitatem Domino reconciliauerunt, Graecis ac Latinis intus ac foris 
conclamantibus : G I o r i a t i b i D o m i n e I =^ *^ his patratis , prin- 



Y[n. — Epistula I Anselmi de Ribodimonte ad Manassem archiep. Remoinim. 145 

cipes exercitus imperatori, qui ad reddendas gratias aduenerat, 
occurrerunt-^S acceptisque ab eo inaestimabilis pretii donis, alii 
cuni beneuolentia, alii aliter recesserunt ^^. a Nicaea autem IV Ka- 7 
lendas lulii castra mouentes, tribus diebus iter carpentes, IV^ die ^s 
iterum Turci, conlectis undique copiis, partem minoris nostri exer- 
citus adgrediuntur; multos autem nostrorum occiderunt, reliquos 
omnes in ipsis castris reppulerunt "^^. praeerant autem huic parti 
Boemundus, comes Romanorum ^^ Stephanus comes atque comes 
Flandrensis. his ita timore correptis ^^\ subito signa maioris exer- 
citus apparuerunt; equitabant autem in primis Hugo Magnus et 
dux Lothariensis ; sequebantur uero comes S. Aegidii necnon et 
uenerandus Podiensis episcopus^^. audierant enim de bello et in 
auxilium festinabant '^^. aestimati sunt autem CCmilleetLXTurci^», 
quos omnes nostri adgredientes, multos eorum occiderunt, reliquos 
fugauerunt^^. ea die regressus sum ab imperatore, ad quem me 8 
miserant principes pro communi utihtate^i. ab ea die principes 
nostri in unum commanentes, ab inuicem non sunt separati^^. pera- 
gratis itaque Romaniae^^^ atque Armeniae partibus*^ obstaculum 
nullum inuenimus, excepto quod, Iconia postposita*'% qui exercitum 
antecedebamus, paucos Turcorum obuios habuimus^*^. hisque 
fugatis, XII Kalendas Nouembris Antiochiam obsedimus*^ iamque 
uicinas ciuitates Tharsum et Laodiciam multasque alias ui ce- 
pimus*^. una autem die, antequam ciuitatem obsedissemus ^^ ad 9 
Pontem Ferreum"'^ Turcos, qui ad deuastandam regionem exierant ^^, 
fugauimus^^- et multos Christianos eripuimus'*^; equos autem et 
camelos cum maxima praeda reduximus^^. cum uero ciuitatem 10 
obsedissemus, intrantes et exeuntes de exercitu Turci de proximo 
castello cottidie occidebant; quibus principes de exercitu obuiantes, 
CCCC ex eis insidiantes occiderunt, alios uero in quodam flumine 
praecipitauerunt, quosdam autem secum adduxerunt^\ scitote, 
quia obsedimus Antiochiam cum omni alacritate, in proximo ut 
putamus capiendam ^*', abundantes frumento, uino et oleo et omni- 
ibus bonis, supra quam credi potest ^^. rogo autem uos et omnes, ad 11 
quos haec epistula peruenerit, ut pro nobis et pro defunctis nostris 
Deum exoretis. isti sunt, qui in armis corruerunt: apud Nicaeam: 
Balduinus de Gant^*^ Balduinus Chalderuns ^^ qui primus inTurcos 
militiam fecit; Kalendas lulii in proelio: Rotbertus Parisiacensis ^<^, 
Lisiardus Flandrensis^'!, Hilduinus de Mansgarbio*^^, Ansellus de 
Caium''^ Manasses de Claromonte, Laudunensis *^*. isti sunt, qui 
in pace quieuerunt apud Nicaeam: Wido de Vitreio^"', Odo de 
Vernoilo ^'*', Hugo Remensis; apud Sparnum*^^ castellum: uene- 
randus abbas Rotgerius, capellanus meus; apud Antiochiam: 
Alardus de Spiniaco, Hugo tle Calniaco *'^. iterum atque iterum 12 
moneo uos, istius epistulae lectores, ut pro nobis oretis, et te, 
domine archiepiscope*^^, ut id ipsum episcopis tuis insinuare non 
pigriteris '^. et scitote pro certo, quia CC ciuitatum et castellorum 
Domino adquisiuimus ^^ gaudeat mater Occidentalis ecclesia! , 
(luae tales genuit, qui et sibi tam gloriosum nomen adquirerent 

Hagonnieyer, Epistulae et Chartae. jq 



146 IX- — Epistula Patriarcliae Hierosolymitani ad Occidentales. 

et Orientali ecclesiae tam mirabiliter succurrerent. et, ut hoc credas, 
scito, quia tapetium misisti mihi per Raimundum de Castello '-^. 
ualete. 



IX. 

Epistula Patriarchae Hierosolymitani et aliorum episcoporum 

ad occidentales. 

(Missa e castris prope Antiochiam a. 1098, mense Januario.) 

A = Cod. mscr. bibl. nat. Parisiensis, lat. 53^6, membr. saec. XII ineuntis, 
f. 136. — B = Cod. mscr. bibl. nat. Parisiensis, lat. 13345, membr. saec. XH, 
f. 716. — C — Cod. deperditus S. Ebrulfi, quo usi sunt Martenius et Durandus 
(Thes. anecdot. I, 271). — M — Cod. mscr. latinus Monacensis Clm 4594, (jiion- 
dam Benedictoburanus 94, membr. saec. XII,f. 36^ quo usi sunt Eccardus (Corp. 
hist. med. aeui II n. 236 p. 256) et Jaffe (Mon. Bamb. p. 181). — X = Cod. 
mscr. bibl. reg. Monacensis latinus 18624, chart. saec.XV, f. 76. — R — Cod. 
mscr. bibl, Vaticanae 3901, chart. saec. XV, f. 43^^. _ V = Cod. mscr. bibl. 
caes. Vindobonensis 398 (ius can. 45), membr. saec. XII, f. 105, quo usus est 
Jaffe (Mon. Bamb. p. 181). — X = Cod. mscr. bibl. caes. Vindobonensis 3497, 
chart. saec. XV, f. b9^. — Y = Cod. mscr. bibl. caes. Vindobonensis 3993, 
membr. saec. XV, f. 253. — Z = Cod. mscr. bibl. Monast. Clarouallensis 
Austriae (Zwettlensis) 283, membr. saec. XIV, f. 69, quo usus est Jaffe (Mon. 
Bamb. p. 181). — a ~ Cod. mscr. bibl. Uniuers. Gissensis 158 (olim Spanheim). 
membr. saec. XIII, fol. 173. - (3 = Cod. mscr. Bibl. publ. Lincianae Cc IV 10, 
membr. saec. XII, fol. 265. — y — Cod. mscr. bibl. reg. Monacensis. latin. 
5374, chart. saec. XIV, fol. 163. — b = Cod. mscr. bibl. reg. Monacensis latin. 
17134, membr. saec. XII, fol. 64. — e == Cod. mscr. bibl. nat. Parisiensis latin. 
5508, merabr. saec. XIV, fol. 69. — ^ = Cod. rascr. Bibl. Vaticanae 1795, cop. 
membr. saec. XIII, fol. 119 — 120*. — n — Cod. mscr. bibl. Hamaburgensis, 
hist. 31^, chart. saec. XV, fol. 33. — ^ — Cod. mscr. bibl. monast. Claroual- 
lensis Austriae (Zwettlensis) 345, membr. saec. XII, fol. 67. — i = Cod. mscr. 
bibl. reg. Hauniae 2159, membr. saec. XII, fol. 59. — x = Cod. mscr. bibl. 
Claustro Neoburgensis 722, membr. saec. XV, fol. 265. — \ = Cod. mscr. 
bibl. Vaticanae 3901, cop. chartac. saec. XV, fol. 1. — X' =:= Cod. rascr. bibl. 
Luxemburgensis publ. 42, membr. saec.XIII, fol. 114. — ju =r Cod. rascr. bibl. 
caes. Vindobonensis 3497, membr. saec. XIII, fol. 1. — v 1= Cod. mscr. bibl. 
caes. Vindobonensis 3993, membr. saec. XV, fol. 96. — 71 rrz Cod. mscr. bibl. 
archiui Monasteriensis I B, 243, merabr. saec. XII, fol. 3^ . — o — Cod. mscr. 
bibl. duc. Guelpherbytanae 14, 15. Aug. 4, membr. saec. XII, fol. 106. — p — 
Cod. mscr. bibl. duc. Helmst. 206, merabr. saec. XII, fol. 186. — c; = Cod. 
mscr. bibl. S. Petri Salisburgensis b IX 28, chartac. saec. XV, fol. 123. — 
c,' = Cod. mscr. bibl. minist. Scaphusensis 74, raerabr. saec. XIII, f. 138. — 
T = Cod. mscr. bibl. publ. Treuirensis 1203, membr. saec. XII, fol. 117. — 
9 = Cod. mscr. Biblioth. Uniu. Vratislauensis, Steinwehr II, fol. 3; chart. 
saec. XVI (an. 1508), fol. 139^-140». - co = Cod. mscr. bibl. Uniu. Vratis- 
lauensis, IV 191, membr. saec. XIV, fol. 140. 

lerosolymitanus ^ patriarcha ^ et" episcopi' tam Graeci quam** 
Latini uniuersaque militia Domini'^' et ecclesiae', Occidentali ecclesiae 
consortium caelestis lerusalem et sui laboris praemii' portionem' ^! 

" y praemittit : epistida patriarche lerosolimitanl missa ad Christianitatem oc- 
cidentalem etc. ; b 9; epistula patriarche ; t; epii^tula Hierosolomitanorum ad ecclesias; 
0- in margine; epistula patriarche. — '' et om. C. — * clerici 00. — ^ quam, etiam e. 
— ^' Domini om, X ^i; Dei B. — "" et ecclesiae om. K C; et ecclesia R X Y x v; 
et ecclesia orientalis N; et ecclesie ierosolimitane a t\ ; urhis ierosolimitane, om. ct 
ecclesiae 7t co. — ^ praemii om. M V X Y Z <;'; praemium et b c cp. — ^ 2^'atriarcha, 
episcopi greci et latini et ecclesie ierosoUmitane ogcidentali ecclesie uniuersale consor- 



IX. — Epistula Patriarcliae Hierosolyiuitani ad Occidentales. I47 

Ouoniam ' ecclesiae" incremento uos" gaudere'' non" igno- 
iamus' et' sollicitos ad audienda" tam aduersa' quam prospera 
credimus^ ampliationis' prosperitatem " sic notificamus ^ : inno- 
tescat igitur" caritati uestrae^ Deum" in" XL principalibus" ciui- 
tatibus' et in' CC castris* suae ecclesiae"'^ triumphasse tam' in 
Romania" quam in Syria'*' et nos adhuc' habere'' de loricatis 
praeter uulgus' Cmilia"', amissis tamen "' multis in primis proe- 
his'"^. sed quid hoc? quid'" unus in mille"? ubi'' nos habemus''' 
comitem, hostes" XL reges, ubi nos" turmam'% hostes'" legionem, 
ubi nos" militem, ipsi'^'' ducem, ubi nos" peditem, ipsi" ' comitem"""', 
ubi nos castrum, ipsi"" regnum"^. nos'"' autem"' non"'' confisi'*''' 
in" multitudine nec uiribus'' nec''' praesumptione" aliqua, sed 
cHpeo"" Christi et'' iustitia protecti i^ Georgio"' et Theodoro et" 
Demetrio' et" beato""' Blasio"", miUtibus Christi nos uere"' co- 
mitantibus'""* ^S hostium cuneos securi penetrauimus et penetra- 
mus" et"' in V generahbus'" belHs campestribus ^^ Deo uincente. 



thim caelestiH lerusalem 71. — ^" quo R. — ^ ecdesie uestre a; ecclesie nostre t| t: co. 

— " nos \. — '' gaudere uos A B C. — " non dubium V Z. — ^ diffidimus co. — 
= et om. a. — '' audiendam e. — ' aduersa tani ju. — ^ perpendimus co. — ^ am- 
pliciaoni X, ; ampliatiatus o ; ampUficationis M X Z ; ampliationis et B. — ™ causaj 
om. prosperitatem M V X Z ; prosperitatem uobis 8- ; causa posterior manus cor- 
rexit in causas V. — " ergo B R X iu v. — " dominum nostrum saluatorem n. — 
•' in om. B. — "^ principalibus om. aye^CriO-xX^ocJTcpco. — " in quadra- 
ginta urhibus n; ciuitatibus ^^^-incijmlibus R. — ;' in om. y ^. — * in ducentis 
castris et in XLta principaUbus ciuitatibus N|3b9-iXjLivpocp. — " gentis co ; 
triumphasse sue ecclesie X; suae ecclesiae om. cf. — ^ tam quam p o. — " romana 
a y ; Romonia v. — " Suria a e t\ X' ; Siria b X. — •' autem, om. et nos adhuc co. 

— ^' habe a; dolere b; habere adhuc M R V Y Z; abere posterior manus cor- 
rexit in habere X. — ' uolgus y v. — "" C 9 ; centum milia praeter uulgus M V 
Z X o p. — ""' eiiam &. — ''"^ Deum in ducentis castris et in XL principalibus 
ciuitatibus et nos habere adhuc deloricatis ptreter uulgus C milia amissis cum multis 
in primis praeliis X. — ''*" quod x. — " ubi nos ciuitatem ipsi regnum add. hoc 
loco X. — '"* ubi enim N. — '^^' habemus om. B R X Y. — " hostes habeat N a 
T\ 71 T co. — " nos om. RVXYZpYbxX|Livocj*p9co. — ^^ turm e. — 
'''' hostis X ; illi n. — " et \; nos om. i X |j, v. — ^^ ilU a b ^ X^ t| 71 t 00 ; et ilU 
|3 y e i X jLi V o cp p o o*; e^ ipsi 9-. — " nos om. MVYZ|3yb9'xi|a.vo 
p cj 9. — """ ipsique i|3xX|LivopcJcp; ipsi quoque C y; ilU 71 t co. — """' ubi 
nos comitem et ipsi ducem ubi nos peditem et ipsi miUtem B ; comte cp. — "" et ipsi 
A j3 Y e Z^ X jLi o p c5' cp; i7?/ 7i; ipsi possident N ; ipjsi habent 9-. — "" ubi nos 
castrum ipsi regnum om. hoc loco X. — ^p hos cp. — p»" autem om. \ \x. \. — 
"•1 non om. 9-. — '11' confissi j3 — " m om. A B C a e i^ t^ |li v 7t t q). — '' pro- 
2)riis uirihus M N V Z X v co ; m muUitudine uirium b ; in uiribus x |li o" ; muUi- 
tudine ac uiribus nostris N. — '^' nec om. r\. — " nec in praesumptione N |ui. — 
"" cUppeo \x c5' ; Christi clypeo N. — '' et om. R ; et eius 9- 71. — ''"^ Georico Z ; 
gcorio V Z |3 o o' 9. — ^'^ et om. N x |lI 71. — •'•' Dometrio y ; Themetrio X ; et De- 
metrio et Theodoro B p b c 9. — " atque l. — *"" sancto M N V Z; beatoque a 
i\. — ^^^ Balsio A. C; et Petro Blasio X ; Themetrio Petro et Blasio \i ; Themetrio 
et Petro Blasio v ; Demetrio Blasioque 71 ; Demetrio beatoque Balsio Mauritio socio- 
rumque eius co ; Demetrio et Petro Mauritio et Adriano, Mercurio et S. Blasio 
sanctis N; Demetrio et Mauricio Adriano Mercurio et beato Blasio X. — "" uere 
nos ABCXvbe^xopT; uere nohis R; om. nos 71; uere om. co. — '^'''^ com- 
mittantibus X ; committimus |3e^T\X'|LivopTco; committimus finis a ; commit- 
timus. Finis. expliciunt gesta jjeregriHorum x; committimus. Amen b; committimus 
nalete n; committimus et cetera X 7; hic finem habent a|37be^T\9-txX|Li 
V o 71 p a T 9 co. — ""* penetramus et penetrauimus M V Z; penetramus ora. R. 

— "' et om. N. — sss generaUhus om. N X Y. 

10* 



J48 IX' — Epistula Patriarchae Hierosolymitani ad occidentales. 

iiicimus " * 3. sed quid" plura? ex parte Dei et nostra ^* ego apo- 
stolicus' patriarcha et episcopi" omnisque ordo Domini '-^ prae- 
cipiendo ^^ oranius raaterque nostra spiritualis ecclesia' clamat: 
uenite, filii mei dilectissimi, uenite ad me% suscipite' 
coronam ab insurgentibus m me' idolatriae filiis''^', ab' initio 
mundi uobis praedestinatam'" ^*^. uenite ergo, oramus", mi- 
litatum" in militia Domini" ad eundem locum ', in quo Dominus 
militauit', in quo Ghristus' passus estj^ro nobis' i'-', relin- 
quens uobis" exemplum, ut sequamini uestigia eius^o. 
numquid non" Deus innocens pro nobis" mortuus est V moriamur 
ergo et nos^ si opus sit", non pro eo'" sed" pro nobis, ut mo- 
riendo mundo uiuamus Deo ^ K tamen non oportet nos mori nec 
pugnare multum''^ quod enim" grauius fuit", sustinuimus '% uerum 
castra ciuitatesque retinendae a nobis"' multum imminuerunt" exer- 
citum'-^. uenite ergo, festinate duphci'''' praemio" remunerandi"" -^, 
uidelicet'" terra"" uiuentium terraquemelleetlactemanante 
omnique uictuali abundante''. ecce"', uiri, nostri sanguinis effusione 
undique patent" uiae''^*^ nihil uobiscum adferatis", nisi quae per- 
tinent"" usque ad nos''^^. uiri tantum"' ueniant"", feminae ad- 
huC dimittantur"'^^. de domo", in qua duo sunt, unus" ueniat 
expeditior"" ad belhim^^; maxime""" uero'" hi"'', qui uota fece- 
runt, nisi"" ueniant et uota^^persoluant, ego apostolicus patriarcha-*^ 
et episcopi omnisque ordo orthodoxorum excommunicamus et om- 
nino eos a communione ecclesiae remouemus-^. et uos idem.fa- 



'^ uincimus Y. — ■ ^ qui B. — " ego apostoUcus ora. A B C N R X Y. — 
^ ex parte Dei et ex parte patriarcha necnon et autoritate episcoporum B. — ' D 
B. — ^ ecclesie Y; ecclesia om. A C. — ^ ad me om. B. — *" accipite B. — ' >< 
me om. M V Z. — " filii X. — ^ et ah X Y. —- '" praeparatum Y ; idolatriae 

praedestinatam om. B. — " oramus om.BMVXZ. — *" militaturi B 

N X Y. — 1' Domini militia M V Y Z. — "^ locum oramus B. — ^" in quo Dominus 
militauit om. B N R X Y. — * Christus dominus Deus noster N. — * ^^ro uobis 
A C N. — " nobis B R; uobis relinquens M V X Y Z. — ^ sequamur R. — 
'" num B; om. non R. — "^ uobis A C N. — •' mortus es pro nobis R; numquid 
.... mortus est om X. — ^ moriamur et nos igitur B. — "* si opus sit om. A C. 

— ^^ Deo M V Y Z. -- " immo M V Z. — ^^ multum pugnare A C. — "' enim 
ora. B. — ^ fuit grauius A C. ^ — *='- nos sustinuimus M V X Z. — ''*' a nobis re- 
tinendae N. — " nobis minuerunt B. — ^^ duplici om. A C. — " precio N. — 
mm remunerationis B; remunerando R. — "" uidelicet ora. N. — "" in terra R. — 
'f^ uidelicet terram fluentem lacte et melle manantem, ora. omnique uictuali abun- 
dante B ; in terra uiuentium et in terra ac omni uictuali manante N ; uidelicet in 
terra uiuentium et in (ora. in R Y) terra lacte et melle ac omni uictuali (habu)i- 
dante R) manante R X Y; uidelicet .... abundante ora. A C. — '^'^ et ecce B: 
im-i ora.BNRXY. — "" patent om. A C. — "' xxitent undique uie B; patente--^ 
uie undique N X ; patent uie undique R Y. — " nichilque uobiscum afferentes B X 
R X Y ; adferatis ora. M. — "" pe?'tinet N ; nisi quod quoquomodo sufficiat M \ 
Z. — ^^ quousque ad nos ueniatis M V Z. — ^^' tantummodo M V Z; tantum om. 
N. — ^^^ ueniant om. B N R. — '''' adhuc femine N. — ^^' domi dimittantnr M 

V Z. — "■ nisi quod pertinent usque ad nos uiri adhuc femine dimittantur de do)))" 
X ; nisi que ^^^'''tinetit nsque ad nos uiri tantum adhuc femine dimittantur de donv- 
Y. - ^^ alter M V X Z. — '^^ expeditor R. — '''"' et maxime A B C N R X Y- 

— <=•=« uero ora. A B C N R X Y. — ^^^ hic ora. A B C N. — ""' qui nisi M 

V Z. — ^*^ uota sua N. 



X. — Epistula II Stephani comitis Carnotensis arT Adelam uxorem. 149 

cite ', quod nec sepultiiram inter Cliristianos "^ habeant, nisi compe- 
tenti causa' remaneant'. uenite et" nobiscum duplicem* gloriam' 
percipite". hoc itaque et uos scribite'. 



X. 

Epistula II Stephani comitis Carnotensis ad Adelam 

uxorem. 

(Scripta iii castris prope Antiochiam anno 1099, die 29. mensis Martii). 

A = Cod. rascr. bibl. nat. Parisiensis, lat. 14192, (m. s. XII, in 4*>) ff. 241»— 
20». — D = Editio d' Acheriana (Spicilegium, I ed. IV, 257 ; 2 ed. III, 430). 
— R — Editio Parisiensis (Recueil des Hist. des croisades, Hist. occ. III, 

887-890). 

|H[ Stephanus 1 comes Adelae ^' ^ dulcissimae atque amabilissimae 
'"coniugi, carissimisque ' fihis ^ suis atque cunctis fidelibus suis 
tam maioribus quam minoribus totius*" salutis gratiam et bene- 
dictionem K 

Credas certissime. carissima, quod nuntius ' iste, quem dilec- 
tioni tuae misi, sanum me atque incolumem atque omni prosperi- 
tate magnificatum " Dei gratia dimisit ante Antiochiam ^. et iam 
ibi cum omni electo Christi exercitu sedem Domini lesu ^ cum 
magna eius uirtute per XXIII" continuas septimanas tenueramus •'. 
scias pro certo ^^, mi dilecta, quod aurum et argentum ahasque 
diuitias multas duplo nunc habeo quam tunc, quando a te discessi, 
mihi dilectio tua attribuisset ^^. nam cuncti principes nostri communi 
consiho totius"'exercitus^- me dominumsuum atqueomnium actuum 
suorum" prouisorem atque gubernatorem, etiam me nolente, usque 
ad tempus constituerunt ^^. satis audisti, quia post captam Nicaeam 
ciuitatem ^^ non modicam pugnam cum perfidis Turcis habuimus 
et eos, Domino Deo subueniente, deuicimus primum^"^; post haec 



=' j)ersoliiant, excommunicamus et a com,munione eos ecclesie remouemus patri- 
archa et apostolicus et episcopi et uos ideni facite A C ; persoluant excumonicamus 
(sic) et a communione eos remouemus. Patriarcha et apostolicus et uos idem fa- 
cite B; persoluant, excommunicamus (excommunicauimus Y) et a (om. a H) com- 
munione (ecclesie add. X Y) eos remouemus. Partiarcha apostolicus et episcopi et 
eos idem facite N R X Y. — " inter christianos sepulturam B N X. — " nisi 
causa competenti B; nisi ex competenti et ex maxima urgente causa N. — ** quod 
nec apud uos sepulturam haheant nisi certam remanendi causam habeant. Valete. 
A C hic iiniunt. — " ergo N; uenite nohiscum ei R. — '^ om. dupUcem R. — = no- 
biscuni et gloriam sempiternam N. — *' uenite .... percipite om. B; uenite nobis- 
ciim et gloriam {gloriamini X) percipite X Y. — ' uos itaque hoc et scrihite et facite 
B; add. Deo gracias X; sit laus Deo add. Y; ualete in Domino lesu Christo 
semper feliciter Amen add. N. — " in cod. A semper e aiit ^ pro ae utuntur. — 
^ karissimisque A. - •" tocius A. — " XX''///'"^* A. — " suorum actiium D R. 



150 X. — Epistula II Stephani coraitis Carnotensis ad Adelam uxoreni. 

totius' Romauiae partes Domino adquisiuimus '", ])ostea Cappa- 
dociam ^^, atque in Cappadocia (juendam Turcorum principem 
Assam"^^ habitare cognouimus. illuc iter nostrum direximus; 
cimcta uero castra illius iii deuicimus et eum in (juoddam lirmis- 
simum castrum in alta rupe situm tugauimus ''^; terram quoque 
ipsius Assam" uni ex nostris principibus dedimus, et, ut praedictum 
Assam debellaret, cum multis Christi militibus ibi eum dimisimus-^. 
deinde=^i per mediam Armeniam -- semper nos insequentes ne- 
fandos Turcos usque ad magnum fhimen Euphratem fugauimus--^ 
et etiam ad ripam eiusdem fluminis, dimissis cunctis sarcinis et 
saumariis suis, per medium flumen in Arabiam -^ fugerunt. ex 
ipsis uero Turcis audaciores milites nocte ac die cursu iieloci in 
Syriam'' regionem intrantes, ut in regiam urbem Antiochiam in- 
trare ualerent ante aduentum nostrum, festinarunt'-''. cunctus 
uero Dei exercitus hoc cognoscens, cunctipotenti Domino gratias 
laudesque dignas dederunt-^'. ad-' principalem praedictam urbem 
Antiochiam cum magno gaudio nos properantes, eam obsedimus -'^ 
et cum Turcis saepissime ibi plurimas conflictiones habuimus et 
in ueritate septies cum ciuibus Antiochenis ' et cum innumeris ad- 
uentantibus ad subueniendum sibi auxihis, quibus obuiam occur- 
rimus, animis' ferocioribus, Christo praeeunte, pugnauimus et in 
omnibus VIP proeUis^^ praedictis, Domino Deo cooperante, con- 
uicimus et de ipsis sine omni numero -^o uerissime interfecimus. 
in ipsis uero proeUis et in phuimis in ciuitatem factis congressio- 
nibus de Christicolis confratribus nostris multos occiderunt, quorum 
uere animas ad Paradisi gaudia intulerunt -^^ 

Antiochiain uerc) urbem maximam ultra quam credi potest 
fortissimam" atque inexpugnabilem reperimus' •^-. audaces-'^-^ itaque 
milites Turci plus quam V milia intra ciuitatem confluxerant ^^ 
exceptis Saracenis^ Pubhcanis ^^, Arabibus, Turcopolitanis -^^ 
Syriis', Armenis" aUisque gentibus diuersis -^S cpiarum" multitudo 
infmita inibi conuenerat -^*^. pro his igitur inimicis Dei et nostris ^^ 
oppugnandis multos labores et innumera mala Dei gratia hucus- 
(|ue^<^ sustinuimus. multi etiam iam sua omnia hac" in sanc- 
tissima passione*^ consumpserunt. plurimi uero de nostris Franci- 
genis temporalem mortem fame subissent, nisi Dei clementia et 
nostra pecunia" eis subuenisset^^. per totam uero hiemem ante 
saepedictam Antiochiam ciuitatem frigora pernimia' ac pluuiarum 
immoderatas abundantias' pro Christo Domino perpessi sumus^^. 
quod quidam dicunt, uix posse pati ahquem in tota Syria sohs 
ardorem falsum est: nam hiems apud eos Occidentah nostrae" 
simihs est *+. cum*^' uero Caspianus^'', Antiochiae admiraldus, id 
est princeps et dominus, se adeo a nobis praegrauatum conspiceret, 
misit fihum suum, Sensadolo^^ nomine, principi, qui tenet Hiero- 

'' posthaec D R. — " assdm A. — ' Euphratum D. — ^* Siriam A sicut infra. 
— " antiocenis A. — ' armis D R. — = VIF^»^ A. — '' firmissimam D R. — 
' repperimus A. — ^ sarracenis A et infra. — ^ Si/ris D R. — '" armeniis A. — 
" quorum A. — " haec D R. — '' ^;et;cwma A. — '' praenimia D R. — ^ Jiabun- 
dantias A. — ' nostro A. 



X. — Epistula [I Stephani comitis Carnoteiisis ad Adelem uxorem. j[51 

solyniam'^\ et principi Calep Rodoan^^ et principi de Damasco 
Docap '***. item misit in Arabiam propter Bolianuth '^ et in Cora- 
thaniam propter Hamelnuth ^-. hi V" admiraldi cum XII miUbus 
electorum mihtum Turcorum ad subueniendum Antiochenis "^ subito 
uenerunt^-^ nos uero hoc totum ignorantes "'^ multos de nostris 10 
mihtibus per ciuitates et castella miseramus ^'^'. sunt uero nobis 
per Syriam CLXV ciuitates et castra in nostro proprio dominio -'^K 
sed paulo antequam ad urbem uenirent^S per 111 leugas cum DCC^ 
militibus in quandam planitiem' ad Pontem Ferrreum^^ eis occur- 
rimus^-': Deus autem pugnauit pro nobis suis fidehbus contra 
eos"^': nam ea die uirtute Dei eos pugnando deuicimus et de 
ipsis sine numero, Deo semper pro nobis proeliante, interfecimus^S 
et etiam plus quam CC capita eorum, ut inde congratularentur ' 
Christi' popuh, in exercitum attulimus*'-. imperator uero de Ba- 11 
bylonia^'-^ misit ad nos in exercitu nuntios' suos Saracenos cum 
litteris suis et per eos firmauit pactum et dilectionem nobiscum ^^. 

Quid nobis in hac Quadragesima ^^'' contigerit^ tibi, carissima, 12 
notificare dihgo. principes nostri ante quandam portam*^*', quae 
erat inter castra nostra et mare, castelhim fieri constituerant''^; 
nam per eam portam cottidie Turci exeuntes, de nostris euntes 
ad mare interficiebant (urbs enim Antiochia distat a mari per V 
leugas^'^). hac de causa egregium ' Boemundum"-' et Raimundum 
comitem de S. Aegidio ad mare"'^ ut inde marinarios ad hoc 
opus iuuandum adducerent, cum LX*^ tantum militum comitibus ^* ^ ^ 
raiserunt. cum autem cum eisdem marinariis ad nos reuerterentur, 
congregato exercitu Turcorum '-, nostris duobus improuisis ^-^ prin- 
cipibus occurrerunt et eos in fugam periculosam miserunt^*. in 
illa, ut praediximus '. improuisa^^ fuga plus quam D' nostrorum 
peditum ad laudem Dei perdidimus; de mihtibus nostris nisi' 
tantum duos pro certo amisimus'*'. nos uero eadem die'', ut con- 13 
fratres nostros cum gaudio susciperemus, eis obuiam exiuimus ^^, 
infortunium eorum ignorantes. cum autem praedictae portae ciui- 
tatis appropinquaremus '•>, Antiochena' turba mihtum ac peditum 
de habito triumpho se extollentes ^^^ in nostros pariter inruerunt. 
quos nostri uidentes ad Christicola castra, ut omnes parati ad bel- 
lum nos sequerentur, miserunt: dum adhuc conuenirent nostri, 
disiuncti principes. scihcet Boemundus et Raimundus, cum reliquo 
exercitu suo aduenerunt et infortunium, quod eis magnum euen- 
erat. narrauerunt '^ i. quo pessimo rumore nostri furore accensi in 14 
sacrilegos Turcos pro Christo mori parati, pro fratrum dolore^- 
concurrerunt. inimici uero Dei et nostri^^ ante nos confestim fu- 
gientes, in urbem suam intrare temptauerunt", sed res longe 
aliter Dei gratia euenif^^; nam cum transire per pontem super 



* ierosoUmam A. — ^ quinque A D R. — ' antiocmis A. — '^ septingentis A. 
— " 2)laniciem A. — ^ ducenta A. — = congratularetur A. — '' Christiani D R. — 
' nuncios A. — ^ contigit A. — ^ Ve A, — '" eggregium A. — " ad mare desunt 
in A. — " sexaginta A. — '^ milibus A D R. — "^ ut praediximus ora. D R. — 
' quingentos A D R. — ' nonnisi D R. — ' antiocena A. — " tentauerunt D R. 



152 ^f- — Kpistula II Alexii I Komneni ad Oderisiuni abbatem Casinensem. 

flumen magmim, Moscholo fundatum«\ uellent, nos eos comminus'' 
insequentes ^'', multos ex ipsis, antequam accederent ad pontem, 
interfecimus, multos in flumen proiecimus, qui omnes necati suat; 
multos uero supra pontem, plurimos etiam ante portae introitum 

15 occidimus ^^ ^. ueruntamen dico tibi, mi dilecta, et uerissime credas, 
quod eodem proelio ^^ XXX' admiraldos «", id est principes, alios- 
que CCC nobiles Turcos milites, exceptis aliis Turcis atque paganis, 
interfecimus. computati' sunt ergo numero mortui Turci et Sara- 
ceni MCCXXX'\ de nostris autem unum solum non perdidimus -^^^ 

16 Dum uero capellanus meus Alexander -^ ^ sequenti die Paschae-'^ 
cum summa festinatione has litteras scriberet, pars nostrorum 
Turcos insidiantium uictricem pugnam cum eis, Domino prae- 
eunte^^ habuerunt et fecerunt et de ipsis LX milites occiderunt, 
quorum cuncta capita exercitum' attulerunt'-'^. 

17 Pauca '^^' certe sunt, carissima, quae tibi de multis scribo, etj 
quia tibi exprimere non ualeo quae sunt animo' meo, carissima, 
mando, ut bene agas et terrae''^^ tuae egregie disponas et natosj 
tuos^' et liomines tuos honeste, ut decet te, tractes, quia quamj 
citius' potero me certe uidebis •^'^. uale. 



XI. 

Epistula II Alexii I Komneni ad Oderisium I de Marsis 
abbatem Casinensem. 

(Missa anno 1098, mense lunio, ab urbe Constantinopoli.) 

A-- Cod. manuscr. Casineusis, Registr. Petri Diac. n» 146 f. 67. -- G = 
Editio dom. Gattula (Hist. abbat. Casin. II, 923). ~ M =:= Editio doni. Mu- 
ratori (Antiqu. Ital. raed. aeui t. V p. 388). — T ^:::^ Editio dom. Tosti (Storia 
della Badia di monte Casino II, 93). — Tr = Editio dom. Trinchera (Syllab. 
membr. Graec. n" 66 p. 83. — R = Editio comitis Riant (Alexii Komn. ad Ro- 
bertum I epist. spur. p. 44). 

Quanta imperio meo" scripsistis, uenerabilissime ac sapientis- 
sime serue Dei, abbas coenobii Casinensis'M didici. declarabat 
autem uestra epistula ^ bonorem atque laudem imperii mei \ et 
omnipotentis quidem atque misericordis Dei nostri est " in me et 
in subiectis nostris propitiatio^ maxima et beneficia eius innu- 
merabilia. et ipse quidem per eius misericordiam honorauit im- 
perium meum atque exaltauit gratis. ego autem non soium quod 
nil boni habeo in me, sed maxime quia super "' omnes homines 



^" conminus A; cominus D R. — " XXXta A. — ' conputati A. — '' mille 
CO* XXXfC' A. — ' in exercitu D R. — / adtulerunt A. — ^ in animo D R. — 
^ tihiae D R. — ' cicius A. — ^ nostro H; modo M. — ' cassinensis G. — '" et T. 
— " qui G; quia M. 



XI. — Epistula Boemundi ad uiiiuersos Christi fideles. 153 

pecco, ad eum* cottidie' ut longanimis^ atque misericors miseretur 
atque sustinet' meam infirmitatem (precor)'»; uos autem, ut boni 
atque uirtute pleni, iudicatis me peccatorem sicut bonum, et uos 
quidem habetis proficuum "'. adeo imperium meum, cum laudatur 
dignum laudis opus non habens, in condemnationem « suam laudes 
possidet. „ut autem adiutorium praebeatis', forte rogo', exercitui 
Francorum" ■', designabant' uestrae' prudentissimae apices ^^. sit 
inde certa ueslra uenerabihs sanctitas, quoniam ita dispositum 
fuit super eos imperium meum et ita^^ omnibus modis adiuuabit 
atque consiliabit eos et secundum posse suum cooperatum est^-' 
in eis, non ut amicus uel cognitus sed ut pater, et tale expen- 
dium ^^ fecit in eis, quem non potest aliquis numerare. et nisi 
imperium meum ita operatum'' fuisset in eis et adiuuasset eos post 
Deum\ quis alter adiutorium praebuisset eis? et neque iterum 
piget imperium meum auxihutii dare eis ^*. et" gratia Dei bene 
prosperantur ^^ usque hodie in seruitio, quo inceperunt ^'', et in 
antea^^ prosperabuntur, quousque bona intentio ^^ praecedit eos. 
mullitudo ex equitibus atque pedestribus iuit' ad aeterna taber- 
nacula: horum ahi interempti, ahi mortui sunt^^: beati quidem 
sunt, ut in bona intentione finem mortis dantes. propterea minime 
oportet nos illos habere ut mortuos, sed ut uiuos et in uitam 
aeternam atque incorruptibilem transmigratos ^^. in exemphim 
uerae" fidei atque bonae dispositionis circa uestrum monasterium^ ^ 
imperium meum" misit unum epiloricum de dorso suo oxyde ' 
auratum"-^. 

Missa est mense lunio, indictione VI-^, a sanctissima urbe Con- 
stantinopoli^^. 



XII. 



Epistula Boemundi, Roberti Guiscardi filii, Raimundi comitis 
S. Aegidii, Godefridi ducis et Hugonis Magni ad uniuersos 

Christi fideles. 



(Scripta e castris Aiitiochiae anno 1098, mense Aprili siue lulio). 



I^P A = Cod. ranscr. bibl. Aiidegauensis S. Albani n: 163, membr. saec. XI 
in f. 150 — B = Cod. mnscr. bibl. Remensis 785/795, membr. saec. XI f. 69i> 

— C ^ Cod. mnscr. bibl. V^aticanae Reg. Christ. i283 f. 73^, cop. membr. saec. 
XII. — M =3 Edit. Marteniana (Thes. anecdot. I, 272). —W^ Edit. Marteniana 
(Ampl. collect. I, 568). 

Boemundus', filius RotbertiS atque Raimundus, comes S. Aegi- 
dii ^ simulque Godefridus ^ dux, atque Hugo Magnus * maioribus 
et minoribus totius orbis catholicae fidei"' cultoribus^ uitam ad- 
ipisci perpetuam'. 

* deum T. — •^ M add. preces fundo. — ' misereatur atque sustitteat M T.^^ — 
" praebeam M. — ' om. rogo M. — *" designabat G. — ° uestri M. — '' apertum 
G ; expertum M. — ' dominum G M. — ^ om. et T. — * luit G. — '" uestrae M. 

— " imperii mei A G. — " exii M. — ^ deauratam G M. — ** Edd. praeraittunt: 
de pace cum imperatore inita et uicloria in paganos reportata. — '^' fidei catholicae 
A M M'. — ■■ maioribus atque minoribus totius orbis catholicae fidei cultoribus Bai- 

Hagen m ey e r, Epistulae et Cliartae. j(ja 



154 ^II* ■"" Epistula Boemimdi ad uniuersos Christi fidelee. 

Ut notum sit omnibus^*, qualiter inter nos et imperatorem 
facta" sit pax'*' et quomodo in terra Saracenorum nobis, post- 
quam ilhic" uenimus, euenit^ dirigimus ad uos hunc nostrum** le- 
gatum, qui omnia, quae apud nos facta sunt, uobis per ordinem 
dihgenter edisserat^. primum dicendum' est', quod^ imperator 
medio" mense Maio ^^ dedit nobis fiducias atque securitatem cum 
iuramento'^^ dando'' etiam' nobis obsides, scihcet"" nepotem suum" 
atque generum suum ^^, adiungensque" in his"*^ quod nemini 
peregrinorum " S. Sepulcri tontumeliam amphus se' inferre con- 
aretur^*. postea misit protopatronum" suum ^•'^ per omnem terram 
suam, dirigens eum' usque ad Duratium ^" iussitque", ut ahquem 
peregrinum' tangere in malo^' nemo" ausus esset: quod si quis 
hoc infringeret, suspendh poenam ihco digne subiret ^*^. quid plura? 
modo reuertamur ad ea, quibus maximo gaudio uestra repleri de- 
beant" corda: in fme' uero mensis' Mah proehum cum Turcis 
fieri" stabihuimus ^^. ihos autem Deo gratias deuicimus. ex ihis 
autem proculdubio'''' XXX" milia mortui'" sunt, ex nostris uero 
lil miha in pace defuncti" sunt^o, qui sine ulla dubitatione ' 
uita gloriantur aeterna ^ K ibi certe innumerabihter copiam 
auri et argenti atque pretiosarum uestium necnon" et armo- 
rum nos omnes"" recuperauimus ^^. Nicaenam quoque ingen- 
tem ciuitatem^^ uirtute forti comprehendimus ^* et ultra" eam 
castra et ciuitates per X'''' dietas adquisiuimus^l post haec" autem 
apud Antiochiam ^^ magnum behum """ fecimus, quod multum uiri- 
hter deuicimus adeo, quod ex eis LXX miha occisi"" sunt, ex 
nostris uero X milia in pace defuncti" sunt^'. quis tale gaudium 
uidit? siue enim uiuimus siue morimur, Domini suraus'-^. ad haee 
pro certo sciatis regem Persarum ^9 in festiuitate Omnium Sanc- 
torum 3<^ nobis proelium se peracturum '" mandasse^S adserens, 



mundus et Raimundiis comes sancti Egidii dux Godefridus et Hugo Magnus uitam 
adipisci perpetuam C. — " factum C. — ^ om. pax C. — * illic A M. — ** om. 
nostrum C. — " dictum A M. — *" om. est C. — ^ quomodo C. — '' ora. tnedio C. 
— ' uiramento A. — " dandi A M. — * etiam deest C. — '" om. scilicet C. — 
" suum om. B M'. — " adiungens A. — ^ om. in his C. — ^ pcregrinum A. — 
■■ se om. B ; amplius se om. C. — ' protonotarimn C; proprium M*. — ' dirigens 
eum deest C. — " iiissit B M ; iubens C. — ' peregrinorum C. — '" ab hoc loco 
usque ad ad haec pro certo sdatis (6) leguntur in C: nemo auderet quod qui in- 
fringeret suspendio periret. his dictis diseamus ad ea que maximo gaudio corda 
uestra compleant. in fine mensis maii prelium cuni Turcis fecimus. illis deo gracias 
devictis ex eis XXX milia in eo prelio mortui sunt^ ex nostris autem III milia in pace 
defuncti sunt: qui procul dubio ciun Christo uiuunt. ihi innumerahilis copia auri <'t 
argenti et preciosarum uestium capta. Nicheam ciuitatem magnam forti uirtute com- 
prehendimus et tdtra eam ciuitates et castella per X dietas adquisiuimus. post hec 
apud Antiochiam hellum magnum fecimus. quo deuicto ex eis LXX milia cecidere, ex 
nostris autem XV milia migrauere ad d. dominum. quis tale gaudium uidit? siue 
enim uiuimus siue mo)imur domini sumus. ad hoc sci. verba sequentia in C desi- 
derantur. — " debent B. — ■' (inem A M. — ' mensi B. — "" (leiH cum turcis A 
M. — ""^ M' add.. in ipso proelio. — " XXXC A. — '''* mortua B M'. — '' de- 
functa B M'. — ^ duhitatione idla B M'. — ^' copia A M. — "' omnes nos M'. — 
" tdtera A. — '''' decem B. — " postea, om. haec autem B-M'. — '""' hellum mag- 
num B M'. — "" scxaginta et IX milia occisa B M'. — °" defuncta B M'. — ''' per- 
aucturufn B. 



XIII. — Charta Boemundi. 155 

quod si nos deuicerit, nullatenus cum rege Babyloniae ^^ et aliis 
pluribus regibus paganis''^^ super Christianos uenire" cessabitur', 
porro si perdiderit, se omnesque ^" quos adiungere poterit, Christi- 
anos futuros esse" spopondit^^. unde uos omnes' ualde precamur, 
ut inde-^^ ieiunia ac eleemosynas missasque cum deuotione adsi- 
due faciatis. specialiter autem' terlium diem ante festum, qui est 
dies Veneris ^*^, in quo triumphante Christo proelium potenter com- 
missuri sumus^^, deuote cum multis orationibus et eleemosynis 
adiuuetis. ualete'' ^^. 

Ego Gratianopolitanus episcopus^^ has litteras mihi adlatas 
Gratianopolim uobis sanctae Turonensis ecclesiae archiepiscopo^^^ 
et canonicis mitto, ut per uos omnibus, qui ad festum^i conuene- 
rint, innotescant et per eos diuersis partibus orbis, ad quas redi- 
turi sunt, alii eorum iustis petitionibus, orationibus et eleeraosynis 
subueniant, alii uero cum armis accurrere festinent. 



XIII, 



Charta Boemundi. 

(Confirmata Antiochiae anno 1098, die 14. mensis lulii). 

Ex archiuo ecclesiae cathedralis lanuae a Fraiic. Negri (Prima cro- 
ta p. 99) anno 1658 edita. 



B In nomine Patris et Filii et Spiritus sancti. 

V Haec est charta de donatione, quam ego Boemundus \ Ro- 
berti Guiscardi ducis ApuHae fihus, facere et confirmare curaui. 
igitur ego Boemundus bono animo promptaque uoluntate dono et 
perpetim habenda ^ in primo ^ omnibus hominibus lanuae in ciui- 
tate Antiochia^ ecclesiam S. lohannis, quae est in strata, qua 
recto tramite tenditur ad basilicam S. Petri ^, cum fondico ^ et 
puteo ^ et cum XXX domibus, quae sunt in platea iuxta praefatam 
ecclesiam ^ habita, cum omnibus earum pertinentiis, sine ullo usu 
uel consuetudine 9 : sic dono uobis praenotatis hominibus omnia 
praescripta, ut ea habeatis, teneatis et possideatis, et quibus ea 
cum uestris usibuscommendaueritis^^isuper haec omniaob uestram 
probitatemii dimitto uobis omnes usus et consuetudines uel recti- 
tudines^^, quas alii homines dederunt uel in antea dabunfi^ jn 
Antiochia et in ipsius pertinentia ^^. 



' aliorumque plurimorum regum paganorum A M. — ^ uenire om. B M'. — 
' cessdbit B M'. — "^ et omnes M'. — " om. esse B M'. — ' om. omnes B M'. — 
^ autem om. A M. — ^' cum eleemosynis et orationibus ohseruetis, om. ualete B M'. 
hic epistula finem habet in A M; sequentia solum in B M' leguntur. — ' da- 
hant Ed. 

]0*a 



156 



XIV. 



Pactnm Genuensium, 



Actum est hoc anno ab incarnatione Domini nostri lesu Christi 
MXCVIIh indictione ¥11^, mensis lulii die XIVa^\ 

t Signum mei Boemundi >", qui hanc chartam donationis fieri 
iussi, tirmaui et testes firmare rogaui. 

t Signum episcopi Adriani ^^. 

t Signum Roberti de Surda Valle ^^. 

t Signum Roberti de Anza^->. 

t Signum Rodulfi Rufi^". 

t Signum BoelU de Carrato ^ ^ 



XIV. 

Pactum Genuensium. 

(Confirmatuni Antiochiae anno 1098, die 14. mensis lulii). 

Ex archiuo ecclesiae cathedralis lanuae a Francesco Negri (prinM 
crociata p. 99) anno 1658 editum. 

Haec est conuenientia \ quam boni homines ^ lanuae domim 
fecerunt Boemundo^ Anselmus Rusacherius ^ Lanfrancus Drubesei \ 
Lambertus Magnus \ Conradus filius Taionis, Bellacosa filius Ade- 
lardi, Otho Clericus, Lambertus Medicus ^ per concessionem ', quai 
fecit eis in Antiochia, et donum omnibus hominibus lanuae, sci-i 
licet quod praescripti et ceteri omnes, qui in ciuitate erunt Anti- 
ochiae uelut in tali loco, quod possint iuuare ^, iuuabunt ciuitatei 
tenendum et defendendum contra omnes homines, qui inuadent,] 
tollendum, qui in ciuitate erunt sine obsonio -^ qui extra secundui 
salutem illorum, praeter comitem S. Aegidii ^^ et si comes auferi 
uoluerit, nos dabimus consilium concordiae secundum nostrum sen- 
sum, sin autem, neutrum iuuabimus ^ K 



XV. 



Epistula II Anselmi de Ribodimonte ad Manassem 
archiepiscopum Remorum. 

(Scripta Antiochiae a. 1098, mense lulio.) 

A = Codex Parisiensis bibl. Mazarinae n» 1710 f. 73^— 74i>, saec. XII in 4« 
— B — Codex Parisiensis bibliolh. nat. collect. Baluzii n" 372 fol. 7 et 39i 
tipographon nunc, ut uidetur, deperditi codicis 39 Bibliotli. Rippollensis \m 



Boiamiindo Ed. 



^man 



XV. — p]pist. II Anselmi de Ribodimonte ad Manasgem archiep. Remorum. 157 



» 



asterii, quo usus est Kohler (Revue de V Orient latin. VI, 334). — 1) — Edi- 
tio d^ Acheriana (Spicil. 1. ed. t. VIT, p. 191; 2 ed. t. III p. 431). — M = Edi. 
tio Migniana (Patrol. lat. CLV pp. 472—475). — R = Editio Parisiensis (Recueil 

llist. occ. t. III pp. o90— 893). 

In ' iiomine Domini K 

Domino suo et patri Manassei, Dei gratia Remorura uene- 
rando archiepiscopo, Anselmus de Ribodimonte, suus fidelis homo 
et humilis" seruus, salutem^. 

Sciat sublimitas uestra -^ reuerende pater et domine, quia' etsi 
non praesentiaUter^, tamen absentes in cordibus nostris a uobis 
auxilium cottidie postulamus^ nec solum a uobis sed etiam ab 
omnibus sanctae matris ecclesiae Remensis filiis <', in quibus fi- 
duciam maximam" habemus. quia etiam dominus noster estis et 
totius regni Francorum maxime a uobis pendet consilium^ noli- 
ficamus paternitati uestrae aliqua de prosperis' et aduersis, quae 
nobis euenerunt^^. ceteris uero per uos notificetur, ut pariter no- 
biscum patiamini'' et in prosperis nobiscum gaudeatis. manda- 
uimus' uobis^ obsidentes atque capientes Nicaeam et inde re- 
cedentes, totam Romaniam atque Armeniam peragrantes^ quo- 
modo nos habuimus: nunc uero' restat, ut de obsidione Antiochiae, 
de nuiltismodis pericuhs ilhc praelibatis^ de innumeris proehis 
contra regem Galapiae ^'\ contra Damascenum ' ^K contra illum ad- 
ulterura"^^ Hierosolymitanum ^^ perpetratis ahquantulum loqua- 
mur° ^^. obsessa est igitur Antiochia ab exercitu Domini XIII Kal. 
Nouembris' nimis uirihter et audacius quam dici potesti-\ quam 
inauditos conflictus ibi ad quandam occidentalem portam cer- 
neres^*'! quam mirabihter illos per VI" portas ^' prosihentes cot- 
tidie, si praesens adesses, uideres! utrisque, iifis uidehcet et nostris, 
pro salute' et uita certantibus. in iUis diebus ^^ nostri principes 
cupientes ciuitatem magis ac raagis artare, orientalera portara ^^ 
tunc priraura obsedimus, castelloque ibi firraato^^ Roemundus" in 
iho posuit partem sui exercitus^^ principibus autem nostris tunc 
temporis^- ahquantulura inturaescentibus '^^ Deus, qui flagel- 
lat onin era filium, quem diligit^^ adeo nos castigauit, ut uix 
inuenirentur DCC equites in nostro exercitu -^; et non ideo, quia'' 
homines probi et audaces nobis deessent, sed quia equi aut inopia 
uictus aut niraietate frigoris fere oranes perierant' ^'\ Turci uero 
e(}uis et oranibus necessariis abundantes" castra nostra cottidie 



• B et edd. praemittnnt: In nomine Domini incipit ejnstnla quam transmi- 
serunt sancti percfjirini qui amore Dei perrexerimt Hierosolymam, anno ab incar- 
natione Domini MXCVIIII, tempore Urbani papae, indictione VII^. — ^ fidelis homo 
et humilis seruiis d. in A. — * quod B. — "^ sane maxiniam fiduciam B Edd. — • 
• concilium B. — ^ de his prosperis B Edd. — ^ euenere B. — '' paritcr in ad- 
uersis nobis compatiamini B Edd. — ' mandatum est A. — ^ j!;erg_(77'a>?fgs B. — 
' axitem B Edd. — '" damascuni A B Edd. — " ultimum D R ; «c? idtimum B M. 
— " hic desinit epistulae fragmentum codicis B. — '' X/// A^aZ. A^o*<. desunt in 
Edd. — 1 sex A Edd. — ' libertate Edd. — ' boimundns semper et infra A. — 
^ septingenti A. — " quod A. — " ^jw/er^m^ Edd. — "^ habundantes A 



158 ^^^' — Kpist. n Anselmi de Ribodimonte ad Manassem archiep. Remorum. 

circuibant, fluuio quodam interposito ^?, qui pro muro nobis babe- 

6 batur. aberat etiam" castellum Turcoruin -*^ fere VIII'' milibus, 
qui ingredientes et egredientes de nostro exercitu cottidie occide- 
bant. contra quos nostri principes exeuntes, Deo adiutore, illos 

7 in fugam uerterunt et multos eorum' occiderunt ^-^ uidens ergo 
Antiochensis =^^ se laesum, Damascenum" '^i in auxilium aduocauit: 
qui prouidentia Dei Boemundum et Flandrensem comitem, qui ad 
requirendas' escas ierant^^- cum parte nostri exercitus, obuios 
habuit et, Dei auxilio praeeunte, uictus fugatusque est ab eis ^ -^. 

8 adhuc Antiochensis cogitans de salute misit ad regem Galapiae -^^, 
pecuniaque maxima promissa, ad hoc, ut ueniret cum omnibus co- 
piis suis, illum excitauit. quo adueniente, nostri principes castra 
egressi sunt^^ et, Deo adiutore, illa die cum DCC equitibus et 
paucis peditibus -^*' XII milia' Turcorum cum rege suo' deuice- 
runt^^ et in fugam uerterunt et multos eorum occiderunt "^^. illo' 
proelio nostri non paucis equis recuperatis ^^ cum uictoria gau- 

9 dentes reuersi sunt. ex illa ergo die^" magis ac magis conuales- 
centes, uiribus receptis, consilium inierunt, quomodo occidentalem 
portam, quae nobis portum maris, ligna et herbam auferebat, 
obsiderent ^^. communi ergo" consilio Boemundus et comes S. Aegidii ; 
portum adierunt, illos adducturi', qui illic raorabantur^^^. interim 
qui remanserant ad sarcinas^^ cupientes sibi nomen adquirere"^*, 
quadam die post prandium"^^ illam occidentalem portam incaute "^ 

10 adierunt, unde turpiter repulsi atque fugati sunt. tertia post haec 
die**^ Boemundus et comes S. Aegidii reuertentes miserunt ad prin- 
cipes exercitus, ut illis occurrerent et sic pariter portam obside- 
rent, illis autem parumper morantibus^S Boemundus et comes 
S. Aegidii a Turcis uicti atque fugati sunt*^. itaque nostri omnes" 
dolentes atque suum dedecus pariter gementes — nam illa' die 
mille de nostris' corruerant*^ — ac rebus ordinatis, Turcos mul- 
tum''^o repugnantes atque renitentes' uicerunt et in fugam uer- 
terunt^^ perierunt autem ea' die de inimicis fere MCCCC" tam 

11 armis quam fluuio, qui hiemalibus pluuiis abundabat'^^. his ita- 
que"' patratis^^, nostri firmare castellum^^ coeperunt^ illo quoque'' 
multiphci uallo muroque' firmissimo necnon et duabus turribus 
munito^^ comitem S. Aegidii cura ballistariis et sagittariis conlo- 
cauerunt"^^. o cura quanto periculo, cura quanto labore illud'"* 
firmauimus! pars quaedara nostri exercitus castellura orientale ^S 
aha pars castra seruabat, ceteri" oranes^^^ castellura firraabant 
ex ilhs ballistarii et sagittarii portara ^^ custodiebant rehqui et ipsi 
principes aggerera iacere^o, lapides portare, raurura construere " 



r 



* et Edd. — " octo A. — ' illorum A. — ^ damascum Edd. — ' quaerendas 
Edd. — ^ septingentis A. — ^ XV millia Edd. — '' suo rege Edd. — ' in illo igi- 
tur Edd. — ^ communi uero Edd. — ^ addicturi M R ; adituri D. — '" adqui- 
rere nomen Edd. — " prandium incaute Edd. — " hoc loco deest incaute in Edd, 

— "^ homines Edd. — ^ ille A. — " de nostris miUe Edd. — '' militum Edd. — 
" ac retinentes'E,A^. — * *7?a Edd. — " mille et quadringenti A. — ^ hahundahai A. 

— ^ ita Edd. — "" aggrediuntur Edd. — ■' illoque Edd. — ' muro Edd. — "* illic 
collocant Edd. — **'' illum Edd. — " cum Edd. — **'' struere Edd. 



XV. — Epist. II Anselmi de Ribouimonte ad Manassem archiep. Remorum. 159 

non cessabant quid enim" enumerare'' multimodas tribulationes, 
quae tacitae' etiam satis per se patent^\ fames uidelicet', aeris 
intemperies*'^. timidorum militum fugas^'^ quae quanto asperiores 
tanto alacriores nostri in sustinendo fuerunt^^? ueruntamen illud 
silendum minime putamus, quod quadam die Turci se ciuitatem 
reddituros simulauerunt et in tantum nos deceperunt, ut de nostris 
ad illos^'"' exciperent et de suis ad nos plures' exirent^^^'. dum 13 
haec ita agerentur, utpote nihil fidei habentes*^^ insidias nostris 
posuerunt, ubi occisus est Walo^^ conestabulus° et alii tam de 
suis quam de nostris plures corruerunt «^. post haec autem trans- 14 
actis paucis diebus ^<^, nuntiatum est nobis Corbaran, principem 
mihtiae regis Persarum^\ in nostram mortem coniurasse et cum 
innumerabili exercitu magnum flumen Euphratem'' iam praete- 
riisse'72, Deus autem, qui semper sperantes in se non 
deserit'^ non rehquit'' suos, sed ciuitatem Antiochiam, tribus 
ciuibus eam tradentibus ^*, in Nonis lunii ^^ nobis misericorditer' 
dedit. depopulata autem ciuitate, ipsa die omnes paganos in ea 
occidimus '<', exceptis quibusdam in castello ciuitatis^^ se tuen- 
tibus. sequenti uero'" die ^*^ adueniens Corbaran cum rege Da- 15 
masci '^ et duce Baldach"^^ et cum rege Hierosoly mitano '^ i et 
ahis quamplurimis*^2 ciuitatem obsedit. nos igitur, obsessi ab ilhs 
et obsidentes paucos praedictos" in castello ciuitatis*^^. ad eden- 
das carnes equorum et asinorum compulsi sumus ^^, secunda au- 
tem'' die aduentus eorum" Rogerum de Barnonisuilla nobis oc- 
ciderunt^^^ tertia die castellum, quod contra Antiochenses firma- 
uimus, adgrediuntur sed nihil' profecerunt^^. Rogerum tamen ca- 
stellanum Insulae uulnerauerunt, unde mortuus est^^. uidentes, 16 
quia nihil ex illa parte''^^ proficerent, montana^^ ascenderunt. nos 
auteni contra illos egressi, uicti sumus ab illis atque* fugati^^ 
ipsi uero muros" ingressi', illum diem et noctem sequentem in- 
simul fuimus, distantes ab inuicem quasi uno lapidis iactu^^. se- 
quenti die ^2 aurora apparente, altis uocibus Baphometh^^ inuo- 
cauerunt et nos Deum nostrum in cordibus nostris deprecantes, 
impetum facientes in eos, de muris ciuitatis omnes expulimus ^*. 
ibi mortuus est Rogerius de Bithiniacauilla^^. ipsi uero castra 
mouentes, totas ciuitatis portas obsederunt, ad redditionem cu- 
pientes nos compellere inopia uictus^^. positis ergo in tanta tribu- 17 
latione seruis suis, Deus auxiliatricem dexteram^^ suam porrexit 
et diuina reuelatione lanceam, qua perforatum est corpus Christi, 
misericorditer reuelauit^^. latebat autem in ecclesia beati Petri 
sub pauimento quasi duas staturas hominis ^^. inuenta ^"^ ergo 18 
ista pretiosa margarita, cor omnium nostrorum reuixit^^S et ui- 



* quid nam M R ; quid attinet corr. D. — ^ numerare Edd. — * tacite R. 

— ^ uidelicet fames Edd. — * plurimi Edd. — ^ hahentes fidei Edd. — ^ Wallo 
conestables Edd. — '' Eufratem Edd. — ' praeterisse A D R. — ^ dereliquit Edd. 

— ^ misericorditer nohis Edd. — '" ergo Edd. — " Baldart iiel Baldarc A. — 
praedictos paucos Edd. — ^ autem d. in Edd. — " illorum Edd. — ' nil Edd. 

— ' ex illa parte nihil Edd. — ' illisque A. — " nohiscum muros Edd. — " hic 
desinit cod. A in calce folii 74^. 



1(J0 XV. — Epist. II Anselmi de Ribodimonte ad Manassem nrcliiep. Remorum. 

gilia apostoloruiii Petri et Pauli, accepto inter se consilio, mise- 
runt nuntios ad Corbaran i^'-, ([ui dicerent i"-^: haec dicit ex- 
ercitus Domini: recede a nobis et ab hereditate beati 
Petri ^^^, alioquin :irmis fugaberis. ([uo audito, Corbaran, 
euaginato gladio ^^^ iurauit par regnum et thronum suum, ([uod 
detenderet se de omnibus Francis, et dixit se terrani 
possidere et semper possessurum iusteuel iniuste'^^'. 
mandauit enim, quod nec uerbum ab illo audirent, donec 
derelicta Antiochia Christum denegarent et legeni 

19 Persarum profiterenturA^^ his auditis, Christiani confes- 
sione mundati, perceptione corporis et sanguinis Christi ^"^ fir- 
miter armati, parati ad proelium, portam egressi sunt ^^^. egressus 
est primus omnium Ugo Magnusi^" cum suis Francis; deinde 
comes Normannorum" atque Flandrensis ^^^; post istos uenerandus 
episcopus Podiensis^i^ et acies comitis S. Aegidii^^-^; post iHuni 
Tancredus 1^*; ultimus omnium Boemundus inuictissimus ^^''. acie- 
bus ergo ordinatis, lancea Domini praeeunte et ligno Dominico ^^*', 
cum fiducia maxima coeperunt proeliari, Deoque iuuantei^S prae- 
dictos principes Turcorum ^^^ conhisos et omnino uictos in fugam 
uerterunt et innumeros eorum occiderunt ^^^. reuertentes igitur 
cum uictoria ^^^ grates Domino egimus et sollemnitatem Aposto- 
lorum cum laetitia maxima celebrauimus ' - ^ ipsa die redditum 
est nobis castellum, fiho regis Antiochensis cum Corbaran in fu- 
gam uerso ^^^. ipse rex die, qua reddita est ciuitas ^- ^ fugiens a 
rusticis interemptus fuerat in montanis ^-^. 

20 Haec idcirco mandauimus uestrae paternitati, ut de ereptione 
Christianorum 12^ et de libertate Antiochensis matris ecclesiae i-' 
gaudeatis et pro nobis omnibus Deum deuotius exoretis. confidi- 
mus enim multum in uestris orationibus et quicquid proficimus. 
non nostris meritis sed uestris precibus reputamus. nunc ergo 
precaiiiur, ut terram nostram in pace custodiatis et ecclesias et 
pauperes de manibus tyrannorum ^^^ defendatis. precamur etiam, 
ut de falsis peregrinis 1^^ consihum capiatis, quatinus aut signum 
salutiferae crucis iterum cum paenitentia adsumant et iter Do- 

21 mini peragant aut periculo excommunicationis subiaceant^-^. sciatis 
pro certo, quia ianua terrae aperta est nobis ^^^ et niter alios 
bonos nostros euentus, rex Babyloniae i^\ missis ad nos nuntiis. 
dixit se oboedire nostrae uohmtati^^^. ualete. obsecramus in Do- 
mino lesu, ut omnes, ad quos haec epistula peruenit, pro nobis 
et pro mortuis nostris Deum exorent ^^^. 



* normannorum M. 



XVI. — Epistula Boemundi et aliorum principum ad Urltanum papam. 151 



XVI. 

Epistula Boemundi, Raimundi comitis S. Aegidii, Godefridi 

ducis Lotharingiae , Roberti comitis Normanniae, Roberti 

comitis Flandrensis, Eustachii comitis Boloniae ad 

Urbanum II papam. 

(Scripta Antiochiae 11. die mensis Septembris, a. 1098.) 

A =. Cod. Florentinus bibl. Laurentianae, Plut. LXV, 35, menibr. saec. XII, 
fol. 3. — B — Cod. Vaticanus bibl. Reg. Christinae 547, membr. saec. XII. 
f. 189b— 190^. — E = Editiones: Baluzius, Miscellaneorum liber I (1678), p. 415 
-419 ; (1763, ed. 2) III, 60 ; Reuber, Vet. Script. (1726, ed. 3 cur. Joannis) p. 399 ; 
Migne, Patrol. lat. CLI il853), pp. 551—555. — (t = Editiones: Bongarsius, 
Gesta Dei per Francos (1611) I pp. 394—395; Duchesnius, Hist. Franc. Script. 
(1641) IV p. 830; Migne, Patrol. lat. (1854) CLV pp. 847-849. — L = Lec- 
tiones a Gasparo Barthio (Ludewig, Reliquiae miiscr. III, p. 315) subiectae. 
— R = Editio Parisiana (Recueil, Hist. occ. des crois. III, pp. 350 — 351). 

•™^ Domino" uenerabili" papae Urbano ^ Boemundus^ et Rai- 
mundus comes S. Aegidi"^ Godefridus'' dux Lothariensis * et Ro- 
bertus' comes Normanniae % Robertus' Flandrensium comes^ et 
Eustachius Boloniae comes^^, salutem et fidelia seruitia" et ut 
fihi siio patri spirituali ** ueram in Christo subiectionem.i- 

I_^ Volumus^ omnes et desideramus notum uobis fieri, quam 
^kagna Dei misericordia quamque euidentissimo ipsius' admini- 
culo"^o a nobis" capta est Antiochia et Turci, qui multa Domino 
nostro lesu"' Christo intulerant opprobria ^Scapti et interfecti sunt\ 
et nos " Hierosolymitani lesu Christi ^^ iniuriam" summi Dei uindi- 
cauimus, et nos, qui Turcos prius obsederamus", qualiter postea'* 
a Turcis deChorasan" et Hierusalem ac' Damasco multisque ahis 
j terris uenientibus obsessi fuimus', et quomodo' misericordia lesu 
I Christi" Uberati sumus. cum igitur capta Nicaea ^^ illam' maxi- 
1 mam multitudinem Turcorum, sicut audistis ^^, in Kalendas luhi"^*^ 
nobis obuiam in ualle Dorotillae' ^^ deuicissemus et illum mag- 
num Solimannum'i« fugauissemus suisque omnibus' et terra ef 



|t 



in margine cod. B leguntur: quantuni igitur ad primam conclusimiem que 
scclutatione premissa lyercitat iter eorum usque ad ohsidionem Antiochiae dicit sic 
Fulcherius in ruhrica. hiis gestis omnibus inclita principum turma tocius exer- 
citus epistulam hanc Romano pontifici direxit. — ^ sancto ac uenerahili G R. — 
' sancti Aegidii comes G R. — '^ ac Godefridus, om. Lothariensis E. — " Robertus- 
que, om. e< E. — ^ atq^ue Robertus E. — ° et comes Boloniae om. Eustachius E. 
— '' salus et seruitia fidelia B; Dmno uenerabili pape UR. B. <& R. comes ScX egidii. 
G. dux. R. dux comes normanie. R. comes flandrensium. & comes habilonie sa- 
luteni fideliaque seruitia A. — ' ip>sis dei A. — '' caminicVo B. — ^" a nohis om. 
A. — •" om. Christo B G R. — ^ capti sunt et interfecti A. — "* nos om. A. — 
" iniurias A £. — ° obsidendo deuiceramus A E. — ^ postea ohsessi A. — ^ Cha- 
rasan A; cortoziana B; Corrozana G P. — ^ et Y. G H. — * sumus A. — * quo- 
modo tandem E. — " lesu Chrisli misericordia B G R. — ' nicama illa G. — 
* in Kalendis iunii E. — "^ doretille A ; in campo fiorido G. — •' fulcimantium A ; 
Sullimannum B R. — "" hominibus E. ~ »* ac A E. 

Hagcnmeyer, Epistulae et Cliaitac. W 



1^2 ^y^ — Epistula Boemundi f t aliorum principum ad Urbanum papam. 

rebiis exspoliassemiis, adquisita et" pacificata tota Romania ^^, ad 
obsidendam'' Antiochiam uenimus. qua obsessa", multa mala per- 
pessi sumus^o tum cle bellis" fmitimorum" Turcorum et paga- 
norum in nos' tam frequenter et copiose inruentium, ut uerius 
diceremur obsessi ab illis', quos'' in Antiochia' obsederamus^i. 
tandem superatis omnibus belHs^^a eorumque euentu Christiana 
fide exaltata', ego Boemundus, conuentione facta cum quodam 
Turco^^ qui ipsani mihi'" tradidit ciuitatem, scalas parum ante 
diem cum multis Christo mihtantibus" muro applicui, et ita" ciui- 
tatem antea" Christo resistentem ^" IIIo Nonas lunii' accepimus ^^, 
et ipsum" Cassianum*, ipsius ciuitatis" tyrannum, cum multis suo- 
rum mihtibus' interfecimus ^^, eorumque uxores et" fihos ac fa- 
mihas'' cum auro et argento et omnibus eorum possessionibus 
retinuimus 2^'. asylum' autem Antiochenum -^ a Turcis praemuni- 
tum habere non' potuimus, sed cum in crastino"^^ asylum ip- 
sum'''' adgredi uoluissemus, infmitam Turcorum multitudinem% 
quam multis diebus^*^ ad debellandum nobiscum'" uenturam extra 
ciuitatem exspectaueramus, per campos omnes" discurrentem ui- 
dimus. qui Ill^ die"^^ ^os" obsederunt, et praedictum asylum''" 
phis quam centum eorum mihtes"^^ intrauerunt ac per portam'''' 
eiusdem asyli"^^ ad ciuitatem sub asylo"'" constitutam, nobis illis- 
que communem"", inrumpere uoluerunt. sed nos"" in aho monte 
exsistentes^" ipsi asylo opposito, uiam inter utrumque exercitum ad 
ciuitatem descendentem^^, ne ipsi nobis multo plures'" inrumperent, 
custodientes, et intus et extra nocte et" die bellantes% portas" 
asyli"" ad ciuitatem descendentes" intrare et ad castra compuli- 
raus remeare"'^^. cum ergo uidissent, quod ex illa parte^' nihil 
nobis"" nocere potuissent^^ ita nos ex omni parte circuierunt, 
ut''' nulh ex nostris exire" uel ad nos uenire potuerint''^'*; qua 



* rtc A. — ^ ad obsidendum G. — " cuius in ohsidione B G R; in mar- 
gine Cod. B legiintur: quantum autem ad secundam conclusionem de malis que in 
obsidione Anfiochie sunt perpessi etc. subiungit. — "^ bello B. — * summorum E. — 
*■ nobisj om. in A E. — ^ ab eis G; quam, om. ab illis A E. — ^ quam quos A. 

— ' m Antiochia ciuitate A ; in antiochena ciuitate E. — "^ omnibus bellis superatis 
A E. — ^ ex eorum prospero euentu fides Christiana exaltata est hoc modo G. - 
" mihi ipsam E. — " christi militibus A; ante diem parum, om. cum multis Chr/stD 
miliiantibus B G R. — ° s/c B G R. — '' atite B. — ^» resistente A. — "■ iulii A 
G R. — * om. ipsum B G R. — * Gratianum G. — " ciuitatem B. — ^ milibus 
B E. — "" om. et G. — " ac filios et familias A. — •' castrum G. — ^ nondum 
L. — ** crastinum G. — ^^ castrum G ipsum asilum A E. -- " multitudinem Tur 
corum E. — "^'* ad nos bellandum E. — "" omnes campos E. — " die tertia G. — 
'^^ n07i nos E. — ''^" castrum G; asilum praedictum E. — " milia B E L R; i^ysion 
asylum praedictum. plui^quam centum milia, om. adgredi usque eorum milites A. 

— '^^ portas A. — " ipsius castri G. — """ castro G. — "" coem B. — "" no< 
autem B G R; in marg. cod. B adscripta sunt: quantum uero ad tertiain conclu- 
sionem quqd nostrl Turcos qui urbem ijdrauerant expiderunt etc. subdit. — ^'' con- 
sistentes E. - '»•' plures deest B. — " ac B. - "' debeUanfes A E. — " ptr 
portas B. — "" castri G. — "' descendentes deest E. — "*" debellantes portam ad < 
uitatem descendtntem asyli intrare et a castra (sic) remeare compulimus A : r 
meare compulimus E. — ''"^ nocere nobis nihil E; om. nobis A B G R. — '^" qnou 
A B i:^ R. — " irc B G R. — " potuerunt B G R. 



XVI. — Epistula Boaraundi et aliorum principum ad Urbanum pap^m. .1^3 

x]e/ re ita desolati et adflicti omnes'' fiiimiis% quod fame et 
miiltis aliis" angustiis morientes ^^, equos' et asinos nostros fa- 
melicos interficientes, multi nostrorum' comederunt ^^. sed interim, 8 
clementissima Dei omnipotentis misericordia^ nobis subueniente 
et pro nobis uigilante, Janceam Dominicam", qua Saluatoris 
nostri iatus' Longini manibus perforatum fuit^^ S. Andrea apo- 
stolo cuidam famulo Dei ter reuelante, locum etiam'' ubi lancea : 
iacebat demonstrante^S in ecclesia beati Petri apostolorum prin- 
cipis inuenimus^'^. cuius inuentione' aliisque multis"' diuinis" re- 
uelationibus ita confortati et" corroborati fuimus''^^ ut qui antea*' . 
adilicti et timidi' fueramus, tunc ad proeliandum' audacissimi 
promptissimique alii alios hortabamur'*^. tribus igitur" hebdo- 9 
madibus' et quatuor diebus" obsessi^^ in uigilia apostolorum 
Petri et PauU^^ in Deo confidentes et' de omiiibus iniquitatibus 
nostris' confessi^', petentes' portas ciuitatis"% cum omni nostro 
belhco apparatu"'' exiuimus*^, et" tam pauci eramus, quod'*'* ipsi 
nos non contra eos pugnare" sed fugere adfirmabant"^''. nobis''° 10 
autem omnibus paratis et tam peditum quam militum''' certis 
ordinibus dispositis^^ ubi maior eorum uirtus et fortitudo", erat^^ 
audacter''" requisiuimus cum lancea Dominica", et a'"'" prima belli 
statione"" fugere eos" coegimus^^^. ipsi autem, ut mos eorum"'' 
est, undique se"' dispergere coeperunt et" occupando colles" et 
uias ubicumque poterant appetendo" nos girare"" uoluerunt ^^ quia '' 
sic nos" omnes"" interficere putauerunt'\ sed nobis" multis bellis 
contra eorum calhditates et ingenia edoctis, ita gratia Dei et mi- 
sericordia" subuenit^^, ut qui paucissimi ad eorum compara- 
tionem"" eramus^'-\ omnes illos in unum coegimus ^^vet coactos, 
--dextera Dei nobiscum dimicante'''. fugere et castra cum omni- 
L^us, quae in castris erant, reliuquere compuhmus^^. quibus uictis'""' 11 

■■p " qua re A E. — ^ omnes deest A E. — ' sumus A. — ^ aliis multis 
B G R. — * equas B. — ^ nostin E ; nostrum G. — ^ misericordia omiiipo- 
tentis Dei E. — '' dominicam lanceam A E. — ' qua latus lesu Christi E; qua 
latus redemptoris nostri Ihesu Christi A. — ^ et ipsum loctim, om. etiam E; et 
etiam ipsum locum A. — * inuentionem A. — "^ et muUis aliis A E. — 
" diuinis deest B. — " ac B. -/^ sumus A, — ** ante A. — " pauidi G. — 
~ hellum faciendum A E. — * hortabantur A; alios alii , cortabamur B. : — 
" igitur tribus A E. — ' hebdomadis A B G R. — "" diebus IIIP^ A. — " et 
deest A B G R. — • nostris iniquitatibus A. — "petentes deest B E R. 
— "'' portas ciuitatis petentes A. — "'' exercitu nostro bellico E. — "• et om. 
A; ad portas exiuimus ac E. — ^^ .ut A. — *" quod nos ipsi non nos pugnare 
contra eos E. — ^ affirmabat A, quod tbrtasse legendum est uel legi potest 
affirmahatnr ut infra qiii prius uocabant galilei. — " nos E ; in margine cod. B 
adscripta sunt: quantum autem ad quartani conclusionem quod perferentes lan- 
ceani domini imgnauerit etc addit. — '"'' peditibus quani militibus E. — " maior 
uirtus et fortitudo eorum E. — '''' audenter A. — " dominica lancea A E. — """ a 
deest G. — "" stationan A. — "" eos deest E. — ^"^ eorum mos A. — '''' se un- 
dique E. — " et deest B G R. — "' coUes occupando E ; om. occupando A. — 
" appetendo deest B G R. — "" gigare A. — " sic enim nos, om. quia G R. — 
"" omnes om. A. — "'' potuerunt G. — ''•" nobis autem, om. sed A. — ■ " grcitia 
et misericordia dei A: gratia Dei et misericordia ita B G R. — "'* ad compara- 
fionem eorum A. — *''''' dc uictis R G R. 



1(>4 XVI. — Epistula Bbeimmdi et aliorum principum atl Urbanum papam". 

lotaque die fugatis" et' multis eorum milibus' interfecLis '••', in\ 
ciuitatem laeti et hilares remeauimus"'. asylum autem supradic- 
tum*'^ admiratus" quidam''^ qui in eo erat cum mille liominibii-. 
Boemundo^'^ se' reddidit, et per ipsius maniim Christianae se fidei 
unanimiter subiugauit'^'^, et ita° Dominus noster'' lesus Christus 
totam ciuitatem Antiochiam' Romanae religioni ac' fidei manci- 

13 pauit. sed\ quia solet semper aliquod ' maestum interuenire laeti< 
rebus^^ ille Podiensis episcopus, quem tuum uicarium nobis coni- 
miseras<^^ peracto bello", in quo lioneste fuit, et pacificata ciui- 

13 tate<^^ Kalendis Augusti mortuus est<'\ nunc" igitur' filii tui com- 
misso' patre' orbati, tibi spirituali patri' nostro^'^ mandamus, ut 
qui hanc uiam incepisti" et sermonibus tuis nos omnes et' terras 
nostras et quicquid in terris erat relinquere fecisti, et cruce- 
baiulando' Christum sequi praecepisti ^*^ et Christianum' nomcii 
exaltare ^^ commonuisti, complendo quae hortatus es, ad nos ue- 
nias' et quoscumque poteris"^ ut tecum ueniant, submoneas. hinc"''- 
enim Christianum nomen sumpsit exordium. postquam" enim bea- 
tus Petrus in cathedra, quam cottidie cernimus, inthronizatus fuit '\ 
illi, qui prius uocabantur GaUlaei, hinc'" primum et principaliter 
uocati sunt Christiani ^^. quid igitur in orbe rectius esse uidetur, 
quam" ut tu, qui pater et caput" Christianae rehgionis exsistis, 
ad urbem'' principalem et capitalem Christiani nominis '^ uenias 

14: et bellum, quod tuimi proprium"" est, ex tua parte conficias? nos 
enim Turcos et paganos ^^ expugnauimus, haereticos autem, Grae- 
cos et Armenos, Syros" lacobitasque expugnare nequiuimus •", 
mandamus igitur et remandamus tibi'''''^ carissimo patri nostro, 
ut tu pater et caput" ad tuae paternitatis locum uenias ^^, et qui 
beati™'" Petri es uicarius, in cathedra eius ' sedeas et nos filios 
tuos in omnibus recte agendis oboedientes habeas, et omnes hae- 
reses, cuiuscumque generis"" sint, tua auctoritate et nostra uirtute 
eradices^o et destruas. et sic nobiscum uiam lesu Christi a nobis 
inceptam et a te praedicatam perficias et" portas etiam" utrius- 
que Hierusalem^^ nobis aperias et Sepulcrum Domini hberum" 



" insecutis E. — ^ et om. A. — * militibus L ; niilihus eorum E. — ** ami 
rabilis A ; sup7'ascriptum admirabilis E. — ' se deest B E R. — ^ rcddidit 
seque omnesque turcos qui cum eo erant per manum Boemundi subiugcmit A ; et 
per ipsius usque subiugauit desunt E. — ^ itaque B (i R. — '' noster deest 
G. — '■ om. ciuitatem B G R; ciuitatem Antiochenam E. — ^ et A. — ^ uerum 
A B G R. — "* semper solet aliquid E. — " laetis interuenire A E. — " bello 
peracto A E. — ^ in marg. cod. B adscripta sunt: quantum uero ad quintani 
et ultimam conclusidnem in qua hortantur dominum papam et quos praemisit uinti- 
ochiam sibi propriam subsequente adiungit. — *» ergo G. — ^ commissio L. — ' ^jafr« 
commisso A E. — ' patre A. — *" incepimus B. — " om. et A E. — '' crucein 
E. — ^" baiulado A. — *' X'ani B. — ' uenias deest A G l^. — "' polis X- 

— ^^ hic A. — " nam postquam B G R. — '^'^ Hlh (i. e. hi cantra uel hincy 
primum, om. et A; hic primum Y.; primum hinc B G R. — *" quani om. A. — 
* caput et pater B. — ^^ m-be A. — '"'' om. proprium B G R. — " atque Sijros E.^ 

— ^^ tibi hoc G, -- " om. et caput B. — """ sancti A E. — "" Fetri A; sancti 
Fetri E. — "" gentis E. — ^^ perficias ^^ om. A B G R. — ""' efiam portas K, 

— " libm B. 



XVII. — Epistula cleri et populi Luccensis ad omnes fideles. 165 

atque Christianum nomen super omne nomen* exaltatum ^^ facias, 
si enim ad nos ueneris et uiam per te inceptam nobiscum perfe- 
ceris, totus mundus tibi oboediens erit. quod ipse te" facere fa- 
ciat, qui Deus uiuit et regnat' in saecula saeculorum. amen". 

Mihi^^-^ quidem relatum est unum, quod ualde Deo omnibus- 15 
que Christicolis contrarium est, quod signati sancta cruce a te 
hcentiam habeant inter Christicolas morari '^^. quod multum miror, 
quia tu inceptor sancti itineris cum sis, ditferentes sanctum iter^^ 
ii te consilium uel aliquid boni habere non debent, nisi coeptum 
iter adimpleant. et non est nobis opus, ut bonum quod coepisti 
disturbes, sed etiam tuo aduentu et omnium bonorum uirorum, 
quoscumque poteris adducere tecum, nos corrobores ^^\ decet enim, 16 
ut nos Dei auxilio tuisque sanctis precibus adquisitores totius Ro- 
nianiae^S Ciliciae^^ Asiae*^^, Syriae te habeamus post Deum 
adiutorem et subuenientem. tu uero nos filios per omnia tibi 
oboedientes, pater piissime, debes separare ab iniusto impera- 
tore'^^ qui multa bona promisit nobis, sed minime fecit. omnia 
enim mala et impedimenta quaecumque facere potuit, nobis fecit'-^i. 

Haec charta fuit scripta die XI intrante Septembri" indic- 17 
lione IV'>2. 



XVII. 

Epistula cleri et populi Luccensis ad omnes fideles. 

(Scripta Luccae anno 1098, mense Octobri). 

Cod. rnscr. Parisiensis bibl. Mazarinae, H 1710 (olira 1345), fol. 72»— 73», 
jquo epistulam edidil comes Riant (Archives de 1' Orient latin I, p. 223 

_ Primatibus ^ archiepiscopis. episcopis, ceterisque rectoribus ac 
«niuersis ubique terrarum Christi fidelibus, Luccensis clerus et uni- 
uersus popuhis ^, pacis plenam et gaudii salutem in Domino. 

Ad laudem et gloriam redemptoris Domini nostri lesu Chrisfi, 
quae ab ipsis rei actoribus ^ uere et fidehter accepimus, cunctis 
uere et fideliter notificamus, quo tempore, quanto cum triumpho, 
fratribus nostris, propugnatoribus ^ suis, potentissima Christi dex- 
iera '' post laborem et pericula de paganis plenam dedit uictoriam. 
ciuis quidam noster, Brunus ^ nomine, cunctis nobis notus, cunctis 
carissinms, anno ante hunc praeterito, cum Anglorum nauibus ^ 
ad ipsam usque peruenit Antiochiam ^ ubi laboris comes '^ et pe- 

" nomen deest E. — ^ te om. A. — ' qui uiuit et regnat Deus G. -- 
hic finiunt B G R; A add. scripsi scripta XI. die intrante mense Septemhre; 
leliqua desimt. — " septembrio E. 



166 XVII. — Epistula cleri et populi Luccensis ad omnes fideles, 

riciili, triumphi particeps et gaudii, pugnauit cum pugnantil)us, 
esuriit cum esurientibus ^^ uicit quoque cum uincentibus et, post 
iam peractam ex toto'^ uictoriam, cum omnibus ibi per III sep- 
timanas conlaetatus, ad nos felici cursu rediit ^-. quem statuentes 
in medio^^ puram simplicemque rei ueritatem, liac ecce ipsiu- 
narratione accepimus: „cum peruenissemus Antiocliiam, nos, qui 
per mare nauigabamus, exercitus, qui per terram undique con- 
fluxerat, uix bene ciuitatem iam circumsederat ^^. sequenti die 
principes nostri procedunt ad mare uisitandi nos gratia. hortan- 
tur nos, ut ad construendas belli machinas copiosam lignorum 
conferamus materiami'^; quod factum magnum nobis fuit dis- 
pendiumi^. tertio autem Nonas Martii, id est prima die Veneris ^', 
statuunt nostri in occidentali porta ciuitatis castelhim erigere, 
iactu baihstae proximum, quod nunc beatae Mariae dicitur^^. ubi 
ipsa die, Turcis insurgentibus, ex nostris II miha LV, ex inimicis 
uero ceciderunt DCCC numero ^-K tertia autem die, erecto casteUo-'\ 
nostri usque III Nonas lunh^^ multa }ierpessi, fame deficientes et 
gladio, multa ibi exsudauerunt constantia ^^. ea autem die-^ hoc 
ordine capta est ciuitas: IV germani uiri nobiles de Antiochia 
II^ die lunii Boemundo et Rotberto Curtose ^^ et Rotberto Fland- 
rensi comite-^ ipsis tantum, ciuitatem promittunt se reddere-'-. 
hi uero communi omnium nostrorum consiUo nocte proxima, 
nescientibus Turcis, ad murum ciuitatis totum conduxere exer- 
citum^'^. cumque mane Antiochenses aperuissent portas, ut secun- 
dum promissum solos nominatos III principes reciperent, repente 
omnes nostri ingrediuntur communiter ^^. fit clamor maximus;^ 
fortia quaeque loca nostri, excepta summa arce, obtinent; Turcos, 
hos trucidant gladio, hos ruinant praecipicio ^^. postera autem die ^" 
innumerabilis adest Turcorum exercitus. statim portas ciuitatis 
omnes obsident: introitum et exitum nostris omnino prohibent: 
illos autem, qui ex nostris ad mare consederant, gladio et igne 
perimunt^^ ea autem uiuendi miseria et exeundi angustia magna^ 
fames nostros uehementer cepit adfligere ^'K hoc autem timore 
perterriti, comes Stephanus ^^ et Guilelmus ^^ cognatus Boemundi, 
et ceteri quamplurimi ^^ descenderunt Constantinopolim. inde qui- 
cumque hos ita discessisse audiebat, omnem exercitum perisse 
existimans, inceptam etiam dimittebat uiam ^^\ eis autem, quos in 
ciuitate fames attenuabat maxima, iam panis, iam etiam asinorum 
et equorum carnes et omne iam uiuendi deerat subsidium =^'. Do- 
minus uero pius et misericors ad horum gemitus, ululatus et la- 
crimas hac benignitate misertus est^^ erat namque quidam pau- 
perrimus et omnium fere abiectissimus, ProuinciaHs genere ^^ cui 
sanctus Andreas manifestissime apparuit, eumque tenens per dex- 
teram ad ecclesiam S, Petri perduxit et locum ostendens digito. 
ait: hic sepulta est lancea, qua uulneratus est in cruce 
pendens Dominus; uade ad principes exercitus Do- 
mini et dic eisquaeuidisti. trepidauit pauper iste et ire no- 
luit. secundo quoque commonitus iuit et uisum prodidit ^o. cauant 
fideles et inueniunt; gaudent, et certi de Dei misericordia Christum 



XVIII. — Epistula Dagoberti Pisani archiepiscopi ad papam. 167 

magnificant^i. indicto autem tfiduano ieiunio^-, instant oratio- 9 
nibus^^ confitentur quae male fecerant, et ecclesias discalciatis 
circumeunt pedibus^^. quo facto, uterque ad bellum adarmatur 
exercitus. in uigilia autem apostolorum Petri et Pauli'*^ inuocato 
Christi nomine, nostri de ciuitate exeunt*^. praecedit episcopus 
de Podio Sanctae Mariae, portans crucem et triumphalem Salua- 
toris lanceam^'; subsequuntur sacerdotes et multi clerici, albis in- 
duti uestibus^^. cumque sic ad campum processissent ad III fere 
milia, ecce uexillum admirabile excelsum ualde et candidum, et 
cum eo multitudo militum innumera*^ ac uentus pariter et puluis 
nimis^o q[ jn tantam fugam Turcos uertit, ut ipsa arma, ipsas 
etiam uestes fugitiui proicerent: et sic omnes, Deo dispergente, 
dilapsi sunt, ut nusquam nostris apparerent amplius^i-. res mira! 
neque enim unde uexillum, uel qui cum eo fuerint, alicui certum 
est. nostri itaque conligentes exuuias et infmitam praedam fu- 10 
gientium, ingressi urbem, magno exsultant gaudio. ipsa autem die 
tantam Dominus dedit eis alimentorum et ceterorum bonorum co- 
piam, ut autumno apud nos nec tanta sit abundantia^^. nunc 

Iiiero arcem ciuitatis''^ et omnem circa regionem libere possident 
^psque ad superiorem Nicaeam^^". 
^" Haec coram omnibus Brunus fideliter explicuit '''\ nos autem, 11 
fratres carissimi, omnes uos, qui praeestis populis^^, oramus et 
obsecramus in Domino, ut Christi uictoriam^^ uestris enarretis et 
explanetis filiis, admonentes et ad remissionem peccatorum iniun- 
gentes, ut quoscumque decet, exceptis pauperibus et mulieribus^^, 
et ire praeualent, fratres adeant^^. uos quoque deuote et adsidue 
psalmis et uigiliis instate et orationibus, ut, quam acturi sunt 
uiam per nationes barbaras, muniti tam bellatorum armis quam 
intercessorum meritis. tutam tranquillamque uitam agant^'^. notum 12 
quoque uobis facimus, quod dominus papa Urbanus apud Barum 
tenet concilium, tractans et disponens cum multis terrae sena- 
, toribus ad lerusalem profecto tendere^'^ ualete. 

l 

f^t Raimundi de S. Aegidii et uniuersi exercitus in terra Israel 
jL^ ad papam et omnes Christi fideles. 



XYIII. 



(Scripta Laodiciae anno 1099, mense Septembri). 



A " Cod. bibl. Ambianensis, Lescalopier 91 (5174), raembr. saec. XIL 

f. 1. — B = Cod. bibl. ree. Bruxeliensis 5652, membr. saec. XIII, f. 8—9. — 

I Bi =r Cod. bibl. reg. Bruxellensis 2699, membr. saec. XIV, f. 17^—18». — 

i B2 =r Cod. bibl. reg. Bruxellensis 4801, membr. saec. XIV, f. 161^— 164»>. — 

I € = Cod. mscr. bibl. Braidensis Mediolensis AE XII, 40, chart. saec. XV, 



1(^8 XVni. — P^pistula Dagobei-ti Pisani arcliiepiscopi ad papam. 

f. 40 sqq. — F ^ Cod. mscr. bibl. pul)l. Francofurtensls, S. Barthol. 41, 
membr. saec. XII, f. 246—247. — F' = Cod. mscr. bibl. pnbl. Francofurtensis 
104, membr. saec. XIV, f. 105^—106^ quo usi sunt Herold (Mariani Scoti (]hro- 
nicon cum Dodecliini continuatione, Bas. 1559, p. 457 — 460) et Waitz (Mon. 
Germ. SS. XVII, 17). — (r — Cod. mscr. bibl. Guelptierbytanae 1024, membr. 
saec. XII, f. 53 — 55, quo usus est Jaffe (Mon. Bamberg. p. 176 — 180). — 
M — Cod. mscr. bibl. reg. Monacensis. latin. 14830, membr. saec. XII, f. 178» 
— 179^. — M' = Cod. mscr. bibl. reg. Monacensis latin. 4594 (quondam Bene- 
dictoburanus 94) membr. saec. Xil, f . 36 — 36^; quo usi sunt Eccardus (Corpus 
hisl. med. aeui II pp. 253—256) et Jaffe (Mon. Bamberg. p. 176—180). - - 
P =r Cod. mscr. bibl. nat. Parisiensis, lat. 5507 (quondam Signiensis), membr. 
saec. XII, f. 107—110, quo usi sunt Martene (Thesaur. anecdot. I, 281) et Migne 
(Patrol. lat. CLXIII p. 448-451). — V = Cod. mscr. bibl. caes. Vindobon- 
ensis 398 (ius canon. 45), membr. saec. XII, f. 104—105, quo usus est Jaffe 
(Mou. Bamberg. p. 176 — 180). — Y' = Cod. mscr. bibl. caes. Vindobonensis 
427, membr. saec. XII, f. 1. -- T^ = Cod. rascr. bibl. caes. Vindobonensis 
701, membr. saec. XII, f. 148^—^. — ys = Cod. mscr. bibl. caes. Vindobon- 
ensis 2373, membr. saec. XIV, fol. 160i>— 161^. — Y* ^ Cod. mscr. bibl. caes. 
Vindobonensis 9779, chart. saec. XVI f, 1. — Z = Cod. mscr. bibl. monasterii 
Claraeuallensis Austriae iZwettlensis) 283, membr. saec. XII, f. 225 — 22 S- — 
a — Editio Heroldiana (Mariani Scoti Chronica cum Dodechini continuatione, 
Basil. p. 457—460). — t = Editio dom. Jaffe (Mon. Bamberg. p. 176—180) e 
codicibus G M^ V Z deprompta. — i^ = Editio Waitziana (Mon. Germ. SS. XVII 
p. 17). 

Domino" papae ^ Romanae ecclesiae'' et omnibus episcopis et 
uniuersis Christianae fidei" cultoribus'' - ego" Pisanus archiepis- 
copus ^ et alii episcopi' et° Godefridus" dux', gratia Dei" eccle- 
siae S. Sepulcri nunc' aduocatus^ et^Raimundus" comes" S.Aegidii 
et uniuersus Dei exercitus", qui est in terra Israel^, salutem et 
orationem \ 

Multiplicate' preces etorationes' cum iocunditate' et exsulta- 
tione'' in conspectu Domini, quoniam" Deus' magnificauit miseri- 
cordiam suam"*^ complendo in nobis ea', quae antiquis tempori- 
bus promiserat '^ ; etenim' cum capta Nicaea"^ cunctus'' exer- 
citus" inde" discederet", plus quam CCG milia armatorum'' ihr' 



— " Domino paschaliF' fx; Faschali, om.domino a; Exemplar epistule, quam 
post uictoriam transmise^nmt pi^incipes exercitus romano pontifici ante Domino P 
praemittit; anno domini 1100 actum est praemiltunt F F' V- V^; anno 1100 
actum est quod. sequitur a ; incipit epistula in passagio Godefridi etc. praemittit 
V-*. — ^ sanctae romanae ecclesiae G P i. — ' uniuersisque fidei christianae G P 
V V V* Z i. — '^ cultoribus ftdei cultoribus M. — " ego om. A B B^ B-' C F F^ 
M P V2 V3 V* a n. — ' et alii episcopi om.Y' a \i. — ^ et om. V Z. — ^^ G.B \*. 

— ' dux om. C G M* P V V* V* Z t. — "" dei gratia C. — ' nunc om. C M. 

— "" et om. F. — " i?. V*; Raimundus om. P; Regenmundus F V^ V^ a; Re- 
genmudus F^; R{egimunt) i. — ° reuercndissimus comes A. — ^ cum uniuerso 
dei exercitu G M' V V* V* Z t. — ** orationes M P F' fx; perpetuam benedic- 
tionem G ; et 07^9ttionem om. a. — "" midtiplicare C F F^ P V'-* V'' a |li. — ^ et 
orationes om. G M M^ V V Z i. — * iucunditate C P; iocunditeY. - " occulta- 
tionem M. — " quomodo a. — " Deus om. G M^ V V^ V^ Z i; c?" M. — " suam 
misericordiam B F F^ M P V^ V^ a fA.. — "" ea om. B'. — ^ quae promisit in 
(in om. G) temporibus antiquis GM^VV^V^Zt. — ^- uerum A. — ** nicena 
M*; Nycaea BK — ^^ ciuitate ABB^B^MP. — " etenitn exercitus capta 
Mcaea ciuitate C. — '^'^ inde deest G M^ V V» V-* Z x. — "' discesserat F^ a 
ft. — '^ armatorum deest B C P. — «^ illic G M' V V V^ Z i. 



I 



XVin. — Epistula Dagoberti Pisani archiepiscopi ad papam. 169 



11 

m 



fuerunt^, et licet haec tanta multitudo, quae" uniuersam Roma- 

niam occupare poterat, atque epotare'' flumina omnia" et pascere*^ 

omnes segetes una die posset ^^ tamen cum plenitudine tanta' 

onduxit eos Dominus, ut' de ariete nummus", de*^ boue uix XIP 

cciperentur ' 1 ^ praeterea etsi" principes et reges Saracenorum 

contia nos surrexerunt ', Deo tamen™ uolente" facile uicti et con- 

culcati sunt^^. ob haec" itaque*" feliciter acta, quia'' quidam in- 

tumuerant' ^^, opposuit' nobis Deus' Antiochiam", urbem' humanis 

uiribus inexpugnabilem ^S ibique" per IX' menses nos detinuit 

atque in' obsidione' extra^i^ ita humiliauit ^^, donec''" omnis 

superbiae nostrae tumor in humilitatem" recurrit^" ^^. igitur nobis 

sic humihatis™, ut in toto exercitu'' uix C boni equi'' reperiren- 

tur''" 1", aperuit nobis" Deus copiam suae benedictionis'''' et mise- 

ricordiae" et"'" induxit nos in ciuitatem"" ^^ atque" Turcos"^^ et 

omnia eorum'"' potestati" nostrae'' tribuit". cum"" haec quasi uiri- 

bus nostris adquisita obtineremus" nec"" Deum", qui haec" con- 

tulerat", digne magnificaremus'''^!^ ^^^^^^ tanta muititudine Sara- 

enorum'" obsessi sumus^^, ut**"'* de tanta"'' ciuitate nullus egredi 

uderef^^^l praeterea fames in ciuitate'" conualuerat""", ut uix ab 

umanis dapibus se continerent aliqui"'^^. longum est enarrare"'" 

iiiserias, quae in ciuitate fuere"'^\ respiciens autem Dominus"'"" 

opulum, quem tam""" diu flagellauerat^^ benigne consolatus est"""^^ 

, itaque'*''' primo"' quasi pro satisfactione tribulationis'"^^ 



* quae deest V V-*. — " epotare poterat P. — "= omnia flumina A B^ B- 

— '^ depascere B* C. — * tanta plenitudine B^; tanta muUitudine A B'. — 

multitudo uniuersam Bomaniam occupare (occuparet G), flumina epotare, segetes 

nnes una die depascere posset, tanta tamen (in, om. tamen V) plenitudine con- 

hixit uitae necessaria Deus wf G M* V Vi V* Z x. - ^' numus F ; minimus a. — 

('f (?<' B2 C F F' M P V2 a |Li. — " XII nummi A B^ — ' accipientur V». 

si B B' B2 C M P. — ^ surrexerint V^ a. — "" tamen deest A B B^ B"^ 

M P; tamen Deo uolente F F* V=^ a |li. — " unlente B*. — ° hoc a. — ^ qiii- 

lem F F' V- V 3 ci |u. — 'i quod A B-. — ' intumuerint k; intumuerunt B' M'. 

"" et opposuit A^ — ' deus orn. P. — ^" Antyochiam B' — " urbeoi om. F' a 

— " ibi G M V V» Z i; ubi V*. — ^ Vlll V^ V^. — ' menses detentos in 
Mi V V* V4 Z i — ' ohsidionem A C M P V^ V\ — "" eiusdem G M' V V* 
t: extra om. C. — - •'" t<i G M^ V V^ V* Z x. — " in humilitatem deest G 

V V V* Z 1. — '^'^ recucurrit B'; discederet \*; desineret G; desideret M' V 

' Z i; se uertit C. — ^^ donec omnis superbiae humiliatis om. F' a \x, 

^ exercitu nostro F F' V^ V^ a |li. — es ^q^i ^oni A B M' P. — "'' inueni- 

>entur C G M' i; reperientur V V». — " nobis om. G M' V Vi V* Z t. — 

benignitatis C. — " et misericordiae om. a. — """' et nunc etiam a. — "" nos- 

ue in ciuitatem induxit A G M' V V V"* Z i. — "" ad F^ a. — ^^ toj-reos F. 

''1 eorum omnia G M* V V V'* Z t. — " pietati V"». — '" nostrae potesfati C. 

" tradidit M. — "" cumque B' V. — "" teneremus F' a ^. — ""'" necdum Y*. 

'^'^ domini a. — " haec om. G M M' V Z i; haec nobis V' V'*. — " ohtulerat 

a |u. — *"=* laudaremus C. — ^^^ a om. G M' V V V* Z i. — "" saraceno- 

fum midtitudine A G M' V V^ Z t. — '^^'^ ita ut M. — "" tanta om. C G M^ 

V' V" Z t. — "^ uideret A; ut de ciuitate nostrorum nullus egrederelur C. — 

?Va, om, in ciuitate F' a \i; ita in ciuitate B CP V V^ V-' V* ; in ciuitate ita 

. — '"''^ inualuerat A ; ita inualuerat B'. — "' aliqui continerent B B^ B' C F 

M P V' V- V^ V* |u : aliqui abstinerent a. — '''''' enumerare V^ V-*. — '" fue- 

runt Bi B-' C a. — """■" deus A B' B'. — """ iam P; 7ta F F' V^ a |u. — '■"' con- 

)Iatur G Mi V V' V^ Z t. — ^^^ eos deest A G M' V V V^ Z t; noj C M 

— 'i'1'i «c G M' V V V* Z i. — "■■ primo deest B. — "'' turbatiinis A W, 



170 XVIII. — Epistula. Dagoberti Pisani archiepiscopi ad papam. 

lanceani snam, nuinns non uisum'* a tempore apostolorum, pig- 
nus uictoriae nobis obtuliL''^^. deinde corda hominum' adeo" ani- 
mauit, ut illis , quibus aegritudo uel' fames ambulandi uires ne- 
gauerat^ arma sumendi et uiriliter" dimicandi uirtutem infun- 

7 deret'^". deinde" cum triumphatis' hostibus-^^ fame et taedio 
exercitus deficeret"' ^^ Antiochiae et" maxime propter discordias 
principum^^ in" Syriam profecti^S Barram'^^ etMarram^^ urbes 
Saracenorum, expugnauimus et castella regionis' obtinuinms ■^', 
cumque ibidem' moram disposuissemus", tanta fames in exercitu' 
fuit", ut corpora Saracenorum iam fetentium a populo Christiano' 

8 comesta'' sint ^^. deinde" cum diuino monitu in' interiora Hispa- 
niae progrederemur' ^^, largissimam atque'"' misericordem et''" 
uictoriosissimam" manum omnipotentis "'' patris nobiscum habui- 
mus^*^. eteilim ciues et castellani" regionis", per'' quam procede- 
bamus, ad nos"'-^i cum multis donariis legatos" praemittebant, 
parati seruire"^" et oppida" sua reddere ''"^-. sed quia cxercitus 
noster non multus erat^^, et in Hierusalem"" unanimiter uenire " 
festinabant ^^ acceptis securitatibus tributarios eos*'' fecimus^% 
quippe cum'*'' de multis una"^ ciuitatibus, quae in'' maritimis illis 
sunt", plures"" homines haberet" quam in exercitu nostro fuis- 

9 sent^*^. cumque""^ auditum esset'' Antiochiae atque" Laodiciae" 
et"' Rohas'''^ quia manus Domini nobiscum esset"', plures'^'"^ de ex- 
ercitu, qui ibi'" remanserant% consecuti sunt nos apud Tyrum^', 
sic itaque Deo conuiatore et cooperatore'" nobiscum usque ad"'"' 

10 Hierusalem'" peruenimus^^. cumque in obsidione '''''' illius'" multum"""'" 
exercitus laboraret, maxime propter aquae inopiam'""^^ habito 



^ iniienhnus, om. muntis non nisum A; mnnus inuisum BB'B'-CFF*G 
M P V2 V3 a fi. — " contulit B^ F Fi V^ V"^ a |u; intulit C. — <= omnium M» V 
VI V^ Z X. — '^ ita B M P; deo annuente pro adeo G; a Deo B^ — " et B» B^. 

— ' uel VI V4. — 6 negauerant B^ — " contra hostes add. B B» B^ V» V--^ V» V'*. 

— ' refunderet C. — ^ inde G M» V V» V* Z i; denique a. — ^ triumphantis 
a. — '° deficeret exercitus B P a ; deficeret multum A M V^ V^ ; deficeret midtus 
C; deficeret exercitus multum E F» fx. — " et deest G M- V V* V"* Z t. — 
" in deest B'. — ^ uarram a. — *» regionum C. — " «&» B B* B^ F F» M 
M» P V^ V^ a ju. — ' disposuimus G M» V Z i. — ^ in exercitu fames B' B-, 

— " facta est C. — " christianorum C. — "^ iam comesta Y Y^ a \x, — '' denique 
F» a |u. — ^ in om. G. — "" ingrederemur F' a |u. — ^^ ac A. — '''' atque X^; 
et om. C M. — " uictoriosam B B' B^ C M P; uictorissimam V. — ^^ omnipo- 
tentis om. B'. — "" castelliani B. — "" regionis illius G M V V» V-^ Z i — " post 
G M. — • '"'' ad nos ora. A B B^ P. — " legatos (suos B^) cum multis donariis A 
B» B2. — ^^ seruire nohis F» a |u. — " opida B» P. — """ tradere \^ V*. — 
"" hierosolimam V». — "" uenire om. C G M' V V» V^ Z x; festinahant uenire B^ 
B2. _ pp trihutarias ms B' B^ F F» P V^ V^ V-^ a |i. — — ^^ cum om. G. — 
" ciuitatihus una V^; una om. hoe loco BK — "' ^e F F' V^ V^ a |u. — " fuit 
F. — "" una plures B*. — ^^ haherent V; quippe cum quaeque ciuitas eoruyn, qui 
in maritimis sunt, plures haheret homines C. — ""^ cum G. — '"' fuisset B' V^ V-*. 

— '^ et V4; atque om. B» V». — " lauditie B^. — "» atque B'. — ""^'^ atque 
Laodiciae et Rohas om. G M» Y Z i. — ""^ esset nobiscum C. — '^'''' plures quf 
VI. — «« ihi om. Bi B-'. — "^f remansit G M' V V V^ Z i. — -= conuiatorc et 
cooperatore Deo V; Deo cooperante B'. — ''''*' ad om. G M V Z i; Deo coope- 
rante usque ad a. — "' hierosolimam V. — '''''' ohsidionem B B» B"^ F P V». — 
"' eiusdem V^ ; om. illius F F' V=^ V* a |u. — '"'"'" multum om. C. — """ inopiam 
aquae Y^ a \u 



XVIII. — Epistula Dagoberti Pisani archiepiscopi ad papam. 171 

consilio^ episcopi et principes" circinandam' esse ciuitatem'^ nu- 
dis pedibus praedicauerunt", ut ille, qui pro nobis in^ humilitate*-' 
eam" ingressus est, per humilitatem nostram pro se ad iudicium 
de suis hostibus taciendum nobis eam' aperiret^^^. placatus itaque 
hac Iiumilitate Doniinus"^i, VIII^ die post humiliationem ' nost- 
ram'" ciuitatem cum suis hostibus" nobis tribuit% eo"* uidelicet die, 
quo primitiua ecclesia inde" abiecta fuit', cum festum de Disper- 
sione' Apostolorum a multis fidelibus' celebratur"^^. et si scire 
desideratis', quid" de hostibus ibi repertis factum fuerit''''^ scitote: 
quia' in porficu Salomonis' et in templo eius nostri equitabant* 
in sanguine Saracenorum usque ad genua equorum""/^^. deinde 11 
cum ordinatum esset, qui ciuitatem retinere deberent"''^ et ahi 
amore patriae et pietate parentum suorum*^" redire uoluissent'' ''^ 
nuntiatum nobis est*^, quod rex Babyloniorum Ascalonam" ue- 
nisset'" cum innumerabili" multitudine paganorum '''' ", ducturus" 
Francos, qui Hierosolymis""" erant, in captiuitatem et expugnatu- 
rus' Antiochiam: sic"° ipse dixerat'"'^^, aliter autem Dominus sta- 
tuerat'" de nobis". itaque cum" in ueritate comperissemus, exer- 12 
citum Babyloniorum Ascalonae" esse, contendimus"" obuiam ilhs^^ 
rehctis sarcinis et infirmis nostris" in"" Hierusalem cum praesi- 
^dio*'^. cumque exercitus noster et hostium se conspexissent "', ge- 
libus flexis" adiutorem" Deum"" inuocauimus^^i, ut, qui in ahis 
^nostris necessitatibus""" legem Christianorum '" confirmauerat""', in 
praesenti bello, confractis uiribus Saracenorum et diaboh, regnum 
Christi et ecclesiae a mari'" usque ad mare"' usquequaque di- ^ 



* concilio FF*MM'VZ a fx. — ^ episcopi et principes om. hoc loco V^. — 

circniundam P ; circumeundam a. — "^ urhem B C P. — ' episcopi et principe^ 

traedicauerunt V^. — ^ in deest F F^ V^ V'' |u. - ^ humilitate om. B' : 

jbis humiliter a. — *" in eam B'-'; ingressus est eam C. — ' eam om. G. — "^ Do- 

xinus hac humilitate F^ a |u. — * octauo (nono V^) i^ost hnmiliationem. nostram 

He (om. die G) G M^ V V^ V^ Z i. — "' nostram om. B F F^ M P V^ V^ |u; 

^nostram hiimilitatem B* B^; post humiliationem nostram om. C. — " post humili- 

Mtionem cum suis hostihus ciuitatem F* a |u. — " tradidit C; ciuitatem nobis tra- 

"lit, om. cum suis hostibus G M^ V V^ V* Z t. — ^ et F^; ea u. — '^ inde om. 

— " est C — ' diuisione B P. — *a multis fidelibus om. C a. — " celebratum 

st C; celebrabatur V^. — " uultis C. — * quid ibi C. — " fuerit ora. G. — 

quod ¥^ ^x; et si scire quia om. a. — ^ Salemonis M'. — ** equitabant 

)stri B^ B-. — '''' ad equorum genua a. — " deberent retinere B^ B-. — ^^ suorum 

leest M P. — •^" uellent C. — "" est nobis C F F^ G M^ V V^ V^ V^ Z a i |u. 

ad scalonem F V^ ; ascalonam C V ; ascalona B M. — ''"' est nobis regeyn 

iabglontae ascalonam uenisse a. — " magna C. — ^^ militum a. — " ducturum a. 

' in lerosolgmis B'; qui Hierosol. erant om. C. — "" expuqnaturum a. — "" si- 

mt G M^ V VI V^ V3 V* Z i |u. — "' dixit G M' V Z i. — "^ statuerat domi- 

is dominus M. — " Dominus de nobis statuerat B- F' V |u; de nobis dominus 

ituerat B ' V* ; sed aliter dominus de nobis statuerat, om. sic ipse dixerat a ; sic 

itur disposuerat, aliter autem dominus de nobis ordinauerat C. — '" dum B' B'^., 

" ascalc B^; ascalonem M F' ju; ascalone A B B^ G M' P W N^ V- 

Z X. — "" itaque conscendimus, om. cum in ueritate Ascalonae esse a^ 

— '" nostris om. a. — "^" m om. M — "" cumque hostes conspexissemus C. — 
•■ nostris B' — " adiutorem om. C. — ""* deum adiutorem V^. — '""' necessitati- 
bus nostris M. — "' christianam a. — '""^ confirmauerat christianorum C M. — 
•" mare a. — *"■ ad mare om. V. 



172 XVIII. — Epistula Dagoberti Pisani archiepiscoin ad papam. 

13 lataret^'^. nec mora: clamantibiis ad se Deus* adfnit" atque tan- 
tas' audaciae uires" ministrauit", ut, qui nos' in^ hostem currere" 
uideret', tbntem aquae uiuae sitientem ceruum seguem adiudi- 
caref*^^: miro' uidelicet ' modo, cum in exercitu nostro non plus 
quam" V milia militum" et XV milia peditum fuissent et in ex- 
ercitu hostium C milia equitum" et CCCC miha' peditum esse po- 
tuissent'"*. tunc mirabilis in seruis suis Dominus' apparuit, cum, 
antequam confligeremus ', pro solo impetu nostro hanc in fugam 
multitudinem" uertif'"' et omnia arnia eorum" diripuit, ut, si 
deinceps nobis repugnare' uellent', nec' haberent arma'', in quitjus 

14: sperarent'"'^^ de spohis uero non est quaerendum'^", quantum cap- 
tum sit, ubi" thesauri regis Babyloniae occupati sunt"''^''. ceci- 
derunt ibi" plus quam C milia Maurorum*" gladio°'^«. timor au- 
tem'" eorum tantus ernt, ut in porta ciuitatis ad II miha sufFocati 
sint"<5^. de his uero, qui in mari interierunt, non est numerus'^ 
spineta etiam"" ex ipsis multos" obtinuerunt '^ pugnabat certe 
orbis terrarum pro nobis"'" "^^, et"" nisi'"' spolia castrorum de nostris 
multos' detinuissent'"', pauci essent de tanta multitudine hostium", 

15 qui renuntiare potuissent de bello''. et licet longum sit", tamen 
praetereundum non est": pridie"" quam belhmi fieret"'^ multa 
miha camelorum et"" boum et ouium cepit""' exercitus '^. cumque" 
iussu principum''' populus haec" dimisisset"'"'^^, ad pugnam pro- 
grediens''"^ mirabile dictu, multas et multiplices turmas"' cameli 
fecerunt'"^^ simiUter'" et boues et oues*^'. haec autem-'' animaha 



* dominus Y^ \i. — ^ sic dominus adfiiit, oin. nec tnora: clamantihus ad se 
a. — ' tantum A B^ B^. — '^ uires om. Bi; nost7'is A B'. — * administrouit F^ 
jLi ; subministrauit M V^ ; tantas tribuit uires a. — ^ qui nos om. a. — ^ in ora. 
C. — •> incurrere G. — ' nidit B Bi B« C F Fi M P V'-^ V^ a |u. — "^ adiudi- 
/;auit B B' B2 C F pi M P V2 V3 a |n. — * e^ tniro V^ V*. - "' uidelicet corum 
V2. — " non ullra a. — ° equitum G. — ^ equitum militum M. — ** quadrin- 
genta milia P. — ' fuissent pro esse ijotuissent C. — ' mirabilis deus in seruis 
ifuis A G M^ V V^ V* Z i. — ' affiigeremus F; confligeremur V^ ; affiigeremur 
V3. — " multitudinem in fugam F F^ V^ V^ |li. - ' conuertit G M^ V V V* Z 
1. — ^ eorum arma V^ V* a. — " t-epugnare nobis B^ B-'; rebellare M' V i. — 

— uellent repugnare a. — " non A B^ G M^ P V V^ V^ V' V* Z i ; non cito a. — 
'' arma non haberent C. — "" in quibus sperarent om. a. — '*'' quaerendum om. M'. 

— " w< M'. — '^^ sunt occupati C. — ^^ itaque ibi A C G a i. — ^ niarorum F 
V V^ V*. a. — ^^ spoUa inaudita et thesaurum regis Bahyloniae ohtinuimus. ceci- 
derunt ihi Maurorum ultra C milia gladio a. — '''' sed et timor, om. autem C. — 
^' suffocarentur G; suffocati siint F^ V^ \i. — ^^ etiatn om. G. — " multos om. 
F^ a |u. — """ pro nobis orbis terrarum C F' jii; certe pro nobis deus, reliqua us- 
{\\\^ 'praetereundum non est om. a. — "" quod B- F' jli; et quod \\ — "" quod 
in F M. — P'' ohtinuissent F V^ V^ : detinuissent nndtos AGMVZai. — 
**'' hostium om. B^ B-. — " pauci essent qui renuntiare potuissent de hello de tanta 
nndlitudine hostium P; i^CLUci essent qui de multitudine hostium remintiarent, p>ossent 
dc bello loqui C — "' sit longum V' V"*. — " et nisi spolia .... non est om. a. 

— "" quod jy^f^idie B C P. — '' fieret bellum C. — '"" et om. C. — '"'' excepit B* B-. 

— "'' cumque om. a. — '■' ^^'^'^ncipuni iussu a. — " haec poptdus B P. — ^^ diui- 
.sisset F^ [x; dimisset V; dimisset et V; diuisit a. — ^^^ progrediens ad pugnam 
B'. — "^ turmas istoriun Y^ \i. — ^^'^ fecerunt cameli B' B-; fecerunt om. M. — 

"'" similiter autem V. — ""^ oiies et boues F F' V^ V^ ju ; cumque iussu et 

oues om. C. — ^«^ autem om. V; enim V*. 






XVIII. — Epistula Dagoberti Pisani archiepiscopi ad papam. 173 

nobisciim comitabantur ^ uV cum stantibus starent, cum' pro- 
cedentibus procederent , cum'^ currentibus currerent" '^. nubes 
etiam' ab aestu solis nos^' defenderunt*" et refrigerabant' ^'. ce- 16- 
lebrata itaque uictoria^^ reuersus est'' exercitus Hierusalem'^^ et 
relicto" ibi duce Godefrido"^^ Regimunt' comes S. Aegidii et 
Robertus" comes Normaimiae et Robertus' comes Flandrensis' 
Laodiciam reuersi sunt', ibi* classem Pisanorum et Boemundum"-^ 
inuenerunt^^ cumque archiepiscopus Pisanus Boemundum^ et do- 
minos nostros concordare fecisset " ^ ^ , regredi Hierosolymam" pro 
Deo et pro' fratribus comes' Regimunt" disposuit^^ igitur'''' ad 17 
tam mirabilem" fratrum nostrorum"' fortitudinis deuotionem^^ 
ad" tam gloriosam et" concupiscibilem '^'' omnipotentis"" retribu- 
tionem «^ ad" tam exoptandam omnium'"' peccatorum nostrorum" 
per Dei""" gratiam"" remissionem "" et Christi catholicae "' ecclesiae 
et totius gentis'^ Latinae inuitamus uos" exsultationem''^'^ et" — 
omnes episcopos et"" bonae uitae clericos monachosque" et om- 
nes"" laicos, ut ille uos ad dexteram" Dei considere" faciat, qui ui- 
uit" et regiiaf Deus""" per omnia'" saecula saeculorum. amen.'"''^^ 

Rogamus^*^ et obsecramus uos per Dominum lesum^^ qui 18- 
nobiscum semper fuif et conlaborauit et ex omnibus tribula- 
jtionibus nos eripuit, ut sitis fratrum'" memores'" uestrorum, qui 



» comitahantur nobisciim A G M.^ \ V^ \* Z i. — ^ ita ut B^ B\ — "^ et 
im A C G M^ V Z 1. — ' ad j^ugnam progrediens, muUas turmas istorum ani- 
talium comitahantur miraculose et stahant cum stantihus et currehant ciim curren- 
ius a. — ^ etiam om. F F' V^ V-' a |u. — ^ non V^ - - '' defenderunt nos a; 
Idefendit C. — ' refrigebant V Z. — ^ exercitus est a; om. est M P. — ' m leru- 
UaUm A B' B^ G M' V Z t. — "' relictoque a. - " 6^. M* V V Z; G. R. V*; 
iGodefredo duce B' B^ a. — " R. V \*; Regimunt om. B B^ B^ C F F' P V^ 
[V^ a. — p^ i^. V V-*; ruothertusY V^ ; Riiodhertus Z; rutpertusC; ruopertusY^. 
1— " Flandriae AGM^VZai. — ' peruenerunt G M' V Z i. — * ibique C. 
[ — " Boymundi V^ V ; Boemundi F F' a ju; Boiamundum hic et infra B B^ B^. 

J5. V'; episcopus Pysanus Boymundum V^; inuenerunt Boemundum 

[om. A. — ^" concordasset C. — "" Iherusalem regredi F^ ju. — •'' pro deest F 
"' G M M^ V V V2 V' V* Z a |u. - ' suis, om. comes F F^ G M^ V V^ V^ V* 
a t |Li. — "* J?. 6'. M' V V^ Z; Reimundus B; Regemundus F F'; regenmun- 
\dus V'' V^; rex Gotefridus G. - "^" et igitur V^ V''. — " ad igitur tam ad- 
[ini7'abilem F* [i; et igitur tam admirabilem a. — ""^ uestrorum A C F F^ M P V'-^ 
a. — •" ef G M' V V Z t; et ad B' B^. — «^ et tam B' B^. — «° tam con- 
lcupiscihUem et tam gloriosam G M^ V Z i; et concupiscibilem om. a. — '"'' Dei 
ladd. B B^ B2 C F Fi P VI V^ V* |u. _ " e^ G M' V V V* Z t. — '^" omnium 
lom. B' B2. — " uestrorum B B» C F M P V V^ V*. — "'"' dei omnipotentis V^ 
rV*. — "" pro dei gratia A. — °° remissionem om. M ; remissionem per Dei gra- 
\tiam C. — >'^ et V^ V^; catholicae om. C G M' V V Z i; catholicae Christi a, 

— '1'* gentis om. a. — " uos inuitamus B' B^ ; uos om. G M^ V Z t. — *' ad 
lexsultationem A a; exsultationem om. C. — " om. et V^ V*. — "" ac B'. — " et 

wnachos B B- F F^ M P V^ V» a |u; que om. C. — '*"' omnes om. B^. — " a 
-,tra B^; a dextris B". — " consedere B B' B^ F F^ M P V^ V^ a n. — " ^w*' 

liuit etc, om. et regnat . . . amen B'. — *="* hic finem habent V^ V^; reliqua 
desiderantur. — ^'^^ regnat cum [Deo B B^ P: domino M] patre rn unitate S. Spi- 
ritus deus A B B^ M P. — '" 2)er omnia etc, om. saecula saeculorum amen F' |li. 

— ^^^ qiii uiuit Amen om. C; deus amen om. M' V Z; saecu- 

lorum amen om. a; hoc loco add. A: capta est contricti sunt; hic finem 

habent G M V Z i. — "' fuit semper M. — ^ fratrum sitis F' M a |li. — ^sg fne- 
mores fratrum B^ C. 



174 XIX. — Epistiila PaschaliB II ad archiepiscopos et episcopos Galliae. 

ad uos reiiertuntur, benefaciendo eis et soluendo debita eoruni •'", 
ut uobis Deus benefaciat et ab omnibus uos peccatis' absol- 
uat\''S ut in omnibus bonis", quae uel nos uel iili apud Deum* 
meruimus, parteni uobis Deus' concedat. amen'. 
19 Capta'' est'^^ autem" Hierusalem a Christianis' anno Domini 

MXCIX^ Idus lulii, feriae VI, indictione VII', anno III profectionis 
eorum -^^ primum eorum bellum'" fiiit apud pontem Farfar" flu- 
minis, in quo multi Turcorum interfecti sunt IX Kalendis Martii '^^ 
secundum bellum fuit apud Nicaeam" III Nonis Martii, in quo pa- 
gani a Christianis uicti sunt^\ tertium eorum bellum fuit IV Ka- 
lendis" lulii^" Antiochiae, lancea Domini nouiter inuenta eos prae- 
cedente. quartum fuit Kalendis lulii'^^. in Romania uero' etiam 
Turci deuicti' sunt. quintum eorum bellum" fuit Idibus' lulii^'*, 
quando post tricesimum nonum obsidionis diem" capta est Hieru- 
salem ^^. sextum eorum bellum' fuit IV Kalendis Augusti ^oo apud 
Ascalonam'' contra regem Babyloniorum, in quo C milia equitum 
et XL milia peditumi*^^ a paruo Christianorum exercitu uicti et 
contricti sunt". Deo gratias'. finit epistula'. 



1 



I 



XIX. 

Epistula Paschalis II papae ad archiepiscopos et episcopos 
et abbates Galliae". 

(Scripta anno 1099, mense Decembri). 

A = Cod. mscr. bibl. nat. Parisiensis latin. 1944, raembr. saec. XII, 
fol. 1. — B = Cod.- mscr. bibl. nat. Parisiensis, coll. Baluzii. Arm. II p. 5 
n'J 2, vol. 57, chart. saec. XVII, f. 424. - Edd. ^ Editioues: (BoLiquet) Rec. 
des Hist. des Gaules t. XV p. 20; Migne Patrol. lat. CLXIII, p. 43. 

Paschalis ^ episcopus, seruus seruorum Dei, uniuersis per Gal- ^j 
lias'"'- archiepiscopis , episcopis", abbatibus salutem et aposto- ■ 
hcam benedictionem. 



* peccatis uos B^ B^. — ^ uos absbluat ab omnibus ^>gt'ca/K-i a. — * bonis om. 
F^ a. — ^ dm M. — • Deus om. F' a ji. — ^ finit e])istula, om. amen P; hic 
finiunt A B C F F' M V2 V^ a |u. — ° capta est usciue uicti et contricti sunt 
hoc loco solum in B^ B^ leguntur. — ^ autem om. B' 13". — ' a Christianis ora. 
Bi B''. — " MXCVIII A Bi. - ' indicti07ie VIII W. — ■" bellum eorum BK — 
" fontem larfar A. — " nyceam B'. — ^ idus B'. — "^ ubi B' B-'. — ' uicti B'. 
— ' eorum bellum om. B^ — ' ydibus B* ; idus B". — " diem obsidionis B'. — 
" eorum bellum om. B*. — ^" Ascaloiiem B*. — '^ uicti snnt et contricti B'. — 
-' Deo gratias desunt A B^. — ^ ftnit epistula desunt A B'. — '^ l^dd. prae- 
mittunt : Epistula ad archiepiscopos et episcopos Galliae. — Eos infames haberi de- 
cernit, qui uoto adstricti Hierosolymitanae profectioni se subduxerant, uel qui ab 
obsidione Antiochena inglorii recesserant: eis uero qui, 2^f''(^<^i(^ uictoria, reuertuntur, 
sua restitui iubet. — ^^ Galliam Edd. — " episcopis om. A. 



XX. — Epistula Manasses Remomm arcliiep. ad Lambertum Atreb. episc. 175 

Omiiipotentis Dei miserationibus gratias debemus innumeras, 
quoniam temporibus nostris Asianam ecclesiam ^ Turcorum mani- 
bus eripere^ et ipsam Dominicae passionis ac sepulturae urbem 
Christianae rnilitiae dignatus est aperire '\ oportet autem et'' nos 
diuinam gratiam facultate, quam dederit^, subsequi et fratribus 
nostris, qui in illis Palaestinorum quondam seu Chananaeorum fi- 
nibus ^ remanserunt^ efficaciter subuenire. omnes ergo regionum 
uestrarum milites in peccatorum suorum remissionem uel' ueniam 
cohortamini^ ut ad illam matrem nostram Orientalem ecclesiam 
studeant festinare ^ ; eos praesertim, qui huius militiae uoto crucis 
signa sumpserunt, illuc properare compellite '-^, nisi paupertatis re- 
tineantur obstaculoi^: alioquin eos infames haberi decernimus ^^. 
qui uero de Antiochena' obsidione fide pusillanimi et ambigua ^^ re- 
cesserunt, in excommunicatione permaneant ^^, nisi se redituros 
certis securitatibus confirmauerint, porro fratribus, qui post per- 
petratam diuinitus uictoriam reuertuntur ', iubemus sua omnia re- 
stitui, sicut a beatae memoriae Urbano praedecessore nostro re- 
jniniscimini synodali definitione^' sancitum ^*. ita in oranibus agite, 
tita pro uestro officio studete", ut mater illa nostra' Orientalis ec- 
jclesia in statum debitum ^^, largiente Domino, communibus studiis 
(reibrmetur. 



XX. 

^pistula Manasses Remorum archiepiscopi ad Lambertum 
Atrebatensem episcopum. 

(Scripta Remis anno 1099, mense Novembri aut Decembri). 

A — Cod. mscr. biblioth. Atrebatensis 140, membr. saec. XVIf, f. 55. 
A' =- Cod. mscr. bibliotb. Atrebateusis 222, chart. saec. XVII, f. 24. ~ 
= Edit. Baluzii [Miscellaueorum lib. V p. 310; 2 ed. II p. 144] e codice quo- 
lam Atrebatensi, hodie deperdito, deprompta. 

Manasses, Dei gratia Remorum arcbiepiscopus ^ , Lamberto 
!onfratri suo, Atrebatensi episcopo -, salutem in Christo lesu. 

Notum uobis sit, frater carissime, rumorem uerum et gau- 

[diosum '^ in aures nostras nouiter peruenisse ^ quem non ab hu- 

[mana potestate, immo a diuina maiestate credimus descendisse •"', 

[Hierusalem "^ scilicet stare in excelso cum gaudio et iucunditate ^ 

[uam nostris temporibus a Deo suo tam gloriose susceperit : Hie- 

•usalem, urbs nostrae redemptionis ^ et gloria ^, gaudio gaudet in- 

* et om. Edd. — ^ remanserant Edd. — " remissionem uel om. B. — '^ coor- 
faiiiini A. — ^ antiocena A. — ^ reuertentur B. — ^ diffinitione B. — '' perstiidete 
B. — ' nostra iUa B. — ^ Hie7-osalem A A^ 



176 XXI. — Epistula Dagoberti ad omnes Teutonicae regionis catholicos. 

opinabili-', quia per laboreni et potentiam incomparabilem filio- 
rum Dei^^ a seruitute paganorum crudelissima deliberata" est. 
congaudeamus et nos, (juorum fides Christianitatis in speculo cla- 
ritatis aeternae istis temporibus'^ posita est. commoniti igitui', 
uocati et compulsi, non sohim per litteras domini papae Paschaiis'-. 
uerum etiam per preces humillimas Godefridi ducis ^ \ quem ex- 
ercitus Christi diuina ordinatione in regem subHmauit ^^, necnon 
et per domini Arnulfi supplicationes mellifluas", quem in patri- 
archum' Hierosolymitanae sedis unanimiter elegit " ^^, uobis man- 
damus caritate consimili i^', quatenus per singulas parochiarunr 
uestrarum ecclesias cum ieiuniis et eleemosynis indeficienter ^" 
orare faciatis, ut Rex regum et Dominus dominantium contra hostes 
Christianorum regi impendat uictoriam et contra sectas' et de- 
ceptiones haereticorum Patriarchae religionem et sapientiam ' \ 
mandamus pariter et per oboedientiam commonemus ^^ quatenus 
omnes, qui uouentes iter signum crucis super se fecerunt ^ ad pro- 
ficiscendum Hierusalem^^ ad subueniendum fratribus suis commi- J 
nando constringatis ^ S si uigent corpore et unde iter perficere pos- 
sint habuerint ^^. ceteros ^^ autem per praedicationes uestras so- 
lerter ac deuotissime monere ^^ ne cessetis, quatenus populo Dei 
subuenire non negligant, ut quemadmodum primi, ita et 
nouissimi denarium, qui promittitur laborantibus in 
uinea, pariter accipiant^^ ualete. 

Orate pro Podiensi episcopo ^^, pro Arausicensi episcopo-", 
pro Ansello de Ributmonte^^, et pro ceteris omnibus, qui tani 
glorioso coronati martyrio in pace defuncti sunt^". 



XXI. 

Epistula Dagoberti patriarchae Hierosolymitani ad omnes 
Teutonicae regionis catholicos. 

[Scripta Hierosolymae anno 1100, mense Aprih]. 

A — Cod. manuscr. biblioth. Uniu. Wirziburgensis (olim monast. Bene- 
dict. S. Stephani) M. p. th. p. 9 17, raembr. saec. XII, 4« f. 92—92. — R = 
Editio comitis Riant (Comptes-rendus des seances de 1' Academie de 1' annee 
1884 t. XII, p. 212—214). 

D[agobertus] ', Dei gratia patriarcha Hierosolymitanus, S. Se- 
pulcri adiutorum seruus, omnibus archiepiscopis, episcopis, princi- 
pibus atque omnibus Teutonicae regionis ^, scilicet cathohcis, sa- 
lutem Dei et benedictionem. 



* liberata a. — ** mellifluus A. — ■ * patriarchatum a. — '^ elegerit A A^ — 
• parichiarum A; parachiarum A*. — ^ sextas A. — '^ fecerint A A^ — • '' D. A 
D[aimhertus] R. 



XXI. — Epistula Dagoberti ad omnes Teutonicae regionis catholicos. 17 7 

Multa uobis, dilectissimi nobis in Christo fratres, scriberemus 
de magnis et stupendis miraculis innumerabilibusque beneficiis, 
quae larga Dei bonitas [i]n " exercitu Hierosolymitano ^ siue in 
ipsa uia, siue in capiendo sanctam [Domini] " Dei ciuitatem Hieru- 
salem frequentissime declarauit*. sed fratris istius, Arnulfi^ no- 
mine, perita facundia, qui omnia haec uidit, audiuit, per omnia 
adfuit, sufficienter uestrae benignitatis auribus per ordinem nar- 
rabit omnia. confidimus autem de uestra, inspirante Domino Deo, 
largitate^, sufficienter succurrenti in omni iusta et necessaria pe- 
titione, quod scilicet, quanto cognoscitis sanctam Hierusalem in 
maiore ^ propter excellentiam sanctitatis maximae omnium loco- 
rum ^ undique a paganis gentibus et incredulis esse oppressam ^ 
tanto est maior ratio et maior spes maximae utilitatis ^^ omnibus 
succurrentibus illi tam sacratissimo et salutifero loco in hoc tem- 
pore et articulo mirandae necessitatis et periculi ^^. capta etenim 
in brachio dexterae excelsi sancta ciuitate Hierusalem ^^ occisisque 
tam in longa eius obsidione ^^ quam etiam intra post mirandam 
ipsius capturam milibus Saracenorum et Turcorum plurimis ^*, 
multi non longe post recesserunt in propria i-"' ; reliqui, qui uel 
usque ad sanctum Domini Pascha ^^ in Hierusalem et in aliis mu- 
nimentis, quae Dei magna nobis semper comes pietas in mani- 
bus nostris tradiderat ^^ remanserant, cum Pisanis et Anghs in 
eorum deuecti nauibus et maxima parte recesserunt i^. reliquos 
uero, quos uix retinere potuimus, magnis stipendiis et donatiuis 
conducimus ^^, ut donec Deus nobis de uestra gente et lingua La- 
tina 20 adiutores mittat, defendant' Hierusalem^S Bethlehem^^ 
lopem 23, Tabariam ^^, Samariam ^^, castrum Sancti Abrahae ^^ et 
Ramas2 7^ beati martyris Georgii sacratas, et alia insuper muni- 
menta^^. et quoniam Dei mandatorum, fratres carissimi, estis 
cultores et amatores probatissimi, festinanter de magna quam 
uobis Deus supra omnes gentes dedit opulentia ^», pro uestra om- 
nium salute, Deo, cuius sanctuaria iam sunt in destructionis pe- 
riculo^^ succurrite! quia sine uestro et aliorum bonorum uirorum 
auxiho [stipendia quae sohiere promisimus]^ prout expedit, mini- 
strare et explere non possumus. quod autem [ad nos mandare]' 
uobis placuerit, per fideles et uobis probatos uiros cum dinu- 
mera[tione facta in authenti]co^ scripto nobis^ mittite^^' 



' . . » (membr. lacerat.) A ; [ijn R. — ^ menibr. perforat. et lacuna 6 fere 
litter. inA; dominus coniecit R. — ' (gui) defendant R; cf. annot. 21. — ^ sti- 
pendia quas soluere promisimus coniecit R ; in membr. A 4 uerba uel 5 prorsus 
euanuerunt. — " ad nos mandare coniecit R; sic legendum uidetur. — ' . . [tione 
facta in authenti] coniecit R ; in mscr. A litterae inter dinumera et co non di- 
noscuntur. — ^ scripto nohis R; sic fortasse legendum. 



Hagenmeyer, Epistulae et CLartae. 



178 XXII. — Epistula Paschalia II ad crucesignatos in Asia triumphantes. 



XXII. 

Epistula Paschalis II papae ad omnes crucesignatos in 
Asia triumphantes. 

(Data Romae 28. die mensis Aprilis, a. 1100). 

A = Cod. Vatic. 3832 fol. 199^, cop. membr. saec. XII. — E = Edi- 
tiones: Baronius, Annal., ad annum 1100, n» 28; — Baronius, Annal. cur. Mansi 
XVIII 124 : — Labbe, Concilia X, 622 ; — Mansi, Conciliorum noua et ampl. 
collectio XX, 979; — Cozza a S. Laurentio, Hist. polem. de Graecorum schis- 
mate II, 230 ; — Migne, Patrol. lat. CLXIIL 42—43 ; — W^atterich, Vitae pon- 
tif. Rom., II, 18—19. 

Paschalis 1 episcopus, seruus seruorum Dei, uniuersis* fratri- 
bus siue filiis, episcopis, clericis, proceribus, militibus et omni 
populo militiae Christianae ^ in Asia triumphantis, salutem et 
apostolicam benedictionem. 

Quod per prophetam populo suo Dominus pollicetur, impletum 
uobis agnoscimus ^' : inhabitabo, inquit, in eis et inambu- 
labo cum eis'^ quia per fidem in uestris pectoribus habitat et 
per operationem ita inambulat, ut patenter in uobis inimicos suos 
expugnasse uideatur. renouauit nimirum'' Dominus antiqua mira- 
cula, ut in uno.mille et induobus dena^miliaperse- 
q u e r e t u r ^, etiam ' armis, sacerdotalium ^ precum tubis ^ inimica- 
rum urbium moenia aperiret. illud uero quanti gaudii, quanti" 
potest'' miraculi aestimari'^ quod sacrosancti lateris sui uulnera- 
tricem " lanceam ^ et uiuificae crucis partem ^ uestris oculis re- 
uelauit, uestris tractandam manibus obtulit! quantas super his 
redemptori nostro gratias debeamus, nec humanus animus opi- 
nari' nec lingua praeualet enarrare. uidemus enim Christianae 
fidei hostes, Christiani populi oppressores "" per diuinam misericor- 
diam manu uestra partim contritos partim diu " possessis regioni- 
bus effugatos '-> ; uidemus Orientalem ecclesiam post longa captiui- 
tatis tempora magna iam" ex parte ad antiquae"' hbertatis gloriam 
redisse^^io. dicendum igitur*'' ore, dicendum corde: gloria in al- 
tissimis Deo, et in terra pax hominibus bonae uolun- 
tatis i^ orationi etiam uigilantius'' insistendum, utquod coepit 
adimpleat^^ et manus uestras, quas hostium suorum sanguine 
consecrauit, immaculatas usque in' finem adfluentissima' 
pietatei^ custodiat. quapropter agite, filii in Christo deside- 
ratissimi*, rememoramini, quanta pro amore Domini reliqueritis ^S 



' uenerdbilibus E. — ^ in uobis cognoscimus E. — * cum eis om. A. — ^ enim 
E. — • decem E. — ^ et his ecclesiae E. — ° sacerdotum E ; qua sacerdotalium A. 

— ^ quam potentis E. — ' aestimatis E. — ^ sanguine criientem, om. sui uulnera- 
tricem E. — ' opinatur E. — '" oppsores A. — " <' diu B. — ° iam deest E. 

— "' antiquam E. — ** rediisse E. — ''' ^ A. — "^ et uigiliis E. — " ad E. — 
• affluentes firma E. — ' desiderantissimi A. 



XXII. — Epistula Pasclialis II ad crucesignatos in Asia triumphantes. 179 

<jiianta pro fratrum salute et ereptione ^^ pericula subieritis ^^: 

patriam, domos, parentes posthabuistis, uosmetipsos exsilio ad- 

dixistis", morti opposuistis; curate nunc ad meliora semper 

tendere^^ pacem in'' omnibus conseruare^^ ut possitis 

ad aeternam pacem Domini misericordia peruenire. plurima uobis 

per chartam et atramentum signifiicare' supersedemus ^^ quoniam 

ex apostoUcae sedis gremio carissimum fratrem Mauritium"'^^ Por- 

tuensem"' episcopum destinamus, ut, qui per beati Petri uicarium, 

sanctae in Christo memoriae praedecessorem nostrum Urbanum", 

tanti peregrinationem itineris adsumpsistis , beati Petri semper 

solatiis' abundetis et quem ^i fundameritum tanti operis habuistis, 

ipsum usque in° fmem caput in fide et oboedientia teneatis. uices 

etiam nostras eidem fratri Mauritio" et coepiscopo' commisimus, ut 

eum in omnibus reuerenter excipere, audire et per ipsum nobis, 

immo beato Petro, obsequi debeatis. cui nimirum in praeceptis de- 

dimus, ut ecclesiae, quam per uos Dominus liberauit, seu" libera- 

turus est, ordinationi uigilanter immineat'"^^ si qua' minus cano- 

ncis reguUs apta reppererit, corrigat^s et in eisdem"" cum uestro 

luxiUo plantanda plantet, aedificanda aedificet. hortamur itaque 

lortantesque praecipimus, ut ei, tamquam personam nostram prae- 

ferenti, omnibus rationibus oboedire" curetis. omnipotens Do- 

inus et uelle et posse in uobis omnibus' operetur''^^, 

it quae eo auctore facienda cognoscitis, ipso adiuuante impleatis. 

ipse uos ab omnibus peccatis absoluat^^ et exsiUo uestro patriam 

leternam retribuaf*. 

Datum Romae IV. Kal. Maii'-^ per manum lohannis diaconi^?. 



XXIII. 

Epistula Paschalis II papae ad consules Pisanos. 

(Data Romae a. 1100, intra dies Aug. 14.— 25.). 

Ex uetusto, nunc deperdito cod. mnscr. bibl. regis Galliae exscripta, a 
[arlinio (Theatr. basil. Pisan. p. 142) et dal Borgo (Raccolta di diploroi Pisani 
►. 83) edita. 

Paschalis episcopus, seruus seruorum Dei, carissimis fiiiis 1 
nostris Pisanis consuUbus ^ salutem et apostoUcam in Domino bene- 
dictionem. 



^ aodixistis A. — ** cum E. — * significare per chartam et atramentum E. — 
° .M. A. — '^' Tortuensem A. — * .Ur. A. — ^ solatiis semper E. — ' quoque ad 
E. — ^ .M. A. — ' episcopo E. — ^ sed E. — ^' inmineat in A prorsus euanuit. 
— ^ quae si E. — "" eisdem paene exstinctum in A. — " in omnibns obedire, 
om. rationibus E — " omnibus om. E. — ^ sic legendum uidetur in A ; tri- 
biiat E. — 1 tribuat E. — ' quarto nonas maii, indictionis octauae E. 



12^ 



130 XXIII. — Epistula Pasclialis II ad consules Pisanos. 

2 Gloria iri altissimis Deo et in terra^ uoces iubila 
tioiiis ac laetitiae undique resonare non desinant, quia pius acr 
misericors Dominus magnificauit plebem suam in sanctuario suo '\ 
ex quo, tamquam perenni fonte, salus, uita et resurrectio nostra 

3 promanant atque indesinenter bona cuncta procedunt*. lacrimis^ 
denique finem imponamus, nec dolor ultra dominetur nobis, quia 
Dofflinus misertus est nostri et consolatus est nos in tribulation 
nostra''; etenim Christianus populus in nomine Domini exercitnunv 
congregatus atque Syriam uel potius Terram promissionis ^ in- 
gressus , sanctam anno iam praeterito ^ ciuitatem, terrestrem '^ 
nempe lerusalem, urbem equidem perfecti decoris et gaudium uni- 
uersae terrae^, in qua praestantissima redemptoris nostri monu- 
menta refulgent, a barbarorum ^^ tyrannide et iugo strenuissiine 
uindicauit atque plagas illas, lesu Christi sanguine et praestantia 
sanctificatas, pristino cultu, maiestati ^^ decori atque uenerationi^ 
Deo aduiuante i^ restituit; unde Christianus orbis exsultat in lae^ 
titia atque laudare Dominum cum gratiarum actione nobiscum 
cottidie non desinit. 

4 Gloria item in altissimis Deo, et in terra^^ uobis^ 
dilectissimi fihi nostri, gaudium in Domino sempiternum, quia uos 
de pretioso Christi sanguine benemeriti, operi tam praeclaro tan- 
tpque illustri facinori manus adiutrices ac strenuas apponere pro 
posse studuistis ^^ apertissima interini ^^, ubi Christus passus et 
crucifixus est, uestrae pietatis, fidei, rehgionis ac rerum praeclare 
gestarum testimonia perenni quidem memoria dignissima rehn- 

,, quentes ^^. qua propter eximiam apud Deum et homines laudem 
reportare et patrocinium S. Romanae sedis fauorabile ^' promereri 

5 haud dubie uos dignos esse existimamus. ideo nos, qui ad eius- 
dem regimen, quamquam immerito, subhmati fuimus ^^, pastorahs 
etiam solhcitudo nostra postulat, ut ex tam alto culmine fihos 
nostros de praedicta sede benemeritos ^^ ocuhs benignissimis re- 
spiciamus, illorum uotis ^^ annuere propensius jn dies minime 

6 praetermittentes. quapropter uos, dilectissimi fihi nostri Pisani con- 
sules, ex oratoribus '^ ^ uestris a nobis benigne exceptis audietis, 
ac tandem ad uos cum apostolica benedictione atque beneuolen- 
tiae nostrae signis modo remissis, quanta soUicitudine Daiberti 
fratris nostri^^, iam archiepiscopi uestri et nunc ciuitatis Hierusa- 
lem patriarchae, partibus et incremento fauere^^ contra reprobum 
hominem Arnulphum nomine ^^ qui per simoniae labem in Hiero- 
solymitanam sedem intrudere sese praesumebat ^^ libenter sim 
paratus, facile percipietis et clarius cum effectu demonstrabimus: 

7i etenitn quotiescumque rumor iste^^ ex partibus illis ad aures us- 
que nostras peruenerit^^ ac requisiti, ut iudicium de hac re nost- 
rum proferamus, nos praeclara dicti patriarchae in Romanam se- 
dem merita atque exantlatos ab eo pro catholica rehgione labo- 
res^^ prae oculis habere atque sedulo animaduertere non prae- 

H termittemus^^. quod si forte non contigerit ^^ illum carissimo filio 
noslro nobih strenuoque uiro Gotefrido ^ ^ ahisque principibus 
Christianis adhuc in Syria et transmarinis partibus commoranti- 



XXIIL — Epistula Pasclialis 11 papae ad consules Pisanos. 



181 



i3us pro posse recommendabimus^-. quo circa^^ Dei ecclesias in 9 
Oriente ^* per uos atque censu patriarchae iam dicti restauratas 
atque quae nostra sententia sit, plane uobis oratores uestri signi- 
ficabunt; pietatem interim uestram exorantes, ut operi iam in- 
coepto magnam sane uobis et ciuitati uestrae gloriam atque ex- 
altationem adlaturo, fmem laudabilem imponatis ^^. ceterum legatis 10 
nostris primo lanuam, deinde in Sardiniam profecturis, si forte 
Pisanum portum attigerint^G^ ut eis auxilium uestrum, quatenus 
opus fuerit, exhibeatis, instanter postulamus, gratiam deinde nost- 
ram cum apostolica benedictione atque S. Romanae sedis patro- 
cinium uobis numquam defuturum pollicentes. 

Datum Romae pontificatus nostri anno secundo^^. 11 



Erla.titeru.ngen 



zu 



Epistulae et Chartae 

Mstoriam primi belli sacri spectantes quae supersunt 
aeuo aequales ac genuinae. 



I. 

Epistula Alexii I Komneni imperatoris ad Robertum I 
comitem Flandriae. 



(Geschrieben im Jahr 1088.) 



I 

^B 1. Das dem Briefe vorgesetzte V o r w o r t (Abs. 1—4) findet sich 
^ftur in 14 der angegebenen Codices, wahrend 1 derselben allein die 
^■Vorte Abs. i und 2 enthalt und in 23 anderen nichts vom Vor- 
^Horte zu lesen ist. OfTenbar riihren die langere und kiirzere Version 
^Bron einem, w^ahrscheinHch von 2 verschiedenen Kopisten und nicht 
^R^oni Verfasser des Briefes her. Vgl. a. HE. 346 und Riant, Epist. 
p. xUi. Ueber die Zeit der Abfassung dieses Vorworts s. n. 13. — 

Ih£. Das gloriosum Hierosolymitanum iter begann im Laufe des 
^lahres 1096. Wenn der Verfasser dieses Vorwortes die Zeit des 
€lermonter Concils mit einbegreift, was im HinbUck auf die Historia 
^^Jlierosolymit. des Robertus mon., auf welche in Abs. 3 Bezug genommen 
I^BFird, wahrscheinbch ist, so hat er den Anfang des Zuges ins J. 1095 
l^fcesetzt. Das 4. Jahr vor dem Beginn des Kreuzzuges ware sonach 
||Bas Jahr 1092 bezw. 1091. Nach unserem Dafurhalten wird aber 
' genauer Spatjahr 1088 anzunehmen sein, woriiber Naheres in der 
Einl. S. 37 mitgeteilt ist. — 3. Der ConstantinopoHtanus 
i m p e r a t o r ist Kaiser Alexios I Komnenos, welcher von 1 08 1 — 1118 
regiert hat, doch wird sein Name Alexios im Briefe selbst nicht ge- 
nannt, woruber zu vergl. n. 16. Naheres uber diesen Kaiser s. zu 
Einl. S. 32 ff. und zu IV, 3 n. 10; ebenfalls HE 24. 55; HG 112 und 
Krumbacher, Gesch. d. byz. Lit. 1. Aufl. p. 78 ff.; 2. Aufl. p. 1017 ff. - 
4. Der Brief ist also nach dem Kopisten, der dieses Vorwort verfasst 
hat, an alle fideles Christiani Latini (Abs. 13), als den Ghedern 
dieser abendlandischen Kirchen im Unterschied zu den Graeci 
Christiani, welche die Orientalis ecclesia bildeteii, gerichtet. 
Weil der Kopist den genannten Ausdruck „fideles Christiani Latiui" 
ini Briefe vorfand und die Adresse (Abs. 5) neben dem Grafen 
Robert von Flandern auch alle Fiirsten des Reiches, sowie Laien und 
Kleriker als die Empfanger nennt, deshalb hat er wohl denselben als 



186 Erlauterungen zu 1, 1 - 5. 

an alle abendlandischen Kirchen gerichtet, bezeichnet, was Riant, Epist. 
Alexii, p. XLII zu scharf urteilend als eine „bevue" bezeichnet; es 
handelt sich hier jedoch nur um einen vielleicht schiefen Ausdruck. 
Der Inhalt ist derselbe, ob es heisst „omnes ecclesiae Occidentales" 
oder „omnes fidei Christianae amatores". — 5. S. zu n. 14. 

6. Derselbe Ausdr. in baculo et pera auch bei Rob. 791 E. 
792 BD und 877 B. Vgl. a. HG 497. — 7. Der Verfasser dieses 
Prologs v^ill damit erklaren, weshalb dieser Brief besonders an den 
Grafen Robert gerichtet worden sei. Von der Begegnung Roberts mit 
Alexios und von des ersteren Reise nach dem heil. Grabe ist im Briefe 
selbst nirgends die Rede, dagegen wird dieselbe durch Anna Komnena 
und Guibert bestatigt (s. N. 14), durch welches letzteren Gesta diese 
Nachricht dem Verfasser zugekommen sein durfte, wenn man nicht 
lieber seine Mitteilung als durchaus spontan und von Guibert unab- 
hangig ansehen will. Die Begegnung Roberts mit dem griechischen 
Kaiser erfolgte im Spatjahr 1087 zu Beroea, denn dort hielt sich 
Alexios auf, nachdem ernach der Schlacht bei Drisdra im Sommer 1087 
dahin geflohen war; s. n. 14 und Einl. S. 30. 

8. S. Abs. 6. — 9. Solimannus ueteranus ist Suleiman I,^ 
der Aeltere, der Beherrscher von Rum. Rob. 764 f.: „qui totam Roma- 
niam abstulit imperatori (Alexio)". Er war ein NachkOmmhng Seldjuks, 
hatte von seinem Verwandten, dem Sultan Malekschah (1073—1092), 
die westlichen Landerstrecken Kleinasiens erhalten, eroberte Nicaea 
und regierte bis zum Jahre 1086, seinem Sohne Suleiman II, junior, 
seine Herrschaft iiberlassend, mit welchem letzteren die Kreuzfahrer 
Kampfe zu bestehen hatten. Vgl. HE 66 und HG 208. — 10. Ueber 
Suleiman II Kilidsch-Arslan, welcher von 1086 — 1106 regierte, vgL 
zu IV, 7 n. 37. — 11. Liber iste d. i. des Monches Robert 
Historia Hierosolymitana, welcher die Epistula Alexii in 36 Co- 
dices entweder vorangesetzt oder am Schlusse angefugt ist, von denen 
es wieder 14 Codices sind, welche als Einleitung des Briefes das ganze 
Vorwort Abs. 1 — 4 wiedergeben; s. n. 1 und EinL S. 10. Mit Recht 
folgert Riant, Epist. p. xlii, dass hier der Verfasser dieser Ueberschrift 
von der Historia Hierosolymitana Roberts als von einem fremden Werke 
rede und deshalb nicht mit dem Yerfasser der Historia, mit dem Monche 
Robert als identisch angesehen werden durfe. — 12. Das eine Mal 
wurde Suleimans Heer, welches den belagerten Nicaenern zur Hilfe 
zu kommen suchte, am 16. Mai 1097, das andere Mal am 1. Juli 1097 
bei Dorylaum in die Flucht geschlagen. Ueber beide siegreichen Kampfe 
hat in der Hist. HierosoL Roberts, Rec. 762 L auf Grund seiner Vorlage 
der Gesta Francorum und seiner eigenen Phantasie Naheres berichtet. 
S. a. HChr. n^ 152 u. 169. 

13. Aus den Worten semper habuerit und non formida- 
uerit muss gefolgert werden, dass diese Ueberschrift nach dem Tode 
des Alexios, also nicht vor dem Jahre 1118 geschrieben worden ist. 
welche Annahme iibrigens auch dadurch ihre Bestatigung erhalt, dass 
Robert seine Historia HierosoL, wie dies neuerdings Marquardt in 
seiner Dissertation : Die Hist HierosoL des Robertus monachus (1892) 
nachgewiesen hat, nur zwischen 1112 und 1118 geschrieben haben kann. 



Epistula Alexii I Komneni ad Robertam I comitem Flandrensem. 187 

14-. Dieser gloriosus comes Flandrensium Rotbertus 
hatte den Beinamen Friso. Er war der Sohn des Grafen Balduin V 
von Flandern und der Adele, der Tochter KOnig Roberts des Frommen 
von Frankreich (996 — 1031), und der Vater Roberts von Flandern, des 
Jungeren, welcher am 1. Kreuzzuge teilgenommen hat, vgl. Bouquet Rer. 
Gall. SS. XIV, 3 und Genealogia comitum Fiandr., ibid. p. 521; 
Iperius 574. Er wurde Herr von Flandern, nachdem sein alterer 
Bruder Balduin VI, der Nachfolger seines Vaters, im J. 1070 gestorben 
und dessen Sohn Arnulf III nach nur kurzer Regierung am 25. Febr. 1071 
in der Schlacht bei Cassel (Casletum), welche dieser und der mit ihm ver- 
biindete Philipp II von Frankreich gegen ihn, seinen Onkel, verloren hat,. 
gefallen war. Vgl Meyer von Knonau, Jahrb. d. deutsch. Reichs II, 59 ff. : 
Breysig, Gottfr. v. Bouill. p. 173, und Pirenne, Gesch. Belg. I, 112. Er re- 
sidierte in der Nahe von Brugge. Allem nach war er ein unruhiger, dabei 
energischer und gewaltthatiger Mann. In einem Briefe Urbans II vom 
2 Dec. 1092 in Rer. Gall. SS. XIV, 75, bei Migne, Patr. lat. CLI, 356, 
und bei Jaffe 5471 (4085), worin er ihn ermahnt, die ^uexationes" gegen 
den Klerus fernerhin zu unterlassen, bezeichnet er ihn als einen „miles 
strenuus'* und schreibt ihm am a. 0.; „memento, carissime fili, quantum 
omnipotenti Deo debeas, qui te contra uoluntatem parentum tuorum de 
paruo magnum, de paupere diuitem, de humih gloriosum principem 
fecit, et, quod maximum est, inter saeculi principes rarum, dote litera- 
rum, scientiae atque religionis donauit; eius igitur memor esto, qui te 
talem fecit, et omnibus modis elabora, ut tantis beneficiis non inueniaris 
ingratus". Einige Zeit spater beklagt sich der flandrische Klerus in 
einem Briefe an den Erzbischof Rainald von Reims, dass Robert trotz 
der Aufforderung des Papstes, die Kleriker nicht mehr zu berauben, diese 
ganz und gar ausser acht lasse und fortfahre, sie zu verfolgen: „qui 
nos tamquam leo conculcat et deuorat et tamquam draco serpentia 
astutia circumuenit", so dass ihm durch Concilsbeschluss erOffnet werden 
musste, wenn er nicht bis Palmsonntag 1 093 das Unrecht wieder gut 
gemacht haben werde, sein ganzes Land in Interdikt erklart wiirde: 
dies furchtend soll er Busse gethan haben. Der gut unterrichtete 
Guibert sagt von ihm p. 131 D: „quantum sagax in rebus belHcis, tantum 
perspicax et facetus in litteris". Er starb am 13. October 1093 bei 
Casletum (Chatelet) und liegt dort in der von ihm gegrundeten S. Peters- 
kirche begraben; vgl. Bouquet, Rer. Gall. SS. XIV, 76; Iperius 590 t 
und De Smyttere 86 f. Ein gloriosus comes wird Robert ausser 
in dem angegebenen Schreiben Urbans II schon in den Adressen der 
Briefe Gregors VII vom J. 1083 und 1084 genannt. nach Bouquet XIV. 
656. 661. 665; bei Jaffe, Reg. 5247 (3960). 5252 (3958). 5249 (3961): 
in anderen nobilis und nobilissimus, s. Jaffe, Reg. 5245 (3935). 
5248 (3959). Robert hat wahrend des letzten Jahrzehnts 
seines Lebens eine Pilgerfahrt nach Palastina gemacht, 
iiber welche wir eine sichere Nachricht von Guibert, von der Anna 
Komnena und aus unserem Briefe erhalten. Von Guibert, R. 246, er- 
fahrt man, dass Robert dieselbe 12 Jahre vor Beginn des ersten Kreuz- 
zuges (ante duodecennium quam proceres nostri lerosolymitanum ad- 
grederentur iter) d. i. im Jahre 1082 angetreten habe, und aus Anna 



Igg EiiSuteningen zu I, 5. 

Komnena VII, c. 6, ed. Bonn. I, 355, dass er auf seiner Ruckreise den 
Kaiser Alexios l)ei Beroea angetroffen und demselben eine Hilfstruppe 
von 500 Rittern zu senden zugesagt habe. Das .Jahr der Hin- und 
Riickreise Roberts nach Jerusalem ist bisher bald fruher bald spiiter 
angegeben worden. Wir glauben aber nicht fehl zu gehen, wenn wir 
die Begegnung Roberts mit Alexios in Beroea als im Spatjahr 1087 
erfolgt annehmen. Diese Annahme ist so gewiss richtig als es sicher 
ist, dass die Schlacht bei Drisdra nach der am 1. August 1087 statt- 
gehabten Sonnenfinsternis geschlagen wurde und Alexios nach dieser 
Schlacht nach Beroea geflohen ist (s. n. 7). Wenn Dieter in BZ. III, 
389 gerade den Passus der Alexias iiber des Grafen Anwesenheit in 
Beroea als von der Anna Komnena nicht am gehSrigen Orte erzahlt 
ansieht, so ist er im Irrtum. Er grundete diese Annahme darauf. 
<lass nach Riant (Alexii ad Robertum I epist. p. xxviii n. 3) Robert 
schon im Jahre 1084 auf seiner Ruckkehr Constantinopel passiert 
habe und im Jahre 1085 wieder von seiner Pilgerfahrt in seiner Heimat 
angekommen gewesen sei, „wir mussen also annehmen, sagt Dieter, 
<lass dieser Passus falschlich in das Jahr 1087 gekommen isf*. Allein 
diese Annahme Riants ist eben auch unerwiesen und sicher unrichtig. 
Riant grundet seine Behauptung auf eine dreifache Quellennotiz, nam- 
Jich auf die Mitteilung Guiberts, welcher davon rede, dass Robert fast 
12 Jahre vor dem Beginn des ersten Kreuzzuges seine Pilgerfahrt 
unternommen habe, sodann auf die des Breve Chronicon comitum 
Flandr. (im Recueil des Hist. de la France XII, 419), wonach Robert 
seine Reise auf zwei Jahre ausgedehnt, endlich auf das Datum 
einer Urkunde bei Miraeus, Opera diplom. II 1137, wonach Robert 
„anno 1085, indict. VIII, tempore Gregorii VII ^* eine Stiftung gemacht 
jiabe. Gregor VII ist am 23. Mai 1085 gestorben, sonach, folgert 
Riant, muss Robert vor dem Todestage Gregors wieder von seiner 
Reise zuriickgekehrt sein und, da er zwei Jahre unterwegs gewesen, 
im Jahre 1083 seine Reise begonnen haben. Doch man beachte, 
w^enn Guibert von Roberts Reise sagt, dass sie fast 1 Dutzend 
Jahre vor Anfang des ersten Kreuzzuges unternommen worden sei, so 
ist nach Guiberts Meinung keineswegs das Jahr 1083 darunter als An- 
fangsjahr der Reise zu verstehen: in diesem Falle wiirde Guibert, der 
das Concil zu Clermont nicht im Jahre 1095, sondern im Jahre 1097 
stattfinden lasst, nach welchem die erste Kreuzfahrt im Jahre 1098 
begonnen haben miisste, nicht „ante duodecenniumferme", sondern „ante 
quatuordecim annos" geschrieben haben. Was ferner die Urkunde bei 
Miraeus anlangt, so ist sie im Vergleich zu Guiberts und Annas Zeit- 
Ijestimmung fur die von Robert unternommene Reise ein Beweis dafiir, 
jiicht etwa dass Robert zu Anfang des Jahres 1085 wieder von seiner 
Pilgerfahrt zuruckgekehrt war, sondern dass er dieselbe damals iiber- 
haupt noch nicht angetreten gehabt und erst spilter im Laufe des 
genannten Jahres angetreten haben wird: und diese Annahme ent- 
ispricht auch allen alteren Nachrichten iiber Roberts Reise; keiiie 
einzige verzeichnet das Jahr 1083 als das Jahr des Reisean- 
Iritts und das Jahr 1085 als dasjenige der Riickkehr, wie Riant 
irrtiimlich ausgerechnet hat, sondern alle kennen nur das Jahr 1085 



Epistula Alexii I Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. j 89* 

oder eiii spateres als dasjenige, in welchem Robert seii/e Pilger- 
fahrt unternommen hat (ich verweise auf Chronicon Aldenburgense 
[ed. Malou 1840] ad ann. 1085; Iperius, Chron. S. Bertini bei Martene 
et Durand, Thes. nou. Anecdot. III p. 588 f.; Kervyn de Lettenhove, 
Histoire de Flandr. [1847] I, 305 f.; de Glay, Histoire des comtes 
de Flandre [1843] I, 215; Reiffenberg, Monuments pour servir a 
rhistoire des provinces de Namur, de Hainaut et de Luxembourg, Brux. 
1848, t. V p. XXVI u. 89; Rohricht, Die Pilgerfahrten nach dem heih 
Lande vor den Kreuzz., im Histor. Taschenb. v. Raumer, 5. Folge, 
5. Jahrg. [1875] S. 395), und wenn man dabei die Angabe des Breve 
Chronic. Flandr. in Betracht zieht, so stimmt dieses Jahr mit der An- 
gabe Annas aufs beste zusammen. Reiffenberg a. a. 0. p. 89 und 
Muralt, Chronogr. I p. 63, Iiaben zwar als das Jahr seiner Riickkehr 
das Jahr 1088 angenommen, aber ohne sicheren Anhaltspunkt, derjetzt 
dadurch gegeben ist, dass Dieter nachgewiesen hat, dass jene voii 
Anna Komn. erwilhnte Sonnenfinsternis nicht im Jahre 1088 oder 1089,- 
sondern am 1. August 1087 eingetreten ist, somit auch die Riickreise 
Roberts uber Beroea nur im Spatjahr 1087" erfolgt sein kann. Irrig^ 
aber ware es, wenn man den Bericht der Anna, wie Dieter thut, um 
einer unerwiesenen Annahme willen in ein friiheres Jahr verweisen 
wollte. Seinem Versprechen ist Robert laut Anna Komn. 1. VII, 8 p. 360 
auch nachgekommen. Nach Muralt p. 66 fand die Ankunft der flan- 
drischen Truppe bei Alexios stalt zwischen Februar und April 1091, 
nach unserem Dafiirhalten schon im Jahre 1089 (s. Einl. S. 37). An- 
zunehmen, dass Robert etwa im Jahre 1084 in Beroea sich aufge- 
halten und erst 1091 das dem griechischen Kaiser gegebene Ver- 
sprechen ausgefuhrt, ist darum nicht wohl zulassig, da die Zwischen- 
zeit zwischen dem Versprechen und der Ausfulirung desselben doch 
eine zu lange gewesen ware und widerspriiche auch den Angaben der 
Anna Komnena. Wahrscheinlich aber ist es, dass Alexios nach Roberts 
Heimkehr an ihn in der Angelegenheit der Truppenwerbung noch be- 
sonders geschrieben und unser vorliegendes, wahrscheinlich in Flandern 
selbst auf Grund eines Briefes des griechischen Kaisers fabriziertes 
Schreiben eine fiir die Oeffentlichkeit bestimmte Auffbrderung war, um 
die dem Alexios zugesagte Hilfsmannschaft zusammenzubringen, woriiber 
zu vgl. Einl. S. 36. Ueber Robert Friso vgl. man noch ausser den 
genannten Schriften: Vredius Hist.; Meyerus, Commentarii; Leo I, 22 ff.; 
Warnkonig, I, 122; Reiffenberg, Hist. du comte de Hainaut I; Le Glay, 
I, 215 f.; De Smet, Corp. Chron. Flandr. IV, 227; Kervyn de Letten- 
hove I, 17 — 26; S. Genois 244 f.; van Dole p. 72 ff . ; Giesebrecht 
III, 162 ff.; Floto I, 334 f.; Rohricht, Pilgerfahrten 395; Chevaher, 
Repert. 1960. 2798; Schmiele, Diss. Robert der Friese, GGtt. 1872; 
Pirenne, Gesch, Belgiens I, 111 ff. WarnkOnig und Schmiele unter- 
ziehen die Quellen einer nilheren Untersuchung. Eine Erzahlung liber 
ein Begegnis, das Robert Friso wilhrend seines Aufenthaltes in Jeru- 
salem gehabt haben soll, findet sich am Schlusse der Historia Mona- 
sterii Aquicinctini p. 592. Dieselbe lautet folgendermassen : „Ante duo- 
dennium fere quam proceres nostri lerosolymitanum adgrederentur iter^ 



j[90 Erlauterungen zu 1, 5. 6. 

Robertus Flandieiisium comes cum multis opibus lerusalem orationis 
gratia est profectus. qui cum aliquot diebus in eadem moraretur urbe 
desiderio loca sancta uidendi et ob sui munificentiam cognoscendi, 
plurima etiam quae apud gentiles fierent permitteretur habere licentiam : 
quadam die, uti ab his didici, qui famiharem inibi comiti praestiterant 
comitatum, uniuersi paene ciues urbis ad templum confiuxere Salomonis, 
et per uniuersum diem maxima ibidem habita contentione, ad sua 
tandem in uesperum diuerticula redierunt. hospitabatur tunc comes 
isdem apud aliquem grauioris aeui et expertioris ingenii uitaeque 
quantum ad eos sanctioris Saracenum, cui Seruus-Dei usitatius erat 
uocabulum. qui cum ab eo redeunte domum sciscitaretur, quid in ilio 
tam diu consedissent templo, ille respondit: ,, „Insohta,"" inquit, „„signa 
quaedam in ipsis stellarum cursibus recursibusque conspeximus, ex 
quibus certa admodum coniectura collegimus Christianos has in pro- 
uincias deuenturos nosque per proelia adsidua et frequentes uictorias 
deuincendos. quod tamen utrum ualde in posterum differatur an proxime 
lieri debeat, penitus nobis incertum est. ex ipsa tamen astronomia 
nouimus, quod ipsi, quibus superno gentem nostram iudicio superare 
et a natalibus horis amohri conceditur, idem postremo uincendi a nobis 
et ab ea quam usurpabant patria belio sint pellendi. cui caelesti iudicio 
ueterum sectae nostrae oraculorum passim ex quibusque uoluminibus 
statim lectio recensita concinuit, id ipsum aperta locutione testificans, 
quod iubar aethereum contexioribus signis innuerat"". ex hac historia, 
ut creditur, ortum est, quod a multis putatur lerosolynia ruitura. quod 
utrum uerum sit necne, Deus nouit". — 15. totum regnum d. i. die 
ganze flandrische Herrschaft, nicht — wie der Kopist des Briefes nach 
der von ihm gegebenen Einleitung zu demselben meint — alle Herr- 
schaften des Abendlandes bezw. die ganze abendlandische Kirche (s. n. 4). 
Die principes sind die iibrigen im Bereiche von Flandern sesshaften 
Fursten und Adeligen, deren es eine nicht geringe Zahl gewesen ist. 
Nach Riant, Epist. p. xv, sei der Ausdruck „omnibus totius regni prin- 
cipibus" eine zu vage Bezeichnung, denn man miisse sich fragen: bezieht 
sich dieselbe auf das frankische Reich oder das germanische Kaiser- 
tum? Allein wenn vorher der Graf von Flandern als der Empfanger 
in erster Linie bezeichnet wird, konnen nur mit dieser Bezeichnung die 
unter des Grafen Herrschaft stehenden Fursten imd Adeligen gemeint 
sein, und wenn der deutsche Uebersetzer unseres Briefes zu „regnum" 
die Worte „zuo Flandern" (Riant. Epist. p. xv u. 25) hinzugefugt hat, 
so hat er jedenfalls das Richtige getroffen, welclie Deutung sich von 
selbst ergibt. — 16. AIs ein nicht unwichtiges Moment gegen die 
Echtheit des Briefes miisste es angesehen werden, wenn man anzu- 
nehmen genOtigt ware, der Schreiber des Briefes habe den Namen de^ 
Kaisers aus Unkenntnis desselben ausgelassen. Doch ist es sehr wahr- 
scheinlich, dass die Weglassung des Namens als unwichtig angesehen 
worden ist, und wenn aucli der urspriingliehe Schreiber des Briefes 
den Namen Alexios gebraucht haben sollte, der Uebersetzer bezw. 
Ueberarbeiter sich an der einfachen Amtsbezeichnung hat genugen 
lassen. — 16^ Anstoss nimmt Riant, Epist. p. xv, an dem Gebrauch 
der Begriissungsformel in eodem Domino. welche sonst nirgends 



Epistula Alexii I Komneni ad Robertum I comitem Flauclrensem. 191 

iii den Briefen des Alexios zu finden sei — docli ohne triftigen Grund: 
denn warum konnte er nicht, wenn auch ausnahmsweise einmal diese 
Formel gebraucht haben, zudem er in abendlandischen Schriftstucken 
dieselbe so oft gefunden haben durfte? 

17. Ein consolator fidei wird Robert offenbar auch darum 
genannt, weil er dem Alexios Hilfe versprochen hatte; denn sonst hat 
er wohl dieses Pradikat allem nach keineswegs verdient (s. n. 14). 
In Abs. 15 nennt ihn der Briefschreiber einen Christianae fidei 
amator. — 18. „Das hochheilige Reich der griechischen Christenlieit". 
Die sanctitas war ein dem griechischen Kaiser zukommender Titel, 
und es wurde demgemass dieses Pradikat auch seinem „imperium" bei- 
gegeben; so legen sogar die den Briefen des Alexios an den Abt 
Oderisius I. von Montecasino beigegegebenen Absendungsnotizen (s. Riant, 
Epist. Alexii p. 43 f. und unten V, 4 und XI, 7) der Stadt Constantin- 
opel das Pradikat ^sanctissima" bei. Vgl. auch Liudprandi legat. c. 32, 
ebenfalls Ducange, Dissert. de Byz. numm. p. 11. Diese Bezeichnung 
verrat allerwenigstens einen mit dem byzantinischen Titelwesen einiger- 
massen vertrauten Verfasser, und diirfte der Ausdruck selbst auf ein 
griechisches Original zuruckzufuhren sein. Derselbe Ausdruck Graeci 
Christiani auch in Abs. 16. — 19. Pincinati, die Petschenegen, 
bei Anna und Zonaras riaT^ivdxai genannt, ein roher scythischer Volks- 
stamm, waren im X. und XI. Jahrhundert eine Plage des byzantinischen 
Reiches und trugen mit zu dessen Schwachung bei. Die ganze zweite 
Halfte der 80er Jahre des XI. Jahrh's. hindurch fanden Kampfe zwischen 
ihnen und den Griechen statt, woriiber Anna in lib. VII u. VIII aus- 
fiihrhchst bericlitet, welche dann am 29. April 1091 in der Schlacht 
von Lebunion im Miindungsgebiete der Maritza ihren Abschhiss fanden. 
Alexios selbst stand an der Spitze seines Heeres und fuhrte es in den 
Kampf. Nach einem schrecklichen Gemelzel, das fast den ganzen Tag 
hindurch wahrte, iiberwaltigten die Griechen ihre Gegner und trugen 
einen vollstandigen Sieg davon: die nicht im Kampfe gefallen sind, 
wurden gefangen genommen und in der Nacht vom 29. — 30. April im 
Lager, jedoch gegen den Willen des Kaisers, von den griechischen 
Soldaten ebenfalls niedergemetzelt. Von dieser Zeit an werden die 
Petschenegen nur noch als SOldnerscharen des griechischen Kaisers 
aufgefuhrt, s. Raim. de Ag. 236. 246; Ekk. Hieros. c. III, 3 und XXIII, 
3, 7. In unserem Briefe figurieren die Petschenegen als Feinde der 
Griechen — ein Beweis, dass derselbe jedenfalls in der Zeit vor der 
grossen Entscheidungsschlacht bei Lebunion geschrieben worden ist. 
Einen wichtigen Anhaltspunkt in Betreff der Abfassung unseres Briefes 
bietet gerade auch obiges Datum dieser Schlacht, welches auf Grund 
der Angaben Annas 1. VIII, c. 9 von Sybel in Gesch. d. 1. Kreuzz. 
S. 545 (463) erstmals genau bestimmt und von Dieter S. 386 als voll- 
kommen richtig erwiesen worden ist. Ueber die Petschenegen ver- 
weise ich noch auf Zonaras III, 149, 230; Le Beau 17, 380; Deguignes 
I, 643 ff.; Stritter III, 773—932; Suhm VII, 1—92; Sclilozer II, 450 — 
489; Riihs 316 ff.; Wilken, Rer. ab Alexio gest. 250; Kugler, Kom- 
nenen 301 ff.; Vasilievski. Byzanz und Petschenegen S. 325 ff.; Krause 
133, 156; Muralt 67; HE 71 f.; Hertzberg 234 ff. u. 271 ff.; Neu- 



192 Erlauterungen zu I, 6 — IC 

mann in BZ III, 374 ff. ; desselben Byzant. Marine S. 17. — 20. Auch die 
Turken- bezw. Seldjukengefalir war in den 70er und 80er Jahren des 
XI. Jahrhunderts fur das griechische Kaisertum stets eine grosse. Die 
seldjukischen Turken hatten am 6. Juni 1064 Ani, die Hauptstadt des 
byzantinischen Armeniens, ersturmt und den Osten des Reiches durch 
ihre Raubzijge heimgesucht: so litt im Jahre 1067 Mesopotamien,. 
Melitene, Syrien und Kappadocien unter ihren Gewaltthaten. Im Laufe 
der 80er Jahre fassten sie im Innern Kleinasiens derart festen Fuss, 
dass nur noch einzelne Kiistenstriche dem griechischen Kaiser ver- 
blieben sind. „Dabei unterlagen die christlichen Untertlianen allen den 
Plackereien, wie sie die fanatischen Muhammedaner tiirkischer Rasse in 
ihrer Roheit, damals iiber die Gegner ihres Propheten und iiber deren 
Kultus zu erlangen pflegten". Auch der Verfasser unseres Briefes 
weiss im folgenden davon Naheres zu berichten, besonders in Abs. 14. 
Vgl. hieruber auch Tabula Basilii p. 295 f.; Narratio Flor. p. 356 B: 
Hertzberg 274; HE 63 — 66 und Neumann, Byzant. Marine S. 14 ff. — 
21. Diese Worte hat Guibert 131 F (s. Ein. p. 12) in seiner Art wiedei-- 
gegeben: „porro de Catholicorum necibus frustra agerem, cum mortuis 
in fide uitae aeternalis uideretur instare concambium (Eintauschung des 
ewigen Lebens), superstites sub miseri iugo famulatus uitam agerent, 
ipsis, ut arbitror, mortibus acriorem." — 22. Auch Robert 727 f lasst 
Urban II tiber diese multa mala Naheres in dessen Clermonter 
Concilsrede mitteilen und hat dabei, wie wir nachher sehen werden. 
aus unserem Briefe geschopft. Der Ausdruck mala agere auch 
Abs. 15. — 23. Wenn Riant, Epist. p. xv, sagt: ^Tempereur, meme dans 
les lettres familieres, n'abandonna jamais, en parlant de soi-meme, la 
troisieme personne de singulier, i} paOiXeia }xov, imperium meum. 
tandis qu' ici ii ne parle meme pas a la premiere personne du pluriel. 
comme les princes latins mais a la premiere du singulier", so hat er 
offenbar iibersehen, dass der Verfasser an unserer Stelle sowie Abs. 9. 
15. 16 den Alexios auch in der 1. Person plur. reden bezw. schreiben 
lasst. — conturbare, hier s. v. a. obscurare. 

24. baptisterium d. i. Taufstein, „Towfpotig", s. Versio Alam. 
bei Riant p. 27. — 25. „Und notten sie dariiber zu harnen". Versio 
Alam. 26. Offenbar aus unserem Briefe entnommen lasst Rob. 727 E 
Urban u. a. sagen: „gens Persarum .... Christianos circumcidunt. cru- 
oremque circumcisionis super altaria fundunt aut in uasis baptisterii 
immergunt". — 26. Der Hauptnachdruck liegt in uiolenter: und 
darauf fiihrten sie sie mit Gewalt hinweg in den Umkreis der Kirche 
d. i. sie schleppten sie um die Kirche herum. — 27. blasphemare 
d. i. mit Worten lastern: und nOtigen sie gegen den Namen der heil. 
Dreieinigkeit und gegen den Glauben an dieselbe Lasterworte aus- 
zusprechen. 

28. Welche Todesqualen derselben warteten, davon entrollt 
Rob. 727 E in folgender Weise ein Bild, indem er den Papst iii 
Clermont also sprechen lasst: „quos eis placet turpi occubitu multare: 
umbilicum (den Nabel) eis perforant, caput uitaliorum (die Hauptwerk- 
zeuge der Ernahrung d. i. die Eingew^eide) abstrahunt, ad stipitem 



Epistula Alexii I Komneni acL Robertum I comitem Flandrensem. I93 

ligant et sic flagellando circumducunt, quoadusque, extractis uisceribus^ 
solo prostrati corruunt. quosdam stipiti ligatos sagittant, quosdam 
extento collo et nudato gladio appetunt et utrum uno ictu truncare 
possint pertentant" (auf andere gehen sie mit gezucktem Scliwerte los 
und nachdem sie ihnen den Hals gestreckt, probieren sie, wie sie mit 
einem Schlage ihnen den Kopf abschlagen konnen). 

29. depraedatasin sonst ungebraucMiclier Passiv-Bedeutung ;; 9 
nachdem sie beraubt waren u. zw. nicht nur ihrer Habe, sondern auch 
ihrer Kleider. — 30. inuicem succedere: einander folgen, ablosen : 
„je einer nach dem andern", Versio Bau. 35. — 31. adulterare: durch 
Unzucht enteliren : mit edlen betagten Frauen, sowie mit deren Tochtern, 
die sie beraubt, trieben sie wie Tiere abwechselnd, je einer nach dem 
andern, ihr unziichtiges und entehrendes Spiel. — 32. eas sc. uirgines, 
die zum Singen gezwungen worden sind. Im folgenden Absatz wird 
herichtet, dass alsdann auch die Mutter zum Singen gezwungen 
wurden, wahrend man ihre TOchter vergewaltigte. — 33. n e f a - 
riae et luxuriosae cantilenae sind gottlose wolHistige Ge- 
sange, d. s. Zotenlieder. — 34. „Insolange bis sie ihre Frevel- 
thaten an den Miittern ausgeubt". Rob. 728 A lasst Urban in betreff 
der im Briefe mitgeteilten Behandlung der christhchen Frauen und 
Jungfrauen aussagen: ^quid dicam de nefanda muherum constupra- 
tione, de qua ioqui deterius est quam scribere?" Offenbar hielt er eine 
derartige Mitteilung im Munde des Papstes fur zu unanstandig. — • 
35. antiquitus: aus der Zeit der babylonischen Gefangenschaft der 
Juden u. zw. zwischen 588 — 536 v. Ciir. Geburt. — 36. Nur 2 Codd. 
haben ludibria, dife allermeisten tibrigen haben delubria, welches- 
Wort aber ausser in unserem Briefe (an u. St. u. Abs. 16) sonst 
nirgends mehr vorkommt. OfFenbar ist es identisch mit ludibria, d. i, 
Spott, Willkiir. Dass die Juden in Babylon in ahnlicher Lage sich be- 
funden haben sollen, wie die hier genannten Christenfrauen, ist historisch 
mcht zu erweisen und eine unbegriindete Voraussetzung des Brief- 
schreibers. — 37. „Singet uns ein Lied von Zion!" so lautete nach 
Psalm 137 die AufForderung an die gefangenen Juden vonseiten ihrer 
babylonischen Peiniger; doch der Dichter dieses Psalmes, der ohne 
Zweifel auch zu den Gefangenen in Babel gezahlt hat, setzt hinzu: 
wie sollten wir ein Lied Jehovas singen im fremden Lande? und sagt 
ebendamit, dass er samt seinen Genossen solch' einer Aufforderung 
nicht Folge zu leisten im Stande war. Nach den Worten des Brief- 
schreibers aber muss man annehmen, dass die zum Gesang aufgefor- 
derten Christenjungfrauen der an sie ergangenen Aufforderung nach- 
gekommen sind und nicht etwa Hymnen auf Gott, sondern cantilenas 
luxuriosas gesungen haben — in Bezug also auf den Erfolg der 
Aufforderung ist die Vergleichung, welche der Briefschreiber gewahlt 
hat, keineswegs zutreflFend, er hat den Vergleich wohl nur darum ge- 
wahlt, um zu erweisen, dass man auch schon im Altertum Leute, die 
ini Elend sich befanden, zum Singen aufgefordert habe. 

38. sicut scriptum est in morte innocentium d. i. in der 10 
Erzahlung vom Tode der unschuldigen Kinder, Ev. Matth. 2, 18. — 
Aus ut credimus ist zu folgern, dass dem Briefsteller es keineswegs 

Hagenmeyer, Epistulac et Chartae. 13 



194 Erlauterungen zu I, 10 — 13. 

glaubhaft erschienen ist, dass aiich die Mutter beini Anblick der Ent- 
ehrung ilirer TOchter Zotenlieder gesungen lial>en kOnnen, vielmehr ihre 
Stimmen Klagetone waren, welche jenem Klagen und Jammern glichen, 
das einstmals die Miitter in Bethlehem wegen des Verlustes ihrer 
Kinder haben horen lassen. — 39. Der Evangelist Matthiius hat diese 
Worte selbst wieder aus Jerem. 31, 15 entlehnt, wo allerdings auch 
nach der Vulgata das hebraische berama: „in Rama'* mit „in ex- 
celso" iibersetzt ist, was auch der Wortbedeutung von rama entspricht 
Rama als Ortsname weist auf den Ort gleichen Namens im Gebiete 
des Stammes Benjamin, auf das heutige er-Ram, 2 Stunden nOrdlich 
von Jerusalem hin, nicht auf das heutige Ramleh, von welchem unten 
XXI, 5 die Rede ist. Rahel war die Mutter Benjamins, die Frau des 
Erzvaters Jakob, welche auf der Wanderung von Bethel nach Eplirat 
bei der Geburt ihres Sohnes gestorben ist. Die von Matthiius auf die 
Klage der bethlehemitischen Mutter bezogenen Worte des Propheten 
besagen urspriinglich, dass Rahel daruber geklagt und geweint habe, 
dass seinerzeit die Juden in die babylonische Gefangenschaft abgefuhi-t 
waren und dadurch das Gebiet, das ihrem Sohne als Erbe zugewiesen 
worden, entvOlkert gewesen ist. 

11 40. Die Miitter der unschuldigenKinder haben sich damit 
zu trOsten vermocht, dass sie ihre Kinder ihrer Unschuld wegen selig 
wussten — anders die Miitter, welche anzusehen genOtigt waren, wie 
ihre TOchter geschandet wurden und dabei den Peinigern doch darinnen 
willfahrten, dass sie deren Aufforderung, Zotenlieder zu singen, Folge 
leisteten, welches Verhalten, nach des Briefschreibers Meinung, offenbar 
das Verderben an Leib und Seele zur Folge haben mtisse. Die Be- 
handlung der Miitter und TOchter vonseiten der Turken, wie sie der 
Alexiosbrief berichtet, hat auch Guibert, allerdings in andere Worte 
gekleidet, in seinen Bericht aufgenommen. S. Einl. S. 12. 

12 41. uiros: mannliche Personen (im Gegensatze zu den vorhin er- 
wahnten Frauen und Jungfrauen) jeden Alters und Standes. — 42. Nach 
Genes. 19, 5. Guibert gibt auch diesen Passus des Briefes nach seiner 
Weise wieder, indem er schreibt: „cumque sexui femineo non parcitm-. 
quod tamen excusari poterit pro competenti natura, in masculinum, 
pecualitate transgressa, solutis humanitatum legibus, itur" (s. Einl. S. 1 2). — 
43. „Und schon hatten sie ausposaunt, dass auch ein Bischof diesem 
schandlichen Verbrechen unterlegen sei". Guib. : „quendam eos abusione 
Sodomitica interemisse episcopum" ; doch besagen die Worte des Briefes 
nicht, dass der Bischof umgekommen sei, man musste denn zu sub: 
„esse" supplieren. 

13 44. loca sancta: zunachst und vornehmlich das heil. Grab zu 
Jerusalem und die Geburtskirche zu Bethlehem ; dann auch alle nicht 
nur in Palastina gelegenen und in der heil. Schrift genannten, sondern 
auch in Kleinasien zu gottesdienstlichen Zwecken verwendeten Orte: 
„loca ubi steterunt pedes Christi" (Hieronymus, Epist. 48 ad Desid.); vgl. 
ROhricht, Pilgerfahrten 326, 370; ebenfalls die in n. 45 mitgeteilten 
Worte Raimunds de Ag. 303 B. — 45. Das Schlimmere, welches 
man diesen Statten drohte, wird vom Verfasser nicht naher angegeben. 
Raim. 303 B und Ekk. Hieros. c. XXIX, 5 berichten ebenfalls von 



Epistula Alexii [ Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. 195 

Drohungen, welche sie auch einzeln auffuhren. Wahrscheinlich sind 
deren Berichte auf die im vorliegenden Briefe gegebene Mitteilung 
basiert. So liest man bei Raim. a. a. 0., dass die Sarazenen in Egypten 
damals, als die Franken Jerusalem eingenommen hatten, diesen gedroht 
hatten: „quod locum dominicae Natiuitatis et praesepe, ubi Dominus 
reclinatus est, et locum passionis et Golgatha, ubi dicitur, quod sanguis 
Domini pendentis in cruce defluxerit, et locum dominicae sepulturae et 
aha omnia loca sancta, quae in ciuitate uel iuxta a populo uenerantur 
Christiano, ita deleret, ut etiam a stirpe a terra abstraheret et com- 
minueret, et post haec puluerem in mari proiiceret, ut non esset ahquod 
memoriale dominicum, quod Francorum gentes in regionibus ilbs ulterius 
requirerent" (s. a. unten zu XVllI n. 58). Sodann lasst Ekkehard 
a. a. 0. den Priester Arnold, den spateren Patriarchen von Jerusalem, 
am 6. Sept. IIOJ in seiner Rede bei einer Volksversammlung vor 
Joppe u. a. sagen, dass man tags zuvor Gesandte der Egypter abgefasst 
habe, welchen Schreiben mit folgendem Inhalte abgenommen worden 
seien: „nos (Francos) illorum proeliis hoc anno delendos, Hierusalem 
funditus destruendam, et quod etiam omnibus nefandis horribibus est 
dictu, ipsam dominici et gloriosi Sepulcri petram crustatim confringendam, 
sicque cameHs ad mare delatam, in remotissimo et quod nunquam a 
Christianis rescisci possit pelago submergendam". Dass derartige noch 
weiter als bis zur blossen Zerst5rung gehende Plane der Unglaubigen 
vor dem ersten Kreuzzuge im Abendlande und wohl auch dem Verfasser 
unseres Briefes als ein Gerucht bekannt waren, beweist der vorliegende 
Brief. Uebrigens ist, was zunaciit das heil. Grab anlangt, durch 
nichts erwiesen, dass die Turken bezw. Sarazenen dieses unter den 
heil. Statten am Ende des XI. Jahrhunderts vor Ankunft der Kreuz- 
fahrer sollten zerstOrt haben. Offenbar hat auch Guibert in seiner Re- 
lation unseres Briefes aus diesen Worten desselben die Berechtigung 
hergenommen zu schreiben: „gentiHtas in ecclesiis equorum ac mulorum 
ceterorumque animalium catabula construebat" : eine Bemerkung, welche 
in dieser Form allerdings im Briefe nicht vorkommt, aber auf Rechnung 
Guiberts umsomehr gesetzt werden kann, als dieser mit eigener Phan- 
tasie das vom Briefschreiber Mitgeteilte ausgemalt liat (uerbis meis 
uestita), so dass man hieraus keineswegs zu folgern genotigt ist, dem Gui- 
bert habe eine andere Version als die unsrige vorgelegen. — 4(>. Unter 
Graecia versteht der Verfasser das byzantinisch-griechische Reich, 
soweit die Herrschaft des griechischen Kaisers im Mittelalter reichte; 
u s q u e G r a e c i a m d. i. bis an die Grenze dieses Reiches von Jeru- 
salem an und dann liber diese Grenze hinaus ; das ganze kleinasiatische 
Gebiet Griechenlands mit dem aegaeischen Meere bis nach Thracien 
wurde von den Tiirken iiberfallen und ausgeplundert. — 47. Der Aus- 
druck superiores regiones ist ohne Zweifel nach Act. 19, 1 ge- 
braucht, wo der Evangebst Lukas berichtet, dass der Apostel Paulus 
diesuperiores partes Kleinasiens durchzogen habe, worunter 
er die Provinzen meint, welche auf dem geraden Wege von Antiochien 
in Syrien nach Ephesus lagen, namlich Cihcien Act. 15, 41, Galatien 
und Phrygien Act. 18, 23. Der Verfasser unseres Briefes zahlt aber 
tast alle Provinzen Kleinasiens auf und versteht unter den „superiores 

13' 



196 



Erlaiiterungren zu' I, 13. 14. 



regiones" demnach .alle. Provinzen Kleinasiens, soweit sie Ostlich.von 
Arnienien und Cilicien gelegen sind: wenn er Karien und Paphlagonien 
nicht nennt, so mag dies unabsichtlich geschehen sein. Nebst der 
Kenntnis dieser Namen, soweit er dieselben aus dem Neuen Testamente 
zu erlangen vermocht hat, mag ihm wohl ein Compendium eines alten 
Schriftstellers, vielleicht Strabos, zur Quelle gedient haben, woraus er 
sein Verzeichnis zusammengestellt hat, das zwar G. Paris in Revue 
crit. 1879, II p. 381 ein phantastisches nennt, was aber nur insoweit 
zutreffend sein wurde, wenn nachgewiesen werden kOnnte, dass die 
Tttrken und Petschenegen die eine oder andere dieser Provinzen nicht 
heimgesucht hiitten, was eben durchaus unwahrscheinlich ist. Wenn 
Riant, Epist. Alexii p. xvi hervorhebt, dass zur Zeit des Verfassers 
unseres Briefes in Byzanz die alten Namen dieser Provinzen langst 
ausser Gebrauch gesetzt und durch neue ersetzt gewesen seien, so ist 
damit noch nicht erwiesen, dass auch der griechische Kaiser in einem 
Ersuchschreiben ins Abendland nicht doch diese alten bekannten Namen 
gebraucht haben kOnnte, zudem bei den damaligen Schriftstellern die- 
selben keineswegs ausser Gebrauch gesetzt worden waren. Wenn Riant 
von Anna sagt, er habe bei ihr nur die Namen Bithynia, Lydia und 
Phrygia gefunden, so hat er die Namen Cappadocia und PampliyUa 
iibersehen — Beweis genug, dass die Namen der Alten auch im Mittel- 
alter noch wohlgekannte waren. In Betreff der Bezeichnung Cappa- 
docia maior und Cappadocia minor vgl. unten zu X, 4, n. 17. — 

48. id est Troia: Kleinphrygien, d. i. die Gegend von Troja. „Im 
A.llgemeinen teilte man Phrygien in Grossphrygien und Phrygien am 
Hellespont. Das erstere wurde umgrenzt von Bitliynien, Paphlagonien,. 
Kappadocien, spater Galatien, Lykaonien, Pisidien, Lykien und Lydien. 
Dagegen Phrygien am Hellespont nennt Strabo Kleinphrygien und 
schrankt es auf die Landschaft Troas ein" (Georgii I, 68). „Das Gebiet 
von Troas umfasste einen am Aegaeischen Meere hinlaufenden Kusten- 
strich von ungefahr 10 geogr. Meilen, vom Vorgebirge Lectum bis in 
die Gegend von Abydos und Dardanus am Hellespont. Landeinwarts 
erstreckte es sich 8 Meilen bis zum Idagebirge" (Kraft II, 996). — 

49. Riant hat mit Recht in seiner Ausgabe die Lesart ^Lidia" der- 
jenigen der meisten Codd., welche „Libia" haben, vorgezogen: denn 
ware in der That Lybia richtig, so wurde nur eine grenzenlose Un- 
wissenheit dem Verfasser dieses Briefes zuzuschreiben sein. Lybien 
in Afrika, wo Muhammedaner wohnten, war kein Teil des griechischen 
Reiches. Vgl. Anna Komn. 1. VI, ed. Bonn. I, 323, 1. — 50. Vgl. a. 
Act. 20, 14. 15. — 51. Die regiones sind zunachst die ubrigen 
Provinzen Kleinasiens, von welchen er jedoch nur zwei, Karien und 
Paphlagonien, nicht genannt hat (s. n. 47), sodann diejenigen des euro- 
paischen Festlandes, soweit sie dem griechischen Reiche gehorten. Die 
insulae sind die Insehi des Aegaeischen Meeres, der sog. griechische 
Archipel. — 52. Thraciae kann nicht etwa das von Xenoph. Anab. 
VI, 4, 1 erwahnte 0pdxn r\ ev ri] 'Aoict sein, d. i. das bithynisclie 
Thracien, ein Landstrich, welcher von der Mundung des Pontus bis 
Heraklea reichte, sondern ist das europaische Thracien, das im 
Norden begrenzt war durch die Donau, im Osten durch das Scliwarze 



Epistula Alexii I Konmeni ad Robertmn I comitem i landrensem. 197 

Meer imd deii Bosporus, im Suden durch die Pi^opontis, den Hellespont, 

das aegaeische Meer und die nOrdlichen Grenzgebirge Macedoniens, so- 

wie im Westen durch IUyricum. Unter der romischen Kaiserherrschaft 

und spater verstand man unter Thracia nur den sudosthchen Teil des 

alten Thraciens, welches siidHch vom Hamus gelegen ; der nordostliche 

hiess Moesia. Da derVerfasser des Briefes Thraciae schreibt, so hat er 

ohne Zweifel beide, Tlu-acia und Moesia, darunter begriffen. — 53. Dass 

das griechische Reich unter Alexios in den Jahren 1088—1090 

in solcher Bedrangnis gewesen, geht auch aus Anna 1. Vn, ed. Bonn. 

I, 355 ff. hervor. Wenn Riant, Epist. Alex. p. xxix f., darauf hinweist, 

dass zwar zu dieses Kaisers Zeit die Petschenegen wahrend mehrerer 

Jahre mit wechsehidem Erfolge gegen die Griechen gekampft, aber 

gerade zu der Zeit, in welcher Alexios unseren Brief geschrieben haben 

soll, der Kampf fiir die Griechen eine giinstige Wendung genommen 

habe, auch damals von der griechischen Flotte gegen die tiirkischen 

Piraten mit gliickHchem Erfolge gekampft und Chios und Mitylene, 

wek'hes im Juh 1090 (s. jedoch Einl. S. 31) von den Tiirken in Besitz 

jenommen worden war (s. Anna Komn. VII, 8 ed. Bonn. I, 361) wiedel* 

jrobert worden sei, so hat er eben doch iibersehen, dass Alexios zu- 

jilen den Petschenegen gegeniiber in einer ganz verzweifelten Lage 

^ich betunden hat, was Anna einigemale unmissverstehbar hervorhebt. 

''gl. n. 101; BZ. VI, 16 und oben Einl. S. 33. — 54. Hieraus ware 

folgern, dass Alexios nicht nur von dem Grafen von Flandern, 

5ondern auch von der ganzen abendlandischen Christenheit Hilfstruppen 

irwartete, daher mag wohl auch der Verfasser obiger Vorrede gefolgert 

laben, dass der Brief an alle abendlandischen Kirchen gerichtet worden 

sei. Vgl. n. 4. 

55. Die Propontis, das Vormeer, das Meer zwischen dem Helles- 14 

>ont und dem thracischen Bosporus. Auidos wird mit Recht von 

liant, G. Paris, Vasiljevski u. a. fur identisch gehalten mit dem Abydos 

ler Alten, einer Stadt in Troas am Hellespont, Systos gegeniiber, dem 

leutigen Avido, einem der Dardanellenschlosser, wekhes auch im 

[ittelalter eine nicht unbekannte Stadt gewesen ist, wie aus dem von 

[aufmann in BZ VII, 85 — 90 edierten Briefe eines Juden vom Jahre 1096 

lervorgeht, wo S. 86 ebenfalls die Rede ist von dem „Orte Abydos, 

ler nahe bei Constantinopel liegt", woselbst damals eine nicht kleine 

Fudengemeinde bestanden haben muss. Abgesehen von dem irrtiim- 

Bchen qui statt quae ist es eine auf banaler Unkenntnis beruhende 

leinung des Verfassers, dass die Propontis jemals Abydos genannt 

wden sei. Mit Recht sagt deshalb aucli G. Paris 385: ^Tauteur con- 

fond la Propontide avec les Dardanelles et ce detroit avec Abydos ; 

m voit combien tout cela est vague". Wenn dann Vasiljevski (bei 

Riant, Arcliives de rOr. lat. I, 82) in den Worten „Propontidem, qui et 

Auidus dicitur", den Erweis erblickt, dass der Brief aus dem Griechischen 

iibersetzt sein miisse, und dafCir aus Constant. Porphyr., De them. III, 

■281 (Bonn. Ausg.) die Worte anfiihrt: npoTTovTibec; bvo, i} |U8y xard 

1 ApDbov, ^ bk xaTct t6 tepov xai if)a|ajidd'iov; so ist dies eine Ver- 

.mutung, die insofern ihre Berechtigung hat, als eben der nicht geringe 

Irrtum sich leicht dadurch erklaren lasst, dass vom Briefschreiber das 



t98 Krlauterunofen zu I, 14. 15. 16. 

griech. Original missverstanden worden sein diirfte. Allein ebenso nahe 
liegt es anzunehmen, dass fur den Briefschreiber in Erinnerung an die 
Erziihlung, welche auch lateinische Historiker geben, dass bei Abydos 
eine Briicke von einem Ufer zum andern geschUigen worden (so bei 
Justinus 11, 13, 5. 8; Orosius II, 10, 8), hier diese eigentumhche Ver- 
wechselung die Veranlassung gewesen ist. Da alle Codd. bis auf einen 
^auidus" haben, eine Schreibweise, die wenigstens bei den Alten nie 
fur Abydos vorkommt, so ist immerhin auch die Deutung nicht 
absolut ausgeschlossen, dass der Verfasser vielleicht das Wort in der 
Bedeutung von „unersattlich" und als Adjectiv gebraucht haben kOnnte; 
denn dass die Propontis im Mittelalter dafur gegolten hat, bestiitigt 
Stephan in seinem Briefe an seine Frau Adele (im Becueil, Hist. 
occid. III, p. 886 u. unten IV, 5): „quidam illud Constantinopolitanum 
' maris brachium saeuum ac periculosum dicebant, quod falsum est; nam 
in eo plus quam in Marna et Sequana minime dubitandum est". Freilich, 
es ist nicht zu leugnen, dass der Briefschreiber in diesem Falle nicht 
„qui et avidus", sondern „quae et avida" hatte schreiben mussen, 
analog dem folgendem „eandem Propontidem", allein der sonstige Brief- 
stil lasst aucli diese Abnormitat wohl zu. Dass ubrigens hier die durch 
den tiirkischen Piraten Tzaclias unternommene Belagerung von Abydos 
im Jalire 1093 erwahnt sei, wie Biant, Alex. epist. p. li annimmt, ist 
von G. Paris p. 385 mit Becht als irrtumlich bezeichnet. Vgl. auch 
BZ VI, 28. — 56. Ex Ponto sc. Euxino, aus dem Schwarzen Meere. 
— 57. Mare magnum, hier das iVegaeische Meer. — 58. Dass die 
Tiirken bis zur Propontis vorgedrungen, wird auch von der Anna 
Komn. 5fter erwahnt: vgl. Anna Komn. III c. 11; VI c. 9. 10 (ed. Bonn) 
I, 178, 2: 299, 10; 304, 9. Welchen bestimmten Vorfall der Verfasser 
des Briefes damit gemeint habe, ist nicht melir festzustellen ; doch 
durfte es richtig sein, was G. Paris in Rev. crit. 1879, II, 385 betont, 
dass diese Flottendemonstration vonseiten der Tilrken nach der im 
Juli 1090 bezw. 1088 stattgehabten Eroberung von Chios und Mitylene 
(s. n. 53) stattgefunden und hier die Erscheinung des tiirkischen Piraten 
Tzachas in der Propontis gemeint ist, wenn uberhaupt der lateinische 
Verfasser des Briefes hievon Kenntnis gehabt haben sollte. — 59. S. 
Abs. 13. 
15 60. Dass der Verfasser mit d i x i m u s die miindhche Mit- 

teilung gemeint habe, welche Alexios dem Robert von Flandern bei 
seiner Anwesenheit in Beroea gemacht hat, ist moglich. aber unwahr- 
scheinlich, da sonst nirgends im Briefe von einer miindlichen Mitteilung 
an den Grafen die Rede ist, auch der Briefschreiber immerhin deut- 
licher dieses Verhalten ausgedriickt haben wiirde, um wenigstens den 
Leser nicht in Zweifel zu lassen iiber das, was seinerzeit gesprochen 
und jetzt geschrieben worden ist: vielmehr scheint es naher zu hegen 
anzunehmen, dass „diximus" im namlichen Sinne wie in Abs. 14 ge- 
braucht ist, wo mit „ut diximus" auf das vorher Gesagte bezw. Ge- 
schriebene hingewiesen wird: „diximus" ist somit identisch mit „scripsi- 
mus", mit letzterem Worte wird nur naher die Form bezeichnet, ia 
welcher die Mitteilung gemacht worden ist. Zu mala agere vgl. a. 
Abs. 6. — 61. Vgl. Abs. 5, wo alle Adeligen Flanderns amatores 



Epistula Alexii I Komneni ad Roljei-tum I comitem Flandrensem. 199 

Christianae fidei und Abs. 6, wo Robert ein Christianae fidei 
consolator genannt werden. — 62. „0b des Verdrusses der Leser 
wollen wir die iibrigen Schandthaten des gottlosen Geschlechtes iiber- 
gehen". Doch scheinen diese Worte mehr den Mangel von weiteren 
Mitteilungen, welcher beim Briefschreiber vorhanden gewesen sein diirfte, 
zudecken zu sollen ; denn w ahrscheinlich hatte der Schreiber w^eitere 
Schandthaten der Turken, wenn ihm solche bekannt gewesen waren, 
nicht verschwiegen. 

63. pietas: Pflichtgefuhl, Erbarmen : „aus Liebe zu Gott und aus 16 
Mitleid mit der gesamten grieciiischen Christenheit". Unrichtig Versio 
Alam. p. 30: „durch Gotteslieb und aller kriechschen Gutigkeit", und 
die Versio Bauar. p. 36: „durch die bebin Gottes und durch die Erparm 
aller christhchen Kirchen". — 64. maioreset minoresiiier ebenso 
gebraucht wie in Gesta XX, 2; erstere der hohere Adel, die Fursten 
und Grafen; die minores d. s. die Ritter und der niedere Adel; die 
mediocres, die Leute niederen Standes, das gemeineVolk. — 65. Offen- 
bar unrichtig ist dieLesartGalatia, was auchdie folgendenWW. „cetera 
Occidentalium regna" beweisen, welche Gegenden alsdann in den weiteren 
Worten dem „regnum Graecorum" entgegengesetzt werden. Die Lesart 
^Galatiam" haben allerdings die meisten Codd., nur 9 derselben haben 
Galiciam, dennoch ist die letztere Lesart die richtige. Wiirde mit 
„Galatia" in der That Galatien in Kleinasien und unter „cet. occid. regna" 
andere Teile des griechischen Reiches zu verstehen sein, so ware der 
Gegensatz „regnum Graecorum" geradezu absurd. — 66. Ebenfalls un- 
richtig versteht Vasiljevski unter cetera Occidentalium regna: „Ies 
themes occidentaux de Tempire grec" (s. Riant, Inv. 83). OfFenbar sind 
es mit Ausschluss von Galicien die ubrigen von den Arabern danials 
bewohnten oder bekriegten Herrschaften auf der pyrenaischen Halb- 
insel. — 67. Der Gebrauch des Wortes pagani soll nach Riant, Ep. 
Alexii p. xvi, beweisen, dass der Brief nicht in Constantinopel geschrieben 
worden sein kOnne. Riant sagt a. a. O. „a Constantinople on n'a 
jamais traite les musulmans de pagani, on les appelait Ismaelitae: 
pagani est une expression toute latine". Dagegen ist zu sagen, dass 
sowohl die griechischen KVV. wie auch die spateren Schriftsteller 
es sehr oft in der Bedeutung von „Heiden" in Gebrauch haben und 
es auch von Anna Komn. I. XII, ed. Bonn. II, 132, 22; 135, 12. 13; 
168, 5; L XIII, p. 229. 9 in dieser Bedeutung verwendet worden ist. 
Wenn auch Anna mit diesem Worte die Turken nicht bezeichnet hat, 
so ist damit noch nicht erwiesen, dass Alexios in einem Briefe sich 
desselben nicht habe bedienen kOnnen, und es kann ebendeshalb ein 
Riickschhiss auf die vermeintliche UnmOglichkeit der Abfassung des 
Schreibens in Constantinopel nicht gemacht werden. — 68. Mit Recht 
sagt G. Paris in Rev. crit. 1879, II, 385: „il s'agit evidemment ici de 
succes remportes non par les Espagnols, mais par des auxiliaires 
Frangais venus en Expagne". Die Richtigkeit dieser Annahme wird ins- 
besondere durch die Worte in terra tua bestiltigt: denselben Erfolg^ 
den die Leute Roberts in Spanien erreicht haben, mogen sie auch im 
griechischen Reiche zu erzielen suclien. — 69. Zur Erklarung dieser 
Worte verweise ich auf das in der Einl. S. 39 Gesagte. Die Schilderung 



20() Eiiauterungen zu I, 16. 17. 

der traurigeii Lage des Kaisers im vorliegenden Absatze ist durchaus 
identisch mit den Nachrichten, die Anna Komn. tiberliefert hat. Man 
vergleiche in dieser Bezieiiung die in der Einl. S. 31 und BZ VI 17 f. ge- 
gebene Darlegung. — 70. Riant, Ep. Alexii p. Ixvi, bezeiclinet dieseWorte 
als eine hicherhche Phrase; alinHch hat wohi auch der Kopist des 
Manuscripts Lu gedacht, denn er hat sie bis zu „gaudentes reci- 
piatis" (Abs. 17) w^eggelassen. Sie sind auch Wilken I, 73 ein Grund 
gewesen, dass er den Brief in seiner vorliegenden Gestalt fur unacht 

^ erklart hat (s. £inl. S. 22). Man beachte ubrigens, wie Alexios sich in 
dem von Riant fiir durchaus echt gehaltenen Brief an Oderisius (s. Ep. 
XI, 2) ausspriclit: „ego autem non solum quod nil boni lial)eo in me, 
feed maxime quia super omnes homines pecco, ad eum cottidie, ut lon- 
ganimis atque misericors miseretm' atque sustinet meam infirmitatem 
precor" - von solchen Worten gewiss kein weiter Schritt ist, um auch 
die im vorliegenden Brief sich findende demiitige Aeusserung erklarlich 
zu tinden. Vgl. a. Einl. S. 39 u. BZ. VI, 29 f. 

17 ' 71* Auch dieser Wunscli des Kaisers, lieber die Franken als die 
Tiirken als die Herren Constantinopels zu wissen, bietet keinen Anstand, 
soiern man sich vergegenwartigt, in welcher Notlage Alexios sich be- 
tand, und andererseits bedenkt, wie selir es ihm darum zu tlmn ge- 
wesen sein musste, ein Hilfscorps aus dem Abendlande zu erlangen — 
da mochte auch solcli ein Gedanke ihm wohl passend erscheinen, seinem 
Bittgesucli den erwiinschten Erfolg zu erwirken. — 71^. Constantin- 
opels Reiclitum an allem, was die damahge Kulturwelt zu bieten 
vermochte, ist ofter rlihmend von Abendlandern erwalmt worden (vgl. 
a. Abs. 20). Nachdem Ekkehard von Aura im Jahre 1101 in dieser 
Stadt sich aufgehalten hatte, konnte er auch auf den Reichtum ihrer 
Markte und auf die dort zusammengebrachten unermesslichen Mengen 
Goldes hinweisen; nicht minder hat Fulch. 331 D sich begeistert iiber 
das herrliche Aussehen und den Reichtum dieser Stadt ausgesprochen. 
Besonders hebt letzterer auch den grossen Reichtum an Reliquien 
hervor: „0 quanta ciuitas nobiUs et decora! taedium est magnum re- 
citare quanta sit ibi bonorum omnium opulentia, auri scilicet, argenti, 
palliorum multiformium, sanctorumque. rehquiarum" etc. Aucli Rob. 
mon. 750 E, der allerdings durch unseren Brief beeinflusst ist, findet sich 
veranlasst iiber die dortigen Reliquien zu schreil)en: „ibi nunc habent 
receptaculum sacratissimae reliquiae sanctorum prophetarum, apostolorum 
et innumerabilium marlyrum sanctorum, quae ibi translatae sunt a 
facie paganorum. ideo igitur tahs eifecta urbs regia Constantinopolis, 
ut sanctarum reliquiarum foret tutissima regia". Man vgl. auch in n. 94 
die Worte Odos de Diogilo. Nach Rob. haben sich die morgenlandischen 
Christen mit ihren Reliquien nach Constantinopel gefliichtet. Wenn 
man die religiOse Bildung der damaligen Zeit in Betracht zieht, so ist 
die grosse Wertschatzung dieses Besitzes der Stadt Constantinopel voa 
seiten des Briefstellers wohl erklarlicli, der, sei es aus eigener An- 
schauung, sei es durch einen ihm vorliegenden Katalog, wie solche 
Riant in Eximiae II, 211 ff*. verotfentlicht hat, die Zahl und Namen der 
Hauptreliquien in folgendem anzugeben weiss. Als Erlauterungen zu 
den Angaben des Briefstellers liber die in Constantinopel ehemals vor- 



Epistula Alexii I Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. 201 

handenen Reliquien konnte ich selbstverstandlich nicht eine ausfuhrhche 
historische Darstelhuig der einzelnen Rehquien geben, soweit man durch 
Quellenzeugnisse iiber das Vorhandensein derselben auch noch an anderen 
Orten Kenntnis hatte, denn dies wiirde mich zu weit gefiihrt haben; 
dagegen musste ich jeweils angeben, wo gerade das Vorhandensein der 
hetreffenden Reliquie in Constantinopel erwahnt wird, und hiefur geben 
den erwiinschten Aufschluss Riants Exuuiae Constantinopohtanae, worin 
die Kataloge und Urkunden der Rehquien, die seit dem Jahre 1204 
von Constantinopel nach verschiedenen Orten des Abendlandes verbracht 
worden sind, sich finden. Man vgL vornehmHch ebenda I p. xxxviii ff., 
II, 191 ff.; 198 f., dann Rec, Hist. grecs II, 241 u. 266 D. — 72. Eine 
marmorne Saule, an w^elchc Christus behufs Geisselung angebunden 
worden sein soll, stand nach dem circa 1200 verfassten Berichte des 
Erzbischofs Antonius von Novgorod (s. Riant, Exuuiae II, 225) in der 
Kuxhe der 12 Apostel zu Constantinopel unmittelbar vor dem in der 
Mitte dieser Kirche sich befindhchen Altar. Dieselbe Nachricht hat 
auch Robert de Clari (ibid. S. 232) ; nach Antonius Placentin. ed. Geyer 
174 u. 206 war sie ums J. 570 in der Basilika S. Sion in Jerusalem. 
[acli rOmischem Gesetze sind behufs Geissehmg zum Tode verurteilte 
yslaveii nackt an eine Siiule gebunden worden, bevor man sie ans Kreuz 
jhleppte. Nach jiidischer Sitte aber, gemiiss 5 Mos. 25, 1. 2, musste 
)Y Richter den mit Schlagen zu bestrafenden auf die Erde niederlegen 
id vor seinen Augen eine gewisse Anzahl Streiche je nach der Schwere 
id Beschaffenheit seines Verbrechens geben lassen. Die Tradition 
imt an, dass Pilatus nach rOmischem Gesetze verfahren sei. — 
fB. flagellum, die Peitsche, Geissel, mit w^elcher Christus gegeisselt 
orden ist, vgl. Matth. 27, 26; Mark. 15, 15; Joh. 15, 1; bei den 
Romern bestand dieselbe im Unterschied von der Rute aus ledernen 
•^Jiiemen mit Bleistiickchen an deren Enden. Diese Reiiquie wurde 
■tahrscheinlich auch in Constantinopel in der 12 Apostelkirche aufbe- 
I^Brahrt; sie wird noch erwahnt im Catal. rehqu. Constantinopol. des 
||PfIikolaus Thingeyrensis vom Jahre 1157 als mit anderen Rehquien „in 
^palatiis antiquis" vorhanden, s. Riant, Exuuiae II, 218. — 74. chlamys, 
Purpurmantel, ein scliarlachrotes Gewand, mit welchem Christus nach 
3Iatth. 27, 28 u. Joh. 19, 2. 3 bekleidet worden ist, womit seine Feinde 
seine Anspriiche auf sein KOnigtum verhohnten. Diese chlamys wurde 
noch im Jahre 1150 in der 12 Apostelkirche zu Constautinopel auf- 
bewahrt (s. Rel. Const. p. 212 und NicoL Thing. p. 213), befand sich 
nach Anton. Novgor. p. 223 gegen das Jahr 1200 im Bukoleon-Palast 
und wurde am 6. Nov. 1246 vom lat. Kaiser Bakluin II von Constantinopel 
dem KOnig Ludwig IX vermacht (s. Riant, Exuuiae II, 135), wovon letzterer 
am 30. December 1269 eine Partikel dem Bischof Guido de Torre von 
^Clermont iibersandte, s. ebenda II, 159; andere Partikeln kamen nach 
Halberstadt, Namur und S. Denis, vgL ebenda II, 325. — 75. Die Dor- 
nenkrone (Matth. 27, 29; Joh. 19, 2) wird unter den Rehquien der 
Kapelle des kaiserlichen Palastes Bukoleon aufgefiihrt in ReL Con- 
stantinopL 211 bei NicoL Thing. 213 in Descriptio Sanctuarii Con- 
stantinopohtani 2L7 und bei Anton Novgor. 223. Dieselbe kam durch Ver^ 
i^auf im Jahre 1238 nach Venedig, s. Urkunde bei Riant, Exuu. II, 119 f., 



2f02 Erlautemngen zu I, 17. 18. 19. 

dann im Jahre 124() in die kOnigliche Hofkapelle nach Paris, s. ibid. 
p. 12B, 133. Partikelchen derselben wurden auch in Corvey, Halber*- 
stadt, Namur, S. Denis, Soisson u. a. 0. gezeig-t, s. ibid. p. 337. Nach 
der sagenhaften Descriptio qualiter Karol. Magn. clauum detulerit p. 120 
habe schon Karl der (irosse die Dornenkrone des Herrn mit 8 Dornen 
aus Constantinopel fiir die Kirche von Aachen mitgebracht, welche 
Reliquie spater nach derselben Descriptio p. 124 von Karl dem Kahlen 
nach S. Denis tibergefiihrt worden sei. Nach dem Breuiarium de Hiero- 
solyma p. tp4 und Antonius Placentinus ed. Geyer p. 172, Schriftstucken 
aus dem VI. Jahrhundert, war die Dornenkrone zu dieser Zeit in der 
Basilika S. Sion in Jerusalem aufbewahrt, vgl. a. de Mehs, Rehques 
p. 8. — ■ 7G. harundo, das Rohr, welches Christus anstatt eines 
Scepters in der Hand trug (Matth. 27, 29), wird ebenfalls als in der 
Kapelle des kaiserlichen Palastes Bukoleon befindlich aufgefuhrt in 
Rel. Constantinopol. 211; bei Wilh. Tyr. XX, 23; in Descr. Sanct. 217 
und bei Anton. Novgor. 223; es soll spater ebenfalls nach Paris ver- 
bracht worden sein, s. Anton. Astes. p. 2.57. Nach Petrus Diacon., Lib. 
de loc. sanct. p. 109 wurden ums J. 1130 nebst den Riemen, mit welchen 
Christus gefesselt wurde, und den Sandalen. sowie seiner circumcisio 
und seines Bhites auch die „arundo, cum qua caput eius percussum est" 
in der Constantiuskirche zu Rom verehrt. — 77. Eine Partikel der 
uestimenta Domini wird auch ums J. 1150 in Rel. ConstantinopoL 
p. 211 aufgefiihrt, ebenfalls waren Partikeln in Clairvaux und Corvey, 
s. Exuu. II, 193, 198. Man vgl. auch Gildemeister und Sybel, Der h. 
Rock S. 88 fT. wo auch von den in Constantinopel aufbewahrten auf 
Grund der Nachricht, welche unser Alexiosbrief bietet, die Rede ist. — 
78. Nach Rel. Constantinopol. p. 211 und 217 wurden die „crux Do- 
mini et eiusdem crucis III frusta" (drei kleinere Stiicke) ums Jahr 1150 
in der kaiserlichen Hofkapelle aufbewahrt. Nach Rob. de Clari p. 231 
soll das Hauptstiick im Jahre 1203 die GrOsse gehabt haben von dem 
Bein eines Meuschen und 2 Ellen lang gewesen sein. Nach Catalog. 
Rel. Constantinopol. p. 213 wurde die „crux Domini, quam Helena regina 
attulit" ums Jahr 1157 in der S. Sophienkirche aufbewahrt, was nach 
Arnulf ed. Tobler p. 193 und Adamnanus ed. Geyer p. 286 ums J. 670 
schon der Fall war. Ums Jahr 570 wurde es auf Golgatha in Jeru- 
salem aufbewahrt, wo Antoninus es anbetete und kusste, s. Antoninus 
ed. Geyer p. 172; Beda ed. Geyer p. 322. Ueber die grosse Anzahl 
Kreuzpartikel, welche aus Constantinopel spater ins Abendland gebracht 
worden sind, vgl. Riant, Exuu. II, 339 f., sowie uber die Kreuzreliquien 
uberhaupt CIos, Kreuz und Grab Jesu S. 540 — 561. — 79. Die claui 
befanden sich nach Catal. Rel. des Nicol. Thingeyr. p. 213; Descr. 
Sanct. Constpl. 217; Wilh. Tyr. XX, 23; Ant. Novgor. 223 und Rob. 
de Clari 231 im kaiserlichen Palaste (Bukoleon); es waren deren zwei, 
von welchen einem nach der genannten Descr. Sanct. Const. a. a. 0. 
die Spitze seiner Zeit von Konig Karl nach S. Denis geschenkt worden 
sei; ein dritter Nagel soll nach derselben Descr. a. a. 0. in Jerusalem 
„in capella regis cum corpore Josephi Nichodemi" aufbewahrt worden 
sein. Ueber den von Constantinopel zunachst nach Aachen, dann nach 
S. Denis verbrachten Nagel findet sich Naheres in der von Rauschen 



Epistula Alexii l Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. ^Qg 

edierten und n. 75 genannten Descr. p. 117. 118 und 120; s. desselben 
Neue Untersuch. liber d. Descr. 274 ff. Nacli Anton. Novgor. 226 und 
228 vvurden auch im monasterium Philanthropi sov^ie in der Kirche 
S. Marcelli je ein Nagel vom Kreuze Christi aufbewahrt. Ausfiihrlich 
uber die Krenzigungsnagel und deren Fragmente sowie deren Zahl, 
angeliliche Authenticitat und derzeitige Aufbewahrungsorte etc. handelt 
Clos, Kreuz und Grab Jesu S. 562—575. — 80. linteamina: die 
Leintttcher, welche nach Matth. 27, 59; Mark. 15, 46; Luk. 23, 53 und 
Joh. 20, 6. 7 im Grabe nach des Herrn Auferstehung gefunden worden 
sind. Im Jahre 1190 war nach der Descr. Sanctuarii Constpl. 217 eine 
„pars linteaminum, quibus crucifixum corpus Christi meruit inuoluere 
Arimatensis Joseph". in der kaiserlichen Kapelle zu Constantinopel vor- 
handen. — 81. Diese 12 KOrbe sind ums Jahr 1200 nach Ant. Novgor. 
224 in der kaiserlichen Kapelle des Bukoleon-Palastes und nach Nicol. 
Thingeyr. ums Jahr 1157 „in palatiis antiquis" — ohne Zweifel eben- 
falls die kaiserliche Kapelle — aufbewahrt worden. Ersterer fugt 
in seinem Verzeichnis noch hinzu: „cophini, quos impleuerat panibus 
Christi benedictio, antequam ipsemet et discipuli eius de his comederint; 
sunt autem panes muro infixi". Dies beweist, dass man auch mit den 
KOrl)en die Brotstiicke aufbewahrt hat, so dass auch die Worte unseres 
Briefes den Sinn haben: die 12 KOrbe mit den Ueberresten der 5 Brote 
und der 2 Fische. — 82. Auch Guibert erwahnt die Mitteilung des 
Alexiosbriefes in Betreff des Hauptes Johannes des Taufers 
(s. Einl. S. 13), wobei er sich veranlasst sieht, iiber den Betrug, den 
man mit derartigen Reliquien treibe, einiges zu bemerken : die MOnche 
zu Saint Jean d' Angeli in der DiOcese Saintonge (monachi Angeriacenses) 
riihmten ja ebenfalls, dass sie das Haupt Johannes des Taufers be- 
sassen — unmOglich k5nne jedoch Johannes 2 Kopfe gehabt haben. 
AUein einem derartigen Betruge begegne man ja haufig in frankischen 
Kirchen. Dies kame aber daher, dass man den Todten die Ruhe des 
Grabes nicht gOnne, sondern aus Habsucht deren Knochen mit Silber 
und Gold verbrame und auf Bahren, Geldgewinnens wegen, herum- 
schleppe. — Das in Constantinopel vorhandene Haupt des Taufers be- 
fand sich nach Nicol. Thingeyr. 213 im Jahre 1157 in der S. Sophien- 
kirche, im Jahre 1203 dagegen nach Rob. de Clari 231 im Bukoleon- 
Palaste. Nach dem Ant. Novgor. war es ums J. 1200 in der Blachernen- 
kirche; nach den Lect. Suession. 33 und 191 kam es im October 1206 
nach Soisson. Zur Zeit des Antoninus, ums J. 570, wurde es in Emesa 
in Nordsyrien gezeigt, s. Antonin. ed. Geyer p. 190. 

83. DieReliqien der unschuldigen bethlehemitischen iS 
Kinder (s. Abs. 10, n. 38) waren nach Descr. Sanctuarii 217 und Ant. 
Novgor. 224 ebenfalls in der kaiserhchen Kapelle des Bukoleon-Palastes 
aufbewahrl. Doch diese beiden Quellennachrichten reden nur von 
einer „pars innocentium plurima translata de Judea", und von einer 
„dimidia pars innocentium, altera parte Hierosolymis manente" — worin 
dieselben bestanden, wird nicht genau angegeben. Rob. de Clari habe 
einen Teil derselben von Constantinopel nacli Corvey iiberbracht. woselbst 
auch die uestimenta innocentium aufbewahrt worden seien. — 84-. Nach 
Wilh. Malmes. IV, c. 336 p. 550 (s. Riant, Exuu. II, 211) ruliten in 



^Q4 - Erliluteiungeii zu I, 18. 19. 20. 

Constantiiiopel : „prophetae Elisaeus, Samuel, Daniel et alii plures". Daniels 
KOrper lag nach Ant. Novgor. 227 in der Nalie des Romanustliores 
«nd es sei der KOrper des Jesaias „in monasterio monalium" aufbevvahrt 
worden. — 85. Nach Willibaldus p. 41 ruhten in Constantinopel „in 
uno altari III sancti: Andreas et Timotheus etLucas; et Johannes, ille 
os aureum, requiescit ibi coram altari, ubi presbyter stat, quando 
missam facit" — die Kirche, wo diese Heiligen begraben lagen, wird 
yon Willibald nicht genannt. In der capella imperialis des Bukoleon- 
■Palastes zu Constantinopel ruhend, nennt ums J. 1190 die Descr. Sanctu. 
217: „sex Apostoli: Andreas, translatus de Achaia; Jacobus, frater 
Domini, translatus de lerusalem; Philippus, translatus de lerapoli; 
Symon et Thaddaeus , translati de Perside : Matthias, adhuc carnis 
tegimine tectus, translatus de Palaestina, licet liaberi dicatur Treueris". 
Als in ecclesia Apostolorum vorhanden nennt ums J. 1200 Ant. Nov- 
gor. 225: „capita lacobi apostoli, fratris Domini, et Matthaei euan- 
gelistae, cuius reliquum corpus requiescit extra urbem, dum ceterorum 
apostolorum corpora in eorundem aedibus sacris reposita sunt; sub 
altari quiescunt Andreas, Lucas et Timotheus; uestimenta autem apo- 
stolorum in alia capsa pone altare seruantur". Das Haupt des Apostels 
Paulus ist nach Ant. Novgor. 223 im Bukoleon-Palast aufbewahrt worden. 
,Wilh. Malm. IV c. 326 p. 550: „requiescunt Constantinopoli apostoli 
Andreas, Jacobus frater Domini, Matthias". Auch Guibert, der iibrigens 
<iie Reliquien des Herrn nicht erwahnt, gibt u. a. als Inhalt des Alexios- 
briefes an, dass man in Constantinopel 6 KOrper fiir die der Apostel 
halte, um derentwillen eine Hilfeleistung vom Abendlande erforderlich 
sei (s. n. 89), damit dieselben nicht in die Hande der Gottlosen fielen. 
Hieraus folgert G. Paris, Rev. crit. 1877, II, 387, dass unser Alexios- 
brief nicht identisch sein konne mit demjenigen, welcher Guibert vor- 
gelegen habe: „il signale notamment ce fait que les corps de 6 apotres 
sont conserves a Constantinople, et ce chiffre, qui est exact ou du moins 
se retrouve dans d'autres catalogues (vog. Riant, Exuu. II, 217), n'est 
pas dans FEpistola, ou on parle seulement en bloc de „reliquiae quo- 
rundam prophetarum et apostolorum", ce qui prouve bien encore que 
notre texte de TEpistula n'est pas conforme a celui que Guibert a connu". 
AUein Guibert hatte von anderswoher Kenntnis, dass man in Constantin- 
X)pel 6 Korper der Apostel in Verwahrsam habe, und war ihm die aus 
friiherer Zeit stammende Tradition wohlbekannt, dass schon die heil. 
Helena 6 Apostelkorper nach Constantinopel habe bringen lassen, welche 
Tradition der zwischen 1128 und 1180 schreibende Canon. Hebronensis 
p. 307 mit folgenden Worten erwiihnt: „non sufficiebant ei (Theodosio 
imp.) tot et tam sanctae reliquiae, VI uidelicet Apostolorum et beati 
Lucae Euangelistae, beati etiam Stephani protomartyris et aliorum 
plurimorum, tam martyrum quam confessorum et uirginum corpora, 
quae beata Helena in Basilica sua digno honore conlocauerat". Vgl. auch 
die Bemerkung iiber die in Constantinopel damals vorhandenen Apostel- 
reliquien in Rec., Hist. occ. IV, 132 n. 6. — 86. Ant. Novgor. 228 : „iu 
€xtrema parte regionis Russicae templum est XL martyrum, quorum 
una pars seruatur hic, altera uero Sebaste". Namen von Martyrern, 
deren Reliquien i^ Constantinopel angeblich vorhanden waren, linden 



Epistula Alexii I Komneni ad Robertum I omitem Flandrensem. 205' 

sicli in deii bisher geiianuten Katalogen in grosser Zahl. Im Cod. H 
der Historia Godefr. p. 441, wo, wie wir in der Einl. S. 20 gezeigt 
haben, ein Teil des Alexiosbriefes mit etwas veranderter Redaktion ein- 
gefugt ist, werden die ,,corpuscula multorum Innocentium et aliorum 
Martyruni" namentlich aufgefuhrt: es werden genannt die Korper des 
heihgen Georg, Mauritius, Demetrius, Nicolaus, Egidius, Joh. Damascenus^ 
Joh. Clirysostliomus, Gregors von Nazianz, CjTillus und Pelagius. — 
87. Von diesem ersten Martyrer scheint man nur das Haupt (cranium 
eius, lapidibus confractum, nunc uero resartum, Ant. Novgor. 228) 
und die rechte Hand (Rel. Constpl. 212; Nicol. Thingeyr. 213) auf- 
bewahrt zu haben, u. zw. beide in der St6phanskirche. — 88. „Welche . 
Rehquien ich wegen allzugrosser Anhaufung von Namen im Einzelnen 
nicht aufzeichnen will". Ohne Zweifel hat der Verfasser aus der mehr 
oder weniger langen Reihe der in dem von ihm benutzten Kataloge 
verzeichneten Namen ersehen, dass deren Aufzeichnung doch unniitz 
sein wiirde, weil diese Namen nur Wenigen bekannt waren. Dagegen 
hat sichs der Verfasser der Hist. Godefr. zur Aufgabe gemacht, dem 
Papst in Clermont etwelche derselben in seiner Kreuzzugsrede in den 
Mund zu legen (s. n. 86). 

89. praedicta: alles in Rezug auf die Reliquien Ciiristi und 19 
seiner Heihgen bisher Gesagte. — 90. Nach Guib. 132 C (s. Einl. S. 13) 
habe der Rriefschreiber den Verlust der Reliquien sich in der Weise 
eintretend gedacht, dass dieselben „ab impiis aut incendio conflagrentur 
aut in uoragines demergantur". Vgl. auch Abs. 23. 

91. quod: was dies betrifft, wenn sie deswegen nicht kampfen 20 
wollten und das Gold mehr Heben sollten als die in Constantinopel an- 
gehauften Reliquien, so wiirden sie in dieser Stadt mehr finden, als in 
der ganzen Welt. Ganz den Worten unseres Rriefstellers entsprechend 
macht auch Guib. 133 R (s. Einl. S. 13) die weitere Rriefinhaltsangabe : 
„si non tanti cohibitio mali (s. Abs. 6 — 15), si non praefatorum sanc- 
torum ad hoc ipsum eos animaret amor (Abs. 17 — ^19), saltem auri 
argentique, quorum innumerabiles illic habentur copiae, cupiditates 
inliceret". Diese Worte Guiberts geben im Allgemeinen den Haupt- 
inhalt unseres Rriefes wieder. Es liegt nahe, auch hieraus zu folgern, 
dass Guibert hOchstwahrscheinlich keine andere Redaktion desselben 
gekannt habe, als die, welche wir commentieren und uns in der grossen' 
Zahl der Robertcodices erhalten ist. S. auch Einl. 17. — 92. the- 
sauri ecclesiarum Constantinopolis: s. zu Abs. 17 n. 71. Ueber 
den Gold- und Silberreichtum der eccl. S. Sophiae vgl. man vornehm- 
lich Paulus Silentiarius v. 251 — 390. — 93. Ris liieher reicht dieEpistula 
in Cod. a. S. Einl. 42. gemmae et lapides pretiosi: Perlen 
und Edelsteine. Man vgl. auch die Worte Stephans von Rlois in IV, 12, 
wo dieselben Gegenstande, welche in Nicaea erbeutet worden waren, 
fast in gleicher Reihenfolge erwahnt werden, wie in unserem Rriefe. 
Ueber den grossen Reichtum an Juwelen und Perlen in Constantinopel 
s. Naheres bei Krause 68 ff. Zu den lapides pretiosi zahlte der 
Briefschreiber jedenfalls auch jene grosse Zahl Porphyr- und Jaspis- 
saulen in der S. Sophienkirche, sowie deren Marmorbekleidung. — 94. Weil 
die in den Jahren 533 — 537 von Kaiser Justinian I erbaute und am 



200 Erlautemngen zu [, 20. 21. 22. 

i26. Dec. 537 eingeweihte ecclesia S. Sopliiae die grOsste aller 
Kirchen war, deshalh wird ihre GrOsse und Pracht auch gewftlniUch 
hervorgehohen, hesonders auch noch l)ei den im Zeitalter der Kreuzzuge 
lehenden Schriftstellern, so bei Anna Koiiin. Alex. hb. 11 ed. Bonn. I, 
132: 6 /ieyac; toC ^eoO vewc; Tr\c toi3 ^eoO oo^iac, oder 1. II, il)id. 
p. 100: 6 THc; iueydXric; oocpiac; vecoc;; bei Nicetas p. 395: 6 juieYiGToc; 
Tf\c, Cocpiac; vaoq ; p. 288 : 6 jiepnhw^oq Tf\q zov OeoC Oocpiac: oixoq. Odo 
de Diog. p. 38: „multas habet ecclesias, S. Sophiae magnitudine impares, 
iion decore, quae sicut sunt admirabiles pulchritudine, sic sunt etiam 
immerosis sanctorum pignoribus uenerandae". Ueber die Sophienkirche 
vgl. u. a. Procopius, De aedificiis I, 1; Euagrius, Clirist. eccles. IV, 31; 
Paulus Silentiarius "ExcppaOic; ; Agathiae Myrinaei histor. 1. V, 9 ; Baeda 
p. 32ii; Adamnanus p. 286; Paul. Warnefridus, De Gest. Longob. I, 25; 
Codinus ed. Bekker p. 131 — 148, ed. Migne p. 614 — 634; Banduri, 
Anonym. S. Sopliiae p. 68 ff.; Gyllius und Grelot, vornehmlich auch 
Ducange, Constantinopolis christ., welcher im III. Buche alle auf die 
S. Sophia bezuglichen Stellen der byzantinischen Schriftsteller gesammelt 
und kritisch beleuchtet hat; ferner Hammer, Constantinopolis und der 
Bosporus I, 335 — 375. Eine wichtige wissenschaftUche Beschreibung 
der S, Sophia gibt Salzenberg in dem grossartig angelegten Werke: 
AltchristUche Baudenkmale von Constantinopel p. 15 ft., wo im Anhang 
auch von Kortiim eine metrische deutsche Uebersetzung der Be- 
schreibung der S. Sophia des Paulus Silentiarius beigegeben ist. Eben- 
falls geben Geschichtliches iiber diese Kirche Pulcher, Les anc. eglises 
byzant. p. 19 ff.; Lethaby et Swainson, The Ciiurch of Sancta Sophia, 
Constantinople, und H. I. Meyer, Der Orient p. 488—497. — 95. Wahr- 
scheinlich waren dem Verfasser des Briefes auch die Worte bekannt, 
die seinerzeit Kais.er Justinianus (527 — 565 n. Clir.) bei der Einweiliuug 
der neuerbauten S. Sophienkirche ausgerufen haben soll: vevixrjxd (58 
XoXojawv! Diesen Ausspruch berichtet namlich der allerdiugs erst in 
der ersten Halfte des XV. Jahrhunderls, jedoch auf Grund alter Nach- 
richten schreibende Codinus in seinem Buchlein Ilepi Tf)c; o\xobo\ir\q 
To() vaou Tqq 'Ayiac; Socpiac;, ed. Bekker p. 143, ed. Migne p. 627. 
Man vgl. hiezu auch, was der Zeitgenosse Justinians, Euagrius in s. Hist. 
eccles. IV, c. 31, ed. Migne p. 2758, iiber dieses Gebaude sagt: Ebo- 
|Lii)CJaTO be jueya ti xai djTapd|3Xr|Tov XPHI^ct oi)x ic^ToprjO^ev jTcbjroTe tov 
|LieYic>Tov Tf\c, exxXriOiac; vr^ov, EV7ipE7if\ Te xai e^oxov, xai Aoyod 
biSvajuiv expaivovTa. Vgi. Du Cange, Descriptio S. Sophiae p. 2164. 
21 96. uobiles, die Adeligen bezw. die Aristokratie ; doch scheint 

der iiber die Massen von dem Verfasser geriihmte und zu einer 
fabelhaften GrGsse fillschUch erhobene Reichtum derselben zu ge- 
wissen Zeiten, mindestens gesagt, weniger auffiLillig gOAvesen zu sein: 
Luitprand von Cremona, welcher als Gesandter des Kaisers Otto iu 
Constantinopel den ganzen Sommer hindurch sich aufgehalten hat, be- 
richtet in seiner Legatio c. 9 iiber einen festUchen Aufzug, den er mit 
angesehen hatte : die Hof leute (optimates), welche in der Procession mit 
dem Kaiser gegangen seien, hatten grosse und durch allzuhohes Alter 
durchlOcherte Tuniken getragen, sie wurden jedenfalls anstandiger ge- 
kleidet gewesen sein, wenn sie ihr alltagliches Hausgewand getragen 



Epistula Alexii I Komneni ad Robertiim [ comitem Flandrensem. 207 

haben wiirdeii: „nemo ibi auro, nemo gemmis ornatus erat, nisi ipse 
solus Nicephorus, quem imperialia ornamenta, ad maiorum personas 
sunipta et composita, foediorem reddiderunt" — : ein einziges wertvoUes 
Gewand eines abendlandischen Barons ware mehr wert gewesen, als 
100 von diesen. — 97. Au^h Luitprand a. a. 0. weiss von der ^ne- 
gotiatorum multitudo copiosa ignobiliumque personarum" zu reden, 
welche sich in Constantinopel jeweils zusammengefunden habe. Der 
Verfasser unseres Briefes will sagen, wie gross musse erst der Reich- 
tum der Adeligen sein, wenn schon der der gewOhnlichen Geschafts- 
leute ein unschatzbarer sei. — 98. Constantinopel, welche Stadt 
bis zur Eroberung durch die Lateiner das ganze Mittelalter hindurch 
vor gewaltsamen Eroberungen und Plunderungen •verschont geblieben 
ist, musste in Bezug auf Ansammlung von Schatzen durch seine glanz- 
und kunsthebenden Kaiser ehie unbegrenzte Bereicherung erfahren, 
wovon auch durchgangig die Schriftsteller Zeugnis geben. Viele Er- 
zeugnisse von hohem Kunstwerte und andere Kunstgebilde sind auch 
seit Constantin d. Grossen aus dem alten Rom nach Constantinopel 
verbracht worden, man vgl. Codinus p. 52, 57 flf., so dass aucli hierin 
der Verfasser des Briefes guten Bescheid gewusst hat. Ueber solche 
alte aus dem alten Rom nach Constantinopel verbrachte Gegenstande 
vgl. Krause 37 ff. Ueber Palaste in der griechischen Hauptstadt und 
deren Reichtiimer, vornehmlich iiber die beiden hervorragendsten Palaste 
Constantinopels, das alte |LieYa TraXdriov und den von Blachernae, zwei 
grossartige und feste Bauwerke vgl. ebenda S. 24 ff. — 99. Was dem 
Beschauer, der etwa die Strassen der Stadt durchschreitet, an Schmuck 
und Kunst sowohl an den Gebauden als auch den Offentlichen Pliitzen 
in die Augen falle — war doch das Hippodrom mit einer ungeheueren 
Zahl von Statuen ausgestattet, unter welchen viele beruhmte Werke 
aus dem alten Rom sich befanden (s. Krause 44) — sei nichts gegen 
das, was in den Kirchen, Palasten und Hausern des Staates und der 
Privaten verborgen gehalten werde. Offenbar vermochte der Briefsteller 
nur aus eigener Anschauung so zu schreiben. 

100. Derselbe Ausdruck totisuiribus certare auch in Abs. 17. 22 
— 101. Nachdem Anna Komn. lib. VII, ed. Bonn. I, 355 berichtet hatte, 
dass Robert dem Alexios ein Hilfsheer von 500 Rittern zu senden 
versprochen, erziihlt sie bald nachher, p. 357, wie die Scythen mit un- 
beschreiblicher Schnelligkeit immer weiter nach Thracien eingedrungen 
und bei Kypsella nicht weit von Constantinopel gestanden seien. Der 
Kaiser sei nicht mehr imstande gewesen, ihrem weiteren Vorrucken 
Einhalt zu thun, habe deshalb mit denselben in Giite sich abgefunden 
(s. Einl. S. 31); sie seien jedoch das folgende Jahr wieder vorgedrungen, 
und es wahrte die Scythen- und Petschenegennot bis zum 29. April 1091, 
wo sie bei Libonium besiegt worden sind (s. n. 19). Dass demnach 
(lie im Alexiosbriefe geschilderte Notlage in der That vorhanden war, 
kann nicht gelaugnet werden (s. a. n. 09) ; ebensowenig, dass Constantin- 
opel selbst von ihnen bedroht gewesen ist. — 102. „Und ich furchte, 
dass die Tiirken und Petschenegen durch jenen Schatz allmiilig unsere 
habgierigen Soldaten verfiihren", d. i. wenn sie einmal im Besitz 
(jieser in Constantinopel aufgestapelten Reichtumer sich befinden, so 



208 Eiiauterungen zu 1, 22. 23; H, 1. 

werden sie auch allmahlig unsere olinehin schon liabgierigen Soldaten 
von uns abwendig maclien, dass diese den Feinden ziifallen, wek*he 
ihnen von den geraubten Reichtuniern Zuwendungen machen wurden. — 
103. „Und ich furchte, dass sie wie ehemals Julius Caesar es machen 
werden, der aus Habgier in der Franken Reich eingefallen ist", um 
namlich — und das Hegt in der Vergleichung angedeutet — sich mit 
den unermesslichen Geldsummen, welche er in diesem Kriege zusammen- 
gebraclit hatte, die Gunst der Vornehmen wie der Niedrigen durch Ge« 
schenke zu erkaufen und die Leute an sich zu ziehen. Was diese 
cupiditas Caesaris anlangt, welche hier der Verfasser des Briefes 
anfuhrt, so war ihre Erwahnung bei Guibert mit ein Grund, dass dieser 
darin auch eine Anspielung auf die schOnen Frauen Griechenlands zu 
finden meinte. Denn diese cupiditas, mit welcher Caesar in Gallien 
eingefallen, war nicht blos eine cupiditas auri, sondern auch eine cu- 
piditas feminarum. Wie sie bei Caesar sich offenbarte, hat Sueton in 
seinem Jul. Caesar c. 50 — 54 in drastisciier Weise geschildert; c. 50: 
„pronum et sumptuosum in libidines fuisse, constans opinio est, pluri- 
masque et inlustres feminas corrupuisse". Bei Caesars Ruckkehr aus 
Gallien und seinem Triumpheinzuge in Rom sei nach Sueton c. 51 unter 
seinen Soldaten folgendes Distichon kursiert: „urbani, seruate uxores, 
moechum caluum adducimus. aurum in GalUa effutuisti: hic sumpsisti 
mutuum". Ueber Gaesars Verfahren in GalUen berichtet derselbe 
Sueton c. 54: „in GalHa fana templaque deorum, donis referta, expilauit^ 
urbes diruit, saepius ob praedam, quam ob delictum: unde factum, ut 
auro abundaret, ternisque mihbus nummorum in libras promercale per 
Itaham prouinciasque diuideret". Ohne Zweifel war deni Verfasser des 
Briefes dieses Verfahren Caesars iiach Suetons Schilderung wohl be- 
kannt und gab auch dem Guibert einen Anhalt von dieser Anspielung- 
auf die Frauen Constantinopels zu reden und in den Worten des 
Alexiosbriefes eine indirekte Aufforderung zu finden, dass die Abend- 
lander auch um der Frauen wiUen nach Constantinopel kommen konnten. 
— ■ 104:. „und dass sie es machen wie der Antichrist, der die ganze 
WeU erobern soU, es am Ende der Welt machen wird", namUch die 
Leute zum AbfaU bewegen, laut 2. Thessal. 2, 3. 
23 105. regnum Christianorum: das Reich der griechischeu 

Christen, wie in Abs. 16. Unter den im Vorhergehenden geschil- 
derten Verhaltnissen sei voraussichtlich der Besitz Constantinopels 
ihnen gewiss, sofern sie sich aufmachen wiirden und dem Kaiser 
zu Hilfe kamen: thaten sie dies niciit, so entgehe ihnen auch 
der in Aussicht gesteUte Besitz dieses Reiches. — 106 Nach 
G. Paris in Rev. crit. 1879, t. II, 383 soU die Erwahnung des 
Sepulcrum Domini an unserer SteUe eine absurde Plirase sein, denn 
die Franken hatten ja niemals vor 1099 das heiUge Grab besessen; 
der Brief habe auch sonst nicht die geringste Bezieliung auf den ersten 
Kreuzzug; aber der Ueberarbeiter des Briefes, Guibert oder Robert oder 
sonst ein anderer, betroffen durch das Fehlen jegUcher Erwahnung des 
heil. Landes, habe durch Einschaltung dieser Worte dem Mangel ab- 
geholfen. Nach Vasiljevski a. a. 0. p. 251 — 261 ware das Wort 
Sepulcrum eine unrichtige Uebersetzung anstatt ^reUquiae Domini% 






m 

m. 



Epistula Alexii 1 Komneni ad Robertum I comitem Flandrensem. 209 

voii denen ja eben die Rede gewesen sei. Allein beide Annahmen 
sind, die eine wie die andere, keineswegs nOtig und beruhen nach 
unserer Meinung auf Willkur. Warum soll denn der, welcher eben die 
Reliquien in Constantinopel als einen so begehrenswerten Schaiz er- 
wahnt hat und mitgeteilt hat, wie die Turken die heil. Orte in Klein- 
asien von Jerusalem an verunreinigt und entweiht haben, nicht auch 
ausdriicklich des heil. Grabes gedenken, wohin ja eine bedeutende An- 
zahl Pilger alljahrlich ihre Pilgerreise zu machen gewohnt war, wohiu 
auch Robert der Friese gewallfahrtet war? Allerdings, die Franken 
hatten dasselbe friiher nie in der Weise besessen wie nach der Er- 
oberung Jerusalems, aber es war diese Statte doch beinahe immer dem 
christUchen Kult geoffnet und unbestreitbar fur die Abendlander der 
damahgen Zeit der beruhmteste Wallfahrtsort — insofern konnten die 
Frankeu es eben auch verlieren. Der Briefsteller will sagen : auch des 
heil. Grabes geht ihr verlustig, wenn ihr den Griechen nicht zu Hilfe 
eilt, insofern man euch in Zukunft dasselbe zu betreten wehren, ja 
vielleicht dasselbe ganz zerstOren wird. Man vgl. auch n. 45 ; eben- 
falls die Worte des Briefes des Patriarchen Johannes von Jerusalem 
bei Rauschen S. 47, 20: ^eiectus sum plerisque Christicobs captiuatis 
it quibusdam interfectis et, quod maius est, captiuato Domini Se- 
ulcro nimisque dedecorato". — 107. Vgl. Abs. 17, wo ebenfalls 
vom merces caeli, und Abs. 19, wo vom detrimentum et 
iudicium die Rede ist. In diesem Schlusse: amen, der nur eine 
liomiletische Formel wiedergebe, sieht Riant, Epist. p. xv, einen Be- 
eis der Unechtheit des Alexiosbriefes, denn Alexios habe sonst nie 
ersaumt, das Datum und den Ort der Abfassung seinem Schreiben 
beizusetzen. Doch ist die Anwendung dieser Schlussformel in einem 
Excitatorium nicht im Geringsten autfallend und mOglicherweise vom 
Kaiser selbst gebraucht worden. 



II. 

Epistula Urbani II papae ad omnes fideles in Flandria 

commorantes. 

(Geschrieben Ende December 1095.) 

1. Urban II, vormals Otto von Lagery, ein Franzose aus Chatillon 
Marne, eine Zeit lang MOnch in Cluny, dann vom Jahre 1078 an 
^ardinal-Bischof von Ostia, wurde nach des Papstes Victor III Tod 
(16. September 1087) am 12. Marz 1088 zu Terracina in der dortigen 
S. Peterskirche zum Papste gewahlt. Sein Pontifikat wahrte bis zu 
seinem Tode, den 29. Juli 1099. Niiheres uber ihn s. Bernoldi Chron. 
ad a. 1088—1099; Cliron. Casin. lib. IV; Sigeb. ad a. 1088; Guib. 135; 
Bouquet XIV, cx-cl, 688-672; Ceillier (1757) XX, 717—62; Dupin 
XI, 239-60; Lelong I, 7693 — 7; Griinhagen, Vita Urbani II (Halae 

Hagenmeyer, Epi&tulae et Chartae. 14 



210 Erlauterungen zu 11, 1. 2. 3. 

1853); Hist. litt. France VIII, 514—53; Siiiion, Urbani II papae uita 
(Berol. 1851); Laubert, Vita Urbani II (Wratisl. 1858); Brimont, Urbain II 
(Paris 1862); Ewald in NADCJ V, 352—375; Contestin, La vie cVUrbain II 
in Rev. des sciences eccles.1882, E, VI, 305 — 33: Gregorovius IV^, 257;^ 
Floto II, 341; Giesebrecht III, 578; Sybel 224 (183); Watterich I, 571: 
Lucot, Le pape S. Urbain II (1882); Stern, Zur Biogr. Urbans II (1883); 
Riant, Un dern. triomphe (1883); dessen Invent. p. 101 — 111, 124—131 : 
Ranke VII, 318 tf., VIII, 77 ff.; Martens in Zeitschr. f. Kirchenrocht 
XXII, 12 If.; HE 93-102; HG 102; HChr. n^ 412; Gigalski 40 if : 
Richter, Annalen S. 439. 445. 457. Ueber Urbans Verhaltnis zu deu 
Kreuzfahrern und dieser zu ihm vgl. unten zu XVI, 13. — 2. „Seruu- 
seruorum Dei, titulus, queni summi pontifices sibi uulgo adserunt. 
cuius moris auctorem Gregorium Magnum fuisse scribit lohannes Dia- 
conus lib. 11 de Vita euisdem Gregorii c. I" ; s. Ducange Glossarium ad 
uoc. seruus. Doch haben auch Bischofe, ja selbst Fursten und KOnige 
sich dieses Titels bedient, vgl Ducange, ibid. — 3. Flandria umfasste 
im Mittelalter den in Holland gelegenen sudlichen Teil der Provinz 
Seeland, das heutige in Belgien gelegene Ost- und Westflanderii. 
dann die franzOsischen Departements Du Nord (v^esthche Halfte), Pa- 
de Calais, St. Pol, S. Omer und Calais. Man vgl. WarnkOnig I, 94 f.. 
welcher von S. 1 — 32 ausfuhrlich iiber die Quellen und Litteratur der 
alteren Geschiclite Flanderns handelt, ebenfalls Leo I, S. 10 f. 

4. Aehnlich lauten die Worte bei Rob. 727: „ab Hierosolymoruni 
finibus et urbe Constmtinopolitana relatio grauis emersit et saepissime 
iam ad aures uestras peruenit, quod gens regni Persarum" etc; offenbar 
enthalten sie eine Umschreibung der Worte unseres Briefes. Die re- 
latio multorum ist der Bericht jener aus dem Morgenlande zurQck- 
gekehrten Pilger (Baldr. 12 A), sowie der aus Antiochien und Jeru- 
salem gekommenen, im Abendlande von Ort zu Ort ziehenden Ver- 
bannten und Bettler, welche uber den klaglichen Zustand ihrer Heiniat 
Mitteilungen machten (ibid. u. HP 106), endlich auch jener, die Ende 
November 1095 auf dem Clermonter Concil anwesend waren und de- 
Papstes Aufforderung und was sie dort iiber den Zustand der morgen- 
landischen Ciiristenheit und der heil. Statten gehOrt hatten, weiter 
trugen. Riant. Inv. 114 und 116 vermutet, dass vorhegendem Schreiben 
eine Bulle des Papstes vorangegangen sei, worin dieser den lateinisclien 
Fiirsten das Kreuzzugsunternehmen offiziell angekundigt hatte, denn 
unser Schreiben an die flandrischen Prinzen sei zu kurz und bekunde 
keineswegs, wie zu erwarten sei, die fttr derartige Schrittstucke ge- 
wohnliclie einleitende Begrundung dieses Unternehmens : allein wurde 
der Papst ein derartiges Schreiben schon an die Fursten abgesendet 
gehabt haben, so wurde er sicher auch hier darauf Bezug genommen 
und nicht blos allgemein von einer relatio multorum geschrieben haben ; 
es kOnnte daraus eher das Gegenteil gefolgert werden. — 5. rabies 
barbarica: das Verhalten der Seldjuken in Kleinasien und der Sara- 
2enen in Palastina, deren rauberisches und rucksichtsloses Auftreten die 
Hauptveranlassung gegeben hat zu des Alexios Hilfsgesuch auf dem 
Concil zu Piacenza (vgl. Bernoldi Chron. ad a. 1095), nicht minder zum 
Brief des Alexios an Robert von Flandern (s. Ep. I), sowie zu deu 



Epistula Urbani II ad omnes fideles Flandriae. 211 

Worten der Clermonter Concilsrede, welche ein Fulcher, Guibert, 
Baldrich, Robert und Hugo von Fleury dem Papst in den Mund legen. 
Ausfuhrhcli tiber das Vordringen der Turken berichtet Ekk. Hieros. 
c. II — V; vgl. a. oben Einl. S. 30. — 6. Die ecclesiae Dei in 
Orientis partibus sind nicht die Kirchengemeinschaften, etw^a der 
Griechen, Armenier und Syrer, sondern die Kirchengebaude. Auch 
Rob. 727 E hat diese Worte des Briefes also verstandeii : „ecclesias 
Dei aut funditus euerteret, aut suorum ritui sacrorum mancipauerit" ; 
vgl. a. HE 49 fF. Die partes Orientis sind Palastina, Syrien, Armenien 
und Kleinasien, oder nach der Benennung in Ekk. Hieros. If, 5; III, 4: 
Armenia, Cappadocia, Romania, Syria et Palastina. — 7. infestatio: 
Beleidigung, hier der feindliche Angriff. Vgl. Tertullianus Apol. I; Cyprianus, 
De bono patientiae 7. Ueber das Thatsachliche dieser feindlichen An- 
griffe vgl. zu I n. 19. 20. 45. 53. — 8. Rob. 729 A: „Ierusalem . . . 
redemptor humani generis sui inlustrauit aduentu, sacrauit passione, se- 
pultura insigniuit". — 9. Rob. 727 E (s. n. 6). Die Worte quod dici 
nefas est lassen vermuten, dass dem Papste bekannt w^ar, was im 
Briefe des Alexios an Robert von Flandern iiber die Schandung der 
heil. Statten mitgeteilt wird: das aber halt er fur unziemlich auszu- 
sprechen, zudem er die Bekanntschaft damit bei den Empfangern des 
Briefes voraussetzt. Nicht also dachte Rob. a. a. 0., der die Mit- 
teilungen des genannten Briefes auch Urban in der Clermonter Concils- 
rede in den Mund legt. 

10, pio contuitu: „in gottgefalliger Erwagung". — 11. Die 
Gallicanae partes sind die Gegenden des heutigen Frankreichs. 
Urban hatte seine Reise dahin im Sommer 1095 angetreten. Am 
26. Mai 1095 weilte er noch in Mailand, am 1. Juli zu Asti, am 5. Aug. 
zu Valencia. Sein Aufenthalt in Frankreich wahrte ein volles Jahr. 
Mitte August 1096 hat er Frankreich wieder verlassen. Das Itinerar 
des Papstes wahrend seines Aufenthaltes in Frankreich kann ersehen 
werden aus Jaffe-LOwenfeld 5542 (4148) bis 5669 (4244); Bouquet 
XIV, 681 f.; Hist. de Languedoc II, 288 ff.; Montalambert VII, 163 f.; 
Dombrowski 28 ff.; HE 87 ff.; HG 103. — 12. Orientales eccle- 
siae: Kirchensprengel. liberatio: die Befreiung vom Joche der 
Ttirken, wovon in Abs. 1. die Rede ist. — 13. huius modi pro- 
cinctum: die Bereitschaft hiezu. — 14. Rob. 727 B: „adripite uiam 
in remissionem peccatorum uestrorum". — 15. Rob. 727 A: „anno 1095 
inter fines Galliae concilium celebratum est in Aluernia scilicet in ciui- 
tate, quae Clarus mons appellatur . . . fuit autem illud concilium ualde 
celeberrimum". Das Concil fand statt vom 18. — 28. Nov. 1095. S. die 
zu n. 11 genannten Quellen, und HChr. n^ 9 — 11. — 16. Ueber Ademar, 
den Bischof von Puy, welcher sonst auch , wie in Gesta Ademari 
354 C: episcopus Aniciensis, d. i. Bischof von Ange, genannt wird, 
vgl. HE 100 und HG 132, ebenfalls unten zu XV, n. 112 und XVI, 12. 
Ademar war auf dem Clermonter Concil anwesend. Nach Baldr. 15 G 
sei er, nachdem Urban seine Rede beendet gehabt habe, mit freudiger 
Miene vor diesen getreten und habe knieend die Erlaubnis zur Pilger- 
fahrt sowie des Papstes Segen sich erbeten und erlangt, dazu noch 

14* 



212 Erliiuterungen zu II, 3. 4. IH, 1. 

den Aiiftrag erhalten: „nt omnes ei ol)oedirent et ipse pro officio sno in 
omnibns exercitni patrociuaretur: utpote qnem omnes magnae stre- 
nnitatis et singnlaris indnstriae praesentem noueranf*. Baldrich sagt 
ausdrncklich, dass er (Baldrich) von diesem Vorgange Augenzeuge 
gewesen sei (nobis uidentibns), Robert aber, welcher ebenfalls auf 
dem Concil zngegen gewesen ist, beliauptet, dass Ademar bei einem 
Convent der Bischofe tags nacli der Offentlichen Versammlung znm 
Fiihrer auserkoren worden sei und die Fiihrerschaft, wenn aucli 
nngerne (licet inuitus), iibernommen habe. Wer von beiden das Richtige 
mitteilt, ist schwer zu entscheiden. — 17. iter sc. faciendum ad libera- 
tionem Orientalium ecclesiarum, sonst in den Gesten „iter Hierosoly- 
mitanum" genannt. Derselbe Ausdruck „itineris dux" anch bei Galt. Bella 
Ant. I c. 3, 6. Rob. 731 A: „Podiensis ep. suscepit, quasi alter Moses 
ducatum et regimen Dominici populi cum benedictione domini papae 
ac tothis concilii". Gesta Ademari p. 354 D: ^praedictus heros (Ur- 
banns) idoneum ductorem tanti itineris dominum Ademarum, Aniciensem 
episcopnm, facilem ad omne bonum, gracilem ad equitandum dedit eis, 
ut ipse pastor utilissimus per terras et per mare, Deo gubernante, fieret 
illis consolator fidissimus". — 18. negotium: das Amt des LOsens 
und Bindens, wie es dem Papste zusteht. — 19. Aus diesen Worten 
erhellt, dass Urban II das Kreuzzugsunternehmen als von ihm ans- 
gehend und unter seiner Direction stehend angesehen hat, und da er 
am Zuge selbst persOnlich sich nicht beteiligen konnte, Ademar zn 
seinem Stellvertreter ernannt worden ist. Dass die Kreuzfahrer Ade- 
mars Stellung auch also angesehen haben, geht u. a. auch aus der 
Epist. Boamundi ad Urbanum hervor (s. unten XVI, 13), worin Boe- 
mund und die ubrigen Fiirsten dem Papste Ademars Tod melden und 
ihn (den Ademar) als „tuum uicarium'* nennen und an Urban die 
Bitte richten, jetzt in eigener Person nach Antiochien zu kommen und 
sie von da weiter zu fiihren ; vgl. a. die Worte Baldrichs in n. 16. 
Mit Recht weist Riant, Inv. 144, darauf hin, dass damit die Hypothese, 
welche man bei Michaud, Darras u. A. findet, es sei nach einander die 
Fuhrung des Zuges verschiedenen Fiirsten angeboten worden, so dem 
Konige von England, dem von Ungarn, hinfallig ist. 

20. Rob. 729 G umschreibt die Worte des Briefes also: „qui- 
cumque ergo huius sanctae peregrinationis animum habuerit etDeo spon- 
sionem inde fecerit, eique se libaturnm hostiam uiuam, sanctam et benc 
placentem deuouerit". — 21. Adsumptio beatae Mariae d. i. am 
15. Augnst 1096. Dieses Datum wird sonst nirgends als der Termin 
des Wegzuges genannt, war aber hienach nichtsdestoweniger offiziell 
angeordnet worden, weshalb Riant, Inv. 114, mit Recht dazu bemerkt: 
„tous les chefs de bande, partis auparavant, ont contrevenu aux ordres 
du S. Siege et couru au-devant des desastres qui les attendaient". Als 
Zusammenkunftsort hatte Ademar vor seinem Wegzuge Constantin- 
opel bezeichnet, was den iibrigen Anfiihrern von ihm durch Gesandte 
war mitgeteilt worden, vgl. Hist. de Langued. II pr. 9; HE 134; Riant. 
Inv. 114. Ademar selbst ist dahin mit des Grafen Raimunds Heer 
gezogen und daselbst erst im April 1097 eingetroffen, s. HG 169. 
Das gesamte Kreuzheer war aber erst vereinigt, als die einzelnen 



Epistula Urbani II ad Bonoxxienses. 213 

Abteilungeii vor Nicaea angelangt waren und die Belagerung dieser 
Stadt unternahmen, und zwar mit der Ankunft Roberts des Normannen, 
am 3. Juni 1097; s. a. HChr. n» 153—155, und HG 184 u. 515. 



III. 

Epistula Urbani II papae ad Bononienses. 
(Geschrieben am 19. September 1096 zu Pavia.) 

1. Urban hat diese Bulle, wie aus dem Schlusse derselben er- 
sichtUch ist, am 19. Sept. 1096 in Pavia ausgefertigt. Er war dahin 
auf seiner Riickreise aus Frankreich gelangt, nachdem er um die Mitte 
August 1096 die Alpen iiberstiegen, am 9. Sept. zu Asti gewesen war 
und bei Mortara am 14. Sept. das Fest der KreuzerhOhung gefeiert 
hatte. In semem Gefolge war eine grosse Anzahl BischOfe und Vor- 
nehmer, ohne Zweifel auch solche, welche den Kreuzzug angetreten 
hatten. Vgl. Bernoldi Chron. ad a. 1096 u. HE 102. — 2. clero popu- 
loque Bononiensi: dem Klerus und Volke zu Bologna. Diese am 
Fusse der Apenninen, zwischen den Flussen Reno und Savena schon 
gelegene Stadt, eine der altesten Italiens, im Mittelalter beriihmt durch 
ihre Rechtsschule, gehorte damals in das Besitztum der Markgrafin 
Mathilde von Toskana, wie denn auch eine grOssere Anzahl Urkunden 
zu Gunsten Bolognas von der Markgrafin existieren (s. Savioli, I, ii p. 139 f.), 
ist dann durch das Vermachtnis der Markgriifin in den Besitz des Papstes 
iibergegangen. Damals hatte auch Urban II in Lombardien so be- 
deutenden Anhang wiedergewonnen, dass die Sache des Gegenpapstes 
als eine verlorene betrachtet werden konnte. Dass dieselbe auch in 
Bologna guten Boden hatte, geht aus dem vorliegenden Briefe hervor, 
und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Urban auf seiner Riickreise 
nach Rom auch nach Bologna gekommen ist und sich dort eine Zeit 
lang aufgehalten hat, wenigstens wird dies von Negri p. 20 behauptet. 
Dieser Aufenthalt des Papstes daselbst kann aber nur im Laufe Sep- 
tembers oder zu Anfang Octobers 1096 stattgefunden haben. Vom 
9. — 16. October hielt sich Urban in Cremona auf; im November treffen 
wir ihn schon in Lucca, wo er die franzosischen Kreuzfahrer, Robert 
von der Normandie, Stephan von Blois und Robert von Flandern be- 
griisst und ihnen seinen Segen zum guten Fortgange ihres Unternehmens 
mitgegeben hat, welche dann iiber Rom nach Unteritalien zogen und 
daselbst uberwinterten. Vergl. Fulch. 329; Bernold ad a. 1096; Giese- 
brecht III, 651; Jaffe-Lowenfeld I, p. 690. 

3. bonitas uestra: eure gute, wohlwollende und rechtliche 
Gesinnung. In derselben Bedeutung auch bei Fulch. 326 G: „in pai'- 
tibus omnibus Europae pax, bonitas, fides in ecclesiis et extra, tam a 
maioribus quam minoribus uiriUter subigebantur". — 4. inter schis- 
maticos et haereticos constituti: zwischen Schismatiker und 
Htiretiker hineingestellt. Die ersteren waren die Wibertistae. die 



214 Erlaiitemngen zu III, 2. 3. 4. 



Anhmiger des Gegenpapstes Guibert (Clemens III, von 1080—1100), 
s. JafFe-LOwenfeld 5538 (4145). In jenen Tagen, als Urban aus Frant 
reicli zuriickgekonimen und gegen Weihnachten 109B in Rom feierlichst 
eingezogen war (s. Bernold ad a. 1097), hatten allerdings die Wibertisten 
in Italien viel an Macht verloren. Fulcher von Chartres, der in jenem 
Spatjahre mit den Schaaren Roberts des Normannen auf dem Zuge 
nach Jerusalem durch Italien gezogen ist, schreibt daruber (Rec. 326 B) : 
„Urbanus eo anno, quo Franci primitus Jerusalem euntes per Rornam 
transierunt, totam omnino potestatem apostolicam adeptus est, auxilio 
cuiusdam nobilissimae matronae, Mathildis nomine, quae in Romana patria 
potestate multa tunc uigebat. Guibertus uero tunc in Alamannia erat. 
itaque duo papae Romae praeerant, sed cui oboediretur, a quamplurimis 
ignorabatur, uel a quo consilium posceretur, uel quis aegrotis mederetur. 
alii huic, alii alteri fauebant,'* und mit Trauern und Unwillen berichtet er 
liber das, was er wahrend seines Aufenthaltes in Rom in BetrefF dieses 
Zwiespaltes sehen musste, Rec. 329 A: „cum in basilica b. Petri in- 
troissemus, inuenimus ante altare homines Guiberti, papae stolidi, qui 
oblationes altari superpositas, gladios suos in manibus tenentes, inique 
adripiebant; alii uero super trabes ipsius monasterii cursitabant, et inde 
deorsum ubi prostrati orabamus lapides iaciebant. nam cum uiderent 
aliquem Urbano fidelem, ilico eum trucidare uolebant. in arce autem 
una basilicae inerant homines domini Urbani, qui eam sollicite custodie- 
bant in eiusdem fidelitatem et aduersantibus sibi, prout poterant, ob- 
sistebant. proinde satis doluimus, cum tantam atrocitatem ibi fieri uidi- 
mus. sed nihil aliud fieri nisi a Domino uindictam exoptauimus". Wer 
unter den haeretici zu verstehen ist, darilber gibt uns Bernold ad 
a. 1095 in seinem Berichte uber die Verhandlungen und Beschlusse 
der am 1. Marz 1095 stattgehabten Synode zu Piacenza den ge- 
wunschten Aufschluss. Auf dieser Synode wurde das Anathem uber 
die Ketzerei der Simonisten ausgesprochen, nach w^elcher man 
heilige Wurden oder kirchliche Aemter um gegebenes oder verspro- 
chenes Geld erwerben kOnne; ferner iiber die Ketzerei der Niko- 
laiten d. i. die Meinung der unenthaltsamen Subdiakonen, Diakonen 
und Priester, welche die Priesterehe verfochten; ferner tiber die Be- 
rengarsche Ketzerei d. i. die Leugnung, dass Brod und Wein, 
wenn sie auf dem Altare geweiht werden, nicht blos leiblich, sondern 
auch wahrhaft und wesentlich in Leib und Blut verwandelt werde. 
Ohne Zweifel hatten diese ketzerischen Meinungen auch unter dem 
Klerus und Volk zu Bologna ihre Anhanger, was auch die Worte 
unseres Briefes quidam . . . . quidara bestatigen, indem eben auch 
andere, welche nicht zu diesen quidam zahlten, in der Stadt sich auf- 
hielten. Wie gross die Zahl der letzteren gewesen sein mag, ob sie 
sicli in der Minderzahl oder Mehrzahl gegenuber denjenigen, welche 
Urban in seinem Schreiben lobt, befanden, lasst sich nicht mehr er- 
mitteln. — 5. Die meliores euentus, die besseren Enderfolge 
schHessen den Sieg der papstlichen Sache in sich, worauf das Bestreben 
der dem Papste zugethanen Bologneser gerichtet sein soUe: „besser 
ware der Enderfolg als der Anfang, wenn durch die jetzigen Anhanger 
Urbans eine grOssere Zahl gewonnen w^erden wiirde und en^Iich alle 



J 



Epistula Urbani II ad Bononienses. 215 

durch Gottes Giiade die Wahrheit erkenneten und von ihrem Abwege 
wieder umkehrten." — 6. Nach Matth. 10, 22. 

7. Dieser Bischof von Bologna hiess Bernhardus. Doch ist 
iiber ihn nur sehr wenig bekannt. Er wird noch in einer von der Grafin 
Mathilde in seiner Gegenwart ausgestellten Urkunde de d. 9. August 1098 
<bei Savioli I, ii p. 140) genannt. Ebenfalls hat am 17. April 1097 
oder 1098 Urban ein Schreiben an ihn gerichtet (Savioh a. a. 0. p. 138 
und bei Jaffe-LOwenfeld 5694 (4269), worin der Papst ihm Verhaltungs- 
massregeln gegen solche Geistbche gibt, die von Haretikern ordiniert 
worden sind. Ohne Zweifel war Bernhard ein entschiedener und treuer 
Anhanger Urbans 11. Nach Sigonius 72 und Masini 683 soll er schon 
im Jahre 1083 durcli Gregor VII. zum Bischof von Bologna ernannt 
worden sein, was aber den Worten unseres vorliegenden papstlichen 
Schreibens widerspricht, denn Bernhard ist ohne Zweifel niclit von 
Gregor VII, sondern erst von Urban II zum Bischof ernannt worden, 
darauf weisen unmissverstehbar die Worte per manus nostras; 
auch war Bernhard damals, als Urban die vorliegende BuUe schrieb, 
noch nicht als Bischof in Bologna eingezogen. Sicher ist auch, dass 
im Jahre 1089 Gerhard noch Bischof daselbst gewesen ist, laut einer 
von diesem bei Savioli p. 134 verfassten Urkunde vom 8.November 1089. 
Allerdings, ob Bernhard erst vor kurzem noch im Laufe des Jahres 1096 
oder schon mehrere Jahre fruher von Urban zum Bischof von Bologna 
designiert und geweiht worden ist, wird mit Bestimmtheit nicht mehr 
zu entscheiden moglich sein. S. a. Einl. S. 4-7. Ebenfalls vgl. man 
Negri § 27, welcher den Bischof Bernhard in der Kathedralkirche zu 
Boiogna im Jahre 1096 eine Kreuzzugsfahne weihen lasst. Woher 
jedoch Negri diese Nachricht entnommen hat, ist mir unbekannt. Nach 
Sigonius p. 72 ist Bernhard im Jahre 1104 gestorben, nach Alberti 
lib. vi (Blatt 104) schon im Jahre 1103. Sein Nachfolger hiess Victor. — 
8. conferre: zuwenden. — 9. ostendatis: „dass, so ihr Gott liebt, ihr 
an dessen Stellvertreter dies beweiset, indem ihr des Papstes Befehle 
nachkommt". — 10. qui uos audit, me audit, nach Luk. 10, 16. 

11. Negri § 26 verzeichnet eine grosse Anzahl Namen von solchen, 
denen Urban bei seinem Aufenthalte in Bologna das Zeichen des Kreuzes 
erteilt habe, welche sich alsdann am Kreuzzuge beteibgt hiitten; alle 
seien aus adeligem Geschlechte gewesen: Gerardo di Mondo Lambertino, 
der oberste AnfQhrer beim Zuge, Lodovico Blanchetti, der Fahnentrager, 
Aldraghetto Novespade, Alberto Guidazagni, Andalo Geremei, Ansaldo 
Ansaldi, Arardo di Simone Caccianemici, Azzolino di Filippo Vitaliani, 
Berardo d^Enrico Gozadini, Bernardino di Princivalle Canedoli, Borghesano 
di Bernardo Plastelii, Federico Brancucci, Filippo Garisendi, Gerardo 
Baciacomadri, Gabbione Maluezzi, Giulio Pascipoveri, Guglielmo Lam- 
bertazzi, Ladislao Piatesi, Leone Bonandrei, Lodovico Ramponi, Nanni 
Terracotti, Oddone Garisendi, Ottoverino Sorgi, Rolandino di Princivalle 
Canedoli, Ruggiero Guidotti, Trigio Novespade, Vittore Geremei, Tartaro 
Tencarari, Ugone Corforati, Ubertino di Guidalesto Montecalvi. Keiner 
aber von all diesen Bolognesen wird anderwarts in der Geschichte 
des ersten Kreuzzuges namentlich aufgefiihrt. Auch gibt Negri die 
Quellen, aus welchen er geschOpft, nicht an — nur in Betreff Ruggiero 



210 Krlauterungen zu [11, 4. 5. 6; VI, 1. 2. 

Guidottis bemerkt er, dass Rafael Quirinus in seiner Historia de (Juidotti^ 
(Manuscript) den Rugger als einen Kreiizfalirer nenne. Sei es nun, das- 
diese Namen von einem frulieren als Namen von KreuzzugsteilnehmrTii 
erdichtet sind oder niclit, unser Briefsteller bestatigt wenigstens, das- 
sich beim ersten Kreuzzuge auch eine Anzahl Bolognesen beteiligt hat. 
Negri a. a. 0. sagt, dass im Ganzen 3000, und Dulcinus p. 141, dass 
sogar 7000 aus Bologna dem Kreuzheere sich angeschlossen hiitten. 
Wenn nun auch keiner der bekannten Kreuzzugsschriftsteller irgend 
einen der Teilnehmer namentlich erwahnt, so ist dies eben zunadist 
nur ein Beweis dafur, dass von den Bolognesen sich keiner auf dem 
Zuge besonders hervorgethan hat. — 12. liberatio ecclesiae; 
hier Befreiung vom Joche der Unglaubigen, d. i. der Turken und Sara- 
zenen; ygl. a. zu I, n. 5. 6. 12. — 13. Fast dieselben Worte finden 
sich auch im zweiten Canon der Beschlusse des Concils zu Clermont 
(Mansi XX, 815), welcher also lautet: „quicumque pro sola deuotione 
non pro honoris uel pecuniae adeptione ad liberandam ecdesiam Dei 
Hierusalem profectus fuerit, iter illud pro omni paenitentia reputetur'*. 
Die Teilnahme am Kreuzzug bewirkte also die Aufhebung aller Poeni- 
tenzen, welche nach kirchlicher Uebung die Bussdisciplin erforderte. ^u 
insbesondere diejenigen, welche zur Suhnung der Verbrechen und offent- 
lichen Sunden an der Kirche auferlegt wurden. — 14. Galliae hier 
in derselben Bedeutung wie in Gesta Franc. L 3 (HG 104): die Ge- 
genden Frankreichs und Norditaliens : Gallia transalpina und cisalpina. — 
15. se exponere: sich preisgeben fur jemanden oder fur eine Sache 
sich opfern. 

16. Nach Rob. 729 F habe Urban zu Clermont da selbe anem- 
pfohlen: „presbyteris siue clericis cuiuscumque ordinis absque episco- 
porum suorum licentia non licet ire, quoniam inutilis fieret illis haec 
uia, si irent sine illorum licentia. — 17. Diesen W^orten Urbans ent- 
spricht, was Rob. a. a. 0. im Anschluss an die soeben angegebenen 
Worte den Papst in Clermont sagen lasst: „quippe nec laicis expedit 
peregrinari, nisi cum sui benedictione sacerdotis". Prouisio: hier 
identisch mit benedictio, obwohl auch unter ersterem Worte jegliche 
Fursorge, soweit sie der Priester treffen konnte, verstanden und der 
benedictio subsumiert werden kann. — 18. ne temere: nicht so ohne- 
weiteres, aufs Geratewohl hin; — coniuentia, eigentlich: die Nach- 
sicht, das durch die Finger sehen, fur indulgentia, uenia, hier die nach- 
sichtige Erlaubnis, Zustimmung. Wahrend man bei Rob. a. a. 0. liest. 
dass Urban den Greisen, Schwachlichen und zum Waffentragen Un- 
tauglichen vom Mitziehen abgeraten und den Weibern dasselbe ohne 
Begleitung ihrer Ehemanner oder Briider oder ohne gesetzliche Ausweise 
(sine legitimis testimoniis) verboten habe, wird sonst nirgends, als in 
unserem vorliegenden Briefe die Bedingung erwahnt, dass auch die 
jungen Manner nur mit Erlaubnis ihrer Gattinnen sicli beim Unterneluneu 
beteibgen durfen. Ohne Zweifel ist auch hieruber zu Clermont ver- 
handelt worden, wenn auch weder in der Canonensammlung noch 
bei den Kreuzzugsschriftstellern davon die Rede ist. Ueber die ublichen 
Abschiedsformen zwischen Mann und Frau vgl. Fulch. 328 F, auch uiiten 
zu VI, 2 n. 1 1 die von Ademar genannten Bedingungen, unter welehen 



EiDistula I Stephani coinitis Carnotensis ad Adelam uxorem. 217 

die ini Norden Wohnenden eine Pilgerung unternehmen sollen, ebenfalls 
zu L\, 6. 

19. pietas: miseratio, misericordia, pitie. Mit intuitus ist zu- 
gleich das innere Vernehmen und Erleben angedeutet gemass Matth. 13, 
16. 17. Man vgl. einen ahnhchen Schluss eines Briefes Urbans II an 
den Klerus und das Volk zu Reims de d. 6. Febr. 1096: „omnipotens 
Dominus uos sua gratia benedicat, ipse corroboret et pastorem et 
gregem ad aeternae profectionis pascua introducat". Haufiger finden sich 
als Schlussworte der Briefe Urbans: „oboedientes misericordia diuina 
custodiat", siehe Epist. Urbani bei Bouquet, Rec. XIII p. 695. 697. 
698 u. a. — 2(X XIII Kal. Oct: d. 9. Sept. 1096. Damals hielt sich 
Urban auf seiner Riickreise aus Frankreich in Pavia auf, von wo er 
sich alsdann nach Mailand und von da nach Cremona begeben hat; 
s. Jaffe-Lowenfeld I p. 690 und oben zu n. 1. 



i 



IV. 

Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam 

uxorem. 

(Geschrieben vor Nicaea gegen clen 24. luni 1097). 



1. Ueber Stephan, den Gralen von Blois und Chartres, vgl. Einl. 
S. 48 ff. Er weilte, als er diesen Brief schrieb, vor Nicaea, welches 
Qbrigens schon erobert war. Schon ^/4 Jahr war er unterwegs, denn 
seine Abrtise aus Frankreich hatte im October 1096 stattgefunden 
(s. Fulch. 329 A u. HChr. n^ 69). Er hatte sich an seinen Schwager, 
Robert von der Normandie, angeschlossen. Mit letzterem brach be- 
kanntlich auch Robert von Flandern sowie der Kaplan Fulcher von 
Chartres aus Frankreich auf. Letzterer hat denn auch Einzelheiten 
ilber Stephans Zug in seiner Historia Hierosol. mitgeteilt, welche wir 
bei andern vergeblich suchen wurden. In Lucca trafen Robert der 
Normanne und Stephan von Blois den Papst Urban, mit welchem sie 
eine Unterredung pflogen. Es w^ar dies im November 1096. Ihr Weg 
gieng uber Rom nach Bari, vro sie uberwinterten. Am 5. April des 
folgenden Jaiires fuhren sie von Brundusium weg, um am 9. April in 
Durrazzo zu landen. Sie durchzogen alsdann Bulgarien, hielten sich 
14 Tage lang in Konstantinopel auf und langten am 3. Juni 1097 vor 
Nicaea an u. zw., wie Stephan in unserem Briefe Abs. 6 sagt, nachdem 
die anderen Kreuzfahrer schon 4 Wochen lang vor Nicaea gelagert 
liatten. S. zu n. 36 und HG 185; HClir. n^ 153. 155. - 2. Ueber 
Adele, die Gemahhn Stephans von Blois, die Schwester KOnig Wil- 
helms II von England und des Grafen Robert von der Normandie. 
s. n. 14. 23; Einl. S. 49; ebenfalls Ziegelbauer, Hist. III, 497 ff. und 
Revue d. soc. sav. (1868), D, VII, 432 f. — 3. Derselbe zartliche Aus- 
druck auch in Stephans zweitem von uns edierten Briefe, X, 1. 

4. Dieselbe Anrede dilectio tua auch X, 2. — Die Lesart 
Homam bei Mabillon und im Rec. hat keinen Sinn und berulit auf 



'^iS Eiiauterungen zu IV, 2. 3. 

falscher Entzifferung der Handschrift ; es mQsste dann auch statt tenere: 
tenuisse gelesen werden, wobei man aber auch nicht einzusehen ver- 
mag, weshalb der vom Lager bei Nicaea aus schreibende Verfasser nur 
den Weg nach Rom als einen glucklich verlaufenen l)ezeichnet und 
uber den von Rom nach Constantinopel und Nicaea sich ganz ausge- 
schwiegen haben sollte. Folgerichtig miisste er doch auch hervorheben, 
wie er diese letztere Reise zuruckgelegt habe. Die Lesart des Cod. 
Vat. ist Romaniam. Stephan will sagen, dass die bisher bis Nicaea 
zuriickgelegte Reise glucklich verlaufen sei und er sich zur Zeit der 
Abfassung seines Schreibens wohl befinde: „deine Liebe sei benach- 
richtigt, dass ich mit aller Ehre und vOUiger KOrpergesundheit eine 
giuckhche Reise nach Romanien festhalte", d. h. dass meine Reise bis- 
her glucklich bei meiner besten Gesundheit von Statten gegangen und 
ich auch derzeit auf dem Wege durch Romanien in gleicher Lage mich 
befinde. — 5. Dass Stephan auf Ehrenbezeugungen begierig und fur 
sie sehr empfanglich war, geht aus den folgenden Worten des Briefes 
deutlich hervor — schreibt er doch , wie gliicklich ihn die Zuvor- 
kommenheit des Kaisers Alexios gemacht habe. Auch wahrend seiner 
Reise durch Italien mag ihm die Begegnung im November 1096 mit 
Papst Urban in Lucca geschmeichelt und ihn sehr freudig gestimmt 
hal3en, denn Fulch. 329 A berichtet: „cum Urbano locuti sunt Robertus 
Normannus et Stephanus Blesensis comites, nos quoque ceteri qui 
voluimus, et ab eo benedictione suscepta, Romam gaudenter iuimus", 
nicht minder seine und seines Kaplans Alexander Begegnung mit Papst 
Paschalis im Jahre 1101, als Stephan zum zweitenmal nach dem Morgen- 
lande zu ziehen unterwegs war, woriiber Clarius, Chron. S. Petri uiui 
p. 484 uns Nachricht gibt. — 6. litteratorie d. i. per litteras, per 
epistulam, schriftlicli ; a Constantinopoli : von Constantinopel aus: „den 
Verlauf meiner bisherigen Pilgerreise habe icli Dir von Constantinopel 
aus in einem Briefe darstellen und mitteilen lassen". In mandare 
curaui liegt, dass er jemanden — ohne Zweifel seinen Kapellan Ale- 
xander (s. iiber ihn X n. 91) — beauftragt habe, das Schreiben ab- 
zufassen imd abzusenden. Ueber dieses Sclireiben, welches entweder 
ulemals an seine Adresse gelangt ist, was schon Stephan selbst be- 
fiirchtet hat (s. n. 7), oder w^enn doch, zur Zeit verloren ist, vgl. 
Naheres Einl. S. 54 und bei Riant, Invent. 143 f. — 7, Der Sinn ist: 
„aber ich fiirchte, es mochte den Boten irgend ein Unfall zugestossen 
und dies von Constantinopel aus abgesendete Schreiben nicht an Dich 
gelangt sein, weshalb ich .wiederholt an Dich schreibe". Wenn Stephan 
versicliert gewesen ware, dass sein erster Brief bei seiner Gemahlin 
eingetroffen sein wiirde, so hatte er wahrscheinlicli erst einige Zeit 
spater wieder an sie geschrieben. Doch diirfte auch eine gunstige Ge- 
legenheit, welche sich ihm bot, um ein Schreiben befordern lassen zu 
kOnnen, Mitursache zur Abfassung desselben gewesen sein. 

8. Auch Stephan, wie die meisten Schriftsteller des ersten Kreuz- 
zuges, welche Teilnehmer an demselben gewesen sind, unterlassen es, 
das Aussehen Constantinopels niilier zu besclireiben, nur Fulch. 331 und 
Ekkeliard III, 3 machen eine Ausnahme und geben in elegisch ange- 
hauchten Worten den Eindruck wieder, der ihnen beim ersten Anblick 



I „,„„.,....„-.... ,„ 

Hiieser Stadt sich eingepragt hat. Doch vgl. man uber Constantinopels 
IB^ussehen im Mittelalter auch Rob. 750; W. Tyr. II, 7, besonders 
Ducange, Constantinopolis Christ; Banduri, Imp. Orient.; Hammer, Con- 
stantinopolis und Bosporus, und Mordtmann et Riant, Constantinople au 
moyen-age in RAch. 34. annee, 4 ser. t. II, pp. 202. 207. 363. 463. — 
0. Stephans Ankunft vor Constantinopel fand anfangs Mai 1097 statt, 
vgl. HG 134. 184 f. u, HChr. 149. Die grosse Freude, welche er dabei 
empfunden hat, ist gewiss auch durch den Eindruck mitverursacht 
worden, welclier ihm beim Anblick der schonen Stadt geworden, ge- 
wiss aber vornehmlich auch dadurch, dass nunmehr die weite Strecke 
der Reise von der Heimat bisher glucklich und bei guter Gesundheit 
von ihm zuruckgelegt worden w^ar. — 10. imperator: der griechische 
Kaiser Alexios Komnenos (1081, 1. Apr. — 1118, 15. Aug.), dessen 
Namen Stephan in seinen zwei Briefen nie nennt. Sein Leben und seine 
Thaten sind beschrieben in dem von seiner Tochter Anna verfassten 
Werke Alexias. Die beste und fur den Handgebrauch bequemste Aus- 
gabe derselben ist die von Schopen und Reifferscheid, Bonn 1839 und 
1878, 2 Bde 8^. Die in der Alexias enthaltene Erzahlung uber die 
Jahre 1096 — 1118 ist besonders ediert im Rec, Hist. grecs t. I pars 
II u. t. II p. 1 — 120. Man vgl. auch uber Alexios ausser den oben 
J, n. 3 genannten Schriften: Ceillier XXI, 512; Hist. litt. de la Fr. VIII, 
605. 617. 632; Wilken, Rer. ab Alex.; Hammer, Examen critique des 
hist. d'Alexis Comnene in Fundgruben V, 391 ff. ; Oster, Anna 
Komn.; Hertzberg, 256 f. 263 f.; Krause 101. 146 f. u. 181 f.; Ranke 
VIII, 53 f.; Sybel 286 ff. (233 ff.); Pervanoglu, Hist. Bilder. — Stephan 
uehOrte zu den Kreuzzugsfiirsten, w^elche Constantinopel zuletzt passierten 
und mit dem Kaiser Alexios verkehrt haben. Die Scliwierigkeiten, die 
Gottfried, Boemund und Raimund bei ihrer Ankunft vorgefunden hatten, 
waren aus dem Wege geraumt und die Entzweiung einer Kordialitiit ge- 
wichen, w elche der sclilauen Politik des Kaisers, den seine eigene Tochter 
iii 1. X, 10 ed. Bonn. II, 56, J2 einen finxavixwTaTov ctvbpa nennt, 
alle Ehre macht. Das freundliche Entgegenkommen des griechischen 
Kaisers l)estach Stephanus so sehr, dass er voll Begeisterung und 
ul)ersprudelnder Freude daruber seiner Frau berichtet und fiir Alexios 
des hOchsten Lobes voU ist. S. n. 11 — 13. — 11. Hiezu vgl. man 
Alb. II, 16, welcher iiber den Empfang des Herzogs Gottfried bei 
Alexios u. a. folgendes berichtet: „osculatis denique omnibus ex ordine, 
duci in haec uerba (Alexius) locutus est: „„audiui de te, quoniam miles 
et princeps potentissimus sis in terra tua et uir prudentissimus ac 
perfectae fidei. quapropter te in fihum adoptiuum suscipio et uniuersa 
quae possideo. in potestate tua constituo, ut per te imperium meum et 
terra mea a facie praesentis et adfuturae multitudinis liberari et saJuari 
possit"". his paceficis et piis imperatoris sermonibus dux placatus et 
inlectus, non solum se ei in filium, sicut mos est terrae, sed etiam in 
uasallum iunctis manibus reddidit cum uniuersis priniis, qui tunc aderant 
et postea subsecuti sunt". Wenn nun auch sicher diese von Albert ge- 
schilderte Einweisung Gottfrieds in die umfassende Machtfulle, wie sie 
deni Kaiser selbst eigen gewesen ist, auf Rechnung des phantasie- 
reichen Genies Albert zu setzen ist und wir in dieser aufgebauschten 



2^0 Erlauterungen zu IV, 3. 4. 

Angabe immerhin einen bedeutenden Abstand von der Wirklichkeit 
wahrnehmen, so ist doch die weitgehende und den Abendlandern uiier- 
wartete Freundscliaftsbezeugung der wesenthche Kern dieser Worte, 
und es stimmt damit auch die Angabe Ekk. Hieros. XXllI, 5 ujjerein : 
„principes Alexius more suo sub appellatione fihorum succepit", wodurch 
in vollem Umfange die Worte Stephans: „quasi fiUum me accepit" ihre 
Bestatigung finden. — 12. Zur Beleuclitung dieser Worte diene eben- 
falls die Darstellung Alberts a. a. 0. (Fortsetzung der in n. 11 an- 
gefulirten Worte) : „nec mora, ahqua ex aerario imperatoris adlata sunt 
dona aestimabiha duci et cunctis, qui conuenerant, tam in auro quam 
argento et ostro (Gewand) diuersi generis, in mulis et equis et in omni, 
quod pretiosius habebat" : — sollen doch die Ritter allwochenthch Geld- 
unterstutzung in reichem Masse — „per singulas hebdomadas IV uiri 
aureis Byzanths onerati cum X modiis monetae Tartaron" — erhalten 
haben. Dass Alexios damit der Pilgerfursten Misstrauen iiberwunden 
hat, ist selbstverstandlich. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass, obwohl 
kein Schriftsteller des ersten Kreuzzugs dariiber berichtet, unter den 
pretiosissimis donis auch Rehquien von Heiligen waren, welche 
bekanntlich in jener Zeit grossen Wert reprasentierten und deren eine 
sehr grosse Zahl in Constantinopel vorhanden war. Man vgl. zu I, 
17 — 20 und Riant, Exuuiae I und II. Hier sei gelegentlich erwalmt, 
dass gerade Stephan auf seiner zweiten Kreuzfahrt im Jahre 1102 in 
Jerusalem vom KOnig Balduin I durch Vermittlung des Kanzlers Arnulf 
mit Reliquien beschenkt worden ist. K5nig Balduin I habe ihn, als er 
von seiner Ankunft in Jerusalem gehort, zu sich rufen lassen und ihm 
uberlassen von den konighchen Schatzen sich nach Beheben auszu- 
walilen. Stephan habe dem KOnig erwidert, dass er an irdischen 
Giitern ja reich sei und ihm nur noch ein Schatz von Reliquien fehle. 
Darauf habe Balduin seinen Kanzler Arnulf gerufen und diesem aufge- 
geben, was Stephan sich auswahle, ihm sofort zu iiberlassen; so habe 
er Rehquien vom Kreuze Christi, von dessen Grab und vom h. Georg in 
Empfang genommen. Dies hat spater sein Kapellan Alexander (s. zu 
X, n. 91), der ihn zum zweitenmale ins Morgenland begleitet hatte, er- 
zahlt. S. Clarius, Chron. S. Petri uiui p. 484. — 13. cui magis 
faueat quam mihi: — ein Erweis einesteils von fast kindischer 
Eitelkeit Stephans, andernteils ein Zeugnis dafur, wie sehr es Alexios 
verstanden haben muss, denselben an sich zu fesseln. Michaud, Bib- 
lioth. I, 359: „il est probable que le comte de Blois etait le dupe de 
flatteries d' Alexis et la naivete des eloges qu' il donne a 1' empereur 
Grec, pourrait rappeler le trait de M'"*^ de Sevigne qui, par cela meme 
qu'elle avait ete remarquee par Louis XIV, le proclamait le plus grand 
des rois". ~ 14. Sohne sollen 7 aus der Ehe Stephans und der 
Adele entsprossen sein, namhch: Wilhelm, der alteste; Theobald IV. 
der Nachfolger seines Vaters in der Herrschaft; Heinrich, der nach- 
mahge Abt von Fecamp und Bischof von Wincester; Stephan, Graf 
von Mortain, welcher im Jahre 1135 zum Konige von England gekront 
wurde; Hugo, Eudes und Phihpp, der nachmahge Bischof von Cbalon-. 
Sie waren bei ihres Vaters VVegzug nach dem Morgenlande noch iu 
zartem Alter. Adele habe nicht nur wahrend des Kreuzzuges ihres 



I 



Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam uxorem. 221 



li: 



Mannes das grafliche Besitztum ehrenhaft verwallet, sondern auch ihre 
inder mit Sorgfalt und Einsicht erzogen, Ord. IV, 188; dass jedoch 
iner der SOhne an den Hof des Alexios zur Erziehung iibergeben 
orden ware, wird nirgends erwahnt. Man vgl. Naheres iiber die 
Kinder Stephans bei Ord. Vit. II, 393; IV, 188, 286; Chronica Gisle- 
berti p. 33; Bernier p. 295. — 15, „So dass er am wenigsten auf 
unsere Ehrenstellung eifersuclitig sein wird". Es ist wahrscheinlich, 
dass Stephan zunachst seinen altesten Sohn Wilhelm im Auge gehabt 
hat, der wohl schon als Knabe den Zug nach hoher Ehrenstellung be- 
kundet haben mochte, worauf diese Worte unseres Briefes moglicher- 
weise zu beziehen sind — soll Wilhelm doch spater sich „Herr der 
Sonne" habe nennen lassen und Gewaltthatigkeiten verubt haben, welche 
die Veranlassung waren, dass Adele ihn von der Succession und Herr- 
schaft ausscliloss und ihm als Erbe nur die Stadt Chartres tiberlassen 
hat. Vgl. Ivonis Carnot. epist. 84, p. 126; Ord. IV, 188 und Bernier 
p. 295. — 16. releuare: Erleichterung verschaffen. In Ueberein- 
stimmung mit den Worten unseres Briefes berichten Fulcher 332 B: 
.,quibus ideo praebuit imperator de numismatibus suis et de pannis se- 
ricis quantum placuit, et de equis et pecunia, qua nimis indigebant ad 
tantum iter explendum", und Bartolf 494 D: „moxque eos (sc. Robertum 
Normanniae et Stephanum Blesensem com.) numismatibus suis et pal- 
his donisque multis honorifice ditauit". Auch Alb. II, 21 erwahnt: (Ro- 
l)ertus et Stephanus) „nimiis donis ab eo (Alexio) honestati sunt" ; eben- 
falls Anna Komn. X, 10, ed. Paris 229; Rec. p. 27 B, ed. Bonn. II, 57, 
hebt hervor, dass Alexios seinen Leuten anbefohlen habe, reichlich den 
Lebensunterhalt fur die Kreuzfahrer zu beschaffen, damit diese andern- 
falls nicht zu einem feindlichen Auftreten veranlasst wurden. 

17. Ueber Nicaea, das heutige Ismid, vgl. HE 66 und 142; 
HG 177, vornehmlich unten n. 34. — 18. Civitot, nicht identisch 
mit dem heutigen am Golfe von Mudania gelegenen Gemlik, wie aueh 
die Herausgeber unseres Briefes im Recueil p. 886 und neuerdings 
Riickert in hisL polit. Blatter Bd. 96, 442 — 447 dafur halten, sondern 
ein am Golf von Nikomedien, am Nordufer der Samanly-Dagh-Halbinsel 
gelegener Ort in der Nahe von Helenopolis (s. HP 179 ff.: HG 123; P. 
Paris, Chans. d' Antioch. I p. 22 und Wolff, Bauernkreuzzuge 48 ff.). 
Riickert hat im August 1881 einen Ausflug von Constantinopel nach 
Nicaea gemacht und in der genannten Zeitschrift Bd. 95 und 96 eine 
Beschreibung desselben verOffenllicht, worin er sich auch des Naheren 
iiber die Lage Civitots ausspricht. Er ist der Meinung, dass das von 
den Kreuzzugsschriftstellern genannte Civitot nicht nOrdlich von Nicaea 
am astacenischen Meerbusen gelegen haben kOnne, sondern mit dem 
westlich von Nicaea am Meerbusen von Mudania gelegenen ehemaligen 
Kios, dem heutigen Gemlik, als identisch anzusehen sei. Er geht dabei 
von der Voraussetzung aus, dass der Gebrauch des Namens Kios und 
Kibotos bei Anna Komn. ein und denselben Ort bedeute, und behauptet 
ferner, dass die Stellen, w^elche ich zum Erweis der Lage Civitots ani 
Sinus Astacenus aus Villehardouin und Fulcher beigezogen habe, un- 
richtig interpretiert wiirden. Riickert sagt Bd. 96 S. 445: es sei in 
iiohem Grade beachtenswert, dass Anna Komn. an 3 Stellen eines 



222 Eiiauterungen zu IV, 4. 

Meerbusens von Kibotos gedenke (lib. XI, 1. 8 und XV, 1, ed. Bonn. II 
p. 70. 109 und 809). Diese Bezeichnung habe nur unter Voraussetz- 
ung der Identitat wie von Kibotos und Civitot, so von Kibotos und 
Kios Sinn ; denn so sei es der uralte Sinus Cianus in der Kreuzfahrer- 
sprache, wiihrend ein fretuni Ciboti (rropOjLioi; Tf\q Ki|jootoO) auf der 
Nordseite des Samanli-Dagh nirgends Raum finde. Oestlich von den 
beiden Landzungen Hersek und Dil sagte man Sinus Astacenus oder 
Nicomedensis, westlich Mare S. Georgii und Propontis, wie iieute Mar- 
marameer .... es habe nie eine Meerenge von Hersek und noch 
weniger eine solche von Jalowa gegeben. Allein, Anna Komn. wiirde 
ohne Zweifel, wenn sie Kioq und Ki|3or6^ als identische Bezeichnungen 
ein und desselben Ortes gebraucht haben wurde, dies auch ausdruck- 
lich an der einen oder andern Stelle erwahnt haben, ihre Leser konnten 
dies w^eder merken noch voraussetzen, zudem Anna in der Alexias Orts- 
bezeichnungen unter verschiedenen Namen nirgends anfuhrt. Sieht iiian 
genauer zu, so wird man finden, dass Anna 3 mal in ihrer Alexias von 
einem Tiopd^ixbc, tou Ki|3otou und 2mal von dem Ort KipoTO^ selbst 
redet, sowie, dass sie andererseits an andern Stellen, namlich lib. VI, 
10; XL 2; XV, 2, ed. Bonn. I, 306; II 75 und 315 von Kioc berichtet, 
welcher Ort nach ihr am Meere gelegen ist und einen Schiffsbauplatz 
gehabt hat. Nach Anna waren Kibotus und Kios zwei verschiedene 
Orte, deren Lage zwar durch sie nicht naher angegeben wird, aber im 
Vergleich von anderweitigen Angaben, vornehmhch mit den abendlandi- 
schen Bericiiten immerhin zu eruieren ist. Bekannt ist die Lage des 
alten Kios am Meerbusen von Mudania; es ist das heutige Gemlik. Die 
Alten nannten diesen Meerbusen 6 Kiavoq xoXrioq, so Polyd. 17, 3, 12. 
Nirgends aber ist die Rede von einem jropO-iaoc Kiavoc. Der Busen 
von Kios ist eben ein weites Meerbecken, auf welches die Bezeichnung 
nop^lioc, gar nicht passen wiirde. Ilopx^iioc; ist Meerenge, welchen 
Namen verhaltnismassig schmale Meeresbuchten erhalten haben. Nie 
redet Anna von einem xoXnoq tou KijBotoC, stets von 7iopd|Li6c; tou 
KipoTo\3. Schon diese Bezeichnung lasst darauf schliessen, dass die 
Kaiserstochter damit nicht den weiten Meerbusen von Mudania, sondern 
jenen schmalen langen Wasserstreifen verstanden haben muss, an dessen 
weit ins Land eindringenden sudOstlichen Ende Nikomedien, das heu- 
tige Ismid, liegt. Dass auch Kibotos am namlichen Meerbusen gelegen, 
wird auf das bestimmteste gerade durch die Stelle Ville-Hardouins be- 
zeugt, welche von Ruckert eine hOchst absonderliche Deutung erfahren 
hat. Ich fiihre den Wortlaut dieser Stelle hier an: Villehardouin sagt 
in Conquete de Coustantinople (ed.de Wailly) § 460: „Mactiaires de 
Sainte Maneholt avoit commencie a fermer un Chastel al Caracas, qui 
siet sor un goffre de mer a six lieus de Nichomie, devers Constan- 
tinople. Et Guillaume de Sains en commen^a un autre a fermer, le 
Chivetot, qui siet sor le gofre de Nichomie d'autre part, devers Nique". 
— Dieser Passus heisst wolil zu deutsch: „Makaire von St. Menehould 
hatte zu Charax, welches an einem Meerbusen 6 Meilen von Nikomedien 
nach Constantinopel zu liegt, eine Burg befestigt, und Wilhelm yon 
Sains begann eine andere zu befestigen, namlich Kibotos, welches an 
der andern Seite des Meerbusens von Nikomedien nach Nicaea zu- 



i 



Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam uxorem. 223- 

liegt." Also beide Biirgen sind an dein Meerbusen von Nikomedien ge- 
legen, die eine in der Richtung von Nikomedien nach Constantinopel,. 
die andere in der Richtung von Nikomedien nach Nicaea. Charax auf 
der Nikomedischen Seite des Golfes, Kibotos auf der Nicaenischen. 
^Riickert erklart nun die Worte p. 446 also: „Wie einer, der den 
^Namen der Mudaniabucht nicht weiss, bediene sich Ville-Hardouin der 
tBeschreibung: Civitot liegt im Nikomedischen Golfe, auf der andern 
jeite, (die) Nicaea zugekehrt (ist) devers = versus. Bei dieser Ueber- 
jetzung ist blos das zweite Komma um eine Stelle nach der Linken 
jeschoben": es ist dies aber eine auf Kosten der Grammatik erzwungene 
md eben deshalb gewiss unrichtige Uebersetzung und Deutung. Hatte 
'ille-Hardouin den Meerbusen von Mudania gemeint, so wiirde er in 
Irgend einer Weise ihn auch deutlich benannt haben, „d'autre part" kann 
jben nur das dem Nikomedischen Uferland gegenuberhegende Ufer be- 
euten. Dazu kommen nun noch die Nachrichten der abendlandischen 
chriftsteller des ersten Kreuzzuges, die zugleich Augenzeugen beim Unter- 
nehmen gewesen sind. Nach ihnen kann unter Civitot nur der Name 
ines am Nikomedischen Meerbusen gelegenen Ortes gemeint sein. Man 
Ore, was Alb. I. 15 iiber den Weg sagt, welchen zunachst die Petersche 
chaar eingeschlagen hat: „deinde, V diebus completis, tentoria sua 
mouentes, brachium maris S. Georgii nauigio et auxiho imperatoris 
uperant, et terminos Cappadociae intrantes, per montana ingressi sunt 
Nicomediam, ibidem pernoctantes. et post haec ad portum, qui uocatur 
Civitot, castrametati sunt; illuc adsidue mercatores admouebant naues 
nustas cibariis" etc. Aus dieser Mitteilung geht hervor, dass die von 
efer und Walter angefuhrten Pilger im Spatjahr 1096 zunachst nach 
ikomedien und von da nach Civitot gezogen sind, von wo sie alsdann 
nach 2 monathcher Lagerung beabsichtigten, nach Nicaea weiterzuzieheKy 
aber ihren unvermuteten Untergang erlitten haben. Denselben Weg 
hat spater das Gros des Kreuzheeres unter Gottfried, Tankred, Boe- 
mund eingeschlagen, es zog nach Nikomedien, wo man 3 Tage lang^ 
Rast machte, „uidens uero dux" sagt iiber den Weg der Anon. der Gesta 
VII, 2 (HG 176), „quod nulla uia pateret, per quam posset conducere 
has gentes usque Nicaeam ciuitatem, quoniam per illam uiam, per quam 
prius alii transierant (es war dies die Schaar Walters und Peters), non 
posset modo tanta gens transire, misit ante se III miha hominum cum. 
securibus et gladiis, qui inciderent et aperirent hanc uiam, quae pate- 
facta staret nostris peregrinis usque Nicaenam urbem; quae uia fuit 
aperta per angustam et nimis immensam montanam". Gottfried liess 
also um mit einem so zahlreichen Volke nach Nicaea von Nikomedien 
|aus ziehen zu konnen, eben den Weg, welchen die Petersche Schaar 
^ingeschlagen hatte, vorher ebnen und weiter aushauen, um ungehindert 
lit dem Gepack und der Ausriistung die Strecke zuriicklegen zu konnen, 
?^as denn auch ausgefiihrt worden ist. Ware Civitot mit Kios iden- 
jch, so miissten die Kreuzfahrer von Nikomedien um den Meerbusen 
irum, die Nordkuste des Samanh-dagh entlang, weit nach Westen und 
lann wieder sudhch nach Kios gezogen sein, um endhch den 10 Stunden 
tangen Weg von Kios nach Nicaea, parallel mit dem nach Westen ge- 
zogenen, nach Osten einschlagen, um Nicaea zu erreichen ; allein welch' 



224 Eiiiiuterungen zu IV, 4. 

einen Umweg wQrde dieser Marsch involvieren, es ware ungefilhr ilhn- 
lich, wie wenn jemand von Frankfnrt a. M. nach Heideiberg sich he- 
gehen wollte, und, um so schnell wie mOglich dahin zii gelangen, seinen 
Weg uber Mainz, Birkenfeld und Kaiserslautern machen wiirde, — 
ebenso unsinnig wiire fQr die Kreuzfahrer der Weg von Nikomedien 
iiber Kios nach Nicaea gewesen, da ihnen ja ein viel niiherer offen 
stand, den sie auch wirklich gemacht haben — u. zw. an Civitot vor- 
l)ei, das kaum eine Tagereise von Nikomedien entfernt gelegen sein 
kann, in dessen Nilhe sie noch die Leichname derer haben hegen gesehen, 
^velclie V2 Jabr zuvor von Sohmann iiberfallen und hingemordet w^orden 
^varen. Civitot lag nicht weit von Helenopolis, in der Nahe des heu- 
tigen Hersek, wie ich in HP 184 noch naher zu begrunden gesucht 
habe. Ganz in Uebereinstimmung mit diesem Resultat sagt auch To- 
maschek, Zur hist. Topographie p. 9: „Die Lage des Ortes ^pE7id\x\ 
am sichelformigen Landvorsprung bei Hersek steht fest: hier wurde 
S. Lucianus verehrt, dessen Leichnam ein Delphin von Nikomedia her 
an's Gestade brachte ; Kaiser Constantinus I taufte den Ort 'EXev6n;oXi!; ; 
die umliegenden Siimpfe hemmten jedoch den Aufschwung und zur Zeit 
des ersten Kreuzzuges war der Ort bereits verfallen, eine wahre 'E\ssivo\3- 
rroXiq. Ganz nahe erhob sich dafur ein Ankerplatz, q Ki^cdtoc, ^Lade" 
genannt, Civito oder Civitot der Gesta Francorum, le Chivetot „un cha- 
teau qui est situe sur le golfe de Nicomie devers Nique" (Geoffrois 
<le Ville-Hardouin § 460. 463, a. 1207). Den schmalen Sund zwischen 
Hersek und Dil nennt Anna Komn. 6 ctvaiasraEu Ki|3cotoO xai 'AiyiaXojv 
(XIV, 1. 5) oder 6 t\\c; KipoDTOU rropO^jLioc (X, 9. XI, 8), synonym mit 
o xaTct Tf|v 'EXsv6:7ToXiv jropdjLioc; (Pachymeres I p. 119; II p. 103)". 
Allerdings darin hat Ruckert recht, wenn er hervorheljt, die Anna Komn. 
jasse die Schiffe, welche Alexios bei der Belagerung Nicaeas deii 
Franken liberlassen hat, von Kios aus nach dem Askanius See bei Ni- 
caea gebracht werden (Riickert a. a. 0. S. 443), nichts destoweniger 
aber kOnnen wir die Mitteilung der Anna nicht fiir richtig ansehen. 
Kios war wohl in der Mitte des XII. Jahrhunderts der Hafenplatz fur 
Nicaea, also zu der Zeit, als Anna die Alexias geschrieben hat, um's 
Jahr 1145 und seitdem Nicaea wieder im Besitze des griechischen 
Kaisers gewesen ist, der Stapel- und Hafenplatz fur den Transport 
jiach Nicaea, aber anders lagen die Verhaltnisse zur Zeit des ersten 
Kreuzzuges, damals waren die Tiirken die Herren jener Gegend bis zuni 
Bosporus, und hieraus erklart sich auch die Nachricht, w^elche Wihi. 
V. Tyrus III, 6. 7 mitteilt: „Der See Askanius gewahrte den belagerten 
Tiirken in Nicaea Vorteile aller Art, wiihrend er den die Stadt be- 
lagernden Franken viele Hindernisse in den Weg legte und ihre Be- 
miihungen nicht den erwiinschten Erfolg haben liess. Denn jene konnten 
sich zu SchifF Lebensmittel und sonstige Bedurfnisse, so viel sie wollten. 
verschaffen, ja sie fiihrten auf diese Art einigemal vor den Augen der 
Franken, die es nicht zu wehren vermochten, eine Menge von Vieh iii 
die Stadt ein". Dass die Turken wolil auch Kios besetzt hielten und 
sich dadurch die Verbindung mit dem Meere gesichert haben werden. 
ist nur zu gewiss, vgL Tomaschek p. 83. Dazu kommt, dass die Abend- 
iander durchgiingig Civitot als den Stapelplatz nennen, von wo aus da- 



Epistula I Stephani comitis Carnotenais ad Adelam uxorem. 225 

mals die Schiffe nach Nicaea transportiert worden sind, und es ist 
uns unmOglich, den Bericht der Anna dem ihrigen vorzuziehen. So 
meldet der Anonymus der Gesten c. VIIl, 6: Man habe den Kaiser 
veranlasst, „ut faceret naues conduci ad Ciuitot, ubi portus est, atque 
iuberet congregari boues, qui eas traherent per montanas et siluas, 
usque approximent lacui, quod continuo factum est" : Der Anonymus er- 
wiihnt ausdriicklich, dass man durch das Gebirge diese Nachen beizu- 
schaffen angeordnet habe; er war jedenfalls davon uberzeugt, dass diese 
Herbeischaffung auf demselben Wege bewerkstelligt worden sei, auf 
dem Gottfried und Tankred gen Nicaea gezogen sind — und Fulcher 
333 F berichtet: „tunc nauiculas aliqaantas de Ciuetot usque Nicaeam 
cum bobus et funibus per terram attraximus quasi in lacum, iuxta ur- 
bem imposuimus ad custodiendum urbis introitum, ne alimentis ciuitas 
muniretur" : dies heisst doch : man habe damals Nachen von Civitot bis 
Nicaea mit Ochsen und auf Wagen herbeigeschafft und dieselben in 
der Nahe der Stadt in den See gelassen — auch wenn wir die Emen- 
dation Ruckerts : „quas in lacum iuxta urbem imposuimus: welche wir 
in den bei der Stadt gelegenen See eingelassen haben", gelten lassen 
wollten. Der Vordersatz sagt ja deutlich, dass man von Civitot bis 
Nicaea die Herbeischaflfung mit Ochsen und Wagen bewerkstelligt habe. 
Wiirden die Nachen von Kios herbeigeschafln; worden sein, so musste 
man es fur kaum mOglich halten, dass man die Fahrzeuge auf dem 
Lande bis Nicaea herbeigezogen habe, wahrend 6 Stunden lang auf dem 
See der Wasserweg unbenutzt gelassen worden ware. Dass man die 
Boote erst bei Nicaea in den See gelassen hat. beweist indirekt, dass 
dieselben nicht von Kios her herbeigeschaflft worden sind. Wir halten 
deshalb auch dafur, dass die Nachricht der Abendlander, die Augen- 
zeugen waren, derjenigen der Anna Komn. vorzuziehen ist, und zweifeln 
nicht daran, dass eine genaue Untersuchung der Kreuzfahrerstrasse 
zwischen Nikomedien und Nicaea unter Berucksichtigung der Berichte 
dieser Augenzeugen unsere Annahme bestatigen musste. Wenn die 
Karte bei Naumann S. 54 genau ist, so durften kaum nennenswerte 
Hindernisse dem Transporte der Schiflfe vom Golf von Nikomedien nach 
Nicaea entgegengestanden haben, im Falle jene Strasse eingehalten wor- 
den sein sollte, die auf der genannten Karte vom sudostlichen Ende 
des Nikomedischen Golfes an nach Nicaea verzeichnet ist. — 19. Dieser 
maris brachium ist der Meeresarm, der bei den Kreuzzugsschrift- 
stellern „brachium S. Georgii" heisst. Er ist laut Abs. 6 identisch mit 
dem heutigen Meerbusen von Ismid, der bei Nikomedien endigt. S. a. 
HE 67; HG 147; Knapp 33 u. unten n. 30. - 20. Die innumeri 
sind zunachst die Armen der tibrigen Kreuzzugsabteilungen, welche vor 
den Scharen Stephans und Roberts (iber den Georgsarm iibergesetzt 
waren. Stephan schildert, wie er es angetroffen, als er mit seinen 
Leuten nach Constantinopel gekomnien ist: da seien tiiglich zwischen 
der Hauptstadt und Civitot Schiflfe unterwegs gewesen, durch welche 
der Lebensmitteltransport bewerkstelligt worden sei. — Alb. II, 21 
gibt ebenfalls die Zahi der Teilnelimer bei dem Zuge Roberts und 
Stephans unbestimmt an : „cum ingenti manu equitum et peditum", auch 
sonst finden wir nirgends ^i"^ l^estimmte Zahlangabe. Die Gr5sse des 

Hagenmeyer, Epistulae et Chartue. j^ 



ErlS,uteningen zu IV, 4. 5. 6. 

ganzen Kreuzheeres, das im Frulijahr 1097 Constantinopel durchzogen 
hat, schiitzt Ekkehard im Hierosolyniita c. X[II, 5: „absque uulgi par 
uulorum ac muUerum incredibili multitudine recensita sunt 300000 
pugnatorum" ; von Dagobert in Epist. XVllJ, 3 wird die Zahl des vor 
Nicaea stehenden Heeres auf „plus quam CCG milia pugnatorum" ge- 
schatzt, allerdings nach Fulcher 333 seien es sogar ausser den Kleri 
kern, MOnchen, Kindern und Weibern 600000 gewesen, darunter lOOOOi 
Ritter; nach Anna Komn. X, 10; ed. Bonn. II, 57 habe die Meng< 
der Kreuzfahrer der Zahl der Sterne und des Sandes am Meere g 
glichen, — welche Angaben sich mit den i n n u m e r i und dem i n f i n i t u 
exercitus Abs. 6 decken. S. a. HE 139 und HG 187, und unten z 

VI, n. 17 und XVIII, n. 43. — 21. Man mag hieraus entnehmen, welch^ 
Masse von Lebensmittel aufzutreiben war und wie sehr dadurc 
der Staatsseckel des griechischen Reiches in Anspruch genommen wor 
den ist, weshalb auch Stephan einen naheliegenden Vergleich zu ziehei 
sich veranlasst sah mit dem, was sein Schwiegervater im Verhiiltni 
zu Alexios im Besitze gehabt habe. S. n. 24 und 25. — 22. Die uni- 
uersa morum honestas ist hier der allgemeine, d. i. in jeder Be 
ziehung sich bekundende Anstand und Wiirde in des Alexios Hand 
lungen und in dessen Charakter, worin kein anderer Furst nach Stephan; 
Meinung ihm gleichkam und wodurch er auch ein Ansehen genoss, d 
keinem andern zuteil geworden sei. Derselben Ansicht waren aller- 
dings diejenigen nicht, welche sich durch Alexios benachteiligt gesehe 
haben, wie das gemeine Volk und die, welche jene Vorgange mit 
erlebt hatten, die sich wahrend der Zeit der Unterhandlungen zwischei 
Alexios und den andern Kreuzzugsfulirern abgewickelt hatten, wovo 
ohne Zweifel Stephan keine Kenntnis gehabt hat. Deshalb fallt auci 
das Urteil eines Anonymus der Gesten und Raimunds ganz ande; 
aus: nach ersterem ist der Kaiser ungerecht, bosartig, iiberhaupt ei 
„schlechter Kerl" ; Raimund de Ag. verflucht ihn und schilt ihn eine 
Verrater, s. HG 28, 527. Wenig schmeichelhaft lauten auch die AuS' 
drucke, welche Ekkehard im Hierosol. fur ihn hat: „perfidus", „periurus" 
„inuidus et occultus persecutor ecdesiae" ; „suspectus tam Francis qua 
Turcis", „tyrannus", s. HE 396. Solche Urteile aber sind der Ausflusi 
eines grenzenlosen Misstrauens gegen den Kaiser, wozu Stephan aller 
dings keine Ursache gehabt hat, da er ihn allem nach nur von seinei 
liebenswijrdigsten Seite kennen gelernt hatte. — 23. Der Vate 
Adelas war Wilhelm I, der Eroberer von England, der a 
7. September 1087 gestorben war. S. Guilelm. Pictau. Gesta Guilelm 
und Gisleberti, Chronicon Hanoniense in Mon. Germ. SS. XXI, 503, ebea' 
falls Oderic. Vital. Hist. eccJes.; Hist. litt. de la France VIII (1747) p. 17 
— 192; Thierry, Hist. de la conquete de TAngleterre par les Normands 
Paris 1825; Vattelet, Der Konflikt Wilhelms des Eroberers mit seine 
SohneRobert im J. 1087, Gott. 1874; Lappenberg II, 161 und dieStamm 
tafel II ebenda; Dietsch, Lehrbuch II, ii, 318 K; Ranke, Weltgeschichte 

VII, 239 ff". Die umfangreiche Literatur uber Wilhelm I von England 
ist verzeichnet bei Chevaher, Repert. p. 947 f. — 2:lr. multa et magna 
dedit, ohne Zweifel mit Bezug auf das Vermachtnis Wilhelms I, welciies 
nach seinem Tode vollzogen worden ist, denn nach des Verstorbenen 



J 



I 



Epistula I Stephani . comitis Carnotensis ad Adelani uxorem. 227 



unscli wurden zum Heil seiner Seele jeder Kirclie und jedem Kloster 
in Eugland Gaben bis zu 10 Mark Goldes, und jedem Landbezirk fur 
dessen Arme 100 Pfund Goldes gespendet, vgl. Lappenberg II, 163. — 
25. Die Lesart adhuc ist jedenfalls irrig. „Mit Bezug auf dieseii 
(ad hunc, i. e. Alexium) ist das Viele und Grosse, was Wilhelm ge- 
geben hat, fast nichts gewesen". Sybel 332 (277): „Dein Vater hatte 
viele Schatze, aber gegen Alexios ist er nichts." 

2(>. post dies X: Laut Fulcher 333 A kamen Robert und Stephan 
in der ersten Woche des Juni 1097 vor Nicaea an. Von Stephan 
selbst erfaliren wir (s. Abs. 6), dass die iibrigen Kreuzfahrer schon 
4 Wochen lang mit den Belagerten gekampft hatten; es wiirde dem- 
nach genau der 3. Juni als der Ankunftstag sich ergeben, denn die 
ersten der librigen Kreuzfalirer waren vor Nicaea am 6. Mai einge- 
troffen (s. HClir. 155). Wie lange Stephan zum Marsche von Con- 
stantinopel nach Nicaea Zeit gebraucht hat, ist nicht angegeben; doch 
redet er im folgenden Satze von einer sehr schnellen Ueberfalirt iiber 
den Georgsarm. Wenn man deshalb ca. 5 Tage annimmt, welche der 
Marsch von Constantinopci nach Nicaea l)eansprucht hat, so durfte der 
Aufbruch aus Constantinopel auf ca. 28. Mai zu setzen sein, so dass 
der lOtagige Aufenthalt Stephans beim Kaiser in die Zeit vom 18. 
-28. Mai fallen wurde. S. a. HG 184 und HChr n^ 153. - 27. bra- 
chium citissime transiui: Die Ueberfahrt von dem einen Ufer 
zum andern fand aufs schnellste statt und zwar uber deri Arm „quod 
ConstantinopoHm circumdat", also iiber den Bosporus und zwar von 
Constantinopel nach Scutari; denn diesen Arm untersclieidet Stephan 
von dem nachher Abs. 6 genannten Brachium S. Georgii, an welchem 
Civitot lag und dem entlang Stephan und seine Leute zu Fuss nach 
Nikomedien sich begeben haben. — 28. quod falsum est: richtig 
in Betreff dieser Bemerkung ist nur, dass Stephan zur Zeit seines Auf- 
enthaltes am Bosporus die angenehmsten Eindriicke von diesem Meere 
erhalten, indem er denselben nicht stiirmisch gesehen hat. Um so mehr 
mochte dieser Anblick auf ihn gewirkt haben, als er wahrscheinlich 
von seiner Ueberfahrt iiber die Adria nur sehr wenig erbaut gewesen 
sein diirfte. Es ist wahrscheinlich, dass er seiner Frau im ersten 
Briefe Naheres iiber seine Fahrt von Brundusium nach Dyrrachium mit- 
geteilt und dieselbe als eine weniger ruliige geschildert haben wird. — 
29. Marna uel Sequana, die beiden Fliissc Marne und Seine: auf 
dem Bosporus, will Stephan sagen, sei die Fahrt eine ruhigere als auf 
den beiden Flussen seiner Heimat, — denn plus ij^t offenbar mit 
tranquillum und nicht mit saeuum zu verbinden. 

30. S. Georgii brachium: im Unterschied zu dem Abs. 5 
genannten „brachium quod Constantinopolim circumdat", s. n. 27. Der 
S. Georgii brachium ist der heutige Meerbusen von Ismid, welcher 
bei Nikomedien endigt, der sogen. sinus Astacenus (s. n. 18). Der nach 
der Legende am 23. April 303 bei Nikomedien als Martyrer gestorbene 
heil. Georg war der Schutzpatron jener Gegend. Ueber diesen Hei- 
ligen, nach welchem dieser Meerbusen den Namen fiihrte, vgl. HE 67; 
HG 147 und 447 ; ebenfalls Tomaschek S. 3 uber Orte im Marmara- 
meer, welche den Namen dieses Heiligen tragen. — 31. Ohne Zweifel 

15* 



228 ErlSuterungen zu IV, 6. 

sind jene Kreuzfahrer, welche im Gefolge Stephans und Roberts ge* 
wesen, auch nicht auf einmal und zugleich uber den Bosporus gefahren 
worden, vielmehr jeweils dieselben Schiffe, nachdem sie eine Abteilung 
ans jenseitige Ufer gebracht hatten, wieder zuruckgefahren, um andere 
zu holen. Die grOssere Fahrt aber direct nach Nikodemien bezw. Ci- 
vitot musste unterbleiben, weil der weitere Weg nicht von allen zu- 
gleich zu SchifF zuriickgelegt werden konnte, indem eben hiezu die 
Schiffe nicht ausreichten und es zu umstandhch geweseii ware und zu 
viel Zeit erfordert hatte, wenn die einzelnen Schiffe jeweils zuruck ge- 
kehrt sein wurden, um Abteilung auf Abteilung nacheinander iiberzu- 
schiffen. Ueber den Fiottenbestand des griechischen Reichs verweiso 
ich auf HE 72 und Neumann, Die byzant. Marine S. 5 ff. — ascensu 
superauimus: durch Hinaufsteigen haben wir den Weg, dem Meer- 
busen entlang zu Fuss, nicht mehr auf Schiff*en zuruckgelegt. Den 
namlichen Weg haben auch die fruheren Schaaren gemacht. S. zu 
n. 18 und HG 115. — 33. Ueber Nicomedia s. Texier I, 16 ff. 
und zu HE 329, HG 115 und Tomaschek 7, auch Pogodin und Wulff 
S. 77 ff. Sie fuhrt den Namen Ismid und liegt 12 Stunden von Con- 
stantinopel entfernt, am Ende des Busens gleichen Namens. Zur rOmi- 
schen Kaiserzeit eine der bliihendsten Stadte des Reiches, zur Zeit des 
ersten Kreuzzuges aber in Ruinen, in welchen sie auch noch Odo de 
Diogilo im Jahre 1147 gesehen, der sich liber sie also aussert: „Nico- 
media, quae sentibus et dumis consita, ruinis sublimibus antiquam sui 
gloriam et praesentiam dominorum probat inertiam. frustra iuuabat 
eam quidam maris profluuius, qui de brachio consurgens, post dietam 
tertiam in ea terminatur" (ap. Chiffl. p. 48; Migne 185, 1227). Stephan 
ist der einzige von allen Augenzeugen des ersten Kreuzzuges, welcher 
iiber Nikomediens Aussehen obige Bemerkung macht, alle anderen be- 
gniigen sich mit der Nennung ihres Namens. Wann diese Stadt von 
den Tiirken erobert worden ist, kann nicht mehr genau bestimmt wer- 
den, Wahrscheinlich zur selben Zeit als auch Nicaea in deren Hande 
fiel. Auch Fulcher 332 D erwahnt, dass die Turken ganz Romanien 
„usque Nicomediam urbem" sich unterjocht hatten. Vgl. a. zu II n. 5. 
— 33. Dieser Pantaleon soll der Sohn eines gewissen Eustorgius, 
eines gottlosen und dem Heidentum eifrig ergebenen Mannes aus Niko- 
medien und einer glaubigen Mutter, namens Eubola, gewesen sein ; er 
habe Medicin studiert, sei dann durch einen Einsiedler namens Hermo- 
laus zum Cliristentum bekehrt worden. Auf wunderbare Weise habe 
er einen Blinden sehend gemacht, wurde dann vor den Kaiser gefiihrt 
und wegen seiner Standhaftigkeit auf alle mOgliche Weise gemartert 
und endlich in Nikomedien auf Befehl Diocletians enthauptet und an 
der Stelle seines Martyriums und seines Todes begraben. Sein Todes- 
und Namenstag wird auf den 27. Juli 303 angegeben. In den AA. 
SS. Juli VI, 397 — 425 sind von P. Boschius aus Simeon Metaphrastes 
und anderweitigen Aufzeichungen die Ueberlieferungen und Legenden 
iiber diesen Heiligen mitgeteilt. In welcher Weise die Erziihlung ge- 
halten ist, mag man daraus entnehmen, dass u. a. Simeon berichtet: 
Der Kaiser habe Pantaleon an einen schweren Stein kniipfen und ins 
Meer werfen lassen, allein der Stein sei so leicht wie ein Blatt auf dem 



Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam uxorem. 229 

Wasser geschwommen und Pantaleon sei von Christus, der ihm im 

<iewande eines Greises Hermolaus erschienen war, an der Hand er- 

grifiPen und iiber das Wasser nach dem Ufer gefuhrt worden, woruber 

^ich auch der Kaiser sehr verwundert habe. Auf dessen Frage: „Quid 

hoc est, Pantaleon? mare quoque tuis superasti praestigiis" ? habe Pan- 

taleon geantwortet: „etiam mare fecit, quod iussum est a Domino. ei 

•enim cedit mare et terra et quaecumque sunt, ei magis cedunt, quam 

tibi imperatori, qui nunc ad tempus seruiunt". Man habe ihn hierauf 

wilden Tieren vorgeworfen, doch diese hatten sich an ihn angeschmiegt 

,:anstatt ihn zu zerreissen, worauf der Kaiser darob erziirnt, die Tiere 

^habe tOten lassen. Boschius giebt iiber dieses Heihgen Rehquien, 

^elche im Morgenlande wie im Abendlande aufbewahrt wurden, S. 401 fF. 

usfuhrliche Nachricht. Nach einem Reliquienkatalog in Cambridge bei 

'JRiant, Exuu. II, 212, wurde seinerzeit in Constantinopel Pantaleons 

Haupt, Blut sowie ein Arm aufbewahrt. Nach Nicolaus de Porta, Rec. 

240 A, hatte man dieselben in Genua in Besitz. Vgl. auch tiber diesen 

Heihgen ausser den angefuhrten Schriften: Surius, Vitae SS. 27. Juli; 

ouhet, Dictionnaire p. 1301 — 1303; Manzi, Vita del glor. martire d. 

Pantaleone medico, protettore della citta di Ravello. Roma 1857. — 

4-. Ueber Nicaeas Aussehen und Lage wird ausser von Stephan 

unter den Schriftstellern des ersten Kreuzzuges, welche Augenzeugen 

, waren, noch von Raimund de Ag. 239 A berichtet, woriiber zu vergl. 

■KHE 68 und HG 177; auch Wilh. v. Tyr. III, 1 giebt eine Beschreibung 

BBdieser Stadt, der dieselbe ohne Zweifel auch betreten gehabt hat. Wenn 

l^pie von Stephan als eine „maxima urbs" und unten XII, 5 in Epist. 

B^feoemundi als „ingens" bezeiihnet wird, so ist diese Angabe den mittel- 

(Balterhchen GrOssenverhaltnissen der Stadte ganz entsprechcnd, doch ist 

ihr Umfang, der in betreft' der Mauern derselbe ist wie ehemals, den 

Prokesch III, 222 genau beschreibt, ein massiger zu nennen. S. die 

folg. Note. Auch Moltke hat am 14. Juni 1836 Nicaea gesehen und 

sagt in Briefe S. 72 uber sie: „heute umschliessen die riesenhaften 

3Iauern und Turme nur ein paar elende Hiitten und Schutthaufen, die 

vor Jahrhunderten Nicaea waren." Riickert hat sie im August 1881 

betreten und schreibt in Hist. polit. Blatter 1895 S. 869 iiber sie: 

.„Isnik ist ein unbedeutender Flecken im weiten Rahmen des alten Ni- 

caea. Noch steht das stattliche Vier- oder Vieleck der hohen Mauern 

und Tiirme, aber die beruhmte Stadt ist verschwunden. Obwohl jede 

Seite ein bis zwei Thore hat, betreten wir den Stadtplan durch ein 

hohes weites Loch in der Westmaner. Dies ist jetzt der allgemeine 

Zugang fur die Reisenden, welche von Constantinopel kommen, mogen 

sie tiber Gemhk (Mudaniabai) oder Kara Mursal oder Ismid gezogen 

sein." Stephan und Robert v. d. Normandie mit ihren Leuten wurden 

von den BeLigerern mit Freuden empfangen. Man wies ilmen itir Lager 

auf der Siidseite der Stadt an: Fulcher 332 E: „gaudenter eis et nobis 

obuiam uenerunt, et usque ad locum, in quo tentoria nostra extendimus, 

ante urbem in partem australem deduxerunt". — 35 Raim. a. a. 0.: 

rpraeterea muris ita eminentibus cingitur, ut nullorum hominum adsultus, 

nuUius machinae impetus uereatur". Prokesch hat die Stadt im December 

1825 auf seiner Reise von Smyrna nach Constantinopel betreten und 



230 Erlauterungen zu IV, 6. 7. 

beschreibt die Befestigung, welche noch dieselbe ist wie zur Zeit des 
ersten Kreuzzuges, folgendermassen : „Die Befestigung von Nicaea, da& 
ganz eben und am Ufer des Sees (Askanius) liegt, ist die eines un- 
regelmassigen Vielecks. 4 grosse und 2 kleine Thore fuhren durch 
die Ummauerung. Die eigentliche Umfanpmauer hat eine niedere, gleich- 
falls mit Thiirmen versehene Vormauer. Der Umfang der Hauptmauer 
betragt 14800 Wiener Fuss; davon kommen auf die See- oder Nord- 
westseite 4808, Nordostseite 3452, Sudwestseite 4776, Sudostseite 2520. 
Die Mauerdicke wechselt am Boden zwischen 15:20', die Hohe sammt 
den Zinnen 30 und 40'. Die Turme stehen an der SQdwest- und 
Nordwestseite 108' von einander ab, an den ubrigen Seiten etwas 
weiter. Sie ragen bis 15' iiber die Mauer und greifen an 30 vor. 
gegen die damahgen AngrifFsmittel treffliche Flanken bildend. An dcii 
Seiten sind sie gradlinig, nach vornen rund, innen stark gewOlht. Einig(j 
siud viereckig, wenige haben die Gestalt eines Vielecks. Der KOrper 
der Ummauerung besteht aus rohem mit Mortel ubergossenem Gesteiii. 
die aussere Bekleidung aus Ziegeln, der Aufsatz der Zinnen sowi< 
das Estrich des Wallganges aus machtigen, ohne MOrtel verbundeneii 
Werkstiicken. Ich halte diese Ummauerung fiir ein voUkommenes 
Muster der spateren rOmischen Kriegsbaukunst. Die Byzantiner haberi 
wohl hie und da ausgebessert und hinzugeflickt, den oder jenen Turm 
wieder aufgerichtet und mit Quadern verkleidet, aber die MOrtelfugung 
und ein nachlassiger Bau scheiden diese Stellen dem Blicke alsogleich 
aus, deren iibrigens an der Siidost-, Siidwest- und Seeseite zu wenigc 
sind, um dem Haupteindruck zu schaden. Die Vormauer hat runde 
Tiirme , ist aus unbehauenen kleinen Steinen und ein weit spaterer 
Bau". Vgl. a. Richter 378; Texier I, 29 — 53; Poujoulat, Voyage I, 94 «".; 
Ruckert in hist. polit. Blatter Bd. 96, 360 ff.; Naumann, 35—50 und 
V. d. Goltz, Ausflug nach Nicaea, Allg. Ztg. 1891, Beilage Nr. 191. Bei 
Texier und Naumann finden sich Abbildungen. — 36. Naheres iiber die 
Zeit der Ankunft Stephans vor Nicaea s. zu n. 26. Die Stadt 
war damals unter der Herrschaft der Seldjuken, welche sie dem griech. 
Kaiser Nicephoros Botoniates, wahrscheinlich im Jahre 1078, abge- 
nommen hatten. S. HE 66. 142. Vor Ankunft Stephans haben am 
16. Mai die Franken das der Stadt zur Hilfe geeilte tiirkische Ent- 
satzheer in die Flucht geschlagen, wobei viele Kampfenden beider- 
seits gefallen sind : es war wohl der heisseste Kampfestag des bis zur 
Ankunft Stephans gefiilirten mortifer conflictus. S. HG 180 f; 
tiber die GrOsse des Heeres s. oben zu n. 20. — 37. In Abs. 7 be- 
richtet Stephan iiber den Kampf der Kreuzfahrer mit dem Tiirken- 
fiirsten Suleiman II, dem Sultan von Ikonium, auch Kilidsch-Arslan 
genannt, dem Sohne Suleimans I, aus dem Stamme der Seldjuken. 
Ob Suleiman II damals persOnHcli vor Nicaea anwesend gewesen 
ist und das Tiirkenheer befehligt hat, ist ungewiss, da Matth. Edess. 27 
berichtet, er habe damals, als die Franken vor Nicaea angelangt 
waren, Melitene (Malatia) belagert. In der kurzen Zeit vom 6 — 16. Mai. 
dem Tage des Kampfes, von welchem Stephan an unserer Stelle redet, 
konnte es nicht wohl mOglich sein, von Mehtene nach Nicaea zu mar- 
schieren. Stephan, Anselm (s. VIII, 5) und Alb. II, 25 fuhren ihn 



I 



Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam uxorem. 231 

namentlich als den Anfuhrer auf, wahrend die Gesta, Fulcher und Rai- 
mund de Ag. ihn erst in der am 1. Juli 1097 bei Dorylaeum erfolgten 
Schlacht als den Fuhrer der Turken erwahnen. Peyre I, 291 und ihm 
folgend Dulaurier a. a. 0. bestreiten die Richtigkeit der Angabe des 
Matth., doch sind deren gegenteiUge Grunde nicht vOUig iiberzeugend. 
Wenn man allerdings der Erzahlung Alb.'s II, 25. 26 Glauben schenken 
diJrfte, wonach Suleiman in der Niihe Nicaeas gelagert und am 5. Tage 
nach der Belagerung (quarta die obsidionis transacta) zwei Spione nach 
der Stadt gesendet habe, welche von den Franken gefangen genommen 
worden seien, so wiire die Nachricht des Matth. v. Edessa hinfallig, 
aber selbst Kugler (Alb. 26) wagt es nicht, die Alberfsche Erzahlung 
a. a. 0. als der Wahrheit entsprechend anzusehen. Es ist aber auch 
hOchst wahrscheinlich, dass Suleiman sich schon im April 1097 dem 
vou Constantinopel heranruckenden Kreuzheere zwischen Civitot und 
Nicaea entgegengestellt haben wiirde, wenn er damals schon in Nicaea 
oder in dessen Nahe sich befunden hatte, und es gar nicht zu einer 
Belagerung der Stadt vonseiten der Franken hatte kommen lassen; 
dass er dies nicht gethan hat, ist ein Beweis daftir, dass er sich da- 
mals in Nicaea oder in der Nahe Nicaeas niciit aufgehalten haben kann. 
Wenn aber doch die Nachricht, dass Suleiman persOnlich den Kampf 
am 16. Mai geleitet habe, richtig sein sollte, so mag angenommen wer- 
den, dass er nicht erst, als die Belagerung begonnen, sondern einige 
Zeit friiher schon von der Frankengefahr Nachricht erhalten hatte und 
von Melitene nach dem Westen seines Reiches aufgebrochen und zur 
genannten Zeit vor Nicaea eingetroffen ist. — 38. paulo antequam 
nos uenissemus d. i. Samstags den 16. Mai 1097; s. n. 36; HG 
180; HChr. n» 152 und zu Einl. S. 50. — 39. Angaben iiber die 
GrSsse des seldjukischen Heeres finden sich nur bei Matth. 
28, Albert II, 27 und Robert 757 A: ersterer verzeichnet 600000 Mann, 
Albert 70000 und Robert 60000; die Augenzeugen geben keine be- 
stimmten Zahlen an: vermuten lasst sichs, dass es wohl nicht mehr 
als 10000 gewesen sein werden. — 40. Auch die Gesta 126 (VIII, 2: 
HG 180) und Albert II, 27 heben hervor, dass die Turken beabsich- 
tigt hatten, zu den Belagerten in die Stadt einzudringen. Letzterer ge- 
braucht fast dieselben Worte: „Solimanus et sui per portam urbis in- 
rumpere in impetu nitebantur". Nach Fulch. 332 E sei die Absicht der 
Tiirken gewesen: „uel obsidionem ab urbe si posset excutere uel de 
militibus suis urbem mehus munire". — 41. Derselbe Ausdruck Soli- 
manus et sui auch bei Albert II, 27. — 42. Laut den Gesta a. a. 
0. haben die Belagerten Gesandte abgeschickt an das der Stadt zur 
Hiilfe kommende Tiirkenheer, um dieses zu veranlassen, durch das siid- 
liche Stadtthor, welches anfangs von den Franken nicht besetzt worden 
war, in die Stadt einzudringen. Doch hatte gerade an dem Tage, als 
der Entsatz ausgefuhrt werden sollte, sich Graf Raimund und Bischof 
Ademar vor diesem Thore gelagert. Diese sind mutig den heranriicken- 
den Turken entgegenmarschiert und haben dieselben in die Flucht ge- 
schlagen. Naheres erzahlt der Augenzeuge Raimund de Aguil. 239 C: 
Die Turken seien in dem Augenblicke, als die Provenzalen an der Siid- 
seite Nicaeas angelangt waren, von dem Gebirge in 2 Abteilungen her- 



232 Erlauterungen zu lY, 7. 8. 9. 

abgekonimen, nm das Frankenheer anzugreifen; die eine dieser Ab- 
teilungen sollte gegen den Ostlich vor Nicaea lagernden Herzog Gott- 
fried und die Deutschen kiimpfen, die andere sollte durch das Siidthor 
in die Stadt eindringen und durch ein anderes — wohl auf der ent- 
gegengesetzten Seite — die Stadt wieder yerlassen und die Franken 
aus ihren Stellungen wieder vertreiben. Gott aber habe diesen Plan 
zu nichte gemacht. denn Graf Raimund sei auf die beinahe schon an's 
Stadtthor herangekommenen Feinde eingedrungen uiid habe sie in die 
Flucht geschlagen, viele derselben getOtet und die Fliehenden bis an's 
Gebirge verfolgt. Die andere Abteilung sei auf dieselbe Weise zur 
Flucht genotigt und uberwaltigt worden. S. n. 44. Wenn Wilken I, 
143 meint, „es lasse sich aus der verwirrten und wiedersprechenden 
Erzahlung der verschiedenen Schriftsteller nicht ganz genau bestimmen, 
welches Heer von den Tiirken angegriffen wurde", so ist dies im Hin- 
blicke auf die Nachricht der Gesta und Raimunds unrichtig. Dieser 
beiden Augenzengen Nachrichten sind klar und besagen bestimmt, dass 
Graf Raimunds Heer und dasjenige Gottfrieds die Angriffe der Feindr- 
zuruckgeschlagen haben. Vgl. a. Sybel 338 (282), — 43. Dieselben 
Ausdrucke kommen auch in den Gesta Ofter vor. Dass die Franken 
ein grosses Blutbad angerichtet haben, erhellt auch aus den Gesta. 
Nach Fulcher 333 A sind last 200 Turken gefallen, nach Albert H, 27 
allerdings bedeutend meln% soll man ja dem Alexios 1000 Turkenkopfe 
in Sacke verpackt auf Wagen nach Civitot uberbracht haben. Die An- 
gabe Fulchers steht jedenfalls der Wirkhchkeit naher. S. a. n. 46. — 
44. Raimund 239 E: „comes S. Aegidii reliquos insecutus est usque ad 
montis altitudinem". — 45. eadem die d. i. am 16. Mai 1097; s. zu 
n. 36 und 38. 

40. Am 16. Mai 1097 sei demnach auf Seiten der Franken nie- 
mand gefallen, womit auch das Stillschweigen samtlicher Augenzeugen 
iibereinzustimmen scheint. Dagegen verzeichnet die Epistula Boemundi 
(s. XII, 4) sogar in iiberschwenglicher Weise 3000 Gefallene, woraus 
wenigstens soviel hervorgeht, dass jener Kampf keineswegs ohne allen 
Verlust auf seiten der Franken stattgefunden haben kann. S. zu XII, 4 
n. 20. — 47. postea, niimlich in der Zeit vom 3. Juni 1097, deni 
Tage der Ankunft Stephans vor Nicaea (s. n. 26), bis zum 20. Juni, dem 
Tage der Einnalime der Stadt. Dass er die Zeit vom 17. Mai bis 
3. Juni nicht als mit eingeschlossen meinen kann, geht aus den Worten 
noster communis magnus exercitus hervor, welche Bezeichnung 
dem Kreuzheere nur von dem Tage an gegeben werden konnte, an 
welchem auch die letzten Abteilungen vor Nicaea eingetroffen waren. 
- 48. Man vergl. hiezu vornehmHch Fulcher 333 D: „saepe armati 
cum machinis nostris urbem adsiliebamus, sed muro forti nobis obstante, 
cassabatur adsultus. saepe de Turcis, saepe de Francis uel sagittis uel 
lapidibus percussi interibant .... per V septimanas obsidione urbem 
fatigavimus et multotiens Turcos adsultibus pauidos fecimus". Aehnlich 
lauten auch die Worte bei Albert II, 29 init. — 49. Dass auch tCir- 
k i s c h e G r o s s e n bei der Verteidigung Nicaeas gefallen sind, berichtet 
nur Stephanus. Von einem turkischen miles, der sich ausserordenthch 
niutig gezeigt haben und durch Gottfried getotet worden sein soll, er- 



I 



Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam uxorem. 233 

sahlt Naheres Albert II, 32. — 50. Nebst dem auch von Stephan ge- 

lannten Balduin de Gant nennen Albert II, 29 und Epistula I An- 

selmi (s. VIII, 11) einen Balduinus Chalderunus, welcher tapfer 

id unausgesetzt vor den Mauern Nicaeas kampfend durch einen Stein- 

rurf getotet worden sei, ebenfalls hatten bei einem anderen Angriffe 

^uf die Stadt nach Albert a. a. 0. Wilh. de Foreis und der ost- 

landrische Graf Walo de Insula von Pfeilen durchbohrt ihr Leben 

rerloren. An einer Krankheit sollen nach Albert ein ausgezeichneter 

LJtter namens Guido de Porsessa, und nach Anselm a. a. 0. 

uido de Vitry, Odo de Verneuil und Hugo von Reims ge- 

^torben sein. Albert II, 30 erzahlt auch, dass einmal durch den Ein- 

^turz eines Belagerungsturmes (uulpes), welchen Graf Hartmann aus 

Jemannien und Heinrich von Ascha errichtet und an die Stadtmauer 

^atten vorbringen lassen, 20 ihrer Leute getOtet und begraben worden 

;ien. Nach Fulcher 333 E und Albert II, 34 wurde ein Franke, der 

ich zu nahe an die Stadtmauer vorgewagt hatte, mit Eisenhacken von 

len Belagerten hinaufgezogen und dann wieder hinabgeschleudert. Ohne 

Iweifel sind auch noch manche andere vor Nicaea ums Leben ge- 

pmmen. aber im Verhaltnis zu der Menge des Gesamtheeres wird 

|ie Bemerkung Stephans, dass es deren im Ganzen nicht viele ge- 

resen sind, der Wahrheit entsprechen. Vgl. HG 193. — 51. Diesen 

alduin de Gant, den Herrn von Alost (s. Bouquet XI, 392 und 

III, 716) nennt auch Albert II, 22 im Verzeichnis der Nicaea Be- 

igernden, ebenfalls in c. II, 29, wo er die Art seines Todes mitteilt: 

falduin habe bei einem Angriffe auf die Stadt sich bemuht, die Mauer 

|u ersteigen, dabei aber nicht die nOtige Vorsicht beobachtet; durch 

inen Pfeilschuss, der seinen Nacken durchbohrt, habe er sein Leben 

"verloren. Auch Anselm nennt ihn in Epistula I (s. VIII, 11) als „in 

armis" bei Nicaea gefallen. Durch die Mitteilung Stephans und An- 

sehns wird diejenige Alberts bestatigt: fiir uns ein Beweis, dass auch 

die Mitteilung vom Lebensende der andern von Albert II, 29 genannten 

Kreuzfahrer ohne Anstand fur richtig gehalten werden muss. Ueber 

Balduin vgl. a. Wilh. Tyr. III, 5, welcher ihn einen „nobilem et magni- 

iicum uirum et in armis strenuum" nennt, und Chanson d'Antioche, 

Index II, 334, sowie Riant, Invent. 166 n. 7. 

52. ut diximus — oben in Abs. 6. — 53. turrigerata fur 
turrigera, wahrscheinlich aus Versehen des Abschreibers also ge- 
schrieben. — 54. arma: hier die Waffen, welche der Kampfende mit 
sich fuhrte : Bogen, Speer, Schwert und Schild, welche allerdings nicht 
genugten, um die Stadt einnehmen zu kOnnen, weshalb man zur An- 
fertigung von Belagerungswerkzeugen schreiten musste. — 55. Zu 
ligneae turres vgl. die Worte Fulchers in n. 48. Ebenfalls be- 
riciiten die Gesta VIII, 1 : „in die Ascensionis Domini coepimus urbem 
circumquaque inuadere et aedificare instrumenta lignorum atque turres 
hgneas, quo possemus murales turres sternere". Von Raim. 239 E er- 
fiihrt man nur, dass macliinae gefertigt worden sind, mit welchen man 
(lie Mauern angegriffen habe. — Die instrumenta sind die Belage- 
rungswerkzeuge, als: Leitern, Sturmbocke, Mauerbrecher und Schleuder- 
maschinen. Die letzteren wurden vor Nicaea nicht nui* zum Stein- 



If 



234 Erlauteningen zu IV, 9. 10. 11. 

sclileudern, sondern auch dazu benutzt, abgeschnittene TiirkenkOpfe in 
die Stadt zu werfen, was besonders die Gesta VIII, 3 und Albert II, 
27 erwahnen. — Mit den Worten: turres cum propugnaculis 
et diuersis instrumentis will Stephan wohl nicht nur sagen, dass 
nebst den Belagerungsturmen auch Schutzwehren und andere Be- 
lagerungswerkzeuge gefertigt worden seien, sondern dass man an diesen 
Tiirmen auch Schutzwehren angebracht und sie mit allerlei Belage- 
rungswerkzeugen ausgerustet habe. Einen solchen Turm beschreibt 
Robert mon. 846 D : er hatte 3 Stockwerke, welche gut mit Winden, 
letztere um die Steine aufzuziehen, versehen waren. In den 2 oberen 
waren die Gepanzerten mit ihren Waflfen; in dem unteren ebenfalls 
Bewaffnete, welche die Rader fortbewegten, auf welchen der Turm er- 
richtet war. Solcher Turme bedienten sich die Kreuzfahrer auch bei 
der Belagerung Marras, sowie vor Jerusalem. Vgl. Gesta 154 (c. XXXIIT. 
2) und 160 (c. XXXVIII, 1); auch AVilken II, 231; Mailly II, 596; 
K5hler III, 134 f. und die Abbildungen bei Kugler, Gesch. d. Kreuzz. 
86. 234. 238. — 56. Fast mit denselben Worten berichten auch die 
Gesta 127 (c. VIII, 8): „Videntes autem Turci, quod nullatenus ex sui- 
exercitibus adiutorium habere possent, legationem mandauerunt impera- 
tori, quia ciuitatem sponte redderent, si eos omnino abire permitteret 
cum mulieribus et filiis et omnibus substantiis suis". Es ist jedoeh 
weder die Angabe der Gesten noch die Stephans richtig, dass Ge- 
sandte direct an den Kaiser selbst abgesendet w^orden seien, vielmehr 
sind die Belagerten mit Butumites, dem Schiffsbefehlshaber der Griechen. 
in Unterhandlung getreten, welcher im Namen des Kaisers die bereit> 
entworfenen Uebergabebedingungen mit denselben festgestellt hat, wa- 
wir aus Anna Alex. I. XI, 2, Rec. 42; ed. Bonn. II, 78, erfahren, woriiber 
auch zu vgl. unsere Ausfiihrungen in HG 191. — 57. Die Tiirken iiber- 
gaben Nicaea unter der Bedingung, dass sie ohne Habe, aber mit Be- 
deckung aus der Stadt ausziehen diirfen und in der kaiserlichen Ge- 
fangenschaft ihnen das Leben geschenkt werde, nudus bedeutet hier 
offenbar nicht nackt, unbekleidet, sondern ohne Habe, ohne Waffen. 
Diese Nachricht steht aber im directen Gegensatz zu den in n. 56 mit- 
geteilten Worten der Gesta, wornach Weiber und Kinder und alle ihre 
Habe ihnen belassen werden musste. Aus mehrfachen Grunden ist die 
Nachricht Stephans eine irrige: furs erste ist es kaum glaublich, dass 
die Tiirken dem Kaiser diese fiir sie so nachteilige Bedingung sollten 
angeboten haben, sodann ist das gelinde Verfahren des Kaisers gegen 
sie ein Erweis dafur, dass die Nachricht der Gesta den Vorzug ver- 
dient, umsomehr als auch Anselm (VIII, 5) und Fulcher 333 F, welche 
beide von der Tiirken Schlauheit bei Uebergabe der Stadt zu reden 
wissen, sowie Albert II, 37, welcher schreibt: „ea conditione, ut ab urbe 
incolumes exeant et in imperatoris deditionem veniant", indirect mit deii 
Gesta in Uebereinstimmung sich befinden. — per conductum: unter 
Bedeckung, zum Schutze gegen die Franken. 
lo 58. Man vgl. a. oben Abs. 5 die Worte: „imperatore me per X 

dies secum uenerabilissime habuit". — 59. Wir ziehen die Lesart 
prope dem propere vor, obwohl auch letztere einen guten Sinn gibt 
und durch Cod. A bezeugt ist: naeh ihr wurde Stephan sagen: der 



M 



Epistula I Stephani comitis Carnotensis ad Adelam uxorem. 235 

Kaiser selbst habe sich eiligst zii den Krenzfahrern ins Lager be- 

geben — allein dieser Nachricht widersprache Anna Alex. X, 1 1 (Rec. 

36. 41; ed. Bonn. II 67. 75), welche den Aufenthalt des Kaisers nach Pe- 

lekanos verlegt; anch keiner der Augenzeugen berichtet, dass Alexios 

beim Kreuzheere vor Nicaea sich persOnlich eingefunden habe, was denii 

[auch Stephan nicht behauptet, wenn wir die Lesart „prope" fur die rich- 

ftige ansehen: „imperator ad nos usque prope peruenit" : „Alexios begab 

isich in unsere Nahe", und damit iasst sich auch die Mitteihmg Annas 

a. 0. wohl vereinigen. S. a. n. 61. — 60. populi: die Kreuzfahrer. 

ater pius: ein gewissenhafter Vater; doch ist mit dieser Bezeich- 

iiung auch die liebenswurdige und zartliche Gesinnung, wie sie einem 

fVater im Verhalten zu seinen Kindern zur Zierde gereicht, benamt. 

>ass aber die dort vor und in Nicaea damals sich Aufhaltenden alle 

len Alexios wie Kinder ihren zartlich gegen sie gesinnten Vater ver- 

jbrt hatten, ist eine unwahre Behauptung. Man vgl. hieriiber das oben 

[u n. 22 Gesagte. Ganz naiv aber nimmt sich der Grund aus, dass 

ilexios, w^eil er befiirchtete vor allzugrosser Verehrung vonseiten seiner 

jeute im Gedrange erdrilckt zu werden, die eroberte Stadt nicht be- 

treten habe — ein Beweis wie Stephan das Verhaltnis zwischen dem 

[aiser und den Kreuzfahrern im rosigsten Lichte erblickt hat und es 

ihm kaum mOglich war, weil durch die persOnliche Liebenswiirdigkeit 

les Alexios geblendet, zum riclitigen Urteil ilberhaupt zu gelangen. ii 

61. in marina quadam insula: „auf einer gewissen im Meere 
►efindlichen Insel nahm er in unserer Nahe Aufenthalt". Nach Anna, 
Jex. XI, 2 (Rec. 41 A; ed. Bonn. II, 75) hielt sich Alexios damals 
in Pelekanos bei Mesampola auf (xard rov neXsxdvov bi8rpi(58v 
LyXoO Tw\' MecfajLiJTeXcov). Er war dorthin gezogen in der Absicht 
[icaea zu nehmen und zwar in einer Zeit, als die Kreuzzugsfiirsten alle 
jchon vor Nicaea eingetroffen waren (Anna a. a. 0. Rec. 37 B; ed. 
Jonn. 11, 70: dv TduTco be — zu derselben Zeit als die Kreuzfahrer 
ror Nicaea lagerten — xai 6 av)ToxpdTcop tov IleXexdvov xaTeXa|38 
caTd vouv eycov Tf|v Nixaiav). Dass dieser Ort Pelekanos nicht etwa 
eine der Prinzeninseln, Chalci oder Principo, sein kann, geht aus der 
weiteren Mitteilung Annas, Alex. lib. X, 10 (Rec. 25 C, 28 C; ed. Bonn. 
55. 58) hervor, nach welcher auch Gottfried, nachdem er iiber den 
Bosporus gesetzt, mit seinem Heere sich in Pelekanos gelagert hatte^ 
welciier ja zweifellos eine Insel nicht zum Lagerplatz gewahlt haben 
kann. Pelekanos lag nun aber in der Nahe von Mesampola, welches 
identisch ist mit dem am asiatischen Ufer, den Prinzeninseln gegen- 
iiber etwa 3 Kilom. vom Meere entfernt liegenden Samboli (s. Karte 
bei Berggren, Thl. 1) ; ebenfalls nach Anna Alex. lib. XI, 3 (Rec. 46 C, 
47 A ; ed. Bonn. 82) sind in Pelekanos nach der Eroberung Nicaeas die 
Kreuzfahrerfursten eingetroffen, nachdem Alexios sie zu sich beschieden 
hatte. Diese letztere Angabe widerspricht zwar allerdings derjenigen 
Stephans, dass der Kaiser damals sich „in maritima insula" aufgehalten 
habe. Da aber Stephan, wie wir aus seinen Worten entnehmeny 
mit dem Grafen Raimund im Lager vor Nicaea zuriickgebHeben war, 
so mag man folgern, dass er eine genaue Kenntnis uber des Alexios 
Aufenthalt nicht besessen, und eben desshalb die Nachricht, dass Alexios 



236 Erlauterungen zu IV, 11, 12, 13. 

sicli auf einer Insel aufgehalten habe, als unriclitig ansehen; allein uns 
scheint es doch wahrscheinlicher zu sein, dass der Anna eine Unge- 
nauigkeit zuzuschreiben ist, denn man mag nur schwer eine Erkliirung 
-dafur finden, wie Stephan gerade eine Insel als Aufenthaltsort des 
Kaisers anzugeben vermocht habe, — er, der damals, da er seinen 
Brief schrieb und zw. in jenen Tagen, als die Fursten wieder von der 
Audienz zuruckgekommen waren, gewiss das lebhafteste Interesse daran 
gefunden hat, uber des Kaisers Aufenthalt und der Fursten Empfang 
sich zu vergewissern und Naheres zu erfahren ; die erst 40 Jahre spater 
schreibende Anna mag hierauf weniger Gewicht gelegt haben. Man 
wird aber auch in diesem Falle in den Worten Stephans selbst eine 
Hindeutung finden, dass Alexios damals seinen Aufenthaltsort geandert 
habe: im Abs. 10 sagt Stephan: „ad nos usque prope peruenit", d. i. 
nach Pelekanos; Abs. 11: „in marina quadam insula prope nos secessif*, 
d. i. er zog alsdann sich auf eine Insel zuriick, welclie von Nicaea auch 
nicht weiter als Pelekanos enlfernt lag, wo auch die Fursten sich ein- 
gefunden haben, von denen eben Stephan diese Nachricht erhalten hat. 
Vergl. a. HG 194 und unten Epistula I Anselmi (VIII, 6) n. 31. — 
02. Nur aus diesen Worten erfahrt man, dass Graf Raimund und 
Stephan, wahrend die ubrigen Fursten nach der Einnahme Nicaeas 
dem Kaiser ihre Aufwartung gemacht haben, im Lager vor Nicaea zu- 
riickgeblieben sind, um dort iiber das Kreuzheer die Aufsicht zu iiber- 
nehmen bezw. gegen etwaige Ueberfalle vonseiten der Tiirken Wache 
zu halten. Doch berichtet auch Anna ausfiihrlich uber diese letzte 
Audienz, welche die Fursten vor ihrem W^eiterzug beim Kaiser gehabt 
haben, ebenfalls erwiihnt derselben kurz auch Anselm in Epistula I, 
(s. VIII, 6). Anselm schreibt nur, dass die Fiirsten dem Kaiser, der 
„ad reddendas gratias" herbeigekommen sei, entgegengezogen warenund 
Geschenke von ihm entgegengenommen hatten. Wie Stephan, so be- 
richtet auch Anna XI, 3 (Rec. 47 A; ed. Bonn. II, 82), dass dieselben 
von Alexios grossartig (jusYaXon^pejiwc) und mit viel Aufmerksamkeit 
{:no;\Xi)c xrjbeuoviac d^iojaa;:;) aufgenommen worden seien; von Dankes- 
Ijezeugungen seitens des Kaisers, oder dass die Fiirsten ihn ob der 
Besitznahme begliickwiinscht hatten, erwiihnt sie nichts, desto mehr 
aber iiber die Scene, welche Tankred wegen Nachleistung des Lehens- 
eides vor dem Kaiser aufgefuhrt hat, woruber Niiheres unten aus VIII 
11. 32 zu ersehen ist. — 63. quasi montem ei dedissem: „mit 
hoherer und grosserer Freude aber hat er vernommen, dass ich da- 
mals zuruckgeblieben sei, als hiitte ich ihm einen goldenen Berg ge- 
geben" ; Stephan will damit sagen: sein Zuruckbleiben im Lager zu 
Nicaea war eben deshalb fur Alexios ein Grund zu noch grosserer 
Freude, weil er (Stephan) durch die Bewachung Nicaeas vor weiteren 
Angriffen der Tiirken ihm (dem Kaiser) einen so grossen Gewinn gesichert 
habe, den man mit einem grossen Haufen Geldes vergleichen kOnne. 
Die Lesart ex praedis factis beruht auf irriger Entzifferung des 
Textes. Peyre II, 474: „il se rejouit beaucoup de ce que j'etais reste 
aupres de Nicee pour empecher toute surprise de la part des Turcs soit 
contre la ville soit contre notre armee. Pendant le peu de temps que se 



I 



EpiBtula I Stephani comitia CarnotensiB ad Adelam uxorem. 237 



prolongea ma siirveillence, il regut comme une montagne d' or pro- 
venant du butin recueilli". 

• 64. Ueber die Beutegegenstande, welche in Nicaea den Siegern 12 
n die Hande gefalien sind, giebt nur Stephan an unserer Stelle einige 
Auskunft. Alle andern, mit Ausnahme Fulcher, der nur das in der 
Stadt aufgefundene Geld erwahnt, reden nicht davon. — 65. Diese An- 
gaben Stephans zu bezweifeln, liegt ein Grund nicht vor: so wird die 
Anordnung des Kaisers gelautet haben, von welcher jedenfalls die 
Fiirsten Kenntnis erhielten; jedoch ausgefuhrt ist sie nicht worden, 
dass alle dadurch befriedigt worden waren, das geht aus dem, was 
Fulcher und Raimund dariiber sagen, unzweideutig hervor: ersterer 
schreibt 333 G: „tunc Turci intromiserunt in eam (Nicaeam urbem) 
Turcopulos ab imperatore illuc missos, qui urbem cum pecunia interna 
imperatori, sicut eis praeceperat, seruauerunt. quapropter pecunia illa 
tota retenta, iussit imperator de auro suo et argento atque palliis pro- 
ceribus nostris dari; peditibus quoque distribui fecit de nummis suis 
aeneis, quos uocant tartarones". Immerhin ist es nicht unwahrschein- 
Hch, dass die in Nicaea eroberte Beute verhaltnismassig unbedeutend 
war und deshalb der Vollzug der kaiserlichen Anordnung entweder 
gar nicht oder nur an Wenigen bethatigt werderi konnte. Wahrscheinlich 
hat die griechische Besatzung sich der Beute bemachtigt und den 
Franken das Nachsehen gelassen, denn auch Raimund 239 G erwahnt 
das Versprechen des Kaisers in ganz ilhnlichen Worten wie Stephan, 
i welches aber gegen alle Erwartung sclilecht erfullt worden sei: „pro- 
miserat Alexius primoribus et genti Francorum, quod totum aurum et 
argentum et equos et omneni suppellectilem, quae intus erat, eis red- 
deret, et monasterium Latinum et hospitium pauperibus Francorum ibi 
faceret; praeterea tantum de propriis unicuique de exercitu daret, ut 
ilH semper militare uehnt. haec igitur Franci sperantes uerba fidelis- 
sima, deditionem laudauerunt. Alexius itaque, accepta ciuitate, tantam 
gratiarum actionem exercitui dedit, ut, quamdiu uixerit, populus semper 
ei maledicat et proclamet cum proditorem'*. Dass Alexios absichtlich 
die Franken getauscht und das Versprochene ihnen vorenthalten haben 
sollte, ist nicht glaubhaft, da ihm keinesvvegs verborgen bleiben konnte, 
dass er dadurch ihrer Zuneigung sich begeben wurde. Dass selbst 
imter den Fursten einige durch des Alexios Verhalten unzufrieden waren, 
deutet Anselm an, s. VIH, 6. Die von dem Kaiser anstelle der Beute 
gewahrte Geklentschadigung, insbesondere an die Armen (s. Gesta 128, 
c. IX, 1), war keineswegs dazu angethan, die feindliche Stimmung gegen 
ihn zu verhindern ; diese letztere trat mit gleichsam elementarer Macht 
hervor und bildete mit die Ursache des dem Kaiser spater so reich- 
Hch entgegengebrachten Misstrauens, vgJ. a. HG 192. 195. Wie er sich 
gegen dasselbe zu verteidigen gesucht hat, erhellt aus seinem Briefe 
an Oderisius, s. zu V, n. 17. 

66. sicutpraediximus mit dem vorangehenden „ disposuit " ver- 15 
bunden, wie Bernier las, hat nicht minder einen richtigen Sinn, doch 
scheint die Abtrennung der Worte wie sie M und R bieten, welcher 
auch wir gefolgt sind, die zutreffendere zu sein. — 67. XIII. Kal. 
Julii d. i. 19. Juni 1097. Dass diese Angabe des Datums der Ein- 



Erlauteriingen zu IV, 13, 14; V, 1. 

nahme Nicaeas ricbtig ist und von Wilii. Tyr. III, 12 irrtiimlich als 
20. Juni verzeichnet wird, habe ich in HG 194 nachgevviesen. Mit 
Stephan stinimt auch Auselm (iberein, s. zu VI n. 28 und HChr n^ 160. 
— 68. Derselbe Ausdruck primitiua ecclesia auch bei Ekheh. Hie- 
rosol. XV, 9. — 69. Mit der hier benannten sancta Synodus ist 
das im Jahre 325 durch Constantin den Grossen einl)erufene Okumenische 
Concil zu Nicaea gemeint, auf w^elchem die Mehrheit der anwesenden 
BischOfe die Lehrsatze des Arius iiber die Person Christi mit deni 
Anathem belegt und die Wesensgleichheit des Sohnes mit Gott dem 
Vater symbolisch festgesetzt hat. Man vgl. daruber Naheres in den 
Kompendien uber Kirchen- und Dogmengeschichte. — 70. quae scil. 
Nicaea urbs. Peyre II, 474: et celle meme ville. — 71. Zu pecca- 
tis exigentibus vgl. Galt. Bella Ant. I c. I n. 16. Durch Sunden- 
schuld ist Nicaea zu einer Lehrerin des Irrtums geworden, d. h. zu 
einer Stadt der Muhammedaner: denn seit 1078 (s. n. 36) war sie in 
den Handen der Tiirken. erroris auf den Arianismus zu beziehen, 
ist wegen des folgenden nunc unstatthaft, welches die Jetztzeit, die 
Zeit Stephans bedeutet mit Bezug auf das damals erfolgte w^ichtige Er- 
eignis der Eroberung Nicaeas und Entreissung derselben aus der Turken 
Hande. Die Lesart: „pa^torum" fiir „postea" ist in'ig; w^enn Stephan 
also geschrieben hiitte, so lage darin der Sinn : dass es sow^eit kommen 
musste, habe die Kirche selbst durch ihre Diener verschuldet. — 
73. Eiue discipula ueritatis ist Nicaea durch die Eroberung ge- 
worden, weil jetzt die Christen wieder in derselben die Herren ge- 
worden sind. Die peccatores sind die Kreuzfahrer, welche zugleich 
serui Dei sind. — propitiante Deo: durch Gottes Gnade; der- 
selbe Ausdruck auch bei Galt. Belia Ant. II, c. VII, 8. 
14 <3. per septimanas perueniemus: Ueber die Zeit, welche 

das Heer nach Antiochien und Jerusalem gebrauchen wurde, hat sich 
Stephan sehr getiiuscht. BekanntUch sind die Kreuzfahrer vor Anti- 
ochien erst nach mehr als ^/^jahrigem Zeitaufwand ani 21. October 
1097 vor Antiochien eingetroffen. Vgl. HG 242; HChr. n« 203. Vor^ 
Antiochien bis zur Eroberung dieser Stadt lagerten sie fast 7 ^j., Monat( 
setzten dann Anfangs November 1098 ihren Zug fort und trafen ers| 
am 7. Juni 1099 vor Jerusalem ein, vgl. HG 384. 448; HChr. n» 38i 



V. 

Epistula I Alexii I Komneni ad Oderisium I de Marsis 
abbatem Casinensem. 

(Gescbrieben zu Constantinopel im August 1097). 

1. Et: aus diesem Anfangswort muss gefolgert w^erden, dass dei 
Brief verstiimmelt ist und ein oder mehrere Satze fehlen; vgl, Riant,1 
Alex. epist. p. Ixxiv, und Invent. 152. — 2. qui de ipsis par- 
tibus veniunt: die Kreuzfahrer, welche aus Gallien und Italien 
xiber Rom, San Germano und Monte Casino die Kreuzfahrt angetreten 



Ife; 



Epistula I Alexii I Komneni ad Oderisium abbatem Casinensem. 239 

laben. Unter ipsis partibus ist die Gegend Italiens gemeint, in 
welcher Monte Casino liegt, also die Gegend zwischen Rom und Neapel. 
3. Nach Petrus Diac. p. 765 waren es jene Kreuzfahrer, welche 
'„per antiquam stratam" uber Rom gezogen sind, namlich Robert von 
Flandern, Robert der Normanne, Hugo Magnus, Wilhelm der Sohn des 
Marchisus u. a. „qui omnes per nostrum Casinense monasterium trau- 
seuntes et Renedictq patri ac fratribus se plurimum commendantes, 
Barium profecti sunt". Hugo kam noeh im Spatjahr 1096, die andern 
im Fruhjahr 1097 in Constantinopel an. S. HG 135. 138. 140; Riant, 
Invent. 137; HChr. n^ 94. — 4:. imperium meum: (3ac5iXeia uot), 
der gewOhnUche Ausdruck, in welchem der griechische Kaiser in seinem 
Schreiben von sich redet. certificatum est meum imperium: 
ich bin vergewissert worden. Du-Cange, Glossarium: „imperium: 
tituhis honorarius imperatoris". Cf. Riant, Alexii epist. p. xv. — 
5. propinque: nicht in der Bedeutung : „verwandt", sondern ein mir, 
d. i. meinem Herzen nahestehender Gottesdiener, fiir „amice". — 6. Der 
Abt von Monte Casino war Oderisius, der Sohn des Grafen Ode- 
risius von Marsi in Campanien. Er ist im Jahre 1059 in der La- 
tarankirche vom Papst Nicolaus II zum Diakon consekriert (Leo Marsic. 
p. 706) und im Jahre 1087, nachdem der bisherige beriihmte Abt von 
Monte Casino, Desiderius, zum Papst erwahlt worden war, von diesem 
zu seinem Nachfolger ernannt worden, welche Wiirde er auch nach 
dessen Tod am 16. September des genannten Jahres iibernommen und 
bis zu seinem Tode am 2. Dezember 1105 in ruhmUchster Weise be- 
kleidet hat; s. Leo Marsican. p. 753. In seinem Liber illustr. uirorum 
p. 182 sagt Petrus Diac. von ihm: „Oderisius I, Casinensis abbas, hu- 
miHtate summus, castitate pudicus, spirituali lumine praeditus, ueri- 
ficatorque mirabilis, scripsit nonnulla, quae, quia prae manibus habeutur, 
omitto referre". Leider aber besitzen wir von diesen Schriften keine 
mehr. Unter seiner Leitung wurden dem Kloster bedeutende Stiftungen 
zugewendet (vgl. Petr. Diac. Chron. Casin. pp. 770, 10, 87; 772, 5. 40 und 
Bulla Urbani II de d. 27. Marz 1097 bei Margarini, Rull. Casin. II, 
119; Cocquehnes BuU. II, 97; Migne Patr. lat. 151 p. 492 und Jaffe- 
Lowenfeld, n. 5681 [4255]) und die Bauten des Klosters erweitert. Die 
engen Beziehungen, in welchen Oderisius mit Alexios gestanden, be- 
weist nicht nur der vorhegende Brief sowie der unten sub XI aufge- 
fiihrte, sondern sie werden auch von Petrus Diac. an Stellen seiner 
Clironik bestatigt, so sagt er p. 792, wo er des Kaisers Tod meldet: 
„Alexius multa bona huic sancto Casinensi coenobio contulerat et super 
omnia Latini nominis monasteria dilexerat". Ein Beweis der Hochach- 
tung, welche der Kaiser fur den damaligen Abt Oderisius hegte, ist 
wohl auch die Nachricht des Petrus Diac. Chron. 774, 25, wornach 
Alexios ein „pallium purpureum optimum" nach Monte Casino gesendet 
hat; doch haben die kaiserlichen Gesandten den Oderisius nicht mehr 
am Leben angetroffen, dessen Tod dann der Nachfolger des Oderisius, 
Abt Otto, dem griechischen Kaiser durch einen eigenen Gesandten, 
welcher die kaiserlichen Gesandteu auf ihren Ruckweg begleitete, zu 
Anfang des Jahres 1106 melden liess. Von ganz besonderem Interesse 
iu dieser Beziehung ist aber die Mitteilung des Petrus Diac. p. 770 



2'40 Eriautenmgen zu V, 1. 2. 3. 4. 

ijber die Sendung des kalserlichen Palastbeamten Johannes nach Monte 
Casino. Der Wortlaiit dieser Mitteilung ist in Einleit. S. 78 rnitge- 
teilt. Ueber Oderishis vgl. ausser den angefuhrten Quellenschriften noch 
Petrus Diaconus, Chron. p. 760—774; CeiUier XXI, 96 f.; Tafuri, Istoria 
t. II, I, 290—300; Giesebrecht, De stud. ap. Ital. p. 45; Chevalier, 
Repert. p. i'662 ; Tosti 11, 6 ff.; Gigalski, Bruno v. Segni 8. 53. 54. 69. 
Ueber das weltbekannte von Benedikt von Nursia zu Anfang des 
VI. Jahrhunderts gegrundete, in der Nahe von S. Germano zwischen 
Rom und Neapel gelegene Benediktinerkloster Monte Casino, welches 
unter dem Abte Desiderius (1059 — 1087), dem Vorganger des Oderi- 
sius, sowne unter dem letzteren in hOchster Blute stand, vgl. man vor- 
nehmlich: Gattula, Hist. abbat. Casin. ; Tosti, Storia 3 voll.; Caravita, 
I codici e la arti a M. Casino, 2 voU. ; ebenfalls Montalembert les 
Moines d' occid. II, 21 f.; Gregorovius, Gesch. Roms II, 8 ff., IV 156 ff. : 
Hirsch, Desiderius von Monte Casino, in FDG VII, 1 ff. ; Dantier, Les 
monasteres bened. d'Italie, Paris 1867; Kratzinger, der Benediktiner- 
orden; Peter, Le centenaire de S. Benoit, in Rev. chret. Juill. 1881; 
ZOckler, in Herzogs Realencyklop. 2. Aufl. X, 262—266 ; Taeggi, Pa- 
laeogr. artist. di M. C. (1876); Rickenbach, Monte Casino, (Einsied. 1884. 
1885) und de Vogue, Hist. et poesie, p. 1 ff. — 7. de uestris 
maximis uirtutibus. Man vgl. die in n. 6 angefiihrten Worte des 
Petrus Diac. ; ahnlich spricht von Oderisius Leo Marsic, der ihn p. 72 
den „reuerentissimus et dignissimus successor" des Abtes Desiderius 
nennt. — 8. opus: off*enbar die dem Oderisius durch sein Amt als 
Abt des beruhmten Klosters Monte Casino auferlegte und von ihm aucli 
gewissenhaft ausgefiihrte Berufsarbeit vornehmlich in der Okonomischen 
Verwaltung und Erweiterung des Klostergutes und der Fursorge fur 
dessen Insassen. Zu operari vg]. a. XI, 3 n. 13. — 9. Die dis- 
ciplinae et admonitiones sind die guten Lehren und Ermalmungen. 
welche auch den durchziehenden Kreuzfalirern vonseiten des Oderisius 
zu teil geworden sind, die wohl in Begeisterung fur den Abt davoi! 
bei Alexios gesprochen haben. — circa: in Beziehung, in Anseliuni: 
s. a. XI, 6. 

10. specialiter: „von Angesicht zu Angesiclit". minime iii 
Verbindung mit specialiter: „am allerwenigsten, gar nicht". Hieraus ist 
zu folgern, dass beide, Alexios und Oderisius, noch nie im Leben ein- 
ander begegnet waren. — 11, et muss hier fur tamen genommen 
werden. uos und uester beziehen sich auf Oderisius und sein» 
Klostergenossenschaft : „Obgleich ich dich noch gar nie von Angesichi 
zu Angesicht gesehen habe, so bin ich dennoch befriedigt von euren 
heiligen Gebeten", was auch ein anderer Brief des Alexios an Oderi- 
sius bei Riant, Epist. Alexii ad Robertum p. 41 mit den Worten aus- 
driickt: „imperium meum, quem nunquam uidistis". — 12, uestra 
uenerabilitas, offenbar die Verehrung, welche Alexios dem Ode- 
risius und seiner Genossenschaft gezollt hat: „aber mit meiner Vereh- 
rung gegen euch ist es so bestellt, wie wenn ich euch tagiich gesehen 
hatte uHd unausgesetzt mit euch reden wtirde." Die von Riant vorge- 
nommene Aenderung „sed ita dispositum" in „est ita dispositum" ist 
unnOtig. — 13. Tosti II, 94 hat die Worte ueniam cum nicht und 



Epistula 1 Alexii I Komneni ad Oderisium abbatem Casinensem. 241 

liest deshalb aiich statt ^funditis": „fundatis". Doch der der Ausgabe 
Riants zugrunde liegende Text ist ohne Zweifel der bessere (s. Einl. 
S. 59) und deshalb auch die Lesart ueniam, cum die richtigere: 
„und ich wunsche, dass ich in sein (d. i. Gottes) Andenken gelange, 
wenn ihr eure heiHgen und ehrfurchtsvollen Bitten an Gott richtet", 
d. h. mein Wunsch ist, dass Gott meiner gedenke, wenn ihr fiir mich 
zu ihm betet. — „ad memoriam aUcuius uenire" ist w^ohl dem grichischen 
ievai VTib t\\v jnvr|fir|v nachgebildet. 

14. Solche Briefe vomAbtOderisius oder dessen Vorganger 
Desiderius oder von einem andern Casinenser KlosterangehOrigen sind 
nicht mehr vorhanden. Sie enthielten Nachrichten tiber Klosterange- 
legenheiten (de uestris actibus et de his, qui sub uobis sunt) sowie uber 
pohtische Vorgange in Mittel- und Unteritahen (de ipsis partibus). Dass 
Alexios hier besonders erwahnt, was ja dem Oderisius nicht besonders 
gesagt zu werden brauchte, erklart sich daraus, dass Alexios soeben 
von seiner eigenen Hinneigung zu Oderisius gesprochen hatte und eben 
mit der Erwahnung der Briefe auch die vonseiten des Oderisius be- 
stehende Verbindung mit ihm, dem Kaiser, nicht unerwahnt lassen wollte. 

15. peregrini sind die Teilnehmer am ersten Kreuzzuge, welche 
im Spatjahr 1096 und Friihjahr 1097 nach Constantinopel und von da 
nach Kleinasien gezogen waren. — 16. Die Lage des Kreuzheeres so- 
wie des Kaisers entsprach damals ganz der von letzterem dem Ode- 
risius gegeniiber gemachten Bemerkung. Dass Alexios uber die Kata- 
strophe, welche am 21. October 1096 die ersten Kreuzfahrer der Peter- 
schen Schar bei Civitot betroffen hatte, nichts erwahnt, mag darin seinen 
Grund haben, weil er in derselben eine Hinderung des durch die Fiirsten 
geplanten Unternehmens nicht erbhcken gekonnt hat, wie denn auch 
diese Katastrophe thatsachlich das Kreuzzugsunternehmen der Fursten 
und ihres Gefolges keineswegs geschadigt hat. Insbesondere hat Alexios 
auch die Abteilungen im Auge gehabt, welche iiber S. Germano ge- 
zogen sind, deren Fuhrer mit dem Abte Oderisius bei ihrem Durch- 
zug gesprochen und einen weiteren Verkehr zwischen ihm und dem 
griechischen Kaiser vermittelt hatten (s. n. 3). Im Vergleich zu der 
Abs. 5 beigefugten Bemerkung uber die Abfassung des Briefes weisen 
die Worte usque ad praesens auf den Monat August 1097. Der 
Kaiser hatte mit Hilfe des Kreuzheeres Nicaea wieder in Besitz er- 
halten, welche Stadt am 19. Juni 1097 kapituhert hat. Das Kreuzheer 
hat am 1. Juli 1097 Suleiman in der Schlacht bei Dorylaeum besiegt 
und konnte vorerst ungehindert seinen Marsch durch Kleinasien fort- 
setzen: dies war fur Alexios Grund genug zu schreiben: „Deus prospere 
se habuit circa nos et circa illos usque ad praesens". — 17. Zur Deu- 
tung von plurimi sind von Interesse die Mitteilungen Fulchers 329 C, 
wornach aus dem Gefolge Roberts von Flandern, Roberts von der Nor- 

I mandie und Stephans von Blois, schon als sie nach Rom gekommen 
waren, eine grOssere Zahl der Sache des Kreuzzuges uberdrussig ge- 
worden und in die Heimat wieder zuruckgekehrt sind; sodann berichtet 
Fulcher 330 D: als am 5. April 1097 Robert der Normanne und 

' Stephan von Blois sich zur Ueberfahrt iiber die Adria anschickten, 
nachdem sie mit iliren Leuten iu Campanien iiberwintert hatten, da 

Hagcnmeyer, Epistulae et Chartao. ](] 



242 Erlauterungen zu V, 4. 5; VI, 1. 2. 

waren die Kreuzfahrer Zeugen von deni plOtzlichen Untergang eines 
Schiffes, auf welcheni sich 400 Pilger beiderlei Geschleciits befunden 
hatten und ini Meere ertrunken sind. Dieser Vorfall verursachte solch' 
einen Schrecken, dass eine grOssere Anzahl Pilger ihr Vorhaben auf- 
gaben, „dicentes nunquam amplius in aquam sic deceptricem se infigere". 
Wird die Vi^iederumkehr von so manchem Pilger nicht auch spater 
noch von Constantinopel oder von Nicaea aus in gleichem Umfange 
unternommen worden sein? Wenn Alexios an unserer Stelie berichtet, 
dass plurimi dem Oderisius und seiner Genossenscliaft uber den Fort- 
gang des Unternehmens werden Mitteilung gemacht haben, so durfen 
wir mit Bestimmtheit annehmen, dass gerade solcbe, die aus verschie- 
denen Griinden dem Pilgerzug nicht weiter • zu folgen und wdeder um- 
zukehren sich genOtigt gesehen haben, unter diesen plurimi gewesen 
sind, wovon der Kaiser auch Kenntnis hatte, der wohl mit Grund ver- 
muten mochte, dass vielleicht ihr Bericht nicht durchgangig der Wahr- 
heit werde entsprochen haben, weshalb er den Oderisius auf den ge- 
naueren und zuverliissigeren Bericht, welchen seine Gesandten ihm und 
seiner Genossenschaft erstatten sollten, verwiesen hat. — 18. Unrichtig 
ist offenbar die Lesart des Codex von Monte Casino: audiens, wo- 
fur richtig die Druckausgaben audietis haben. — apertius: offen, 
Iiier: in klarerem und deutlicherem Lichte, (iberhaupt: genauer, s. n. 17. 
— 19. Ueber diese Gesandten selbst finden wir anderweitig keine 
Angaben. Vgl. ubrigens auch Einleitung S. 57. 

20. d. i. im August 1097 — vielleicht auch die Angabe des 
Datums der Ankunft des Briefes in Monte Casino. 



VI. 

Epistula Simeonis patriarchae Hierosolymitani et Hademari 
de Podio S. Mariae episcopi ad fideles partium Septentrionis. 

(Geschrieben vor Antiochien gegen den 18. October 1097). 

1. In dem von Riant erstmals verofFentlichten Texte unseres Briefes 
ist der Name des Patriarchen irrtiimlich mit dem Anfangsbuch- 
staben D bezeichnet, allein das Manuscript in Reims hat ein S. Ware 
allerdings ein D die richtige Lesart und damit der erste lateinische 
Patriarch von Jerusalem namens Daimbertus gemeint, analog dem H.. 
mit welchem offenbar der Schreiber des Briefes den Bischof Haymar 
(Hademar, Ademar, Aimar) von Puy bezeichnen wollte, so miisste man 
folgerichtig den Brief fiir uneclit lialten, denn Ademar von Puy ist 
am 1. August 1098 gestorben und Daimbertus von Pisa erst im Spat- 
jahr 1099 nach Palastina gekommen, um dort anstelle des provisorisch 
zum Patriarchen ernannten Arnulf das Patriarchat zu ubernehmen. Es 
hat darum Riant, der die richtige Lesart nicht kannte. das D fur „Do- 
minus" gedeutet; allein nach einer Mitteilung des Herrn Archivars De- 
maison von Reims ist im Reimser Manuscript, dem einzigen noch vor- 



I ._.„...^ . 

IHtendenen, sehr deutlicli das S zu erkennen, und damit kann nur der 
"^^yrische Patriarch Simeon gemeint sein. Simeon hatte nach 
Alb. VI, 39, als die Franken vor Antiochien lagen, sich nach der Insel 
Cypern begeben, weil die Muhammedaner in Jerusalem ihm mancherlei 
Unbilden zugefugt hatten. Auf Cypern wartete er den Erfolg der 
Kreuzfahrer ab und soU ihnen von da, als sie Jerusalem belagerten, 
Lebensmittel habcn zukommen lassen. Ueber ihn berichten Niiheres 
Alb. a. a. 0., der Monachus Scaphus. p. 336; Willi. Tyr. VIII, 25; 
Hist. Gotefr. 439. Vgl a. Le Quien III, 498, wo die Naclirichten uber 
ihn zusammengestellt sind, ebenfalJs HP 320; HG 481; Demetraco- 
pulus 11; Franz 6; Schnabl 254 f.; Riant, Invent. 92 f., 98. 100. 152 f. 
155 f. — 2. Ueber Ademar, Bischof von Puy, siehe zu II n. 16. 
Da er am 1. August 1098, nachdem die Franken vor Antiochien einen 
glanzenden Sieg uber Kerboga errungen hatten, gestorben ist, so muss 
dieses Schreiben, vorausgesetzt, dass es eclit ist, vor dem 1. August 
geschrieben worden sein, doch s. Naheres daruber in Einleitung S. 60 
und n. 6. — 3. e t i 1 1 e p r a e c i p u e, q u i : „ und noch dazu, noch ins- 
besondere der, welcher" etc. Damit ist nicht etwa nebst dem Patri- 
archeu von Jerusalem und Ademar von Puy noch eine dritte von diesen 
zwei zu unterscheidende Personlichkeit gemeint, vielmehr soU et ille 
den Beruf des letztgenannten Bischofs Ademar noch besonders hervor- 
heben. — 4. S. oben zu II, 3. — 5. Beinahe dieselben Grussworte 
in 1, 5. 

6, communi consilio. Nach deni Inhalt unseres Briefes war 
das Kreuzheer bei Abfassung desselben in Romanien: „in Romania 
sunius; de Nicaea uersus Antiochiam exercitus motum fecit" (Abs. 3). 
Bekanntlich ist es am 21. October 1097 vor Antiochien angelangt, 
nachdem es ca. 27. Juni 1097 von Nicaea dahin aufgebrochen war 
(vgl. HChr. n^ 164 u. 203). Allem nach war das Heer schon in der 
Nahe Antiochiens angelangt, als dieser Brief abgefasst und abgeschickt 
worden ist: einesteils notigt zu dieser Annahme die Bemerkung Abs. 16, 
dass das Kreuzheer ausser Nicaea sehr viele Stadte und Kastelle schon 
erobert gehabt habe, sodann dass von 3 bella die Rede ist, welche 
das Kreuzheer schon geliefert hatte, von denen der 3. bellum der 
Kampf an der Eisenbrucke gewesen sein wird (s. n. 15); endlich sind 
es die Schlussworte des Briefes, welche nicht allein auf den Zug selbst, 
sondern hOchst wahrscheinlich auf eine Belagerung hinweisen (s. n. 25), 
die nur die von Antiochien gewesen seiu kann. Auf einer jener Ver- 
sammlungen und Besprechungen nun, in welchen iiber den Beginn und 
Fortgang der Belagerung Antiochiens Beschluss gefasst worden ist, 
wird auch diese Augelegenheit besprochen und gutgeheissen worden 
sein. Nach Raimund 241 D war damals ein Teil der Kreuzzugfiirsten 
gegen die Belagerung der Stadt: der bevorstehende Winter und die 
Zerstreuung des Heeres in den Kastellen von Cilicien und Nordsyrien, 
ebenralls die Aussicht auf die Hilfeleistung des griech. Kaisers sowie 
auf ein Hilfsheer aus dem Abendlande, das erwartet wurde, legte der 
Versammlung nahe, die Belagerung auf das nachste Frlihjahr zu. ver- 
schieben; andere aber, unter welchen auch Raimund de S. GiUes und' 
seine Provenzalen waren, traten entschieden fur die sofortige Vornahme 

16' 



244 Krlauterungen zu VI, 2. 3. 



der Belagerung ein, und damals wird wohl auch der Beschluss gefass 
worden sein und allgemeinen Beifall gefunden hal)en, einen Aufruf an 
die Nordlander ergehen zu hissen: Der Brief diirfte sonacli zu Anfang 
der Belagerung Antiochiens, als man dieselhe mit aller Macht ins Werk 
zu setzen begonnen hat und Tag und Nacht dabei gearbeitet wurde 
(Abs. 6), wahrscheinhch iu dem letzten Dritteil des Monats October 

1097 verfasst worden sein, nachdem einige Tage zuvor auf einer Fursteii- 
versammlung davon die Rede gewesen war, vgl. HG 241. — 7. boni 
laici sind diejenigen unter den Laien, welche vermOge ihrer Stellun^ 
im Heere als Ritter oder auch als nicht dem Ritterstande angehorig 
vor andern bevorzugt waren, an einer solchen Versammlung sich zu 
beteihgen. — 8. Derselbe Ausdruck auch I, 11 im Alexiosbriefe, — 
9, in partibus Septentrionis ist eine recht vage Bezeichniing, 
da ein bestimmtes Land oder Volk, an welches der Brief zunachst ge- 
richtet war, nicht daraus zu erkennen ist; dagegen, wenn man bedenkt. 
dass in S. Simeonshafen wahrend der Belagerung Antiochiens aucli 
normannische und englische Schiffe eingetroifen sind — Anfangs Mar/. 

1098 war z. B. Bruno von Lucca auf einem der engUschen Schiffe da- 
selbst angelangt (s. zu XVII n. 14—15) — , so ist es immerhin sehi- 
wahrscheinHch, dass das Schreiben zunachst nach England bestimmt 
war, um von dort aus auch in andere nordische Gegenden verbraeht 
zu werden. Dass unter den qui habitatis uersus Aquilonem iii 
partibus Septentrionis etwa Einwohner von Frankreich gemeiiit 
sein konnten, die der Sudfranzose Ademar also bezeichnet hatte. ist 
ohne jegliche W^ahrscheinlichkeit. Hatte er die Nordfranzosen im Auge 
gehabt, so wurde der Verfasser sicher auch die Namen jener Gegendeii 
genannt haben. — 10. Schon auf nachste Ostern 1098 soUten die Ein- 
geladenen beim Kreuzheere eintreffen, s. Abs. 4, n. 24, — 11. sos- 
pitas: das Heil, die Wohlfahrt, salus. Die uiatica facultas ist 
die MOglichkeit, die Kosten der Reise bestreiten zu konnen. Zu dieseii 
hier genannten drei Bedingungen, unter w^elchen die Pilgerreise in der 
rechten Weise zu machen sei, namlich dass der einzelne sie fur sein 
Seelenheil, sodann bei guter kOrperlicher Gesundheit unternehmen und 
endlich insoweit bemittelt sein miisse, dass er die Reiseauslagen aucli 
bestreiten k5nne, vgl. noch zu III, 5 n. 16 und XX, 4. — „Mit Wenigem 
selbst konnt ihr ja zu uns gelangen; der allmachtige Gott aber wird 
dafiir sorgen, dass ihr von dem, was ihr habt, leben konnt". Vgl. a. 
XI, 6 n. 23 und Gesta 121. 128 (I, 2. IX, 7). 

12. Ueber Romanien, unter welchem die Augenzeugen des ersten 
Kreuzzuges den ganzen vorderen Teil Kleinasiens mit Einschluss aller 
Gebiete bis an die Grenze Armeniens verstanden haben, vgl. HE 64 : 
HG 116. 178. 210; jedoch zahlt an unserer Stelle der Briefschreiber 
die Umgebung Antiochiens auch nOch dazu, wie dies auch von Raimund 
de Ag., dem Landsmanne Ademars, geschehen ist, der ganz ebenso wie 
hier im Briefe den Zug des Kreuzheeres von Nicaea bis Antiochien 
als einen Zug durch Romanien bezeichnet, vgl. Raimund 241 A. 266 D. 
— 13. Ueber Nicaea s. zu IV n. 35. — 11:. Richtiger hatte Ademar 
imperatoris dicionisubegimus geschrieben, da Nicaea nicht den 
Kreuzfahrern, sondern dem griechischen Kaiser ubergeben worden war, 



i 



Epistula Simeonis patr. Hieros. ad fideles partium Septentrionis. 245 

'orul)er zii vgl. IV, n. 57; Gesta 127 (VIII, 8); Ekk. Hieros. XIV, 1; 
[IP 211. Nach Riant, Invent. 153 ist die Bemerkung: nostrae di- 
ioni subegimus eine einfache Grosssprecherei, denen gegenuber 
Ueicht verzeihUch, ohne welche Alexios niemals in den Besitz dieser 
ptadt gekommen sein wurde. — 15. tria bella fecimus. Es ist 
jinigei-massen schwierig zu bestimmen, welche Kampfe bezw. Schlachten 
ler Briefschreiber damit bezeichnet wissen wollte. Wir sehen ab von 
len Kampfen bei Civitot im October 1096, in welchen die Scharen 
*eters und Walters gegen die Seldjuken unterlegen sind, da wohl an- 
^enommen werden muss, dass er nur die Kampfe des Heeres der 
'iirsten, welches im Fruhjahr 1097 in erstmaliger Vereinigung vor 
ficaea sich gesammelt hatte, mit diesen Worten im Sinne hat. Doch 
^ill diese Bemerkung auch nicht besagen: „walirend der Belagerung 
ficaeas sind 3 Schlachten geschlagen worden", obwohl er erst nach 
lieser Bemerkung von dem Aufbruch des Heeres gegen Antiochien 
redet; denn dies ist darum nicht mOglich, weil er ja in diesem Falle 
lie Schlacht bei Dorylaeum nicht erwahnen wurde, welche schon ge- 
sclilagen war, als dieser Brief geschrieben worden ist und als die 
[auptschlacht bezeichnet werden muss, welche das Kreuzheer vor Be- 
jinn der Belagerung Antiochiens uberhaupt gehefert hatte. Nun ist es 
iber immerhin mOglich, dass der Verfasser nur die Kampfe vor Nicaea 
md die Schlacht bei Dorylaeum im Sinne gehabt hat: vor Nicaea haben 
leisse Kampfe stattgefunden am 14. und 15. Mai 1097 (s. HChr. 
ii^ 150) gegen die Belagerten : allein bei diesen Kampfen hatten gerade 
die Provenzalen noch nicht teilgenommen, denn diese waren damals 
.jioch nicht vor der Stadt eingetroffen, was erst am 16. Mai der Fall 
war, am namlichen Tage als auch ein tiirkisches Entsatzheer vor Nicaea 
anlangte, um am namlichen Tage von den Franken mutig und mit 
grossem Erfolge zuruckgeschlagen zu werden (s. HChr. n° 152). Eben 
•diese Schlacht nun war die erste, welche das vereinigte Heer 
-der Kreuzfahrer gegen die Seldjuken gebefert hat, und durfte auch 
vom Verfasser als die erste angesehen worden sein; als die zweite 
hatte er alsdann die am 1. Juli 1097 geschlagene bei Dorylaeum, und 
als die dritte die am 20. October 1097 an der Eisenbrucke im Auge 
gehabt, bei welcher letzteren gerade die Provenzalen am hauptsach- 
lichsten l^eteiligt gewesen sind. Immerhin aber ist es nicht unmOglich, 
dass die Verfasser auch jenen Kampf vor Heraklea im Sinne hatten, 
wenn wir auch sehr an der Richtigkeit dieser Annahme zweifeln miissen, 
weil es als sicher anzusehen ist, dass die Provenzalen und Ademar, 
-weil in der Nachhut dem Heere folgend, dabei gar nicht beteiligt ge- 
wesen sind (s. zu VIII, 8, n. 46). Im Falle allerdings der Kampf bei 
Heraklea mit inbegriffen sein sollle, wurde derjenige wahrend der Be- 
lagerung Nicaeas nicht in Betracht kommen. Dass die Schlacht an der 
Eisenbriicke aber als die dritte angenommen werden nmss, mag auch 
|i -daraus hervorgehen, dass wir in der Schlussbemerkung des Briefes: 
in labore nocte et die die Vorbereitung zur Belagerung Antiochiens 
[| ^u erblicken haben. Ueber diesen Kampf selbst vgl. HG 179. 182. 
197. 242 sowie unten VIII n. 46. — 16. Dass von den Kreuzfahrern 
tauf ihrem Zuge von Nicaea nach Antiochien mehrere Stadte und 



246 Eriauteningen zu VI, 3. 4. 5. 6; VIF, 1. 

Kastelle der Tiirken eingenommen worden sind, berichten auch 
die anderweitigen Augenzeugen des ersten Kreuzzuges, besonders die 
Gesta; sie machen nainhaft Heraklea, Tarsus, Adana, Maniistra, Coxon 
und Rusa, s. Gesta 130-132 (X, 4. 5. 8: XI, 3. 5); ebenfall< he- 
richten sie, dass Petrus de Roasa, welcher Rugia genommen hat, auch 
plurima castella sich unterworfen habe, s. Gesta 132 (XI, 5). Von 
Anselm wird nebst Tarsus auch Laodicea genannt, s. zu VIII, 8 n. 48, 
Eine namentliche Zusammenstellung derselben nach Alb. III, 26 und 
Rad. Cod. c. 40 ff. habe ich in HG 226 gegeben. Die meisten lageii 
in Cilicien in der Nahe von Antiochien, weshalb auch hieraus gefol- 
gert werden kann, dass der Briefschreiber bei Abfassung seines Briefes 
in der Nahe Antiochiens sich aufgehalten haben wird. — 17. C milia 
equestris militiae habemus: Dieselbe Augabe macht aucli Raini. 
242 C, da, wo er von der Ankunft des Heeres vor Antiochien einigc- 
mitteilt und erwilhnt, dass das Heer, als es Antiochien umlagerte, aii- 
100000 Bewaffneten bestanden habe, so dass auch die vorliegende Be- 
merkung des Briefes der Wirklichkeit entspricht. AUerdings, wenn 
Raimund alsdann noch die Anzahl der in der Stadt liegenden turkischeii 
Besatzung auf 2000 sehr tuchtige Ritter, 4 oder 5000 ^Gregarii" und 
uber 10000 Fussganger angiebt, so will diese Angabe auf die im Brief 
gemachte Bemerkung: pauci sumus ad comparationem paga- 
norum nur wenig passen, allein der Briefschreiber dachte wohl nicht 
allein an die dem Kreuzheere in Antiochien entgegenstehende Turken- 
besatzung, sondern liberhaupt an die Menge der Turken und Sarazenen, 
von welchen die Kreuzfahrer als Feinde angesehen und deshalb auch 
bekriegt wurden, was auch in dem Briefe des Patriarchen unten IX, 2, 
wo fast die namlichen Worte gebraucht sind, der Fall ist. Vgl. ebenda 
n. 7. — 18. uere pro nobis pugnat Deus: Nach Gesta 144 
(XXII, 4) soll im Zwiegesprach die Mutter Kerbogas zu diesem ihrem 
Sohne gesagt haben: „Deus Christianorum pro ipsis cottidie pugnat**, 
Aehnlich lautet jene Stelle im Brief der Kreuzfahrer an den Papst, 
XVIII, 14: „pugnabat certe orbis terrarum pro Christianis". S. a. Ekk. 
Hieros. XVII, 9, ebenfalls in Epist. II Stephani, X, 10. Nach AU). III. 
35 soll auch Ademar, als er dem Kreuzheere Mut zusprach, gegen dic 
Turken zu kampfen (es war am 20. October 1097 an der eisernea 
Brucke), ausgerufen haben: „iam enim hodie pro nobis pugnabit Deus**. 
19. ad hoc: zudem, ausser dem soeben Mitgeteilten, zum Be- 
weise dafiir; mandare: benachrichtigen, sagen lassen; miraculum: 
das seltsame Vorkommnis. Die dritte Person Singul., in welcher hier 
von dem Patriarchen die Rede ist, sowie die Bezeichnung sanctissi- 
mus lassen vermuten, dass wohl damals Simeon nicht personlich im 
Heere zugegen gewesen sein wird, sein Name vielmehr als Reprasen- 
tant der orientalischen Christen und deren rebgiSsen Interessen, um 
welcher willen der Kreuzzug veranlasst worden ist, dem Briefe vor- 
angesetzt wurde, andernfalls die Bezeichnung eine andere gewesen sein 
musste, (s. Riant, Invent. 153 und Einleitung S. 60). — "20, Nach 
Riant, Invent. 97 und 154, bildete dieser Brief die Grundlage der Le- 
gende von dem Gesichte, welches Peter der Eremite nach Albert I, 4 
in Jerusalem gehabt haben soU. — 21. „dass vor ihm (dem Herrn) 



Charta Clementiae comitissae Flandriae. 247 

ein jeglicher am schrecklichen jiingsten Tage gekrOnt hervorgeheii 
werde." Man vgl. hiezu die Worte, welche Roger aus Antiochien ani 
14. September 1115 vor der Schlacht gegen Bursuk an seine Leute 
gerichtet hat (HGa 73): „attendite, quia legitime certantibus a Domino 
corona iam promittitur" ; auch HG im Index das Wort „martyrium". 

22. Unter den cruce signati sind die gemeint, w^elche den 
Entschluss, den Kreuzzug mitzumachen, gefasst und daraufhin sich mit 
dem Kreuzeszeichen geschmiickt hatten,- wahrscheinlich auch von iliren 
GeistUchen mit diesem Zeichen dazu eingesegnet worden waren. Ihr 
Zurucktreten vom Unternehmen machte sie zu Apostaten, deren es 
allerdings eine nicht geringe Zahl gegeben hat. Vgl. zu V, n. 17; XV, 
n. 128 und XVI, 15, sowie XIX, 3. Doch geht hieraus aufs eviden- 
teste hervor, dass auch in den Nordlandern sich etwelche zum Kreuz- 
zuge entschlossen hatten, wodurch die Angaben Fulchers 336 G., Sig6- 
berts ad a. 1096 (Anon. Floriac. 371 B), Notit. Lemou. 351 A und Ekk. 
Hieros. VI, 3 (HG 92) bestatigt werden. — 28. anathematis gladio 
percutere: vgl. den ahnliclien Ausdruck bei Galt. Bella Ant. I c. 
VI, 2: „perpetuo anathemate punire", sowie Gregorii Registr. II, 6 ; Hauck, 
Kirchengesch. Deutschlands III, 755 n. 3 und unten VII, 7 u. XV, 20. 
— 24. Pascha: Osterfest, 28. Marz 1098, bis dahin beim Kreuzzugsheere 
einzutreffen war: w^enn auch die kiirzeste Frist, dennoch mOglich, wenn 
man annimmt, wie in der Einleitung nachgewiesen ist, dass der Brief 
ca. 18. bezw. 25. October 1097 geschrieben wurde; s. a. HChr. n^ 205. 

25. „Und die wir uns beiNacht und bei Tage abmuhen" 
kann allerdings zunachst von dem milhsamen Weg verstanden werden; 
nahe liegt es aber auch, dass der Verfasser damit die Arbeit kenn- 
zeichnet, w^elche dem Kreuzheere beim Anfang der Belagerung Anti- 
ochiens obgelegen hat. Vgl. auch den Ausdruck in expeditione 
Terrae S. laborare in Iperii Chron. S. Bert. 598 A, und labor 
miUtiae Domini VIII, 1. 



VII. 

Charta Clementiae comitissae Flandriae. 
(Verfasst im October 1097 zu Watten). 

1. Clementia, die Grafin von Flandern, war die Tochter des 
Grafen Wilhelm I von Burgund (1057 — 1087), welcher den Zunamen 
„Testabardich" -^ Tete Hardie, Hardus fuhrte (Geneal. com. Flandr. 
385 B), und die Schwester des Erzbischofs Guido von Vienne, des spa- 
teren, vom Jahre 1119 — 1124 regierenden Papstes Calixtus II, (s. Heri- 
manni liber de restauratione S. Martini Tornacensis p. 292). Sie war 
verheiratet mit Robert II von Flandern, dem Kreuzfahrer (Chron, 
S. Andr. p. 546), und hatte 3 Sohne, welche sie alle iiberlebte (Iper. 
613 E; 620 C). Man erzahlt von ihr (Herimannus a. a. 0. p. 292, 30 E; 
Iperius a. a. 0.), sie habe nach der Geburt des dritten Sohnes keinen 
weiteren mehr gewunscht, weil sie furchtete, wenn sie noch mehr Sohne 



248 Erlauteiimgen zn VII, 1. 2. 3. 

erhalten wiirde, so kunnten sie sich spiiter um das Er})e streiten um 
dadurch Krieg und Zerwiirfnisse veranlassen, sie habe deshalb ^inhabili^ 
tatem ultra concipiendi sibimet procurauit", doch sei nach Gottes Fiigunj 
dieser wohlgemeinten Vorsicht grosses Elend gefolgt: ihre 3 Sohm 
seien vor ihr ins Grab gesunken und sie musste es erleben, dass Fremdc 
in Flandern zur Herrschaft gekommen sind. Die verwiinschten Krieg< 
seien nicht ausgebUeben. Itir Sohn Bal^luin Hapkin ist im Jalire 111; 
nach dem Tode seines Vaters diesem in der Herrschaft gefolgt, 
starb aber schon im Jalire 1119, nachdem er 10 Monate vor seinei 
Tode ins Kloster gegangen war. Clementia sah es ungern, dass 
NefFe Karl, der Enkel Knuts von Danemark, der Sohn ihrer Schwagerin, 
als dessen Nachfolger in der flandrischen Herrschaft eingesetzt wurde, 
doch fugte sie sich. Sie war die Grunderin mehrerer Frauenkloster 
(Geneal. com. Flandr. 587 C; Iper. 633 C; Vita Hugonis abb. Marchian. 
p. 1719; Exord. S. Andr. p. 398); auch scheint sie allem nach ihren 
Einfluss nachdrucklichst in kirchlichen und weltlichen Angelegenheilen 
geltend gemacht zu haben und in grossem Ansehen gestanden zu sein : 
so verkelirte sie durch einen Briefwechsel mit Biscliof Lambert von 
Arras. Man vgl. die Briefe Lamberts an sie bei Bouquet XV, 183. 185, 
und diejenigen der Grafin an Lambert ib. p. 187; s. a. Iper. 598 A 
und 608, auch Jaffe, Reg. pont. 6319 (4688), darnach Papst Paschahs 11 
am 6. April 1112 sie ermahnt hat, der Kirche zu Arras ihre Freiheit 
zu belassen und deren Besitzungen zu schiitzen. Sie starb im J. 1133 
(Iper. 634 C). 

2. S. I, 5; VI, 1. — 8. perfidia: das hinterhstige Ver- 
faliren, welches die Tiirken nach den im Abendlande dariiber ver- 
breiteten Nachrichten und GerQchten gegen die Christen, vornehmhch 
gegen die christhchen Pilger ausgeilbt haben. Der Ausdruck „Schur- 
kerei" gibt am ehesten liier den Sinn dieses Wortes wieder. Vgl. 
HGa I, vi n. 55. Persae: die Seldjuken, bezw. Tiirken: hier die 
Muhammedaner iiberhaupt. — 4. fastus: die ubermutige Verachtung: 
fastu superbiae suae: durch ihren anmassenden Stolz. — 5. Die 
ecclesia Hierosolymorum ist der ganze dem Patriarchen zu Jeru- 
salem untergebene Sprengel mil den verschiedenen Bischofssitzen Pa- 
lastinas, deren Namen bei Wilh. Tyr. XIV, 12 verzeichnet sind; s. a. 
HE 41. — 6. Vgl. zu I, 6—13. — 7. Der Gemahl der Clementia, 
Robertus II, junior, von Flandern, der Sohn Roberts Friso (s. iiber 
diesen Naheres zu I n. 14), wurde von seinem Vater schon im J. 1086 
zur Teilnahme an der Herrschaft berufen, trat dieselbe im vollen Um- 
fange 1093 nach dem Tode desselben an. Seine Frommigkeit wird 
von den Gleichzeitigen sehr geriihmt. Der normannische Verfasser der 
Gesta Francorum fand dieselbe vornehmhch auch darin, dass Robert 
das heilige Kreuzeszeichen taghch „fideliter" getragen habe. Auch die 
vorliegende Charta seiner Gemahhn gibt von der Art dieser Frommig- 
keit deutlich Zeugnis. Sein Entschluss zum Kreuzzuge datiert wahr- 
scheinhch schon vor dem von Urban II an die Glaubigen in Flandern 
gerichteten, auch von uns oben sub II edierten Schreiben her, spatestens 
aber aus dem Friihjahr 1096. Vom Kreuzzuge ist Robert im Winter 
1099|1100 wieder in seine Heimat zuruckgekehrt und lebte noch bis 



Cliarta Clementiae comitissae Flandriae. 249 

mm October 1111. Ueber ihn und seine Tiiaten auf dem I. Kreuz- 

iuge vgl. HE 98. 187; HG 134. 251 sowie ebenda die Indices; auch 

lie treffliche Schilderung seines Charakters bei Sybel 270 (222). Eine 

[onographie uber ihn, doch mit wenig Kritik, hat im J. 1861 De Smet 

Mem. de FAcad. roy. des sciences de Belgique t. 32 veroffentlicht. 

Jonst vgl. man noch Hist. d. comtes de Flandr. 77 ff. ; Leo, 12 Biicher 

liederl. Gesch. I, 27—31; Warnkonig I, 125; Le Glay I, 226 ff. und 

*irenne, Gesch. Belgiens I, 116. — 8. manus armata: die Zahl 

leiner Mannschaft, die ihm zu seinem Kreuzzugsunternehmen folgte, ist 

lirgends genau angegeben. Es geht zwar aus der Bemerkung unserer 

Iharta hervor, dass der Waffentragenden es nicht w^enige gewesen 

iind, doch dlirften dieselben die Zahl 15000 nicht uberschritten haben, 

rotzdem nach Alb. II, 19 und 22 er „cum immensis copiis" ins Morgen- 

md gezogen und keinem der iibrigen Anfdhrer des Zuges „in armis, 

liuitiis et uiribus" nacligestanden sei. Ein Verzeichnis der mit ihm ge- 

►genen flandrischen Adligen und Angesehenen gibt De Smet p. 6 ff., 

Un solches aller Belgier findet sich in Reiffenberg, Monum. V, cxxxiv ff. 

jbenfalls bei Hasselt I, 29 ff. — 9. expeditionem adripere: ge- 

rohnlicher ist bei den Kreuzzugsschriftstellern der Ausdruck „iter adri- 

>ere" (Fulcher 328 A; Galt. Canc. I c. V, 3; II c. V, 1 ; IX, 9; XII, 1) 

md „uiam S. Sepulcri adripere" (Gest. I, 1). — Nach Fulch. 328 A ist 

lobert im October 1096 aus der Heimat aufgebrochen : er hat sich 

jadiectis nmltis aliis nobilibus" an Robert den Normannen und Stephan 

ron Blois angeschlossen und zog mit denselben nach Itahen. Ueber 

•en Zug bis Calabrien s. zu IV n. 1. Wahrend Stephan von Biois 

*und Robert der Normanne in Bari ilberwinterten und erst am 5. April 

1097 von da uber die Adria fuhren (s. HChr. u^ 131), hat Robert von 

Flandern nicht lange nach seiner Ankunft in Bari, Ende November oder 

Anfang December 1096 (s. HChr. n^ 101), sich mit seinen Leuten nach 

der epirotischen Kiiste iibersetzen lasseu. Ueber seinen Weiterzug und 

seine Ankunft in Constantinopel s. HG 174, auch Alb. II, 19. 

10. Apulien umfasste im Mittelalter ganz Siiditalien u. zw. den 
Landstrich vom Fluss Frento (jetzt Fortore) im Norden und von Gari- 
ghano im Suden bis zum Vorgebirge Leuka und die Halbinsel Calabrien. 
Die Kreuzfahrer suchten damals die Hafenstadte Bari und Brundusium 
zu erreichen, von wo sie sich teils im Spatjahr noch, wie Robert von 
Flandern, teils im Fruhjahr 1097 zur Ueberfahrt nach Epirus ein- 
schifften. Diejenigen allerdings, welche im Spatherbst nicht nach Bul- 
garien iibergesetzt sind, haben sich iiber ganz Apulien hin zerstreut, um 
dortselbst zu uberwintern, vgl. Bartolf 493 D. Wo in Apulien die Be- 
gegnung Roberts mit seinem Scliwager stattgefunden hat, lasst sich 
zwar nicht mit Sicherheit bestimmen, doch ist es wahrscheinlich, dass 
Bari selbst der Ort war, da ja nur auch in dieser Stadt die Reliquien 
des heil. Nikolaus, welche Robert nach Hause geschickt hat, ihm von 
seinem Scliwager ubergeben worden sein kOnnen. S. n. 16. — IL Der 
<iux ApuHae et Calabriae war damals Roger mit dem Beinamen 
Bursa, ein Sohn Robert Guiscards und dessen zweiter Ehcfrau Sigelgaita, 
der seinem Vater im Jahre 1085 in der Regierung gefolgt ist. Er 
war der Scliwager Roberts von Flandern, dessen Schwester Adela nach 



250 Eiiauterungen zu VII, 3. 4. 



I 



dem Tode ihres ersten Mannes, des KOnigs Knud von Danern 
(t 10. Juli 1086), ihn geheiratet hatte und dadurch die Ducissa Apuli 
geworden war, s. Genealog. com. Flandr. 382 E und l)ei Bouquet, Rec, 
XIV, 521; S. Theodori miracula ibid. XIV, 141; Iperius 591 C; VVagner, 
Unterital. Normann. Beil. II.; Vredius, Gen. com. Flandr. I, taljle I; 
De Smet, Corp. Chron. Flandr. IV, 21 ; Anon. Rhen. Hist. Gotefr. 446 E, 
483 A; Riant, Scandin. 194. — Den Mitteilungen unserer Charta Aehn- 
liches erzahlt auch Ord. Vit. III, 486: Roger Bursa habe namlich den 
Herzog Robert v. d. Normandie mit seinen Begleitern bei seiner Ankunft 
ehrenvoll aufgenommen, „utpote naturalem dominum suum honorifice 
suscepit et quae necessaria erant, copiose administrauit". Dass er zu- 
vorkommend auch seinen Schwager behandelt hat, bestiitigt unsere 
Charta und nebst ihr Bartolf de Nang. 493 D, der berichtet: ,Robertus 
comes Flandriae, quamquam a sorore sua Atliala, quae tunc ducissa 
erat Apuliae, ut hiemaret, multis precibus hortaretur, tamen cum gente 
sua transfretauit", woraus man folgern muss, dass Robert in Apulien 
zunachst bei seinen Anverwandten nicht unwillkommen gewesen ist. — 
12. Dass Robert reich war, wird auch anderwarts bestatigt. Neben 
den oben in n. 8 aus Alb. angefuhrten Worten vgl. m. a. Rad. c. XV 
und Hist. b. sacri p. 170. — 13. exigere: verlangen, fordern. Roberts 
FrOmmigkeit wird durchgangig von den Schriftstellern des I. Kreuzzuges j 
gerilhmt: so berichtet der Anon. der Gesten 134 (XIII, 6) von ihm, j 
dass er der Vorschrift nie untreu geworden sei, auf seiner Rustung i 
taglich das Kreuzeszeichen zu tragen (undique regimine fidei signoque | 
crucis, quam fideliter cottidie baiulabat armatus); und in der gieich- j 
zeitigen Narr. Aquicin. 251 C wird mitgeteilt, dass er auf dem Zuge j 
durch Romanien Reliquien, vornehmhch den Arm des h. Georg, erworben 
uud in seinem Zelte habe aufbewahren lassen, damit er sie stets 
vor Augen habe (in tentorio suo prae oculis conlocauit), w^ie er denn i 
auch nach seiner Ruckkehr den Arm des heiligen Georg, welchen er i 
vom Kreuzzuge mitgebracht hatte, am 20. Juni 1100, dem Abte Haime- 
rich von Achen fur sein Kloster geschenkt habe. Dass er an diesera 
Reliquiendienste mit vollem Herzen hieng, ist ausser Frage: er pflegte 
ihn wie kein anderer der Kreuzzugsfursten. i 

14. conferre: beisteuernd zusammenbringen, als Beisteuer ent- i 
richten, beisteuern. In diesem hier und Abs. 3 gebrauchten Ausdrucke , 
liegt, dass Robert mit dem Sammeln solcher Reliquien sich besonders i 
befasst hat. — 15. Haare der Jungfrau Maria wurden noch auf- 
bew^ahrt in Corbie, wohin sie von Constantinopel seinerzeit durch Robert 
de Clari mit noch andern Reliquien verbracht worden sind, vgl. Riant, 
Exuu. II, 176; ebenfalls wurden solche am 17. August 1205 aus Con- ^ 
stantinopel durch Bischof Konrad de Krosigk von Halberstadt in letz- I 
tere Stadt verbracht und in der Stephanskirche daselbst aufbewalu^t» 
vgl. Schatz 77 und Riant, Exuuiae I, 90. — 16. „Ausserdem (steuerte 
er bei) Reliquien von den Leibern der Heiligen Matthaus, des Apostel- 
und Evangelisten, und des Nikolaus, des sehr hochachtbaren Bekenners : 
Christi, von deren Korper ohne Zweifel Apulien im Besitze ist". Nicht 
die ganzen Korper dieser Heiligen hat Roger Bursa seinem Schwager 
geschenkt, sondern „de corporibus^, Teile derselben, welche Teile aber 



Charta Clementiae comitissae Flandriae. 25 1 

ies wareii, ist nicht zu bestimmen. Der Kopf des Evangelisten Mat- 

thaus soll im XII. Jahrhundert in Constantinopel aufbewahrt (s. Riant^ 

]xuuiae II, 212, 225) und von da nach Constantinopels Eroberung nach 

llhartres gebracht worden sein (ibid. II, 184). Der ubrige KOrper war 

lusserhalb Constantinopels untergebracht (ibid. II, 225). Ein Schienbein 

ieses Apostels wurde im J. 1205 durch Bischof Konrad de Krosigk 

ius Constantinopel in die Stephanskirche zu Halberstadt gegeben 

liant, Exuuiae I, 21; II, 84). Dass auch Reliquien des Matthaus in 

Interitalien zur Zeit des ersten Kreuzzuges gezeigt worden sind, geht 

lus unserer Charta hervor, welche das Vorhandensein derselben durch 

lie Worte n o n d u b i u m e s t als bekannt voraussetzt. — Der c o n- 

tessor Nikolaus ist der Bischof von Myra in Lycien, dessen Namen 

der griechischen und lateinischen Kirche wohlbekannt ist, desseu 

iCben al)er in einem durchaus sagenhaften Dunkel schwebt. Ueber die 

lusgedehnte Litteratur, die von diesem Heiligen handelt, vgl. man Che- 

lier, Repert. p. 1638. Der KOrper desselben wurde am 20. April 

^087 in Myra von der Mannschaft dreier Barenser Schiffe geraubt und 

lach Bari gebracht, wo er am 9. Mai 1087 zuerst in der Stephans- 

urche niedergelegt und spater in eine dem Heiligen besonders erbaute 

Lirche untergebracht worden ist. Die Verbringung von Myra nach 

Jari erzilhlt auf Grund eines gleichzeitigen vom Archidiakon Johannes 

luf Befchl des Erzbischofs Urso von Bari verfassten Berichtes Ord. 

'it. III, 205 — 227; vgl. auch Ceilher XXI, 76. Ganz im namhchen 

renre und unter den namlichen Umstiinden wird auch die Verbringung 

les heiligen Nikolaus von Myra nach Venedig erzahlt, welche Erzah- 

mg zum Teil in HE 374 — 382 und in ihrem ganzen Umfange als 

[onachi Littorensis Historia de translatione S. Nicolai eiusdem auun- 

mh, alterius Nicolai von Riant im Recueil, Hist. occ. V, 252 ff. ediert 

»t. Diese Translatio hat im Jahre 1100 stattgefunden und fuhrte zu 

inem langen Streite zwischen Bari und Venedig ilber den Besitz dieses 

eihgen. Wahrend nun auch die Venetianer sich riihmten, den Heihgen 

ihrem Besitze zu haben, finden sich auch Reliquien desselben ander- 

arts: so ein Finger desselben in Gembloux (Riant, Exuuiae II, 101),. 

benfalls ein solcher in Halberstadt (ibid. I, 21), Haare und ein Zalin 

Corbie (ibid. II, 199), ein Arm in Noyon (ibid. II, 61), welche Stucke 

seinerzeit nach der Eroberung Constantinopels ins Abendland verbracht 

^^orden sind. Was fur Teile damals Robert nach seiner Heiraat, offenbar 

Hvon Bari aus, gesendet hat, ist nicht mehr zu bestimmen. — 17. prae- 

Hhipiens et obtestans: mir ans Herz legend und euch instandig bit- 

HBend. — 18. ecclesia Wattinensis: Die Kirclie zu Watten. Watten 

HBn Flandria maritima ist heute eine zum Regierungsbezirk Dunkerque ge- 

HBiorige, im franzOs. Norddepartement gelegene Stadt. Robert der Friese 

Hhatte im Jahre 1072 an der Stelle, an welcher fruher eine dem Richard 

Hliem Bekenner geweihte Kapelle gestanden hat, ein Kloster errichten 

Hpind es der heiligen Maria weihen lassen, s. Iperius 584. Die hier ge- 

nannte Kirche, in welche die genannten Reliquien niedergelegt vvorden 

sind. wurde wohl erst in den folgenden Jahren erbaut, und, wie man aus 

unserer Urkunde erfahrt, am 8. October 1097 eingeweiht. Niiheres uber 

Watten und das Kloster daselbst erfahrt man aus dem Chronicon Wat- 



252 Eiiauterungen zu VU, 5. 0. 7. 8. 

tinensis monasterii bei Martene Thes. III, 798 — 830, vgl. auch Cousse- 
maker 297-300 und Derode p. 140 ff. 

19. Terruanensis eccl. pastorali curaerat desolata: 
Drei BischOfe nacheinander wurden von den Tarvanensern (— ^ Moriuer, 
die Bewohner von Therouanne und Umgegend) in den letzten Jalu-zehnten 
des XI. Jahrhunderts vertrieben: Hucbert, Albert und Gerard; dann 
wahlten sie einen namens Erkenbald, einen Kanoniker von S. Omar, 
welcher jedoch die Wahl nicht annahm. Auf Bf treiben des AbteS 
Lambert von S. Bertin (1093—1125) wurde von dem Pralaten der 
DiOcese Johannes, der Archidiakonus von Arras, vom niederen Klerus 
aber Obert von Helchi gewahlt. Doch ward in der Folge, nachdem 
Lambert in Begleitung von zwei Aebten und mit einem Empfehlungs- 
schreiben der Clementia von Flandern die Angelegenheit persOnlich vor 
den Papst gebracht hatte, ersterer bestatigt, welcher alsdann vom Jahr 
1099 an 30 Jahre lang sein Amt in Therouanne verwaltet hat; s. Breve 
Chron. ap. Martene, Thes. III, 1397 E, und unten n. 35. Bevor dieser 
gewahlt und bestatigt worden ist, war der Bischofsstuhl verwaist. S. 
Iperius 587 und 597. — 20. Manasses de Chatillon folgte ini 
Februar 1096 dem am 21. Januar 1096 verstorbenen Erzbischof Rei- 
nald von Reims in dieser Wurde und starb daselbst am 17. September 
11(]6. S. iiber ihn unten VIII n. 4. 7 ; zu XX, 1 sowie Hist. litt. de 
la Fr. IX, 297. 302 und CeiUier XXI^ 238 ff. — 21. Lambert de 
Guines, zuerst Archidiakonus von Therouanne, dann Bischof von Arras, 
hatte den Bischofsstuhl daselbst inne vom 10. Juli 1093 bis 16. Mai 
1115, dem Tage seines Todes. Sein Bischofssprengel gehSrte zur 
Reimser Diocese. Vgl. Epist. Urbani II ad episcopos Rem. eccl. suf- 
fraganeos bei Bouquet XIV, 719. 

22. gloria: Pracht, Prachtentfaltung. —23. VIIL Id. Octobris 
d. i. am 8. October 1097, zugleich der Termin, nach welchem die vor- 
liegende Urkunde abgefasst worden ist. — 24. dos: zunachst die Mit- 
gift, welche die Frau in die Ehe mitbringt, hier im allgemeinen Schenk- 
ung fur die Kirche, in deren Besitz diese auch sofort eingetreten ist. 
— 25. Santinis d. i. (Sinte) Synthe, lieute eine Commune im Re- 
gierungsbezirk Dunkerque (Dep. du Nord), wird in den von Cousse- 
maker besprochenen und zuni teil edierten Urkunden in Annales du 
comite flamand V, 297 ofter genannt. — Ueber den Ausdruck villa 
vgl. man einen lehrreichen Aufsatz von Imbart de la Tour, Les paroisses 
rurales, in Rev. Hist. 60, 241— 273, und 61, 10 — 40. — 20. Vlondes 
sind Landereien, welche der Ueberschwemmung ausgesetzt sind, von 
„vloet" : Ueberschwemmung. Hernesse: „terres basses formees d'al- 
luvions et appartenant au seigneur de Her". Herd. i. Herr, u. nesse: 
niedrig, vgl. Coussemaker a. a. 0. p. 334, welcher zu Vluodes her- 
nesse p. 360 folgende Beinerkung macht: „Cette charte est reproduite 
dans les Annales ecclesiae Watinensis. On lit. en marge comme anno- 
tation du mot Vluodes hernesse, cette note: „„quod Predembourg hodie 
vocatur"". C est maintenant le Predembourg, ferme de la commune de 
Grande-Synthe". — 27. arenariae salinarum sind die am Meere 
gelegenen Salzgruben, in w^elche Seewasser gelassen w^ird, das dann 
in denselben durch die Sonnenhitze verdunstet, durch welchen Process 



Charta Clementiae comitissae Flandriae. ^53 



denselben das Salz zuriickbleibt. — 28. libere: frei von Abgaben 
)der Schulden, so dass der Besitzer unumschrankt iiber die ihni ge- 
rordene Schenkung verfugen kann, vgl. auch den namlichen Ausdruck 
:V1I, 10. 

29. Ueber Lambert s. n. 21. — 30. S. Audomar, auch Othmar 7 

ler S. Omer genannt, ist ca. 595 in Goldenthal bei Konstanz aus 

^ornehmem Geschlechte geboren (Iperius 449 c). Er wurde Monch zu 

iuxeuil und als solcher in die Gegend von Therouanne geschickt, wo er 

ias nach dem zweiten Abt Bertin genannte Kloster S. Bertin gegrundet 

hat (Iperius 458). Als Bischof von Therouanne ist er am 9. September 

667 daselbst gestorben. Vgl. auch Ord. Vit. III, 452. — Es ist sehr 

wahrscheinlich, dass der hier genannte S. Maximus unter den Hei- 

ligen gleichen Namens jener ist, der ca. 400 geboren, 426 Abt von 

Serinum und 433 Bischof von Riez in der Provence geworden, wo er 

am 27. November 460 gestorben ist. Er gilt als der Apostel von 

Therouanne und als Schutzheihger der Stadt Vernon a. d. Seine, in der 

DiScese Evreux. Vgl. iiber ihn Tlieroude, Abrege, und Tillemont, Mem, 

V, 392 fF. — S. Folquinus war von 817 — 855, dem Jahre seines 
Todes, Bischof von Therouanne, dessen Ruhm und Heihgkeit in der Ge- 
gend der Morinen gross war. S. Iperius 504, 510, 512 If. 545 666 f. 
— 31. ibidem d. i. in der neuerbauten Kirche zu Watten, wohin 
man demnach zur grOsseren Feierlichkeit die KOrper der genannten 
Heihgen aus der Nachbarschaft (Therouanne, S. Omer, S. Bertin) herge- 
gebraclit hatte. — 32. S. zu dem Ausdrucke gladium anathematis 

VI, 5 n. 23. 

33. hoc bezieht sich nicht nur auf die Schenkung, sondern wohl 8 
auch auf die am 8. October stattgehabte Einweihung dei* Kirche zu 
Watten. Es ist darum anzunehmen, dass die Weihe und Schenkung 
an ein und demselben Tage vollzogen worden ist, d. i. am 8. October 
1097. Ein weiteres Datum als das im Abs. 6 bezeichnete wiirde wohl 
auch angegeben sein, wenn Weihe und Schenkung und die Abfassung 
der Urkunde auf verschiedene Tage gefallen sein wiirden. — 34. Ein 
testis idoneus ist ein Zeuge, der alle Eigenschaften besitzt, solch 
eine Urkunde zu vollziehen, um als vollgiiltiger Zeuge anerkannt zu 
werden. — 35. Derselbe Johannes de Commines, welcher im 
Jahre 1099 auf Veranlassung des Abtes Lambert von S. Bertin zum 
Bischof von Therouanne erwahlt worden ist (s. n. 19). Er war vordem 
MOnch von Mont S. Eloi (Mons S. Eligii), Diakonus daselbst und als 
solcher ein Begleiter seines Bischofs Lambert nach Clermont, wurde 
alsdann Archidiakonus von Arras, von wo aus er seinen Bischof Lam- 
bert im Spatjahr 1097 nach Watten begleitet hat. Iperius 597 E nennt 
ihn einen „virum religiosum atque prudentem" und weiss viel zu seinem 
Lobe zu sagen. Er starb am 27. Januar 1130, nachdem er 30 Jahre 
lang den Bischofsstuhl zu Therouanne inne gehabt hatte. Vgl. a. iiber 
ihn Acta SS., 27. Januar p. 734; Bouquet XIV, 238 ff. und 754; 
Ram, Hagiogr. belge (1864) I, 294—322. — 36. Der Archidiakonus 
Clarembaldus von Arras wird auch unter jenen genannt, welclie 
den Bischof Lambert von Arras auf seiner Reise zu dem Concil von 
Clennont beofleitet und demselben ansrewohnt haben. AIs Lambert am 



254 Erlauterungen zu YU, 8; VIII, 1. 2. 

^. November 1095 von Arras v^^eggereist uiid in die Di5cese von Senon 
gelangt vs^ar, wurde er mit seiner Begleitung von einem gewissen Guar- 
nerus gefangen genommen, bald aber, am 9. November, wieder frei- 
gegeben, worauf die Reise nach Ciermont fortgesetzt werden koimte, 
nachdem auch Guarnerus den Bischof Laml)ert und den Archidiakonus 
Giarembald deniutig um Verzeihung gebeten und soiche von diesem 
erhalten hatte. Vgi. Epist. Urbani il, Append. i bei Bouquet XIV, 754. 
— 37. Dieser Odo praepositus ist vieiieiciit identisch mit dem 
Odo cantor, weicher gieichfaiis unter den Begieitern des Bischofs Lam- 
bert auf dessen Reise nach Ciermont genannt wird, s. n. 36. — 38. Wo 
dieser Abt Johann von Mont S. Eioi noch genannt wird, ist mir nicht 
bekannt, jedenfaiis ist er nicht der „Johannes de Monte S. Eiigii, post- 
modum Atrebatensis archidiaconus" in Epist. Urbani II bei Bouquet XIV, 
754, weicher ais Begieiter Lamberts nach Ciermont aufgefuhrt wird, 
denn dieser Johannes ist mit dem in unserer Charta ais Zeuge aufge- 
fuhrten identisch, s. n. 35. — 39. Hieraus ist zu folgern, dass der von 
Coussemaker besorgte Druck vorliegender Urkunde nicht auf dem Ori- 
ginaie, sondern auf einer Kopie beruht, in welcher die iibrigen Namen 
als Zeugen der Weitiauiigkeit wegen unterdruckt w^orden sind. Ueber 
die Urkundenunterzeichnung vgi. a. XIII 3 n. 16. 



VIII. 

Epistula I Anselmi de Ribodimonte ad IVIanassem 
arcliiepiscopum Remorum. 

(Geschrieben Ende November 1097 aus dem Lager vor Antiociiien. 

1. Ueber Erzbischof Manasse von Reims s. zu VII, 5, n. 20. 
— 2. Ueber Anseim von Ribeniont (Ribemont im Arrond. de 
S. Quintin, Dep. Aisne) und tiber dessen zwei uns noch erhaitenen Briefe, 
w^eiche er von Antiochien aus an Manasse II, Erzbischof von Reims, 
geschrieben hat, von weichen der erstere voriiegende bis in die neueste 
Zeit fur verioren gait, jedoch durch Graf Riant wieder aufgefuuden 
worden ist, vgi. Einieitung S. 67, el)enfalis Abs. 8 n. 41 ; ausserdeni 
verweise ich auf Ceiilier XXL 121 ff. ; Hist. iitt. de ia Fr. Vlil, 496 
—500: Mailiy, L' esprit I LXV; GH 435; Le Prevost, Ord. Vit. Ili, 
592; de Goy 240. 253; P. Paris, Chans. d' Ant. t. II, p. 359 f.; Rec. 
Hist. occ. III praef. iviii; Riant, Invent. 164 f. — 3. Die demutig 
ergebene Gesinnung Anseims und seine Anhangiichkeit an den Erz- 
bisciiof Manasse, wie sie in den Worten tuus homo et humilis 
seruus hier und in dem zweiten Briefe (XV), sowie in letzterem auch 
mit dem Ausdrucke pater sich wiederspiegeit, tritt auch aus dem fol- 
genden deutiich hervor. Ob aber in diesen Worten aucii eine weitere 
Verpflichiung ais die geisthche dem ehrwurdigen Kirchenfursten gegen- 
uber ausgesprochen worden ist, etwa die durch ein empfangenes Lehen 
verursaciite Unterordnung, ist scliwer zu entscheiden. Wahrscheinbch 



Epistula I Anselmi de Ribodimonte ad Manassem archiep. Remorum. 255 

atte Anselm bei seiner Wegreise von Manasse den Auftrag erhalten, 
ni wahrend der Kreuzfahrt von Zeit zu Zeit auch briefliche Mittei- 
ngen aus der Ferne zu senden und hiezu auch seine Zusage gegeben, 
elche er jetzt einzulOsen gedenkt. 

4. Der Erzbischof von Reims genoss in GalHen das h5chste 

nsehen und wurde fur den ersten und einflussreichsten von allen an- 

ern gehalten ; so schreibt Ivo von Chartres in Betreff der Wahl Ma- 

asses an Urban II (Epist. 26 bei Bouquet XV, 86): „Remensem metro- 

oh*m, quondam matrem uestram, nunc auteni filiam, sub omni celeritate 

uestris consolationibus refoueri, uestro auxilio fulciri postulamus: ne 

aduersarius noster, qui circuit quaerens quem deuorat, electionem in 

dominum Manassem factam aUqua ualeat uersutia perturbare, ahqua 

perturbatione quassare quantum uero necessarium sit Romanae 

ecclesiae, ut in praedicta sede deuotum sibi ministrum substituat, non 
est meum uestram prudentiam instruere , quae nouit eandem se- 
dem diadema regni habere et omnibus paene Gallicanis ecclesiis 
exemphmi ruinae uel resurrectionis exsistere". Daraus erkliirt es sich 
auch, dass seine Worte in den Kreuzzugsangelegenheiten von bedeu- 
tendem Gewichte gewesen sind und gewiss jeweils iliren gewunschten 
Erfolg gehabt haben. Mit Recht sagt Riant, Invent. 206, von iiim: 
„Manasses parait avoir ete, pour ainsi dire, le correspondant attitre des 
croises". — 5. Auch in Epist. I Stephani (s. IV, 3. 6) findet sich der 
Ausdruck exercitus Dei, waiirend gewOhnbcher militia Dei ge- 
, braucht wird, s. HE 42; HG 167. — 6. Nach Ev. Joh. 13, 16. — 
I 7, Manasses Vorgiinger Rainald war am 21. Jan. 1096 geslorben; 
sofort wurde nach dessen Tod vom Klerus und Volke der damalige 
Praepositus der Kirche zu Reims, Manasse de Chatillon, zum Erz- 
bischof erwahlt und dessen Wahl unterm 6. Februar 1096 von dem 
danials in Angers sich aufhaltenden Urban II bestatigt; vgl. Epist, 
Urbani II bei Bouquet XIV, 717 f. und bei Jaff^e, Reg. pont. 5614/16 
(4201/3). Spatestens im September 1096 hat Anselm seine Pilgerung 
nach dem Morgenlande angetreten. Die von diesem in seinem Briefe 
an Manasse gerichtete Ermahnung und instandige Bitte ist nur erklar- 
lich, wenn man bedenkt, dass Anselm, der ohne Zweifel Manasse von 
fruher her wohl gekannt hat, erst kurze Zeit nach des letzteren Wahl 
ans seiner Heimat weggezogen war. Es lag ihm daran, im Hinbhck 
auf die traurige Lage, welche bei seinem Weggange im Lande ge- 
herrscht hat, ehe er von der Lage des Kreuzheeres Nachricht gebe, 
ihm mitzuteilen, dass er sich vollbewusst sei, welche Schwierigkeiten 
mit der Fuhrung des Amtes eines Bischofs verbunden seien, weshalb 
er ihn bat, treu und gewissenliaft zum Wohle des Landes seinen Pflicliten 
zu entsprechen und dabei vornehmlich auf das Zustandekommen der 
Einigung der Grossen, sowie auf die BeschaflFung der Wohlfahrt der 

^Bewohner des Landes sein Augenmerk zu richten. Ware ubrigens 
I' Anselm mit Manasse auf weniger vertrautem Fusse gestanden als dies 
in der That der Fall war, so wiirde er sicher solche Worte nicht ge- 
sehrieben liaben. Gerade aber weil er ihm nahe stand und Manasse 
damals noch ein Neuling auf dem erzbischoflichen Stuhle war, so 
^lj mochte er daher die Bereclitigung genommen haben , ihm also zu 



256 PMf.utemngen zu Vlir,*'^. 3. 4. 5. 0. 

schreiben. — 8. Naeh Riant, Invent. p. 165 wilren nnter terra<' 
nostrae Anselms Lehensgiiter gemehit, welche der Erzbischof zu ver- 
walten ubernommen gehabt hatte, allein der Ausdruck ist so vage, 
dass man wohl genOtigt ist, zunilchst im Allgemeinen das dem Erz- 
bischof* untergebene Gebiet darunter zu verstehen. Dasselbe Wort 
magnates auch von Galterius Canc. I c. III 6 gebraucht, ist identisch 
mit maiores d. h. die Fiirsten, Grafen und Herren, im Gegensatz zii 
minores: die geringen Leute, die Burger und HOrige im Lande. — 
9. quietam et tranquillam uitam agere: nach 1. Tim. :2. :2. 
Derselbe Ausdruck a. XVII, 11. — 10. uacare c. Dat. : einer Saclie 
oder Person obliegen, sich ihr widmen. „als Diener Christi, ein ruhiges 
und stilles Leben fuhren, sich dem Herrn widmen." 

11. desudare: sich abschwitzen, sich's Schweiss kosten lasseii. 
abmiihen. — armis corruere: im Kampfe tOdlich verwundet wer- 
den. Derselbe Ausdruck auch Abs. 11, wo er auch solche auf diese 
Weise Umgekommenen nennt. — 12. promissa: das zu Anfang von 
Abs. 2 gegebene Versprechen, von den Begegnissen und der Lage des 
Kreuzheeres wahrend seines Zuges nach dem Morgenlande Mitteilungen 
zu machen. Dass Anselm hier auf etwaige dem Manasse vor seinem 
(Anselms) Wegzuge gegebenen Versprechen (n. 3) Bezug nimmt, ist 
aus diesen Worten nicht zu entnehmen, wenngleich ein solches ohiu' 
Zweifel gegeben worden war, vielmehr weist redeamus allein auf ini 
Briefe schon Besprochenes hin. 

13. Ueber Nikomedien s. zu IV, n. 32. — 14. mundare: 
saubern, reinigen, spatlatein. f lir purgare, emendare. — confessio sc. 
peccatorum das Bekenntnis der Siinden. — 15. „Am Eingang zum Lando 
der Turken uns lagernd haben wir, Hohe und Niedere. uns durch da< 
Bekenntnis der Stinden gereinigt und durch den Empfang des Leibe> 
und Blutes des Herrn gestarkt." Diese Nachricht hat keiner der an- 
dern Erzahler. Vgl. auch XV, 19, — 16. pridie Nonas Maii: am 
6. Mai 1097. Anselm war demnach unter jenen Kreuzzugsscharen. 
welche ebenfalls an diesem Tage vor Nicaea angelangt sind; es wareii 
dies diejenigen Gottfrieds, Roberts von Flandern und Tankreds, welcher 
letztere die Abteilung Boemunds befehligte, wahrend Boemund selbst 
noch in Constantinopel zuriickgeblieben war. Die Normannen besetzteu 
die Nordseite, die Lothringer die Ostseite der Stadt, die Sudseite blieh 
vorerst noch unbesetzt. 

17. Diese aliquot dies kOnnen nur Himmelfahrt, 14. Mai, und 
der darauffolgende Freitag, 15. Mai 1097 sein, denn an diesem Tage 
wurde nach Gesta 127 (VIII, 1) Nicaea in der angegebenen Weise be- 
rannt. Vom 6. — 13. Mai wurden zur Belagerung die nOtigen Vorbe- 
reitungen getroffen. — 18. Anselm hatte allerdings zur Zeit, als er 
diesen Brief geschrieben hat — es war in der zweiten Halfte Noveni- 
bers 1097 — die Schlauheit der Tiirken hinreichend kennen gelernt. 
Dass dieselbe aber schon in den ersten Tagen vor Nicaea 5fter ihin 
erkenntlich geworden war, ist zu bezweifeln. Die Worte sicut saepe 
fecerat geben darum seine spater erst gewonnene Ansicht wieder. 
Vgl. auch XVI, 10, w^o von den „calliditates et ingenia Turcorum" die 
Rede ist. — 19. Der nachher genannte XVII Kal. Junii d. i. Sams- 



Epistula 1 Anselmi cle Ribodimonte acl Manassem archiep. Remorum. ^57 

ag der 16. Mai 1097. — 20. Wenn die Franken bei ihren erstmaligen 

Angriffen aui 14. und 15. Mai erwartet haben, dass Nicaea sich er- 

eben werde, so haben sie sich freihch sehr getauscht. Die Angabe 

Anselms wird (ibrigens insofern bestatigt, dass thatsachlich nach Anna 

omn. Alex. 1. Xf, 1 (ed. Bonn. II 70; Rec. Hist. grecs. I, II, 37 C) 

utumites, bevor das Heer Suleimans gegen die Belagerer herangezogen 

nd Graf Raimund vor Nicaea eingetroffen war, mit den Nicaenern 

egen Uebergabe schon unterhandelt hat; als die Belagerten aber 

5rten, dass Suleiman zuni Entsatze herbeieile, musste Butumites die 

tadt wieder verlassen, vielleicht dass man ihm die baldige Uebergabe 

Aussicht stellte, welche Zusage dann im Lager bekannt, aber in der 

qlge als absichtliche Tauschung vonseiten der Turken erkannt worden 

t. — 21. Ueber Solimanus, auch KiHdj-Arslan genannt, nnd dessen 

angeblicher Anwesenheit vor Nicaea s. zu IV, n. 37. — 22. Ueber die 

Lagerung der am 6. Mai vor Nicaea Eingetroffenen s. zu n. 16. Das 

Tiirkenheer, welches den Belagerten zum Entsatze herbeigeeilt war, 

wollte von Siiden her in die Stadt eindringen, wo bisher vonseiten der 

Franken ein Belagerungscorps noch nicht aufgestellt war. — 23. Gerade 

an dem Tage, 16. Mai 1097, als die Tiirken ihren Angriff vorbereiteten, 

hatten sich Graf Raimund und Bischof Ademar vor Nicaea eingefunden 

und sich vor dem Siidthor gelagert. Ueber der Turken Niederlage, 

welche denselben durch Raimund und Gottfried beigebracht worden ist, 

s. zu IV, n. 42. Dass der hervorragendste Anteil am Siege iiber die 

Tiirken den Provinzalen zukam, bestatigen aucli die Worte Anselms. — 

24. Die Franken verfol^ten die Tiirken bis ans Gebirge. S. Raim. 

239 C und oben zu IV, n. 12. — 25. Diese Angabe wird auch von 

Gesta 127 (VIII, 3) und Albert II, 27 bestatigt. Erstere bericliten so- 

gar, dass die Franken allen Tiirken, derer sie habhaft werden konnten, 

die Kopfe abgeschnitten und diese mit einer Schleuder in die Stadt 

hineingeworfen hatten. Albert weiss sogar, dass man 1000 Turken- 

kOpfe gesammelt und auf Wagen nach Civitot verbracht und auf einem 

Schiffe dem Kaiser iibersendet habe. — 26. XVII Kal. Junii d. i. 

16. Mai 1097. S. zu n. 19. — 27. Derselbe Ausdruck populus Dei 

fur Kreuzheer auch Gesta 147 (XXV, 3) und unten XX, 4. 

28. XIII Kal. lulii d. i. am 19. Juni 1097. Das namliche be- 
stimmte Datum gibt auch Stephan, s. oben IV, 13; ebenfalls vgL HChr. 
n^ 160. Der Fortgang der Belagerung bis zur Uebergabe der Stadt 
wird von Gesta, Raim. de Ag., Fulcher und Albert beschrieben. Ueber 
die Einzellieiten vgl. Gesta 126, 127 (c. VIII, n. 21 — 59). — 29. tunc: 
damals, am genannten Tage. Vgl. Gesta 128 (IX, n. 1). — 30. Ueber 
die Einzelheiten der Besitznahme Nicaeas vgl. Gesta a. a. 0. n. 50. 
Ich erwahne hier nur, dass am 18. Juni Abends die Besatzung der 
i griechischen Schiffe, die auf dem Askaniussee einen Angriff auf die 
Stadt gemacht hatte, von den Belagerten in die Stadt eingelassen wor* 
den war. Am 19. Juni fruh, als ein allgemeiner Sturmangrift* des ge- 
samten Belagerungscorps gemacht werden sollte, da wurden in der 
Stadt die kaiserlichen Feldzeichen aufgepflanzt und der griechische 
Kaiser ausgerufen. Tatikios, der kaiserhche Feldherr, zog alsdann mit 

Iseinen Leuten in die Stadt ein, den Franken wurde der Eintritt ver- 
Hagen m ey er, Epistulae et Chartae. 27 



258 KrlihitwinKen zn VIII, G 7. 

webrt. Eine Anspielung auf diese Art der Besetzung scheinen auch 
die Worte Anselms: Graecis ac Latinis, intus ac foris zu ent- 
halten. Die Lateiner durften allerdings spater, wie Anna 1. XI, 2 (ed. 
Bon. II, 81; Rec. Hist. grecs. I, 11, 46 C) berichtet, je 10 und 10 die 
Stadt betreten : HotiTODuiTrjq . . . xaTct bexdbac rrravoiYcov xaq nvXac, 
rrapexwpei Toic; KbXtoic; Tf\q elcobov. — 31. Nicht etwa Nicaea selbst 
war der Zusammenkunftsort des Kaisers mit den Fursten, was auch 
Anselm keineswegs behauptet, sondern Pelekanos, bezw. eine Insel 
im Meerbusen von Nikomedien, woruber Naheres zu vgl. zu IV n. 61. — 
32. Ueber die Stimmung im Kreuzheere gegen Alexios haben wir oben 
zu IV, 12 Naheres mitgeteilt, vornehmlich war es das Volk, das sich 
hOchst unzufrieden iiber des Kaisers Verlialten geiiussert hat. Dass 
es aber auch unter den Fursten Unzufriedene gab, deutet hier Anselni 
an: die einen kehrten aus der kaiserhchen Audienz in WohlgefaUen 
und Zuneigung gegen Alexios, die andern in gegenteiliger Stimmung 
zuriick. Obvvohl Ansehn nicht genau angibt, ob die Austeilung dei" 
Geschenke diese Unzufriedenheit bei dem einen und dem andern her- 
vorgerufen habe, so liegt es doch nahe dies anzunehmen. Auch Anna. 
Alex. hb. XI, 2 (ed. Bon. 11,82, Recueil, Hist. grecs I, II, 47 CD) berichtet 
uber einen Vorfall wahrend der Audienz der Fiirsten bei Alexios, der 
geeignet ist, die Worte Anselms auch nach einer andern Seite hin zii 
erlautern : darnach sei Tankred auf des Alexios Aufforderung, ihm deii 
Lehenseid zu leisten, sehr unwillig geworden, ja habe sich in seiner Auf- 
regung beinahe thatlich an dem Palaologen vergriffen und sei nur sehr 
schwer dazu zu bringen gewesen, dieser Aufforderung Folge zu leisten. 
Tankred ist ohne Zweifel unter denen gewesen, welche nicht „cum bene- 
uolentia" wieder ins Lager nach Nicaea zuruckgekehrt sind. 

33. IV ante KaL lulii ist der 28. Juni. Wahrend dreier Tage 
d. i. 28. 29. 30. Juni sind sie von Nicaea aus weitermarschiert : am 
4. Tage d. i. am 1. Juli fand der im folgenden erzahlte Kampf mit 
den Tiirken statt. Andere Abteilungen sind schon am 27. Juni von 
Nicaea aufgebrochen, woruber zu vgl. Gesta 128 (IX n. 5) und HChr. 
u^ 165. 166. 167. Anselm hat dieser Schlacht nicht beigewohnt (Abs. 8. 
n. 41). Er beschreibt deshalb auch nur den Gang derselben im grossen 
und ganzen. Nach Gesta, Fulcher, Albert war das Heer in 2 Abtei- 
lungen von der Briicke iiber den Kara-Su bei Lefke aufgebrochen. 
welche in gleicher Richtung 2 verschiedene Wege weiterzogen. Es 
scheint, dass diese Trennung ohne Absicht stattgefunden hat, denn 
Fulcher 334 E berichtet: „nobis tunc deerant Godefridus et comes Rai- 
mundus atque Hugo Magnus, qui per 2 dies, nescio qua de causa, se 
a nobis subtraxerant cum gente magna nostrorum, tramite bifiirco, 
unde nobis instaurabile damnum accidit tam de nostris interfectis, quani 
de Turcis non occisis uel retentis". AUerdings nach Albert II, 38 sei 
dieselbe auf Grund eines Beschlusses bequemeren Lagerns und der Er- 
nahrung des Heeres wegen bewerkstelligt worden. Nach Raim. 240 E. 
der mit der 2. Ai)teilung gezogen ist, waren am 1. Juli die beiden 
Abteilungen 2 miliaria d. i. ungeftUir gegen eine Stunde von einander 
entfernt. Die erstere — nach Anselm das maior exercitus — unter 
Boemund, Stephan und Robert von Flandern wurde am genannten Tage 



Epistula I Anselmi de Ribodimonte ad Manasseni archiep, Remorum. ^59 

)l5tzlich voii den Turken angegrifFen. Es war nach Fulcher 335 G 
lorgens zwischen 7 und 8 Uhr. Da sie unter grossen Verlusten zu- 
•uckgedrangt wurden, so schickte Boemund Boten nach dem ubrigen 
[eere. Hugo, Gottfried und Raimund kamen zwischen 11 und 12 Uhr 
len in ihr Lager Zuruckgedrangten zur Hilfe. Sofort ergriffen die 
'urken die Flucht und wurden von den Kreuzfahrern den ganzen Nach- 
littag hindurch bis zu dem turkischen Lager, wo die Franken grosse 
leute machten, und weiter hinaus verfolgt. — i t e r u m mit Bezug auf 
len Angriff des Tiirkenheeres vor Nicaea, wovon Anselm in Abs. 5 
[itteilung gemacht hat. — 34. Der Ort des Kampfes, bezw. des Lagers, 
rird von Anselm nicht erwahnt. Nach Anna, Alex. I. XI, 3, ed. Bon. 84, 
lec. 48, waren es die Gefilde von Dorylaeum (Tiepi Tctc; toO 
kopuXaiou TiEbidbaq). Fur identisch mit dieser Stadt wird das jetzige 
Eskischehir gehalten, doch sagt Naumann p. 106: „von dem alten 
Dorylaion ist an der Stelle der modernen Stadt (Eskischehir) keine Spur 
zu entdecken. Vielleicht lag es dort, wo sich aus der grossen Ebene, 
3 Kilometer nOrdlich von Eskischehir, der Hugel Shar-iiyuk erhebt." 
Dass der Ort des Kampfes ul)rigens in der unmittelbaren Nahe Dory- 
laeums gewesen sei, ist unmOglich, weil die Entfernung von der Kara- 
subrucke gegen 22 Stunden betragt und die Kreuzfahrer unmOglich 
schon in der Nahe dieser Stadt angelangt sein konnten. Uebrigens 
hat den Namen ^Dorjdaeum" allein Anna Komn. a. a. 0. Wenn aber 
V. d. Goltz in seinem Aufsatze, Der erste Eisenbahnzug in Angora, 
der Meinung ist, dass der Name ^Dorylaeum" damals bei den Kreuz- 
fahrern wold in aller Munde gewesen sei, weil diese Stadt das erste 
grosse Ziel auf der Fahrt von Nicaea zum gelobten Lande bildete, so 
ist er sicher im Irrtum, denn kein einziger der abendlandischen Kreuz- 
zugsschriftsleller und Augenzeugen des Zuges kennt diesen Namen, viel- 
njehr haben dieselben fur den Ort des Kampfes schwer zu deutende 
Bezeichnungen : uallis Dorotillae (Epist. princip. bei Fulcher 350 
und unten XVI, 3), uallis Phinagonia (Baldric. Cod. G im Rec. 
p. 36), campus Floridus (Raim. 240 D und Variante in Epist. 
Boam., XVI, 3), uallis Degorganhi, quae a modernis Ozellis 
nuncupatur (Alb. II, 38). Nur Anna verzeichnet Dorylaeum und 
nicht einmal in der Weise, dass man notwendig nach ihrem Berichte 
annehmen miisste, die Schlacht sei in unmittelbarer Nahe Dorylaeums 
geschlagen worden, wie allerdings Sybel 351 (293) willkurlich ange- 
nommen hat. jrepl zdq tdC AopuXaiov) Tzebxdbac; bedeutet: Ebene von 
Dorylaeum, welche iibrigens ein sehr weites Gebiet umfasst, vgl. die 
Karte bei Naumann. Der Foigerung von d. Goltz's a. a. 0., dass die 
Schlacht in weiterer Entfernung von Dorylaeum, u. zw. nur auf dem 
Wege dahin, vielleicht bei Bos-iiyiik, vielleicht bei In5nuu geschlagen 
worden ist, stimmen wir vollkommen bei, welche Ansicht wir schon 
in HG 198 vertreten haben. Nach Poujoulat, Lettre IX, sei nicht weit 
von SOgud ein Ort Dogorganleh, wodurch der Name bei Albert seine 
Bestatigung findet. S5gud aber liegt gerade in der Mitte zwischen 
Eskischehir und der Karasubrucke, und es scheint auch nach der bei Nau- 
mann sich findenden genauen Karte das Terrain ganz den sonstigen 
Angaben der Erzahler zu entsprechen. Denn dass der Ort des Kampfes 



2(J0 Krlrnitf'run<,'('n /n VIH, 7 8. 

bezw. des Lagers in einem Thale gelegen sein muss, das ist dm*ch 
die Bezeichnung fast aller abendlandischen Berichterstatter mit uallis 
zur Genuge festgestellt. Eskischehir liegt al)er in einer weiten Eljene. 
Nach dem Augenzeugen Fulcher 334 C hatten die Kreuzfahrer, nachdem 
sie von der Nahe des Feindes benachrichtigt waren, ihr Lager in der 
Nahe eines Sumpfes aufgescldagen, um alsdann befreit vom Gepacke 
besser kampfen zu kOnnen, und es sollte das in Eile errichtete Lager 
den Nichtkampfern im Heere eine Zutluchtsstatte bieten ; s. HG 199. 
Aus einem Bache, ohne Zweifel dem von SOgud vorl)eifiiessenden Neben- 
flusschen des Kara-Su, brachten die Frauen den Kiimpfenden Wasser 
zum LOschen ihres Durstes, s. HG 200. In welch' verzweifelte Lage 1 
sie damals durch die Uebermacht der Feinde geraten waren, berichtei 
ebenfalls Fulcher 335, dessen Worte denjenigen Anselms zur Erlaute- 
rung dienen und sie bestatigen: „nos ilico stupefacti mortique proximi, j 
etiam multi laesi, mox dorsa fugae dedimus . . . nos quidem omnes 
in unum conglobati, tamquam oues clausae ouili, trepidi et pauefacti 
ab hostibus undique circumuallabamur, ut nullatenus aliquorsum pro- 
cedere ualeremus .... clamor erat ingens aethera feriens, uirorum al- 
que mulierum ac infantum, necnon et paganorum, qui super nos inru- ! 
ebant. iamque nobis nuUa spes uitae". — 35. Die Bezeichnung Boe- '> 
munds als comes Romanorum scheint irrtiimlich durch einen Ko- 
pisten entstanden zu sein; maii erwartet statt „Romanorum" : „Normanno- 
rum", denn in seiner Epist. II (s. unten XV, 18) bezeichnet Anselm den 
Robert als „comes Normannorum". Sollte dennoch Romanorum die 
ursprungliche Lesart sein, so hat sicli Anselm dieser Bezeichnung be- 
dient, weil Boemunds Leute aus Mittel- und Unteritalien ausgezogeii 
waren. Nach Anna, Alex. lib. XI, 3 (ed. Bo. II, 84, Rec. 48) sei Boe- j 
mund beim ersten AngrifF vonseiten der Tiirken schwer verwundet 
worden, welche Nachricht jedoch die Abendlander nicht haben. — ] 
36. Ueber die Lage, in welcher sich das minor exercitus damals I 
befunden hat, vgl. n. 34. — 37. Die gleiche Reihenfolge verzeichnen 
auch Gesta 128 (IX, 6): „dux Godefridus et Hugo magnus simul uene- i 
runt prius cum suis exercitibus, episcopus quoque Podiensis prosecu- ( 
tus est illos una cum suo exercitu, et comes de S. Aegidio iuxta illos 1 
cum magna gente". — 38. Boemund hatte Boten an die Fuhrer des ' 
„maior exercitus" abgesendet. Doch beklagt Fulcher 334 F, dass die 
Absendung auf zu langsame Weise vonstatten gegangen und des- 
halb die Hilfeleistung auch langsam eingetrofFen sei : „et quia tarde le- 
gatos nostros inde habuerunt, ideo nobis tarde succurrerunt" ; doch will 
Fulcher damit nicht sagen, dass Gottfried und die andern die Hilfe- 
leistung langsam bewerkstelligt hatten, sondern nur, weil die Boten 
spater, als die Umstande es erfordert haben, abgesendet wurden, die 
Hilfeleistung auch spater, als es wunschenswert war, eingetrolfen sei. 
Dass Graf Raimund sofort nach Empfang der von Boemund abge- 
sandten Botschaft eiligst zur Hilfeleistung aufgebro(hen ist, berichtet 
auch Raim. 240 E. — 39. CC mille et LX Turci: nach Fulcher 
334 E und Gesta 129 (IX, 9) sollen die Turken 360000 Mann stark 
gewesen sein, nach Guib. 162 C und Petrus Diacon. 767, 30 sogai 
460000. Nach der absonderlichen, vielleicht auf irriger Lesart beruli- 



1 



Epistula [ Anselnii de Ribodimonte ad Manassem archiep. Remorum. j^Bl 

iiden Selireibweise Anselms — zu lesen ist „ducenties et sexagies 
lille" — 260000, nach Raim. 240 D: 150000, docli ist auch diese zu- 
etzt genannte Zahl noch zu hoch gegriffen. Wahrscheinlich ist das 
anze Tiirkenlieer kaum 20000 Mann stark gewesen. Obige Zahlen- 
ngaben beruhen auf dem unmittelbaren Eindruck und willkurlichem 
rmessen des jeweiligen Berichterstatters. Dieselben sind meist sehr 
eit von der Wirklichkeit entfernt. — 40. Ueber die in diesem 
ampfe Gefallenen s. zu HG'206, und ul)er die A^erfolgung der Turken 
ben n. 33. 

41. „Am namhchen Tage bin ich vom Kaiser, zu welchem mich 
ie Fursten gemeinsamer Interessen wegen gesandt hatten, wegge- 
angen". Mit regressus bezeichnet er den Anfang seiner Abreise, 
icht seine Ankunft beim Kreuzheere. Ansehn ist demnach am 1. Juli, 
em Tage der Schlacht, von Pelekanos weggegangen und dem Kreuz- 
;eere nachgereist. Er wurde sich wohl anders ausgedruckt hal)en, 
enn er hatte sagen wollen, dass er an diesem Tage wieder beim 
Kreuzheere eingetroffen sei. Er war demnacli keiii Augenzeuge dieser 
Schlacht. Seine Sendung zum Kaiser muss erst gegen Ende Juni er- 
lolgt sein, nachdem die Fursten von der Audienz, die sie selbst beim 
Kaiser in Pelekanos gehabt hatten, im Lager vor Nicaea wieder ein- 
getroffen waren, also gegen den 26. Juni und vor dem Wegzug des 
lleeres von Nicaea. Welche gemeinsame Interessen zu der spaten Ab- 
ordnung Anselms ausschlaggebend gewesen sind, ist schwer zu sagen : 
vielleicht um fur das unzufriedene Volk (s. n. 32) eine weitere kaiser- 
liche Unterstutzung zu erzielen. Es ist zu bedauern, dass Anselm ttber 
diese seine Sendung nicht Eingehenderes berichtet hat. — 42. Nacli 
dreitjigiger Rast (s. HG 210) zog das Heer Samstags den 4. Juli weiter 
u. zw. uber Antiochia Parua (Fulcher 336 D : Albert III, 3), Ikonium 
(s. n. 45), Heraclea (Fulcher 337 B; Gesta 130, c. X, 4; Albert III, 4), 
Caesarea Gappadociae (Gesta 131, c. XI, 2, HG 228), Cocossus (Gesta 
131, c. XI, 3, HG 230), Marasch (Gesta 132, c. XI, 7 ; HG 236, Alb. 
III, 27), Arthasia (Albert III, 27), Pons Ferreus (Gesta 132, c. XII, 1; 
HG 239), und kam nach 31/2 Monaten am 21. October 1097 vor Anti- 
ochien an (s. n. 47 und HChr. n^ 203). Dass Anselm hier besonders 
j hervorhebt, die Fursten hatten diesen Weg durch Romanien und Ar- 
menien stets vereint zuruckgelegt, oline dass sie sich getrennt haben, 
soU besagen, dass eben eine Trennung, wie sie vor dem Kampfe bei 
Dorylaeum stattgefunden habe, indem bei einem feindlichen Angriffe 
der angegriffene.Teil von dem andern verlassen gewesen ware, nicht 
mehr eingetreten sei. Wahrscheinlich ist damals schon Stephan zum 
Oberanfuhrer des ganzen Heeres ernannt worden (vgl. zu X, 3 n. 13). 
Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass Abteilungen des Heeres auf dem 
J Marsche, wie etwa die Tankreds und Balduins, sich vom Hauptheere 
[ getrennt und einen andern Weg eingeschlagen haben, denn dass An- 
I selm von den Seitenmarschen Tankreds und Balduins nach Cilicien uber- 
haupt keine Kenntnis gehabt haben sollte, ist unmOglich, da ihm ja 
nach dem Schlusse unseres Absatzes wohlbekannt gewesen ist, dass 
Tarsus bereits in der Kreuzfahrer Gewalt gelangt war, als das Haupt- 
heei' sich vor Antiochien gelagert hat (s. daruber HG 208—238 und 



i. 



262 Erlauterungea zu VI II, 8. 

unten n. 48). — 43. Ueber Romanien s. zu VI, 3 n. 12. — 44. Ar-_ 
menisches Gebiet betrat das Heer, indem es von Caesarea Cappadociat 
aus in siidOstlicher Richtung weitergezogen und in die Gegend von Ma- 
rasch gekommen ist (s. HG 227) ; ubrigens gehorte im Mittolalter 
aucli Gross- und Klein-Kappadocien zur kleinasiatischen Provinz des 
ostr5mischen Kaisertums, welclie den Namen „Armeniacum'* fuhrte, sj 
HE 64. — 45. „Nachdem Ikonium dahintengelassen war. 
— Ikonia irrig fur Ikonium, das heute mitten in einer weiten Ebem 
gelegene Konieh. Dass das Kreuzheer im Sommer 1097 dahin gt 
kommen war, berichten Gesta 130, c. X, 4, Albert III, 8, welchei 
den Ort Stankona nennt, Fulclier 336 E, der erwahnt, dass in jenei 
Gegend sehr oft Mangel an Nahrungsmittel eingetreten sei ; keiner je^ 
doch beschreibt diese Stadt. Von den Spateren nennt sie Odo d< 
Diogilo p. 48 eine „ciuitas nobiUssima" und als den Sitz des Sultansj 
von Nikomedien aus seien es dahin 12 Tagreisen. Otto v. Freising ii 
Contin. Sanbl. c. 34 kennzeichnet sie als eine „ciuitas populosissimj 
maximo murorum ambitu turriumque proceritate munitissima, arcei 
impugnabilem in medio sui complectens, onmibus ad obsidionem neces* 
sariis referta". Ihre heutige Lage und Aussehen beschreibt Texier ii 
Descr. I, 140-147, wo auch das Bazarthor, sowie die Ruinen d( 
Seldjukidenpalastes abgebildet sind. Obwohl die Grundung Ikonium* 
ins hohe Altertum zuriickreicht, sei die Stadt arm an alten Monumentei 
Der inmitten derselben sich erhebende Hiigel, sagt Texier, auf welchei 
ehemals der glanzende Palast der Fursten von Ikonium gestandei 
habe, diene seit langer Zeit den Turken zum Steinbruch, um die Kj 
sernen und Wohnungen des Paschas zu restaurieren. Die Stadt is\ 
heute die Hauptstadt des Paschahks und zahlt circa 8000 Einwohnei 
vgl. Tschihatscheff S. 8. 17. 53. Von den Historikern fast vergessei 
ist von dieser Stadt ausser der Nachricht ttber die Einnahme derselbei 
von Friedrich Barbarossa (s. Otto v. Freising a. a. 0.) kein einziges 
wichtiges Ereignis in der langen Periode seit dem ersten Kreuzzug^ 
bekannt. Als im Sommer 1097 die Kreuzfahrer daselbst anlangtenJ 
wurde denselben vonseiten der Bewohner keine Feindsehgkeit entgegenj 
gebracht, vielmehr berichten die Gesta a. a. 0., dass die Einwohnel 
sie (die Kreuzfahrer) aufmerksam gemacht hatten, dass sie Schliiuchc 
mit Wasser gefullt mitnehmen mochten, weil ihr fernerer Marsch durcl 
wasserlose Gegend fuhre, was die Kreuzfahrer a ich befolgt hatten. 
46r qui antecedebamus exercitum: Die Vorhut des Heeres^j 
unter welcher sich auch Anselm befunden haben wnrd, bildeten di( 
Normannen unter Boemund, Tankred und Robert von der Normandi< 
Dies muss daraus gefolgert werden, dass Boemund beim Weitermarschj 
von Nicaea mit seiner Schaar der erste war, s. Abs. 7. Die gleichej 
Ordnung wird durch ganz Romanien eingehalten worden sein. An der' 
Eisenbrucke wurde, nach Albert III, 23, Robert der Normanne zur Vor- 
hut beordert. Die Nachhut bildeten die Provenzalen ; letzteres erfahren 
wir von Raim. 241 A; vgl. a. HE 148. — Von Ikonium aus zog man 
gen Ergle, d. i. Heraclea, wo nach Gesta 130, c. X, 4 eine nicht ge- 
ringe Zahl von Turken sich versammelt hatte, w^elche die heranrucken- 
den Franken zu schadigen suchten: in Erachia „erat Turcorum nimia 



Epistula I Anselmi de Ribodimonte ad Manassem arGhiep. Remorum 263 

congregatio, exspectans et insidians, quomodo posset Christi milites no- 

cere et contristare. quos Turcos Dei omnipotentis milites inuenientes 

(mdacter inuaserunt. superati itaque sunt inimici nostri in die illa; tam- 

que celeriter fugiebant, quam sagitta fugit emissa ictu ualido cordae et 

arcus. nostri igitur intrauerunt statim in ciuitatem ibique mansimus per 

IV dies". Dass dieser Angabe entgegen Anselm die Tiirken ihrer Zahl 

nach als „paucos" bezeictinet, beruht auf subjectiver Anschauung, wie 

denn aucli die Zahl derselben dem Kreuzheere gegenuber nur als eine 

geringe, dagegen im Vergleich zu den „cursores", von denen die Gesta 

reden, als ^nimia" bezeichnet werden kann, ohne dass dabei Anselm 

und die Gesta im Widerspruch sich befinden. — Hier mag es am Platze 

sein, auch die Nachricht der Anna Komn. iiber die Kanipfe 

der Kreuzfahrer auf ihrem Zuge von Dorylaeum nacli Antiochien, 

50weit dieselbe mit den abendlandischen Berichten in Verbindung ge- 

>racht werden nmss, naher ins Auge zu fassen. Anna, Alex. hb. XI, 

(ed. Bo. II, 85, Rec. Hist. grecs I, II, 49) berichtet namlich folgen- 

les : Nach dem Siege der Kreuzfahrer bei Dorylaeum seien die Scharen 

^eiter gezogeu, bis sie bei Hebraika auf den Sultan Taniskan und 

Lsan, welcher letztere allein eine Heeresmacht von 80000 Mann an- 

jfuhrt habe, stiessen. Es kam zu einer heftigen Schlacht; von beiden 

leiten sei mit grOsster Tapferkeit gefochten worden und kein Teil wollte 

^eichen, da habe Boemund, der den rechten Fliigel der Franken fiihrte, 

ils er das kilhne Vorgehen der Tiirken bemerkte, vom iibrigen Heer 

sich getrennt und verwegen, wie ein Lowe auf seine Kraft vertrauend, 

luf den Sultan Kihdsch-Arslan (KXirZliacJ^Xdv) gesturzt, wodurch die 

["iirken so in Sciirecken gesetzt worden seien, dass sie flohen. Die 

'ranken, eingedenk des Rates des Kaisers, verfolgten sie nicht w^eit, 

^ondern nachdem sie vom tiirkischen Lager Besitz genommen und kurze 

iCit der Ruhe gepflegt, griffen die Tiirken wiederholt an und hatten 

jinen vollkommenen Sieg erfochten. Von da an sei der Untergang des 

Jarbarenheeres besiegelt gewesen ; die, welche sich retteten, zerstreuten 

jich da und dorthin, Weii> und Kind zurucklassend; den Lateinern aber 

latten sie nicht mehr Stand zu halten vermocht, vieJmehr in der Flucht 

ir Heil gesucht. Die Folge davon sei gewesen, dass die Lateiner in 

^emeinschaft mit dem kaiserlichen Heere (juerd Tr\c, 'Pcojuaixfjq OTpaudc) 

n Eilmarsche (bid toO xaXor|uevov) o^eoq bp6|aoD), den auf beiden Seiten 

ires W^eges gelegenen Orten (tcov ecp' txdrepa) keine Beachtung schen- 

tend, nach Antiochien gelangt seien. Dies die Erzahlung Annas. Dass 

sie wohl mit dem Kampfe bei Hebraika keinen andern Kampf ge- 

leint wissen will, als den, welchen auch der Anon. der Gesta und 

inselm als vor Ergle stattgefunden, berichten, kann als gewiss ange- 

lommen werden. In Ergle hat Suleiman II, der KXitCiaa^Xdy Annas, 

loch einmal Posto gefasst und dem Kreuzheere Widerstand zu leisten 

^ersucht. Ebraika ware dann identisch mit Ergle (Heraklea). Ohne 

[enugenden Grund verlegt Tomaschek p. 83 Hebraika noch in die Ge- 

ind von Ikonium, an einen Quellfluss des Sakaria. Dass die Franken 

ich des turkischen Lagers bemachtigt und daselbst oux 8:Jii jroXi) sich 

aufgehalten haben, stimmt mit der Angabe der Gesta, dass sie sofort 

in Heraklea eingezogen seien, wo sie 4 Tage lang verweilten, uberein, 



2(j4 Erliiuteiuiigen zu VIII, 8. 9. 

weiin aucii weder von den Gesta a. a. 0. noch von Anselm eine so 
ausserordentlich grosse Zahl der Feinde namhaft gemacht, nocli die 
Schlacht als eine so heftige bezeichnet wird. Nun ist aus den VVorten 
der Anna ersichtlich, dass sie einen zweiten Kampf als bei Agrust- 
opolis stattgefunden, sofort auf den bei Hebraika (Ergle) folgen lasst. 
Wo nun AgrustopoHs gelegen, ob nicht vielleicht, wie Du Cange vor- 
schlagt, „AugustopoIis" zu lesen ist, was mit Caesarea identisch sein 
diirfte, - nach Tomaschek p. 84 soll es noch vor Ikonium gelegeji 
haben — ob in Kappadocien oder in Armenien, durch welche Gegen- 
den das Kreuzheer zog, dieser Kampf stattgefunden hat, oder vielleiclit 
der an der Eisenbrucke damit gemeint ist, oder oJ) nicht der ganzen 
Nachricht eine falsche Berichterstattung zu Grunde liegt, ist schwer 
zu entscheiden. Soviel jedoch steht fest, dass Annas Bericht der 
griechischen SchOnfarberei keineswegs entbehrt, denn sie hebt gefiis- 
sentlich hervor, dass neben dem lateinischen Heere auch das 'Pco^ai%6\ 
c5TpdT8i;|ua — bekanntlich hatte Alexios den Tatikios mit einer Abtei- 
lung von ca. 2000 griechischen Soldaten mitgesendet, s. zu Gesta 135 
(XVI, I) — gekampft und gesiegt habe. Auch ist ihre Darstellung 
nur insoweit von Wert, als sie die abendlandischen, wenn auch in 
sparlichem Umfange vorhandenen Nachrichten zu illustrieren vermag, 
wobei allerdings ein grosser Spielraum offen liegt, um, wie wir soeljeii 
gesehen haben, den Kampf bei Agrustopolis seinen richtigen Platz aii- 
zuweisen , auch von derart l)edeutenden Schlachten , wie sie nacli 
Anna wahrend des Zuges von Dorylaeum nach Antiochien vorgekommen 
sein sollen, kein Abendlander weiss, weshalb Annas Angaben zu redu- 
cieren und nur insoweit zu gebrauchen sind, als sie in den Rahmeii 
des von den Abendlandern, von Anselm, Stephan und dem Anon. der 
Gesten berichteten, uberhaupt eingefugt werden konnen, Den in Annas 
Bericlit genannten Taniskan halt v. Sybel 548 (465) wohl mit Rechl 
fiir Danischmend. Auf den Sultan Asan, den Anna erwahnt, der olfen- 
bar mit ^em von Stephan in dessen Epist. II erwahnten Armenierfursten 
Assam identisch ist, kommen wir unten X, 4 zuruck. — 47. XII Kal. 
Nou. d. i. der 21. October; dasselbe Datum auch in Gesta 132 (XII, 2): 
liber unrichtige gegenteilige Datumsangaben s. ebenda HG 242 und 
HChr. n^ 203. — 48. Die Einnahme der am Cydnus in sehr fruclitbarer 
Gegend gelegenen cilicischen Stadt Tarsus wurde durch Tankred im 
September 1097 bewerkstelligt, welcher nach Gesta 130 (X, 5) bei 
Heraklea mit Balduin vom Hauptheere sich getrennt hatte, und nach 
Suden gezogen war. Ueber die Stadt selbst s. Naheres bei Ritter 
XIX, Kleinasien B. II, p. 210 f. und Kotschy 31 ff. sowie das zu HG 
217 Bemerkte. Die Nennung Laodiceas neben Tarsus ist ein Be- 
weis dafur, dass erstere Stadt in der That, als die Kreuzfahrer Anti- 
ochien zu belagern sich angeschickt haben, schon fiir sie gewonneii 
war. Anselms kurze Mitteilung wirft ein erwunschtes Licht auf die 
iiber Laodicea von Albert III, 59 und VI, 55, sowie von Kamaleddiii 
219 R. 578 gemachten Angaben. Nach ersterem war es Winnemar von 
Boulogne, ein „piratarum magister et ductor", dem sich aus Antwerpen. 
Thule, Friesland, Flandern, sowie aus der Provence Leute angeschlossen 
hatten, welcher auf seinen Raubfahrten auch Laodiceas sich bemach- 



Epistula L Anaelmi de Ribodimonte ad Manassem arcliiep. Renjorum. 265 

tigte und die damaligen Herren der Stadt, welche Tiirken und Sara- 
zenen waren, niedermetzeln liess. Es war dies zur namlichen Zeit, als 
Tankred und Balduin Cilicien besetzten, welchen nach Albert a. a. 0. 
auch Winnemar Hilfe geleistet haben soll. Nach Laodicea hat auch 
wahrend der Belagerung Antiochiens Robert der Normanne sich be- 
geben, s. Raim. 243 E; Ord. Vit. IV, 70; Rad. Cad. c. 58; Sybel 389 
(326) ; Kugler, Albert 46. Unrichtig aber ist die Angabe Alberts VI, 
55, Winnemar habe spater die Stadt dem Grafen Raimund uberlassen, 
s. Sybel 510 (433); Kugler Alb. 47 und HE 183. Damit stimmt im 
Allgemeinen auch die Angabe Kamaleddins, welcher die Zahl der dem 
Winnemar untergebenen Schiffe, 22, und sogar das Datum dieser Ein- 
nahme als den 19. August 1097 (nicht 1098, wie ROchricht, KOnigreich 
Jerusalem S. 45 annimmt) bezeichnet. Die Richtigkeit dieses Datums 
bezweifelt zwar Kugler Alb. 44, vielleicht mit Recht, da Kamaleddin 
Ofters in dieser Beziehung fehlerhafte Angaben bietet, doch geht daraus 
soviel hervor, dass dieses Ereignis wenigstens vor dem Beginn der 
Belagerung Antiochiens eingetreten war und eben damit Ansehiis Mit- 
teilung ihre Bestatignng findet, nicht minder aber auch Alberts Nach- 
richt als richtig anzusehen ist, wornach die Stadt nicht den Griechen, 
sondern den Sarazenen abgenommen worden ist. Dieselbe hat offen- 
bar ebenso wie die anderen Stadte jener Gegenden muhammedanisclie 
Besatzung gehabt, war aber wohl bald wiederum, wenigstens zum Teil, 
in griechischen Besitz ubergegangen, s. zu XVIII, n. 81. — Ueber dic 
damabgen und spateren Besatzungsverhaltnisse Laodiceas vgl. m. vor- 
nehmlich Kugler, Alb. 46 ff., der die verschiedenen sich anscheinend 
widerstreitenden Berichte in Einklang zu bringen sucht, und Rohricht, 
KOnigreich Jerusalem a. a. 0. Ueber die Stadt selbst und deren Aus- 
sehen zur Zeit des ersten Kreuzzuges HG 429 und HGa 256; e])en- 
falls auch unten XVIII, 16, n. 81. — Die multae aliae ciuitates, 
deren die Kreuzfahrer mit Gewalt sich bemachtigt haben — in Abs. 12 
schreibt Anselm, dass die Kreuzfahrer 200 Stadte und Kastelle in ihren 
Besitz bekommen hatten — sind solche Ciliciens, Armeniens und Nord- 
syriens. Namenthch angefiihrt werden Adana und Mamistra (Gesta 131, 
c. X, 8), Marasch und Arthesia (Alb. III, 27. 28); Cocossus (Gesta 131, 
c. XI, 3), Rugia (ibid. 132, c. XI, 5; HG 234). Nach der Epist. H 
Stephani (s. X, 10) hatten die Franken bis zum Friihjahr 1098 nicht 
weniger als 165 Stadte und Kastelle in den genannten Gegenden im 
Besitze. Naheres daruber siehe HG 226 und unten zu IX, 2. 

49. „Einen Tag, bevor wir die Stadt umlagerten" d. i. am 20. Oc- 
tober 1097. — 50. Pons Ferreus: Die 31/2 bis 4 Stunden Ostlich 
von Antiochien iiber den Orontes fiihrende sogenannte Eisenbriicke. 
Ueber dieselbe s. Alb. IH, 33 und Wilh. Tyr. IV, 8, sowie HG 239 
und HGa 137. — 51. Es ist selbstverstandlich, dass die Besatzung 
Antiochiens beim Herannahen des Kreuzheeres behufs Verproviantierung 
der Stadt Anstrengungen gemacht und aus der Umgegend das NOtige 
an Utensihen und Nahrungsmitteln herbeizuschaffen versucht hat. Dies 
bestatigt die Anselm'sche Nacliricht. Dass auch zur Verteidigung in 
den Briickenturmen eine Besatzung gelegen, w^elche beim Heranzug der 
Franken 700 Mann als Verstarkung aus der Stadt erhalten hatte, er- 



266 Krlilutcrim^^^cn zu V[ll, '.). 10. 

fahreii vvir aus Alb. III, 33. Offenbar aber wareii aueli unter jenen, 
welche damals von den Kreuzfahrern in die Fhiclit geschia^en worden 
sind, solche Abteihingen, welche Antiocliien Proviant zuzufuhren suchten 
und der Stadt zur Hilfe kommen wollten, auch solche, welche beim 
Heranmarsch der Franken sich gefiuchtet haben, um in Antiochien eine 
sicliere Schutzwehr zu finden. Dies bestatigen die Gesta 132 (XII, 1), 
wonach die Kreuzfahrer bei ihrer Anniiherung an die Eisenl)rucke un- 
zalilige Turken versammelt angetroffen hiitten, „qui dare adiutorium 
Antiochiae festinabant". Wahrscheinhch waren darunter auch Abtei- 
lungen aus Suleimans Heer, welche auf ihrem Ruckmarsche auch in 
Syrien eingedrungen waren (s. nnten X, 6), gewiss aucli Muhammedaner 
aus der Umgegend Antiochiens, welche mit ihren HabseHgkeiten sich 
dahin auf den Weg gemacht hatten, — sagt doch Kamaleddin 219 li. 
578, dass beim Heranmarsch der Franken die Bewohner der bei Anti- 
ochien liegenden Kastelle sich gegen ihre turkischen Garnisonen em- 
port und sie getotet hatten mit Ausnahme derer, welche durch die 
Flucht entkommen seien. Daraus ist es auch erklarhch, wie die Franken 
eine auch von Anselm erwahnte ausserordentlich grosse Beute zu machen 
vermocht haben. Vgl. hiezu auch das zu Gesta XII, 1 Bemerkte 
(HG 240). — 52. Nach Albert III, 33 ff'. sei der Graf von der Nor- 
mandie mit Roger de Barneville und Eberhard de Puisat mit ihren 
Leuten, 2000 Mann stark, an die Brucke vorausbeordert worden, um die 
Gegend auszukundschaften. Als sie bei der Briicke ankamen, leisteten 
ihnen die in den Briickenturmen als Wache befindlichen 100 Mann Be- 
satzung heftigen Widerstand und hielten sie vom Ueberschreiten des 
Flusses ab. Den Turmverteidigern kamen weitere 700 Mann zur Hilfe, 
welche auch die Uebergange (uada) des Flusses besetzten, so dass ein 
langerer Pfeilkampf zwischen den auf dem linken Ufer aufgestellten 
Tiirken und den auf dem rechten Ufer befindhchen Franken entstand, 
wobei es auf beiden Seiten Tote gab. Das Frankenheer eilte inzwischen 
herbei, vermochte aber zunachst die Turken nicht zuruckzudrangen : 
Da habe der Bischof Ademar ihnen Mut zugesprochen, avif dessen 
Mahnung alsdann die Franken zum Angriff schritten und die Feinde 
zum Fliehen genotigt hatten; die einen durchritten mit ihren Pferden 
den Fluss, die andern (iberschritten ihn an den Furten, setzten den 
Kampf fort und verfolgten die Feinde bis in die Nahe der Mauern 
Antiochiens. In wieweit dieser Alberfsche Bericht glaubhaft ist, haben 
wir zu Gesta XII, 1 (HG 241) nacbzuweisen versucht. Jedenfalls sind 
aber nach den Gesten a. a. 0. die cursitores allein die Kampfen- 
den gewesen, und darnach ist der Sieg durch einen einmaligen wuch- 
tigen Angriff erlangt worden, bevor das Gros des Heeres an der Briicke 
angekommen war, s. n. 54. Damit fallt auch die Angabe Alberts, als 
ob durch Ademars Aufmunterung erst der Sieg erlangt worden sei; 
wahrscheinlich ist diese Mitteilung Alberts eine Reminiscenz von dem, 
was Raimund 241 berichtet, wornach allerdings die Provenzalen den 
Ausschlag gegeben haben, dass Antiochien vom Kreuzheere Qberhaupt 
belagert worden ist. Von einem Kampfe an der Eisenbriicke weiss 
aber Raimund nichts zu berichten, ein Beweis, dass die Provenzalen 
dabei gar nicht beteiligt gewesen sind. — 53. Auch Albert III, 35 



Epistula 1 Anselmi do Ribodimonte ad Manassem archiep. Reniomm. 267 

crzahlt: „Christiani plurimos de exercitu Petri, quos Turci per Anti- 
ochiae regionem diuiserant, a uinculis excluserunt", welche Nachricht 
durch diejenige Anselms bestatigt wird. Nach der Chanson d'Ant. III, 
34 habe man diese Gefangenen in den Bruckentiirmen gefunden und 
befreit. — 54. Ueber den Kampf und die erlangte Beute berichten 
die Gesta 132 (XII, 1): „inruentes igitur nostri uno corde et mente 
super illos, superauerunt Turcos. consternati sunt barbari dederuntque 
fugam, et multi mortui sunt ex eis in ipso certamine. nostri igitur supe- 
rantes illos Dei gratia, acceperunt spolia multa, equos, camelos, mulos, 
asinos onustos frumento et uino". 

55. Der Vorfall, welchen Anselm in diesem Abschnitte erzahlt, lO 
fallt in die allererste Zeit der Belagerung Antiochiens und ist identisch 
mit seiner Erzahlung in seinem zweiten Briefe (XV, 6), sowie in den 
Gesta 1 33 (XII, 5) uber die Niederlage der Turken des Kastells Harenk. 
Die Gesta berichten namlich: die Turken in Antiochien wagten 15 Tage 
lang, also fruhestens bis zum 5. November 1097 nicht, einen Angriff 
auf die Belagerer zu machen ; man habe auch Nahrungsmittel, beson- 
ders Fruchte in Menge gehabt ; erst als durch armenische und syrische 
Spione die Turken in der Stadt Naheres iiber den Zustand des Kreuz- 
heeres in Erfahrung gebracht hatten, wtirden sie allmahlich sich her- 
vorgewagt und die Pilger iiberall geangstigt haben. Nicht weit vom 
Lager aber sei das Kastell Aregh gelegen, wo viele sehr tapfere Tiirken 
sich aufhielten, dahin hatten die Kreuzzugsfursten Ritter abgesendet, 
welche den aus dem Kastell kommenden Turken auflauern sollten. Als 
diese von den Rittern ausfindig gemacht waren, seien die letzteren zu- 
ruckgewichen und hatten dabei 2 der ihrigen verloren. Nachdem Boe- 
mund dies gemeldet worden war, sei er gegen die Turken aufgebrochen, 
es sei zum Kampfe gekommen, welcher vielen der Feinde das Leben 
gekostet habe, andere seien als Gefangene bis vor das Stadtthor weg- 
gefiihrt worden, wo man ihnen zum abschreckenden Beispiele der 
Belagerten die KOpfe abgehauen habe. Dies der Bericht der Gesta. 
Aus Anselms Brief erfahren wir nun als Erganzung zum Gestenbericht, 
wie viele der Tiirken umgekommen sind, sowie dass man auch eine 
Anzahl — wohl die, welche man zuvor enthauptet hatte — in den 
Orontes gestiirzt habe. Das proximum castellum ist demnach 
nicht etwa das castellum Antiochiae, welches in Gesta 141 (XX, 8) 
genannt und Ciber welches ebenda HG 306 Naheres mitgeteilt wird, 
sondern das ca. 3 Stunden Ostlich von der Eisenbrucke — nach Epist. II 
Anselmi, XV, 6, octo milia vom Lager der Franken — entfernt ge- 
legene castellum Aregh oder Harenc, eine Burg, welche damals den 
Weg zwischen Antiochia und Haleb beherrschte. Die Ruinen desselben 
sind heute noch sehr bedeutend, m. vgl. die Kieperfsche Karte bei 
Sachau und Naheres HG 245, wo auch die Literatur iiber dieses Ka- 
stell angegeben ist. — Der quoddam flumen ist der Orontes. — 
56. Anselm hat sich sehr getauscht. Die Eroberung der Stadt fand 
erst am 2./3. Juni 1098 statt. Vgl. a. oben zu IV n. 43. - 57. Ueber 
diese damals dem Kreuzheere zu Gebote stehende Fulle von Lebens- 
mitteln berichten auch die Gesta 133 (XII, 3): „mox hospitantes nos 
circa Antiochiam repperimus iUic omnem abundantiam, uidelicet uineas 



^($S Krlautmirif^en zn VUi, 10. il. |2: LX, ]. 

iindique pleiias, foueas pleuas frumento, arbores refertas pomis et alia 
imilta l)ona corporibus iitilia" ; ebenfalls Uaim. 242 E: „iuterea hi, (jui 
in castris remauserant, tantam copiam uictualium lial)uerunt, ut de l)ubus 
nil praeter femora et armos (Vwderbug des Tieres) et carissimi pectus 
leuare uellent; de annona uero et uino non est dicendum quam le- 
uissime acciperetur". Vgl. a. zu XVIII, 3. — Auch aus der Angabe 
Anselms ist nicht nur annahernd die Zeit des Zuges gegen Harenc, 
sondern auch die Abfassungszeit des Briefes zu entnehmen. Es war 
dies wohl Mitte November 1097. Im December machte sich schon 
die Teurung fuhlbar, und Anselm hiltte im December nicht mehr so 
wohlgemut iiber die gunstige Lage der Kreuzfahrer schreiben gekonnt. 
Die Annahme, dass der Brief erst gegen den 10. Februar 1098 ver- 
fasst worden sei, ist darum irrig. S. Einl. S. 66 und HChr. n*^ 213. 
II 58. Naheres uber Balduin de Gant und desseu Tod s. zu 

Epist. I Stephani, oben IV, 8 n. 51. — 59. Von Albert II, 27 wird 
Balduinus Chalderuns genannt und die Angabe Anselms, dass er 
als der erste gegen die Turken vor Nicaea in den Kampf gezogen sei. 
bestatigt. Denn Albert erzahlt a. a. 0., dass Graf Raimund, Gottfrieds 
Bruder Balduin und Balduin Chalderun den heransturmenden Turken 
entgegengegangen seien, und dieselben zuriickgetrieben und l)ezwungen 
liatten. Spater wurde er nacli Albert II, 29 beim Stiirmen der Mauern 
Nicaeas, wobei er allzu kiihn voraussturmte, durch einen Steinwurf, 
welclier ihm das Genick zerschmetterte, getOtet. Weiteres ist iiber 
ihn nicht bekannt. Ueber seine Abstammung gehen die Meinungen 
auseinander. Am meisten Wahrscheinlichkeit hat nach Riant, Invent. 
p. 166 die Annahme Vachez's, wonach er einer Familie aus Berry, 
welche in le Morvan und le Forez begiitert war, angehort habe, vgl. a. 
Wilh. Tyr. III, 5; Reiifenberg, Mon. V, 101 und Riant a. a. 0. •- 
(jO. Auch diesen Robert aus Paris erwiihnt Albert III, 39 als am 
1. Juli in der Schlacht gegen Suleiman gefallen. Er sei, wahrend er 
einer bedrangten Abteilung zur Hilfe eilte, durch einen Pfeilschuss ge- 
t5tet worden. Der Angabe Alberts ist Wilh. Tyr. III, 14 gefolgt. 
Robert von Paris hat man mit jenem Grafen, welcher nach Anna 1. 
X, 10 (ed. Bo. II, 58. 59; Rec. Hist. grecs I, ll, p. 29 B) in hochst un- 
geschliffener Weise gegen Alexios in dessen Palast sich benommen hat, 
identificiert, wohl aus dem Grunde, weil Anna auch dessen Verwun- 
dung im Kampfe gegen Suleiman berichtet, und Riant hat in BuU. de 
la Soc. d' hist. de Paris 1880 p. 129 fF. dies wahrscheinhch zu machen 
gesucht, indem er nachwies, dass auch nach Anna dieser Robert kein 
Graf gewesen sein konne. Allein da Anna den Namen des betreffen- 
den nicht angibt, so ist es zweifelhaft, ob man dieser Identificierung 
zustimmen darf. Naheres dariiber teilt Riant a. a. 0., sowie im In- 
vent. p. 166 mit. Man vgl. a. Rec, Hist. grecs II, 32 und Peyre I, 
264. — 61. Lisiardus aus Flandern ist sonst nicht bekannt. — 62. Eben- 
falls sonst nicht erwalint ist Hilduin de Mansgarbio. Mazin- 
garbe im Cant. Lens, Arrond. von Bethune, in Pas - de - Calais. — 
63. Ansellus de Caium, sonst unbekannt. Riant, Inv. 166 ver- 
mutet, dass er ein Vorfahrer des Kreuzfahrers Anseau de Caieu, wel- 
cher im Jahre 1204 gelebt habe, gewesen sei. — 64. Manasse de 



Kpistula Anselmi de Ribodiraonte ad Manassem arcliiep. Remorum. 269 . 

« 
Clernioiit, iii der Diocese Laon, ebenfalls sonst nirgends genannt. — 
()5. Wido de Vitry, nach Riant, Invent. 166 wahrscheinlicii iden- 
tisch mit dem von Albert II, 29 genannten Wido de Porsessa, „illustris 
eques, qui ibidem (bei Nicaea) inlirmitate occupatus uita decessit". Letz- 
terer wird auch ofter in der Chanson d' Ant. genannt. — 66. Vernoilo, 
wahrscheinlich Verneuil, Cant. von Dormans, Arrond. von Epernay, 
Marne, s. Riant ibid. Auch iiber diSsen Ort finden sich weitere Angaben 
nirgends vor, ebenso keine iiber Hugo von Reims. — 67, Spar- 
num, ein Kastell, jedenfalls zwischen Nica-ea und Antiochien gelegen, 
uber welches ich anderweitige Naclirichten nirgends finde. — 68. Ueber 
diesen Abt Roger, den Kapellan Anselms, ist sonst nirgends eine 
Angabe zu finden — ebensowenig als uber die 2 zuletzt genannten 
vor Antiochien an einer Krankheit verstorbenen Alardus de Spiniaco 
und Hugo de Calniaco. — Alle diese bisher Erwahnten sind wahr- 
scheinlicli dem Rischof Manasse von Reims auch personlich bekannt 
und mOglicherweise auch alle aus dessen DiOcese gewesen. 

69. S. Abs. 3 und 11. — 70. pigritari i. e. pigrari, morari. I2 
— 71. CC ciuitatum et castellorum: s. oben zu n. 48 und unten 
zu X, 3 n. 10; X, 4 n. 15; X, 10 n. 57. — 72. tapetium: ein 
Teppich, ein gewirktes Tuch. Ueber R a i m u n d u s d e C a s t e 1 1 o fin- 
den sich weitere Angaben nicht vor. — Anselm will mit den letzten 
Worten sagen : Zum Erweise der Echtheit meines Schreibens, bezw. 
dass es von mir kommt, diene Dir zur Nachricht, dass ich den Teppich, 
den Du mir iiberschickt hast, durch Raimund de Castello erhalten 
habe. — Diese Notiz liefert den Reweis, dass zuweilen aucli Kleidungs- 
stucke von den sorgsamen AngehOrigen in der Heimat bei guter Ge- 
legenheit, die durch spater Dahinziehende geboten war, den ins Morgen- 
land Weggezogenen nachgesendet worden sind. 



IX. 

Epistula Patriarchae Hierosolymitani et aliorum episcoporum 

ad occidentales. 

(Geschrieben im Januar 1098 aus dem Lager vor Antiochien). 

1. Hierosolymitanus patriarcha: dass hier der griechische Patriarch 
Simeon gemeint ist, durfte durch die besondere Hervorhebung der 
episcopi graeci eine indirecte Restatigung erhalten. Verfehlt aber ist 
es, unter diesem Patriarchen den von Antiochien zu verstehen, wie 
Michaud I, 545 gethan hat, welche Annahme dem Wortlaut „Hierosoly- 
mitanus" widerstreitet. Ueber Simeon vgl. zu VI n. 1. — 2. „Der 
Patriarcli von Jerusalem, die griechischen und lateinischen RischOfe und 
das ganze Kreuzheer des Herrn (wunschen) der abendlandischen Kirclie 
die Mitgenossenschaft am hinmihschen Jerusalem und Anteil an ilirem 
(des Patriarchen, der RischOfe und des Gesamtheeres) Arbeitslohn" : 
ein Gruss, welcher von dem des ol)igen Rriefes des Patriarchen Simeon 



270 Iu-liiutc'run<;en zu IX, 1. 2. ?,. 

(VI, 1) auffallend abweicht. Aus episcopi tam Graeci quam 
Latini folgert Riant, Inv. 158, dass dieser Brief zu einer Zeit ge- 
schrieben worden ist, als der Aerger uber Alexios wegen Ausbleibens 
der zugesagten Hilfe nocli nicht im Kreuzfahrerlager Boden gewonnen 
hatte, also jedenfalls vor Juni 1098; denn es ist anzunehmen, dass 
dieser Aerger wegen des angeblich nicht eingehaltenen Versprechens 
des Kaisers das gute Verhaltnis zu 'den Grieclien iiberhaupt beeintrach- 
tigt haben und spater ein solches gemeinsames Schreiben, besonders 
weil die Franken lateinische BischOfe einsetzten, nicht melir leicht mOg- 
lich gewesen sein diirfte. 

3. incrementum ecclesiae: das Wachstum der Kirche. — 
sollicitus, eigentl. „bekQmmert", hier mit der Nebenbedeutung von 
„begierig". — ampliatio fur ampHficatio. prosperitas ampli- 
ationis: das gltickliche Gedeihen des Zunehmens, d. h. der gluck- 
liche Fortgang des Unternehmens : „weil wir nicht verkennen, dass ihr 
euch uber das Wachstum der Kirche freuet, und w^eil wir glauben, dass 
ihr l)egierig seid, Ghick- und Ungliicksbotschaften zu vernehmen. so 
thun wir euch iiber den gedeihlichen Fortgang des Unternehmens fol- 
gendes zu wissen". — 4. Vgl. I, (5: „notificare prudentiae uestrae uolo" 
undlll, 3: «caritati uestrae commendamus". Das Folgende ist zum teil 
auch im Breuiarium Hugos von Lerchenfeld im Rec, Hist. occ. V, 384 
am Schlusse wOrtlich verwendet worden. — 5. „in 40 Hauptstadten 
und 200 Burgen seiner Kirche habe Gott triumphiert", das soll wohl 
heissen : in diesen Stadten und Burgen, welche schon vor der Ankunft 
des Kreuzheeres von rechtswegen der Kirche Eigentum gewesen waren, 
aber eine Zeitlang in der Tiirken Gewalt sich befanden, habe jetzt 
durch Verlreibung der Tiirken und Besetzung dieser Orte vonseiten der 
Kreuzfahrer, der „militia Dei", Gott einen Sieg davon getragen. Ueber 
die Zahl der Stadte und Kastelle, welche die Kreuzfahrer erobert haben, 
s. zu VIII, n. 48 und X, n. 57. — 6. quam in Syria: hieraus mag 
gefolgert werden, dass der vorliegende Brief spater geschrieben und 
abgesendet worden ist als der oben VI vom Patriarchen an die Nord- 
lander gerichtete, nach welchem die Kreuzfahrer in Romanien sich auf- 
gehalten haben, wahrend nach unserem Briefe die Ausbreitung der 
Kreuzfahrermacht in Syrien im vollem Gange gewesen sein musste, 
wovon im ersten Briefe keine Andeutung gegeben wird. — 7. S. zu 
VI, 3 n. 17, wo sich dieselbe Angabe findet. — 8. Unter den ersten 
Schlachten sind zunachst die gegen die Tiirken vor Nicaea und die bei 
Dorylaeum gemeint, in welchen allerdings eine nicht geringe Anzahl 
Kreuzfahrer gefallen ist. Der bis zur Abfassung des Briefes geschla- 
genen grOsserer Schlachten sind es nach dem folgenden Absatz 5 ge- 
wesen, wo sie als „generalia bella campestria" bezeichnet werden: dass 
aber der Briefschreiber unter „primis" nicht alle 5 gemeint und die 
Kiimpfe wahrend der Belagerung Nicaeas nicht ausgenommen haben 
wird, kann daraus vermutet werden, dass ja in den Worten primis 
angedeutet ist, es seien auch noch andere Schlachten geschlagen wor- 
den. Uebrigens ist es auffallend, dass er nur die Schlachten als die 
Ursache des Verlustes so vieler annimmt, da nicht minder beim Durch- 
zug durch Kleinasien unertraglicher Hitze wegen eine nicht geringe 



Epistula P.itriarchae Hierosolymitani ad occidentales. 271 

Mengc Kreuzfahrer bingerafft worden ist, woriiber zu vgl. X, 3, n. 25. 
26; Fulcber 336 und Albert III, 2. — 9. Der ganze Passus von sed 
quid haec? an ist eine specificierende AmpHfication der Worte des 
ersten Briefes (VI, 3): „sed quid hoc? pauci enim sumus ad compa- 
rationem paganorum". 

10. clipeus Christi: der Schild Christi, wohl im Sinne des 
Briefschreibers mit Bezug auf die Worte Eph. 6, 16: „in omnibus 
sumentes scutum fidei, in quo possitis omnia tela nequissimi ignea 
extinguere" gebraucht. Zu iustitia ist entweder „eius" zu supplieren 
und mit diesem Ausdruck die im Glauben an Ciiristus erlangte 
Rechtfertigung von der Siinde gemeint, oder ist iustitia im allge- 
meineren Sinn zu nehmen und als die im Kampfe gegen die Turken den 
Kreuzfahrern zu eigen seiende Rechtlichkeit ihres Unternehmens zu 
fassen, zu welchem Unternehmen sie sich wegen der Tiirken unrecht- 
massigem Besitze der fruheren christlichen Gegenden des Morgenlandes 
fiir berechtigt glaubten. — 11. Hier endigt der Brief, wie ihn eine 
gr5ssere Anzahl Robertcodices zu Anfang oder am Ende der Hist. Hie- 
rosol. Roberts enthalten. Doch ist diese Redaction oirenbar nur 
ein Fragment, s. die Einl. S. 68. — Die Angabe des Briefes, dass 
die genannten Heiligen bezw. milites Christi das Kreuzheer be- 
gleitet haben, entspricht auch den Mitteilungen, welche die Gesta und 
deren Kopisten (unter diesen vornehmlich Tudebod und die Hist. belli 
sacri) sowie Raim. de Ag. enthalten. So sciireibt der Verfasser der 
Hist. belli sacri im Prolog zu seiner Erzahlung Rec. 173, ohne Zweifel 
auf Grund der von ihm benutzten Berichte uber den Kreuzzug, dass 
Gott den Kreuzfahrern im Kampfe mit den Turken geholfen habe, „et 
uisibihter mittente eis in adiutorium sanctos suos beliatores, quorum 
animae in caelo iam conlocatae erant, uidebcet Mercurium multotiens, 
aliquando Georgium, necnon et inter^dum Theodorum, aliquando totos 
i tres cum suis dealbatis exercitibus, uidentibus non solum Christi mi- 
litibus, sed etiam ipsis inimicis paganis; unde exterrebantur et in 
fugam conuertebantur". OflPenbar hatte der Verfasser der Hist. belli 
sacri dabei zunachst die Nachriciit Raimund's 240 F im Auge, nach 
welcher am 1. Juli 1097 in der sogenannten Sclilacht bei Dorylaeum 
2 Ritter in gliinzenden Waffen und wunderbarer Gestalt dem Kreuz- 
heere vorangeschritten und so auf die Feinde eingedrungen seien, dass 
diese unmogHch weiter hatten kampfen konnen; auch seien sie den 
Turken, als diese sich gegen sie zur Wehre setzen wollten, unverwund- 
bar erschienen. Dieses Vorkommnis will Raim. de Ag. von Turken 
selbst gehOrt haben ; doch seien es nach dem Verfasser der Hist. belli 
sacri c. 27 nicht 2, sondern 3 Anfiihrer gewesen: Georg, Demetrius 
und Theodorus, dieselben, welche auch in unserem Briefe genannt 
werden. Auch spater, als am 28. Juni 1098 das Kreuzheer gegen 
Kerboga gekampft hat, habe nach Gesta XXIX, 5 Christus sein Hilfs- 
heer gesendet, unziihlige Heerhaufen mit weissen Pferden und glanzend 
weissen Fahnen seien unter Anfulirung des hl. Georg, Merkurius und 
Demetrius von den Bergen herab den Franken zur Hilfe geeilt und von 
mehreren Kreuzfahrern beobachtet worden. Eben diese Hilfeleistung 
sei auch — so berichtet Tudeb. p. 81 ~ einem Priester Stephanus 



272 Erlauterun^^*'!! zn IX, 8, 4. 5. 

in einem Gesichte vorher angezeigt worden. Die in den Erzahlungen 
und besonders in unserem Briefe genannten Heiligen wurden im Morgen- 
lande verehrt und waren den Kreuzfahrern nieht minder verehrungs- 
wert und vertrauenerweckend. Dass sie namentlich im Briefe ver- 
zeichnet werden, durfte auf die Entstehung desselben unter griechischem 
Einflusse hinweisen, und es ist immerhin zweifelhaft, ob ein Abend- 
lander aus eigenem Antriebe gerade diesen Passus geschrieben haben 
wiirde. Die Sage selbst von der Hilfeleistung des Himmelsheeres unter 
der Anfiihrung der genannten Heihgen verdankt ilire Entstehung niclit 
sowohl dicliterischer Phantasie als vielmehr jener Erregung, welche 
durch die zuweilen ungeheuere Notlage des Kreuzheeres und durch die 
Ofter unerwartet demselben zu teil gewordenen Siege entstanden ist. 
welche dann in iippiger Fiille Visionen gezeitigt hat, mit deren Erzah- 
lung die gleichzeitigen Darsteller der Kreuzzugsgeschichte keineswegs 
kargen. — Ueber den hl. Georg, der sich nach Raim. 290 einem 
Priester Desiderius als der ,.uexillifer" des Kreuzheeres geoffenbart habe 
und dessen Gebehie von Antiochien nach Rama vom Kreuzheere mit- 
gefiihrt wurden, sowie iiber die Literatur, welche diesem Heiligen ge- 
widmet ist, vgl. nebst Act. SS. BoII. 23. April in p. 100—164 meine 
Angaben in HE 67, HG 147. 206. 375, und Potthast Bibl. hist. II, 1333, 
ebenfalls zu IV, 6 n. 30, und zu XXI, 5 n. 27. Auch iiber Demetrius, 
den aus Thessalonich stammenden Proconsul, welcher am 8. October 
290 den Martyrertod erduldet haben soll, vgl. AA. SS. Boll. 8. Oct. IV, 
87 — 209 und HG 375. Theodorus ist wohl unter der grosseren 
Zahl der Heihgen gleichen Namens jener, welcher den Beinamen Stra- 
tolates fuhrt, der am 7. Februar 319 im Pontischen Heraklea gestorben 
sein soU. Man vgl. uber ihn: Acta SS. BoII. (1658) 7. Febr. H, 23—27, 
890, und SuriusVitae SS. (1619) II, 79—81; Cornelius, Eccles. Venet. 
II, 257-265; XI, 323-327: Riant, Exuu. I, 150-158, u. Potthast 
II, 1595. — Wer der Basilios — denn dieser Name ist sowohl mit 
Blasius wie mit Balsius gemeint, der iibrigens sonst von keinem Kreuz- 
zugsschriftsteller genannt wird — gewesen, ist, wenn man nicht annehmen 
will, dass der Verfasser unseres Briefes den hl. Basilios, den Erz- 
bischof von Caesarea, gemeint habe, weil dieser gegen die Arianer mit 
geistigen Waffen gekampft hat , schwer zu sagen. Im Repertoire 
von Chevalier p. 233 — 236 werden noch 28 Heilige dieses Namens 
aufgefiihrt, von welchen bei Weitem die grOssere Halfte dem Morgen- 
lande angehOrt. Wir verzichten darauf, auch nur die Vermutung aus- 
zusprechen, welcher von denselben etwa gemeint sein kOnnte. Die 
allermeisten waren Bischofe und Erzbischofe, allerdings wird unter den- 
selben auch ein Soldat genannt, welcher an einem 30. Juni des III. Jahr- 
hunderts gestorben sein soll, iiber den aber alle weiteren Nachrichtcn 
fehlen, sowie ein Presbyter, der im Jahre 363 in Ankyra in Galatien 
den Martyrertod erduldet haben soll, vgl. AA. SS. BoII. 22 xMart. III, 
380 — 383. Im Uebrigen verweise ich noch auf Ord. Vit. ed. le Pre- 
vost III, 559; ebenfalls auf Delaville le Roulx, Cartul. III, 360, wo in 
n° 3657 unter den von Karl I von Anjou, KOnigs von Neapel, an die 
S. Johanniskirche zu Aachen geschenkten Reliquien auch die „reliquiae 
sancti Blasii martyris" genannt werden. — 12. In Epist. Patriarehae et 



Epistula Patriarcliae Hierosolymitani ad occidentales. 273 

Hademari, oben VI, 8, sagen die Verfasser derselben: „tria bella fe- 
cimus", und wir haben eben da in n. 16 als die letzte dieser drei 
Schlachten diejenige an der Eisenbriicke angenommen ; wir mussen 
demnach jenen Brief als zu Anfang der Belagerung Antiochiens ge- 
schrieben ansehen. Nach unserem vorhegenden Briefe sind nun aber 
schon 5 grSssere Schlachten vom Kreuzheere gehefert gewesen, wes- 
halb derselbe in spaterer Zeit als jener abgefasst worden sein muss. 
Die 2 weiteren Schlachten sind die gegen die Turken von Harenc, 
woriiber oben VIH n. 55 die Rede ist, und die vom 31. December 1097, 
in welcher nach Gesta 134 (XIII, 4 — 6) gegen ein den Belagerten in 
Antiochien zu Hilfe kommendes grosses Tiirken- und Sarazenenheer 
20000 Franken im Haleppinischen (in terra Saracenorum) einen glan- 
zenden Sieg erfochten haben. Es ist hieraus zu folgern, dass unser 
Brief im Januar 1098 verfasst worden ist. — 13. Der ganze Abs. 3 
ist eine Umschreibung der Worte des ersten Briefes des Patriarchen, 
VI, 3: „uerum et uere pro nobis pugnat Deus". 

14. Peyre II, 492: „au nom de Dieu et au notre". — 15. omnis- 
que ordo Domini ist identisch mit ,,uniuersaque militia Domini" in 
Abs. 1. — 16. praecipiendo: durch herzliches Ermalmen. — 
17. Peyre II, 492 : „prenez la couronne par laquelle vous devez do- 
miner sur les fils de ridolalrie insurges contre moi" ; doch ist der Sinn 
dieser Worte ein anderer, ab steht hier in der.Bedeutung von „durch" : 
sie m5gen die ihnen vorher bestimmte Siegerkrone in Empfang nehmey, 
durch die veranlasst, welche als Sohne des Gotzendienstes gegen Gott 
sich empOren. c o r o n a ist nicht das Mittel , durch welches die Un- 
glaubigen besiegt werden, sondern der Lohn, welcher ihnen wegen 
;ihres Kampfes gegen die Unglaubigen zuteil werden soU. Vgl. a. VI, 4. 
- 18. Diese Worte sind denjenigen Christi bei Matth. 25, 34 nach- 
gebildet: „uenite benedicti patris mei, possidete paratum uobis reg- 
num a constitutione mundi". — 19. ad eundem locum: Jerusalem. 
Diese Worte des Briefes haben iibrigens keineswegs die Beweiskraft, 
welche Peyre a. a. 0. ihnen gegeben hat, der hieraus folgern zu mussen 
glaubte, dass der Brief in den Mauern Jerusalems abgefasst worden 
sein miisse. Jerusalem war allerdings das Ziel, welches das Kreuz- 
heer zu erreichen suchte; dass dasselbe aber schon erreicht war, ist 
in diesen Worten nicht ausgedriickt. Die vor Antiochien kampierenden 
Kreuzfahrer konnten wohl also schreiben, umsomehr, als sie die bal- 
dige Erreichung dieses Zieles in nicht gar langer Zeit in Aussicht ge- 
habt haben. Die Abendlander zur Hilfeleistung nach Antiochien ein- 
laden, konnten sie eben darum nicht, weil sie hoffen durften, in nachster 
Balde auch diese Stadt erobert zu haben und weiter gen Jerusalem 
ziehen zu konnen. — 20. Vgl. I Petr. 2, 21: „in hoc enim uocati 
estis, quia et Christus passus est pro nobis, uo])iS rehnquens exemplum, 
ut sequamini uestigia eius". 

21. Nach ROm. 6, 10: „quod enim mortuus est peccato, mortuus 
est semel: quod autem uiuit, uiuit Deo. ita uos existimate uos mor- 
tuos quidem esse peccato, uiuentes autem Deo". — 22. „Denn das 
Schwierigere haben wir uberstanden" — namhch die Bekampfung des 
I Feindes, die Belagerung und Eroberung der Kastelle und Stadte — 

Hagenmever, Epistulae ot Chartae. 18 



274 Eiiauterungen zu IX, 5. 6; X, 1. 2. 3. 

^.aber die Kastelle und Stadte auch im Besitz zu behalten, hat das 
Heer bedeutend vermindert", weil eine grosse Besatzungsmannschaft 
dafur nOtig war. — Ueber die „castra et castella", welche das Kreuz- 
heer erobert hatte, s. zu VIII, n. 88 und zu X, 4 n. 19. Ueber die 
grosse Anzahl der zum Schutze in Besitz genommener Stadte und 
Kastelle zuruckgelassenen Ritter vgl. X, 10. 

23. „Kommt also und eilt als solche, die mit dem Ehrenpreis (s. 
n. 17) beschenkt werden sollen". Peyre: „venez donc, hatez-vous de 
recueillir les recompenses promises". Die Worte „uidehcet terram fluen- 
tem lacte et melle manantem" sind wohl spaterer Zusatz, welcher hinzu- 
gefugt wurde, nachdem in der That das Land schon erobert war. — 

24. undique uiae: wir haben durch die Vergiessung unseres Blutes 
auch die Bahn geebnet, so dass sie uns iiberallhin offen steht. — 

25, Diese Worte entsprechen den Schlussworten von VI, 2: „cum 
paucis siquidem ad nos potestis uenire, sed deinceps de uestro Deus 
prouidebit uiuere". Den Sinn giebt richtig wieder Peyre II p. 493: 
„n'apportez rien avec vous, si ce n'est les choses indispensables pour 
le voyage". — 26. dimittantur i. e. relinquantur. Dass eine grosse 
Anzahl Frauen, verheiratete und unverheiratete, das Kreuzheer begleitet 
haben, wird von den Kreuzzugsschriftstellern Ofters erwahnt, so voii 
den Gesten IX, 5; XII, 6; XXIV, 2; sollen doch nach Albert III, 37 
„plurima miha" Frauen und Kinder vor Antiochien zum Frankenheere 
gehOrt haben. Dass hier in unserem Briefe kurzweg ins Abendland 
geschrieben wird, die Frauen vorerst noch daheim zu lassen, kommt 
wohl daher, dass man damals dieselben als ein Hindernis beim Zuge 
betrachtete und mit ihnen ohne Zweifel mitunter schon recht schlimme 
Erfahrungen gemacht hatte, wovon der Verfasser der Gesta in c. XXIV, 2 
unverbliimt und unmissverstandlich zu berichten weiss ; vgl. a. zu XVII, 
11. — 27. Wo 2 im Hause sind, komme einer u. zw. der, welcher 
vor dem andern zum Kriege tauglich und deshalb weniger als der andere 
durch Schwierigkeiten abgehalten ist. Nicht ganz conform den Worten 
des Verfassers ist die Uebersetzung Peyres II, 493: „rune des 2 per- 
sonnes vienne avec son equipage de guerre". — 28. apostolicus: 
ohne in Verbindung mit „patriarcha" ware hier der vom Papst zu seinem 
Stellvertreter beim ersten Kreuzzuge erwahlte Bischof Ademar von Puy. 
S. iiber ihn zu II, 2. Doch ist die Version der Codd. ABC nach 
welcher „patriarclia et apostoHcus et episcopi* zu lesen ware, eine spii- 
tere Emendation aus dem ursprunglichen „apostohcus patriarcha" : im 
urspriinglichen Schreiben diirfte wohl darunter allein der Patriarch von 
Jerusalem zu verstehen sein; „apostohcus patriarcha" nennt sich hier 
Simeon, weil sein Amt von den Aposteln herriihrte. — 29. Dieser 
Passus enthalt nur mit andern Worten, was oben VI, 5 die Epistula I 
Patriarchae verkiindet : „uere sint excommunicati, quicumque fuerint sancta 
cruce signati et remanserint apostatae facti". — 30. Die richtige Lesart 
haben offenbar die Codd. MVZ. Dass die Version wie sie diese Codices 
aufweisen, die urspriingliche ist, bezeugen vornehmhch auch die Worte 
„omnisque ordo orthodoxorum", welche spatere Kopisten im Abendlande 
als anstOssig weggelassen haben: denn dass diese Worte im Abend- 
lande erst dem urspriinglichen Texte beigefiigt worden sein sollen, ist 



Epistula II Stephaiii comitis Carnotensis ad Adelam uxoreni. 275 

iinannehmbar. Vor „patriarcha" einen Punkt zu setzen und mit ^facite" 
zu verbinden, wie Martene gethan hat, ist durchaus unstatthaft; viel- 
mehr ist, auch nach der Version der Codd. „patriarcha et apostolicus 
et episcopi" mit „remouemus'' zu verbinden: vvie wir, der Patriarch, der 
ApostoHcus und die Bischofe diejenigen, welche das Geliibde brechen, 
exkommunizieren, so thut auch ihr, dass ihr denselben in ihrer Heimat 
kein Begrabnis gestattet, es sei denn, dass sie einen triftigen Grund 
ihres Ausbleibens anzugeben wissen. — Im Uebrigen ist in diesen 
Worten unseres Briefes dasselbe ausgesprochen, w^as der Patriarch oben 
VI, 5 mit den Worten sagen will: „obsecramus, quatinus eos omnes 
anathematis gladio percutiatis, nisi nos sequantur". 



X. 

Epistula II Stephani comitis Carnotensis ad Adelam 

uxorem. 

^•^^Geschrieben am 29. Marz 1098 aus dem Lager vor Antiochien.) 

1. Ueber Stephan von Blois vgl. Einl. S. 48 f. und zu IV n. 1. — 
•^. Ueber Adela, Stephans Gattin, zu IV, n. 2. — 3. Ueber Stephans 
.Kinder zu IV, n. 14. — 4. Epistula I Stephani (IV, I): „salutem et 
-gratiam et apostoHcam benedictionem". 

5. Dieser nuntius ist der Bote, welchen Stephan als den Ueber- 
'iringer dieses Briefes von Antiochien ins Abendland gesendet hat. Es 
ist anzunehmen, dass derselbe auch anderweitige Auftrage bezw. Brief- 
^chaften besorgte. Die Reisekosten hat ohne Zweifel Stephan bestritten. 
Diese interessante Mitteilung von der Sendung eines Boten wirft ein 
Licht auf die BefOrderungsart solcher Schreiben aus dem Frankenlager. 
In ahnlicher Weise mOgen auch die andern Herren verfahren sein. 
— 6, omni prosperitate magnificatum: „in allem Glucke gross- 
gemacht". Wie Stephan dies versteht, giebt er des Naheren im fol- 
genden Abs. 3 an. — 7. Der Brief w^urde, wie unten Abs. 16 ange- 
geben wird, am Ostertag den 29. Marz 1098 geschrieben, uiid ist der 
Bote demnach in den folgenden Tagen u. zw. nach dem 31. Marz vom 
Lager vor Antiochien weggegangen, s. n. 9. — 8. s e d e s d. i. seditio, 
franz. siege. „dicitur autem exercitus sedem tenere uel facere, cum in 
castris sedet", s. Du Cange Gloss. ad uoc. u. Rec. Hist. occ. III, 888, n. a. 
« e d e s D o m i n i I e s u : die vom Herrn Jesus geleitete oder die zu 
Ehren desselben vorgenommene Belagerung. — 9. Vom 21. October 
1097, dem Tage der Ankunft des Kreuzheeres vor Antiochien, bis 
31. Miirz 1098 sind es genau 23 Wochen, welche vergangen wjiren 
(tenueramus), als der Bote abgesendet worden ist. 

10, scias pro certo. Auffallend ist die 5ftere Wiederkehr gleich- 
lautender Ausdrucke, welche sich auch in Epistula I Ansehui („scitote 
pro certo" in VIII, 12 und XV, 21) vorfinden. — 11. In seinem ersten 
Briefe (IV, 12) schrieb Stephan an Adele, dass der Kaiser Alexios 

18* 



276 Erlauterungen zu X, 3. 4. 

nach der Eroberung Nicaeas alle Fursten aus seinen Schatzen zu l)e- 
reichern beschlossen habe, welcher Beschhiss auch ausj^efuhrt worden 
sei, aber auch schon frfther habe der Kaiser die Fiirsten wiihrend ihres 
Aufenthaltes in Constantinopel reichhch beschenkt : IV, 3 : ,,onnies priu- 
cipes nostros largissime ditat". Daher mag denn auch vornehmhch 
der Reichtum an Gold und Silber und anderen Gegenstanden, den Stephan 
fur doppelt so gross hielt, als der war, mit dem ihn seine Frau bei 
seiner Abreise bedacht hatte, herriihren, dessen er sich an unserer 
Stelle ihr gegeniiber geriihmt hat. — 12. Das c o n s i 1 i u m c o m ni u n e 
totius exercitus ist der gemeinschaftliche Beschluss der Leiter des 
Heeres. Dass die Grossen des Heeres, die Fuhrer der einzelnen Heer* 
haufen diesen Beschluss gefasst und Stephan zu ihrem „prouisor et- 
gubernator" gewahlt haben, welcher Beschhiss selbstverstandhch als ein 
Beschhiss des ganzen Heeres angesehen werden konnte, geht auch aus 
der Mitteilung der Gesla XXVII, 1, hervor: „Stephanus, quem omnes 
nostri maiores elegerunt, ut esset ductor nostrorum". Mit „consiHum 
commune totius exercitus" soll nicht etwa angegeben werden, dass das 
ganze Heer sich versammelt und den betrelfenden Beschluss gefasst- 
habe, sondern dass der Fiirsten Beschhiss als ein Beschluss des ganzen 
Heeres zu betrachten sei. — 13. prouisorem atque guberna- 
torem me constituerunt. Mit dieser Angabe Stephans stimmen 
auch Gesta XXVII, 1; Tudeb. 74; Raim. 258 und Albert II, 23 uber- 
ein. Nach Albert hatte Stephan diese Fuhrerschaft schon w^ahrend der, 
Belagerung Nicaeas erhalten, welche Annahme jedoch der Wirklichkeit 
nicht zu entsprechen scheint; sonst hatte Stephan, dessen Ruhmi'edig- 
keit und stark hervortretende Eitelkeit aus seinen Briefen deutlich er- 
kennbar ist, diese ihm gewordene Ehrung gewiss schon im erstei 
Briefe (IV) an Adele erwahnt und niclit iibergangen. Daraus aber, dass 
er und Graf Raimund nach der Eroberung Nicaeas im Lager der Frankei 
zurtickgeblieben waren, als die iibrigen Fiirsten sich zu Kaiser Alexios 
begaben, kann noch nicht gefolgert werden, dass Stephan damals schoi 
das Haupt des ganzen Heeres gewesen sei. Die Bezeiclinungen diesei 
seiner Stellung bei den Gesten mit ductor, bei Tudeb. und Alber 
mit caput, bei Raimund mit dictator besagen dasselbe, w^as dit 
Ausdriicke im Briefe bedeuten. Sybel in Geschichte des ersten Kreuz- 
zuges S. 11 meint, dass man ohne des Grafen eigenes Zeugnis sicl 
starker Zweifel gegen die ganze Sache nicht erwehren kOnne, und fiigi 
hinzu: „in der Schlacht bei Dorylaeum z. B. ist das Heer in 2 Teile-l 
getrennt, und Stephan befindet sich bei den Normannen, die den ersteaj 
Kampf gegen KiHdsch-Arslan zu bestehen haben, aber kein Wort wird^ 
gesagt von seinen leitenden Anordnungen, im Gegenteil ergreift auf dei 
Stelle Boemund den Oberfehl und fiihrt den Tag zur gUickhchen Ent- 
scheidung", das ist vollkommen richtig, aber es steht auch nirgends, 
dass Stephan vor der Schlacht bei Dorylaeum schon zum Oberbefehls- 
haber sei ernannt worden — ohne Zweifel ist dies nach derselben ge- 
schehen, zudeni man gerade damals den Mangel einer einheitUchen 
Leitung sehr empfunden hat und von da an, wie Anselm sich (VIII, 8) 
ausdruckt : „principes nostri in unum commanentes ab inuicem non sunt 
separati" s. zu VIII, 8 n. 42 ; auch ist daraus, dass Stephan hier schon 



rl 



Epistula II Stephani comitis Carnotensis ad Aclelara uxorem. 277 

^m Anfang des Briefes vor der Erwalinung der Schlacht bei Dorylaeum 

im Zusammenhang mit den ubrigen seine Person betreffenden Mittei- 

hmgen seine Ernennung zum „prouisor et gubernator exercitus" meldet, 

noch nicht bevviesen. dass er auch vor dieser Schlacht schon dieses 

Amt inne gehabt haben miisse, vielmehr erwahnt er nur, dass er jetzt, 

wo er diesen Brief schreibe, mit diesem Amt bekleidet sei, wie er auch 

jetzt (Ende Marz 1098) doppelt so vielen Reichtum sein nenne. Er war 

aber derart von dem Besitze seines Reichtums und dieser innegehabten 

Ehrenstelle eingenommen, dass er die seine Person betreffende Mittei- 

lung auch allen weiteren Angaben vorgesetzt hat. Wahrscheinlich hat 

Stephans grosser Reichtum vornehmlich dazu beigetragen, dass er von 

den Fursten diese Stellung bekommen hat, denn dass er ein hervor- 

ragendes Feldherrntalent besessen hatte, ist nirgends erwahnt. Auch 

diirfte sein Naturell, das den politischen Treibereien abgeneigt war, 

einem Boemund und Raimund und den ilbrigen Fiirsten unschadlich 

[-erschienen sein, wenn es sich darum handelte, ihre Sonderinteressen 

lurchzusetzen. Denn dass er ein friedlicher Charakter war und dabei 

fRUch fremden Einfliissen nicht unzuganglich, geht aus allem hervor, was 

ir selbst uns mitteilt und was andere iiber ihn berichten. Hatte er 

nicht vor Antiochien aus dem Lager heimlich sich entfernt, um ins 

Abendland zuriickzukehren (s. unten zu XVII, 7, n. 33), ware ihm wohl 

lie Krone Jerusalems sicher gewesen. Die Stellung Stephans im Kreuz- 

[heere ist durchaus verbiirgt und wirft ein Licht auf die banale Redens- 

[art: „der erste Kreuzzug unter Gottfried von Bouillon". Gottfried war 

fiiie auf dem ganzen Marsche der Hauptanfiihrer des ganzen Heeres, 

i;ein Ruhm datiert erst daher, dass die Fiirsten ihn zum Herrn von 

Ferusalem erwahlt hatten: unter dem Einflusse dieser Thatsache sind 

[auch die nach 11 00 verfassten Kreuzzugsschriften verfasst worden. Die 

[filtesten Erzahlungen, die Gesta und Raimund de Ag., kennen nur den 

Stephan als den Hauptanfiihrer des Zuges, bis dieser das Lager ver- 

lasst, dass aber spater bis zur Eroberung Jerusalems ein anderer an 

lessen Stelle getreten ware, wird nirgends erwahnt, sofern wir von 

[dem geistlichen Vertreter des Papstes absehen wollen, der iibrigens 

[Ton Anfang an als solcher im Heere fungiert hat. S. oben U, 2 n. 16 

md Gesta XXVII, 1, 2. — usque ad tempus: bis auf Weiteres, 

fauf unbestimmte Zeit. Peyre II, 475: „jusqu'a nouvel ordre". 

14. Ueber dieEroberungNicaeas hatte Stephan in seinem ersten 
Briefe IV, 9 Naheres mitgeteilt. Vgl. a. HChr. n^ 160 und HG 190 ff. 
— 15. Die non modica pugna ist die sogen. Schlacht bei Dory- 
laeum am 1. Juli 1097. Ueber sie vgl. zu VIII, 7 sowie HG 194. 
Riant macht im Invent. p. 169 zu dieser Mitteilung Stephans die Be- 
merkung: er gehe liber den Bericht der Schlacht bei Dorylaeum rasch 
hinweg, wie wenn Adele von ihm schon einen ausfiihrlichen anderwei- 
tigen Bericht empfangen gehabt habe; es sei darum nicht unmOglich, 
dass zwischen dem von Nicaea aus geschriebenen und dem vorliegen- 
den Briefe er an seine Frau einen weiteren Brief geschrieben gehabt 
Jiabe, welcher nicht auf uns gekommen sei; dennoch scheinen ihm die 
Ausdriicke, deren Stephan sich bedient, nicht bestimmt genug um eine 
besondere Erwahnunor dieses zweifelhaften Dokuments beorriinden zu 



I 



278 Erlauterungen zu X, 4. 

kOiinen. Allerdings ist es nicht unmOglieh, dass in der langen Zeifc « 
von 10 Monaten Stephan wiederholt an seine Frau geschrieben hat. 
War dies in der That der Fall, so kOnnten die Worte in unsereni Briefe 
eben nur als eine weitere Bestiltigung dafiir gelten ; allein ohne ander- 
weitige Beweisgriinde dafiir zu haben, ist es zu gewagt, dies aus den- 
selben behaupten zu wollen, da ja Stephan die Worte satis audisti 
ebensogut in der Voraussetzung hat schreiben kOnnen, dass Adele von 
anderwarts her zur Genuge iiber jene siegreiche Schlacht wird unter- 
richtet gewesen sein, denn sicher war die Nachricht von dieseni Kampfe 
im Abendland nicht unbekannt geblieben, und wenn dies allein durch 
jenen ersten im November 1097 geschriebenen Brief Anselms (VIII) 
geschehen wilre; vielleicht war auch dem Stephan in einem von seiner 
Frau erhaltenen Briefe mitgeteilt worden, dass sie davon zur Genuge 
unterrichtet w^orden sei, soweit man liberhaupt im Lande davon in Er- 
fahrung gebracht hatte. — 16. Domino adquisiuimus, derselbe 
Ausdruck auch in Epistula I Anselmi, VIII, 12; vgl. a. IX, 1 n. 5. — 
17. In Epistula Alexii, I, 13 werden Cappadocia minor et maior 
genannt, welche Zweiteilung auch im Altertum in Geltung war. Unter 
ersterem verstand man Cappadocia Taurica, unter letzterem Cappadocia 
Pontica. Cappadocia als eine kleinasiatische Provinz wird auch von 
Anna Komn. ed. Bonn. I, 171, 13; 303, 22; 304, 4 und II, 251, 8 
genannt. S. a. oben zu I, 13 n. 47. — 18. Von Assam oder Asan gibt 
ebenfalls Anna einige Nachrichten u. zw. zunachst in I. XI, 3, ed. Bonn. 
II, 85, wo sie ihu als einen Gegner der Franken und nebst Taniskan 
als einen Anfiihrer in der Schlacht bei Hebraica (Caesarea?) nennt. 
woriiber zu vgl. oben VIII, 8, n. 46, sodann in 1. XIV, 1, ed. Bonn. II, 
251 f., wo sie dessen im Jahre 1109 gegen Philokales von Phila- 
delphia unternommenen, aber fiir Asan sehr nachteiligen Feldzug er- 
zahlt. Ebenda nennt sie Asan den Oberstatthalter (archisatrapes) voii 
Kappadocien. Allem nach war er in machtiger Stellung, welche er 
auch im genannten Jahre 1109, trotzdem ihm die Kreuzfahrer nacli 
Stephans Bericht alle Burgen abgenommen hatten, ungeschwacht ein- 
genommen zu haben scheint. AIs der griecliische Feldherr Philokales 
Eumathios bei Lampe gegen die Turken siegte und dabei die Grau- 
samkeit beging, tilrkische Kinder in siedendem Wasser zu toten, wes- 
halb die dem Schwert und der Gefangenschaft entronnenen Tiirken ihre 
Glaubensgenossen zur Rache autforderten, da entschloss sicli Asan, der 
iibrigens die Einwohner von Kappadocien wie Sklaven behandelte (loi^ 
dvTox^oai xaO-a^rrepei 'apyupcovriTOK; xP^^^^o<^)y gegen Philokales, der 
sich in Philadelphia aufhielt, mit 24000 Mann ins Feld zu ziehen. AIs 
er vor dieser Stadt angekommen war, wurde er durch eine Kriegslist, 
welche Philokales anwendete, getauscht: Philokales bess namlich, weil 
seine Truppen an Zahl viel geringer waren als die Asans, dieselben in 
der Stadt sich verbergen ; niemand sollte auf die Mauern steigen, aller 
Larm wurde untersagt, so dass man vernuiten musste, dass sie ganz 
menschenleer sei. Asan, da er wahrend dreier Tage niemanden auf 
den Mauern oder an den Thoren sah und glaubte, dass des Eumathius 
Heer zu klein sei und nicht hervorzubrechen wagen wiirde, teilte sein 
Heer in 3 Haufen und liess den eineri nach Kerbionum, den andern. 



sl 



Epistula II Stephani comitis Carnotensis ad Adelem uxorem. 279 

nach Smyrna iind den dritten nach Pergamus marschieren, durch welche 
Teilung er dasselbe derart schwachte, dass es fur Philokales ein Leichtes 
war, wenigstens die zwei ersten Haufen vollstandig zu schlagen. Allem 
nach fallt dieser Feldzug Asans ins Jahr 1109, wohin auch Muralt 
p. 107 ihn verlegt. Aus der Mitteilung Stephans darf gefolgert wer- 
den, dass in Kappadocien die Turkenherrschaft noch ungebrochen war» 
als das Kreuzheer in Ergle anlangte. Um diese zu brechen und sich 
den Rucken frei zu machen bei der beabsichtigten und bevorstehenden 
Eroberung Syriens, freihch auch um einen bequemeren Weg eiuzu- 
schlagen als den uber das sudhche Taurusgebirge, zogen sie von Ergle 
an wieder nOrdhch in das Gebiet von Kappadocien und nach Caesarea, 
dessen Hauptstadt, andernfalls der Marsch, den das Gesamtheer von 
Ergle nach Antiocliien zu machen hatte, auf einem nahern Wege hatte zu- 
riickgelegt werden kOnnen. Gerade die Stephansche Mitteilung legt es 
nahe, dass in betreff des Weitermarsches die Besitznahme Kappa- 
dociens und dessen Befreiung vom Ttirkenjoche als ausschlaggebend 
zu betrachten ist; wahrscheinhch ist es auch, dass da und dort die 
den Turken feindhch gesinnten Einwohner des Landes hulfesuchend 
sich an das Kreuzheer gewendet haben. Vgl. Gesta X n. 41. Dass 
Asan identisch sein soll mit Yagi Sijan, der von den Abendlandern 
auch Axianus oder Cassianus genannt wird, dem Befehlshaber Anti- 
ochiens, wie Du Cange ed. Annae Komn. Alex. ed. Bonn. II, 620 ange- 
lommen hat, ist ein Irrtum. — 19. Wenn man bedenkt, dass das 

[reuzheer ca. 10. September 1097 in Ergle war (s. HG 215 und HChr. 
i^ 181) und am 21. October schon vor Antiochien angelangt ist (s. oben 
:u VIII, 9, n. 49 und HChr n^ 203), so ist Kappadocien in unverhalt- 
lismassig kurzer Zeit in die Gewalt der Franken gekommen, und dazu 

'^aren jedenfalls keine grossen Anstrengungen notig, andernfalls die kurze 
iCit nicht hingereicht haben wurde, alle Kastelle mit Gewalt zu er- 
>bern. Ohne Zweifel wurde nur selten von den Turken Widerstand 
;eleistet, und wenn dies einmal vorgekommen ist, so liessen die Franken 
jvon der weiteren Belagerung ab, wie dies vor dem firmissimum 

astrum in alta rupe situm der FaJl war. Stephan will an un- 
>erer Stelle sagen : Wir schlugen Assam in die Fhicht, dass er in eineni 
jehr festen, auf einem Felsen gelegenen Kastelle seine Zuflucht suchte, 
[welches wir ferner auch nicht belagert haben. — Dies Kastell ist 
offenbar identisch mit jenem in den Gesten XI, 1 erwahnten, auf der 
Route zwischen Ergle und Caesarea gelegenen „quoddam castrum, quod 
tam forte erat, ut nihil ei possent facere". Doch ist es immerhin schwer 
zu sagen, welches dieses Kastell gewesen sei, vielleicht das von Anna 
genannte Agrustopolis, sofern dies Caesarea nicht sein sollte (s. zu 
VIII, 8, n. 46). — 20. unus ex nostris principibus. Die Gesten 
berichten: „erat autem ibi (namhch bei dem Kastelle, welches die Kreuz- 
fahrer wegen seiner starken Befestigung nicht angegriffen haben) homo 
quidam, nomine Simeon, qui in illa orta fuit regione, quique hanc 
petiit terram, quo eam de manibus defenderet inimicorum Turcorum, 
cui sponte illi dederunt terram, quique remansit ibi cum sua gente". 
Hienach war es einer der in Kappadocien (der Anon. der Gesta rech- 
iiete iibrigens Kappadocien zu Armenien s. VIII, 8, n. 44, zu welchem 



280 Erlauterungen zu X, 4. 5. 6. 7. 

iiach ihni auch Caesarea, wohiii das Kreiizheer nach diesen Vorftlllen 
gekonimen ist, gehOrte) «::eboren war; dennoch aber diirfte Stephari 
recht haben, wenn er ihn zn den Fiirsten des Kreuzheeres gereciinet 
hat, denn wahrscheinlich hatte er sich in jener Gegend dem Kreuzheere 
angeschlossen und gehOrte zu jenen kleinen armenischen Fiirsten, von 
denen auch u. a. bei Peterinann, Beitriige S. 106 die Rede ist. Nach 
Roger de Weudower II, 90 und Matth. Paris ad 1097 sehr zweifel- 
hafter Angabe soll er zu dem Gefolge Roberts von der Normandie 
gehOrt haben, s. HG 227. Ihm wurde also jene Gegend zwischen Ergle 
und Caesarea iiberlassen, damit er dieselbe gegen die TQrken vertei- 
dige; eine ansehnliche Mannschaft aus dem Kreuzheere blieb bei ihm 
zuriick, vgl. a. IX, 5, n. 20 und unten Abs. 10. 

21. Der Durchzug durch Armenienfand in den ersten drei 
Wochen des Octobers 1097 statt. — 22. S. zu VIII n. 44. Stephan 
unterscheidet zwischen Kappadocien und A r m e n i e n, nicht wie der 
Anon. der Gesten, der Kappadocien zu Armenien gerechnet hat. — 
23. Hienach sind auch Abteilungen des Kreuzheeres in der Verfolgung 
der Tiirken bis an den Euphrat vorgedrungen. Das Hauptheer ist 
jedoch siclier bis dahin niclit gelangt, vielmehr schlug es die Route 
ein von Caesarea nach Marasch, von da entw^eder direkt nach dem See 
Ofrenus und Antiochien oder iiber Aintab und von da ins Ifrinthal 
nach der Eisenbriicke, vgl. Gesta XI, n. 54. Moglich ist es, dass 
Stephan vornehmhch die Abteilung Balduins im Auge hatte, der uber 
den Euphrat nach Edessa gezogen ist und dabei mit den Turken Kampfe 
bestanden hat. S. HChr. n^ 199. — 24. in Arabiam fugerunt: 
zunachst nach Mesopotamien, welches Stephan mit Arabien verwechselt. 
— 25. Die Gesta XII, 1 berichten: „cum coepissemus appropinquare 
ad Pontem Ferreum, cursores nostri, qui semper solebant nos proce- 
dere, inuenerunt Turcos innumerabiles congregatos obuiam eis, qui dare 
adiutorium Antiochiae festinabant". Ohne Zweifel waren unter diesen 
auch Abteilungen von Suleimans Heer, welche auf ihrem Riickzuge 
nach Syrien eingedrungen w^aren. Wahrsclieinlich hat Stephan diese 
Mitteikmg eben aus jener Thatsache gefolgert, die uns die Gesta be- 
richten. — 26. Domino gratias dederunt. Man pries Gott wohl 
nicht deshalb, weil man w^ahrnahm, wie die Tiirken nach Antiochien 
eilten, um der dortigen Besatzung gegen die Franken Hilfe zu bringen. 
sondern darol), dass die Tiirken aus Furcht vor dem Kreuzzugsheere 
flohen und allerwarts den Riickzug antraten, auf welchem sie sogar 
beim Ueberschreiten des Euphrat in der Eile genOtigt waren, ihre Habe 
zuriickzuhissen. 

27. Ueber die principalis urbs Antiochia vgl. zu Gesta 
c. XXXII. — 28. Die Umlagerung Antiochiens begann am 21. October 
1097, s. zu VIII, 8, n. 47. 49; Gesta XII, n. 10; HChr. n^ 203. — 
29. Diese 7 Schlachten sind folgende : 1. die an der Eisenbriicke am 
20. Octo])er 1097, wo die Franken siegten und eine ansehnliche Beute 
machten (Geste XII, 1). 2. Der Kampf gegen die Tiirken des Kastells 
Aregh, Mitte November 1057 (Gesta XII, 5, u. oben VIII, 10 n. 55). 
3. Der siegreiche Feldzug von 20000 Rittern und Fussgangern ins 
Sarazenenland gegen die den in Antiochien Belagerten zur Hilfe ziehen- 



Epistula II Stephani comitis Carnotensis ad Adelam uxorem. 281 

tlen Turken, Araber und Sarazenen aus Haleb, Damaskus und andern 
Gegenden, am 28. Dezember 1097 und die Besiegung' derselben am 
31. Dezember 1097 (s. Gesta XII, 4 und 7). 4. Der keineswegs sieg- 
reiche Kampf gegen die Belagerten, welche am Dienstag den 29. De- 
zember 1097 einen Ausfall gemacht hatten, wobei eine grosse Zahl 
Franken gefallen ist (Gesta XIV, 1, 2). 5. Der Kampf am Antiochia- 
see aiii 9. Februar 1098 (Gesta XVII. 1 — 7) und am namUchen Tage 
vor den Thoren Antiochiens (ib. XVII 8 — 9). 6. Der Kampf vor Anti- 
ochien am Freitag den 5. Marz 1097 (Gesta XVIII, 3) und die grosse 
J>Jiederlage der Tiirken am Samstag den 6. Marz 1097 (Gesta XVIII, 
4—9). 7. Der Kampf und grosse Niederlage der Tiirken am 28. Marz 
(Abs. 16). Man sollte meinen, Stephan berichte nun seiner Frau im 
«inzelnen tiber alle diese Schlachten, allein, wie wir aus dem folgen- 
■den ersehen, thut er dies nur in Bezug auf die sub 5. 6. und 7 ange- 
fuhrten. — 30. sine omni numero = innumerabiles : derselbe Aus- 
druck auch in Abs. 10. — 31. Zu animas ad paradisi gaudia 
intulerunt vgl. m. ahnliche Gedanken unten zu XI, 5; XII, 1, 4, so- 
wie in Gesta VIII, 9 und XVIII, 4. 

32. Antiochia fortissima et inexpugnabilis: den- 
selben Eindruck von dem Aussehen Antiochiens und der fiir die da- 
malige Zeit gewaltigen Befestigungsanlagen dieser Stadt haben wohl 
valle Augenzeugen des ersten Kreuzzuges erhalten, weshalb auch Ste- 
phan und der Verfasser des Briefes an den Papst, XVIII, 4, sowie 
Albert III, 31. 32 fur sie den Ausdruck inexpugnabilis haben. 
V^iirde Stephans Brief zwei Monate spiiter geschrieben worden sein, 
50 wiirde jedenfalls dieses Wort von ihm nicht mehr ohne Ein- 
schrankung gebraucht worden sein, doch schreibt auch Raim. 242 B: 
(tenet autem haec ciuitas II miliaria in longitudine, muris et turri- 
Lus et antemuralibus ita munita, ut nulhus machinae impetus, nul- 
lius hominum adsultus , etiam si genus omne hominum conueniat, 
uereatur; tam munitissimam ciuitatem exercitus Francorum a septen- 
trionali parte obsedit" — allein der Gedanke bei Raimund, sowie auch 
bei den andern soeben genannten Schriftstellern ist der: was Menschen 
iinmOghch ist, ist bei Gott dennoch mOglich ; dass Antiochien einge- 
nommen werden konnte, ist allein der uirtus und clementia Dei zuzu- 
schreiben; und Fulch. 339 C schreibt: „est nempe Antiochia ciuitas 
magna ambitu, muro forti, situ uahda, quae etiam ab hostibus ex- 
ternis nunquam poterit comprehendi, si tantum inhabitantes pane mu- 
niti eam defendere uoluerint". Man vgl. a. die Beschreibung Anti- 
ochiens in Gesta c. XXXII und das dort Bemerkte, ebenfalls Raim. 241. 
242 und Fulch. a. a. 0., sowie HE 149. — 33. audaces, ein von 
Stephan in seinen beiden Briefen einigemale den Turken beigelegtes 
Epitheton, s. X, 5 und oben IV, 6. Ohne Zweifel hatte er deren kiihnes 
nnd mutiges Vorgehen oft zu sehen Gelegenheit gehabt. Ueber die 
Tapferkeit und Kriegskunst der Turken vgl. HG 206. — 34i V milia 
intra ciuitatem confluxerant. Standige Einwohner Antiochiens < 
vvaren Griechen, Syrer und Armenier, welche wohl auch die Mehrzahl 
gebildet haben, und seit der Turkenherrschaft auch Tiirken. Die muham- 
jnedanische Besatzung war seither wohl geringer als 5000 Mann und 



282 Erlauterungen zu X, 7. 8. J). 

wird sich erst durch dcn Zuzug von aussen in Folgc drr FUicht des 
Suleimanschen Heers vor den Kreuzfalirern vermehrt hal)en. Doch ist 
die Angahe iiber die waffenfiihige Mannschaft in Antiochien, wie sie 
Raim. 242 C macht, bedeutend hoher: „2000 optimi mihtes, 4 — 5000 
milites gregarii, 10000 pedites et eo amphus", al)er im Verhaltnis zu 
seiner andervveitigen iVngabe, dass das Kreuzheer 300000 Bewaffnete 
vor Antiochien betragen habe, weniger glaubwurdig als diejenige Ste- 
phans. Auch spater als die Franken Antiochien im Besitz hatten, wer- 
den von Galter in Bella Antiochena I, 2 als die Einvvohner neben den 

^Lateinern ebenfalls Griechen, Syrer und Armenier genannt. Beachtens- 
wert betreffs der BevOlkerung Antiochiens zur Zeit als die Kreuzfahrer 
diese Stadt umlagerten, ist die Mitteilung der Hist. belU sacri c. 35, 
dass beim Heranmarsche des Kreuzheeres die christHchen Priester, Dia- 
konen und MOnche, ebenso alle Laien, die Griechen, Armenier und 

> Surianen und alle, die Waffen zu tragen vermochten, mit Ausnahme der 
Weiber, Kinder und des Patriarchen aus der Stadt hinausgewiesen 
worden seien. Letzteren hielt man in eisernen Fesseln zuruck, denn 
in den Augen der Tiirken war er ein Heihger, der durch seine Gebete 
erwirken kOnne, dass die Stadt den Franken in die Hande fallen wiirde. 
„Die ausgewiesenen Christen'', heisst es a. a. 0. „waren bei uns vor 
der Stadt, aber ihre Frauen drinnen bei den Turken. Die Weiber 
w^einten um ihre Manner und diese wegen des Looses ilirer Weiber 
und Kinder und betteUen im Lager." Diese Mitteilung, obvvohl allein 
in der Hist. beUi sacri gegeben, ist sicher liistorisch und in den da- 
maUgen Verhaltnissen wohlbegriindet. Hienach vvird man auch die 
Nachricht Steplians zu beurteilen haben ; dennoch aber diirfte die Nach- 
richt Tudebods p. 48 nicht unrichtig sein, nach w^elchem auch Armenier. 
Syrer und Griechen in Antiochien sich aufgehaUen hatten, die auf den 
Befehl der ttu'kischen Tyrannen taglich veranlasst vvorden seien, auf 
die Belagerer vor der Stadt Pfeile abzuschiessen — denn es Uegt 
die Annahme nahe, dass auch ein Teil der Genannten den Ttirken 
nicht verdachtig gewesen und deshalb nicht ausgevviesen vvorden ist. 
— 35. Die Publicani — auch die Gesta und deren Kopisten haben 
den namlichen Ausdruck — sind identisch mit Pauliciani, einer 
manichaischen Sekte, welche sich hauptsachUch in Armenien ausge- 
breitet hatte, deren GUeder aber infolge Glaubensbedriickung vonseiten 
der Griechen zur Zeit Leos des Armeniers (813 — 820) mit den Sara- 
zenen sich verbunden haben und Feinde der Griechen geworden sind. Na- 
lieres tiber dieselben und die von ihnen handelnde Literatur s. in Gesta 
p. 232 und bei Korapet ter Mkrtschian, Die PauUcianer im byzant. 
Kaiserreiche und verwandte ketzerische Erscheinungen in Armenien, im 
BuUetin critique 1895 n^ 5 ; vgl. a. de Boor, Der Bericht des Georgios 
monachos iiber die PauUcianer in BZ. VII, 40 — 49. — 36. Die Turco- 
politani sind identisch mit den Turkopulen, d. s. nach Raim. 246 C: 
„qui uel nutriti apud Turcos, uel de matre Christiana patre Turco pro- 
creantur". Solche standen nicht nur in turkischen, sondern auch m 
griechischen Diensten (s. Gesta XIII, 5), ebenfalls in frankischen, u. zvv^ 
im Dienste Rogers von Antiochien, s. Galt. Canc. I, VI, 8, n. 48. — 
37. Welche unter den aliae diuersaegentes Stephan gemeint hat>. 



Epistula II Stepliani conaitis Carnotensis ad Adelam uxorem. 28^ 

ist schwer zu sageii, da gerade dieser Ausdruck von Stephan gebraucht 
worden sein durfte, um seine eigene Unkenntnis zu verdecken, — 38. Die 
Zahl der Einwohner bezw. der damahgen BevOlkerung, welche 
zum Teil von auswarts nach Antiochien gefluchtet war, nur annahernd 
zu bestimmen, ist nicht mehr mOghch. 

39. Derselbe Ausdruck inimici Dei et nostri auch Abs. 8 ^ 
und in Gesta XVIII, 2. 4. — 40. hucusque: bis Ende Marz 1098. 
S. n. 7 und HCiu-. n^ 253. — 41. sanctissima passio: nach Ste- 
phans AufFassung ein Leiden fiir des Herrn Sache (Abs. 4, n. 16), wel- 
ches das erwilhlte Heer des Herrn (Abs. 2) ertragen musste. — 42. Ueber 
die Hungersnot im Lager vor Antiochien berichten die Gesta, 
dass sie so gross gewesen sei, dass viele, weil sie Lebensmittel nicht 
ob der unerschwinghchen Preise sich kaufen gekonnt hatten, gestorben 
seien. Fulcher 341 B erzahlt: als die Gegend von Antiochien von 
unseren Leuten ausgeplilndert war, wurde hoch und nieder von einer 
sehr grossen Hungersnot heimgesucht. Man ass die Stengel der noch 
auf dem Felde wachsenden Hiilsenfruchte, verschiedene Krauter, ja so- 
gar die Distel, welche wegen Holzmangels nicht gar gekocht wurde 
und ebenfalls die Zunge verwundete; man ass Pferde, Esel, Kamele,. 
auch Hunde und Mause; ja die Aermeren verzehrten auch Tierhaute 
und sogar im Tierkote aufgefundene GetreidekOrner ; vgl. a. unten XV, 
12 u. HChr. no 226. — 43. Aehnlich lautende Worte bei Fulch. 341 C: 
„frigora, calores, pluuias densas propter Deum perpessi sunt". — 
44. Dass zuweilen die Kalte in den Wintermonaten fast ebenso stark 
eintreten kann wie in Frankreich, ist nicht zu laugnen; doch hatte 
Stephan diejenigen, welche die Hitze in Palastina fur kaum ertraghch 
hielten, nicht des Irrtums geziehen, wenn er selbst die Friihlings- und 
Sommermonate in Syrien zugebracht gehabt hatte. 

45. Die von Stephan hier gegebene Erzahlung wird auch von Kamal- ^ 
addin (bei Wilken I, Anh. S. 34; Rohricht, Beitr. I, 220; Rec. Hist. or. H, 
329) bestatigt. Kamaladdin erzahlt: „als Yagi Sijan nach Antiochien ge- 
kommen war, sendete er seine 2 Sohne Schams ad-DauIa und 
Mohammed Asfar aus, um bei den muselmanischen Fiirsten um Hilfe 
nachzusuchen. Den ersten schickte er nach Damaskus zu Dokak und 
Togtekin und schrieb auch in derselben Angelegenheit an Djenah ad- 
Daula, an Waththal) ibn Mohammed und an die Araber des Stammes von 
Kelab. Mohammed Asfar wurde zu den Turkomanen an Kerboga und 
an die Emire und Konige der ostlichen Lander gesendet. Yagi Sijan 
forderte selbst schriftlich alle musehTianischen Fiirsten zur Hilfe auf. 
Ebenfalls berichtet Fulch. 340 A, dass Aoxianus (Yagi Sijan) seinen 
Sohn Sanxadones an den Sultan von Persien geschickt habe, dass 
er aufs schnellste ihm zur Hilfe kommen mOge. Diese Fulchersche 
Mitteilung hat Bartolf de Nang. p. 497 erweitert, indem er aus dem 
Briefe Stephans die von diesem erwahnten weiteren Namen seiner Er- 
zahlung einfugte, wobei er allerdings den Namen des Emirs von Jeru- 
salem, Sokman, einer anderweitigen Quelle entnonmien hat. Die Namen 
der von Stephan genannten Emire sind ihm walirscheinlich durch ge- 
fangene Turken mitgeteilt worden ; auch ist es selbstverstandlich, dass 
ihm, der die Oberleitung des Heeres in Handen hatte, derartige Vor-^ 



284 Erliiuterungen zu X, 9. 10 

kommnisst;, welclie durcli Uebcrlaufer, Spione und Gefangene uber das 
Verhalten der Feinde den Franken mitgeteilt wurden, vornelimlich auch 
zu seiner Kenntnis <»:ebraclit worden sind, wenn er aucii vom Heran- 
riicken der Feinde vor dem Zusanimentreffen mit densell)en nichts er- 
fahren hatte, wie aus Abs. 10 zu entnehmen sein durfte. — 46. Cas- 
pianus ist Yagi Sijan, der damalige Emir und Befehlshaber von 
Antiochien, ein Turkomane. Ueber die verschiedene Schreibweise seiues 
Namens, ebenfalls uber seine Herkunft s. zu HG 308. Im Briefe Boe- 
munds, XVI, 4, wird er als der „tyrannus ciuitatis Antiochiae" be- 
zeichnet. Nach Ibn Athun p. 18 (Weil, Gesch. d. Kalif. III, 1G3) war 
er, kurz bevor die Franken sich Antiochien genahert hatten, von seinem 
Feldzuge gegen Roduan von Haleb zurilckgekehrt. Seine Thatkraft und 
sein energisches Auftreten bewies er dadurch, dass er den Franken 
wiihrend einer 9 monatlichen Belagerung Widerstand geleistet hat. — 
47. Ueber Sensadolus, dessen Namen bei den Morgenlandern Schams 
ad-Daula lautet, der Sohn des Yagi Sijan, s. zu Gesta Xllt n. 15 und 
XXI, 2, n. 18. Kamaladdin berichtet a. a. 0., dass unter den den 
Antiochenern zur Hilfe eilenden Emiren sich auch der Sohn Yagi Sijans 
befunden habe; ob dies Schams ad-Daula oderMohammed Asfarwar, lasst 
sich nicht entscheiden; mOglicherweise sind sie beide mit den Hilfs- 
truppen herbeigezogen. — 48. Der Emir, welcher damals Jerusalem 
inne hatte, war Mo'in ad-DaulaSokman ibn Ortok, s. fiber 
ilm Ibn al Athir 31; Weil, Gesch. d. Kalif. III, 166 u. HG 313. Er 
war, als die Franken diese Stadt am 7. Juni 1099 umlagert haben, 
uicht mehr Herr von Jerusalem ; Jerusalem war im Sommer 1098 unter 
egyptisclie Herrschaft gekommen, unter welcher sie die Kreuzfahrer 
im Jahre 1099 angetroffen haben. — 49. Der Furst von Haleb war 
R o d u a n, der Sohn des Tadj ad-Daula Tutusch, nach dessen im Jahre 
1095 erfolgten Tode wurde Roduan sein Nachfolger und regierte bis 
zum 10. Dezember 1113. S. Kamaladdin, 211. 243; Rec. 4. 602; 
Derenbourg, Vie d' Ous. p. 29. 30. 96, und HGa 146. — 50. Herr voi 
Damaskus war Dokak, der Bruder Roduans von Haleb; er regiertc 
vom Jan. 1095 bis 14. Juni 1105. S. Ibn Khalikan, Biogr. dict. I, 
274; Derenbourg, Vie d'Ous. 72: HGa 251. 314. — 51. Bolianuthj 
Nach Kamaladdin a. a. 0. hatte Yagi Sijan nach dem arabisclienj 
Tribus Waththab gesendet, wie aber der Emir desselben geheissen, 
konnte ich nicht eruieren. Bolianuth ist wohl der entstellte Namen fui 
Abu Ali Amid; so hiess der Nachfolger Al-Afdals, des fatimidischei 
Kalifen von Egypten, welcher aber damals, als die Franken vor Anti-j 
ochien lagen, noch ein kleines Kind und noch nicht an der Regierunj 
gewesen ist, und zudem auch deshalb nicht gemeint sein kann, weil 
der Kalife von Egypten mit den Kreuzfahrern ein Abkommen zu treffei 
im Begriffe gestanden hat, s. Abs. 11. — 52. Corathania ist Cho-^ 
rasan. Ueber den Gebrauch dieses verschieden lautenden Namens vgl. 
Rec. Doc, armen. I, 39 und HE 61. Der Sultan dieses Landes war 
Barkijarok, gegen den aber damals dessen Bruder Ghiyath ad-din Mo- 
hammed um die Sultanswtirde Krieg fiihrte, die er dann auch nach dem 
Tode Barkijaroks im Jahre 1105 erlangt hat. AVahrscheinlich ist unter 
dem Hamelnuth eben Ghivath ad-din Muhammed «remeint. Die Namen 



H 



Epistula n Stepliani comitis Caruotensis ad Adelam uxorem. 285 

^Bolianuth" und „Hamelnuth" finden sich ausser bei Bartolf, welcher si& 
aus uusereni Briefe seiner Erzahlung beigefiigt hat, sonst nicht mehr. 
Eine Deutung derselben zu geben, haben die Herausgeber des Rec.,. 
Hist. occ. III, p. 497 und 889 in ihren Ausgaben Bartolfs und des 
Briefes Stephans unterlassen. — 53. Die Zeit, in welcher die Emire 
dem Yagi Sijan zur Hilfe eilten und im Orontesthale anlangten, ist auf 
anfangs Februar 1098, nicht aber auf Ende Dezember 1097 zu 
setzen, s. n. 59. Da beim Anfang der Belagerung die Gesandtschaft 
an dieselben abgegangen war, so konnte allerdings der Hilfezug, wel- 
cher innerhalb dreier Monate erfolgte, als ein schneller und fiir die 
Franken unerwartet gekommener angesehen werden. Nach Raim. 247 C 
soll die Zalil der Feinde nicht weniger als 28000 Reiter betragen 
haben. S. a. HChr. u^ 233. 

54. h o c t o t u m : nicht nur \ on dem Heranzug eines Entsatzheeres lo 
infolge des Hilfegesuches Yagi Sijans, sondern auch von dem Hilfege- 
such selbst hatten die Belagerer kehie Kenntnis, s. n. 46. - — 55. mul- 
tos de nostris militibus per ciuitates et castella mise- 
ramus: s. oben zu IX, 5, n. 20, wo der Patriarch von Jerusalem auch 
erwahnt, dass zur Besitzerhaltung der Kastelle die Besatzungen der- 
selben die Streitkrafte des Kreuzheeres vor Antiochien sehr vermindert 
hatten. — 56. Zu beachten ist, dass nach Stephans Mitteilung Ende 
Marz 1098 allein in Syrien 165 Stadte und Burgen in der Kreuz- 
fahrer Besitz gelangt waren. Nach VIII, 12 hatten sie Mitte November 
1097 200 Stadte und Kastelle besetzt, wovon offenbar die grOssere 
Zahl in Romanien und Cilicien gelegen war, s. zu VIII, 8 n. 48. Der 
im Jan. 1098 abgefasste Brief des Patriarchen (IX, 2) nennt im ganzen 
als zur genannten Zeit in der Kreuzfahrer Gewalt befindlich 40 Haupt- 
stadte und 200 Kastelle, s. IX, n. 3. — 57. Fast die namlichen Worte 
gebraucht Stephan auch in IV, 7. — urbs ist Antiochien — „kurz 
bevor diese 5 Emire mit ihren 12000 Mann in die Nahe der Stadt 
herangekommen waren", was nicht der Fall war, weil die ausrucken- 
den Franken ihnen begegneten und eine Schlacht lieferten. Nach Rainu 
243 D sind die Frankenabteilungen unter Boemund und Robert von 
Flandern nacli Hispanien, d. i. ins Sarazenenland jenseits der Eisen- 
brftcke, gezogen, um Lebensmittel beizuschaffen, welche im 3. Monat 
der Belagerung sehr rar geworden waren : allein dieser Ende Dezember 
1097 stattgehabte Auszug ins Sarazenenland und die bei Marra den 
Turken gelieferte Schlacht kann hier von Stephan nicht gemeint sein^ 
sondern jener, der am 8. Februar 1098 bewerkstelligt worden ist, wo- 
von Gesta XVII und Raim. 146 f. erzahlen. Dass auch Stephan unter 
den Ausziehenden gewesen ist, geht aus den Worten unseres Absatzes 
hervor im Unterschied zu dem Berichte in Abs. 12, wo er von deu 
Fursten in der 3. Person redet; auch bestatigt Rad. c. 55 ausdriick- 
lich, dass Boemund, Gottfried und zuletzt Stephan ausgezogen seien. — - 
58. Stephau giebt den Ort des Zusammentreffens als in quandam 
planitiem ad Pontem Ferreum an, also nicht gar weit von der 
Eisenbrucke entfernt, was die Worte per tres leugas besagen, die 
die Strecke des Marsches, den die Kreuzfahrer von Antiochien her 
schon gemacht hatten, bestimmen. Naher bezeichnen den Ort Gesta 



286 Eiiauterungen zu X, 10. 11. 12. 

XVlh 2 als inter flumen et lacuin, d. i. zwischen dcm Orontes 
und dem Antiochiasee, und zwar in der Nahe der sogen. Eisenbrucke, 
womit auch Raim. 247 A ubereinstimmt. Nach Stephan hatte sonach 
die Zahl der Franken in Uebereinstimmung mit Raim. 247 A 700 Ritter 
betragen. — 50. Die Zeit ihrer Begcgnung war niciit der 
31. Dezember 1097, sondern der 9. Februar 1098, morgens in aller 
Friihe: denn die von Stephan hier gemachte Mitteilung kann nur mit 
dem identisch sein, was in Gesta XVII, in Epistula II Anselmi, XV, 8 
und bei Raim. 246 berichtet wird, woruber wir Naheres zu XV, 8, 
in HG365ff. u. HChr. 233 gesagt haben. — 60. Deus pugnauit pro 
iiobis. Ueber diese Worte vgl. a. zu VI, 3, n. 18 u. XVIII, 14, n. 72. 
Raim. 247 C: „inuocato Deo, adest Dominus fortis et potens in proe- 
lio, protexit fiJios, prostrauit inimicos . . . Deus, qui militibus nostris 
uictoriam conferebat, in peditibus nostris (vor Antiochien) proeliabatur". 
— 61, AehnUche Ausdrucke Abs. 6. Eine bestimmte Zahl der Ge- 
toteten w^ird nigends angegeben. — 62. Dass man die Kopfe der Er- 
schlagenen auf Pfahle gesteckt ins Lager vor Antiochien gebracht und 
100 derselben vor das Thor getragen habe, wo die Gesandten des 
egyptischen Emirs sich gelagert hatten, erzahlen Gesta XVII, 7 und 
Raim. 247 F. 
31 63. Es ist wohl nicht daran zu zweifeln, dass Stephan unter dem 

imperator die hOchste PersOnhchkeit in Egypten verstanden liat, 
welche die des Kalifen Abul-Casim Ahmed al-Mustah in Babylon, d. i. 
Kairo war. S. iiber denselben HG 274. Al-Mustali regierte von 1094 
bis zu seinem Tode am 8. Dezember 1101. Die aussere Politik hat 
aber dessen Emir oder Vezir Al-Afdal in der Hand gehabt. Obgleich 
der Wurde nach unter dem Kalifen stehend, war er doch die mass- 
gebende Pers5nlichkeit in Egypten, vgl. iiber beide: Gesta XXXIX, 5, 
n. 21; Wiistenteld, Gesch. d. fatimidischen Kalifen 45 — 53; Derenbourg. 
Vie d'Ousama 29. 65. 205 f. 241; Muller, Islam I, 637; Audiffret iii 
Biogr. Univers. t. XXX p. 250 ad voc. Mostaly, und unten zu XII, 
n. 32; ebenfalls HE 167 ff. — 64. Auch die Gesta XVH, 7 und Raim. 
247 G berichten von der damahgen Anw^esenheit der babyloni- 
schen, d. i. der egyptischen Gesandten. Aus ersteren erfalirt 
man, dass die vom Kampfe zuriickkehrenden Franken diesen Gesandten 
100 Kopfe erschlagener Tiirken iiberbracht hatten, und Raim. erzahlt: 
^erant eodem tempore (es war anfangs Februar 1098, s. n. 59) in nostris 
castris legati a rege Babyloniorum, qui uidentes mira, quae Deus per 
seruos suos operabatur, lesum glorificabant, qui per pauperes suos po- 
tentissimos tyrannos conculcabat. hi autem legati gratiam et bene- 
uolentiam apud regem suum nobis promittebant, praeterea plura bene- 
ficia regis in Christianos Aegyptios et peregrinos nostros referebant. 
itaque remissi sunt cum illis legati nostri, qui foedus amicitiamque 
cum rege inirent". Nach Hist. belli sacri c. 22 seien schon von Nicaea 
aus Gesandte nach Kairo geschickt worden, welche die Haltung des 
egyptischen Kalifen beeinflussen soUten. Diese seien dann nach c. 42 
von Kairo mit den egyptischen Gesandten ins Lager vor Antiochien 
zuriickgekommen. Ueber des Kalifen Politik gegen die Franken vgl. 



Epistula II Stephani comitis Carnotensis ad Adelam uxorem. 237 

2u XV, 21, II. 132, ebenfalls Sybel 418 und 478 (351 und 403), und 
HG 274. 

65. Die Fastenzeit begann am 10. Februar 1098. Das Oster- 12 
fest fiel in diesem Jahre auf den 28. Marz. — 66. quandam por- 
tam: Dieses Thor ist das sogenannte Briickenthor, welches im Nord- 
westen der Stadt gelegen ist, wo die Stadtmauer den Orontes beruhrt 
und eine steinerne Briicke tiber den Fluss fuhrt; Gesta XVIII, 2 : „ante 
portam urbis, ubi pons est". Die nahere Bezeichung in unserem Briefe : 
quae erat inter castra nostra et mare ist vage und kann nur 
<lahin verstanden werden, dass dieses Thor von den Kreuzfahrern noch 
nicht belagert, bezw. von aussen noch nicht besetzt war, von wo aus 
die Tiirken freien Pass nach dem rechten Ufer des Orontes und eben 
damit nach dem Meere gehabt haben. Ueber die Thore Antiochiens, 
insonderheit iiber das Bruckenthor, vgl. Gesta XII, 2, n. 11 u. XVII, 8, 
ji. 46; ebenfalls FOrster, Antiochia am Orontes S. 116. — 67. Der 
Beschluss iiber die Erbauung eines Kastells dem Brlicken- 
thore gegeniiber, dessen Begriindung in den folgenden Worten an- 
gegeben ist, wurde nach Epist. Lucc. von den Fiirsten am 5. Marz 
gefasst, s. n. 77 u. unten XVII, 5, n. 17. Naheres iiber diesen Be- 
schluss lesen wir in den Gesten XVIII, 2, wo der Verfasser in Ueber- 
einstimmung mit unserem Briefe folgendes schreibt: „uidentes autem 
nostri maiores, quod male tractarent et constringerent nos inimici nostri, 
qui erant in ciuitate die ac nocte inuigilantes et insidiantes, qua parte 
nos laedere possent, congregati in unum dixerunt: prius quam per- 
damus gentem nostram, laciamus castrum ad Machumariam, quae est 
ante portam urbis, ubi pons est, ibique forsitan poterimus nostros con- 
stringere inimicos. consensuerunt omnes et laudauerunt, quod bonum 
-esset ad faciendum. comes de S. Aegidio primus dixit: estote mihi in 
^diutorium ad faciendum castrum, et ego muniam et seruabo. respondit 
JBoemundus : si uos uultis et alii seniores laudant, ibo uobiscum ad 
portum S. Simeonis diligenter conducere illos, qui illic sunt homines, ut 
peragant hoc opus". Damit nun, dass man dem Briickenthore gegeniiber 
-am nOrdlichen rechten Orontesufer ein Kastell zu errichten beschlossen 
Jiat, ist nur soviel erwiesen, dass eben vor jenem Thore die Kreuz- 
fahrer eine geniigende und nachhaltige Position noch nicht eingenommen 
hatten. Thatsachlich lagerte Raimund mit seinen Provenzalen in der 
^ahe, allerdings, wie es scheint, anfanglich nur zwischen dem linken 
Ufer des Orontes und den Stadtmauern, welche letztere vom Brucken- 
thore in Ostlicher Richtung sich immer weiter vom Flusse entfernten 
(s. a. zu XV, 5 n. 27); allein spater erkannte man die Wichtigkeit der 
Lagerung dem Briickenthore gegenuber, weil dieses von den Feinden 
in der Stadt in erster Linie zum Ausfallsthore beniitzt wurde. Um die 
Stellung zu verstarken und den Tiirken die MOglichkeit zu nehmen, 
4ass die nach dem Meere und von da zuruckziehenden Franken von 
ihnen belastigt wiirden, wurde die Anlage eines Kastells angeordnet. 
Dass man gleich zu Anfang der Belagerung nicht sofort auch vor die- 
sem Thore ein starkes Belagerungscorps aufgestellt hatte, mag darin 
seinen Grund haben, weil man nach der Meeresseite liin eine beson- 
dere Hilfezufuhr nach der Stadt nicht vermutet und weniger von dort- 



288 Eriauteningen zu X, 12. 13. 

lier Belastigungen vorausgesehen hat. Man vgl. hieruber a. Sybel 38(> 
(323) und Kugler, Albert 70 ff. — 08. leuga, d. franz. lieue, d. i, 
Wegstuude. Die Angabe Stephans entspricht der Wirklichkeit, denn 
die Lufthnie zwischen Antiochien und deni Meere bezw. Simeonshafen 
betragt 22 Kilom., d. i. 5 Stunden. Raim. 242 H, Wilh. Tyr. IV, 10 
und Caf. Lib. Or. geben die Entfernung auf 10 miliaria an, vgl. a. 
Gesta XVIII, 3, n. 14. — 69. Nach dem in n. 67 mitgeteilten Berichte 
der Gesta hat Boemund sich freiwilhg bereit erklart nach S. Simeons- 
hafen sich zu begeben und von dort her Arbeiter zu holen, w^elche au 
dem Kastellbau sich beteiligen sollten. Vielleicht hat um dieser Er- 
klarung willen Stephan dem Boemund das Pradikat egregius gegeben. 
— 70. ad mare, d. i. nach S. Simeonshafen. Ueber den an der 
Orontesmtindung ca. 4 Stunden westlich von Antiochien gelegenen por- 
tus S. Simeonis, von Rad. c. 49 Sedium, von Anna, ed. Bonn. II, 8(v 
Sudi, von Caf. 50 B Sulinus, heute Sueidieh genannten Hafen, vgL 
HG 277 und HGa 258. — 71. Die Lesart milibus ist ohne allen 
Zweifel irrig und es ist wahrscheinHch comitibus oder anstatt 
„militum mibbus": militibus zu lesen. Nach Caf. a. a. 0. sei Boe- 
mund mit 100 Rittern aus dem Kreuzheere nach der Sulinamtindung 
gezogen; nach Albert III, 63 : „cmn plurimis peditibus". — Die mari- 
narii sind nautae, mariniers, Schiffer. Die Gesta a. a. 0. reden von 
„homines ut peragant hoc opus"; Raim. 248 B C von nautae, welche 
„cum rastris et aliis instrumentis" den Bau des Kastells befOrdern 
sollten, Albert III, 63 von „socii ad opem construendi praesidii"*. Nach 
Raim. a. a. 0. waren in S. Simeonshafen im fiinften Monat der Be- 
lagerung, d. i. nach dem 21. Februar 1098, Schiffe mit Nahrungsmittehi 
J}efrachtet von iiberallher eingetroffen: „iam in V**' mense obsidionis 
nostrae naues undique cum alimoniis ad portum nostrum apphcabant". 
Nach Raim. 242 H und Caf. Lib. 50 B waren genuesische Schiffe in 
S. Simeonshafen schon Ende Dezember 1097, und nach Raim. 290 G 
englische schon vor der Ankunft des Kreuzheeres vor Antiochien in 
S. Simeonshafen und bei der Stadt Laodicea eingetroffen und solche 
taghch unterwegs, s. zu XVII, n. 7. — 72. Nach Caf. Lib. Or. 50 D 
seien 1000 turkische Soldaten aus Antiochien heimUch ausgezogen um 
den von S. Simeonshafen zuruckkehrenden Boemund und Raim. zu 
tiberfallen. — 78. improuisus hier offenbar in der Aktivbedeutung : 
der sich nicht vorgesehen hat, weil er einen solchen Angriff nicht ver- 
mutetei Auch von Albert III, 63 wird derselbe Ausdruck in der nam- 
hchen Bedeutung gebraucht. Raim. 248 D sagt ausdrucklich: „nostri 
autem nimis temere atque inordinate progressi solo tumultu suo securi 
esse arbitrabantur". — 74. Einiges weitere tiber den Hergang dieses 
Ueberfalles erfahren wir aus Gesta XVIII, 4 und Caf. a. a. 0. 
Erstere berichten: „am namhchen Tage, an w^elchem Boemund und 
Raimund nach S. Simeonshafen gezogen seien, hatten die Tiirken einen 
Ausfall gemaclit und mehrere aus den Belagerern getOtet. Am darauf- 
folgenden Tage (6. Marz), als die Turken von dem Auszug der Kreuz- 
fahrer nach S. Simeonshafen benachrichtigt worden waren, seien sie 
den vom Hafen Zuriickkehrenden entgegengezogen. Bei ihrer Begeg- 
nung mit denselben hatten sie unter furchterlichem Geschrei den Kampf 



Epistula II Stepliani comitis Carnotensis a^I Adelam uxorera. ^*;^9 

begonneii und seien so lieftig auf die Franken eingedrnngen, dass diese 
durcli das Hochgebirge und Avohin ihnen gerade der Weg offen stand, 
geflohen seien. Wer nicht habe fliehen konnen, sei getotet worden, 
vvobei denn auch mehr als 1000 ihr Leben eingebiisst iiatten. Erganzend 
hiezu entnehmen wir aus Cat a. a. 0., dass Boemund mit vielen Bitten 
die Genuesen in S. Simeonshafen ersucht habe und diese alsdann von 
ihren besten Kriegsleuten 600 Mann abgegeben hatten; ebenfalls dass 
die aus Antiochien ausgezogenen Tiirken an Zahl 1000 gewesen seien; 
wogegen Albert III, 63 sogar 4000 auserlesene tilrkische Soldaten aus 
xVntiochien gegen die von S. Simeonshafen zurlickkehrenden Kreuzfahrer 
ausriicken lasst, welche letztere Zahlangabe sicher unrichtig ist. — 
75. improuisa fuga: die unvorhergeseliene plotzlich eingetretene 
Fkicht. — 70. Die Angaben uber den Verlust zuniichst der Frankea 
sind verschieden: nach Raim. 248 E gegen 300, nach den Gesta mehr 
als 1000, nach Albert III, 63 500 abgeschnittene Kopfe und unzahlige 
Verwundete und Gefangene. Die Angabe Raimunds verdient den Vor- 
zug vor derjenigen Stephans und der der Gesten; vgi. a. zu Gesta 
XVIII, n. 27 und unten zu XV, 10 n. 49. 

77. eadem die: an jenem Tage, als Boemund und Raimund 13 
mit den Seeleuten von Simeonshafen zuruckkelirten und unterwegs 
zur FJucht gezwungen worden sind: es ist dies nach den vereinigten 
Angaben der Gesta und der Epist. Lucc. (XVII, n. 19) der 6. Milrz 
1098.